Wo wir nicht sind
Über Literatur aus anderen Zeiten und anderen Orten: "Wo wir nicht sind" beschäftigt sich mitWeltliteratur. Die Kolumne wurde bis 2023 vonThekla Dannenberg verfasst. Ab Mai 2025 schreibt sie im Wechsel mitBenita Berthmann.
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Bekenntnis zur unbedingten Erinnerung
Wo wir nicht sind21.01.2026Anatoli Kusnezows "Babyn Jar" ist vieles auf einmal: Roman, Dokument eines dergrausamsten Judenmorde der Nazis im Zweiten Weltkrieg, aber auch eineGeschichte der Zensur. Denn der Roman durfte in der Sowjetunion nur bis zur Unkenntlichkeit verstümmelt erscheinen. Kusnezow macht dies typografisch kenntlich. Vor allem ist der Roman jedoch Zeugnis der Naziherrschaft in der Ukraine, erzählt aus der Perspektive eines12-Jährigen, der nie den Blick senkt. VonBenita BerthmannSehnsucht nach Kälte
Wo wir nicht sind29.12.2025Hoch oben imarktischen Norden, nahe am Pol, funktioniert der Kompass nicht mehr: Mit ihrem Roman "Wo das Eis niemals schmilzt" öffnet uns die finnische AutorinInkeri Markkula nicht nur die Augen für die Schönheit des Nordens und die Lebenswelt seiner indigenen Bewohner. Sie setzt auch dem räuberischen Griff der Autokraten und Rohstoffkonzerne eineLiteratur der Sensibilität entgegen VonThekla DannenbergArbeits-Ich und Ich-Ich
Wo wir nicht sind19.11.2025Arbeiten - für was, für wen, warum? Diese Fragen stellt sich die Protagonistin inKikuko Tsumuras Roman "Lasst mich einfach hier sitzen und Yakisoba essen". Sie versucht mit einer Reihe von Low-effort-Jobs, die sie alle nach kurzer Zeit wieder kündigt, eine Art Balance im Leben zu finden. Ein Buch, das gut in die Debatten umGen Z und Leistung,Identität undSelbstfindung passt. VonBenita BerthmannKeinen Rückzieher machen
Wo wir nicht sind08.10.2025Die kamerunische SchriftstellerinHemley Boum erzählt in ihrem mit dem Grand Prix Afrique ausgezeichneten Roman "Wind, der uns heimträgt" melancholischwie ein Blues von zwei Männern, einemFischer in Kamerun und seinem Enkel, einemPsychologen in Paris, die zur Selbstzerstörung verdammt sind. VonThekla DannenbergKartierung der Verletzungen
Wo wir nicht sind03.09.2025Jorge Barón Biza erzählt in seinem einzigen, stark autobiografisch gefärbten Roman vomSäureattentat des Vaters auf seine Mutter, vom Leben danach, den Operationen und der Veränderung ihres Gesichts, diesem "Faltenwurf einer vulkanischen Aktivität", aber auch vom Lebenim Exil, zu dem die antiperonistischen Eltern gezwungen waren. VonBenita BerthmannAlle drei Lais
Wo wir nicht sind28.07.2025Lai Wenhat als Studentin das Massaker am Tian'anmen-Platz überlebt. Ihre Heldin, die sicher nicht zufällig auch Lai heißt, wächst in den 1970ern und 80ernin Pekingauf, ist dort eine kluge Studentin und war ebenfalls auf dem Tian'anmen-Platz. Davon erzählt Wen in einem einfachen und zurückgenommenen, aber nicht reizlosen Stil. VonBenita BerthmannDas Geheimnis der Welt
Wo wir nicht sind22.07.2025Die mexikanische Historikerin und SchriftstellerinCristina Rivera Garza erinnert mit diesem Buch an ihre dreißig Jahre zuvorermordete Schwester. "Lilianas unvergänglicher Sommer" beginnt als Ermittlung, wandelt sich zu einer Reflexion über Gewalt und Freiheit und endet alstrostreiches Buch über Trauer, Liebe und Freundschaft. VonThekla DannenbergDirekt ins Ohr
Wo wir nicht sind28.05.2025In Sulaiman AddoniasRoman "Die Sehenden" leitet uns der Erzähl- und Bewusstseinsstrom einerSiebzehnjährigen, die aus Eritrea nach London geflohen ist, durch eine Geschichte,dieSexualität, Kolonialismus, Identität(sfindung), Unterdrückung undSelbstermächtigung verflicht. VonBenita BerthmannDie große Wunde
Wo wir nicht sind06.04.2023Marco Bellocchios Miniserie aufarte, "Draußen die Nacht", über dieEntführung und Ermordung Aldo Moros, erinnert an die Eruption der politischen Gewalt in Italien in den siebziger Jahren. In seinem neu aufgelegten Pamphlet "Die Affäre Moro" kritisierte der sizilianische SchriftstellerLeonardo Sciascia beide Seiten: Die terroristischen Roten Brigaden, aber auch die harte Position der Regierung Andreotti, die nicht verhandeln wollte. VonThekla DannenbergDie Zeit des Krokodils
Wo wir nicht sind02.03.2023Der großen afrikanischen Bibliothek der Verzweiflung fügt die simbabwische AutorinNoViolet Bulawayo ihre Romansatire "Glory" hinzu. Sie erzählt vomAufstieg des Krokodils nach dem Sturz des Alten Pferdes. VonThekla DannenbergGesang der Sehnsucht
Wo wir nicht sind27.12.2022Anuk Arudpragasamerzählt in seinem meditativen Roman "Nach Norden" von Liebe und Verlust, Trauer und Schmerz. Der Härte und Grausamkeit desBürgerkrieges in Sri Lanka setzte er konsequent die Sanftheit der Gedanken und Gefühle entgegen. VonThekla DannenbergJetzt sind wir dran!
Wo wir nicht sind21.11.2022Marie Vieux-Chauvet, die Ikone der haitianischen Literaur, erzählt in "Töchter Haitis" von einerSelbstbefreiung. Es ist die Geschichte einer jungen Frau, die in einer Gesellschaft aus Arroganz und Neid ihrdespotisches Erbeabschüttelt. VonThekla Dannenberg


