Vorworte
Angela Schader macht sich mit kleinen Essays für AutorInnen und Bücher stark, denen sie viele Leser wünscht. Darum erscheint ihre Kolumne immer kurz vor den Büchern! Und wir verbinden sie mit einer Leseprobe.
48 Artikel - Seite 1 von 4
"Leiden lernt man durch Leiden"
Vorworte07.01.2026Wenn manvierzig Jahre über Bücher geschrieben hat, sollte das Territorium der eigenen Interessen einigermaßen kartiert sein. Meint man. Aber Literatur schlägt immer mal wieder zu und ein, wo man es nie erwartet hätte. So hatSon Lewandowskis Debütroman "Die Routinen" die angejahrte "Vorworte"-Schreiberin wortmächtig an dieSchicksale junger Kunstturnerinnen herangeführt. VonAngela SchaderIn solchem Boden schlägt man keine Wurzeln mehr
Vorworte03.11.2025Fast neidvoll sagen es die Schriftstellerkollegen:Hisham Matar habe infolge seiner Familiengeschichte "eine Menge Material". Der libysche Autor, dessenVater vom Gaddafi-Regime entführt,gefoltert und ermordet wurde, schätzt solche Bemerkungen nicht; doch sein Land beschäftigt ihn - der seit langem in London lebt - nach wie vor. Sein neuer Roman entwirft ein im Exil entstehendes,komplexes Rhizomgeflecht von Freundschaften, ohne dabei die verbrannte Erde der Heimat aus dem Blick zu verlieren. VonAngela SchaderGut geschlafen, bös erwacht
Vorworte02.10.2025Seit den Terroranschlägen des 11. September kennt die marokkanisch-amerikanische SchriftstellerinLaila Lalami das Gefühl, in den USA "Bürgerin auf Bewährung" zu sein und im Schatten einesGeneralverdachts zu leben. Diese Erfahrung wie auch das Wissen um die wachsendenMengen an Daten, die das Internet über jeden Nutzer amalgamiert, haben sich in ihrem jüngsten Roman zur Dystopie verdichtet. Komfort und Muße sollte nicht erwarten, wer "Das Dream Hotel" betritt. VonAngela Schader"Was ist es, das uns aufscheuchen kann?"
Vorworte05.09.2025Die obige Frage formuliertSamanta Schweblin im Zusammenhang mit ihrem jüngsten Buch, aber sie ist dem gesamten Werk der argentinischen Autorin eingeschrieben. Die Antwort findet sie nicht unbedingt in derdirekten Konfrontation mit Gegenwartsthemen: Schweblins meist in kurze Erzählformen gefasste Szenarien sind vonbestechender Eigenwilligkeit - und sie zu ergründen bleibt der Leserin, dem Leser selbst überlassen. VonAngela SchaderHinter den Spiegeln liegt kein Wunderland
Vorworte14.07.2025Seit Lewis Carrolls zweitem Alice-Roman wissen wir, dass sichhinter den Spiegeln seltsame und ungemütliche Welten auftun können. Das erfährt auch die Protagonistin inKatie Kitamuras "Die Probe": Spiegelungen sind eine Art Leitmotiv im Abschlussband der so klug wie raffiniert entwickelten Trilogie, in welcher die Schriftstellerin dieAmbivalenzenvon Passivität und weiblichem Rollenspiel auslotet. Aber Achtung: Bei Bedarf kann diese Autorin auch hinlangen, dass es sorichtig wehtut. VonAngela SchaderAfghanistan, heilloses Land?
Vorworte02.06.2025Aufgewachsen ist er in den USA, aber vonAfghanistan, der Heimat seiner Eltern, kommtJamil Jan Kochai nicht los. Mit vollen Händen greift er in die Reservoirs der beiden Kulturen, die ihn geprägt haben, und formt so dieeigene Familiengeschichte wie auch das Schicksal des heimgesuchten Landes eigenwillig aus. Mehr noch als in seinem Debütroman kommt dieses Potenzial im nun auf Deutsch erscheinenden Erzählband zum Tragen. VonAngela SchaderEin Hexentanz der Vorurteile
Vorworte19.05.2025Identität. Intersektionalität. Wokeness.Eine Bewusstwerdung, begonnen im Interesse der Offenheit und Toleranz, droht sich ins Gegenteil zu verkehren und bietet rechtslastigen Kräften damit willkommene Angriffsflächen. Der Zeitpunkt für die Wiederentdeckung vonWilliam Gardner Smith könnte besser nicht sein: In zweien seiner Romane geht der Afroamerikaner das ThemaRassismus aufäußerst unorthodoxe Weise an. VonAngela SchaderIhres Bruders Hüterin
Vorworte10.03.2025Unbefangen deklariert sie schon ganz zu Beginn ihre eigene Unmöglichkeit - oder sollen wirSarah Bernsteins Ich-Erzählerin wirklich glauben, dass sieschon als tapsiges Kleinkind die Sorge für die Schar der älteren Geschwister übernommen hat? Wir müssen wohl. Denn mit ihrem Monolog, in dem sich Skurriles mit Sinistrem, lyrische Sensibilität mitMesserschärfe verbindet, hat sie die Leserin, den Leser umgehend in der Tasche. VonAngela SchaderNicht super, aber Mann. Das kann spannend werden
Vorworte30.01.2025Geht das noch? Eine ganze Erzählsammlung fast ausschließlichauf Männer zu fokussieren, ohne derzeit virulenten Geschlechterdebatten das geringste Augenmerk zu schenken? Aber sicher - wenn man die Thematik sovielschichtig und eigenwillig angeht wie der AmerikanerZach Williams. Sein 2024 erschienenes literarisches Debüt erscheint demnächst auf Deutsch. VonAngela SchaderUnd in der Mitte ein Schwarzes Loch
Vorworte22.01.2025"Körper aus Licht" verheißt der Titel vonJennifer Downs Roman - doch was die junge australische Autorin in ihrem mit dem wichtigsten Literaturpreis des Landes ausgezeichneten Buch zu erzählen hat, steht inkrassem Gegensatz zur Überschrift. Gelingt es ihr dennoch,Finsternis und Helle im Gleichgewicht zu halten? VonAngela SchaderDie Hölle sind nicht nur die andern
Vorworte11.11.2024Ihre Mutter führte einenSchönheitssalon. Sie selbst aber hielt den Leuten den Spiegel vor und zeigte sieungeschminkt - ob sie dunkelhäutig waren oder weiß, privilegiert oder elend. NachAnn Petrys drei Romanen erscheinen nun die gesammelten Erzählungen der afroamerikanischen Schriftstellerin. VonAngela SchaderDrei rennen dem Geld nach - und der Leser kassiert
Vorworte07.10.2024Verdient ein Buch, dessen Hauptfiguren auf denSchaubühnen des globalen Kapitalismus erbittert um Karriere, schnelles Geld oder das schiere Überleben kämpfen, den Titel "Der Wert der Welt"? Auch wenn der Debütroman des kurdischen AutorsAgri Ismaïl im Original anders heißt: Mit seinem Facetten- und Ideenreichtum und seinembeißenden Witz wird er der deutschen Überschrift durchaus gerecht. VonAngela Schader
Elias Hirschl: Schleifen
Jana Hensel: Es war einmal ein Land
Julian Barnes: Abschied(e)
Norbert Gstrein: Im ersten Licht