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Perlentaucher - Online Kulturmagazin mit Presseschau, Rezensionen, Feuilleton

zuletzt aktualisiert 17.02.2026, 21.37 Uhr
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Unterwäsche, Ketamin und Munition

Ein Blick in internationale Magazine. Jeden Dienstag Mittag
17.02.2026.New Lines erzählt, wie sich dieMullahs im Iran die Taschen voll machen.Respekt zeichnet nach, wie der tschechische PremierAndrej Babiš versucht, die Kontrolle über die Medien zu übernehmen. Wie Kirchen, Königshäuser und Staaten seit eher probierten, die Kontrolle über Nachrichten zu behalten, lernt dieLRB beim Blick in dieGeschichte der Postsysteme in Europa.  InLe Grand Continent erklärt der HistorikerAmaury Coulomb, warum die AfD den Mythos vomdeutschen Wald wiederbelebt. Aktualne feiert die tschechische KomponistinVítězslava Kaprálová, die nicht weniger wollte, als alle drei B-B-B zu übertrumpfen.

New Lines Magazine (USA), 16.02.2026

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DieIslamische Republikhat den Iran nahe an den wirtschaftlichen Zusammenbruch gebracht. Die Proteste zu Beginn des Jahres waren denn auch vorrangig von der unteren Mittelschicht getragen,weiß Yeganeh Torbati und blickt genauer auf dieMachenschaften der Mullahs, die sich selbst die Taschen voll machen, während ihr Volk verarmt: "Eliten mit Verbindungen zu Regierungsbeamten bereichern sich durch lukrativeRentier-Systeme, die der Wirtschaft nichts bringen, und genießen privilegierten Zugang zu Bankkrediten, der dem Durchschnittsbürger verwehrt bleibt. Von Khomeinis Nachfolger, Ayatollah Ali Khamenei, kontrollierte Konzerne verdrängen legitime Privatunternehmen und dehnen ihre Imperien durch offene oder verdeckte Drohungen aus." Außerdem gibt es ein ständiges Bestreben, erfolgreichen Einzelunternehmen oder Branchen, die sich nicht der Ideologie des Regimes unterwerfen, Steine in den Weg zu legen: "Ein Beispiel verdeutlicht diese Dynamik eindrücklich. Im Mai 2004blockierten Revolutionsgarden mit bewaffneten Land Cruisern die Landebahn des brandneuen internationalen Flughafens von Teheran, um die Landung des Erstflugs zu verhindern. Nach langem Bitten des damaligen iranischen Verkehrsministers durfte der Flug schließlich landen. Kampfflugzeuge fingen jedoch einen zweiten Flug mit Zivilisten ab und drohten, ihn abzuschießen, falls er nicht sofort vom Flughafen abdrehte, wie der ehemalige Verkehrsminister Ahmad Khorram berichtete. Die Revolutionsgarden begründeten ihr Vorgehen damit, dass das mit dem Betrieb des Flughafens beauftragte türkisch-österreichische Unternehmen ein nationales Sicherheitsrisiko darstelle. Khorram deutete jedoch öffentlich an, dass der wahre Grund für die drastische Intervention darin lag, dassiranische Unternehmen unter der Führung der Revolutionsgarden zwar Angebote für die Ausschreibung abgegeben hatten, diese aber aufgrund höherer Preise abgelehnt wurden."

Respekt (Tschechien), 15.02.2026

"Die tschechische Regierung folgt demHandbuch der Autoritären: private Medien diskreditieren, öffentlich-rechtliche dominieren", lautet die alarmierteMeldung von František Trojan und Filip Zelenka. Der tschechische PremierAndrej Babiš habe in seiner Rede auf dem Parteitag der ANO-Bewegung seinen neuen Erzfeind vorgestellt - die Medien. Ihm zufolge führten die Tages- und Wochenzeitungen, das Fernsehen, das Radio und die Mainstream-Onlineportale einen unfairen Kampf gegen ihn und versuchten, ihn aus der Politik zu drängen. Deshalb, so Babiš, müsse etwas unternommen werden, um diesen Gegner zu zähmen. "Es klingt wie eineKriegserklärung, und wahrscheinlich ist es das auch. Die Koalition aus ANO, [der rechtsextremen] SPD und den Motoristen will nach slowakischem Vorbild dieKontrolleüber die öffentlich-rechtlichen Medien übernehmen - das heißt die Rundfunkgebühren abschaffen, die Finanzierung an das BIP koppeln und dann die Führungspositionen neu besetzen." Es seien aber nicht nur die oft geschmähten öffentlich-rechtlichen Medien, noch stärker greife Babiš rhetorisch die Nachrichtenportale des privaten Medienunternehmens Seznam an (Seznam Zprávy und Novinky.cz). "Er bezeichnet sie als verlogen, manipulativ, feindselig und zuletzt auch als korrupt - und das, obwohl seine Anwälte bereits vor Monaten eineAbmahnung erhalten haben, die ihn eigentlich warnen sollte, dass die Leitung und der Eigentümer von Seznam bereit sind, gegen seine Angriffe gerichtlich vorzugehen." Was Andrej Babiš' Rückkehr an die Macht für die Freiheit der Medien bedeutet, analysiert das MagazinRespekt noch ausführlicher in seinem aktuellen Schwerpunkt (und online hinter Bezahlschranke).
Archiv:Respekt

London Review of Books (UK), 19.02.2026

James Meekbeschäftigt sich mit den Erfolgen vonRechtspopulisten in Rumänien - und vor allem mitCălin Georgescu, der 2025 auf dem Weg war, die Präsidentschaftswahl zu gewinnen (mehr auchhier), bevor ihn das Verfassungsgericht in Bukarest von der Wahl ausschloss. Diese für die rumänische Demokratie äußerst problematische Episode verweist laut Meel auf einen schweren Vertrauensverlust der liberalen Eliten des Landes. Aber was hat es mit Georgescu auf sich? Laut Meek hat der nicht zuletzt deshalb Erfolg, weil es ihm gelungen ist, sich selbst als eine Art "rechtsextremes Wellness-Produkt" zu vermarken. Die Covid-Pandemie half ihm dabei: "Im Januar 2021, auf dem Höhepunkt der Pandemie, einen Tag bevor Präsident Klaus Iohannis versuchte, die Bevölkerung zu beruhigen, indem er sich selbst impfen ließ, wurde Georgescu dabei gefilmt, wie er in einem eiskalten österreichischen See schwamm. 'Es ist eine Pandemie der Angst und der Dummheit. Und darüber liegt eine Pandemie der Heuchelei und Manipulation', sagte er. 'Ich vertraue meinem Immunsystem, weil ich seinem Schöpfer vertraue und volles Vertrauen in ihn habe. Meine Immunität hängt von der Souveränität meines Seins ab. Meine Immunität wird nur in der Natur erhalten und trainiert … nicht im Labor. Was Georgescu besonders macht, ist, wie weit seine Förderung eines 'natürlichen, traditionellen' Weges zum Wohlbefinden geht - weit über Impfgegner-Verschwörungstheorien und Anti-Establishment-Rhetorik hinaus. Sein gesamtes politisches Programm, sofern man überhaupt von einem solchen sprechen kann, basiert auf der Notwendigkeit, Rumänien zu heilen, indem einsynthetisches Mittelalterland geschaffen - oder, wie er es darstellt, wiederhergestellt - wird: agrarisch, handwerklich, patriarchal, orthodox-christlich, selbstversorgend mit Bio-Lebensmitteln, frei von Chemikalien, frei von Moderne, befreit von allem und jedem, den er ablehnt. Es besteht eine Verbindung zwischen seinen Ideen und denen Robert F. Kennedy Jrs., dem impfkritischen US-Gesundheitsminister und Wellness-Enthusiasten. Georgescu lässt keine Gelegenheit aus, damit zu prahlen, das Vorwort zu einem von Kennedys Büchern geschrieben zu haben - wobei er den entscheidenden Zusatz 'für die rumänische Ausgabe' weglässt."

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Entlang von Rachel Miduras"Postal Intelligence: The Tassis Family and Communications Revolution in Early Modern Europe" undJoad Raymond Wrens"The Great Exchange: Making the News in Early Modern Europe", beide vergangenes Jahr erschienen,erzählt John Gallagher dieGeschichte der Postsysteme im Frühneuzeitlichen Europa. Zu lesen ist von ersten Postkriegen zwischen den europäischen Mächten, demUrsprung des Newsletters im 15. Jahrhundert und Propaganda, Nachrichtenkontrollen und -sperren durch Kirche, Königshäuser und Staaten: "Im Jahr 1703 gründete Peter der Große dieVedomosti, die erste gedruckte Zeitung in russischer Sprache, obwohl russische Beamte sechs Jahrzehnte später beklagten, dass diePropagandakraft eines staatlichen Medienorgans nicht ausgeschöpft werde, da Exemplare der Zeitung 'nicht in allen Städten des Russischen Reiches erhältlich sind und daher nicht überall Nachrichten über [unsere] militärischen Erfolge empfangen werden.'" Desinformationskampagnen gab es allerdings schon vorher: "Der russische Staat nutzte seine Diplomaten im Ausland, um die falsche Nachricht von der Niederschlagung der Rebellion von Stenka Razin im Jahr 1671 zu verbreiten. DieLondon Gazette druckte die Nachricht unter Berufung auf einen 'Gesandten des Zaren von Moskau' in Den Haag, merkte jedoch an, dass die Nachricht noch nicht bestätigt worden sei. Der BerlinerMittwochischer Mercurius äußerte sich offener skeptisch und schrieb: 'Niemand weiß, was in dieser Frage die Wahrheit ist. Wie könnten wir unter solchen Umständen jemals verlässliche Informationen aus Moskau erhalten, das etwa vierhundert Meilen entfernt liegt?' Andere staatliche Akteure logen durch Verschweigen, wobei diesorgfältige redaktionelle Kontrolle der nationalen Gazetten das, was als druckreif angesehen wurde, erheblich einschränkte."

Le Grand Continent (Frankreich), 15.02.2026

Der HistorikerAmaury Coulomberklärt dem internationalen Publikum den Mythos vomdeutschen Wald, denn dieser wird gerade von derAfD wiederbelebt und erlaubt es der rechtsextremen Partei, mehrere Fliegen mit einer Klappe zu schlagen: die Fremdenfeindlichkeit, den Hass auf Windräder und die unauffällige Wiedereinführung einesNazivokabulars mit Begriffen wie dem des "Lebensraums". Coulomb liest dafür unter anderem das Wahlkampfprogramm der sachsen-anhaltischen AfD, die Chancen hat, an die Regierung zu kommen. "In einem Abschnitt, der sich mit Agrikultur, Forstwirtschaft und Heimat befasst, heißt es, dass Asylbewerber bis zu ihrer sehrwahrscheinlichen Ausweisung Aufforstungsarbeiten werden verrichten müssen. Im folgenden Absatz wird festgehalten, dass 'der Mythos des Waldes und die Waldromantik ein zentraler Bestandteil unserer Kultur und Geschichte sind', die Errichtung vonWindkraftanlagen in diesen Gebieten wird im Namen des Schutzes der Artenvielfalt kritisiert. Um ihre systematischen Angriffe auf die Energiewende zu rechtfertigen, bedient sich die AfD ökologischer Argumente. Die Partei, die nach wie vor eine entschiedene Gegnerin der Klimapolitik und Verfechterin fossiler Energien ist, scheint damit an eine spezifische 'ökofaschistische'Tradition anzuknüpfen."
Stichwörter:Deutscher Wald,AfD

Eurozine (Österreich), 16.02.2026

Lucija Tunkovićwidmet sich einer besonders gefährlichen und abstoßenden SeiteKünstlicher Intelligenz: Durch Bildgenerierungs-Tools wieVeo 3 oderElon Musks KI-Chatbot "Grok" verbreiten sich frauenfeindliche Videos rasend schnell im Netz, von KI-generierten Pornos, bei denen die Gesichter realer Frauen auf nackte Körper montiert werden bis zu Mordfantasien: "Hinter dem YouTube-Profil 'Woman Shot A.I' veröffentlichte ein anonymer Nutzer vom 20. Juni 2025 bis Mitte September Videos mit Titeln wie 'Japanische Schülerinnen in die Brust geschossen', 'Sexy Hausfrau in die Brust geschossen', 'Tragisches Ende einer Reporterin' und 'KI-Kopfschuss'. Die KI-generierten Inhalte zeigen Frauen, die Sekunden vor ihrer Ermordung um Gnade flehen, bevor sie erstochen, in die Brust geschossen oder enthauptet werden. Die Videos hatten über tausend Follower und mehr als 175.000 Aufrufe." Hier "geht es nicht um die Schattenseiten des Internets, wo in fremder Unterwäsche, Ketamin und Munition gestöbert wird, sondern um Videos, die auf einerglobalen Videoplattform zugänglich sind, die täglich von Millionen von Erwachsenen und Kindern genutzt wird. Die Tatsache, dass keiner der bestehenden Verifizierungsmechanismen das Problem erkannte - zuerst Veo 3, das angeblich alle Anfragen blockiert, die gegen Googles Richtlinien verstoßen, und dann YouTube - zeigt, wie leichtGewalt gegen Frauen hingenommen wird. Das umstrittene Profil wurde erst entfernt, nachdem das unabhängige Medienportal404 Media über den Fall berichtet und eine Stellungnahme von YouTube angefordert hatte - also erst, als 'Woman Shot A.I.' zu einem potenziellen PR-Problem wurde."
Archiv:Eurozine

HVG (Ungarn), 12.02.2026

Anlässlich der Bestätigung derBenes-Dekrete in derSlowakei, nach denenEnteignungen in den Kreisen derungarischen Minderheit in der jüngsten Vergangenheit durchgesetzt wurden und deren Infragestellung der Strafbarkeit unterliegt (mehr hier), spricht der zur ungarischen Minderheit in der Slowakei gehörende PolitikerÖrs Orosz imInterview mit Péter Hamvay unter anderem über die Zersplitterung der ungarischen Minderheit in der Slowakei, sowie über Chancen der Ungarn in ihrer Heimat: "Siebenbürgen ist eine historische Einheit, mit dem rein ungarischen Széklerland. Dagegen bildete die Südslowakei / Oberungarn nie eine Einheit. Ihre Beziehungen verliefen in Nord-Süd-Richtung, die durch die Grenze geteilt wurden. Dies ist auch der Grund dafür, dass die Ungarn in Siebenbürgen eine starke Identität und starke Vertretung haben, während sie in der Slowakei zersplittert waren und auch heute noch viele von ihnen für slowakische Parteien stimmen. Andererseits ist die slowakische Kultur der ungarischen am nächsten. Dies erleichtert die Umstellung, aber auch die Assimilation. Für einen Ungarn aus Siebenbürgen ist der Eintritt in eine orthodoxe Kirche mit goldener Kuppel und Ikonostase ein kultureller Bruch. (…) Zu meiner Zeit war die Stimmung gegenüber Abwanderung noch anders. Aber sicher ist, dass es für junge Ungarn aus der Slowakei an einer ungarischen Universität am einfachsten ist. Die Karrieren der ungarischen Schauspieler zeigen aber auch, dass sie große Erfolge erzielen können, wenn sie die Chance dazu bekommen - denn an der slowakischen Schauspielschule gibt es eineQuote für Ungarn. Auch der aktuelleFilm über Ludovit Stúr, den Führer der slowakischen Nationalbewegung, ist voller hervorragender ungarischer Schauspieler. Es ist jedoch auch wahr, dass sich oft diejenigen hinter ihrer Minderheitenzugehörigkeit verstecken, die einfach nicht fleißig genug sind."
Archiv:HVG

Guardian (UK), 17.02.2026

DieArchäologie befindet sich derzeit in einem rapiden Umbruch, beobachtet Marcus Haraldsson: "Verbesserte DNA-Analysen, Fortschritte in der Pflanzen- und Klimaforschung, Boden- und Isotopenchemie, Linguistik sowie andere Techniken wie eine Laser-Kartierungstechnologie namens Lidar stellen lange gehegte Annahmen auf den Kopf." Bestes Beispiel dafür: dieForschung über die Maya. "Im vergangenen Jahr veröffentlichte das Team von Francisco Estrada-Belli, zu dem auch sein Kollege von der Tulane University, Marcello A. Canuto, gehört, eine Studie mit einem zentralen Ergebnis, das noch vor wenigen Jahren als abwegig spekulative Übertreibung gegolten hätte. Als Estrada-Belli als Kind erstmals nach Tikal kam, lag die beste Schätzung für die Bevölkerung der Maya-Tiefländer - eine Region, die das heutige Südmexiko, Belize und Nordguatemala umfasst - in der klassischen Periode (600-900 n. Chr.) bei etwa 2 Millionen Menschen. Heute geht sein Team davon aus, dass in dieser Region bis zu 16 Millionen Menschen lebten. Das ist mehr als das Fünffache der heutigen Bevölkerung des Gebiets. Das würde bedeuten, dass in den Maya-Tiefländern der klassischen Zeit mehr Menschen lebten als auf der italienischen Halbinsel auf dem Höhepunkt des Römischen Reiches - und das alles auf einer Fläche, die nur etwa ein Drittel so groß war. EinVergleich zwischen den klassischen Maya und dem antiken Rom ist auch in anderer Hinsicht aufschlussreich. Einige Maya-Städte wurden Jahrhunderte vor der Gründung Roms errichtet und verfügten über deutlich größere Bauwerke, die bis heute erhalten sind. Beide Kulturen entwickelten hochentwickelte Astronomie, Mathematik, Schrift und Landwirtschaft sowie komplexe Handelsnetzwerke über weitläufige, kosmopolitische Räume hinweg. Die Ruinen Roms liegen heute unter einer pulsierenden Weltstadt, in der einige der prominentesten Elitefamilien behaupten, ihre Abstammung direkt bis in die Antike zurückverfolgen zu können. Viele Maya-Ruinen hingegen sind inzwischen von mehr als 1.000 Jahren tropischem Regenwald überwuchert, während die Nachfahren der Menschen, die diese Städte erbauten, heute zu den ärmsten Bevölkerungsgruppen der Erde zählen."
Archiv:Guardian
Stichwörter:Archäologie,Maya

Aktualne (Tschechien), 12.02.2026

In tschechischen Kinos läuft derzeit der Dokumentarfilm Kaprálová (Trailer) über die tschechische Komponistin und DirigentinVítězslava Kaprálová (1915-1940, mehrhier undhier) im Europa der Dreißigerjahre. Kaprálová studierte in Prag und Paris, wurde vom KomponistenBohuslav Martinů gefördert und zeigte früh Selbstbewusstsein, wie auch im Film zitierte Privatbriefe bezeugen,erzählt Petra Smítalová. So schrieb sie zum Beispiel: "Ich gebe mich eben nicht damit zufrieden, besser zu schreiben als irgendein Gimpel in Prag, sondern will gleichalle drei B-B-B übertrumpfen: Bach, Beethoven, Brahms." Und tatsächlich dirigierte Kaprálová mit nur dreiundzwanzig Jahren etwa dasBBC Symphony Orchestra mit eigenen Werken, die auch in vielen anderen Ländern aufgeführt wurden. Der Film ist jedoch nicht nur das Porträt einer inspirierenden Komponistin, sondern auch eine Reflexion über das schöpferische Vermächtnis, die Identität und die Hindernisse, denen Frauen in der klassischen Musik weiterhin begegnen, so Smítalová. Kaprálovás Schaffenskraft fand durch ihren frühen Tod ein jähes Ende: Wegen der Pariser Besetzung durch die Deutschen mit ihrem Mann, dem SchriftstellerJiří Mucha, nach Südfrankreich evakuiert, starb sie 1940 vermutlich an Typhus. Immerhin wurde Kaprálovás Werk in den letzten Jahren zunehmend wiederentdeckt. So wird zum Beispiel ihre Suita rustica dieses Jahr von den Berliner Philharmonikern unter Dirigent Jakub Hrůša aufgeführt, wie Smítalová zu berichten weiß. Wir hören herein:
 
Archiv:Aktualne

New York Times (USA), 13.02.2026

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Gisèle Pelicots Buch kommt in diesen Tagen heraus, auf Deutsch bei Piper. Es ist Gegenstand einer geölten Maschinerie aus Agenturen und Verwertern, die das letzte aus ihrer entsetzlichen Geschichte herausholen wird. Welches Medium hat jetzt kein Exklusivinterview? Aber sie will es so - von Anfang an war es die Idee einesNutzens für die Allgemeinheit, die Pelicot zur größtmöglichen Öffentlichkeit getrieben hat. DieNew-York-Times-Reporterin Lulu Garcia-Navarro hat eindreistündiges Interview mit Pelicot geführt, das man unter dem Artikellink auch anhören kann, auf etwas mehr als eine Stunde kondensiert. Es ist zugleichpackend und abstoßend zu lesen, etwa jener Moment, als sie, ahnungslos, vom Ermittler mit der Wahrheit konfrontiert wird. Im Zeugenverhör denkt sie zunächst noch, es gehe um eine Klage gegen ihren Mann, der erwischt worden war, wie er im Supermarkt Frauen unterm Rock filmte. Aber das Verhör nahm eine ganz andere Wendung: Der Vernehmer "hat einen Stapel Akten neben seinem Schreibtisch liegen. Er sagt zu mir: 'Madame Pelicot, was ich Ihnen jetzt sagen werde, wird Ihnen nicht gefallen.' Ich mache mir langsam wirklich Sorgen, mein Herz rast. Ich frage ihn: 'Was ist los?' Er sagt: 'Sehen Sie den Stapel dort?' und öffnet eine Mappe, um mir ein Foto zu zeigen. Er fragt: 'Erkennen Sie sich auf diesem Foto?' Natürlich erkenne ich mich nicht, denn ich war mit einem mir unbekannten Mann zusammen, der mich vergewaltigte. Ich sage: 'Ich kenne diesen Mann nicht.' Und ich denke mir: Das bin ich nicht. Er zeigt mir ein zweites Foto, das fast genauso aussieht, und sagt: 'Das sind Sie, dort.' Ich sage nein, und er sagt: 'Das ist Ihr Zimmer, Madame Pelicot, das sind Ihre Nachttischlampen. Wir haben Ihre Wohnung durchsucht, das sind Ihre Sachen.' In diesem Moment schaltete mein Gehirn auf Dissoziation um. Er will mir Videos zeigen. Ich sage: 'Nein,ich kann nicht mehr, ich kann nicht.' Und er sagt mir: 'Ihr Mann ist in Polizeigewahrsam, er wird nicht mit Ihnen nach Hause gehen. Sie müssen wissen, dass Sie mehrfach vergewaltigt worden sind. Wir haben53 Personen festgenommen', und später erfahre ich, dass außerdem zwanzig oder dreißig Personen nicht festgenommen wurden. Er sagt mir, dass ich etwa 200 Mal vergewaltigt worden bin."
Stichwörter:Pelicot, Gisele

Granta (UK), 16.02.2026

Das aktuelle Heft ist der Therapie gewidmet. ImInterview mit seinem Kollegen Benjamin Y. Fong wird der Psychoanalytiker und PhilosophJonathan Lear, der kurz nach diesem Gespräch starb,sehr grundsätzlich, was die Bedeutung derPsychoanalyse für den einzelnen angeht: Laut Plato und Aristoteles besteht "das grundlegende Problem darin, wie man dienicht-rationale Seele dazu bringen kann, harmonisch mit derrationalen Seele zu kommunizieren. Die Psyche - oder Seele - war in diese beiden Teile geteilt, und das Problem bestand darin, wie man die psychische Harmonie zwischen ihnen fördern kann. Wenn man dieser allgemeinen Sichtweise zustimmt, dann ist die Psychoanalyse von unschätzbarem Wert: Sie ermöglicht Formen der psychischen Kommunikation, die man auf andere Weise nicht erreichen kann. Wenn man Aristoteles oder Plato auf Griechisch liest, sieht man, dass es in dieser Sprache um dieKommunikation innerhalb der Seele geht, was in englischen Übersetzungen verloren geht. ... Platon und Aristoteles ging es um Harmonie, psychische Einheit und Zuhören. In der griechischen Sprache geht es wirklich darum, allen Ebenen der Psyche zuzuhören, mit ihnen zu sprechen und mit ihnen zu kommunizieren. Die grundlegende Regel der Psychoanalyse, eigentlich die einzige Regel, lautet,alles zu sagen,was einem in den Sinn kommt, ohne Hemmungen oder Zensur. Lassen Sie Ihre Gedanken frei fließen und sprechen Sie laut aus, wohin sie Sie führen. Das ist wirklich die perfekte Ergänzung zu dem, was die Griechen Logos nannten. Manchmal wird es mit Sprache, Diskurs, Vernunft, Rationalität übersetzt - es hat eine ganze Reihe von Bedeutungen. Aber die Idee ist, dass ich in normaler Sprache oder beim Denken, so wie ich jetzt mit Ihnen denke und spreche, versuche, einen Standpunkt zu vertreten, und dass ich meinenGeist disziplinieren muss, um unser Gespräch zu organisieren, sodass ich mich auf die Gedanken konzentriere, die für Sie interessant und überzeugend sein könnten. ... Die Grundregel der Psychoanalyse lautet dagegen: 'Hey, entspann dich in der nächsten Stunde. Sag einfach, was dir in den Sinn kommt. Auch wenn es keinen Sinn ergibt, irrelevant oder peinlich erscheint, sag es trotzdem.' Das ist die Ergänzung zur harten Arbeit des normalen Logos - der Interaktion, der Überzeugung von Menschen, dem Anhören ihrer Gründe, der Entscheidung, was man glaubt und welche Positionen man vertritt."

Weitere Beiträge, allerdings nicht online, sind vonElfriede Jelinek,Sheila Heti undDeborah Levy.
Archiv:Granta
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