Heute in den Feuilletons
Heute in den Feuilletons
Die kommentierte Kulturpresseschau. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.
21.07.2001.
FR, 21.07.2001
Nicht grade aufregend dasFeuilleton der FR an diesem Wochendende. Karin Ceballos Betancurliefert genuesische Impressionen, die doch eher anverregnete Ferienlagertage erinnern als an das Pulverfass eines Weltwirtschaftsgipfels: "In Chiasso an der Grenze filmen Kamerateams die letzten grenzüberschreitenden Aktivisten des Tages.Carabinieri streichen Kleidungsstücke glatt, die sie bei der Gepäckdurchsuchung verkrumpelt haben, helfen, die Rucksäcke wieder in den Kofferraum zu wuchten. Ein etwa fünfköpfiger Teil der Bevölkerungwinkt am Straßenrand, als der Bus weiterfährt. Die Besatzung jubelt. Hinter Mailand fängt es an zu regnen ...Der Busfahrer schwitzt und sagt, er muss sich jetzt arg konzentrieren, wegen der vielen Kurven. Der andere Fahrer bietet einem Pärchen aus Dänemark an, in seinem Haus zu wohnen, wenn sie mal in Berlin sind. Später sagt das dänische Mädchen: Hast du vielleicht eine Extra-Zigarette für mich?Wie lieb das klingt. Auf ihrem T-Shirt steht'Do not arrest this girl.'"
AnsonstenAufgewärmtes: EinTextauszugaus Antonia Grunenbergs dieser Tage erscheinendem Buch "Die Lust an der Schuld", der verdeutlicht, dass dasGeschichtsbild der Deutschen von einem Determinismus geprägt ist, "der die deutsche Geschichte seit dem Mittelalter wie eineaußer Kontrolle geratene Maschine auf das Inferno des Holocaust zurasen sieht". Und, aus gegebenem Anlass, Georg KleinsHommage an Beate Uhse:"Die Glückliche" aus dem Erzähband "Anrufung des blinden Fisches". Ferner gibt es einenGeburtstagsgruß zum 80. des RegisseurChris. Marker. Und einenNachrufauf den Zeichner Maurice de Bevere aliasMorris.
Besprochen schließlich werdenRudolf Thomes Film "Paradiso - sieben Tage mit sieben Frauen","Von Mäusen und Menschen" und "La Boheme"in Bregenz.Und Bücher: EinBildbandder FotokünstlerinNikki S. Lee., einBand mit Gedichten von Eva Corino ("Keine Zeit für Tragödien"), Richard MilletsRoman"Der Stolz der Familie Pythre" und"Geist, Sprache und Gesellschaft" des Sprachphilosophen John R. Searle.
AnsonstenAufgewärmtes: EinTextauszugaus Antonia Grunenbergs dieser Tage erscheinendem Buch "Die Lust an der Schuld", der verdeutlicht, dass dasGeschichtsbild der Deutschen von einem Determinismus geprägt ist, "der die deutsche Geschichte seit dem Mittelalter wie eineaußer Kontrolle geratene Maschine auf das Inferno des Holocaust zurasen sieht". Und, aus gegebenem Anlass, Georg KleinsHommage an Beate Uhse:"Die Glückliche" aus dem Erzähband "Anrufung des blinden Fisches". Ferner gibt es einenGeburtstagsgruß zum 80. des RegisseurChris. Marker. Und einenNachrufauf den Zeichner Maurice de Bevere aliasMorris.
Besprochen schließlich werdenRudolf Thomes Film "Paradiso - sieben Tage mit sieben Frauen","Von Mäusen und Menschen" und "La Boheme"in Bregenz.Und Bücher: EinBildbandder FotokünstlerinNikki S. Lee., einBand mit Gedichten von Eva Corino ("Keine Zeit für Tragödien"), Richard MilletsRoman"Der Stolz der Familie Pythre" und"Geist, Sprache und Gesellschaft" des Sprachphilosophen John R. Searle.
NZZ, 21.07.2001
Aram Lintzelglaubt nicht, dass das Bundesverwaltungsgericht schuld daran ist, wenn heute die letzteLove Paradestattfindet: "Das 'Habt alle Spass!' wird der Techno-Community jetzt zum Verhängnis. Spätestens als Star-DJSven Väthseine diesjährige Absage mit demkommerziellen Ausverkaufder Love Parade begründete, war der einstige Gemeinschaftsgeist gebrochen. 'Die falschen Leute haben sich ihr Mitspracherecht erkauft', erklärte Sven Väth mit Blick auf die Werbewagen von Medienunternehmen und Zigarettenfirmen. Auch andere DJs sind sauer und habenProtestaktionenfür mehr Mitbestimmung angedroht."
Weitere Artikel: Ludger Lütkehauserinnert an "eine der grossen Gestalten desWeltbuddhismus: der deutsche Buddhist jüdischer HerkunftNyanaponika Mahathera" der vor 100 Jahren geboren wurde. Peter Kammererschreibt über das Teatro delle Albein Ravenna. Besprochen werden Puccinis"Boheme" bei denBregenzer FestspielenundBücher, darunter zweiErinnerungsbände von tschechischenZwangsarbeitern(siehe auch unsere Bücherschau morgen ab 11 Uhr).
Die BeilageLiteratur und Kunst wagt "vorsichtige Expeditionen inwissenschaftlicheAteliers, in denenWeltbilder- so oder so - entworfen werden". Zwar sind Weltbilder eigentlich "Gemeinschaftsprojekte", schreibt Uwe Justus Wenzel imEditorial, "es wäre daher nicht ganz richtig, stets und nur von Vulgarisierungen oder Popularisierungen wissenschaftlichen Wissens zu sprechen, wo etwa naturalistische, materialistische, darwinistische oder deterministische Weltbilder ihr Wesen treiben. Dennoch besitzen Naturwissenschaft und Technik gewissermassen eineninstitutionellen Vorsprungin der Entwicklung 'weltbildgebender' Verfahren. Dies gilt vermehrt in der 'Wissensgesellschaft', in der politische Legitimität ohne wissenschaftlichen Beistand, ohne Expertise und Gegenexpertise (auch derjenigen von Ethikkommissionen), nicht mehr beschafft werden kann."
Artikel zum Thema: Hans-Jörg Rheinbergerbeschreibt die Welt aus Sicht derBiologie, Ulf von Rauchhauptbeschreibt die Suche nach derWeltformel in der Physik, Michael Hampeskizziert denPositivismusals wissenschaftliche Weltanschauung, Helmut Zanderschreibt über Wissenschaft und Ethik imMonistenbundum 1900, Helmut Mayererinnert an Weltbilder desDarwinismus, Michael Hagnerblickt zurück auf die Forschung an"Elitegehirnen" und Michael Pauendenkt darüber nach, was es für das für das Selbstverständnis von Personen bedeutet, "wenn dieHirnforschungdie Vorstellung zerstört, es gebe eine zentrale Ich-Instanz".
Weitere Artikel: Ludger Lütkehauserinnert an "eine der grossen Gestalten desWeltbuddhismus: der deutsche Buddhist jüdischer HerkunftNyanaponika Mahathera" der vor 100 Jahren geboren wurde. Peter Kammererschreibt über das Teatro delle Albein Ravenna. Besprochen werden Puccinis"Boheme" bei denBregenzer FestspielenundBücher, darunter zweiErinnerungsbände von tschechischenZwangsarbeitern(siehe auch unsere Bücherschau morgen ab 11 Uhr).
Die BeilageLiteratur und Kunst wagt "vorsichtige Expeditionen inwissenschaftlicheAteliers, in denenWeltbilder- so oder so - entworfen werden". Zwar sind Weltbilder eigentlich "Gemeinschaftsprojekte", schreibt Uwe Justus Wenzel imEditorial, "es wäre daher nicht ganz richtig, stets und nur von Vulgarisierungen oder Popularisierungen wissenschaftlichen Wissens zu sprechen, wo etwa naturalistische, materialistische, darwinistische oder deterministische Weltbilder ihr Wesen treiben. Dennoch besitzen Naturwissenschaft und Technik gewissermassen eineninstitutionellen Vorsprungin der Entwicklung 'weltbildgebender' Verfahren. Dies gilt vermehrt in der 'Wissensgesellschaft', in der politische Legitimität ohne wissenschaftlichen Beistand, ohne Expertise und Gegenexpertise (auch derjenigen von Ethikkommissionen), nicht mehr beschafft werden kann."
Artikel zum Thema: Hans-Jörg Rheinbergerbeschreibt die Welt aus Sicht derBiologie, Ulf von Rauchhauptbeschreibt die Suche nach derWeltformel in der Physik, Michael Hampeskizziert denPositivismusals wissenschaftliche Weltanschauung, Helmut Zanderschreibt über Wissenschaft und Ethik imMonistenbundum 1900, Helmut Mayererinnert an Weltbilder desDarwinismus, Michael Hagnerblickt zurück auf die Forschung an"Elitegehirnen" und Michael Pauendenkt darüber nach, was es für das für das Selbstverständnis von Personen bedeutet, "wenn dieHirnforschungdie Vorstellung zerstört, es gebe eine zentrale Ich-Instanz".
SZ, 21.07.2001
Ineinem Artikel der SZ erinnertWolf Lepenies daran, dass dieSchlacht um die Globalisierung durchaus auch an den Konferenztischen ausgefochten wird, wo sich Vertreter der Finanzwelt und der Zivilgesellschaft Auseinandersetzungen liefern, derenHärte und Unnachgiebigkeit, wie er meint, den Straßenschlachten von Seattle und Göteborg nicht nachstehen. Den Grund für die Heftigkeit der Diskussionen sieht Lepenies indesweniger in der Ideologie der verschiedenen Lagerals in der Statistik: "Im Blick auf die Armut klaffen globale Statistik und lokale Hermeneutik weit auseinander. Die Statistiker belegen, dass sich das Ausmaß der Armut weltweit verringert ... Doch diese Statistiken können leichtin die Irre führen. In Ghana etwa sank laut offizieller Statistik das Ausmaß der Armut von 1987 bis 1991 jährlich um ein Prozent, eine für Afrikaunglaublich positive Entwicklung. Nur hatten die Statistiker vergessen, dass im gleichen Zeitraum die Bevölkerung Ghanas doppelt so schnell gewachsen war. Der Armutsindex war gefallen, dieZahl der Armen hatte sich erhöht!"
Dass von München aus Salzburg nicht weit ist, bezeugt die SZ mit einem ganzen Bündel von Artikelnzu den Salzburger Festspielen. Warum das Festival fürGerard Mortier "die bereicherndste Erfahrung meines Lebens" war,lesen wir hier, aber auch, wie der scheidende Impresario künftig"Carmen" und Madonna verlinken will (hätten ihm die Salzburger sicher nicht verziehen). Einanderer Beitrag blickt zurück aufFrank Baumbauers Zeit als Salzburger Schauspielchef und erklärt, wie der drei Jahre lang "Lebendigkeit provoziert" hat (Baumbauer wollte z.B. derFestivalpräsidentinkurzerhandden Hals umdrehen). Hilfreichfür alle Salzburg-Fans dürften schließlich die "Tipps und Informationen zum diesjährigen Festival-Programm" sein.
Außerdem: Sonja Zekrierklärt, warum das vor zwei Tagen eingeleiteteEU-Verfahren gegen die Buchhändler so gespenstisch ist. Gottfried Knappbesichtigtdas Paul-Löbe-Haus des Architekten Stephan Braunfels in Berlin. Tim B. Müller besucht eineElmauer Tagung zum ToposJuden als Kosmopoliten. Otto Kalkscheuersiehtdie katholische Kirche alsletzte Internationale im Kampf gegen die Globalisierung. Jost KaiserträgtdieLove Parade zu Grabe. Und:Abschied vom ComiczeichnerMorris.
Besprochen werden"La Boeme" und "Of Mice and Men" bei denBregenzer Festspielen. Und einKlassiker der Sci-Fi-Literatur: Theodor Sturgeons"Die Ersten ihrer Art".
In derSZ am Wochenendelesen wir: wieRobert Lebeck die großenFotoreporter vor dem Vergessen rettet (mit seiner Ausstellung "Kiosk" im Kölner Museum Ludwig nämlich), erfahren,was an einemKeith Jarrett-Konzert so magisch ist (zu prüfen bei den diesjährigen Münchner Opernfestspielen). Friedemann Bedürftigerinnertan Frankreichs umstrittenenMarschall Philippe Petain, der vor fünfzig Jahren starb. Und Helge Bendlfolgtdem Farbgrammatiker Georg Kremer in dieWelt der Pigmente Cranachs und Dürers: "Im Reich der verlorenenen Farben".
Buchkritikenauf den Literaturseiten schließlich u.a. zu Michael HofmannsGedichtband "Feineinstellungen" undFriedo Lampes Roman "Septembergewitter" aus dem Jahr '37 (s. auch unsereBücherschau des Tages).
Dass von München aus Salzburg nicht weit ist, bezeugt die SZ mit einem ganzen Bündel von Artikelnzu den Salzburger Festspielen. Warum das Festival fürGerard Mortier "die bereicherndste Erfahrung meines Lebens" war,lesen wir hier, aber auch, wie der scheidende Impresario künftig"Carmen" und Madonna verlinken will (hätten ihm die Salzburger sicher nicht verziehen). Einanderer Beitrag blickt zurück aufFrank Baumbauers Zeit als Salzburger Schauspielchef und erklärt, wie der drei Jahre lang "Lebendigkeit provoziert" hat (Baumbauer wollte z.B. derFestivalpräsidentinkurzerhandden Hals umdrehen). Hilfreichfür alle Salzburg-Fans dürften schließlich die "Tipps und Informationen zum diesjährigen Festival-Programm" sein.
Außerdem: Sonja Zekrierklärt, warum das vor zwei Tagen eingeleiteteEU-Verfahren gegen die Buchhändler so gespenstisch ist. Gottfried Knappbesichtigtdas Paul-Löbe-Haus des Architekten Stephan Braunfels in Berlin. Tim B. Müller besucht eineElmauer Tagung zum ToposJuden als Kosmopoliten. Otto Kalkscheuersiehtdie katholische Kirche alsletzte Internationale im Kampf gegen die Globalisierung. Jost KaiserträgtdieLove Parade zu Grabe. Und:Abschied vom ComiczeichnerMorris.
Besprochen werden"La Boeme" und "Of Mice and Men" bei denBregenzer Festspielen. Und einKlassiker der Sci-Fi-Literatur: Theodor Sturgeons"Die Ersten ihrer Art".
In derSZ am Wochenendelesen wir: wieRobert Lebeck die großenFotoreporter vor dem Vergessen rettet (mit seiner Ausstellung "Kiosk" im Kölner Museum Ludwig nämlich), erfahren,was an einemKeith Jarrett-Konzert so magisch ist (zu prüfen bei den diesjährigen Münchner Opernfestspielen). Friedemann Bedürftigerinnertan Frankreichs umstrittenenMarschall Philippe Petain, der vor fünfzig Jahren starb. Und Helge Bendlfolgtdem Farbgrammatiker Georg Kremer in dieWelt der Pigmente Cranachs und Dürers: "Im Reich der verlorenenen Farben".
Buchkritikenauf den Literaturseiten schließlich u.a. zu Michael HofmannsGedichtband "Feineinstellungen" undFriedo Lampes Roman "Septembergewitter" aus dem Jahr '37 (s. auch unsereBücherschau des Tages).
TAZ, 21.07.2001
Dirk Knipphals hat sich die neue Ausgabe der Literaturzeitschrift Akzenteangesehen, in der Schriftsteller nach Antworten suchen auf die Frage:"Das Politische wollen ? aber wie?", dieNobert Niemannam 6. September 2000 im Internet-Forum der 13 stellte. "Eine Zeit lang wurde eine Podiumsveranstaltung rund um das Thema Rechtsradikalismus erwogen, wasGeorg M. Oswald, der zweite Herausgeber, damals aber blöde fand". Statt dessen kam man auf die Idee, "politische Textezu verfassen - Essays, Prosa, Lyrik, was auch immer - und sie zu einem Band zusammenzustellen." Im Ergebnis, meint Knipphals nach Durchsicht des Heftes, besteht "das überzeugendste Modell, politisch zu werden (...), in einem eherschlichten Rezept: Sich nicht allzu sehr von den großen Erzählungen auf dem Feld zwischen Ästhetik und Politik irritieren zu lassen und daneben sorgfältig seinerintellektuellen Arbeitnachzugehen nämlich."
Weitere Artikel: Daniel Baxberichtet vomFrancofolie-Festivalin La Rochelle, Kirsten Küpperstellt denLove Burgervor und Detlef Kuhlbrodthat das Gefühl, "der letzte Fan derLove Paradezu sein. Wer aus meinem Bekanntenkreis noch hingeht, macht es distanziert. 'Jetzt gehen wir malDeppen gucken', so in dem Stil. Als seien sie nicht selber auch Deppen, nur eben mit einem ausgeprägten Distinktionsbedürfnis, das sich in der Masse nicht so entfalten kann."
Diedeutschen Feuilletonswissen es wahrscheinlich noch nicht. Aber sie leben in einem"großartigen Irrtum", über den sie heute imtazmag vom KulturwissenschaftlerKaspar Maaseaufgeklärt werden. Der Irrtum liegt fürMaase darin, dass nun auch die "Premiumfeuilletons" diePopkulturernstnehmen. Aber Maases Theorie über den Irrtum finden wir nicht so witzig wie seine Beschreibung der Autorenhaltungen beim Schreiben über Pop. Zum beispiel die "Kür der Distinktion". "Je platter (aus Hochkultursicht) der Anlass, desto eindrucksvoller die Sprünge und Pirouetten, die der Rezensent aufs Eis des Populären zaubert: den dreifachen Luhmann zu Folge 436 der 'Lindenstraße', den eingesprungenen Adorno zu 'House of Love' oder den Balanchine rückwärts für Henry Maske. Das ist - wer Kritiken verfasst, kann es nachfühlen - purer Selbstgenuss der eigenen Brillanz; und ganz nebenbei verdammt es den normalen Liebhaber der Populärkunst, der zum Ausdruck seiner Gefühle keine gewählten Worte braucht, in den Orkus dumpfer Sprachlosigkeit."
Weitere Artikel: Daniel Baxberichtet vomFrancofolie-Festivalin La Rochelle, Kirsten Küpperstellt denLove Burgervor und Detlef Kuhlbrodthat das Gefühl, "der letzte Fan derLove Paradezu sein. Wer aus meinem Bekanntenkreis noch hingeht, macht es distanziert. 'Jetzt gehen wir malDeppen gucken', so in dem Stil. Als seien sie nicht selber auch Deppen, nur eben mit einem ausgeprägten Distinktionsbedürfnis, das sich in der Masse nicht so entfalten kann."
Diedeutschen Feuilletonswissen es wahrscheinlich noch nicht. Aber sie leben in einem"großartigen Irrtum", über den sie heute imtazmag vom KulturwissenschaftlerKaspar Maaseaufgeklärt werden. Der Irrtum liegt fürMaase darin, dass nun auch die "Premiumfeuilletons" diePopkulturernstnehmen. Aber Maases Theorie über den Irrtum finden wir nicht so witzig wie seine Beschreibung der Autorenhaltungen beim Schreiben über Pop. Zum beispiel die "Kür der Distinktion". "Je platter (aus Hochkultursicht) der Anlass, desto eindrucksvoller die Sprünge und Pirouetten, die der Rezensent aufs Eis des Populären zaubert: den dreifachen Luhmann zu Folge 436 der 'Lindenstraße', den eingesprungenen Adorno zu 'House of Love' oder den Balanchine rückwärts für Henry Maske. Das ist - wer Kritiken verfasst, kann es nachfühlen - purer Selbstgenuss der eigenen Brillanz; und ganz nebenbei verdammt es den normalen Liebhaber der Populärkunst, der zum Ausdruck seiner Gefühle keine gewählten Worte braucht, in den Orkus dumpfer Sprachlosigkeit."
FAZ, 21.07.2001
Paul Ingendaay beschreibt denletzten Stierkampfdes TorrerosAntonete, und wie er zum allerletzten Malzusticht: "Was wir in Antonetes Zügen lesen, während seine Augen sich weiten und die Degenspitze einen Augenblick in der Luft zittert, bevor sie sich senkt, istnicht ermutigend: es ist Erschöpfung, Bedrängnis, der unabweisbare Eindruck von körperlicherQual. Wie ernst es wirklich um ihn steht, ahnen wir nicht einmal, denn nun schwebt der erhobene Degen voran, Antoñete geht zum Angriff auf den Stier über - und..." Aber die Fortsetzung sollten Sie selbst lesen!
Mark Siemonssieht Liebe inBerlinund Hass inGenuaund fragt: "Was ist politischer?" Wer von Genua reden will, darf von derLove Paradenicht schweigen - mag es mittlerweile auch noch so degoutant sein, nur das Wort in den Mund zu nehmen. Die Love Parade ist dieNemesis der Globalisierungsgegner." Die Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts, das der Love Parade den Status einer politischenDemonstrationnicht zuerkennen wollte, findet Siemons allerdings fragwürdig.
Weitere Artikel:Jenny Erpenbecklegt eine Erzählung unter dem Titel"Sibirien"vor, die vonNina Simonkünstlerisch illustriert wurde. Gina ThomasporträtiertJeffrey Archer, der es bis zum Stellvertretenden Vorsitzenden der Konservativen in Großbritannien brachte, sich seine Biografie aber mehr oder wenigererstunkenund erlogen hat und jetzt wegen Meineids zuvier JahrenGefängnis verurteilt wurde. Andreas Rosenfeldervergleicht die Proteste gegen die Klimakonferenz inBonnund die Proteste inGenua, findet Bonn wesentlichharmloserund "als Schnittmenge fast nur jeneDollarzeichen, die in den Augen der karnavalesk zur Schau getragenen Bush-Pappkameraden leuchten". Jürgen Kaubeberuhigt Bildungsministerin Bulmahn: Wenn wenigerArbeiterkinderstudieren als Kinder höherer Schichten, so sei das noch lange keine Ungerechtigkeit (wenn die Rüpel nicht studierenwollen!) Eberhard Rathgeb teilt mit, dass inHamburgeine riesige neue Innenstadtpassage entstehen soll: dieEuropapassage.
Fernerliest Verena Lueken amerikanische Zeitschriften - es geht unter anderem um die Kandidatur des BörsentickerkönigsMichael Bloomberg für den New Yorker Bürgermeisterposten. Und Christoph Albrechtschreibt zum 90. Geburtstag vonMarshall MacLuhan.
Besprochen werden der Film "The Dish", Gigi Dall'Aglios Inszenierung von"Wie es euch gefällt" im Teatro Farnese, dieneue Präsentation der berühmten Porzellansammlung vonSchloss Favorite, eine Kafka-Oper vonPhillip GlassbeimLincoln Center Festival in New York, der Film "Ressources humaines", eine Ausstellungmit Werken von Francisco Toledo nach Firguren von Jose Luis Borges inKünzelsauund ein Festival schwedischer Stimmen, organisiert von derOpernakademie Vadstena.
In der SamstagsbeilageBilder und Zeitenschreibt Paul Scheffer über Ein- und Zuwanderung in dieNiederlandeund protestiert gegen einen"bequemen Multikulturalismus", der Schule macht, "weil wir nicht deutlich genug formulieren können, was unsere Gesellschaft zusammenhält". Jörg Bremer analysiert denKonflikt in Israel. Walter Haubrich schildert die Lage derIndios in den Andenstaatennach der Wahl des neuen peruanischen Präsidenten Toledo. Birgit Sack erzählt, wie einJurist, der im Krieg eine Ärztin zum Tode verurteilte, in der Nachkriegszeitunbehelligt weiterlebenkonnte. Und Gerhard R. Koch schreibt über denNeubeginn in Bayreuthvon 50 Jahren. In derFrankfurter Anthologiestellt Rüdiger Görner ein Gedicht vonClemens Brentanovor:
"Unbeglückt muss ich durchs Leben gehen,
Meine Rechte sind nicht anerkannt..."
Mark Siemonssieht Liebe inBerlinund Hass inGenuaund fragt: "Was ist politischer?" Wer von Genua reden will, darf von derLove Paradenicht schweigen - mag es mittlerweile auch noch so degoutant sein, nur das Wort in den Mund zu nehmen. Die Love Parade ist dieNemesis der Globalisierungsgegner." Die Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts, das der Love Parade den Status einer politischenDemonstrationnicht zuerkennen wollte, findet Siemons allerdings fragwürdig.
Weitere Artikel:Jenny Erpenbecklegt eine Erzählung unter dem Titel"Sibirien"vor, die vonNina Simonkünstlerisch illustriert wurde. Gina ThomasporträtiertJeffrey Archer, der es bis zum Stellvertretenden Vorsitzenden der Konservativen in Großbritannien brachte, sich seine Biografie aber mehr oder wenigererstunkenund erlogen hat und jetzt wegen Meineids zuvier JahrenGefängnis verurteilt wurde. Andreas Rosenfeldervergleicht die Proteste gegen die Klimakonferenz inBonnund die Proteste inGenua, findet Bonn wesentlichharmloserund "als Schnittmenge fast nur jeneDollarzeichen, die in den Augen der karnavalesk zur Schau getragenen Bush-Pappkameraden leuchten". Jürgen Kaubeberuhigt Bildungsministerin Bulmahn: Wenn wenigerArbeiterkinderstudieren als Kinder höherer Schichten, so sei das noch lange keine Ungerechtigkeit (wenn die Rüpel nicht studierenwollen!) Eberhard Rathgeb teilt mit, dass inHamburgeine riesige neue Innenstadtpassage entstehen soll: dieEuropapassage.
Fernerliest Verena Lueken amerikanische Zeitschriften - es geht unter anderem um die Kandidatur des BörsentickerkönigsMichael Bloomberg für den New Yorker Bürgermeisterposten. Und Christoph Albrechtschreibt zum 90. Geburtstag vonMarshall MacLuhan.
Besprochen werden der Film "The Dish", Gigi Dall'Aglios Inszenierung von"Wie es euch gefällt" im Teatro Farnese, dieneue Präsentation der berühmten Porzellansammlung vonSchloss Favorite, eine Kafka-Oper vonPhillip GlassbeimLincoln Center Festival in New York, der Film "Ressources humaines", eine Ausstellungmit Werken von Francisco Toledo nach Firguren von Jose Luis Borges inKünzelsauund ein Festival schwedischer Stimmen, organisiert von derOpernakademie Vadstena.
In der SamstagsbeilageBilder und Zeitenschreibt Paul Scheffer über Ein- und Zuwanderung in dieNiederlandeund protestiert gegen einen"bequemen Multikulturalismus", der Schule macht, "weil wir nicht deutlich genug formulieren können, was unsere Gesellschaft zusammenhält". Jörg Bremer analysiert denKonflikt in Israel. Walter Haubrich schildert die Lage derIndios in den Andenstaatennach der Wahl des neuen peruanischen Präsidenten Toledo. Birgit Sack erzählt, wie einJurist, der im Krieg eine Ärztin zum Tode verurteilte, in der Nachkriegszeitunbehelligt weiterlebenkonnte. Und Gerhard R. Koch schreibt über denNeubeginn in Bayreuthvon 50 Jahren. In derFrankfurter Anthologiestellt Rüdiger Görner ein Gedicht vonClemens Brentanovor:
"Unbeglückt muss ich durchs Leben gehen,
Meine Rechte sind nicht anerkannt..."
Stichwörter:Berlin,Bloomberg, Michael,Borgen,Borges, Luis,Bremer, Jörg,Brentano, Clemens,Bundesverfassungsgericht,Erpenbeck, Jenny,Hamburg,Haubrich, Walter,Lueken, Verena,Multikulturalismus,Nachkriegszeit,Niederlande,Scheffer, Paul,Zuwanderung,Arch+,Genua,Görner, Rüdiger,Sibirien,Stierkampf,Globalisierungsgegner




