Essay
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Gemein mit einer Sache
Essay07.01.2026Nicht dass Sophie von der Tann, dieARD-Korrespondentin in Israel, keine Kritik verdiente. Aber die Debatte, die aus Anlass des Hanns-Joachim-Friedrich-Preises über ihre Arbeit entbrannte, war zu personalisiert: Ihre Verteidiger konnten sich dahinter verstecken und behaupten, sie gegen eine Kampagne in Schutz zu nehmen. Dabei ist von der Tannkein Einzelfall. Sie verkörpert dieantiisraelische Tendenz der öffentlich-rechtlichen und leider auch vieler privater Medien: Man framed, leugnet und schweigt und verzichtet auf die Korrektur von Fehlinformationen. Eine Bestandsaufnahme mit vielen Belegen. VonDaniel RotsteinDie zentrale Dichotomie
Essay18.10.2025In den vergangenen vierzig Jahren integrierteRichard Herzingerden amerikanischen, britischen und französischen Liberalismusin einen deutschen Kontext. Sein Werk war ein Kapitel in der politischen und intellektuellen Geschichte der Verwestlichung Deutschlands. In seinen "Interventionen" reflektierte er dieinnige Verbindungzwischen den Totalitarismen - Nationalsozialismus, Kommunismus, Islamismus. Sie waren für ihn fähig zu jenem "absoluten Bösen", das von Demokratien oft nicht verstanden wird - auch darum war er eine irritierende Kassandra. Ein Nachruf und ein Appell an deutsche Verleger,Herzinger zu edieren. VonJeffrey HerfEine Form der moralischen Kapitulation
Essay03.07.2025Nicht einRegimewechsel im Iran wäre das Problem - die Angst davor ist es. Geradezu beispielhaft hat der ehemaligeZeit-HerausgeberJosef Joffe diese Angst formuliert. In derWelt beschrieb er den Iran als ein "Balkanistan", das man besser unter der Herrschaft der Mullahs belässt. Aber Joffes Darstellung verkehrt zentrale Entwicklungen ins Gegenteil, blendet Freiheitsbewegungen aus und unterschlägt die Vielschichtigkeit eines Volkes, das sich seit Jahrzehnten unter schwersten Bedingungen für grundlegende Rechte und Freiheiten einsetzt. VonNasrin AmirsedghiFilme, über die man spricht
Essay03.06.2025Lars-Henrik Gass ist in "Objektverlust"narzisstischen Tendenzen im Gegenwartskino auf der Spur. Stark ist sein Essay vor allem da, wo erFilme mit Filmen vergleicht. VonLukas FoersterVerlegenes Schweigen
Essay30.05.2025Algier scheint nicht existieren, nicht atmen, nicht denken zu können, ohne Frankreich, den ewigen, unverzichtbaren Gegner, zu verteufeln. Aber auch wenn es richtig ist, seiner Geschichte ins Gesicht zu schauen, muss man doch auch die heutige Realität betrachten: Algerische Dissidenten suchen in Frankreich Zuflucht, die algerische Jugend wendet sich nach Frankreich, der ebenso verhassten wie begehrten Stiefmutter, und giert nach Visa. DassBoualem Sansalzu einer Staatsgeisel wird, ist aber auch der schwankenden Haltung Emmanuel Macrons zu verdanken. VonPascal Bruckner"… die mit dem leibe nit ir aigen sind"
Essay15.05.2025Heute vor 500 Jahren wurden dieBauern besiegt, die Thomas Müntzer 1525 gegen die Landsknechtheere der deutschen Fürsten in die Schlacht geführt hatte. Zwei Monate zuvor hatten siezwölf Artikel zu ihren Forderungen verfasst: Wichtigster Punkt war die Abschaffung derLeibeigenschaft. In diesem Jahr haben die "Freien Bauern"zwölf neue Artikel verkündet: Diesmal geht es um das Überlebenregionaler Familienbetriebe angesichts von Klimawandel und industrialisierter Agrarwirtschaft. Aber auchBruno Latours "Terrestrisches Manifest" könnte helfen, bäuerliche Arbeitsrealitäten, Klimaschutz und die Nahrungsbedürfnisse von fast neun Milliarden Menschen zu vereinbaren. VonUta RugeWir dürfen nicht schweigen!
Essay08.05.2025Der FallBoualem Sansal sollte auch die deutsche Öffentlichkeit aufstören. Er zeigt, wieein Gewaltregime seine zerstörerische Wirkung auch in den europäischen Ländern des Exils entfaltet: Algerische Intellektuelle fühlen sichnicht nur in Algerien bedroht. Überdies zeigt der Fall, wie sich hier ein instrumentalisierterlinker Diskurs mit demIslamismus verbündet. Dieser "Islamogauchisme" ist ebenfalls eine Gefahr für die Länder der EU. Daher der Appell an die neue Bundesregierung: Setzen Sieein Zeichen für Boualem Sansal! VonNaila ChikhiDie Steigerung von Sterben
Essay09.04.2025Dass man das Nichtsein,Nichtmehrsein noch steigern kann, ist nicht nur evolutionsbiologisch abgründig. Es fängt damit an, dass die deutsche Sprache für dieSteigerung von sterben nur ein Präfix bietet, dessen Substantivierung den Anschein eines Prozesses erweckt, der sich endlos hinzieht, statt eines Endzustands. Was ausstirbt, lebt noch, Grund zur Sorge zwar, für Rote Listen etwa, aber noch nicht zu spät. Eine Meditation über (uns) Endlinge. VonDaniele Dell'AgliOhne Freiheit keine Kunst
Essay19.02.2025Im Pariser Institut du Monde Arabe fand gestern ein Solidaritätsabend fürBoualem Sansalstatt. Der SchriftstellerErik Orsenna gab seiner Enttäuschung Ausdruck, wie Algerien seine Befreiung in neue Unfreiheit eintauschte. Die heftigsten Angriffe gegen die algerischen Betonköpfe und ihre "postkolonialen" Komplizen, die Sansal selbst die Schuld an seiner Verhaftung zuschieben, fuhrenPascal Bruckner undEmmanuel Carrère auf. Europa muss vor dem Berliner Solidaritätsabend am 7. März seine Anstrengungen für die Freilassung des erkrankten Schriftstellers intensivieren. VonClaus LeggewieEin dummer und barbarischer Akt
Essay13.01.2025Boualem Sansal ist Opfer eineserinnerungskulturellen und geschichtspolitischen Chaos geworden, das zu entschlüsseln wäre. Die algerischen Machthaber haben einen renommierten Autor und alten Mann, um dessen Gesundheit man ernsthaft fürchten muss,zum Sündenbock gemacht. Mit der Stilisierung eines äußeren Feindes versuchen sie ihr verunsichertes Regime mit einer karikaturalen Neuauflage des Unabhängigkeitskrieges und der Entkolonialisierung zu stützen. Es wäre Zeit, dass auch die in Algerien gut angeseheneBundesregierung sich für den Träger des Friedenspreises des Deutschen Buchhandels stärker einsetzt. VonClaus LeggewieWenn du sprichst, wenn du schweigst
Essay10.01.2025Einen Trost hat Boualem Sansal: Er ist nicht allein. Seit Beginn des Hirak im Jahr 2019 haben die Festnahmen wegen Meinungsdelikten in Algerien stetig zugenommen. Bis heute werden mehr als 200 AktivistInnen, JournalistInnen, StudentInnen oder BloggerInnen der Anstiftung zur Gewalt, der Störung der öffentlichen Ordnung und/oder der Gefährdung der nationalen Einheit beschuldigt. Sansals Ansichten sind kühn, und seine Kritik am Islamismus ist kompromisslos. Westliche Linke, die ihn kritisieren, verkennen, dass der Islamismus für jede Laizistin und jeden Laizisten muslimischer Tradition einereale Gefahr ist. VonNaila ChikhiDie Fatwa als Handlungsmodell
Essay09.01.2025Niemand hätte heute mehr den Mut, die "Satanischen Verse" zu schreiben, geschweige denn zu publizieren. Zu machtvoll ist das mit derFatwa wieder errichtete Tabu. Aber die Fatwa war auch inspirierend: Im Kleinen hat die westliche Linke nach 1989 das Modell der Fatwa immer wieder kopiert und sich angeeignet. Die Fatwa als neues Verfahren zur Einschüchterung der Mehrheit begründete das Bündnis zwischen westlicher Linker und dem Islamismus. Auszug aus dem Buch "Das verordnete Schweigen", das am Montag in Berlin vorgestellt wird. VonThierry Chervel


