Herzog Ulrich (geb. 08. Februar 1487, gest. 06. November 1550)
von Pauline Zondler
![Ulrich Herzog von Württemberg um 1535, Holzschnitt von Hans Brosamer nach einer Medaille anlässlich seiner Rückkehr nach Württemberg. [Quelle: Uni Tübingen, Graph. Sammlung 8027] Ulrich Herzog von Württemberg um 1535, Holzschnitt von Hans Brosamer nach einer Medaille anlässlich seiner Rückkehr nach Württemberg. [Quelle: Uni Tübingen, Graph. Sammlung 8027]](/image.pl?url=https%3a%2f%2fwww.leo-bw.de%2fdocuments%2f10157%2f34744405%2fHerzog%2bUlrich%2bum%2b1535_hans%2bbrosamer_x.jpg%2f4c43b49f-f232-8920-cf20-5507f2630315%3ft%3d1744722084968&f=jpg&w=240)
Herzog Ulrich von Württemberg wurde am 08. Februar 1487 in Reichenweier (Riquewihr) im Elsass geboren.
Da seine Mutter, die Gräfin Elisabeth von Zweibrücken-Bitsch, wenige Tage nach seiner Geburt gestorben war, übernahmen nach der Festnahme seines Vaters, Graf Heinrich von Württemberg, zunächst Eberhard im Bart und kurz darauf sein Onkel Eberhard II. die Vormundschaft und Erziehung.
Durch die Einflussnahme des späteren Kaisers Maximilian I. wurde Ulrich, dessen Vormund nach der Absetzung von Eberhard II. ein Regiment aus Vertretern der Stände war, mit 16 Jahren für mündig erklärt und ihm die Regierung des Herzogtums übertragen.
Zudem wurde er mit der Nichte des Kaisers, Sabina von Bayern-München, verlobt. Aus der 1511 geschlossenen Ehe gingen zwei Kinder, Anna (1513-1530) und Christoph (1515-1568), hervor.
Ulrich zog an der Seite Maximilians mehrmals in den Krieg und erreichte, z. B. im Landshuter Erbfolgekrieg, große militärische Erfolge und territoriale Gewinne.
Erste Regierungszeit und Vertreibung Herzog Ulrichs
Trotzdem war Ulrichs erste Regierungszeit von Krisen und Skandalen geprägt. Er distanzierte sich zunehmend von seinen ehemaligen Förderern, den Habsburgern, trat demSchwäbischen Bund nicht mehr bei und versuchte sogar ein Gegenbündnis zu schmieden.
Nachdem Ulrich 1514 die Steuer erhöht hatte, um seine durch Krieg und prachtvolles Hofleben erzeugten Schulden zu decken, kam es zum Aufstand des Armen Konrad.
Zudem ermordete er 1515 Hans von Hutten, den Stallmeister und Ehemann seiner Geliebten, der die Affäre des Herzogs öffentlich machte. Damit brachte er nicht nur den Huttenschen Familienverband gegen sich auf, sondern seine Frau Sabina, mit der er seit Jahren eine überaus unglückliche Ehe führte, floh zu ihrer Familie.
Zwar konnte er der Reichsacht, die Maximilian 1516 und 1518 über ihn verhängte, entgehen, doch als er nach dem Tod Maximilians 1519 die Reichsstadt Reutlingen überfiel, wurde er vom Schwäbischen Bund aus Württemberg vertrieben und musste sich in die Pfalz und die Schweiz zurückziehen. Nur Mömpelgard und die Festung Hohentwiel blieben dem Herzog.
Herzog Ulrich im Bauernkrieg
Württemberg fiel in dieser Zeit an dasHaus Habsburg, seit 1522 übernahm Erzherzog Ferdinand die Regierung. Ulrich versuchte immer wieder seine Herrschaft wieder zurückzuerobern und sah auch im Bauernkrieg eine Möglichkeit dazu.
Er verbündete sich mit den Bauern und zog zwischen Februar und März 1525 mit einem schweizerischen Söldnerheer nach Stuttgart. DieBelagerung von Stuttgart scheiterte, als am 13. März die eidgenossenschaftlichen Söldner wegen fehlender Bezahlung und, da sie in der Schweiz gebraucht wurden, abzogen.
Ulrich zog sich zunächst auf Hohentwiel zurück, versuchte aber weiterhin seine Sache mit der derSchwarzwälder und Hegauer Bauern zu verbinden. Am 21. April trat er deshalb in dieChristliche Bruderschaft ein, allerdings zerbrach das Bündnis nicht einmal einen Monat später an den unterschiedlichen Zukunftsvorstellungen der Bündnispartner. Trotzdem gewährte er den Anführern des Hegauer Haufens nach deren Niederlage gegen den Schwäbischen Bund Schutz auf seiner Festung.
Rückeroberung des Herzogtums und zweite Regierungszeit Herzog Ulrichs
In der Zeit seines Exils hatte sich Ulrich derReformation zugewandt und so den bedeutenden evangelischen Landesfürsten Philipp von Hessen zum Verbündeten gewonnen, in dessen Territorium er von 1526 bis 1534 unterkam. Dieser half ihm 1534 dann auch Württemberg zurückzuerobern, indem sie die Habsburger am 12. Mai bei Lauffen am Neckar gemeinsam vernichtend schlugen.
Ulrich wurde so durch den Kaadener Vertrag Ende Juni 1534 zwar wieder zum württembergischen Herrscher, allerdings blieb Württemberg bis 1599 ein habsburgisches Afterlehen.
Die zweite Regierungszeit Ulrichs stand im Zeichen der Reformation, die er obrigkeitlich durchsetzte und die letztlich lutherischer Prägung war. Durch den Beitritt zum Schmalkaldischen Bund 1536 war Württemberg in den Schmalkaldischen Krieg verstrickt und Ulrich sah durch die Niederlage der Protestanten 1547 seine Herrschaft erneut bedroht.
Im Heilbronner Vertrag wurde festgelegt, dass Württemberg hohe Entschädigungszahlungen an Habsburg leisten musste und Teile des Herzogtums besetzt wurden. Ulrich stand außerdem ein Felonieprozess bevor, da er die Lehnsverpflichtungen des Kaadener Vertrags verletzt hatte. Trotzdem versuchte Ulrich an der Reformation festzuhalten und den Felonieprozess abzuwenden.
Als er am 06. November 1550 im Alter von 63 Jahren starb, war die Situation nach wie vor ungeklärt. Erst sein Sohn Christoph konnte die Durchsetzung der Reformation fortführen und die Herrschaft über Württemberg festigen.
Literatur
- Carl, Horst, Herzog Ulrich, in: Das Haus Württemberg. Ein biographisches Lexikon, hg. von Sönke Lorenz, Tübingen 1997, S. 103–106.
- Frauenknecht, Erwin, Konfrontation und Kooperation mit den Bauern. Die gescheiterte Rückkehr Herzog Ulrichs in das Herzogtum Württemberg, in: Herzog Ulrich und die Bauern im Krieg von 1525, hg. vom Landesarchiv Baden-Württemberg, Ostfildern 2025, S. 13–20.
- Press, Volker, Herzog Ulrich (1498–1550), in: 900 Jahre Haus Württemberg, hg. von Robert Uhland, Stuttgart 1984, S. 110–135.
- Regenbogen, Clemens, Der Herzog als Bauer. Herzog Ulrich und die Christliche Bruderschaft, in: Herzog Ulrich und die Bauern im Krieg von 1525, hg. vom Landesarchiv Baden-Württemberg, Ostfildern 2025, S. 21–28.
Zitierhinweis: Pauline Zondler, Herzog Ulrich (* 08. Februar 1487, † 06. November 1550), in: Bauernkrieg, URL: […], Stand: 07.06.2024.
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