
| Art des Ereignisses | Epoche |
| Datum vonDatum (oder Jahr) von | 0500JL |
| Datum bisDatum (oder Jahr) bis | 1519JL |
| ThemanThema des Ereignisses, z. B. bei Demonstrationen. Mehrere durch ";" getrennt. ᵖ | |
| VeranstalterName des Veranstalters, sofern vorhanden, z. B. bei Demonstrationen. Mehrere durch ";" getrennt. | |
| TeilnehmerzahlAnzahl der teilnehmenden Personen, sofern zutreffend, z. B. bei Demonstrationen | |
| GewaltKam es bei dem Ereignis zu Gewalt? | |
| Wien Geschichte Wiki IDIdentifier/Persistenter URL zur Seite ᵖ | 43723 |
| GND IDGemeindsame Normdatei ᵖ | 4129108-6 |
| Wikidata IDID vonWikidata ᵖ | Q12554 |
| Siehe auchVerweist auf andere Objekte im Wiki ᵖ | Mittelalter (Portal) |
| RessourceUrsprüngliche Ressource ᵖ | |
| Export | RDF |
| Recherche |
| BildnameName des Bildes inklusive Dateiendung (z.B: ".jpeg"). Sie können aus bereits hochgeladenen Bildern auswählen oder einen neuen Bildnamen angeben und nach dem Speichern die Bilddatei hochladen. | Albertinischer_Plan_01.jpg |
| BildunterschriftInformation, die unterhalb des Bildes angezeigt werden soll | Erste kartographische Darstellung Wiens imAlbertinischen Plan 1421/22 |
Es gibt keine Adressen zu diesem Ereignis.
Es wurden keine Bezeichnungen erfasst!
Das Ende derAntike ist mit dem Abzug derrömischen Truppen um 420/30 anzusetzen. Danach folgen Jahrhunderte mit wenig bis gar keiner Überlieferung. Erst Ende des 9. Jahrhunderts tritt der Wiener Raum auch wieder ins Licht der Schriftquellen. Das Ende der Epoche und den Beginn derFrühen Neuzeit markieren in Wien der TodMaximilians I. sowie der Erlass derStadtordnung 1526. Siehe auch:Themenportal Mittelalter.
Aus der Epoche vom 5./6. bis zum 9. Jahrhundert sind keine schriftlichen Nachrichten über das Schicksal desantiken, um 420/430 aufgelassenenRömerlagersVindobona sowie der hiesigen Zivilstadt erhalten. Nach aktuellenarchäologischen Erkenntnissen ist jedenfalls eindeutig von einer Siedlungsunterbrechung, verbunden mit dem Fortbestehen baulicher Reste, somit einer "Ruinenkontinuität", auszugehen. An manchen Stellen des ehemaligen Lagers wurde eine Bodenbildungsschicht (die sogenannte "Schwarze Schicht") beobachtet, die den spätantiken Horizont von mittelalterlichen Schichten trennt. Als Keimzelle des mittelalterlichen Wiens ist eine leichte Erhebung am Hang des südlichenDonauarms innerhalb des römischen Legionslagers zu bezeichnen. Ab dem 9./10. Jahrhundert kommen Keramikfragmente im Nordosten des Lagers vor. Über weitere Scherbenfunde konnte die Ausbreitung der Siedlung von dort aus bis ins 12. Jahrhundert beobachtet werden.Wipplingerstraße undTuchlauben verbanden West- und Südtor des ehemaligen Lagers mit dem Siedlungskern.[1]
Die erste Nennung mit Wien-Bezug hängt mit dem Vordringen der Ungarn nach Osten zusammen. Der Ort der Auseinandersetzung zwischen ungarischen und bayerischen Kämpfern im Jahr 881 - "Wenia" - kann jüngsten Forschungen zufolge als eine Siedlung, wie rudimentär sie auch damals gewesen sein mochte, angesprochen werden und meint nicht denFluss.[2] Die eigenständige ungarische Bezeichnung für den Ort, vermutlich eine Burgsiedlung, nämlich Bécs, lässt darauf schließen, dass sie zumindest strategisch keineswegs völlig unbedeutend war. Im 10. Jahrhundert dürfte der Ort einen mehrmaligen Besitzwechsel erlebt haben, war aber jedenfalls temporär im ungarischen Einflussbereich, was die übrige politische Geschichte des 10. Jahrhunderts wahrscheinlich macht.
Für die 881 erstmals mit ihrem heutigen Namen ("Wenia") belegte Siedlung sollten im Gefolge der ungarischen Expansion im 9. und 10. Jahrhundert abermals schwere Zeiten anbrechen. Spätestens um die Jahrtausendwende gibt es erste Hinweise auf eine frühe, noch sehr bescheidene Konsolidierung. Spätestens auf das 11. Jahrhundert dürfte die Passauer GründungSt. Stephan zurückgehen, allerdings noch lange nicht als Pfarrsitz. Von einer Stadt oder auch nur von städtischen Strukturen kann jedenfalls keine Rede sein.

Sesshaftwerdung, Christianisierung der Ungarn und eine massive Kolonisationsbewegung imDonauraum schufen die Voraussetzungen für einen allgemeinen Aufschwung der Siedlungstätigkeit. Dies geschah innerhalb des Rahmens der seit 976 bestehendenMarkgrafschaft Österreich unter denBabenbergern, die auchStadtherr von Wien waren. Als das Heer Kaiser Konrad II. nach einem offensichtlich gescheiterten Ungarn-Feldzug bei oder in Wien im Jahr 1030 in Gefangenschaft geriet, wurde klar, wie sehr auch noch zu dieser Zeit die Siedlung in einem gefährdeten Grenzbereich lag. Eine allmähliche Stabilisierung der Grenzen der Mark nach Osten und Norden trat erst allmählich im späten 11. Jahrhundert ein, wobei auch in der Folge kriegerische Auseinandersetzungen immer wieder das Bild der Außenbeziehungen prägten.[3] Für den Siedlungsplatz Wien, der noch bis ins 12. Jahrhundert an der Grenze zu Ungarn lag, wirkte sich der Aufschwung erst vorteilhaft aus, als die österreichischen Landesfürsten ihre Position endgültig gefestigt hatten. Die Entwicklung Wiens zur voll ausgebildeten Stadt wurde erst 1137/1138 durch einen Interessenausgleich mit demBistum Passau, zu dem Wien damals gehörte, möglich. Der 1137 geschlosseneTauschvertrag von Mautern spielte dabei eine wichtige Rolle.[4] Er offenbart nicht nur Machtstrukturen vor Ort, sondern wirft auch ein Schlaglicht auf die frühen niederkirchlichen Strukturen. Die Salzburger GründungSt. Peter wird darin als bedeutendstes Gotteshaus in Wien angesprochen. Die am Donauabhang gegründeten KircheSt. Ruprecht hat in der ersten Hälfte des 12. Jahrhunderts ebenfalls bereits bestanden. St. Stephan wurde 1137 als Wiener Pfarre anerkannt und in der Folge massiv ausgebaut (Weihe des Neubaus 1147).
Die Entwicklung einer Siedlung zur Stadt wie auch die Neugründung einer städtischen Siedlung im Mittelalter wurde in rechts- wie verfassungsgeschichtlicher Hinsicht markant von der Ausbildung und/oder der Verleihung städtischer Rechte beziehungsweise einesStadtrechts sowie der Entstehung einer eigenständig agierenden, bürgerlichen Selbstregierung geprägt. Weitere wesentliche Kriterien dafür, ab wann von Wien als Stadt gesprochen werden kann, sind a) die früheste Bezeichnungen als "Stadt", b) die Erstnennung von Bürgern, des städtischen Richteramtes, desstädtischen Rats als Organ der eigenständig-bürgerlichen Stadtregierung wie auch desBürgermeisters sowie schließlich c) die frühestenStadtrechtsverleihungen.
Wien wird erstmals im Mauterner Tauschvertrag aus dem Jahr 1137 alscivitas bezeichnet, man wird zu diesem Zeitpunkt am ehesten von einer "befestigten Siedlung" sprechen dürfen. Die Erhebung Österreichs zumHerzogtum 1156 sollte für die städtische Entwicklung Wiens einen ganz entscheidenden Schub auslösen, wie dies an Bezeichnungen der Stadt alsWindopolis (1159, 1162) oder auch alscivitas metropolitana des österreichischen Herzogs (1172) abzulesen ist.
Nennungen von Leuten als "von Wien" lassen sich noch bis in die Zeit MarkgrafLeopolds des Heiligen (vor 1136) zurückverfolgen. Cives (Bürger) sind dann ab der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts zu belegen. Die Nennung eines WienerStadtrichters (1192, 1208) wie auch die desMünzkämmerers (1208) werfen Schlaglichter auf unter landesfürstlichem Einfluss stehende beziehungsweise diesen Einfluss sichernde Funktionsträger in der jungen Stadt. Mit dem nur in Abschrift überliefertenStadtrecht Herzog Leopolds VI. vom 18. Oktober 1221 ist dann ein detaillierter Einblick in die rechtliche Situation Wiens möglich. Zugleich werden darin erstmals auch consules civitatis (= der städtische Rat) erwähnt, womit das Gremium der bürgerlichen politischen Mitbestimmung fassbar wird. All diese Überlieferungen bilden Marksteine für die Ausbildung Wiens zur Kommune.

Markanteres politisches Profil gewann die Stadt sowohl in der Auseinandersetzung mit dem letztenBabenberger um 1240 wie dann auch nach dem Aussterben dieses Geschlechts (1246) sowie unter der Herrschaft des BöhmenkönigsOttokar II. Přemysl. Um die Mitte des 13. Jahrhunderts konnte man die Schwäche des Landesfürstentums und seiner Repräsentanten ausnutzen, wodurch es zu einer weiteren Verfestigung der bürgerlichen Mitspracherechte kam. Mit demBürgerspital entstand eine beispielhafte städtisch-bürgerliche Einrichtung. Zum Jahr 1282 – und damit bereits unterhabsburgischerStadtherrschaft - ist mitKonrad Poll erstmals einBürgermeister von Wien genannt, und damit eine für die städtische Autonomie überaus charakteristische Funktion, bezeugt. Zum Jahr 1288 ist dann auch vom Bestand eines Rathauses in derWollzeile belegt, dem ab 1316 das heutige "Alte Rathaus" in derWipplingerstraße folgen sollte.
Für das 14. und 15. Jahrhundert haben wir genauere Kenntnis davon, wie die Stadt regiert wurde: Für eine Mitgliedschaft imRat musste der Kandidat über Hausbesitz verfügen, die Ausübung des Mandats war mit erheblichem Zeit- und Geldaufwand verbunden, damit nur wohlhabenden Kreisen möglich. Die Wahl des Rates erfolgte jährlich und lag in den Händen des gleichfalls seit 1221 bezeugten Gremiums der "Genannten", eines 100-köpfigen Ausschusses der bürgerlichen Gemeinde. Den Vorsitz im Rat hatte der Bürgermeister inne, seit 1296 gehörte auch der Stadtrichter dem Rat an. Ab 1346 wissen wir von einemStadtanwalt, der die Interessen des Landesfürsten gegenüber der Stadt vertrat, und vomStadtschreiber, dem Leiter der städtischen Kanzlei. Hinweise auf die Existenz einesstädtischen Archivs liegen seit 1312 vor.

Rechtlich und repräsentativ fand diese Entwicklung auch in der Anlage des großen Stadtrechtsbuchs - genannt "Eisenbuch" - um die Mitte des 14. Jahrhunderts seinen Ausdruck. Mit dem TodFriedrichs des Schönen (1330) büßten die Habsburger ihre Funktion alsrömisch-deutsche Könige für mehr als ein Jahrhundert ein. ErstAlbrecht II. erlangte 1438 das Amt wieder. Dieser Machtverlust bestimmte die politischen Möglichkeiten während des späten Mittelalters für den Landesfürsten wie die Stadt nachhaltig.
Dabei ist es durchaus bemerkenswert, dass es in Wien im Gegensatz zu vielen anderen Städten Europas in dieser Epoche ungleich seltener zu Konflikten zwischen sozialen Gruppierungen innerhalb der Bürgerschaft kam. Den zentralen Beleg für diese relativ ruhig verlaufende konstitutionelle Entwicklung bildet das der Stadt 1396 verliehene "Ratswahlprivileg". Der zunehmenden sozialen Differenzierung der Stadtbevölkerung trug man mittels dieses Privilegs Rechnung: Hatten bislang die reichen Kaufleute undErbbürger (Rentiers) den Rat dominiert, so wurde dessen Zusammensetzung in diesem Jahr drittelparitätisch (Erbbürger/Kaufleute/Handwerker) festgelegt. Im gesetzgebenden Gremium der Stadt, also im Rat, waren nur die – männlichen –Bürger vertreten. Sie legten die Spielregeln des städtischen Lebens in Abstimmung, mitunter auch im Streit mit dem Stadtherrn fest.
Politische Spannungen in der Stadt sollten im 15. Jahrhundert insbesondere in Verbindung mit den Ansprüchen verschiedener Mitglieder der habsburgischen Familie auf die Herrschaft im Lande entstehen. In Summe entstanden daraus vor allem Nachteile für die Stadt. Die bürgerliche Autonomie büßte immer mehr ihre frühere Kraft und Stärke ein. Wenn Konflikte auftraten, orientierten sie sich im Regelfall an verschiedenen, miteinander im Wettstreit befindlichen Angehörigen des habsburgischen Hauses. Diesem Umstand verdankt Wien auch eine repräsentative Zusammenstellung seiner Privilegien aus dem Jahr 1460 und seinen prächtigenWappenbrief aus dem Jahr 1461.
Äußere Bedrohungen, wie etwa die militärischen Übergriffe der Ungarn, die 1485–1490 in der fünfjährigen Herrschaft KönigMatthias' Corvinus über Österreich und Wien gipfelten, wie zugleich der Beginn von deutlich überregional, kontinental und dann sogar weltweit bestimmten Interessen der Habsburger ließen den politischen Rang Wiens zusehends schwinden. Schließlich bereitete der inSpanien erzogeneFerdinand I. der von markanter Autonomie geprägten mittelalterlichen Stadtverfassung ein Ende. Er erließ 1526 eineStadtordnung. Bereits die Bezeichnung dieserUrkunde als "Ordnung" macht den radikalen Wandel vom mittelalterlichen "Stadtrecht" zum herrschaftlich bestimmten Regulativ derFrühen Neuzeit deutlich.
Die Verfasstheit der Stadt und ihre Organe wurden im Mittelalter ab 1221 in denStadtrechten schriftlich niedergelegt. Die Verwaltung lag in den Händen von Einzelpersonen, welche bestimmteFunktionen innehatten. So zeichnete der städtischeKämmerer für die Finanzverwaltung verantwortlich, derMautner für die Einhebung derMaut, derMünzmeister für das landesfürstliche Münzwesen etc.
Wichtig ist die Unterscheidung in die städtische Verwaltungsebene, die aus der städtischen Autonomie dem Stadtherrn gegenüber erwuchs und das Finanzwesen, gewisse Aspekte des Steuerwesens, Mauten,Gewerbe, dasBau- undGrundbuchswesen sowie denMarkt betraf. Diehohe Gerichtsbarkeit und dasMünzwesen sowie gewisse Aspekte der Finanzverwaltung sowie des Kriegswesens fielen in die landesfürstliche Kompetenz.Erst am Ende des Mittelalters begannen sich aus den FunktionenÄmter im Sinne von Behörden zu entwickeln. Insbesondere bei Finanz- und Bauverwaltung war das mitOberkammeramt undUnterkammeramt der Fall.
Im Mittelalter gilt es grundsätzlich zwischenNieder- und Hochgerichtsbarkeit zu unterscheiden. Erstere betraf Zivilrechtsfälle und kleinere Straftaten. Sie lag in den Händen eines vomOrtsherren ernannten Richters. Die hohe Gerichtsbarkeit fiel in die Kompetenz des Landesfürsten, der sie allerdings seit dem 13. Jahrhundert an weltliche und geistlicheGrundherren sowie autonome landesfürstliche Städte wie Wien verlieh. Der WienerRichter hatte eine Doppelfunktion: Er übte als Stadtrichter im städtischen "Burgfried" die niedere, im viel größeren Landesgerichtssprengel die hohe Gerichtsbarkeit aus. Spätestens seit 1296 war er Mitglied des WienerRats. Urteile der Hochgerichtsbarkeit bedurften vor der Vollstreckung der Zustimmung des Rats. Die beträchtlichen Einnahmen des Gerichts dienten der Bezahlung von Richter und Hilfskräften. Was übrig blieb, wurde zwischen Richter und Landesfürst aufgeteilt. Die Stadt musste für das Gerichtsgebäude – dieSchranne –, dieRichtstätte und das dazugehörige Personal aufkommen.
Für gewisse Bevölkerungsgruppen war das Stadt- und Landesgericht wegen ihrer Zugehörigkeit zu bestimmten Berufs- beziehungsweise Standesgruppen nicht zuständig. Klagen gegen sie, ebenso wie interne Delikte, wurden an Sondergerichten abgehandelt: So war für denHerren- undRitterstand das Landmarschallgericht zuständig, für Bedienstete des landesfürstlichen Hofs das Hofmarschallgericht, fürUniversitätsangehörige das vom Rektor geleitete Universitätsgericht, für die Geistlichkeit das Gericht desBischofs, für dieHausgenossen (Münzer) das Münzgericht, für dieJuden das Judengericht; schließlich war für Angelegenheiten derWeinbergbewirtschaftung ein eigenesBerggericht zuständig. Wie man sich unschwer vorstellen kann, kam es immer wieder zu Kompetenzstreitigkeiten zwischen den einzelnen Gerichten.
All jene Angelegenheiten, die außer Streit standen, fielen in die Kompetenzen anderer Institutionen: FürVerlassenschaftsabhandlungen, Testamentsangelegenheiten oder auch Vormundschaftssachen war der Wiener Rat zuständig. Das Grundbuchswesen war Sache der Grundherrschaften. Im Fall der Stadt Wien als Grundherr existierte ein Grundbuchsamt, welches die entsprechenden Geschäftsgänge verzeichnete. Auch kleinere Probleme im Liegenschaftswesen wurden dort abgehandelt.
Angaben zur WienerWohnbevölkerung im Mittelalter zu machen ist nicht ganz einfach – zumindest was die Anzahl der Bewohnerinnen und Bewohner betrifft. Die Erweiterung der Stadt erfolgte in Schüben. Es gab allerdings auch Brüche, die einen Rückgang der Bevölkerung zur Folge hatten. Als wesentlich für die Wiener Demographie können folgende Entwicklungen und Ereignisse festgehalten werden: dieStadterweiterung auf das Dreifache der bisherigen Fläche zu Beginn des 13. Jahrhunderts, die Katastrophen der 1340er Jahre, welche in derPest von 1349 kulminierten, die RegierungszeitRudolfs IV. mit der Erleichterung des Zugangs zumBürgerrecht und derUniversitätsgründung, dieVertreibung derJuden 1421, um und nach 1450 diekriegerischen Wirren auf der einen und der Schutz derVorstädte durch eigeneBefestigungen auf der anderen Seite. Um 1500 zählte die Stadt etwa 1.300 Häuser, die Vorstadtzone rund 900 bewohnte Gebäude. Einer vorsichtigen Schätzung zufolge lebten am Ende des Mittelalters 20.000 bis 25.000 Menschen in Wien. ImHeiligen Römischen Reich wurde Wien nur von wenigen Städten übertroffen (Köln: 40.000; Nürnberg: 36.000 Einwohner). Grundsätzlich gilt für Wien im Mittelalter, dass Geburtenrate und Lebenserwartung niedrig, (Kinder)Sterblichkeit hingegen hoch waren. Dazu kamen Verluste durch Seuchen. Zudem herrschte starke Fluktuation,Zuwanderung spielte immer eine wichtige Rolle. Diese gab es auch nahezu ununterbrochen aufgrund mehrerer Umstände: Wien war – zumeist – Hauptstadt und Residenz. Der Landesfürst war der Stadtherr. Durch spezielle Privilegierungen entwickelte sich Wien zu einem der wichtigsten Handelsplätze nördlich der Alpen.

Die Bürger bildeten den Kern und das wirtschaftliche Rückgrat der Bevölkerung. Sie waren durch Eid zu einer politischen Gemeinde verbunden. Eine solche Zusammengehörigkeit, ein solcher Zusammenschluss war die Basis jeder mittelalterlichen Stadtgesellschaft. Wer der Gemeinde angehören wollte, musste männlich sein und das 18. Lebensjahr vollendet haben. Überdies musste er versprechen, in der Stadt einen Haushalt zu führen, Steuern und Abgaben zu bezahlen und persönlichen Einsatz zu leisten. Ein selbstständiges Handwerk oder Handelsunternehmen zu führen, war ausschließlich Bürgern vorbehalten. AlsHandwerker galten nicht nur jene, die ein manuellesGewerbe betrieben, sondern auch Kleinhändler und Dienstleister; insgesamt umfasste diese Gruppe etwa 100 verschiedene Branchen. Als Kaufleute galten nur die Großhändler, Im- und Exporteure. Unter den Bürgern fanden sich auchÄrzte, höhereBeamte undRechtsanwälte. Als "Erbbürger" galten all jene, die nur von Einkünften aus Haus- und Grundbesitz lebten. Die Gruppe der Inwohner umfasste all jene, die keine Bürger waren und auch keiner anderen Gruppe angehörten. Zumeist handelte es sich um Personen, die ein zu geringes Einkommen für die Bezahlung von Steuern hatten. Zu ihnen zählten Angestellte der städtischen und landesfürstlichen Verwaltung, ebenso wie Lehrlinge, kaufmännische Angestellte, Knechte und Mägde. Das geringste Prestige in dieser Gruppe hattenTaglöhner undProstituierte], die in den beiden städtischen"Frauenhäusern" wohnten. Geistlichkeit,Juden,Adel undHofstaat waren privilegierte soziale Gruppen, die der Gemeinde gegenüber nicht steuerpflichtig waren und für die auch das städtische Gericht nicht zuständig war. Sie standen damit außerhalb der bürgerlichen Gemeinde, spielten in der Stadt freilich eine zum Teil ihrer schieren Zahl wegen (Klerus), aber auch – ganz allgemein – ihrer Sonderstellung wegen eine wichtige Rolle.
Neben dem Landesfürst und seinem Hofstaat (1420: 200 Personen) bildeten Bürger (1420: 10.000), Inwohner (1420: 5.500), Geistlichkeit (1420: 1.500), Angehörige der Universität (1420: 1.500),Juden (1420: 700), "Gäste" (= fremde Kaufleute) (1420: 300), sowie der Adel und dessen Dienerschaft (1420: 300) jeweils eigene Gruppen mit spezifischem Rechtsstatus. Um 1420 hatte Wien in etwa 20.000 Einwohnerinnen und Einwohner, gegen 1500 circa 25.000. Siehe auchBevölkerung,Bevölkerungsgeschichte
Zusammenschlüsse von Einwohnern erfolgten allerdings nicht nur auf rechtlicher Basis. Viel unmittelbarer waren Bewohner mittelalterlicher Städte zum Beispiel beruflich zusammen geschlossen und entwickelten auf dieser Grundlage Identität, ein "Wir-Gefühl". Das konnte in Zechen und Genossenschaften wie auch in geistlichenBruderschaften der Fall sein. Äußeres Zeichen einer solchen Verbundenheit konnte eine Fahne oder ein gemeinsamer Patron sein. Die Wiener Kaufleute beispielsweise hatten den hl. Markus als Patron, was auch die seit etwa 1200 bestehende Verbindung mit Venedig augenfällig zum Ausdruck bringt.

Auch wenn Frauen im Rat nicht zugelassen waren, im öffentlichen Leben waren sie durchaus präsent. In erb- und besitzrechtlichen Angelegenheiten waren Frauen Männern weitgehend gleichgestellt. 25 Prozent aller an den erfassten Rechtsgeschäften beteiligten Personen waren Frauen. Sie agierten auch als Handwerksmeisterinnen, stifteten soziale Einrichtungen und verfassten auch Testamente, welche in die "Testamentenbücher", die vom Rat geführt und verwahrt wurden, eingetragen wurden. Dass so manche Frauen aus der für die mittelalterliche Epoche so kennzeichnenden Anonymität heraus traten, macht das weibliche Profil der Stadt etwas besser erkennbar. Im Regelfall handelte es sich dabei freilich um Frauen, die zwar in der Stadt lebten, aber eben nicht zum Kreis der Bürgerinnen gehörten, wie die Hofdame Königin Elisabeths von LuxemburgHelene Kottannerin (um 1400 – um 1470).
DieGesundheit mittelalterlicher Städter war permanenten, direkten Bedrohungen ausgesetzt: Menschen lebten in einem ummauerten Bereich auf engstem Territorium zusammen. Aus dem 15. Jahrhundert sind uns zahlreiche Versuche der städtischen Behörden überliefert, die ärgsten Missstände einzudämmen. Meist beschränkte man sich allerdings darauf, die städtischenMistknechte einmal im Frühjahr und Herbst sowie bei hohen Feierlichkeiten zur Reinigung der Stadt tätig werden zu lassen. Auch dieVersorgung mit sauberemWasser war unzureichend. In den Häusern gab es keine Bäder, zur Körperpflege suchte manBadstuben auf. DasStubenviertel dürfte seinen Namen von der lokalen Häufung solcher Badstuben erhalten haben. AnÄrzten lassen sich in Wien seit dem frühen 14. Jahrhundert "Buchärzte" und "Wundärzte" nachweisen. Erstere verfügten über eine universitäre Ausbildung, letztere nicht. Die Qualität der ärztlichen Leistungen nahm in Wien mit der Gründung derUniversität im Jahr 1365 einen Aufschwung. Dennoch praktizierten 1454 gerade einmal elf Ärzte in Wien.


Den Hauptteil der Sozialleistungen im mittelalterlichen Wien trugen die gestiftetenAnstalten, von denen dasBürgerspital die bedeutendste war.Spitäler waren im Mittelalter nicht in erster Linie Krankenhäuser im heutigen Sinn, sondern vielmehr Anlaufpunkt für all jene, die sich nicht (mehr) selbst versorgen konnten: Alte, Pflegebedürftige,Waisen, Obdachlose, ledige Mütter etc. Das WienerBürgerspital vor dem Kärntnertor war die größte und auch finanziell am besten ausgestattete Versorgungseinrichtung. In Konkurrenz und direkter räumlicher Nähe zum Bürgerspital lag das bereits 1208 vom herzoglichen Leibarzt Gerhard gegründeteHeiligengeistspital, welches vom Antoniterorden (Heiliggeistorden) betrieben wurde. Dieses war allerdings wirtschaftlich weit weniger potent und steckte immer wieder in finanziellen Schwierigkeiten. Für alte und kranke Bedienstete des Landesfürsten war das vonFriedrich dem Schönen 1327 gegründeteSpital vor dem Werdertor vorgesehen, das allerdings bereits 1343 mit dem 1339/1342 vonAlbrecht II. gegründetenSt.-Martins-Spital vor demWidmertor fusioniert wurde. Damit war einHofspital entstanden, das ab 1469 vom St.-Georgs-Ritterorden verwaltet wurde.
Weiters existierte noch das von einer Wiener Bürgersfrau 1418 gestiftetePilgramhaus in der heutigenAnnagasse, welches hauptsächlich als Obdachlosenasyl fungierte und von einem Bürger geführt wurde. Schließlich ist noch einStudentenspital im Bereich der heutigen "Alten Universität" bekannt, welches zu Anfang des 16. Jahrhunderts aufgelassen und alsSt. Sebastian-Spital vor demStubentor neu eingerichtet wurde.
Abgesehen von den Spitälern gab es noch die Institution derSiechenhäuser, diese dienten der Pflege von Personen, die ansteckende oder Ekel erregende Krankheiten hatten. Die drei Wiener Siechenhäuser wurden vorsorglich außerhalb derStadtmauern an derBurgfriedsgrenze, also am äußersten Ende des Stadtgebiets angelegt, fernab von bewohntem Territorium. Im Osten lag das 1267 gegründete, von einem bürgerlichen Verwalter geführteSiechenhaus St. Lazarus, später St. Marx genannt. Es verwahrte auch Geisteskranke, die man im Mittelalter für gemeingefährlich hielt. Im Westen existierte das 1255 begründeteSiechenhaus St. Johannes an der Als, das zuerst von einem Bürger, ab 1476 vomAugustiner-ChorherrenstiftSt. Dorothea betreut wurde. Im Süden schließlich lag an derFernstraße nachItalien, im Bereich der heutigenWiedner Hauptstraße 64–66, das SiechenhausSt. Hiob am Klagbaum, 1266 vom damaligen Wiener PfarrerGerhard von Siebenbürgen gestiftet. Eine Besonderheit war dasBüßerinnenhaus zum heiligen Hieronymus amFranziskanerplatz. Diese 1383 von Wiener Bürgern begründete Anstalt beherbergte ehemaligeProstituierte. Die Frauen lebten dort in einer klosterähnlichen Gemeinschaft und durften diese nur verlassen, wenn sie heirateten.

Erste Versuche einer christlichen Durchdringung des Wiener Raumes im Mittelalter wird man im späten 8. Jahrhundert ansetzen und vermutlich mit den Aktivitäten des Salzburger Erzbischofs Arn in Verbindung bringen können. Verortbar ist ein Gotteshaus beiSt. Ruprecht – welches immerhin Rupert, den Begründer der Salzburger Kirche, zum Patron hat. Der Aufbau einer dauerhaften, in den schriftlichen Quellen fassbaren kirchlichen Organisation im Wiener Raum setzte in der zweiten Hälfte des 11. Jahrhunderts unter der Ägide desPassauer Bischofs ein, zu dessenBistum Wien bis in die zweite Hälfte des 15. Jahrhunderts gehörte. Die erste WienerPfarre nimmt man heute beiSt. Peter an. Ab 1137 hat die Pfarre ihren Sitz inSt. Stephan, der dem Passauer Bistumspatron geweihten, neu errichteten Hauptkirche. Der Wiener Pfarrsprengel reichte weit über den städtischenBurgfried hinaus und erstreckte sich diesseits derDonau im Süden bis an dieLiesing und denPetersbach, im Osten bis nachSchwechat. Vermutlich 1221 kam mitSt. Michael eine zweite Pfarre in Wien hinzu.

Bereits seit dem frühen 13. Jahrhundert gab es Pläne der österreichischen Landesfürsten, einBistum mit Sitz in Wien zu errichten. Diese Bemühungen scheiterten jedoch immer wieder am zähen Widerstand des Passauer Bischofs.Rudolf IV. erlangte 1365 immerhin die päpstliche Einwilligung für die Einrichtung eines aus einem Propst und 24 Kapitularen bestehendenKollegiatkapitels, welches bei St. Stephan angesiedelt war und das Ansehen der Pfarrkirche deutlich hob. Erst 1469 wurde auf Antrag KaiserFriedrichs III. vom Papst ein Wiener Bistum genehmigt, das allerdings – abermals wegen Passauer Widerstands – erst 1480 personell besetzt werden konnte. Bereits 1155 hielt die erste Ordensgemeinschaft, dieBenediktiner, mit der Gründung desSchottenstifts durch denBabenbergerherzogHeinrich II. Einzug in Wien. 1224 folgten dieMinoriten, 1226 dieDominikaner. In der Vorstadtzone entstanden im frühen 13. Jahrhundert unter anderem dasZisterzienserinnenklosterSt. Maria (später St. Niklas) vor dem Stubentor und das BüßerinnenklosterSt. Maria Magdalena vor dem Schottentor. ImOberen Werd (heute: Wien9) ließen sich 1266 dieAugustiner-Eremiten [Augustinerkloster (9) ] nieder, die dann 1327 in die Stadt verlegt wurden (Augustinerkirche). Vermutlich als Beginenhäuser (Frauengemeinschaften ohne Gelübde) entstandenSt. Jakob auf der Hülben undSt. Agnes zur Himmelspforte. Auch Ritterorden gründeten Niederlassungen in Wien, unter ihnen derDeutsche Orden sowie dieJohanniter (Malteser). Es gab eine enge Verflechtung von städtischer und geistlicher Kultur, wobei auch die religiösen Frauenbewegungen eine bedeutende Rolle spielten.
Die Einwohner der Stadt waren aktiv an der Gestaltung des kirchlichen Lebens beteiligt, welches gleichzeitig einen großen Teil des gesellschaftlichen Daseins bestimmte. Auch die Verwaltung von kirchlichen Fonds wie zum Beispiel jenes zu Ausbau und Erhaltung derStephanskirche lag in den Händen eines bürgerlichenKirchmeisters. Kirchliche Feste boten der städtischen Gesellschaft Gelegenheit zur Selbstdarstellung. Vor allem dieFronleichnamsprozession spiegelte eine zutiefst bürgerlich-städtische Mentalität wider. Im 15. Jahrhundert wurden in Wien nicht weniger als 33 Heiligenfeste begangen, an denen die Arbeit ruhte. Die beiden WienerJahrmärkte waren an christlichen Feiertagen angesetzt, nämlich zu Christi Himmelfahrt und amKatharinentag (25. November). Dieösterlichen Passionsspiele und diversen kirchlichen Prozessionen bildeten um 1500 die Anfänge einer Schauspieltradition.
Ein Spezifikum des Wiener religiösen Lebens stellte schließlich die jährlich wiederkehrende Zurschaustellung der Reliquien von St. Stephan am "Weißen Sonntag", also am Sonntag nach Ostern, dar. Seit 1483 existierte am Stephansplatz ein eigens errichtetes Gebäude, derHeiltumstuhl, von dem aus die Geistlichkeit in mehreren rituellen Umgängen den reichen Reliquienschatz der Domkirche den Gläubigen präsentierte.
Erwähnungen ab dem späten 12. Jahrhundert wie das im August 1238 von KaiserFriedrich II. ausgestellte Privileg für WienerJuden belegen die Existenz jüdischer Familien in Wien seit dem hohen Mittelalter. Von einer jüdischen Gemeinde wird man wohl spätestens um 1260 sprechen dürfen, als nämlich dieSynagoge auf dem späterenJudenplatz entstand (siehe:Judenstadt (1)).

Grundlagen der Wiener Wirtschaft zwischen dem 12. und dem 15. Jahrhundert waren zum einen Weinbau und -handel, zum anderen Groß- beziehungsweiseFernhandel (Einfuhr, Ausfuhr und Transit).Handwerk undGewerbe produzierten überwiegend für den Eigenbedarf. Weingärten fanden sich schon ab dem hohen Mittelalter in beachtlichem Ausmaß rings um die Stadt. Welch großer Wert auf den Schutz des WienerWeines gelegt wurde, erhellt etwa daraus, dass schonFriedrich II. der Streitbare in seinemStadtrecht für Wien 1244 untersagte, dass ungarischer Wein in das Stadtgebiet, denBurgfried, eingeführt werden dürfe. In den Besitz von Weingärten, damit auch in den einzigen exportorientierten Wiener Wirtschaftszweig zu investieren, vereinigte bürgerliche, geistliche und landesfürstliche Interessen. Mitte des 15. Jahrhunderts gingen etwa zwei Drittel der jährlichen Gesamtproduktion in den Export (insbesondere nach Oberdeutschland), ein Drittel wurde in der Stadt selbst konsumiert. Penibel geregelt, manchmal auch regelrecht verboten, war die Einfuhr fremder Weine; für den Ausschank südländischer (welscher) und fremder Weine gestattete der Landesfürst 1370 der Stadt die Errichtung einer öffentlichen Taverne, ab 1481 ging man wieder auf die Gewährung von individuellen Einfuhr- und Ausschanklizenzen über. Ganz generell zählte der Ausschank von Eigenwein in Privathäusern zu den Rechten der bürgerlichen Weingartenbesitzer. Geistliche Weingartenbesitzer durften nur ein gewisses Kontingent ausschenken, auf Kommissionsbasis erfolgte der Ausschank in Wirtshäusern. Die Sitte, auf den turnusmäßig begrenzten ein Ausschank durch das Ausstecken von Reisig aufmerksam zu machen, wird bereits in einer städtischen Ordnung von 1459 erwähnt.
In den kontinentalen Fernhandel eingebunden war Wien sowohl im Hinblick auf dieDonau wie auch die Landverbindungen mitVenedig ab dem späten 12. beziehungsweise frühen 13. Jahrhundert. Zu den ältesten einschlägigen Überlieferungen gehören die Verleihung von Gerichts- und Handelsrechten an dieRegensburger Kaufleute (1192) sowie die Bestimmungen über dieBurg- undWagenmaut (vor 1221), die allesamt noch die Möglichkeit freier Handelstätigkeit auswärtiger Kaufleute in Wien widerspiegeln. Mit der imStadtrecht Leopolds VI. von 1221 enthaltenen Verleihung desStapelrechtes – auswärtige Kaufleute durften ab sofort nicht mehr direkt mit Ungarn Handel treiben, und Wien wurde als fixer und unumgänglicher Zwischenhändler eingeschaltet – wurde eine bis ins frühe 16. Jahrhundert bestehende, wesentliche Grundlage für den Anteil Wiens am Fernhandel geschaffen. Wiewohl die Stadt bereits ab dem 14. Jahrhundert nicht selten auf anderen Handelsrouten (etwa von Nürnberg über Prag, Böhmen und Mähren nach Ungarn) umgangen zu werden pflegte, das Stapelrecht damit praktisch wirkungslos wurde, sollte es erst unterMaximilian I. (1517) endgültig aufgehoben werden. Während der mit Erlaubnis KönigRudolfs von Habsburg 1278 eingerichteten WienerMärkte, die bis 1382 zwei, dann vier Wochen dauerten und echte Handelsmessen waren, durften die auswärtigen Kaufleute (genannt "Gäste") direkt miteinander Handel treiben, Wein war davon allerdings ausgenommen. Handwerk und Gewerbe in der Stadt wiesen ein schon im 13. Jahrhundert belegbares, breites Spektrum auf. Nach mittelalterlichem Verständnis zählten auch Kleinhandel und Dienstleistungsgewerbe zu diesem Bereich.
Das mittelalterliche Wien bezog sein Getreide vor allem aus dem Hinterland der Stadt, aus dem Wiener Becken und demMarchfeld, geringere Mengen auch aus Böhmen, Mähren und Ungarn. Man hat errechnet, dass die Stadt Wien mit einer Bevölkerung von ca. 20.000 Menschen zur Deckung des Getreidebedarfs einer Fläche von ca. 180.000 Hektar bedurfte. Das entspricht der 450-fachen Fläche des damaligen Wien. Bereits im Mittelalter beeinflussten städtische Ballungsräume Ökosysteme, die hunderte Kilometer weit entfernt lagen. Als Beispiel sei der städtische Bedarf an(Rind-)Fleisch angeführt. Für Wien war der Fleischimport im ausgehenden Mittelalter so hoch, dass er lokal nicht zu decken war. Um 1500 wurden 50.000 Stück ungarisches Rind jährlich nach Österreich, Süddeutschland und bis Straßburg gebracht. Das entspricht etwa 16.700 Tonnen Biomasse im Jahr.
Fisch wurde in großen Mengen als Speise für die häufigenFasttage benötigt. Für Wien sind uns seit dem 13. Jahrhundert Vorschriften überliefert, die den Fischfang steuern sollten. Besonders Überfischung führte zur Verarmung mancher Frischwasserpopulationen sowie zu deren Kollaps. Immer wieder mussten einzelne Fischarten oder deren Nachwuchs geschützt werden. DasFischereipatent Maximilians I. von 1506 legt davon Zeugnis ab.
Spezifisch mittelalterliche Züge trug die Organisation des Geldwesens, das für dasHerzogtum Österreich ab dem späten 12. Jahrhundert sein Zentrum in Wien hatte. Unter prinzipieller Wahrung der landesfürstlichen Hoheit war die praktische Abwicklung (Münzprägung) denHausgenossen, einem Konsortium von 48 Wiener Bürgern, vorbehalten, die auch das Privileg des Geldwechsels innehatten. Mit der Sitte, sich bei Neuprägungen durch die Verwendung minderwertiger Materialien finanzielle Vorteile zu verschaffen, machte 1359 HerzogRudolf der Stifter Schluss. Er verzichtete darauf, führte aber im Gegenzug dasUngeld, die Getränkesteuer, ein. Der Finanzhaushalt Wiens lässt sich auf der Grundlage der ab dem 14./15. Jahrhundert erhaltenen städtischen Rechnungsbücher (Kammeramtsrechnungen) rekonstruieren. Während die Einnahmen im Wesentlichen aus Abgaben (Steuern, Mauten, Monopole), Gebühren und Strafgeldern sowie Erwerbseinkünften (etwa aus Grund- und Hausbesitz oder Eigenbetrieben der Stadt selbst) erwuchsen, spielten bei den Ausgaben Aufwendungen für die Rechtspflege (Stadtgericht, Strafvollzug), die innere Verwaltung (unter anderem für Zwecke der Wirtschafts- undFeuerpolizei, dasSchulwesen und dieFürsorge), Leistungen an den Landesfürsten (Steuern, Ehrengeschenke), Repräsentation (Feste), die städtische Außendiplomatie, das Kriegswesen und die Aufwendungen für städtische Bauten die größte Rolle.
Ein Schulwesen ist für Wien in der für das Mittelalter typischen Form der Anknüpfung an die Pfarre, als städtischeLateinschule, schon für die Zeit vor 1237 nachzuweisen. 1237 ist dann in der Urkunde Kaiser Friedrichs II. für Wien die schon bestehenden Knabenschule unter ihrem vom Reich (später vom Landesfürsten, ab 1296 von der Stadt selbst) bestellten Rektor fassbar. Zur Schule (ursprünglich im Pfarrhof, vgl. die Bezeichnung "Schulerstraße"; ab dem frühen 14. Jahrhundert im heutigenChurhaus,Stephansplatz 3) gingen – jedenfalls in der Frühzeit – neben den jüngeren Grammatikschülern durchaus auch reifere, bereits schriftkundige Scholaren. Ein Unterricht für Mädchen war nicht vorgesehen. - Es entwickelten sich zwar auch bei anderen WienerPfarren (zum BeispielSchottenkirche) Schulen, doch lag die Oberaufsicht über alle bei der Bürgerschule. Selbst dieGründung der Wiener Universität im Jahre 1365 führte zu keinem Bedeutungsverlust der Schule, beide Institutionen waren vielmehr personell und rechtlich-organisatorisch eng miteinander verknüpft. Aus dem Jahr 1446 ist eine vonBürgermeister undRat erlassene Schulordnung überliefert, der interessante Einblicke in die räumlichen Verhältnisse, die Organisation wie die Methoden und Inhalte des Unterrichts zu verdanken sind.

Universitätsstadt wurde Wien erst 1365. Ein Impuls für die Einrichtung wird wohl die Konkurrenz zwischenRudolf IV. und seinem Schwiegervater, Kaiser Karl IV., gewesen sein. Der Kaiser hatte in Prag bereits 1348 eine Universität gegründet. Die Residenz desHabsburgers sollte nicht nachstehen. Am 18. Juni 1365 genehmigte Papst Urban V. dieUniversitätsgründung, eine theologische Fakultät blieb ihr allerdings verwehrt. Der frühe Tod Rudolfs nur vier Monate nach der Gründung und die ungeklärte Unterbringungsfrage hatten zur Folge, dass die Neugründung zunächst ohne größere Bedeutung blieb. Das änderte sich erst nach der Bewilligung der theologischen Fakultät 1384 und der großzügigen Ausstattung der Institution durchHerzogAlbrecht III. 1384/1385. Die Organisation der Universitätsangehörigen erfolgte 1384 nach dem Pariser Modell, welches den Zusammenschluss von Lehrenden und Studierenden in vier sehr weit gefassten geographischen Gruppen, so genannten Nationen, vorsah. An der Universität Wien wurden eine österreichische, eine rheinische, eine ungarische und eine sächsische Nation eingerichtet. Im Mittelalter bildete die rheinische Nation mit dem Einzugsgebiet Bayern/Franken/Schwaben mit knappen 43 Prozent der Universitätsangehörigen die größte Gruppe. In der frühen Neuzeit verschob sich das Verhältnis zugunsten der österreichischen Nation, die sich aus Angehörigen der habsburgischen Lande zusammensetzte. Ab den 1380er Jahren hatte die Universität einen stetigen Zuwachs an Immatrikulierten zu verzeichnen, ein Höhepunkt war in der Mitte des 15. Jahrhunderts erreicht, danach ging die erste Blüte zu Ende. Von etwa 1500 bis 1520 erlebte sie eine zweite, bevor die gesamteuropäische Krise der Universität im Gefolge derReformation zu starken Einbrüchen führte. Rechtlich war die Universität einSonderbezirk. Ihre Angehörigen waren nicht demStadt- und Landesgericht unterworfen. Ein Sondergericht war für sie zuständig. Die Bürgergemeinde wurde vom herzoglichen Stadtherrn gezwungen, die Sonderstellung der Universität anzuerkennen. Spannungen waren an der Tagesordnung.

Formen der mittelalterlichen Wiener Volkskultur begegnen uns häufig im Rahmen vonJahrmärkten und öffentlich abgehaltenen Festivitäten. Gaukler und Spielleute traten dort auf und begeisterten die Zuschauer. Ab dem 15. Jahrhundert lassen sich szenische Darstellungen der Leidensgeschichte Christi in der Karwoche und auch Darbietungen amFronleichnamstag nachweisen. Sie stellen die Anfänge der Wiener Schauspieltradition dar. Um 1500 ermöglichte dieGottsleichnamsbruderschaft – ein Zusammenschluss von Honoratioren rund um das Fronleichnamsfest, eines der populärsten religiös-bürgerlichen Feste der Epoche –, dass derartige Passionsspiele beiSt. Stephan wie auch auf demNeuen Markt aufgeführt werden konnten. In den Bereich der Volkskultur lässt sich auch ein seit 1382 bis ins 16. Jahrhundert zweimal jährlich stattfindendes Spektakel einreihen: dasScharlachrennen. Dabei handelte es sich um einPferderennen, das dem Palio in Siena ähnlich war.
Genauere Kenntnis von den Ursprüngen bestimmter Bauten liegen – infolge der ungleich besseren Quellenlage – im Regelfall für Kirchen und Ordensniederlassungen vor. Dieses Phänomen spiegelt nicht zuletzt die Bedeutung von Religiosität und Frömmigkeit innerhalb der mittelalterlichen (Stadt)Gesellschaft wider. So verdanken wir den schon in der Mitte des 12. Jahrhunderts einsetzenden Zeugnissen über den Bestand des ältesten Wiener Klosters, desSchottenstifts, frühe Einblicke in die Verdichtung der Besiedlung des Raumes außerhalb des alten Römerlagers. Bezogen auf dieVorstädte der ab dem späten 12. Jahrhundert ummauerten Stadt gilt dies noch viel mehr: Ohne die Nennung von kirchlichen Niederlassungen in dieser Zone könnten wir Vorstellungen von deren baulicher Realität erst ab dem Einsetzen bildlicher Überlieferungen im 15. Jahrhundert entwickeln. Im Fall der Wiener HauptkircheSt. Stephan wissen wir von einerBauhütte, die in Form der Dombauschule im Prinzip bis heute besteht. Die Stadt stellte aus den Kreisen ihrer Bürger – fürSt. Michael nachweislich seit 1325, für St. Stephan seit 1334 –Kirchmeister, die das Kirchenvermögen (= Baubudget) verwalteten. Die Stadt trug freilich nicht nur Bau- und Finanzverantwortung für Pfarrkirchen, sie war bei großen öffentlichen Bauten stark und unmittelbar in das Baugeschehen involviert. Schwerpunkte städtischer Bauinitiativen sind mit der Errichtung, Erhaltung und Reparatur derRingmauer seit dem späten 12. Jahrhundert verbunden.

Ab den 1440er Jahren gilt dies auch für dieVorstadtbefestigung, die zum Schutz der außerhalb derStadtmauer gelegenen Zone in Form von Bollwerken, Gräben und Palisadenzäunen, vereinzelt in gemauerter Form angelegt wurde. Darüber hinaus gab es eine größere Zahl an öffentlichen Gebäuden, wie dasAlte Rathaus, dieSchranne (= Gerichtsgebäude) auf demHohen Markt, dieBürgerschule zu St. Stephan oder dieMehlgrube auf dem Neuen Markt. Bei all diesen Objekten sorgte die Stadt für die Bereitstellung der erforderlichen finanziellen Mittel für Bau, Ausstattung und Erhaltung.
Die große Masse der Gebäude des mittelalterlichen Wiens, sei es nun inner- oder auch außerhalb der Stadtmauer, das waren freilich die Häuser der Bürger und die Wohnstätten der so genannten Inwohner, die nicht über eigenen Hausbesitz verfügten. Eingehende Untersuchungen haben ergeben, dass keineswegs von einer Dominanz schmalergotischer Parzellen oder auch schmaler Giebelhäuser auszugehen ist. Ein besonders gut erforschtes Bauwerk aus dem Mittelalter ist neben dem Stephansdom insbesondere dieHofburg.
Das Antlitz der Stadt im späten Mittelalter spiegelt sich ansatzweise in den Bildzeugnissen wie altenStadtansichten wider:Liste von Plänen und Ansichten von Wien.
Die Stadt wurde im Mittelalter immer wieder vonStadtbränden,Überschwemmungen undSeuchen heimgesucht. Auch kam es zu häufig zuBelagerungen der Stadt - die längste war jene durchMatthias Corvinus von 1483-1485 - und zu Streitigkeiten um die Stadtherrschaft, siehe dazu bei den jeweiligen Personen unterBabenberger undHabsburger. Explizit sei auf denKampf um die Stadtherrschaft 1461-1463 hingewiesen.