18. August: Walther Funk wird in Trakehnen in Ostpreußen (heute: Russland) als Sohn des Bauunternehmers und Gutspächters Walther Funk und dessen Frau Sophie (geb. Urbschat) geboren.
Er studiert Rechtswissenschaften, Nationalökonomie, Literatur und Musik in Berlin und Leipzig und schließt sein Studium mit dem Dr. jur. ab.
Funk erhält nach dem Studium eine journalistische Ausbildung bei der "Berliner National-Zeitung", den "Leipziger Neuesten Nachrichten" und der "Handelskorrespondenz Julius Stringe" in Berlin. Er wird Wirtschafts- und Börsenjournalist.
Funk wird zum Kriegsdienst imErsten Weltkrieg eingezogen, aber noch im selben Jahr wegen Dienstuntauglichkeit wieder entlassen.
1. Juli: Er wird Redakteur des Handelsteils der "Berliner Börsen-Zeitung".
Funk heiratet Louise Schmidt-Sieben.
Mit der Schrift "Das rheinisch-westfälische Industrierevier" wird Funk in Finanzkreisen bekannt. Er analysiert Konzernbildungen und die Rolle der Banken.
Funk wird Chefredakteur der "Berliner Börsen-Zeitung".
Zusätzlich arbeitet er für in- und ausländische Fachzeitschriften und als Sachverständiger für wirtschaftliche und industrielle Fragen. Er hält zahlreiche Vorträge auf internationalen Kongressen und berufsständischen Tagungen.
Funk veröffentlicht eine Broschüre zurWährungsreform: "Die Goldmarkbank der Deutschen Wirtschaft". Daraufhin wird er vom Reichsverband der deutschen Industrie eingeladen, FinanzministerHans Luther undHjalmar Schacht seine Arbeit vorzustellen.
April: Er lehnt denDawes-Plan aus wirtschafts- und nationalpolitischen Gründen entschieden ab. Dennoch ist er kein genereller Gegner derWeimarer Republik.
Funk wird Vorsitzender des Sachverständigen-Ausschusses für Presseangelegenheiten beim Berliner Börsenvorstand und der Industrie- und Handelskammer Berlin.
Funk ist geschäftsführendes Vorstandsmitglied der "Gesellschaft für deutsche Wirtschafts- und Sozialpolitik".
Frühjahr: Er lerntAdolf Hitler kennen. Nach Angaben Funks, der sich selbst als vollkommen unpolitisch charakterisiert, hinterlässt dessen Persönlichkeit einen tiefen Eindruck auf ihn.
Funk tritt in dieNationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei (NSDAP) ein, in der er wegen seiner guten Kontakte zum Finanzkapital sofort wichtige Funktionen übernimmt.
Mai: Er wird Herausgeber des "Wirtschaftspolitischen Pressediensts" der NSDAP, der von führenden deutschen Konzernen finanziert wird. Funk vermittelt zwischen der NSDAP und rheinisch-westfälischen Großindustriellen wieEmil Kirdorf,Fritz Thyssen,Albert Vögler und Friedrich Flick (1883-1972). Über Funk laufen geheime Millionenspenden der Konzerne an die NSDAP.
Juli: Auf Empfehlung Schachts wird Funk persönlicher Wirtschaftsberater Hitlers.
Er wird Mitglied des Reichstags.
Der neu gegründete parteiinterne Reichswirtschaftsrat in der Reichsleitung der NSDAP ernennt Funk zum zweiten Vorsitzenden.
Er ist Leiter der Unterkommission Wirtschaftspolitik in der Politischen Zentralkommission der NSDAP.
Februar: Nach derMachtübernahme der Nationalsozialisten wird Funk persönlicher Pressechef Hitlers.
März: Er wird zum Staatssekretär im Propagandaministerium unterJoseph Goebbels berufen.
15. November: Funk wird stellvertretender Präsident der Reichskulturkammer.
Februar: Nach dem Rücktritt Schachts wird Funk Reichswirtschaftsminister.
Januar: Er wird Präsident der Reichsbank.
August: Funk ist Mitglied des Ministerrats für die Reichsverteidigung und verantwortlich für kriegswirtschaftliche Maßnahmen.
9. August: Als Reichswirtschaftsminister und Reichsbankpräsident verbietet er Juden jegliches Recht auf ihren bei Banken oder anderen Institutionen angelegten Besitz.
Sommer: Geheimabkommen zwischen Funk und dem Reichsführer derSchutzstaffel (SS)Heinrich Himmler. Die den ermordeten Juden in denKonzentrationslagern (KZ) abgenommenen Wertgegenstände werden an die Reichsbank weitergeleitet und auf dem Geheimkonto "Max Heiliger" für die SS deponiert.
4. Februar: Funk ordnet an, alle nicht kriegswichtigen Betriebe des Handwerks, Handels und Gaststättengewerbes zu schließen.
September: Er wird Mitglied des zentralen Planungsstabs des Reichsministers für Rüstung und KriegsproduktionAlbert Speer. Diesem gelingt es trotz zunehmender alliierter Bombenangriffe, die Kriegsproduktion zu steigern. Speers Vollmachten weiten sich so weit aus, dass er nach Hitler zum zweiten Mann im NS-Staat avanciert.
Funk verliert an Einfluss, weil Speer mit dessen ineffektiver Arbeitsweise unzufrieden ist.
Er gilt als wenig ehrgeizig und als Alkoholiker, der seinen Aufgaben weder fachlich noch politisch gewachsen zu sein scheint.
Juni: Britische Truppen verhaften Funk im Ruhrgebiet.
Er wird beimNürnberger Kriegsverbrecherprozess angeklagt.
Im Prozess betont er, als Beamter nur BefehleHermann Görings ausgeführt und sich persönlich nicht schuldig gemacht zu haben. Hitler sei er nicht aus Überzeugung, sondern ausschließlich aus Bequemlichkeit treu gewesen.
1. Oktober: Vom Internationalen Militärgerichtshof in Nürnberg wird Funk wegen Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit zu lebenslanger Haft verurteilt.
November: Er wird in das Kriegsverbrechergefängnis Berlin-Spandau überführt.
16. Mai: Funk wird aus Gesundheitsgründen vorzeitig aus der Haft entlassen.
Dezember: Die Spruchkammer von West-Berlin verhängt über den als stark belastet eingestuften Funk eine Geldstrafe von 10.900 DM. Das Urteil soll als symbolische Wiedergutmachung für die von ihm unterstützte Judenverfolgung begriffen werden.
31. Mai: Walther Funk stirbt in Düsseldorf.