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Heidegger’s later philosophy is marked by two conflicting claims about phenomenology. On the one hand, phenomenology and philosophy generally is tasked with “responding to the claim of what is to be thought” in a novel and unprecedented manner. On the other hand, Heidegger recognizes that there have been earlier attempts at thus doing justice to phenomena; in the ontological commitments of earlier thinkers, Heidegger finds accounts of the “things themselves,” each of which has different implications for what phenomenology should concern itself with. Phenomenology, as Heidegger conceives it, should thus both incorporate the history of philosophy and exceed it, yet it is unclear how these ideas can be reconciled. This chapter calls this problem the “dilemma of the historicity of phenomenology” and identifies different versions of it in Heidegger’s works after 1935/6.
AI

2025
Der sehr verschiedene Umgang von Jean Hering und Karl Lehmann ist geradezu symptomatisch für die unterschiedliche, ja diskrepante Wahrnehmung, die Martin Heidegger über die Jahre von Seiten der Theologie erfahren hat. Ähnliches gilt für die Urteile, die christliche Phänomenologinnen wie Hedwig-Conrad Martius und Edith Stein über ihn treffen und die bis zu einer Verfemung Heideggers als atheistischem Philosophen reichen. Aber treffen diese Einordnungen überhaupt? Geht es darum, Gespräch zu ermöglichen, oder eher darum, sich erfolgreich dagegen zu wehren? Eine Durchsicht der Stellungnahmen zum Verhältnis Heideggers zur Theologie und zur Gottesfrage soll zu einer Begegnung von Theologie und Philosophie beitragen, die zu einem ehrlichen und konstruktiven Austausch mit Heidegger ermutigt.
Proceedings of the 30th International Ludwig Wittgenstein-Symposium in Kirchberg, 2007
In einem Vorwortentwurf vom November 1930 beschreibt Wittgenstein seine philosophische Arbeit vor einem weit gefaßten kulturgeschichtlichen Hintergrund, der von der Industrie, über Musik und Architektur, bis zum Faschismus und Sozialismus reicht. Er distanziert sich ausdrücklich vom Strom der großen "europäischen und amerikanischen Zivilisation": Dieses Buch ist für die geschrieben, die seinem Geist freundlich gegenüberstehn. Dieser Geist ist, glaube ich, ein anderer als der des Stromes der großen europäischen und amerikanischen Zivilisation. Der Geist dieser Zivilisation dessen Ausdruck die Industrie, Architektur, Musik, der Faschismus und Sozialismus unserer Zeit ist, ist dem Verfasser fremd und unsympathisch. (MS 109, S. 205f.) In einem weiteren Entwurf bemerkt Wittgenstein, "daß das Verschwinden einer Kultur nicht das Verschwinden menschlichen Wertes bedeutet sondern bloß gewisser Ausdrucksmittel dieses Werts" (MS 109, S. 206). Nochmals betont er, daß er "dem Strom der Europäischen Zivilisation ohne Sympathie zusehe, ohne Verständnis für die Ziele wenn sie welche hat." (MS 109, S. 206). Die 'Zivilisation' sieht er "durch das Wort Fortschritt" geprägt: Unsere Zivilisation ist durch das Wort Fortschritt charakterisiert. Der Fortschritt ist ihre Form nicht eine ihrer Eigenschaften daß sie fortschreitet. Sie ist typisch aufbauend. Ihre Tätigkeit ist es ein immer komplizierteres Gebilde zu konstruieren. Und auch die Klarheit dient doch nur wieder diesem Zweck und ist nicht Selbstzweck. (MS 109, S. 207)
2012
This contribution tries to bring to light the role of "construction" in the phenomenological method of Husserl and Heidegger. First, the author clarifies the status of phenomenon in Husseri's transcendental phenomenology. "Phenomenon" has two different meanings: the first account of phenomenon concerns "descriptive" phenomenology, the second one the function of legitimization of knowledge on a deeper, "constructive" level. Correlatively, the author introduces two meanings of "facta" that allow to clarify the distinction between "descriptive and "constructive" phenomenology. The second part of the paper establishes the connection between "phenomenological construction" in Husserl's transcendental idealism, on the one hand, and transcendental dimensions of Heidegger's fundamental ontology, on the other hand. Therefore, the author analyses Heidegger's understanding of "phenomenon" in § 7 of Sein und Zeit and deals with the concept of "possibilisation," the key concept of Heidegger's transcendental approach in the late 1920s. ' Der vorliegende Text konnte im Rahmen des vom österreichischen Fonds zur Förderung wissenschaftlicher Forschung geförderten Forschungsprojektes "The Many Faces of Violence" (FWF, P20300-G15) realisiert werden.
In »Sein und Zeit« interpretiert Heidegger den Begriff Dasein als das Seiende, dem es in seinem Sein um sein Sein geht, in Bezug auf seine Seinsart. Als endlich Existierendes ist das Dasein in die Welt geworfen und entwirft die Möglichkeit seines Seins. Diese Bewegung bezeichnet Heidegger als Zeitlichkeit, in deren Struktur sich die Existenz des Daseins enthüllt. Wie die Struktur der Zeitlichkeit zur Erscheinung kommt, ist eine hermeneutische Frage, die sich auf die Phänomenologie als Methode der Ontologie des Daseins bezieht. Ein Leitfaden für eine neue Interpretation der Daseinsphänomenologie besteht darin, dass Heidegger die Existenz des Daseins als Geschehen bezeichnet. Das Sein des jeweiligen Daseins als seine eigene Geschichte soll erzählt werden, damit das Dasein als Individuum seine Existenz als sein faktisch lebendes Sein offenbaren kann. http://www.duncker-humblot.de/index.php/catalog/product/view/id/34736/s/sorge-und-geschichte/?q=hye+young+kim
Heideggers Ursprung des Kunstwerkes. Ein kooperativer Kommentar, edited by David Espinet and Tobias Keiling, Frankfurt am Main: Vittorio Klostermann, 2011
Heideggers Essay Der Ursprung des Kunstwerkes bietet nicht nur eine ausführliche Auseinandersetzung mit der Frage nach dem Wesen der Kunst; er ist auch ein wesentlicher Teil von Heideggers Bestreben Mitte der 1930er Jahre, seine phänomenologische Grundhaltung zu überprüfen und neu zu gestalten. Um zu sehen, was hier auf dem Spiel steht, müssen wir zunächst verfolgen, wie Heideggers frühes Denken als eine kritische Weiterentwicklung aus Edmund Husserls Phänomenologie hervorgeht.
In: G. Thonhauser (Hrsg.), Perspektiven mit Heidegger, Karl Alber Verlag, Freiburg. , 2017
Ziel dieses Artikels ist es, den Status der phänomenologischen Rede und Praxis zu thematisieren. Die hermeneutische Dimension von Heideggers Phänomenologie wird mit Austins Begriff der Performativität verbunden: einerseits, um die Sinndimension der Phänomenologie als performativ zu verstehen; andererseits, um die Figur der Performativität mittels der Phänomenologie neu zu lesen. Aus dieser Perspektive ist die Wahrheit des In-der-Welt-seins, die die Phänomenologie expliziert und die eine Weise des menschlichen Lebens ist, nicht innerhalb der Disjunktion zwischen wahr oder falsch verstehbar. Stattdessen spricht sie eine immanente Transformation an, die die Situation des Lesers betreffen kann. Diese Sinndimension ist performativ, da sie eine immanente Transformation der jeweiligen Situation beinhaltet; gleichzeitig reformuliert sie aber auch den Begriff der Performativität, da diese Transformation nicht in einer intentionalen Sprechhandlung besteht, die in einer geeigneten Situation gelungen ist. Die negative Performativität der Phänomenologie ist stattdessen auf die Erfahrung der Unbestimmtheit der Situation selbst angewiesen.
Aus dem Vorwort: Dieser Sammelband ist das Ergebnis eines gleichnahmigen Forschungsprojektes zum Thema „Phänomenologische Ontologie des Sozialen“ Die Forschungsgruppe, die aus den Philosophinnen und Philosophen der Philosophisch- Theologischen Hochschule Vallendar, des Instituts für Philosophie und Gesellschaftstheorie Belgrad, des Philosophischen Seminars Universität Mainz und des Dipartimento Di Scienze Filosofiche, Pedagogiche ed Economico-quantitative der Universität Chieti-Pescara bestand, beschäftigte sich mit der Allgegenwärtigkeit des Sozialen als einem Problem und ging vielen sich in diesem Kontext zeigenden Kontroversen und spannungsvollen Differenzierungen nach: den Spannungen von Gemeinschaft und Gesellschaft, von öffentlichem und privatem Raum oder von politischer Sphäre und dem ihr Entzogenen. Zur Diskussion stand immer wieder auch die konkrete Wahrnehmbarkeit von Einzelnen und Gruppen im sozialen Raum. Der phänomenologische Ansatz wurde unter anderem auch durch die Einsicht motiviert, dass sich eine Begrifflichkeit für die genannten Themenfelder nicht rein sozialwissenschaftlich durch empirische Analysen gewinnen lasse. Eine Verständigung über Strukturen der Lebenswelt und ihre praktischen und theoretischen Kategorien bedarf daher einer phänomenologischen Klärung und Bestimmung darüber, wie und was uns als „das Soziale“ zum Phänomen wird und was sich in diesem Feld der Zugänglichkeit verbirgt. Auf zwei Tagungen zu diesem Problemfeld, die an der Philosophisch-Theologischen Hochschule Vallendar (21.-22. November 2013) und am Institut für Philosophie und Gesellschaftstheorie Belgrad (20.-22. November 2014) durchgeführt wurden, standen die Themen „Virtualität. Phänomenologische Zugänge“ (Vallendar) und „Identität. Annäherung an eine Ontologie des Sozialen“ (Belgrad) im Vordergrund. In diesem Sammelband werden die Ergebnisse dieser beiden Tagungen veröffentlicht. Sie kreisen um die Themen der situativen Identität und ihrer Bedeutung für das Selbstverständnis der Individuen, für die Gesellschaft und für das politische Handeln (Christina Schües), der kommunikativen Aspekte der Identität (Adriano Fabris), der Sozialontologie in ihrer historischen Perspektive (Burkhard Liebsch), der narrativen Identität (Annette Hilt und Željko Radinković), der kollektiven Identität (Rastko Jovanov), der Phänomenologie des Ortes, der Räumlichkeit und der virtuellen Realitäten (Carla Danani), der geo-soziologischen Analyse des Nomadismus (Silvia Capodivacca), der Verwandschaft zwischen Phänomenologie und Pornographie (Stefano Bancalari), der Moral und des Rechts angesichts des sich aktuell verändernden Charakters moderner Kriege (Holger Zaborowski), des Lebens und seines Verhältnisses zum Problem der Identifizierung (Marcello Barison), der Beziehung der Identität zum politischen Gehorsam (Virgilio Cesarone), der Institution als der identitätsstiftenden Instanz (Petar Bojanić) und der ontologischen Identität (Tschasslaw Kopriwitza). Die Beiträge stellen begriffliche und phänomenologisch- methodische Untersuchung genannten Themen im Rahmen der Ideengeschichte, gegenwärtiger Diskurse und der phänomenologischen Forschung im Allgemeinen in ihren Vordergrund und legen dabei einen Akzent auf die Medialisierung des Sozialen und die politische Dimension der Sozialontologie. Ein besonderer Dank gilt Frau Barbara Bundschuh und Frau Ildikó Trostel für das Korrekturlesen sämtlicher Texte, die in diesem Band erscheinen. Herausgegeben von: Holger Zaborowski Željko Radinković Rastko Jovanov
"Archiwum Historii Filozofii i Myśli Społecznej", vol. 65, 2021
In my paper I try to show how Heidegger’s philosophy describes the relation between the notion of appearing (Erscheinen) and the notion of genesis or origin (Ursprung). I try to elucidate Heidegger’s approach in a phenomenological way in order to propose a perspective which makes it possible to combine the standpoints of two main figures of current debate concerning Heidegger’s work: Thomas Sheehan and Richard Capobianco. I argue that Heidegger’s main question is not the question of being (Seinsfrage), but it should rather be understood as the question of the origin of phenomenality. After sketching Heidegger’s phenomenological interpretation of origin as such, I try to show that the early transcendental approach, which combines the question of phenomenality with the question of meaning and understanding, is not abandoned in the later thought, but it is deepened through the new notion of appearing as genesis. Using this approach I locate Heidegger’s analysis in a broader context of contemporary phenomenological discussions concerning the problem of phenomenality of phenomenon.

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Itinerari (nuova serie) Annuario di ricerche filosofiche, 2018
“The worldhood of the world” represents the central theme of phenomenological philosophy. In Heidegger’s hermeneutical phenomenology, this topic is closely connected with the conceptualization of the ontological difference. The different phases in Heidegger’s thematizing of the worldhood of the world are characterized by the development of this conceptual intertwinement. The article focuses on the phenomenological suppositions of the existential analyses of the worldhood in Being in Time in relation to the conception of the ontological difference. Keywords: Heidegger; Husserl; Phenomenology; Worldhood of the World; Ontological Difference; Dasein.
LIT Verlag, 2020
Das vorliegende Buch versucht, Heideggers frühes Denken im Lichte einer Ontologie der Praxis zu interpretieren. Gezeigt wird die grundlegende Bedeutung Heideggers für die Rehabilitierung der praktischen Philosophie, die von den Schülern Heideggers initiiert wurde. Es handelt sich um die Entwicklung der formal anzeigenden Methode, durch die die neue Bestimmung der Philosophie zustande gebracht und die Zusammengehörigkeit zwischen Sein und Praxis erschlossen wird. Ferner wird deutlich, inwiefern Heidegger in diesem nihilistischen technischen Zeitalter noch eine wichtige Rolle spielen kann.
1983
This book is a general interpretation of Heidegger's thought, as a review of his way to Being, from its phenomenological starting point to the development of a 'Denken des Seins' as pure, all beings transcending Presence. This cannot happen through its consolidation as an object of metaphysics, but rather as an overcoming of the oblivion of Being, which indeed assumes the form of a critic and deconstruction of any metaphysics. The consequent 'defounding' and dissolution of itself opens the way to the comprehension of Being in the horizon of time as happening and contingency. Against technical thought and onto-theo-logy, art and poetry try to hold this open access in which Being itself consists.
2019
The presentation focuses on the first lecture-course held in 1919 by Martin Heidegger, by arguing that the concept of the world is the main philosophical trigger for Heidegger’s phenomenology of “factical life” (faktisches Leben).
The purpose of this article is to investigate – on the background provided by the phenomenological critique of the European philosophy – the way in which phenomenology itself, having already a one-century long tradition, can adopt a critical perspective on itself. We attempt, therefore, to regard phenomenology as tradition, precisely because its beginnings were characterized by a reconsideration of the entire tradition. Young Heidegger’s critique of phenomenology in its early stages (Husserl and Scheler) will serve here as a starting point for investigating, from this perspective, the reasons that (later, around the year 1929) made Heidegger to stop using the word “phenomenology” in the titles of his courses and seminars. This renunciation is connected, in our view, with his simultaneous renunciation of understanding philosophy as “scientific philosophy”. The wider frame of the present research is given by some late statements made by Heidegger regarding the future destiny of what it will still be called (or not) phenomenology.
In einer Vorlesung vom Sommersemester 1929 macht Heidegger folgende, für die Interpretation seiner Schriften aufschlussreiche Bemerkung: "Sie müssen begreifen, daß das Wesentliche oft nicht in dem liegt, was ich hier zu Ihnen rede, sondern in dem, was ich verschweige. Ich kann aber nur zu Ihnen über etwas schweigen, wenn ich zu Ihnen rede." 1 Heidegger selbst hat der hier angedeuteten, paradoxen hermeneutischen Aufgabe Zeit seines Lebens dadurch Rechnung getragen, dass er seine eigenen Schriften und den Weg seines Denkens immer aufs Neue ausgelegt hat. 2 Dadurch gab er der Heidegger-Forschung den wertvollen Wink, bei der Interpretation seiner Schriften nicht bei der jeweiligen, verhängnisvollen Statik des "Buchstabens" stehen zu bleiben, sondern immer wieder die gewagte und herausfordernde Dynamik, das ständige Unterwegssein mit zu berücksichtigen. "Wege -nicht Werke" lautet dementsprechend auch das Motto seiner Gesamtausgabe. In diesem Sinne versucht auch die vorliegende Interpretation, zum Verständnis seiner frühen Schriften und Vorlesungen beizutragen, indem sie -ausgehend von den selbstauslegenden Texten des Philosophen -weniger bekannte Aspekte der Entstehung seines geschichtshermeneutischen Denkens rekonstruiert. Es gehört zu ihrer zentralen Absicht, der Interpretation der heideggerschen Schriften vor und unmittelbar nach 1 M. Heidegger, Der deutsche Idealismus (Fichte, Schelling, Hegel) und die philosophische Problemlage der Gegenwart [SS 1929], GA 28, hrsg. v. C. Strube, Frankfurt a.M.: Klostermann, 1997, S. 354. 2 Zur dieser Problematik vgl. die immer noch grundlegende Arbeit von Fr.-W. von Herrmann, Die Selbstinterpretation Martin Heideggers, Meisenheim am Glan: Hain, 1964 1919 (Habilitationsschrift und -vorlesung, frühe Freiburger und Marburger Vorlesungen, Kasseler Vorträge und Sein und Zeit) 3 exegetische Instrumente zur Verfügung zu stellen. Da aber die Problematik der Geschichtlichkeit eine Konstante auf dem ganzen Weg seines Denkens bleibt, handelt es sich hier keineswegs um eine bloß genetische oder biographische Aufgabe, sondern um das angemessene Verständnis der "Sachen selbst". Damit wird der Versuch unternommen, die Alternative zwischen systematischer und geschichtlicher Interpretation zu überwinden oder -mit Heideggers Worten -zu verwinden und deren notwendigen Zusammenhang anzuzeigen. Am 13. bis 15. März 1915 schrieb der junge Historiker und Finke-Schüler Ernst Laslowski seinem Freund Martin Heidegger -der gerade an seiner Habilitationsschrift arbeitete 4 -einen langen Brief aus Breslau, wo er vor allem die Prägung der Historiker durch das Milieu, aus dem sie jeweils stammen, schildert. Laslowski ist überzeugt, dass "eine bestimmte »Inferiorität«, die kulturelle Einflußlosigkeit unserer Dozenten" sich dadurch erklärt, dass die meisten von Ihnen aus bescheidenen Verhältnissen stammen und viel Kraft verschwenden mussten, um sich "erst in das höhere Milieu mühsam hinein[zu]arbeiten". 5 Es gebe aber eine Ausnahme: "Bei Finke ist es wohl anders. Er stellt doch etwas vor. Das weiß ich auch von hiesigen Historikern, die vor Finkes Persönlichkeit kolossale Achtung haben." Zu Ende des Briefs kommt dann folgende Bitte: "In Deinem nächsten Brief, den ich sehnlichst erwarte, bitte ich Dich, den einen Punkt Deines letzten Briefes näher auszuführen, wo Du über den Wert des geschichtlichen Verstehens für den Philosophen sprachst." 6 Heideggers Briefe an Laslowski sind uns leider nicht überliefert (oder noch nicht veröffentlicht worden), wir wissen also nicht, in welchem Sinne er den zitierten "Wert des geschichtlichen Verstehens für den Philosophen" näher verstand und wie er 3 In diesem Zusammenhang muss daran erinnert werden, dass die umfassenden Vorformen von SuZ, die Abhandlung Der Begriff der Zeit (1924) und die Vorlesung Prolegomena zur Geschichte des Zeitbegriffs (SS 1925) ausdrücklich vom Phänomen der Geschichte ausgehen. 4 Vgl. das im Sept. 1916 verfasste Vorwort zur Habilitationsschrift, in: Frühe Schriften, S. 133 (GA 1, S. 191): "Die vorliegende Untersuchung wurde, von einigen unwesentlichen Veränderungen und dem nachträglich geschriebenen Schlußkapitel abgesehen, im Frühjahr 1915 abgeschlossen und im Sommersemester desselben Jahres der philosophischen Fakultät der Universität Freiburg i.Br. als Habilitationsschrift vorgelegt." Das Habilitationsverfahren wurde dann am 27. Juli mit der Probevorlesung "Der Zeitbegriff in der Geschichtswissenschaft" abgeschlossen.
In der neueren Heideggerforschung wird zunehmend deutlich, dass die Zeit von 1927 -der Veröffentlichung von Sein und Zeitbis 1930 eine relativ eigenständige und philosophisch aufschlussreiche Phase in Heideggers Denken ist. Es besteht allerdings keine Einigkeit darüber, wie diese Phase am besten einzuordnen und zu bestimmen ist. Mit dieser Frage werde ich mich im ersten Schritt meiner Überlegungen beschäftigen (I.). Anschließend wende ich mich einem Aspekt von Heideggers Philosophie zu, der im Vorfeld der genannten Phase problematisch bleibt. Genauer gesagt, werde ich mich mit einem methodischen Grundproblem des Ansatzes von Sein und Zeit auseinandersetzen. Auf dem Weg der Ausarbeitung der Seinsfrage sucht Heidegger einen Übergang vom Verständnis unseres eigenen Seins zu dem des Verständnisses von Sein überhaupt. Es gelingt ihm jedoch nicht, diesen Übergang einsichtig zu machen. Als ein Ursprung dieses Problems kann der Weltbegriff gelten (II.). In der Zeit nach Sein und Zeit wendet sich Heidegger verstärkt der Metaphysik zu. Damit geht eine folgenreiche Modifikation seines Denkens einher. Sie zeigt sich darin, dass zu der aus Sein und Zeit bekannten Fundamentalontologie in seiner Vorlesung Metaphysische Anfangsgründe der Logik im Ausgang von Leibniz (1928) eine ebenso grundlegende, «Metontologie» genannte Untersuchungsrichtung hinzukommt. Infolgedessen etabliert sich «Welt» neben «Sein» als ein zweiter Hauptbegriff von Heideggers Philosophie (III.). Da es sich dabei um einen neuen Weltbegriff handelt und Heidegger in dem hier betrachteten Zeitraum den Ansatz am eigenen Sein nicht aufgibt, sondern in seiner Konzeption der «Transzendenz des Daseins» vielmehr weiterentwickelt, stellt sich