
Der ehemalige DFB-Chef Zwanziger hat seinen Nachfolger Niersbach der Lüge bezichtigt. "Es ist eindeutig, dass es eine schwarze Kasse in der deutschen WM-Bewerbung gab", sagte er dem "Spiegel". Vom DFB bekam Niersbach allerdings Unterstützung.
Der ehemalige DFB-Präsident Theo Zwanziger erhebt in der Affäre um die dubiose Millionen-Zahlungen vor der WM 2006 schwere Vorwürfe gegen seinen Nachfolger Wolfgang Niersbach. "Es ist eindeutig, dass es eine schwarze Kasse in der deutschen WM-Bewerbung gab", sagte Zwanziger dem Nachrichtenmagazin "Spiegel".
Dies hatte Niersbach tags zuvor in der Zentrale des Deutschen Fußballbundes bestritten. Es sei "ebenso klar, dass der heutige Präsident des DFB davon nicht erst seit ein paar Wochen weiß, wie er behauptet, sondern schon seit mindestens 2005. So wie ich das sehe, lügt Niersbach", so Zwanziger weiter.
Eröffnung des DFB-Museums im Schatten der WM-Affäre
tagesthemen 21:45 Uhr, 23.10.2015, Michael Heussen, WDR
Geld angeblich an Mohamed Bin Hammam geflossen
In einem Gutachten, das Zwanziger in Auftrag gegeben habe, heiße es, dass Franz Beckenbauer dem früheren Adidas-Chef Louis-Dreyfus für dessen 6,7-Millionen-Euro-Zahlung an die FIFA einen Schuldschein "auf sich persönlich ausgestellt" habe. In einem Telefongespräch habe Horst R. Schmidt, Vizepräsident des WM-Organisationskomitees, Zwanziger berichtet, dass das Geld an Mohamed Bin Hammam geflossen sei, berichtet das Magazin weiter. Der Katarer unterstützte 2002 den FIFA-Präsidenten Joseph Blatter in dessen Wahlkampf gegen Issa Hayatou.
Nach seinen Aussagen erntete Zwanziger am Abend Kritik aus der aktuellen DFB-Spitze. "Wir hatten unter Zwanziger eine Angst- und Krisenkultur beim DFB", sagte DFB-Generalsekretär Helmut Sandrock bei der Eröffnung des Deutschen Fußballmuseums in Dortmund. "Man muss festhalten, dass er die Vorwürfe, die er erhebt, noch in seiner Amtszeit hätte angehen können. Wir stehen voll hinter Niersbach." Auch Bundestrainer Joachim Löw sagte, er stehe "hundertprozentig zu Wolfgang Niersbach".
Das DFB-Präsidium hatte dem amtierenden Verbandschef bereits zuvor das Vertrauen ausgesprochen. "Wir werden gemeinsam mit Wolfgang Niersbach den Weg der lückenlosen Aufklärung gehen", sagte der Erste Vizepräsident Reinhard Rauball nach einer Präsidiumssitzung.
Niersbach soll in Kürze auch dem Sportausschuss des Bundestages Rede und Antwort stehen. Die Vorsitzende des Ausschusses, Dagmar Freitag, kündigte an, dass der DFB-Präsident zur nächsten Sitzung am 4. November eingeladen werde.
FIFA stellte Niersbachs Version als falsch dar
Am Donnerstag hatteNiersbach auf einer Pressekonferenz in Frankfurt am Main seine Version der ominösen Millionenzahlung öffentlich gemacht und erklärt, Louis-Dreyfus habe das Geld, das er durch seine Überweisung an die FIFA vorgestreckt habe, im April oder Mai 2005 über den Umweg der FIFA zurückerhalten. Dazu seien 6,7 Millionen Euro an die FIFA überwiesen worden - nach außen hin wurde die Zahlung laut Niersbach als Beitrag des Organisationskomitees für eine geplante besondere FIFA-Gala in Berlin genehmigt. "Ich kenne diese Vorgänge erst seit kurzem und immer noch nicht vollständig", sagte Niersbach.
Die FIFA und ihr suspendierter Präsident Joseph Blatter hatten dieVersion von DFB-Chef Wolfgang Niersbach über die ominöse Zahlung von umgerechnet 6,7 Millionen Euro im Zusammenhang mit der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 als falsch dargestellt. "Nach heutigem Kenntnisstand wurde keine derartige Zahlung von 10 Millionen Schweizer Franken bei der FIFA im Jahr 2002 registriert", teilte der Fußballweltverband mit.
Twitter erfreut sich an DFB-Pressekonferenz mit Präsident Niersbach
Netzreporter, 23.10.2015, Lena Döring, RB
Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 23. Oktober 2015 um 15:00 Uhr.
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