Zusammenfassung
Die Benutzung des Begriffs Antiklerikalismus für eine Vielzahl von Phänomenen ohne eigentliche strukturelle Gemeinsamkeiten wird von der deutschsprachigen Mediävistik weitgehend abgelehnt, während im englischsprachigen Raum Geschichts- und Literaturwissenschaftler damit gerne die Kontinuitäten vom Spätmittelalter zur Reformation bezeichnen. Der vorliegende Artikel versucht, den für eine Binnendifferenzierung von kleruskritischen Bewegungen, Texten und Gruppen zugegebenermaßen ungeeigneten Begriff statt dessen für eine Kontextualisierung derselben nutzbar zu machen, indem er Gemeinsamkeiten zwischen kleruskritischen und orthodoxen Ideologien ausmacht: Antijudaismus und Antifeminismus. Dabei werden sowohl die Bruchstellen zwischen katholischer Kirche und antiklerikalen Bewegungen relativiert als auch die Bedeutung, die Antiklerikalismus als Indikator für die Epochengrenze zwischen Mittelalter und Früher Neuzeit beigemessen wird.
Abstract
The use of the term anti-clericalism for a variety of structurally unrelated phenomena has, for the most part, been rejected by German medieval scholarship, while many English-speaking historians and literary scholars use it in order to denote continuities from the Late Middle Ages to the Reformation period. This article seeks to utilize the term anticlericalism, which is admittedly inadequate for the internal differentiation of movements and phenomena, to contextualize texts and groups criticizing the clergy, pointing to similarities between anticlerical and orthodox ideologies, specifically anti-Judaism and anti-feminism. This allows for both the points of rupture between the Catholic and anti-clerical movements and the importance of anti-clericalism as an indicator of the epochal break between the Middle Ages and the early modern period to be put into perspective.
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© 2013 Walter de Gruyter GmbH, Berlin/Boston
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