Es gibt auf dem Gemeindegebiet dieGemarkungen Bronnamberg, Leichendorf (Gemarkungsteil 1), Weinzierlein (Gemarkungsteil 1) und Zirndorf.[6] Die Gemarkung Zirndorf hat eine Fläche von 7,938 km². Sie ist in 7283 Flurstücke aufgeteilt, die eine durchschnittliche Fläche von 1089,99 m² haben.[7] In ihr liegt neben dem namensgebenden Ort der GemeindeteilAlte Veste.[8]
Der Name der Stadt findet sich in Urkunden 1297 als „Zirendorf“ sowie 1306 als „Zirndorf“ und stammt wohl vomslawischen Personennamen „Čiŕna“, der 864 als „Zirna“ bekannt war. Eine weitere Herkunftsmöglichkeit ist das slawische Wort „čirny“ für „schwarz“.[9][10]
Archäologische Funde (Steinwerkzeuge, Steinbohrer, Tonkrüge usw.) wie im StadtteilHirtenacker und die Hügelgräber im GemeindeteilWeinzierlein belegen, dass das Gebiet bereits ca. 4000–1000 v. Chr., also schon in derJungsteinzeit, besiedelt war. Die Einwohner betriebenAckerbau undViehzucht. Auf diese germanische bzw.keltische Vorzeit geht auch der Name für den Heimatfluss Zirndorfs, dieBibert, zurück.Im Jahr 260 n. Chr. durchbrachen dieAlemannen in Südmittelfranken denLimes (Grenzwall) beiWeißenburg und griffen auch in weitere Gebiete der heutigenRegion Franken aus. 496 besiegte der FrankenkönigChlodwig I. die Alemannen und setzte die Grundvoraussetzungen für die Bildung desFrankenreiches. Spätestens sein SohnTheuderich I. (511–533) und dessen SohnTheudebert I. (533–547/48) dürften im Zuge der Eroberung desThüringerreiches (531) auch für den Anschluss der heutigen Region Franken an das Frankenreich gesorgt und erste planmäßige Besiedlungen durchFranken gefördert haben. Es ist aber wahrscheinlich, dass im 5. und 6. Jahrhundert aufgrund der dichten Wälder nur Streusiedlungen (z. B. Leichendorf) im Zirndorfer Raum bestanden.
Durch diese erstefränkische Siedlungswelle kamen auch die ersten Ortsnamen auf, die sich aus einem Personennamen und-heim oder-dorf zusammensetzten. Allerdings ist bis heute ungeklärt und fachkundlich umstritten, von welchem Namen sich Zirndorf herleiten lässt. Vermutlich ist derOrtsname aberslawischer Herkunft (zirrow = „schwarz“). Imfrühen Mittelalter waren Slawen westwärts bis zur Regnitz vorgedrungen (→Bavaria Slavica).
Unter FrankenkönigDagobert I. (623–639) bewirkte im 7. Jahrhundert eine zweite fränkische Siedlungswelle, dass vomMain her die Flusstäler vonRegnitz undRednitz stärker besiedelt wurden. Zu dieser Zeit dürften auch der KönigshofFürth und die StützpunkteLangenzenn undRoßtal entstanden sein.
Mit dem Übertritt des Frankenkönigs Chlodwig I. zumChristentum (wohl 497) hatte bereits die Christianisierung des Frankenreichs begonnen, aber erst der AngelsachseBonifatius (Winfried), der von PapstGregor II. 719 mit derGermanenmission beauftragt worden war, schuf die BistümerWürzburg undEichstätt für diesen Raum. Im Jahr 741 zählte der Zirndorfer Raum zum Eigenbesitz des Bistums Eichstätt.
Das Biberttal war weiterhin wegen der starken Bewaldung undVersumpfung siedlungsfeindlich, weshalb es für das Bistum Eichstätt nur eine Nebenrolle spielte. Daher ist eine nachhaltige Besiedlung erst für diespätkarolingische Zeit (Ende 9. Jahrhundert) anzunehmen. Ob Zirndorf als Sprengel von Roßtal entstand oder aber eine eigenständige Entwicklung nahm, ist unklar. 1040 wurde drei Zirndorfer Bauern das Recht zuerkannt, im Reichswald rechts der Rednitz Holz und Streu zu holen.
Mitte des 10. Jahrhunderts baute das Bistum Eichstätt in Zirndorf eine Kirche, die demHeiligen Clemens geweiht wurde. Eichstätts BischofGundekar II. (1057–1075) weihte in seiner Amtszeit 126 Kirchen; eine davon war dieSt.-Matthäus-Kirche inVach, die als Tochterkirche von Zirndorf gilt. Dies wurde aber erst im 15. Jahrhundert urkundlich bestätigt. Der Zirndorfer Kirchensprengel dehnte sich aufgrund der zahlreichen Siedlungsaktivitäten auf die Orte Altenberg, Anwanden, Kreutles, Lind,Oberasbach, Rehdorf und Unterasbach aus.
In der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts erbautenReichsministerialen eine Vorläuferin derAlten Veste, die Burg Berch, auf einem Höhenrücken nördlich von Zirndorf. Die erste urkundliche Erwähnung des Orts fällt ins späte 13. Jahrhundert. Am 12. September 1288 überschrieb der Zirndorfer Reichsministeriale Heinrich von Berg in dieser Urkunde drei Güter in Dambach und einen Hof in Oberasbach demNürnberger Klarissenkloster; eine weitere Urkunde von 1297 erwähnt ebenfalls Kloster und Heinrich von Berg.
Am 29. April 1306 gingen die zuvor bereits an einen Nürnberger Kaufmann verpfändete Burg und der Ort nach Verkauf in den Besitz derBurggrafen von Nürnberg über, weil die Familie von Berg in wirtschaftliche Schwierigkeiten geraten war. Der Ort bestand damals aus einer Kirche, neun Höfen, einer Schmiede, einer Mühle und dem Badehaus. Eine Schenkung der Burggrafen aus dem Jahr 1321 belegt, dass die Zirndorfer Kirche zu diesem Zeitpunkt unter demDoppelpatrozinium der heiligen Clemens undBlasius stand.
Die neuen Besitzer entwickelten sich in Franken zu einer bedeutenden Macht. Ab diesem Zeitpunkt gehörte Zirndorf zum Oberamt Cadolzburg. 1316 tauchte der Ort in den Büchern des Klarissenklosters alsCyerndorf auf.
Gegen Ende des 14. Jahrhunderts gab es in Zirndorf drei Nürnberger Grundbesitzer (Rindsmaul, Grundherr und Strohmayer). Die wohlhabende Handelsstadt Nürnberg entwickelte sich zurReichsstadt; dies führte immer wieder zu Spannungen mit den benachbarten Territorialherren. Die Alte Veste wurde 1388 von den mächtigen Nürnbergern imStädtekrieg geschleift. Ob in Zirndorf Schaden entstand, ist nicht dokumentiert.
Ab 1412 wurden der massive Wehr- und Glockenturm und eine Wehrmauer der frühgotischen Kirche errichtet, die man um das Jahr 1450 durch ein Seitenschiff erweiterte. ImErsten Markgrafenkrieg 1449–1450 wurde Zirndorf von den Nürnbergern bei einem Überfall niedergebrannt, doch anschließend schnell wiederaufgebaut. 1457 wurde eine erste Gemeindeordnung eingeführt; der so genannte „Gemein-Brieff“ (unter anderem mit einer Weideordnung, verschiedenen Nutzungsrechten und feldpolizeilichen Regelungen) sollte helfen, ein friedliches Miteinandermarkgräflicher und nürnbergerischer Herren bzw. Untertanen herzustellen. Außerdem wurden Dorfmeister gewählt und eingesetzt. In einem Lehensbrief desrömisch-deutschen KönigsMaximilian I. aus dem Jahre 1495 ist von einem „Zyrndorff“ die Rede. Vor Beginn derReformation wurde Zirndorf 1504 in einer Nürnberger Aufzeichnung wie folgt beschrieben: „Zirndorf, ein dorf, ein kirch, ist Nurmbergisch und margrevisch, fraisch Zenn“.
Wohl 1510 wechselte die Zirndorfer Kirche von Clemens und Blasius zumPatrozinium des PestheiligenRochus. Im Jahre 1532 fielen der halbe Ort und die Kirche, und mit ihr die Aufzeichnungen der Pfarrei, einer Feuersbrunst zum Opfer.
Mit der Gemeindeordnung von 1580, bestätigt durch die Markgrafen von Brandenburg und die Reichsstadt Nürnberg, begann die weitgehende Selbstverwaltung Zirndorfs. Im Jahr 1604 gelangte der Ort bei einer Erbteilung im markgräflichen Haus zur LinieBrandenburg-Ansbach.
Während desDreißigjährigen Krieges war Zirndorf vom 18. Juli bis 22. September 1632 Mittelpunkt des Heereslagers des kaiserlichen FeldherrnAlbrecht von Wallenstein, das am 3. September 1632 vomSchwedenkönig Gustav II. Adolf in derSchlacht an der Alten Veste bestürmt wurde. Etwa zwei Drittel der Zirndorfer Bevölkerung fielen dem Krieg zum Opfer; erst etwa 75 Jahre später erreichte die Bevölkerungszahl wieder den Stand von vor dem Krieg. Nach 1648 entstand durch den Wiederaufbau das heutige Ortsbild mit Fachwerkhäusern und Sandsteinbauten.
1674 ließMarkgraf Johann Friedrich von Brandenburg-Ansbach das hochfürstliche Brauhaus errichten. In der Folge siedelten sich weitere Gewerbetreibende wie Drahtwarenfertiger, Weber, Drechsler und Schuhmacher an.
1791/92 trat der letzte Markgraf von Brandenburg-AnsbachKarl Alexander sein Territorium anPreußen ab; dadurch wurde auch Zirndorf preußisch. Der Ort zählte zu diesem Zeitpunkt 121 Anwesen. Von Langenzenn wurde 1801 der Dekanatssitz nach Zirndorf verlegt; dadurch besaß der Ort in den folgenden Jahrzehnten eine herausgehobene kirchliche Stellung in der Umgebung. 1885 wurde das Zirndorfer Dekanat nach Fürth verlegt.
Mitte des 19. Jahrhunderts entwickelte sich auch Zirndorf zur kleinen Industriestadt (→Industrielle Revolution in Deutschland). Es war Sitz eines Forstwartes und eines Chirurgen; es gab einen praktischen Arzt, neun Bäcker, zwei Schmiede, fünf Büttner, neun Drechsler, zwei Gürtler, zwei Kammmacher, zwei Maurer, sechsMelbereien, zwei Seiler, zwei Schlosser, elf Schneider, vier Schreiner, 22 Schuster, zwei Wagner, zwei Zimmermeister und 14 Weber. Weiterhin erfolgte die Einrichtung einer Postexpedition (1860), die zweimal täglich Postkutschenanfahrten aus Fürth ermöglichte. 1877 wurde eineTelegraphenstation eröffnet und im Jahre 1895 wurde der erste öffentliche Fernsprecher (Telefon) bereitgestellt. DieFreiwillige Feuerwehr Zirndorf wurde 1862 gegründet. Sie ist eine der ältesten Dorffeuerwehren Bayerns.
1877 entstanden die ersten wirklichenManufakturen. Die für Zirndorf weltbekannten Spielzeugfabriken ließen sich nieder (Kreisel, Trompeten, Musikdosen, Kinderbaukästen, Blechspielwaren usw.). In dieser Epoche wurden schon 17 Spiegel- und Spielwarenfabriken gezählt. DerGürtlermeister Konrad Frauenschläger war der eigentliche Gründer der Spielzeugmanufaktur in Zirndorf; er produzierte mit einigen Gesellen und Heimarbeitern erstes Kinderspielzeug wie z. B. runde Klappspiegelchen. Im Jahre 1890 wurde eine erste gedruckte Zeitung, die »Allgemeine Rundschau«, durch Leonard Zech aufgelegt. Die Zeitung wurde 1891 von der Druckerei Johannes Bollmann (diese existiert heute, Stand 2011, noch) übernommen.
Im Jahr 1877 verliehKönig Ludwig II. von Bayern Zirndorf dasMarktrecht. Seit dem 30. November 1890 endete in Zirndorf dieRangaubahn von Fürth, bis zur Eröffnung der Erweiterung nach Cadolzburg am 14. Oktober 1892 blieb Zirndorf Endstation. Um die Sicherheit des industriellenMarktes zu garantieren, wurde am 15. Januar 1899 der unterfränkischeGendarm Fritz Rockenmaier zu dieser hoheitlichen Aufgabe verpflichtet. 1899 wurde ein kleines Elektrizitätswerk errichtet (37 kW/50 PS). Alle Zirndorfer Bewohner waren bis zu Beginn der Industrialisierung evangelischen Glaubens. Mit dem Zuzug von vielen katholischen Familien wurde es notwendig, für diese am 2. November 1904 eine eigene KapelleSt. Josef einzuweihen.
Es erfolgen Anfang des 20. Jahrhunderts mehrere Eingaben (1889, 1904 und 1905) an das bayerische königliche Staatsministerium des Innern, denMarkt zur Stadt zu erheben. Diese wurden aber mit der Begründung zurückgewiesen, dass es hinsichtlich des Wasserleitungsbaues, der Kanalisierung, des Straßenbaues (Pflasterung), eines Schlachthofbaus und anderer wichtiger öffentlicher und sozialer Institutionen noch mangeln würde. Erstaunlich sind die Anstrengungen, welche der Markt innerhalb kurzer Zeit unternahm, um dieses Ziel zu erreichen: Ausbau der Ver- und Entsorgung, Befestigung der Straßen, Straßenbeleuchtung,Sparkassenneubau, Neubau eines Gaswerkes und Bau eines Zentralschulhauses und einer Berufsschule. Am 15. Oktober 1911 wurden Zirndorf schließlich dieStadtrechte durchPrinzregent Luitpold von Bayern verliehen. Auszug aus der Urkunde:„Im Namen seiner Majestät des Königs, Luitpold von Gottes Gnaden, Königlicher Prinz von Bayern, Regent. Wir finden Uns Allerhöchst erwogen, auf das Gesuch der Gemeinde Zirndorf, Bezirksamt Fürth, zu genehmigen, dass diese Gemeinde vom 1. Januar 1912 an in die Klasse der Städte mit städtischer Verfassung eingereiht wird. Berchdesgaden, den 15. Oktober 1911. gez. Luitpold, Prinz von Bayern, gez. Dr. von Brettreich.“ Im Jahr darauf wurde schließlich eine eigene Stadtpolizei gegründet.
Im Jahre 1925 wurden in Zirndorf inzwischen 60 Metallspiegel- und Metallwarenfabriken, 24 Kolonialwarenhandlungen, 28 Gaststätten, 20 Bäckereien, 16 Schuhmacher, 16 Viehhandlungen, 14 Schneidereien usw. gezählt. Deshalb trafen derErste Weltkrieg und dieWeltwirtschaftskrise von 1929 bis 1933 die exportorientierte Wirtschaft der jungen Stadt besonders hart. Die Gründung der gemeinnützigen Wohnungsbaugesellschaft Zirndorf erfolgte 1935 und die des Kneippbades im Jahre 1936.
Die Zufahrt zu den Pinder Barracks in den 1950er Jahren
Im April 1945 wurde das Wahrzeichen der Stadt, dieAlte Veste, von der Wehrmacht gesprengt und dadurch völlig zerstört, da die wehrtechnischen Einrichtungen nicht der vorrückenden US Army in die Hände fallen sollten. Am 17. April erfolgte die Sprengung der Bibertbrücke; am 18. April 1945 um neun Uhr ließ der amtierende Bürgermeister Konrad Krönmeyer am Rathaus die weiße Fahne hissen und bewahrte damit Zirndorf vor einer Zerstörung durch amerikanische Truppen.
Weiterhin mussten 120 Anwesen für die Besatzungstruppen geräumt werden (u. a. die Jahnturnhalle und verschiedene Säle).
Von der Stadtverwaltung wurden große Anstrengungen unternommen, um den vielen Kriegsvertriebenen (Ostsudeten,Schlesier undEgerländer) in Zirndorf eine neue Heimat zu geben. Die Einwohnerzahl stieg von 7852 (1939) auf 9881 (1946) an. In der ehemaligen Gendarmeriekaserne wurde 1955 dieZentrale Aufnahmeeinrichtung für Asylbewerber und später dasBundesamt für die Anerkennung ausländischer Flüchtlinge eröffnet. Im Jahr 1957 wurde mit dem Neubau einer ersten Fabrikationshalle derMetz-Werke an der Ohmstraße der Grundstein für die bis zum Ende des Jahrhunderts dann vollständig vollzogene Verlagerung des Elektrogeräteherstellers von Fürth nach Zirndorf gelegt.
Die alte katholische Kapelle wurde 1963 abgerissen, drei Jahre später der Neubau der katholischen Stadtpfarrkirche St. Josef geweiht. DieStadtpolizei Zirndorf wurde 1969 derLandespolizei eingegliedert. Im gleichen Jahr wurde ein großes Schulhausbauprojekt verwirklicht. Die Eröffnung des Freibades und des Hallenbades fand 1965 statt; der Schulsportplatz wurde im Jahr 1971 fertiggestellt. In den Jahren 1976–1978 vergrößerte sich aufgrund derGebietsreform das Zirndorfer Stadtgebiet von 8 auf 28 km² und die Einwohnerzahl von 13.661 auf 20.364. Das Wahrzeichen der Stadt, die Alte Veste, wurde am 17. September 1980 nach ihrem Wiederaufbau eingeweiht.
Der bisher teils offene, teils in einer Verrohrung durch Zirndorf fließendeBanderbach bereitete der Zirndorfer Altstadt in der Vergangenheit oft alljährlichHochwasserprobleme. Daher wurde im Jahr 1979 für 5,4 Millionen DM der Banderbach-Überleiter gebaut, um das Wasser des Banderbachs bereits vor Zirndorf unterirdisch in dieBibert abzuleiten. Die Zirndorfer Innenstadt ist seitdem praktisch hochwasserfrei.
Die StadthallePaul-Metz-Halle wurde am 5. Oktober 1984 nach dem Namen des Ehrenbürgers (Rundfunkgerätefabrikant) eingeweiht. 1988 wurde eineStädtepartnerschaft mit der französischen StadtBourganeuf imLimousin geschlossen. 1999 wurde die staatliche Realschule gebaut. Im folgenden Jahr, im Jahr 2000, fand die Einweihung desPlaymobil FunParks statt.
Die ehemaligePinder-Kaserne wurde 2004 abgerissen (der markante Turm mit Torbogen und das Wachgebäude der ehemaligen Kaserneneinfahrt bleiben als Denkmal erhalten). Auf deren Gelände entstand der Neubau des Landratsamtsgebäudes, weshalb die Behörde von Fürth nach Zirndorf umzog. In Fürth verbleibt eine Zweigstelle (u. a. das Gesundheitsamt). In diesem Zuge wurde Zirndorf zur Kreisstadt erhoben.
Im Jahr 2005 wurde Zirndorf Sitz eines evangelisch-lutherischenDekanats.
Darüber hinaus gab es Gewerbeansiedlungen, den Neubau eines Altenpflegeheims, eines Einkaufszentrums und einer Wohnsiedlung mit ca. 500 Neubürgern. Dadurch entwickelte sich der neue Stadtteil „Pinderpark“. In den Jahren 2005 bis 2009 fand eine Neu- und Umgestaltung der Innenstadt statt. Am 27. September 2009 lehnten die Zirndorfer Bürger per Bürgerentscheid mit großer Mehrheit eine Verlängerung derNürnberger U-Bahn nach Zirndorf ab.
Im Jahr 2012 feierte die Stadt Zirndorf das einhundertjährige Jubiläum der Stadterhebung durch den Prinzregenten Luitpold. Der Höhepunkt des Jubiläumsjahres war die Kirchweih ("Kärwa") vom 17. bis zum 21. August 2012 mit großem Jubiläumsprogramm. Das ganze Jahr 2012 fanden in Zirndorf zahlreiche Veranstaltungen wie Konzerte, Gottesdienste sowie mehrere Schützenwettbewerbe statt.[14]
Im Jahr 1551 wurde erstmals einejüdische Gemeinde erwähnt. Diese errichtete zwischen 1683 und 1685 eineSynagoge. BeimNovemberpogrom 1938 wurde deren Inneneinrichtung zusammen mit den Ritualien zerstört; das Gebäude selbst blieb unbeschädigt. Unmittelbar danach wurden die etwa 25 noch in Zirndorf lebenden jüdischen Einwohner aus ihren Häusern geholt und mit einem Lastwagen abtransportiert. Nach ihrer Rückkehr nach Zirndorf wurde ihnen von der Stadtverwaltung nahegelegt, ihre „Angelegenheiten zu regeln“ und danach den Ort für immer zu verlassen; bis Ende Dezember 1938 lebten in Zirndorf keine jüdischen Bürger mehr. Der Regierungspräsident von Ober- und Mittelfranken meldete in seinem Bericht über die „Protestaktion gegen das jüdische Mordgesindel“, dass Zirndorf „judenfrei“ sei.[15] Als erste Kommune im Landkreis Fürth wurden am 9. November 2023Stolpersteine verlegt, die an die Opfer des NS-Regimes erinnern. An die durch dieNS-Gewaltherrschaft umgebrachten jüdischen Einwohner sowie die imErsten Weltkrieg umgekommenen jüdischen Soldaten erinnert eine Gedenkinschrift an der Außenmauer des GebäudesKleinstraße 2.[16]
Jakob Wassermann verfasste 1897 den RomanDie Juden von Zirndorf, eine Chronik aus dem 17. Jahrhundert über das Leben desSchabbtai Zvi mit einer anschließenden Beschreibung der jüdischen Gemeinde in der fränkischen Kleinstadt im 19. Jahrhundert.
Die Amtszeit des Bürgermeisters stimmt seit 1994 nicht mehr mit der des Stadtrates überein, da im Jahr 1994 der amtierende Bürgermeister Virgilio Röschlein (SPD) sein Amt aufgrund des Erreichens der Altersgrenze niederlegte.
Diese Verschiebung der Wahlperioden erforderten bis zum Jahr 2020 jeweils getrennte Wahlen des Ersten Bürgermeisters und des Stadtrates. Um diesem Umstand abzuhelfen, wurde am 11. März 2012 der Erste Bürgermeister ausnahmsweise für acht anstatt wie üblich für sechs Jahre gewählt.[40] Da der Zirndorfer Stadtrat im Jahr 2014 für sechs Jahre gewählt wurde, stimmen seit dem Jahr 2020 beide Wahlperioden wieder überein.[41]
Seit 2006 stellt die SPD mitThomas Zwingel den Ersten Bürgermeister. Zwingel hat dieses Amt in dritter Amtszeit inne, bei der Kommunalwahl am 11. März 2012 wurde er mit 57,07 % im Amt bestätigt.[42] Auch bei der Kommunalwahl 2020 konnte sich Zwingel, in einer Stichwahl, gegenüber seinem Konkurrenten Klaski von der CSU mit 51,12 % durchsetzten.[43] ZurKommunalwahl 2026 tritt Zwingel nicht mehr an und es wurde Sandra Hauber als SPD-Bürgermeisterkandidatin nominiert.[44]
Blasonierung: „Ein silberner Schild, in welchem auf grünem Boden ein von einer roten Zinnenmauer flankierter, roter Turm mit offenem Tor und mit Fenstern erscheint. Das Spitzdach des Turmes ist mit einer goldenen Wetterfahne besteckt.“[45]
Wappenbegründung: Der Torturm stellt die Schönburg, dieAlte Veste, dar, welche dieBurggrafen von Nürnberg 1306 zusammen mit dem Ort erwarben.
Anlässlich eines Jubiläums sollte dem regierenden LandesoberhauptPrinzregent Luitpold von Bayern ein Geschenk mit der Einprägung aller Wappen der damaligen bayerischen Städte überreicht werden. Da Zirndorf im Folgejahr 1912 zur Stadt erhoben werden sollte, bis dahin aber kein Wappen oder andere Siegelsymbole führte, wurde bezugnehmend auf die Alte Veste das Wappen durch Prinzregent Luitpold mit Signat vom 30. Januar 1911 verliehen.
Jeweils am dritten Wochenende im Monat August wird in ZirndorfKärwa gefeiert. Eine typische fränkische Mittelstadtkärwa mit Baumaufstellen, großen Festumzug, Schaustellerbuden (Schießständen, Süßigkeiten- und Grillfleischverkauf usw.), Fahrgeschäften (Kinderkarussell, Autoscooter, Ponyreiten usw.). Das Festgelände reicht vom Marktplatz über die Ölstraße und Platz der deutschen Einheit bis zum Schulsportplatz, auf welchem sich das Großfestzelt befindet. Die Kärwa dauert traditionsgemäß von Kärwafreitag bis Kärwadienstag mit nächtlichem großen Abschlussfeuerwerk.
Thematischer Schwerpunkt im Erdgeschoss des Museums bildet dieGeschichte und Entwicklung der Zirndorfer Spielzeugindustrie. Das Obergeschoss des Museums ist derGeschichte Zirndorfs während des Dreißigjährigen Krieges gewidmet. Im Dachsaal des Museums finden regelmäßig Sonderausstellungen zu kulturhistorischen Themen statt. Ein vielfältiges Führungsangebot für Erwachsene und Kinder vertieft auf interessante Weise die Einblicke in die beiden Sammlungsbereiche und Sonderausstellungen.
In Zirndorf leisten zwei Musikvereine, die „Stadtkapelle Zirndorf e.V.“ und die „Stadtjugendkapelle Zirndorf e.V.“, einen wertvollen Beitrag zum kulturellen Leben und der Ausbildung junger Musiker. Gegründet wurde die Stadtkapelle Zirndorf und die Stadtjugendkapelle Zirndorf von Herrn Leopold Jubl in den Jahren 1955 und 1968.
Der Kern des Ortes ist reich an historischer Bausubstanz: Neben dem Kirchenhof mit Kirche, Pfarr- und Kantorenhaus sind vor allen Dingen die Brauerei und die Fachwerkhäuser des 17. sowie die giebelständigen Steinhäuser des 18. Jahrhunderts zu nennen.
Die in ihrer Substanz mittelalterlichePfarrkirche St. Rochus (ursprünglich St. Clemens) wurde im frühen 18. Jahrhundert zu einem protestantischen Kirchenraum umgestaltet. Der in seiner Substanz und in seinen Formenspätgotische vierseitige Westturm entwickelt sich markant in die Höhe. Die Fensterlaibungen des barocken Langhauses sind mit Hilfe von bemaltem Schmuck architektonisch gegliedert (Fassadenmalerei). Das angenehme Innere der Kirche wird von einer umlaufenden Emporenanlage mit vielen Bildern an den Brüstungen bestimmt.
DieAlte Veste liegt nördlich imZirndorfer Stadtwald auf dem Rosenberg. Im Dreißigjährigen Krieg spielten die Befestigungsanlagen bei derSchlacht an der Alten Veste eine bedeutende Rolle. Von dem 1980 errichteten Aussichtsturm hat man eine gute Sicht auf Zirndorf, Nürnberg, Fürth und weitere Orte in Mittelfranken.
Kirche von SO
Langhaus von SO; Fensterlaibungen mit gemaltem Architekturschmuck
Beim GemeindeteilBanderbach gibt es die so genannte „Banderbacher Verwerfung“, eine Grabenverwerfung, welche in Geologenkreisen auf der ganzen Welt bekannt ist.
Zirndorf gehört demVerkehrsverbund Großraum Nürnberg (VGN) an. Das nördliche Stadtgebiet wird von der sogenanntenRangaubahn in Nordost-West Richtung durchquert. Innerhalb Zirndorfs befinden sich die drei HaltepunkteZirndorf,Kneippallee undWeiherhof. Die Strecke wird von derRegionalbahnlinie RB 11 (Fürth Hauptbahnhof–Zirndorf–Cadolzburg) im 30-Minuten-Takt bedient. Es gab Planungen, die Rangaubahn zu elektrifizieren und auszubauen; diese werden momentan nicht weiter verfolgt.
Bis zum 25. September 1986 verkehrte im Süden Zirndorfs, weitgehend parallel zur Rothenburger Straße, dieBibertbahn. Der BahnhofZirndorf-Altenberg befand sich an der Stadtgrenze im Oberasbacher Stadtteil Altenberg an der Zirndorfer Straße. Heute ist sie stillgelegt, es wird aber oft über eine Reaktivierung gesprochen, die durch die Verkehrswende immer wahrscheinlicher wird. Wie dies aber umgesetzt werden soll, ist noch ungewiss (Straßenbahn, Regionalbahn etc.)
Zirndorf ist in das Tarifgebiet desVerkehrsverbund Großraum Nürnberg integriert und mit zahlreichen Omnibuslinien gut erschlossen. DieStadtbuslinien70 und72 derVAG stellen eine direkte Verbindung zumU-Bahnhof Gustav-Adolf-Straße in Nürnberg her. Nach Fürth gelangt man neben der Rangaubahn (Hbf nicht barrierefrei) mit der Omnibuslinie112 – mit dieser barrierefrei, sowie von Zirndorf-Weiherhof mit dem Stadtbus 178 (ebenfalls barrierefrei). Zusätzlich betreibt dieDRB (DB Regio Bus Bayern GmbH) im Auftrag desLandkreises Fürth in Zirndorf,Oberasbach undStein ein Stadtbusnetz mit den vier Linien150,151,154 und155, die die meisten Stadtteile mit der Regional- und S-Bahn verknüpfen. Die private Regionalbuslinie152 hat nur eine untergeordnete Bedeutung mit einigen wenigen Fahrten am Tag. [Stand Jan. 2021]
Es ist für die ferne Zukunft geplant, die künftigeNürnberger U-Bahn-LinieU3 mit einem Abzweig bis zum Zirndorfer Bahnhof zu verlängern. Da die Strecke bis Nürnberg-Gebersdorf jedoch erst noch gebaut werden muss und auch die Finanzierung weitgehend ungeklärt ist, dürfte eine Realisierung in absehbarer Zeit kaum erfolgen. Des Weiteren lehnten die Zirndorfer Bürger am 27. September 2009 per Bürgerentscheid mit großer Mehrheit eine Verlängerung der U-Bahn Nürnberg nach Zirndorf ab.
Die Stadt ist bekannt durch dieSpielzeugindustrie. Bereits 1840 wurde Kinderspielzeug hergestellt. So entstand durch die seit 1880 bestehende Firma Lorenz Bolz in Zirndorf im Jahr 1913 derBrummkreisel.
Heute ist die Stadt z. B. Hauptsitz der Firmageobra Brandstätter, international bekannt durch die Produkte der MarkePlaymobil. Seit dem Jahr 2000 betreibt die Firma den FreizeitparkPlaymobil FunPark.
Zu den international bekannten ortsansässigen Unternehmen gehören auch dieMetz-Werke GmbH & Co. KG, die Fernsehgeräte in LCD-, LED- und 100 Hertz Technologie herstellen. Darüber hinaus produziert und exportiert das Unternehmen eine Vielzahl vonBlitzgeräten fürFotoapparate.[47]
Seit 2003 ist Zirndorf auch Hauptsitz der Verwaltung des Landkreises Fürth, welche am Rande der neu entstehenden SiedlungPinderpark (vormals Pinder Barracks) ein neugebautes Landratsamt bezogen hat. Bis dato war die Landkreisverwaltung in der benachbartenkreisfreien Stadt Fürth am Stresemannplatz untergebracht. Dort befindet sich auch heute noch ein Dienstsitz mit Teilen der Verwaltung.
Zirndorf war Sitz desBundesamtes für die Anerkennung ausländischer Flüchtlinge. Die Behörde wurde 1955 gegründet; als Behördensitz wurde die ehemaligeZirndorfer Gendarmeriekaserne gewählt. 1993 verlegte die Zentrale ihren Sitz ins benachbarte Nürnberg, 1996 folgte das gesamte Amt. Im Januar 2005 erfolgte eine Namensänderung der Behörde in Bundesamt für Migration und Flüchtlinge. Eine Außenstelle blieb am Standort.
Organisatorisch dem Bundesamt zugehörig, aber mit abweichendem Tätigkeitsfeld, werden durch eine in Zirndorf ansässige Projektgruppe seit 1995 die annähernd 15.500 Schnipselsäcke der sogenanntenStasiakten von Hand wieder zusammengesetzt. Bis August 2009 konnten sich die acht Mitarbeiter so durch mehr als 400 Säcke hindurcharbeiten und knapp 900.000 Blattwieder zusammensetzen.[49] Unterstützt wird die Projektgruppe seit einigen Jahren bei ihrer Wiederherstellungsarbeit von einerautomatisierten virtuellen Rekonstruktion zerrissener Unterlagen in Berlin.
So spezialisieren sich die Zirndorfer Mitarbeiter nunmehr auf vergleichsweise große Schnipsel, während die Computerarbeit die kleinen und schwierigen Fälle übernimmt. Eine Konkurrenz wird dies aber nicht sein, da bei bisherigem Tempo die Puzzlearbeit wohl noch über hundert Jahre andauern wird.
GebäudeRothenburger Straße 31 mit Pforte derZentralen Aufnahmeeinrichtung für Asylbewerber (ZAE)
In Zirndorf befindet sich seit 1955 in einer ehemaligen Kaserne, denAdams Barracks, dieZentrale Aufnahmeeinrichtung für Asylbewerber (ZAE), eine von zwei Erstaufnahmeeinrichtungen in Bayern. Das Übergangswohnheim fürFlüchtlinge hat zurzeit (2013) eine reguläre Beherbergungskapazität von 650 Plätzen. Hierher kommen Ausländer, die alsAsylbewerber nach Bayern gelangen, bevor sie dann nach einigen Monaten auf verschiedene Asylbewerbereinrichtungen (Gemeinschaftsunterkünfte) in ganz Bayern verteilt werden.Die für 650 Asylbewerber ausgelegte Einrichtung war 2014 mit 1100[50] und 2015 mit 1600[51] Asylbewerbern belegt.
In der Stadt Zirndorf erlangte die örtliche Asylunterkunft internationale Aufmerksamkeit, als im Jahr 1999 ein irakischer Asylbewerber namens Rafed Aljanabi dem Deutschen Bundesnachrichtendienst nachgewiesene Lügen über Massenvernichtungswaffen im Irak erzählte. Die USA nutzten diese ungeprüften Aussagen als Vorwand, um den Irakkrieg zu rechtfertigen. Dieser Vorfall trug zur Bekanntheit der Unterkunft bei und hatte weitreichende geopolitische Auswirkungen.[52][53]
Auf demWolfgangshof bei Anwanden findet seit 2002 jährlich die Grüne Lust statt, ein dreitägiger Markt für grüne Produkte und Ideen.
Zirndorf ist auch für sein Bier in Franken und wohl auch ein Stück darüber hinaus wohlbekannt, auch wenn die Zirndorfer Brauerei vonTucher aufgekauft wurde.
Gottfried Stieber:Zirndorff. In:Historische und topographische Nachricht von dem Fürstenthum Brandenburg-Onolzbach. Johann Jacob Enderes, Schwabach 1761,OCLC231049377,S.992–994 (Digitalisat).
↑Gemarkungs- und Gemeindeverzeichnis. In: ldbv.bayern.de. Landesamt für Digitalisierung, Breitband und Vermessung, 17. April 2025, abgerufen am 16. Dezember 2025.
↑Gedenkstätten für die Opfer des Nationalsozialismus. Eine Dokumentation, Band 1. Bundeszentrale für politische Bildung, Bonn 1995,ISBN 3-89331-208-0, S. 200
↑Erich Follath, John Goetz, Marcel Rosenbach, Holger Stark:The Real Story of 'Curveball': How German Intelligence Helped Justify the US Invasion of Iraq. In:Der Spiegel. 22. März 2008,ISSN2195-1349 (spiegel.de [abgerufen am 8. Juni 2023]).