Die Wolga hat ungefähr 200 größere Nebenflüsse, ihrEinzugsgebiet von 1,36 Millionen km² Fläche umfasst insgesamt 151.000 Flüsse, Bäche und zeitweilige Wasserläufe. Am Unterlauf inWolgograd beträgt die mittlere jährliche Abflussmenge 264 Milliarden m³.[1][2]
Der Fluss ist von der Mündung ins Kaspische Meer bis zum Oberlauf schiffbar und stellt das Kernstück des Wasserweges zwischen demSchwarzen und dem Kaspischen Meer im Süden sowie derOstsee und demWeißen Meer im Norden dar. Alle Staustufen sind mit Schleusen ausgestattet. Über denWolga-Ostsee-Kanal ist die Wolga in Richtung Westen mit der Ostsee verbunden, über den von diesem Kanal nach Norden abzweigendenWeißmeer-Ostsee-Kanal mit dem Weißen Meer und damit auch mit demNordpolarmeer. Über denWolga-Don-Kanal und den westlich fließendenDon ist sie mit dem Schwarzen Meer und demMittelmeer verbunden.
Nachdem das Wasser der Wolga von den Waldaihöhen herab geflossen ist, erreicht esRschew und fließt von nun an nach Nordosten. Ab hier können kleine Lastkähne den Fluss befahren. Flussabwärts liegt die StadtTwer (1931–1990Kalinin), welche 1135 gegründet wurde und an der Fernstraße vonMoskau nachSankt Petersburg liegt. Die Wolga fließt weiter durch denIwankowoer Stausee nachDubna, wo derMoskaukanal einmündet. Das Reservoir von Dubna wurde unter anderem für die Wasserversorgung von Moskau über den Moskaukanal gebaut. ÜberKimry erreicht der Fluss denUglitscher Stausee, der inUglitsch durch einen Staudamm aufgestaut wird. Weiter nördlich durchfließt die Wolga denRybinsker Stausee, den ältestenStausee an der Wolga. In diesen See mündenMologa,Suda,Scheksna und derWolga-Ostsee-Kanal.
Blick auf die Wolga vom Aussichtspunkt in der Nähe des Denkmals fürWaleri Tschkalow in Nischni Nowgorod. Juli 2014Mündung derOka (links) inNischni Nowgorod
Hinter demStaudamm liegtRybinsk (1946–1957Schtscherbakow und 1984–1991Andropow), der größte Umschlaghafen an der oberen Wolga. Die Wolga fließt nun nach Südosten und erreichtJaroslawl, eine der ältesten Städte Zentralrusslands aus dem11. Jahrhundert. Die heute hier ansässige Industrie leitet die meisten Abwässer ungeklärt in den Fluss. Etwa 70 km flussabwärts liegtKostroma, eine alte Stadt (gegründet 1152) an der Mündung des gleichnamigen Flusses. HinterKineschma wird die Wolga wieder gestaut, hier liegt der 80 km langeGorkier Stausee. InNischni Nowgorod mündet von rechts dieOka in die Wolga, die nun nach Osten fließt. BeiNowotscheboksarsk in der RepublikTschuwaschien wird die Wolga zumTscheboksarsker Stausee gestaut. In den 1980er Jahren wurden zehntausende flussaufwärts lebendeMari umgesiedelt, um Platz für den See zu schaffen. Am Stausee liegtTscheboksary. 150 km weiter im Osten befindet sich die StadtKasan, die Hauptstadt der RepublikTatarstan, wo die Wolga sich nach Süden wendet. Die Stadt liegt am oberen Ende des rund 550 km langenKuibyschewer Stausees, der mit 6450 km² der größte Stausee an der Wolga und in Europa ist. Hier mündet dieKama in die Wolga. Am Ufer liegen die StädteUljanowsk (früher Simbirsk) undToljatti (auch Togliatti geschrieben). An der Wolgaschleife (russ.Samarskaja luka) liegtSamara (1935–1990Kuibyschew), eine Millionenstadt. Hier fließt der Wolga dieSamara von links zu. Am Ende der Wolgaschleife liegtSysran.
DerSaratower Stausee, welcher hier beginnt, wurde beiBalakowo angestaut. Unterhalb dieser Industriestadt mündet derGroße Irgis in die Wolga. Zwischen Balakowo undSaratow lebten früher dieWolgadeutschen, bevor sie imZweiten Weltkrieg nachSibirien undKasachstan deportiert wurden. Noch heute erinnern allerdings die StädteEngels undMarx auf dem linken Ufer an die deutsche Besiedlung. Nur auf diesem Abschnitt ist die Wolga noch so, wie sie früher war. Die charakteristische Form der Berg- und Wiesenlandschaft – in Form der bis375 m hohenWolgaplatte im Westen und dem flach gegliederten Wiesenufer im Osten – ist von Kasan bis nach Wolgograd üblich, die Stauseen überfluten jedoch Teile der Uferregionen. Nur zwischen Balakowo und Marx ist die Wolga noch naturbelassen.
Ein Wolgaarm im Mündungsgebiet
Gegenüber von Engels und damit westlich der Wolga liegt Saratow, eine Universitätsstadt mit etwa 880.000 Einwohnern. Hier beginnt der 600 km langeWolgograder Stausee, an dessen Ufer sich die StadtKamyschin befindet. Unterhalb des Dammes liegen die StädteWolschski undWolgograd (früher Zarizyn, Stalingrad), wovon sich letztere über 80 km am Westufer der Wolga erstreckt.
Bei Wolschski, wo dasWolgadelta beginnt, zweigt der MündungsarmAchtuba von der Wolga ab, der mit Abstand der längste dieser Arme ist und parallel (nordöstlich) zum Fluss verläuft. Die Wolga erreicht hinter Wolgograd das sogenannte Wolgaknie, wo sie nach Südosten abknickt.
Im südlichen Teil der Großstadt Wolgograd (seit 1931 Stadtteil Krasnoarmeiski, zuvor selbständige Ortschaft Sarepta, ab 1920 Krasnoarmeisk) zweigt derWolga-Don-Kanal nach Westen ab. Er wurde zwischen 1950 und 1957 vorwiegend vonLagerhäftlingen ausgehoben und stellt über denDon die Verbindung zumAsowschen undSchwarzen Meer und damit zumMittelmeer dar. Unterhalb Wolgograd fließt die Wolga allmählich in dieKaspische Senke ein, die sich südöstlich an dieOsteuropäische Ebene anschließt.
Etwa am Beginn des Hauptbereichs desWolgadeltas liegt die StadtAstrachan (früherItil). Ab dort ästelt sich die Wolga in zahlreiche Mündungsarme auf. Teile des Deltas stehen unter Naturschutz, weil das Gebiet eine wichtige Zwischenstation fürZugvögel und auch Lebensraum zahlreicher anderer Tierarten ist. Zu den großen Mündungsarmen der Wolga gehören im WestenBachtemir undTabola, zwischen denen die Wolga mündet, etwas weiter östlich mündet der lange Mündungsarm Achtuba.
Das Ufer des Kaspischen Meeres wird von den Mündungsarmen der Wolga etwa 75 bis 100 km südlich bzw. südöstlich von Astrachan erreicht. Die Mündungshöhe am Seeufer beträgt28 m unter dem Meeresspiegel, was zwischen Quelle und Mündung ein Gefälle von 256 m ergibt.
Die eigentliche Wolga ist heute von Rschew bisKrasnyje Barrikady (unterhalb von Astrachan) auf einer Länge von 3193 km alsBinnenwasserstraße ausgewiesen. Kommerzielle Schifffahrt besteht ab Twer. Hinzu kommen Wasserstraßen von 961 km Länge auf den Wolgaarmen unterhalb von Wolgograd (wie Achtuba) und im Wolgadelta sowie 1806 km alternative Routen, Hafenzufahrten und ähnliches auf den Stauseen unterhalb des Rybinsker Stausees.[3] Oberhalb von Rschew ist die Wolga auf weiteren gut 250 km (bis 10 km unterhalb der Quelle) für kleinere Fahrzeuge bis zu den Oberen Wolgaseen (Sterschsch, Wselug, Peno und Wolgo), die seit 1845 zusätzlich durch ein Wehr zum Oberen Wolgastausee aufgestaut sind, befahrbar, allerdings wegen fehlender oder außer Betrieb genommener Schleusen nicht durchgängig. Dieser Abschnitt gilt dementsprechend auch nicht mehr als Binnenwasserstraße.
Archäologische Funde belegen, dass an der Wolga seit Urzeiten Menschen siedelten. So befanden sich in verschiedenen Epochen die wichtigen Residenz- und Handelsstädte Großbulgar (in der Nähe der StadtBolgar in Tatarstan), Sarai (unweit von Wolgograd) und Itil (Astrachan) an den Ufern des Flusses. Von manchen Historikern wird die fruchtbare Gegend um das Mündungsgebiet als Wiege derindoeuropäischen Völker betrachtet. Den früheren Völkern bot der Fluss einen Verkehrsweg, der es ihnen ermöglichte, die Gebiete bis hinein nachMittelasien zu erobern und dort Handel zu treiben. Auch dieWaräger nutzten die Wolga für ihren Handelsweg von Schweden bis nach Persien. Der alttürkische Name der WolgaAtıl bzw.İtil ist beiMenander mitAttilas (Ἀττίλας) überliefert.[4]
DieMongolische Invasion der Rus bezeichnet die Unterwerfung der russischen Fürstentümer (Rus) durch die TruppenBatu Khans in den Jahren 1237 bis 1240. 1242 errichtete Batu seine Hauptstadt Sarai am Unterlauf der Wolga unweit des heutigenWolgograd und gründete dasKhanat derGoldenen Horde, das große Teile des Wolgabeckens beherrschte.
Der Nachfolger der Goldenen Horde war dasKhanat Kasan. In denMoskau-Kasan-Kriegen errang dasMoskauer Reich im 15. und 16. Jahrhundert die Vorherrschaft im ganzen Gebiet der mittleren Wolga.
In den Jahren 1763 bis 1767 folgten viele Deutsche der Einladung der deutschstämmigen ZarinKatharina II. und siedelten alsWolgadeutsche beiSaratow.
Zu denNebenflüssen der Wolga gehören mit jeweiligerorografischer Zuordnung(l = linksseitig, r = rechtsseitig), Länge, Mündungslage und Größe desEinzugsgebietes(flussabwärts betrachtet):[5]
Janet M. Hartley:The Volga, a history of Russia's greatest river. Yale University Press, New Haven 2021,ISBN 978-0-300-24564-6.
Guido Hausmann:Mütterchen Wolga. Ein Fluss als Erinnerungsort vom 16. bis ins frühe 20. Jahrhundert. Frankfurt/M. 2009 (=Campus Historische Studien, 50),ISBN 978-3-593-38876-2.
Albert Obholz:Die Katholiken an der Wolga. „Heimat ist Geschichte – Geschichte ist unser Auftrag!“ (Das Leben der wolgadeutschen Katholiken an der Wolga von der Koloniegründung bis zur Gegenwart). HFDR, Nürnberg 2012,ISBN 978-3-9809613-9-4.
Dorothy Zeisler-Vralsted:Rivers, memory, and nation-building. A history of the Volga and Mississippi rivers. Berghahn, New York u. a. 2015,ISBN 978-1-78238-431-1.