DieWoiwodschaft Opole, deutsch auchWoiwodschaft Oppeln (polnischwojewództwo opolskie), mit der HauptstadtOpole ist eine der 16Woiwodschaften der RepublikPolen. Sie befindet sich im Südwesten des Landes und umfasst den westlichen TeilOberschlesiens, die Region um Opole, ergänzt um die vormals niederschlesischen KreiseBrzeg undNamysłów.
In einer vierten Gebietsreform des Jahres 1999, die anfänglich das Ziel hatte, 12 große Woiwodschaften nach dem Muster der deutschenLänder zu bilden, sollte die Woiwodschaft Opole nach Plänen der polnischen Regierung aufgelöst werden. Der westliche Teil mit den Kreisen Brzeg und Namysłów sollte an dieWoiwodschaft Niederschlesien abgetreten werden und der größte Teil der Woiwodschaft sollte zusammen mit der Woiwodschaft Katowice und Teilen der Woiwodschaften Częstochowa und Bielsko-Biała die Woiwodschaft Schlesien bilden.Die Bevölkerung der Woiwodschaft Opole leistete jedoch enormen Widerstand gegen diese Pläne der Regierung, da durch die Bildung der Woiwodschaft Schlesien der Einfluss derdeutschen Minderheit in der Regionalregierung untergehen würde. Der Widerstand wurde dabei nicht allein von der deutschen Minderheit aus der Region, sondern auch von denpolnischen Schlesiern undPolen mitgetragen, die sich mit ihrer Woiwodschaft verbunden fühlen.
Denkmal zum Erhalt der Woiwodschaft amPlac Wolności in Opole
Mit der Auflösung der Woiwodschaft Częstochowa im Jahr 1999 wurde derLandkreis Olesno nach 24 Jahren schließlich wieder der Woiwodschaft Opole angegliedert. Im Jahr 2006 wurdeRadlau zudem die erste offiziell zweisprachige Gemeinde der Woiwodschaft und führte Deutsch als zweiteAmtssprache ein.
Die heutige Woiwodschaft Opole entstand aus der von 1975 bis 1998 existierendengleichnamigen Woiwodschaft.
Die Woiwodschaft Opole ist in11 Landkreise unterteilt, wobei die HauptstadtOpole kreisfrei ist. Es gibt zwar auch unter ihrem Namen einen Landkreis, die Stadt gehört ihm aber nicht an.
Die Woiwodschaft Opole liegt im südwestlichen Teil Polens in der Nachbarschaft der WoiwodschaftenNiederschlesien,Schlesien,Łódź undGroßpolen. Im Süden hat sie eine 208 km lange Staatsgrenze mitTschechien.[5] Die Landschaft ist überwiegend flach, und weite Teile gehören zurNizina Śląska(Schlesische Tiefebene). Mittelgebirgslagen sind vor allem im Südwesten mit demSudetenvorland und demZuckmanteler Bergland(Góry Opawskie) anzutreffen.
Blick auf den St. Annaberg(Góra Świętej Anny)
Im Osten ist die Woiwodschaft durch die Wyżyna Śląska(Schlesische Hochebene) mit ihrem bis zu 406 Meter hohenSt. Annaberg geprägt und im Nordosten befindet sich die Wieluner Hochebene.
Die höchste Erhebung der Region ist dieBiskupia Kopa(Bischofskoppe) mit 891 m an der Grenze zur Tschechischen Republik. Die Oder bildet eine Grenze zwischen dem durchLandwirtschaft geprägten Südwesten von dem durchForstwirtschaft geprägten Nordosten.
Die Woiwodschaft ist durch einkontinentales Klima mit warmen Sommern und kalten Wintern gekennzeichnet. Die durchschnittliche Temperatur im Januar beträgt −3 °C und im Juli 18,5 °C. Die Jahresdurchschnittstemperatur liegt bei über 9 °C. Die jährliche Durchschnittszahl von Tagen mitNiederschlag schwankt zwischen 160 und 180. Die jährliche durchschnittliche Schneebedeckung in der Woiwodschaft schwankt zwischen 40 und 60 Tagen und nimmt von Westen nach Osten zu. Der durchschnittlicheJahresniederschlag liegt bei unter 600 mm.
Es herrschen West- und Südwestwindströmungen vor, die zu einer vergleichsweise langen Vegetationsperiode von 200 bis 225 Tagen beitragen.[8]
Am 31. Dezember 2019 waren 982.626 Einwohner in der Woiwodschaft Opole gemeldet, davon sind 475.166 Männer (48,36 %) und 507.460 Frauen (51,64 %). Rund 64 Prozent der Bevölkerung lebt in Städten.[9]
Mit rund 104 Einwohnern pro Quadratkilometer ist die Bevölkerungsdichte bezogen auf den landesweiten Durchschnitt leicht unterdurchschnittlich. Am dünnsten ist dabei der LandkreisNamysłów mit 57 Einwohnern pro Quadratkilometer, am dichtesten ist (abgesehen von der Stadt Opole) der LandkreisKędzierzyn-Koźle mit 150 Einwohnern pro Quadratkilometer besiedelt.
Im Jahr 1995 waren auf dem Gebiet der heutigen Woiwodschaft Opole knapp 1,1 Millionen Einwohner gemeldet. Seitdem ist die Bevölkerungszahl stetig gesunken, hat im Jahr 2014 die Marke von 1 Million unterschritten und lag 2019 bei rund 983.000 Einwohnern.[11]
Bei der Gründung der Woiwodschaft Opole im Jahr 1950 lebten hier 870.000 Menschen.Die hier lebende Bevölkerung setzte sich im Jahr 1950 aus drei unterschiedlichen Gruppen zusammen:
Durch Abwanderung der autochthonen Bevölkerung, die alsAussiedler in die Bundesrepublik übersiedelte, sank deren Anteil an der Gesamtbevölkerung in der Woiwodschaft kontinuierlich:
¹ Schlesisch ist alsNationalität nicht anerkannt, trotzdem ist dieser Begriff seit der Volkszählung 2002 angewendet worden
Die Volkszählung 2021 ergab eine gegenüber der Zählung von 2011 verringerte Anzahl von 59.911 Bewohnern deutscher Nationalität, wobei der Anteil der Menschen, die eine schlesische Nationalität angaben, gegenüber 2011 gestiegen war.[14]
Die meisten Bewohner der Woiwodschaft sindrömisch-katholisch getauft. Als nächstgrößte Religionsgemeinschaften folgen dieevangelischen Kirchen und dieZeugen Jehovas. Die restlichen Bewohner gehören anderen kleinen Glaubensrichtungen an oder sind konfessionslos.
ImBistum Opole, das nicht mit dem Gebiet der Woiwodschaft Opole identisch ist, gehörten im Jahr 2016 rund 794.000 dem römisch-katholischen Glauben an. Dem Bistum gehören Teile der LandkreiseBrzeg undNamysłów nicht an, zusätzlich jedoch der LandkreisRacibórz in der Woiwodschaft Schlesien.
Die größte Gruppe der Protestanten bildet die Evangelisch-Augsburgische Kirche. Die Gläubigen der Woiwodschaft Opole gehören derDiözese Katowice an und zählten im Jahr 2008 1.600 Personen (0,15 %). Ihr folgen die Anhänger der Pfingstbewegung mit 1.081 Mitgliedern (0,1 %) und zahlreiche kleinere protestantischen Kirchen. Den Zeugen Jehovas gehörten 2010 3.158 Mitglieder (0,3 %) an.[15][16] Die Prozentzahlen richten sich an der Einwohnerzahl von 1.029.894 im Jahr 2010 bzw. am Jahr 2008.[17]
In der Woiwodschaft Opole wird vorwiegendPolnisch (siehe auchpolnisches Schlesisch) und zum Teil auchDeutsch (siehe auchdeutsches Schlesisch) gesprochen. In den größeren Städten der Woiwodschaft und im Südwesten dominiert die polnische Sprache, auf dem Land und im Osten der Woiwodschaft polnisches und deutsches Schlesisch.
In 28 Gemeinden überschreitet der Anteil der deutschsprachigen Bevölkerung 20 %. In 14 dieser Gemeinden ist Deutsch offizielle Hilfssprache.Radlau durfte 2006 als erste Gemeinde in Polen zweisprachigeOrtsschilder aufstellen. Inzwischen sind weitere Gemeinden gefolgt.
Der Gebrauch der deutschen Sprache und des schlesischen Dialektes war bis zur Wende verboten und wurde als Vergehen bestraft.[18] Dies hat zur Folge, dass vieleSchlesier Deutsch oder den schlesischen Dialekt gar nicht oder erst nach dem Jahr 1990 gelernt haben. Die meisten Bewohner der Woiwodschaft sprechen sowohl den schlesischen Dialekt (im Alltag) als auch die polnische Hochsprache (im Beruf). Die deutsche Sprache beherrschen die ältere Generation und auch die jüngere Generation, die Deutsch in der Schule lernen kann. Der muttersprachliche Unterricht der Minderheit war allerdings vom Bildungsministerium von drei auf eine Stunde pro Woche reduziert worden; viele Gemeinden der Wojewodschaft glichen das durch Bereitstellung kommunaler Mittel aus. Daneben gibt es fünf zweisprachige Schulen in Trägerschaft privater Vereine.
Laut Ergebnissen der letzten Volkszählung (2002) sprechen 84 % der Bevölkerung zu Hause Polnisch und 8,3 % Deutsch.
Die Woiwodschaft Opole gehört zu den strukturschwächeren Regionen in Polen. Im Vergleich mit demBIP derEU ausgedrückt inKaufkraftstandards erreichte die Woiwodschaft 2018 einen Index von 56 (EU-27 = 100), bezogen auf den Wert pro Erwerbstätigem erreichte Opole hingegen einen Index von 66 (EU-27 = 100).[21]
Die meisten Erwerbstätigen sind im tertiärenSektor (40,1 %) beschäftigt, 30 % im primären Sektor und 29,9 % im sekundären Sektor. Im Zeitraum von 2001 bis 2003 sind mehr als 10.000 Stellen im sekundären Sektor abgebaut worden. Die offizielle Arbeitslosenquote lag im Dezember 2009 bei 12,6 %.[23] Bis Juli 2020 konnte die Arbeitslosenquote auf 6,9 % gesenkt werden.
Überdurchschnittlich viele Arbeitnehmer der Woiwodschaft Opole gehen einer Arbeitsbeschäftigung in den wirtschaftsstarken Nachbarregionen Niederschlesien und Schlesien oder im Ausland, vorwiegend in den Niederlanden, Deutschland, Großbritannien oder Norwegen nach.[24]
Die Woiwodschaft Opole stellt 3,2 % der gesamten landwirtschaftlichen Flächen in Polen dar.Zu den fruchtbarsten Böden der Region zählen die aufLöss ausgebildetenSchwarzerden, die im Südwesten der Woiwodschaft verbreitet sind. Die Böden der Woiwodschaft zählen zu den ertragreichsten Böden in Polen. Es werden vorwiegend Zuckerrüben, Getreide, Raps und Kartoffeln angebaut.
Die Verbreitung derIndustrie in der Woiwodschaft ist vorwiegend auf Städte und den südlichen Abschnitt der Oder vonKrapkowice bis nachKędzierzyn-Koźle beschränkt. Die größten Industriezentren sind im Raum Opole und imPowiat Kędzierzyńsko-Kozielski anzutreffen. Zu den dominierenden Industriebranchen der Woiwodschaft gehören die Kraftstoffindustrie (Steinkohlekoks inZdzieszowice), derElektromaschinenbau, die Baubranche (Zement, Kalk), die Mineralstoff-, Chemie-, Automobil- und Möbelindustrie sowie dieLebensmittelindustrie. Der Schwerpunkt der chemischen Industrie befindet sich um Kędzierzyn-Koźle. Der Abbau von natürlichen Ressourcen für die Baubranche ist im Zentrum der Woiwodschaft am meisten verbreitet. In der StadtOpole und Umgebung ist die Industrie vielseitig.
In der Woiwodschaft gibt es keine größeren Mineralvorkommen, mit Ausnahme von Gesteinsvorkommen, zu denen Kalksteine, Mergel, Granite und Basalte gehören. Sie werden in größeren Mengen im zentralen Teil der Woiwodschaft, inJakobswalde und im Zuckmanteler Bergland (Grauwackenbergwerk inDębowiec beiPrudnik) abgebaut.
DieFeuerwehr Opole sorgt für denBrandschutz und die allgemeine Hilfe in ihrem Stadtgebiet und in der Woiwodschaft. In Opole befindet sich ein großer Feuerwehrkomplex, der aus einerBerufsfeuerwehr einschließlichWasserrettung, dem Woiwodschaftskommando mit derFeuerwehrschule sowie aus dem Kreiskommando besteht.[25]
Von Nordwesten nach Südosten wird die Region von derEuropastraße 40 (polnischeAutobahn A4) durchquert, der wichtigsten Verkehrsachse im Süden Polens. Sie verbindet die Woiwodschaft Opole in Richtung Westen mitWrocław und in Richtung Osten mitKatowice undKraków.
Weitere bedeutende Straßenverbindungen in der Woiwodschaft Opole sind:
↑Die Herkunft der heutigen Bewohner Schlesiens. Gesellschaft für interregionalen Kulturaustausch – Berlin / Stowarzyszenie Instytut Śląskie – Opole, archiviert vom Original (nicht mehr online verfügbar) am 8. Juni 2018; abgerufen am 23. Mai 2018.
↑Franz-Josef Sehr:Professor aus Polen seit Jahrzehnten jährlich in Beselich. In:Jahrbuch für den Kreis Limburg-Weilburg 2020. Der Kreisausschuss des Landkreises Limburg-Weilburg, Limburg-Weilburg 2019,ISBN 978-3-927006-57-7,S.223–228.
↑Woiwodschaftssejmik Opole. Wahl 2018. In: umwo.opole.pl. Archiviert vom Original (nicht mehr online verfügbar) am 1. August 2016; abgerufen am 17. März 2023.