Marx war Sohn des Volksschulrektors Johann Marx (1822–1882) und dessen Frau Gertrud, geborene Hackenbroich (1826–1909).[1] Er wuchs in Köln auf und legte am dortigenMarzellengymnasium im Jahr 1881 sein Abitur ab. Marx studierteRechtswissenschaften an derUniversität Bonn. Während seines Studiums in Bonn wurde er Mitglied derkatholischen StudentenverbindungK.St.V. Arminia imKV. Im Sommersemester 1925 wurde er zudem Ehrenphilister des K.St.V. Semnonia Berlin im KV.[2]Marx legte im Jahr 1888 das 2. juristische Staatsexamen ab und trat in die preußische Justizverwaltung ein. Für kurze Zeit arbeitete er alsGerichtsassessor in Köln und amAmtsgericht Waldbröl (1889). Dann war er mehrere Jahre beim Hypotheken- und Grundbuchamt inSimmern tätig. Ab dem Jahr 1894 arbeitete Marx als Richter amLandgericht inElberfeld (gehört heute zuWuppertal). Zehn Jahre später kam er alsLandgerichtsrat zurück nach Köln. Seine Vorgesetzten betrachteten die politische Tätigkeit des bekennendenKatholiken in der Zentrumspartei mit Argwohn, dennoch stimmte der Präsident desOberlandesgerichts Köln 1906 seiner Beförderung zu. In den Jahren 1907 bis 1921 war MarxOberlandesgerichtsrat, allerdings auf der anderen Seite des Rheins – am neu errichtetenOberlandesgericht Düsseldorf.[3]
Politisch aktiv war er als Mitglied des Zentrums und desReichsbanners[4]. In der Weimarer Republik war er bis 1932 Reichstagsabgeordneter und zeitweise Inhaber eines Regierungsamtes. In derZeit des Nationalsozialismus verbrachte er zurückgezogen seinen Ruhestand. Er wohnte in Bonn zunächst in der Reuterstraße 115.[5] 1937 verzog er dann in die damals gleich nach dem Tod des NSDAP-Politikers Hans Schemm 1935 umbenannte Hans-Schemm-Straße 18a,[6] (heute Joachimstraße) wo er bis zu seinem Tod im Jahr 1946 lebte.[7]
Er war seit 1891 mit Johanna Verkoyen verheiratet, mit der er vier Kinder hatte. Nach seinem Tod wurde er auf dem KölnerMelaten-Friedhof beigesetzt.
Marx war früh in der Vertretung despolitischen Katholizismus, derZentrumspartei, aktiv. Ab 1899 leitete er den Zentrums-Verein in Elberfeld, 1906–1919 war er stellvertretender Vorsitzender der Rheinischen Zentrumspartei, im Jahr 1908 wurde er Vorsitzender des Zentrums in Düsseldorf.
Marx war von 1899 bis 1918 Mitglied despreußischen Abgeordnetenhauses. Ab 1910 war er als Vertreter desWahlkreises Mülheim/Rhein-Wipperfürth Mitglied desReichstages. Ab 1916 war er dort Vorstandsmitglied derFraktion und insbesondere in derSchul- undKulturpolitik aktiv. Über die Lager hinweg galt er als ruhiger, vermittelnder Politiker, der sich wenig Feinde machte und stets auf einen Interessenausgleich hinarbeitete.
In derWeimarer Republik war Marx zunächst bestrebt, das Zentrum zu einen, damit es im Jahr 1921 geschlossen dieRegierung Wirth – eine „Weimarer Koalition“ aus Zentrum,SPD undDDP unter seinem ParteikollegenJoseph Wirth – unterstützte. Deren erste Amtshandlung war die Anerkennung einer deutschen Reparationsschuld in Höhe von 132 Milliarden Goldmark, was der rechte Flügel der Zentrumspartei als „Erfüllungspolitik“ ablehnte.[8] Marx gelang dies zum einen durch seinen Politikstil, zum anderen durch die Berufung auf den Katholizismus und den Einsatz der gesamten Partei für dieBekenntnisschule. Von 1922 bis 1928 war er als Nachfolger vonKarl Trimborn Vorsitzender der Zentrumspartei.[9]
Porträt des Reichskanzlers Wilhelm Marx vonWilhelm Ritterbach, Düsseldorf 1924
Marx führte dieReichsregierung während einiger ihrer zahlreichen Krisen. Es gab Konflikte mit den LändernSachsen undBayern, im besetzten Rheinland und in der Pfalz waren Separatisten aktiv. Nach der Inflation von 1923 führte die Einführung der neuen Währung ebenfalls zuwirtschafts- undfinanzpolitischen Problemen. Marx reagierte darauf mit Sparmaßnahmen des öffentlichen Haushalts, Entlassung von Personal, der Einführung neuer Steuern. Die Entwicklung stabilisierte sich, Ende Februar 1924 konnte der militärische Ausnahmezustand aufgehoben werden.
In Marx’ zweiter Amtszeit trat Deutschland demVölkerbund bei. Marx setzte GeneraloberstHans von Seeckt ab, der dieReichswehr zu einem Staat im Staate ausgebaut hatte. Allerdings stürzte Marx dann über die Reichswehr. Der SozialdemokratPhilipp Scheidemann hatte imReichstag die Zusammenarbeit der Reichswehr mit derRoten Armee enthüllt.
Gemeinsame Wahlkundgebung vonZentrum,SPD undDDP für ihren Reichspräsidentenkandidaten Wilhelm Marx, 17. April 1925 imBerliner Sportpalast
Der StaatspräsidentBadens, der DDP-PolitikerWilly Hellpach, bezeichnete ihn Mitte der 1920er Jahre als „idealtypischen Zentrumspolitiker“. Der westfälische SPD-PolitikerCarl Severing charakterisierte Marx rückblickend als „Mann der geraden politischen Mitte“.[11]
Ulrich von Hehl:Wilhelm Marx in den politischen Auseinandersetzungen der Zentrumspartei während des Ersten Weltkriegs. In:Annalen des Historischen Vereins für den Niederrhein. (AHVN), 186, 1983, S. 98–138.
Ulrich von Hehl:Wilhelm Marx 1863–1946, eine politische Biographie. Grünewald, Mainz 1987,ISBN 3-7867-1323-5.
Leo Schwering:Reichskanzler Wilhelm Marx. In:Annalen des Historischen Vereins für den Niederrhein (AHVN), 170, 1968, S. 220–257.
Hugo Stehkämper:Wilhelm Marx (1863–1946). In: Rheinische Lebensbilder, Band 6. Hrsg. vonBernhard Poll. Rheinland Verlag, Köln 1975, S. 189–210.
Hugo Stehkämper: Wilhelm Marx (1863–1946) In:Jürgen Aretz,Rudolf Morsey,Anton Rauscher (Hrsg.):Zeitgeschichte in Lebensbildern, Aus dem deutschen Katholizismus des 19. und 20. Jahrhunderts, Band 1, Aschendorff Verlag GmbH & Co. KG, Münster 2022,ISBN 978-3-402-06112-1, S 174–205.(Digitalisat)
↑Die deutschen Kanzler. Von Bismarck bis Schmidt. athenäum 1985, S. 273,ISBN 3-7610-8382-3
↑Bestände. Marx, Wilhelm. In: www.archive.nrw.de. Historisches Archiv der Stadt Köln – Archive in Nordrhein-Westfalen, archiviert vom Original (nicht mehr online verfügbar) am 13. Oktober 2018; abgerufen am 22. März 2025.
↑Ulrich von Hehl:Wilhelm Marx (1863–1946). Eine politische Biographie. Matthias-Grünewald-Verlag, Mainz 1987, S. 81.
↑Martin Schumacher (Hrsg.):M.d.R.. Die Reichstagsabgeordneten der Weimarer Republik in der Zeit des Nationalsozialismus. Politische Verfolgung, Emigration und Ausbürgerung 1933-1945. Eine biographische Dokumentation. Droste, Düsseldorf 1992,S.865.
↑Generalanzeiger Bonn vom 14. August 2024, Seite 23
↑Ulrich von Hehl:Wilhelm Marx (1863–1946). Eine politische Biographie. Matthias-Grünewald-Verlag, Mainz 1987, S. 189.
↑Geschichte der CDU. Zentrumspartei (bis 1933). In: www.kas.de. Konrad-Adenauer-Stiftung e. V., 2018, archiviert vom Original (nicht mehr online verfügbar) am 22. Oktober 2018; abgerufen am 22. März 2025.
↑Peter Krüger:Marx, Wilhelm, Politiker. In:Wolfgang Benz undHermann Graml (Hrsg.):Biographisches Lexikon zur Weimarer Republik. C.H. Beck Verlag, München 1988, S. 222.
↑Rudolf Morsey:Die Deutsche Zentrumspartei, 1917–1923. Droste, Düsseldorf 1966, S. 578.