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Wilhelm Grewe

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Dieser Artikel befasst sich mit dem Rechtswissenschaftler und Diplomaten Wilhelm Grewe. Zu anderen Personen sieheWilhelm Greve.

Wilhelm Georg Grewe (*16. Oktober1911 inHamburg; †11. Januar2000 inBonn[1]) war ein deutscherRechtswissenschaftler undDiplomat. Er lehrte als Professor desVölkerrechts. Er ist Verfasser des StandardwerksEpochen der Völkerrechtsgeschichte (1984). Von ihm stammt die Idee der so genanntenHallstein-Doktrin.

Akademische Laufbahn

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Wilhelm G. Grewe, Sohn des Kaufmanns Wilhelm G. Grewe und dessen Ehefrau, eine geborene Schultz, studierte nach dem Abitur von 1930 bis 1934 Rechtswissenschaft inHamburg,Berlin,Freiburg undFrankfurt am Main. Er trat drei Monate nach derMachtergreifung der Nationalsozialisten zum 1. Mai 1933 derNSDAP bei (Mitgliedsnummer 3.125.858).[2][1] Nach seinem Referendarexamen war er Assistent vonErnst Forsthoff an derUniversität Hamburg und wurde 1936 mit der DoktorarbeitGnade und Recht zum Dr. jur.promoviert. Von 1936 bis 1937 war er an derUniversität Königsberg und von 1937 bis 1939 am Deutschen Institut für außenpolitische Forschung in Berlin tätig, wo er die AbteilungInternationales Recht leitete. 1937 publizierte er die AbhandlungWehrbereitschaft und Verfassungsrecht.[1] 1939 legte Grewe in Berlin sein Assessorexamen ab. Ab 1941 lehrte er als Dozent für Völkerrecht und Staatsrecht an dergleichgeschaltetenDeutschen Hochschule für Politik in Berlin,[1] die ab 1940 in die neueAuslandswissenschaftliche Fakultät derFriedrich-Wilhelms-Universität in Berlin integriert worden war. Thema seiner Vorlesungen waren die Rechtsgrundlagen der Außenpolitik.

1941habilitierte sich Grewe mit einer Schrift, die später Teil seines BuchesEpochen der Völkerrechtsgeschichte werden sollte. Er wurde 1943 zum außerordentlichen Professor an der Universität Berlin ernannt.[3]

Nach demZweiten Weltkrieg war Grewe von 1945 bis 1947Ordinarius für öffentliches Recht und Völkerrecht an derGeorg-August-Universität Göttingen. Er wurde 1947 als Ordinarius und Professor für Staats-, Verwaltungs und Völkerrecht an die Universität Freiburg im Breisgauberufen.[4]

Grewe verfasste zahlreiche Bücher und Aufsätze, die neben juristischen auch historische und politische Aspekte berücksichtigen. Sein Hauptwerk bleiben dieEpochen der Völkerrechtsgeschichte, die 1984 erstmals erschienen (geschrieben 1944), ergänzt um ein Kapitel zurNachkriegszeit, doch ohne ein Wort über den Völkermord.[5] Im Jahr 1984 wurde er Mitglied des Internationalen Schiedsgerichtshofs vonDen Haag. Von 1988 bis 1995 edierte er in Zusammenarbeit mit dem Institut für Internationales Recht an der Freien Universität Berlin vier Quellenbände zu den Institutionen des Völkerrechts und seiner Geschichte bis in die heutige Zeit.

Er wurde zum Ehrendoktor ernannt.

Politische Laufbahn

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Konrad Adenauer, Bundeskanzler seitSeptember 1949, berief Grewe als Völkerrechtsexperten in seinen Beraterstab. Dadurch erhielt Grewe wesentlichen Einfluss auf die Außenpolitik derNachkriegszeit (zumal Adenauer ab dem 15. März 1951 in Personalunion auch das Amt des Außenministers innehatte). 1953 wurde Grewe kommissarischer Leiter der Rechtsabteilung, 1955 alsMinisterialdirektor[6] der Leiter der Politischen Abteilung desAuswärtigen Amtes und Mitbegründer derDeutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik (DGAP)[7]

Von 1951 bis 1955 leitete Grewe die deutsche Delegation und prägte maßgeblich die Verhandlungen um die Beendigung desBesatzungsstatuts, die zur Unterzeichnung des Generalvertrages/Deutschlandvertrags führten. Dadurch wurden die Beziehungen der Bundesrepublik Deutschland zu den USA, zu Großbritannien und Frankreich völkerrechtlich abgesichert, in Art. 7 dieses Vertrages wurde das Ziel der Wiedervereinigung Deutschlands ausdrücklich festgelegt. Grewe hatte außerdem wesentlichen Anteil an der Ausarbeitung und Formulierung derHallstein-Doktrin.

Ab 1958 war Grewe deutscherBotschafter, zunächst bis 1962in Washington, D.C., von 1962[8] bis 1971Ständiger Vertreter beimNATO-Rat in Paris und Brüssel, anschließend bis 1976in Tokio,[9] und ab 1974 zugleich für dieMongolische Volksrepublik. 1976 ging er in den Ruhestand.

Grewe forderte nach dem Bau derBerliner Mauer (1961) eine harte Reaktion derWestmächte; es gab Differenzen mit dem damaligen US-PräsidentJohn F. Kennedy.[10][11]

Grewe wurde mit demGroßen Bundesverdienstkreuz mit Stern ausgezeichnet.[1] 1957 erhielt er dasGroße Goldene Ehrenzeichen mit dem Stern für Verdienste um die Republik Österreich.[12] Zu seinem 70. Geburtstag erschien eine Grewe gewidmeteFestschrift mit dem TitelIm Dienste Deutschlands und des Rechts.

Abberufung vom Botschafter-Posten in Washington

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Wilhelm G. Grewe beschrieb seine Abberufung in seinen Memoiren wie folgt:

Am 9. April 1962 übergabenFoy D. Kohler (ein Vertrauter von AußenministerDean Rusk) und ein weiterer hoher Beamter des State Department ihm (Grewe) persönlich mehrere Papiere, darunter neue Vorschläge zur Beilegung der Konfrontation in Berlin. Die Bundesregierung sollte innerhalb von 48 Stunden dazu Stellung nehmen.

Am 12. April (also nach Ablauf der Antwortfrist) fand unter Vorsitz Adenauers im Zimmer des CDU-FraktionsvorsitzendenHeinrich von Brentano eine Sitzung statt, in der AußenministerGerhard Schröder und sein StaatssekretärKarl Carstens die Spitzen der Bundestagsfraktionen über den Inhalt der Papiere unterrichteten. Für die SPD nahm der SPD-VorsitzendeErich Ollenhauer teil und für die FDPErich Mende.

Adenauers Vertrauter Heinrich Krone schrieb in sein Tagebuch: „Das Gespräch in Brentanos Zimmer war die Sensation des Tages. Wahres, Falsches, Kombinationen mancher Art, vor allem, dass es Fragen von entscheidender Bedeutung sein müssten, wenn der Kanzler die Fraktionsvorsitzenden in dieser Aufsehen erregenden Form zusammenbat und unterrichtete – das alles ging wie ein Lauffeuer durch den Bundestag.“

Am Abend des 13. April berichtete derDeutschlandfunk über die vertrauliche Sitzung und zitierte aus dem US-Papier; am folgenden Morgen druckten mehrere Zeitungen Auszüge. Kennedy war sehr verärgert.

Grewe stritt jede Beteiligung an der Veröffentlichung ab. Im Mai 1962 wurde ein Nachfolger für ihn benannt (Karl-Heinrich Knappstein) und er als NATO-Botschafter designiert.[8]

Das Grab von Wilhelm Grewe auf dem Friedhof Thomasberg inKönigswinter

Privates

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Ab 1958 war Wilhelm Grewe in zweiter Ehe mit Gerty Grewe, geborene Winter, verheiratet. Er hat zwei Kinder sowie Töchter aus seiner ersten, 1943 geschlossenen Ehe mitMarianne Grewe-Partsch, geborene Partsch.

Schriften (Auswahl)

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  • Gnade und Recht. Hanseatische Verlagsanstalt, Hamburg 1936.
  • Ein Besatzungsstatut für Deutschland. Koehler, Stuttgart 1948.
  • Deutsche Außenpolitik der Nachkriegszeit. Deutsche Verlags-Anstalt, Stuttgart 1960.
  • Spiel der Kräfte in der Weltpolitik. Theorie und Praxis der internationalen Beziehungen (=Ullstein Buch. Band 33018). Econ Verlag, Berlin 1970,ISBN 3-548-33018-5.
  • Rückblenden: 1976–1951. Propyläen, Frankfurt am Main/Berlin/Wien 1979,ISBN 3-549-07387-9.
  • Epochen der Völkerrechtsgeschichte. Nomos, Baden-Baden 1984; 2., unveränderte Auflage 1988,ISBN 3-7890-1608-X, englische FassungThe epochs of international law, Übersetzung Michael Byers, Berlin; New York: de Gruyter 2000,ISBN 978-3-11-015339-2.
  • Die Jahre der Entscheidung – Von der Besatzungsherrschaft zur Souveränität der Bundesrepublik Deutschland. In: Manfred Funke (Hrsg.):Entscheidung für den Westen. Vom Besatzungsstatut zur Souveränität der Bundesrepublik 1949–1955. Bouvier, Bonn 1988,ISBN 3-416-04007-4, S. 93–113.
  • Machtprojektionen und Rechtsschranken. Essays aus vier Jahrzehnten über Verfassungen, politische Systeme und internationale Strukturen. Nomos, Baden-Baden 1991,ISBN 3-7890-1984-4.

Literatur

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Weblinks

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Einzelnachweise

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  1. abcdeErnst Klee:Das Personenlexikon zum Dritten Reich. Wer war was vor und nach 1945. Fischer Taschenbuch Verlag, Zweite aktualisierte Auflage, Frankfurt am Main 2005,ISBN 978-3-596-16048-8, S. 200.
  2. Bundesarchiv R 9361-IX KARTEI/11890819.
  3. Jochen Frowein:Wilhelm G. Grewe zum 80. Geburtstag. In:Archiv des öffentlichen Rechts. Band 116, Nr. 3, 1991, S. 497–500.
  4. Bardo Fassbender:Stories of War and Peace: On writing the History of International Law in the ‘Third Reich’ and After. In:European Journal of International law. Band 13, 2002, Nr. 2, S. 479–512 (PDF; 212 kB).
  5. Annette Weinke:Die Volksgemeinschaft wird Republik. In:Die Zeit 40/2009, S. 94 (online).
  6. Grewe Wilhelm Carl Georg. Landesarchiv Baden-Württemberg, abgerufen am 5. Februar 2022. 
  7. Die Geschichte der DGAP.
  8. abwww.bundesarchiv.de:Kabinettssitzung am 23. Mai 1962.
  9. Wilhelm Grewe:Rückblenden. Propyläen, Berlin 1979,ISBN 3-549-07387-9.
  10. Jochen Frowein:Wilhelm G. Grewe zum 80. Geburtstag. In:Archiv des öffentlichen Rechts, Band 116, Nr. 3, 1991, S. 497.
  11. spiegel.de: 'He Got Awfully Fed Up with Adenauer and All that Berlin' (15. September 2011.Jacky Kennedy in einem Interview 1964, nach der Ermordung ihres Mannes).
  12. Aufstellung aller durch den Bundespräsidenten verliehenen Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich ab 1952 (PDF; 6,9 MB).
VorgängerAmtNachfolger
Gebhardt von WaltherStändige Vertreter zum NATO-Rat der Bundesrepublik Deutschland
1962–1971
Franz Krapf
Deutsche Botschafter in den Vereinigten Staaten

Gesandte desNorddeutschen Bundes
Friedrich von Gerolt (1868–1871)

Gesandte und bevollmächtigte Minister desDeutschen Reiches
Kurd von Schlözer (1871–1882, Geschäftsträger) |Karl von Eisendecher (1882–1884) |Friedrich Johann Graf von Alvensleben (1884–1888) |Ludwig Aloys von Arco auf Valley (1888–1891) |Theodor von Holleben (1891–1893) |Clemens von Ketteler (1892–1896)

Botschafter desDeutschen Reiches
Anton Freiherr Saurma von der Jeltsch (1893–1895) |Max Franz Guido Freiherr von Thielmann (1895–1897) |Theodor von Holleben (1897–1903) |Hermann Speck von Sternburg (1903–1908) |Johann Heinrich Graf von Bernstorff (1908–1917) |Karl Lang (1921–1922, Geschäftsträger) |Otto Wiedfeldt (1922–1925) |Adolf Georg Otto von Maltzan (1925–1927) |Friedrich von Prittwitz und Gaffron (1927–1933) |Hans Luther (1933–1937) |Hans-Heinrich Dieckhoff (1937–1938) |Hans Thomsen (1938–1941, Geschäftsträger)

Botschafter der Bundesrepublik Deutschland
Heinz Ludwig Hermann Krekeler (1951–1953, Geschäftsträger & 1953–1958) |Wilhelm Grewe (1958–1962) |Karl Heinrich Knappstein (1962–1968) |Rolf Friedemann Pauls (1968–1973) |Berndt von Staden (1973–1979) |Peter Hermes (1979–1984) |Günther van Well (1984–1987) |Jürgen Ruhfus (1987–1992) |Immo Stabreit (1992–1995) |Jürgen Chrobog (1995–2001) |Wolfgang Ischinger (2001–2006) |Klaus Scharioth (2006–2011) |Peter Ammon (2011–2014) |Peter Wittig (2014–2018) |Emily Haber (2018–2023) |Andreas Michaelis (2023–2025) |Jens Hanefeld (seit 2025)

Botschafter derDeutschen Demokratischen Republik
Rolf Sieber (1974–1978) |Horst Grunert (1978–1983) |Gerhard Herder (1983–1990)

Deutsche Botschafter in Japan

Gesandte und Botschafter des Deutschen Reichs
Max August Scipio von Brandt (1862–1875) |Eduard Zappe (1875) |Theodor von Holleben (1875) |Karl von Eisendecher (1875) |Felix Freiherr von Gutschmid (1875–1880) |Otto Graf von Dönhoff (1880) |Karl von Eisendecher (1880–1886) |Theodor von Holleben (1886–1892) |Felix Freiherr von Gutschmid (1892–1897) |Karl Georg von Treutler (1897–1898, Geschäftsträger) |Kasimir Graf von Leyden (1898–1900) |Botho von Wedel (1900–1901, Geschäftsträger) |Emmerich von Arco-Valley (1901–1906) |Friedrich Carl von Erckert (1906, Geschäftsträger) |Alfons Mumm von Schwarzenstein (1906–1911) |Arthur Alexander Kaspar von Rex (1911–1914) |Wilhelm Solf (1920, Geschäftsträger & 1921–1928) |Wilhelm Albrecht von Schoen (1928, Geschäftsträger) |Ernst Arthur Voretzsch (1929–1933) |Willy Noebel (1933, Geschäftsträger) |Herbert von Dirksen (1933–1938) |Willy Noebel (1938, Geschäftsträger) |Eugen Ott (1938–1942) |Heinrich Georg Stahmer (1943–1945)

Botschafter der Bundesrepublik Deutschland
Heinrich Northe (1952–1955, Geschäftsträger) |Hans Kroll (1955–1958) |Wilhelm Haas (1958–1961) |Fritz van Briessen (1961–1962, Geschäftsträger) |Herbert Dittmann (1962–1965) |Walter Boss (1965–1966, Geschäftsträger) |Franz Krapf (1966–1971) |Heinrich Röhreke (1971, Geschäftsträger) |Wilhelm Grewe (1971–1976) |Hartmut Schulze-Boysen (1976–1977, Geschäftsträger) |Günter Diehl (1977–1981) |Klaus Blech (1981–1984) |Walter Boss (1984–1986) |Hans-Joachim Hallier (1986–1989) |Wilhelm Haas (1990–1994) |Heinrich-Dietrich Dieckmann (1994–1997) |Frank Elbe (1997–1999) |Uwe Kaestner (1999–2001) |Henrik Schmiegelow (2001–2006) |Hans-Joachim Daerr (2006–2010) |Volker Stanzel (2010–2014) |Hans Carl Freiherr von Werthern (2014–2019) |Ina Ruth Luise Lepel (2019–2021) |Clemens von Goetze (2021–2024) |Petra Sigmund (seit 2024)

Botschafter der Deutschen Demokratischen Republik
Siegfried Fischer (1973–1974, Geschäftsträger) |Horst Brie (1974–1982) |Hans-Dieter Jäger (1982–1988) |Manfred Schmidt (1988–1990)

Personendaten
NAMEGrewe, Wilhelm
ALTERNATIVNAMENGrewe, Wilhelm Georg
KURZBESCHREIBUNGdeutscher Rechtswissenschaftler und Diplomat
GEBURTSDATUM16. Oktober 1911
GEBURTSORTHamburg
STERBEDATUM11. Januar 2000
STERBEORTBonn
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