UnterWestafrika versteht man im Allgemeinen den westlichen Teil desafrikanischen Kontinents, nordwärts bis etwa zur Zentralsahara, im Süden und Westen durch denAtlantischen Ozean begrenzt. Geographisch gesehen gehören zum Westteil Afrikas auch die nördlich der Sahara (und damit inNordafrika) gelegenen Länder desMaghreb.
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Die Großregion erstreckt sich über einen Großteil desAfrikanischen Kontinents, der Teile derSahara im Norden einbezieht und im Süden von den Küstenregionen desAtlantiks bis zu demHochland von Adamaua und demKamerunberg erstreckt. Allgemein umfasst Westafrika den westlichen Teil der Großlandschaften desSahel und desSudans sowie dietropischen Regenwälder derOberguineaschwelle. Das Klima der Großregion ist aufgrund ihrer Ausdehnung höchst unterschiedlich, während der Norden der Region ganzjährig im Einflussgebiet des trockenenPassat-Windes liegt, auchHarmattan genannt, steht der Süden der Region unter Einfluss desWestafrikanischen Monsunsystems und wird alstropisch-wechselfeuchtes Klima bezeichnet, mit regional unterschiedlich ausgeprägtenTrocken- undRegenzeiten.
DieVegetationsformen sind ebenfalls unterschiedlich. Während im Norden die Vegetationsformen der Sahara vorherrschend sind, dehnen sich im Bereich des Sahel dieTrockensavannen derSüdsahara-Gras-und-Strauchsavanne und derSahel-Akazien-Savanne aus. Im Sudan herrschen dieFeuchtsavannen derWestlichen Sudan-Savanne[6] vor, und auf derLuvseite derOberguineaschwelle existiert ein ausgedehnter Regenwald.
Vor der Ankunft der Europäer bestanden in Westafrika bedeutendeReiche wieGhana,Mali undSonghai. Ab dem 15. Jahrhundert gründeten Briten,Brandenburger,Dänen, Franzosen, Niederländer, Portugiesen undSchweden Forts undFaktoreien entlang der Küste, vor allem um den lukrativenSklavenhandel mit Nordamerika betreiben zu können.
Westafrika hatte lange Zeit den Ruf als „Grab des weißen Mannes“. Im 18. Jahrhundert starben 25 bis 75 % der neuankommenden Europäer innerhalb des ersten Jahres nach Ankunft anTropenkrankheiten wieMalaria,Gelbfieber oder derSchlafkrankheit. Später waren es schätzungsweise immer noch gut 10 %.[7] Die Ausbreitung dieser Krankheiten wurde durch die hohe Verbreitung vonMalariamücken undTsetsefliegen sehr begünstigt. Hinzu kamen die schlechten hygienischen Bedingungen während derRegenzeit, welche zusätzlich zurAmöbenruhr führen konnten.
Im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert wurde die koloniale Aufteilung zementiert. In Westafrika lagen um 1900 die ausgedehnten Kolonialgebiete vonBritisch-,Deutsch- undFranzösisch-Westafrika.
Um 1960 kam es zu einer Unabhängigkeitswelle, im Zuge derer zahlreiche westafrikanische Staaten souverän wurden.
Westafrika ist geprägt von den Gegensätzen derfrankophonen undanglophonen Staaten, auch als Folge unterschiedlicher Auffassungen von Kolonialisierung durch Franzosen und Briten. Die Bindungen der ehemaligen Kolonien an ihre Mutterländer sind zum Teil enger als zu den Nachbarländern. Die westafrikanische StaatengemeinschaftECOWAS dient der Integration Westafrikas und bemüht sich in den zahlreichenKrisenregionen um Frieden (Sierra Leone, Liberia, Elfenbeinküste).
Die Sahelstaaten gehören zu den ärmsten der Welt, Nigeria ist trotz Ölreichtums stark unterentwickelt. An den Küsten gibt es Monokulturen einer auf den Export ausgerichteten Landwirtschaft. Eine große Zahl Westafrikaner betreibtSubsistenzwirtschaft.
Eisenbahnen existieren unter anderem als Transportmöglichkeit einigerBinnenstaaten zur Küste infolge kolonialer Wirtschaftspolitik. Nigeria baut seit 2009 sein Schienennetz (1.067-mm-Kapspur und 1.435-mm-Normalspur) aus. DieNigerian Railway Corporation verzeichnete im ersten Halbjahr 2021 Rekordeinkünfte in Höhe von 2,12 MilliardenNaira (ca. 4,664 Mio. Euro), eine Steigerung von 31 % zum Vergleichszeitraum 2019.[8][9]
In Westafrika werden über die Hälfte derafrikanischen Sprachen gesprochen. Es dominieren dienigerkordofanische und dieafroasiatische Sprachgruppe. Bedeutend für die traditionelle Kultur der Savannen- und Regenwaldvölker sind die mündliche Überlieferung des Wissens durchGriots sowie der Gebrauch von Masken und Tänzen zu zeremoniellen Anlässen.
Horst-Günter Wagner:Übervölkerung, agrare Tragfähigkeit und deren geoökologische Grundlagen in Westafrika. S. 167–209, in: Lindauer, M. und A. Schöpf (Hrsg.):Die Erde unser Lebensraum. Überbevölkerung und Unterbevölkerung als Probleme einer Populationsdynamik. 2. Symposium der Universität Würzburg (Symposium 1985). Stuttgart (Klett) 1987,ISBN 3-12-984570-4.
Horst-Günter Wagner:Straßenbau im Sahel von Mali (Gourma) als Entwicklungsinstrument. Erdkunde, Band 42, 1988, S. 214–224.
Horst-Günter Wagner:Wirtschaftsräumliche Folgen von Straßenbaugroßprojekten in westafrikanischen Ländern (Kamerun, Burkina Faso, Mali, Sierra Leone). Würzburger Geogr. Arbeiten, Heft 62, 1984, 79 S.
Thomas Frick:Abenteuer Westafrika: mit 1000 Euro durch Westafrika – Senegal, Gambia, Guinea-Bissau, Marokko und West-Sahara. Epubli Verlag, 2016, 94 S., mit zahlreichen Abbildungen und Karten,ISBN 3-7418-8148-1.