Wega bildet zusammen mit den Hauptsternen der SternbilderSchwan undAdler das Sommerdreieck. Sie ist der fünfthellste Stern amNachthimmel und nachArktur der zweithellste Stern am Nordhimmel. Sie ist etwa 25 Lichtjahre von der Sonne entfernt und damit für einen Stern relativ nahe gelegen. Zusammen mit Arktur und Sirius zählt Wega zu den hellsten Sternen in der Nachbarschaft der Sonne.
Wega wurde von den Astronomen ausgiebig untersucht. Dies führte dazu, dass sie „wohl als der wichtigste Stern nach der Sonne“ gilt.[9] Aufgrund derPräzessionsbewegung der Erde war Wega vor etwa 14.000 Jahren derPolarstern, und dieErdachse wird in etwa 12.000 Jahren wieder in Richtung Wega zeigen. Jedoch wird Wega demHimmelspol bei weitem nicht so nahe kommen wie der derzeitige Polarstern α Ursae Minoris.
Wega diente den Astronomen u. a. alsNullpunkt zurKalibrierung der fotometrischen Helligkeitsskala (siehe auchPolsequenz). Sie war auch einer derA0V-Sterne, die aufgrund ihrer relativ konstanten Intensität im visuellen Bereich desSpektrums als Nullpunkt für die B-V- und U-B-Farbindices im Johnson-Morgan-UBV-System dienten.
Absoluter Größenvergleich zwischen der abgeplatteten Wega in Äquatoransicht (links) und der Sonne (rechts).
Wega ist ein bläulich-weißerHauptreihenstern, der wie alle Hauptreihensterne in seinem Kern Wasserstoff zu Helium fusioniert. Mit einem Alter zwischen 386 und 572 Millionen Jahren zählt Wega zu den noch jüngeren Sternen. Sie ist relativ arm an „Metallen“ (Elemente, die eine höhere Ordnungszahl alsHelium haben).[10] Es wird vermutet, dass Wega einveränderlicher Stern ist, der sich periodisch sehr wenig in seiner Helligkeit ändert.[11] Wega hat etwa die 2,2-fache Masse und die 37-facheLeuchtkraft der Sonne.
Wasserstoff wird im Innern des Sternes durch denBethe-Weizsäcker-Zyklus (CNO-Zyklus) zu Helium fusioniert. Im Kern ist eine Konvektionszone, die nach außen hin in eine Strahlungszone übergeht. Bei der Sonne ist das umgekehrt.[12][13][14]
Das sichtbare Spektrum wird durchAbsorptionslinien des Wasserstoffs, speziell der Linien derBalmer-Serie, dominiert.[15][16] Die Linien der anderen Elemente sind nur schwach ausgeprägt, am ehesten sind noch jene von Magnesium, Eisen und Chrom erkennbar.[17] WegasRöntgenstrahlung ist sehr gering. Dies deutet an, dass ihreKorona sehr schwach ist oder gar nicht existiert.[18]
Da Sterne mit höherer Masse ihrenWasserstoff viel schneller fusionieren als masseärmere Sterne, ist die Lebenszeit von Wega mit 1 Mrd. Jahren (entspricht etwas weniger als einem Zehntel der Lebenszeit der Sonne) entsprechend kurz.[19] Damit hat sie schon bald die Hälfte ihrer Hauptreihenzeit hinter sich. Danach wird sie sich zu einemRoten Riesen der Spektralklasse M aufblähen, um schließlich alsWeißer Zwerg zu enden.
Früher wurde angenommen, dass Wega ein langsam rotierender Stern mit recht konstanter Oberflächentemperatur sei. Nach Messungen vonPetersonrotiert Wega aber sehr schnell (innerhalb 12,5 Stunden), und zwar mit 93 % der Geschwindigkeit, die den Stern zerreißen würde.[6] Am Äquator beträgt dieUmfangsgeschwindigkeit 274 km/s. Wegas Achse ist um 4,5 Grad zu unserer Beobachtungslinie geneigt, daher blickt man von der Erde aus praktisch auf einen ihrer Pole.
Astronomen bezeichnenElemente, derenOrdnungszahl höher als die desHeliums ist, als „Metalle“.DieMetallizität von WegasPhotosphäre beträgt mit [M/H] = −0,5 etwa ein Drittel des Wertes der Atmosphäre der Sonne. Zum Vergleich weistSirius mit [M/H] = +0,5 das dreifache Vorkommen von Metallen gegenüber der Sonne auf. Der Anteil der Elemente, die schwerer als Helium sind, beträgt bei der Sonne etwa: ZSonne = 0,0172 ± 0,002.[20] Damit enthält Wega nur etwa 0,54 % schwerere Elemente als Helium. Wegas ungewöhnlich geringe Metallizität macht sie zu einem schwachenLambda-Bootis-Stern (einer Gruppe von Sternen mit geringer Metallizität).[21][22]
Es bleibt unklar, warum solche Sterne der chemisch ungewöhnlichenSpektralklasse A0-F0 existieren. Eine Möglichkeit besteht in derDiffusion oder im Materieverlust der Sterne; stellare Modelle zeigen jedoch, dass dies normalerweise nur am Ende der Phase derWasserstofffusion auftreten würde. Andererseits könnte der Stern auch aus einerinterstellaren Wolke aus Gas oder Staub entstanden sein, die ungewöhnlich arm an Metallen war.[23]
Das beobachtete Verhältnis von Helium zu Wasserstoff liegt bei Wega bei 0,030 ± 0,005, was etwa 40 % niedriger ist als dasjenige der Sonne. Dies könnte durch das Verschwinden einer Helium-Konvektionszone nahe der Oberfläche verursacht werden. Der Energietransport wird stattdessen durch eine Strahlungszone geleistet, die eine Anomalie der Häufigkeiten durch Diffusion hervorrufen könnte.[24]
Das vomSpitzer-Weltraumteleskop aufgenommene Infrarot-Bild (Wellenlänge 24 µm) zeigt nicht den Stern selbst, sondern die Staubscheibe, die Wega umgibt. Ihr Radius beträgt mindestens 815 AE.
Eines der ersten Ergebnisse desInfrared Astronomical Satellite (IRAS) war die Entdeckung einer erhöhten infraroten Strahlung von Wega. Diese Strahlung kam aus einem Bereich mit einem Radius von 10″ um den Stern. Mit der bekannten Entfernung des Sterns kommt man auf einen Radius von 80 AE. Es wird vermutet, dass diese Strahlung aus einem Bereich kommt, in dem Partikel in der Größenordnung von 1 mm schweben. Kleinere Materieteilchen würden durch denStrahlungsdruck entfernt werden oder durch denPoynting-Robertson-Effekt in den Stern fallen.[26]
Durch die vermehrte Abstrahlung im Infrarotbereich weiß man, dass Wega von einer Gas- und Staubscheibe umgeben ist. Dieser Staub ist wahrscheinlich das Resultat von Kollisionen zwischen Objekten in einer umkreisenden Geröllscheibe. Diese ist demKuipergürtel im Sonnensystem ähnlich.[27]
2003 berechneten britische Astronomen, dass die Eigenschaften dieser Scheibe vermutlich am besten durch einenPlaneten, der demNeptun ähnelt, erklärt werden können. Damit wäre das Wega-System eventuell dasjenige Sternsystem, das demSonnensystem am meisten ähnelt. Das Zentrum derLebenszone von Wega liegt bei 7,1 AE. Ein Planet mit diesem Abstand würde dabei eineUmlaufzeit von 10,9 Jahren haben.[28]
Sterne, die eine übermäßige Abstrahlung aufgrund des Staubes im Infrarotbereich des Spektrums zeigen, werden auch „Wega-artige“ Sterne genannt.[29]Unregelmäßigkeiten in Wegas Staubscheibe könnten auch zumindest auf einen Planeten hindeuten, der eine Größe ähnlich derJupiters aufweisen könnte.[30][31]
Trotz intensiver Suche und vieler Vermutungen konnte bislang noch kein Planet um Wega nachgewiesen werden. Im Januar 2021 meldeten Astronomen die Entdeckung eines Planetenkandidaten in zehn Jahre umfassenden Beobachtungen derRadialgeschwindigkeit Wegas. Dieser mögliche Planet würde eine Masse von mindestens etwa 20 Erdmassen besitzen und Wega auf einer engen Umlaufbahn in nur 2,43 Tagen umkreisen. Wenn man jedoch davon ausgeht, dass er zur Erde eine ähnliche Neigung wie die Rotationsachse Wegas hat, so könnte der Planet sogar beinahe so schwer wie Jupiter sein.[32]
Die scheinbare Bewegung von Wega: die lila Linie zeigt die Eigenbewegung, die grüne Kurvenlinie stellt die tatsächliche Bewegung am Himmel dar (Parallaxe aus Winkelperspektive und Eigenbewegung überlagert).
Obwohl Wega derzeit nur der fünfthellste Stern am Himmel ist, wird sie durch ihreEigenbewegung, die in Richtung der Sonne verläuft, mit der Zeit immer heller. In etwa 210.000 Jahren wird sie der hellste Stern am Nachthimmel sein und dies für etwa 270.000 Jahre bleiben. Die maximale scheinbare Helligkeit, die sie erreicht, wird in 290.000 Jahren bei −0,81 mag liegen.[33]
In der chinesischen Liebesgeschichte vomKuhhirten und der Weberin, die alljährlich in China alsQixi und in Japan alsTanabata gefeiert wird, ist Wega der „Stern der Weberin“ (chinesisch織女星 / 织女星,PinyinZhīnǚ Xīng, jap.shokujo-sei bzw.織姫星,Orihime-boshi), die durch den „Himmelsfluss“ (Milchstraße) vom Kuhhirten (Altair) getrennt ist.
In zahlreichen Titeln speziell osteuropäischerScience-Fiction wird die Wega als Sehnsuchtsziel irdischer Raumfahrer oder als Sitz außerirdischer Zivilisationen thematisiert. So hat der Protagonist der RomanreiheMenschen wie Götter eine Liebesaffäre mit einem Wesen von einer Wega-Welt.
Invasion von der Wega (Originaltitel The Invaders) ist eine US-amerikanische Science-Fiction-Serie der 1960er/70er-Jahre.
In den ersten sechs Folgen der HörspielserieCommander Perkins von 1976–78 spielt der achte Planet der Wega die Hauptwelt der Serie. Vorlage ist die SeriePerry Rhodan, in der Wega ein System von 42 Planeten besitzt und die auch den achten Planeten der Wega als eine Romangrundlage sah.
In der 16. Folge derJan Tenner Hörspielserie von 1984 landet Jan Tenner auf dem fünften Planeten des Wega-Systems und rettet entführte Kinder.
Die männliche Hauptperson Adam Bates aus dem RomanAdam und Lisa (1986) vonMyron Levoy behauptet, er stamme vom Planeten Wega X. Es ist sein Versuch, seine schlimme Kindheit zu vergessen, in der er von seinem Vater mit einer Kette misshandelt wurde.
Im 1997verfilmten RomanContact vonCarl Sagan wird ein verschlüsseltes Radiosignal, das den Bauplan einer Transport-Maschine enthält, aus der Richtung der Wega empfangen. Die im Film vonJodie Foster gespielte Protagonistin Eleanor „Ellie“ Arroway reist mit einer nach diesem Plan gebauten Maschine zum Wega-System.
Es gibt eine im März 2011 gegründete Celestial-Rock-Band aus den USA mit dem NamenSignals to Vega.
Das japanische KartenspielYu-gi-oh enthält eine Karte für die Wega.
↑J. P. Aufdenberg, Mérand, A.; Coudé du Foresto, V.; Absil, O; Di Folco, E.; Kervella, P.; Ridgway, S. T.; Berger, D. H.; ten Brummelaar, T. A.; McAlister, H. A.; Sturmann, J.; Turner, N. H.:First Results from the CHARA Array. VII. Long-Baseline Interferometric Measurements of Vega Consistent with a Pole-On, Rapidly Rotating Star. In:The Astrophysical Journal. 645. Jahrgang, 2006,S.664–675,doi:10.1086/504149,arxiv:astro-ph/0603327,bibcode:2006ApJ...645..664A (englisch).
↑T. Kinman: "The determination of Teff for metal-poor A-type stars using V and 2MASS J, H and K magnitudes" in "Astronomy and Astrophysics", September 2002,bibcode:2002A&A...391.1039K.
↑Austin F. Gulliver, Hill, Graham; Adelman, Saul J.:Vega: A rapidly rotating pole-on star. In:The Astrophysical Journal. 429. Jahrgang,Nr.2, 1994,S.L81-L84,bibcode:1994ApJ...429L..81G (englisch).
↑T. Kinman, Castelli, F.:The determination of Teff for metal-poor A-type stars using V and 2MASS J, H and K magnitudes. In:Astronomy and Astrophysics. 391. Jahrgang, 2002,S.1039–1052,bibcode:2002A&A...391.1039K (englisch).
↑Vasil'yev I.A.: On the Variability of Vega. Commission 27 of the I.A.U., 17. März 1989, abgerufen am 30. Oktober 2007 (englisch).
↑Matthew Browning, Brun, Allan Sacha; Toomre, Juri:Simulations of core convection in rotating A-type stars: Differential rotation and overshooting. In:Astrophysical Journal. 601. Jahrgang, 2004,S.512–529,doi:10.1086/380198 (englisch).
↑Thanu Padmanabhan:Theoretical Astrophysics. Cambridge University Press, 2002,ISBN 0-521-56241-4 (englisch).
↑Kwong-Sang Cheng: Chapter 14: Birth of Stars. In: Nature of the Universe. Honk Kong Space Museum, 2007, archiviert vom Original (nicht mehr online verfügbar) am 23. April 2012; abgerufen am 26. November 2007 (englisch).
↑Michael Richmond: The Boltzmann Equation. Rochester Institute of Technology, abgerufen am 15. November 2007.
↑Donald D. Clayton:Principles of Stellar Evolution and Nucleosynthesis. University of Chicago Press, 1983,ISBN 0-226-10953-4 (englisch).
↑E. Michelson:The near ultraviolet stellar spectra of alpha Lyrae and beta Orionis. In:Monthly Notices of the Royal Astronomical Society. 197. Jahrgang, 1981,S.57–74,bibcode:1981MNRAS.197...57M (englisch).
↑J. H. M. M. Schmitt:Coronae on solar-like stars. In:Astronomy and Astrophysics. 318. Jahrgang, 1999,S.215–230,bibcode:1997A&A...318..215S (englisch).
↑J. G. Mengel, Demarque, P.; Sweigart, A. V.; Gross, P. G.:Stellar evolution from the zero-age main sequence. In:Astrophysical Journal Supplement Series. 40. Jahrgang, 1979,S.733–791,bibcode:1979ApJS...40..733M (englisch).
↑H. M. Antia, Basu, Sarbani:Determining Solar Abundances Using Helioseismology. In:The Astrophysical Journal. 644. Jahrgang,Nr.2, 2006,S.1292–1298,bibcode:2006astro.ph..3001A (englisch).
↑P. Renson, Faraggiana, R.; Boehm, C.:Catalogue of Lambda Bootis Candidates. In:Bulletin d'Information Centre Donnees Stellaires. 38. Jahrgang, 1990,S.137–149,bibcode:1990BICDS..38..137R (englisch).—Entry for HD 172167 on p. 144.
↑H. M. Qiu, Zhao, G.; Chen, Y. Q.; Li, Z. W.:The Abundance Patterns of Sirius and Vega. In:The Astrophysical Journal. 548. Jahrgang,Nr.2, 2001,S.77–115,bibcode:2001ApJ...548..953Q (englisch).
↑Peter Martinez, Koen, C.; Handler, G.; Paunzen, E.:The pulsating lambda Bootis star HD 105759. In:Monthly Notices of the Royal Astronomical Society. 301. Jahrgang,Nr.4, 1998,S.1099–1103,bibcode:1998MNRAS.301.1099M (englisch).
↑Saul J. Adelman, Gulliver, Austin F.:An elemental abundance analysis of the superficially normal A star VEGA. In:Astrophysical Journal, Part 1. 348. Jahrgang, 1990,S.712–717,bibcode:1990ApJ...348..712A (englisch).
↑D. A. Harper, Loewenstein, R. F.; Davidson, J. A.:On the nature of the material surrounding VEGA. In:Astrophysical Journal, Part 1. 285. Jahrgang, 1984,S.808–812,bibcode:1984ApJ...285..808H (englisch).
↑K. Y. L. Su, Rieke, G. H.; Misselt, K. A.; Stansberry, J. A.; Moro-Martin, A.; Stapelfeldt, K. R.; Werner, M. W.; Trilling, D. E.; Bendo, G. J.; Gordon, K. D.; Hines, D. C.; Wyatt, M. C.; Holland, W. S.; Marengo, M.; Megeath, S. T.; Fazio, G. G.:The Vega Debris Disk: A Surprise from Spitzer. In:The Astrophysical Journal. 628. Jahrgang, 2005,S.487–500,doi:10.1086/430819,arxiv:astro-ph/0504086,bibcode:2005ApJ...628..487S (englisch).
↑Vega. Sol Company, abgerufen am 24. Juni 2009 (englisch).
↑D. Wilner, Holman, M.; Kuchner, M.; Ho, P.T.P.:Structure in the Dusty Debris around Vega. In:The Astrophysical Journal. 569. Jahrgang, 2002,S.L115-L119,bibcode:2002ApJ...569L.115W (englisch).
↑M. Wyatt:Resonant Trapping of Planetesimals by Planet Migration: Debris Disk Clumps and Vega's Similarity to the Solar System. In:The Astrophysical Journal. 598. Jahrgang, 2002,S.1321–1340,bibcode:2003ApJ...598.1321W (englisch).
↑Spencer A. Hurt, Samuel N. Quinn, David W. Latham, Andrew Vanderburg, Gilbert A. Esquerdo, Michael L. Calkins, Perry Berlind, Ruth Angus, Christian A. Latham, George Zhou:A decade of radial-velocity monitoring of Vega and new limits on the presence of planets. In:The Astronomical Journal.Band161,Nr.4, 21. Januar 2021,doi:10.3847/1538-3881/abdec8,arxiv:2101.08801.