DieWeb Ontology Language (kurzOWL – zum Akronym OWL statt WOL siehe weiter unten) ist eine Spezifikation desWorld Wide Web Consortiums (W3C), umOntologien anhand einer formalen Beschreibungssprache erstellen, publizieren und verteilen zu können. Es geht darum, Termini einerDomäne und deren Beziehungen formal so zu beschreiben, dass auch Software (z. B.Agenten) die Bedeutung verarbeiten („verstehen“) kann. OWL ist somit ein wesentlicher Bestandteil derSemantic-Web-Initiative vonTim Berners-Lee. OWL basiert technisch auf derRDF-Syntax und historisch aufDAML+OIL und geht dabei über die Ausdrucksmächtigkeit vonRDF-Schema weit hinaus. Zusätzlich zu RDF und RDF-Schema werden weitere Sprachkonstrukte eingeführt, die es erlauben, Ausdrücke ähnlich derPrädikatenlogik zu formulieren.
DasAkronym fürWeb Ontology Language hätte eigentlichWOL, nichtOWL sein müssen. Über den Ursprung des Buchstabenverdrehers findet man Antwort in den Archiven des W3C. Der Name OWL ist offensichtlich von Tim Finin auf einer Mailingliste vorgeschlagen worden.[1] Die von ihm ursprünglich genannten Gründe sind wie folgt:
Die genannte Hintergrundgeschichte betrifft ein Projekt von William A. Martin am MIT aus den 1970er Jahren mit dem NamenOne World Language, einem frühen Versuch der Entwicklung einer universellen Sprache für die Wissensrepräsentation.Der Buchstabenverdreher ist hingegen keine Anspielung auf die literarische Figur der Eule ausMilnesPu der Bär, die als einziges Tier im Wald ihren Namen schreiben kann – allerdings mit einem Buchstabendreher, im englischen OriginalWOL stattOWL.[2]
Es gibt OWL in drei verschiedenen Versionen. Dazu wurden die SprachebenenOWL Lite,OWL DL undOWL Full definiert. Für den Einsatz von OWL Lite/DL wurden Einschränkungen definiert, welche die Entwicklung von Tools erleichtern bzw. vollständigeInferenz ermöglichen sollen.
Die „Light-Version“ wurde mit dem Ziel geschaffen, eine einfach zu implementierende Untermenge der Sprache zu schaffen. Sie dient vor allem zum Erschaffen einfacherTaxonomien und leicht axiomatisierter Ontologien. Dabei sind verschiedene Sprachkonstrukte aus OWL DL nicht vorhanden.
Dies ist die Ebene, deren Semantik noch am ehesten anDAML+OIL heranreicht.DL steht für dieBeschreibungslogik (description logic), welche zu einerentscheidbaren Untermenge derPrädikatenlogik erster Stufe äquivalent ist.Um die Abbildbarkeit auf diese Logik zu gewährleisten, wurden diverse Einschränkungen für den Einsatz vonRDFS-Konstrukten eingefügt, zum Beispiel darf eine Klasse nicht Instanz einer anderen Klasse sein.
OWL Full besteht aus denselben Sprachkonstrukten wie OWL DL, verzichtet aber auf die dort vorhandenen Einschränkungen. Dadurch sind die Ontologien unentscheidbar, können dafür aber prädikatenlogische Ausdrücke höheren Grades ermöglichen.
Die Spezifikation erweitert die Bedeutung vonRDF undRDF-Schema um weitere Konstrukte, um die Ausdrucksmächtigkeit zu steigern (oder teilweise auch einzuschränken, umEntscheidbarkeit zu erreichen).
Das Ziehen von logischen Schlussfolgerungen basiert in OWL allgemein auf dem Konzept der sogenanntenOpen World Assumption – kurz OWA. Die Open World Assumption (Offene-Welt-Annahme) bedeutet, dass ein Reasoner annimmt, dass etwas existiert, solange nicht explizit definiert wurde, dass es nicht existiert. Allgemein ausgedrückt gilt: Solange etwas nicht als zutreffend ausgesagt wurde, nimmt ein Reasoner nicht an, dass es unzutreffend ist. Es wird lediglich angenommen, dass das Wissen noch nicht zur Wissensbasis hinzugefügt wurde.
OWL unterscheidet Klassen, Eigenschaften (properties) undInstanzen. Klassen stehen für Begriffe (auch Konzepte; engl.concepts). Sie können Eigenschaften besitzen. Instanzen sind Individuen einer oder mehrerer Klassen.
Das Beispiel beschreibt die Begriffe <Person>, <Gender> und <Woman>. Eine Frau ist definiert als eine <Person> mit dem Wert <female> im Property <gender>, das der Klasse <Gender> angehören muss. Die Instanz <STilgner> ist somit als <Person> beschrieben eine Frau (<Woman>). MittelsInferenz kann diese Zugehörigkeit ermittelt werden.
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