


EinWarenhaus ist ein großes, in der Regel mehrstöckigesEinzelhandelsgeschäft mit großerVerkaufsfläche, in demWaren jeglicher Art zum Kauf angeboten werden. Es ähnelt einemKaufhaus, hat gegenüber dem jedoch eine größere Verkaufsfläche und ein breiteres Sortiment, zu dem auch eine Lebensmittelabteilung gehört.
Warenhäuser sind nach derzeitiger deutscher Konvention mit einer Verkaufsfläche von mindestens 3000 m² ausgestattet und verfügen über eine hoheSortimentsbreite undSortimentstiefe.[1] Typisch für Warenhäuser ist ihr Angebot anLebensmitteln (englischfood-Sektor) und anderen Waren (englischnon-food-Sektor), während inKaufhäusern keine Lebensmittel geführt werden.[2] Die große Verkaufsfläche gestattet geräumigeKontaktstrecken, die an den Waren vorbeiführen. Kaufhäuser dagegen weisen eine Verkaufsfläche zwischen 1500 m² und 3000 m² auf, was ein kleineres Sortiment zulässt.
Aufgrund der Größe handelt es sich bei dieser Vertriebsform umgroßflächige Einzelhandelsbetriebe. Warenhäuser sind vorwiegend in der Innenstadt zu finden, inzwischen zunehmend inEinkaufszentren. Warenhäuser werden meist von großenHandelsketten betrieben, können jedoch auch in speziellen Sparten (z. B.Kosmetik,Technik) untervermietet sein. Im Gegensatz zu einemSupermarkt spielt das Angebot anLebensmitteln in einem Warenhaus eine eher untergeordnete Rolle.
Vom Warenhaus zu unterscheiden ist das Selbstbedienungswarenhaus (kurzSB-Warenhaus), das zwar auch über eine Fläche von mindestens 3000 m² verfügt, jedoch seinen Schwerpunkt im Bereich Lebensmittel hat (z. B.Kaufland,Marktkauf undReal). Die SB-Warenhäuser bieten im Lebensmittelbereich ein breites und tiefes Angebot und zeichnen sich durch eine Dauerniedrigpreis- oder Sonderangebotspolitik aus. Ihre Standorte sind meist autokundenorientiert.
Umgangssprachlich werden die Begriffe Warenhaus undKaufhaus weitgehend synonym verwendet. Die beidenBetriebsformen unterscheiden sich jedoch in derSortimentsgestaltung.
Die klassischen innerstädtischen Warenhäuser entwickelten sich in den Metropolen der sichindustrialisierenden Länder ab dem 19. Jahrhundert. Besonderen Vorbildcharakter hatten dabeiFrankreich und die USA. Wie kaum einer anderenBetriebsform des Einzelhandels ist es den Warenhäusern gelungen, die Menschen mitKonsumgütern aus allen Kulturen zu versorgen und damit die kulturelle Funktion des Handels zu betonen.

Vorstufen der Warenhäuser waren die überdachtenEinkaufspassagen des frühen 19. Jahrhunderts, in denen nach orientalischem Vorbild hunderte von Einzelhändlern gemeinsam ihre Waren ausstellten, beispielsweise 1825 derGrand bazar (deutsch„großer Basar“) inParis mit über 300 Einzelgeschäften. Ähnlich 1827 derBazar de l’industrie, ein bereits um eine mehrgeschossige Halle zentrierter Baukomplex. Bis heute besteht diese Verwandtschaft vonMarkthalle undGemeinschaftswarenhaus.
In Abteilungen gegliederte Großläden gab es bereits im ersten Drittel des 19. Jahrhunderts, allerdings in eher schmuckloser Form, in den angelsächsischen Ländern. Um die Mitte des 19. Jahrhunderts verbreitete sich aber, von Paris ausgehend, das zentral geführte, in Abteilungen gegliederte, moderne innerstädtische Großwarenhaus, gekennzeichnet durch beeindruckende, offen dargebotene Warenfülle,Festpreise, freien Eintritt, großzügigesUmtauschrecht, intensive Reklame und dadurch großen Umsatz bei relativ kleinemGewinnaufschlag. Diesen Typus von Vertriebsform beschrieb 1884Émile Zolas RomanAu bonheur des dames, (deutschDas Paradies der Damen) exemplarisch.Le Bon Marché, 1852 durchAristide Boucicaut gegründet, lieferte hier das Vorbild, aber auch dessen Konkurrenten, dieGrands Magasins du Louvre, 1855 gegründet vonAlfred Chauchard, das WarenhausÀ la Belle Jardinière (1856), das 1865 durchJules Jaluzot gegründetePrintemps oderLa Samaritaine, die ebenfalls 1865Ernest Cognacq undMarie-Louise Jaÿ gründeten. Aus einem kleinen Wäscheladen entwickelten sich nach 1894 dieGaleries Lafayette, heute eine Kaufhauskette.

1834 eröffnete in LondonHarrods.

In Deutschland kam es erst etwas später zur Gründung von Großwarenhäusern. Die Gründer moderner Warenhäuser kamen häufig aus demTextilhandel, beispielsweise Boucicaut, Marie-Louise Jaÿ,August Herzmansky,Max Emden undAlfred Gerngross. Das Warenhaus war die erste jener modernen Großvertriebsformen des Einzelhandels in Deutschland, die die Rolle des kleinen Kaufmanns durch ihre übermächtige Konkurrenz bedrängten.
Es kam daher früh zu einer – oft moralisch gefärbten – Kritik am Warenhauswesen, zur Forderung nach eigenenWarenhaussteuern und zu Versuchen, die Entwicklung der Warenhäuser zu hemmen. In Mitteleuropa, wo viele der Warenhausgründer jüdischer Herkunft waren, kam dazu um 1900 ein deutliches Element desAntisemitismus, das auch in der antikapitalistischen Rhetorik desNationalsozialismus hervorgekehrt wurde.[3] DasParteiprogramm der NSDAP forderte unter anderem die sofortige Kommunalisierung der Groß-Warenhäuser und ihre Vermietung zu billigen Preisen an kleine Gewerbetreibende. DerKampfbund für den gewerblichen Mittelstand unterTheodor Adrian von Renteln forderte die Schließung aller Warenhäuser, derEinheitspreisgeschäfte, Konsumgenossenschaften und Filialkettenläden.[4] Nach derMachtergreifung der NSDAP kam es dann aber zwar zu Einzelaktionen wie demWarenhaussturm in Braunschweig und zu systematischen „Arisierungen“, der Modernisierungsprozess im Einzelhandel wurde dadurch allerdings nicht aufgehalten.
Nach 1945 und speziell ab den 1960er Jahren zählten dann auch die traditionellen Warenhäuser zu seinen Verlierern, sie verloren mit dem Vordringen derSelbstbedienung und des vorstädtischenEinkaufszentrums ihre Lage- und Preisvorteile und gerieten in vielen Staaten in eine massive Krise – in den „Untergang im Warenmeer“, den ihr Biograph Klaus Strohmeyer schon früh beschwor.
Hatten einst die Warenhäuser den Einzelhandel verdrängt, so verdrängten jetzt große Spezialmärkte zumeist „auf der grünen Wiese“ die klassischen Warenhäuser, welche das Sortiment nun einschränkten. Als erstes wurden Möbel aus dem Sortiment genommen, später folgten teilweise die Heimwerker- und Lebensmittelabteilungen. In den Zentren der Großstädte entwickelten die Warenhauskonzerne (besondersKarstadt) eigene große Fachmarkt-Warenhäuser u. a. für Sportartikel, Unterhaltungselektronik und Haushaltsgeräte, Spielwaren. Die Haupthäuser wurden dabei zu Modefilialen mitParfümerie, Bücher-, Uhren- aber auch Haushaltswarenabteilungen.Kaufhof (bzw. dieMetro AG) entwickelte ein Spezialunternehmen für Unterhaltungs-, Foto- und Haushaltsgeräte (Media-Saturn-Holding) und gliederte aus vielen Häusern die Medienabteilungen als eigenständigeSaturn-Filialen aus.
Bis in die 1980er Jahre gab es in Deutschland fünf große Warenhauskonzerne: Karstadt, Kaufhof,Hertie,Horten,Quelle. Daneben betriebenNeckermann undKaufring eigene Großwarenhäuser. Die großen Konzerne versuchten in den 1970er/80er Jahren eine Geschäftsausdehnung mitSB-Warenhäusern zu erreichen (dazu auchOtto-Versand), scheiterten damit aber schnell. Mittlerweile gibt es in Deutschland nur noch einen einzigen Warenhauskonzern im klassischen Sinn,Galeria Karstadt Kaufhof, der seine Häuser nach und nach auf die einheitliche Marke Galeria umstellt. Eine eigenständige Tradition haben demgegenüber Billigwarenhausketten bzw. Warenhäuser ohne Vollsortiment. Bekannte Namen waren:Bilka (Hertie),Kepa (Karstadt),Kaufhalle (Kaufhof),DeFaKa (Horten) undWoolworth.
Schon an der stark gesunkenen Zahl der Warenhauskonzerne in Deutschland ist die seit den 1990er Jahren geringer gewordene Bedeutung des Warenhauses erkennbar. In der Gegenwart werden der Online-Handel, die generell gesunkene Attraktivität der Innenstädte und ein geändertes Einkaufsverhalten als Gründe für den Niedergang des Warenhauses genannt.[5]

In derDDR gab es zwei Warenhausketten, dieCentrum Warenhäuser derHandelsorganisation (HO) und dieKonsument-Warenhäuser der Konsumgenossenschaft (Konsum (Unternehmen)). 1965 entstand das erste Centrum-Warenhaus der DDR in Karl-Marx-Stadt (im ehemaligenKaufhaus Schocken Chemnitz). Sie wurden nach der politischenWende unter den damals noch vier westdeutschen Großkonzernen (Quelle war bereits ausgeschieden) aufgeteilt. Die Konsumentgruppe kam dabei zur Horten AG.
Eine bekannte Warenhauskette inDeutschland ist beispielsweiseGaleria. 1879 eröffnete der KaufmannLeonhard Tietz inStralsund sein erstes kleineres Textil-Einzelhandelsgeschäft, um dann der wirtschaftlichen Logik folgend ins heutigeWuppertal-Elberfeld zu gehen, das damals als selbständige StadtElberfeld zusammen mit seiner ZwillingsstadtBarmen den ersten großen industriellen Ballungsraum Kontinentaleuropas bildete und Hauptsitz der meisten großen Textilunternehmen war, von denen er seine Waren bezog. Er verlegte den Firmensitz nach Elberfeld und gründete hier in derHerzogstraße 1885 das erste Warenhaus klassischer französischer Prägung in Deutschland. Die Warenhausidee griff er hierbei von den Franzosen auf, die dieses Mehrabteilungssystem in einem Haus erfunden hatten. 1891 folgte eine Filiale inKöln und 1905 gründete Tietz die erste Aktiengesellschaft eines Warenhauses. Ebenfalls 1905 eröffneten in München die beiden WarenhäuserOberpollinger in der Neuhauser Straße undTietz am Bahnhofplatz, später kam derRoman Mayr (heute Galeria Kaufhof) am Marienplatz hinzu.
Sehr bekannt ist das 1907 eröffneteBerlinerKaufhaus des Westens (KaDeWe), das mit seiner 60.000 m² umfassenden Verkaufsfläche jahrzehntelang als Symbol für den materiellenWohlstand der westlichen Welt galt. Es gehörte ebenso wie das 1912 in Hamburg eröffneteAlsterhaus zum Hertie-Konzern (heute Karstadt). Auch 1912 eröffnete in der Mönckebergstraße in Hamburg Deutschlands zweitgrößtes Warenhaus, dasKarstadt MÖ, das heute zusammen mit dem Sporthaus eine Verkaufsfläche von 43.700 m² ausweisen kann.
Weitere große Warenhäuser sind das vormals zu Hertie gehörendeKarstadt München Bahnhofplatz mit knapp 40.000 m² Verkaufsfläche, derGaleria Kaufhof in der Hohen Straße in Köln (36.000 m² Verkaufsfläche), derGaleria Kaufhof am Berliner Alexanderplatz (36.000 m²), das Münchener KaufhausOberpollinger (33.000 m²), Karstadt in Frankfurt/Main (ca. 34.000 m²) und in der BremerObernstraße (33.600 m²) sowie dasBreuninger-Haupthaus in Stuttgart (35.000 m² Verkaufsfläche), das allerdings einen deutlichen Schwerpunkt auf Bekleidung legt und somit eher Kauf- als Warenhaus ist. Dresden war Schauplatz der dritten Eröffnung eines großen Warenhauses im Jahre 1912. Dort öffnete in derPrager Straße das1945 ausgebrannte und bis 1953 abgerisseneResidenz-Kaufhaus seine Pforten. Seit 1995 steht an seiner Stelle einneues Warenhaus mit 30 000 m² Verkaufsfläche. Kunsthistorisch bedeutend ist das Jugendstilwarenhaus inGörlitz (Kaufhaus Görlitz).
1896 gründeteJulius Brann das ersteSchweizer Warenhaus.[6] Bekannte Waren- und Kaufhausketten in der Schweiz sindManor,Coop City,Loeb undGlobus, inÖsterreichGerngross,Kastner & Öhler,Manufactum undDEZ sowie in BelgienInno.
International bekannte Warenhäuser, teilweise mit kleineren Filialen in anderen Städten, sind u. a.Printemps und dieGaleries Lafayette inParis,Harrods,Liberty’s undSelfridges inLondon,El Corte Inglés inMadrid und allen großen Städte Spaniens,Macy’s,Saks Fifth Avenue undBloomingdale’s inNew York,Neiman Marcus inDallas und anderen Städten der USA,La Rinascente inMailand,Rom und anderen italienischen Städten,Takashimaya undMitsukoshi inTokio, dasWarenhaus GUM inMoskau sowie derGostiny Dwor inSankt Petersburg.
Nach demKrieg, insbesondere in den 50er Jahren nahm Deutschland eine Vorreiterrolle in der Warenhausarchitektur ein, da dieStadtkerne zerstört waren. Die Stadtplaner suchten nach Möglichkeiten, die Innenstädte wieder zu beleben, wobei Warenhäuser an zentralen Stellen als Anziehungspunkte wirken sollten, um vorhandene Einkaufsgegenden zu stärken oder zu verlagern. Obwohl in den meisten Fällen neue Gebäude entstanden, wurden vereinzelt auch alte zum Teil kriegsbeschädigte Gebäudeteile in die Neubauten integriert und durch eine einheitliche Fassade kaschiert. Zunehmend wurde die Architektur und vor allem die fensterlose Fassade in das Corporate Design der Unternehmen mit einbezogen. Beispiele sind die Neubauten vonMarcel Breuer für die niederländische KetteDe Bijenkorf und die Verwendung derHortenkachel durchEgon Eiermann. Kaufhof verwendete weiße Fassadenplatten. DieCentrum Warenhaus in der DDR ließ alle Bauten von bekannten Metallgestaltern des Landes mitentwerfen.
Trotz den Bestrebungen der „autogerechten Stadt“ war das größte Problem der Mangel und die Schaffung von Parkmöglichkeiten für die Kunden. Viele der frühenParkhäuser entstanden daher als architektonische Einheit in Verbindung mit Warenhäusern. Zum Angebot der Warenhäuser gehören auch gastronomische Angebote, wieRestaurants undSchnellrestaurants, die häufig mit niedrigen Preisen Besucher in das Haus locken sollen.
Die ornamental gerasterten fensterlosen Fassaden wurden seit den 1980er Jahren mehr und mehr geöffnet und aufgelockert. Die Warenhäuser wurden auch mitEinkaufszentren kombiniert.