AlsWahrheitsseren werdenpsychoaktive Substanzen bezeichnet, welche geeignet sind, Informationen von einer Person gegen ihren Willen leichter zu erhalten. Durch den Einsatz von Drogen sollen beispielsweise derWille, dasBewusstsein und dieEntscheidungsfähigkeit manipuliert werden, um an bestimmte Informationen zu gelangen. Die Anwendung eines Wahrheitsserums wird meist imgeheimdienstlichen Umfeld vermutet und ist international als eineForm von Folter geächtet.
In der Vergangenheit sind verschiedene Substanzen als Wahrheitsdrogen versucht worden. NebenAlkohol und Pflanzenextrakten wurden auchBarbiturate, halluzinogene Drogen (wieLSD),4-Hydroxybutansäure undOpiate zu diesem Zweck eingesetzt.
Zu den bekannten chemischen Substanzen, die für diesen Zweck eingesetzt werden können, zählenTranquillanzien oderSchlafmittel, die höhere kognitive Funktionen verändern, wieEthanol,Scopolamin (Robert Ernest House 1924),3-Chinuclidinylbenzilat, hypnotischeBenzodiazepine wieMidazolam,Flunitrazepam,Temazepam und verschiedene kurzwirkendeBarbiturate wieThiopental, schnellwirkende Barbiturate, welche auch alsPentothal,Natriumpentothal oderNatriumamytal bezeichnet werden, undAmobarbital, auch bekannt alsNatriumamytal (engl.Sodium Amytal, siehe Bild).[1]
Die Wirkungsweise des Wahrheitsserums besteht meist darin, das Urteilsvermögen und die Konzentrationsfähigkeit einer Person zu beeinträchtigen und/oder diesekommunikativer zu machen. In Folge kann einVerhörspezialist durch eine geschickte Befragung versuchen, die Preisgabe der gewünschten Information zu erzwingen.
Es ist jedoch ein verbreiteter Irrglaube, dass die Anwendung eines so genannten Wahrheitsserums einen Menschen automatisch dazu verleitet, dieWahrheit zu sagen. Die unter dem Einfluss der Droge stehende Person kann genauso lügen wie zuvor, sie wird jedoch anfälliger fürSuggestionen.
Des Weiteren kann es zu einer Vermischung von Realität und Fiktion durch drogeninduzierteHalluzinationen kommen. Auch können die Substanzen zu unerwünschten Nebenwirkungen bis zum Tod führen.[2]
Im Zuge desKalten Krieges kam es in denUSA zu zahlreichen Forschungsprogrammen im Bereich Wahrheitsserum undBewusstseinskontrolle, so zum Beispiel ein Programm derCIA namensMKULTRA (Nachfolger vonOperation Artischocke), das unter anderem tausendeMenschenversuche umfasste, bei denen ahnungslose Testpersonen unter Krankenhauspatienten und Gefängnisinsassen ausgewählt und unter halluzinogene Drogen wieLSD gesetzt wurden. Ziel des Projekts war es, ein perfekt funktionierendes Wahrheitsserum zu finden.
1989 wurde Mitgliedern derIssadin-al-Kassam-Brigaden vomSchin Bet neben anderen Foltermethoden Natriumpentothal injiziert, nachdem zwei Mitglieder den israelischen Soldaten Ilan Saadon ermordet hatten.[3][4]
Heutzutage ist Indien eines der wenigen Länder (wenn nicht das einzige), in dem Gerichte die Verwendung von Wahrheitssera in besonderen Fällen, wie z. B. nach denTerroranschlägen in Mumbai 2008 oder besonders spektakulären Mordfällen, gestatten.[5]