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Wahl des deutschen Bundespräsidenten 2012

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Wahl des Bundespräsidenten
durch die15. Bundesversammlung
(1240 Mitglieder – absolute Mehrheit: 621)
Standarte des Bundespräsidenten
Standarte des Bundespräsidenten
Berlin, 18. März 2012

Joachim Gauck (parteilos)
Erster Wahlgang991  
79,9 %
Beate Klarsfeld (parteilos / VorschlagLinke)
Erster Wahlgang126  
10,2 %
Olaf Rose (NPD)
Erster Wahlgang3  
0,2 %

Bundespräsident
vor der Wahl
Horst Seehofer (geschäftsführend)
CSU
Sitzverteilung in der 15. Bundesversammlung
         
Insgesamt 1240 Sitze

Am 18. März 2012 wählte die 15.Bundesversammlung imReichstagsgebäude inBerlinJoachim Gauck im ersten Wahlgang zum elftenBundespräsidenten derBundesrepublik Deutschland.

Hintergrund und Wahltermin

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Ort der Wahl: der Plenarsaal im Reichstagsgebäude

Am 17. Februar 2012 war der zehnte BundespräsidentChristian Wulff von seinemAmt zurückgetreten. Er war damit nach seinem direkten VorgängerHorst Köhler der zweite Bundespräsident, der seineAmtszeit mit sofortiger Wirkung beendete. Zu den Gründen, die Wulff dazu veranlassten, sieheWulff-Affäre. Die Amtsgeschäfte des Bundespräsidenten führte nach dem Rücktritt Wulffs vorübergehend derPräsident des deutschen Bundesrates,Horst Seehofer (CSU).

NachArt. 54 Abs. 4Grundgesetz (GG) hatte die Bundesversammlung zur Neuwahl des Bundespräsidenten spätestens 30 Tage nach dem Rücktritt zusammenzutreten.

Die vom saarländischen Landtag zu wählenden Mitglieder der 15. Bundesversammlung wurden durch den bereitsaufgelösten Landtag bestimmt, dessenWahlperiode gemäß Art. 67 Abs. 1 Satz 2 derVerfassung des Saarlandes erst mit dem Zusammentritt des Landtages endet, der am 25. März 2012neu gewählt wurde. Dernordrhein-westfälische Landtag war seit dem 14. März aufgelöst, dort endete die Wahlperiode auch zu diesem Zeitpunkt, jedoch wurden die Delegierten bereits am 28. Februar bestimmt.

Der 17. Deutsche Bundestag war der erste Bundestag, der an zwei Bundesversammlungen mitwirkte. Die LandtageBayerns,Hessens undNiedersachsens hatten innerhalb von nur einer Wahlperiode Delegierte für drei Bundesversammlungen zu wählen.

Als Leiter der Bundesversammlung (§ 8 BPräsWahlG) erinnerte der Präsident des Bundestages,Norbert Lammert (CDU), in seiner Eröffnungsansprache an den18. März als einen Tag, der „wie nur wenige andere in einer bemerkenswerten Traditionslinie der deutschen Geschichte“ stehe: Proklamation derMainzer Republik 1793, Beginn des Barrikadenkampfes während derMärzrevolution 1848 in Berlin undVolkskammerwahl 1990.[1] Lammerts Freude über die „glückliche Fügung“ einer Bundespräsidentenwahl an einem 18. März, nach der „– den in der Verfassung vorgesehenen Normalfall vorausgesetzt, dass wir wieder in den üblichen Fünfjahresrhythmus zurückkehren – […] künftig jeder Bundespräsident an einem 18. März gewählt oder vereidigt werden könnte“,[2] war allerdings von vornherein utopisch. Es war abzusehen, dass die Amtszeit des am 18. März 2012 gewählten Bundespräsidenten am selben Tag beginnen[3] und fünf Jahre später mit dem 18. März 2017 enden werde. Die Bundesversammlung hat jedoch spätestens dreißig Tage vor Ablauf der Amtszeit des Bundespräsidenten zusammenzutreten,Art. 54 Abs. 4 GG. Dienächste fand daher am 12. Februar 2017 statt und die Vereidigung des neuen PräsidentenFrank-Walter Steinmeier nicht am letzten Tag der Amtszeit seines Vorgängers, sondern am 22. März 2017.[4]

Kandidaten

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  • Joachim Gauck (2011)
    Joachim Gauck (2011)
  • Beate Klarsfeld (2012)
    Beate Klarsfeld (2012)
  • Olaf Rose (2011)
    Olaf Rose (2011)

Zum Bundespräsidenten wählbar ist nachArt. 54 Abs. 1 GG, wer alsdeutscher Staatsangehöriger dasWahlrecht zum Bundestag besitzt und das 40. Lebensjahr vollendet hat. Wahlvorschläge kann jedes Mitglied der Bundesversammlung einreichen; die schriftliche Zustimmungserklärung des Vorgeschlagenen ist beizufügen (§ 9 Abs. 1BPräsWahlG).

Joachim Gauck

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DerparteiloseBürgerrechtler und Theologe Joachim Gauck wurde am 19. Februar 2012 von den ParteienCDU,CSU,SPD,FDP undBündnis 90/Die Grünen als gemeinsamer Kandidat vorgeschlagen.[5] Auch derSSW[6] und dieFreien Wähler[7] kündigten an, Gauck zu unterstützen.

Gauck war bereits Kandidat bei derWahl des deutschen Bundespräsidenten 2010. Dort wurde er von der SPD und den Grünen aufgestellt und erhielt darüber hinaus von den Freien Wählern und dem SSW Zustimmung, unterlag jedoch im dritten Wahlgang Christian Wulff, der von den beiden Unionsparteien und der FDP unterstützt wurde.

Die hinter Gauck stehenden Parteien stellten in der Bundesversammlung 1111 von insgesamt 1240Wahlfrauen und -männern. Joachim Gauck wurde schließlich mit 991 von 1228 gültigen Stimmen gewählt.

Beate Klarsfeld

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Die parteiloseJournalistin und Aktivistin für Aufarbeitung der nationalsozialistischen VergangenheitBeate Klarsfeld wurde am 27. Februar 2012 vom Vorstand der ParteiDie Linke, die mit 124 Wahlleuten in der Bundesversammlung vertreten war, einstimmig als Kandidatin nominiert.[8]Am 5. März wählte derSächsische Landtag auf Vorschlag der Linksfraktion Klarsfeld zu einem Mitglied der Bundesversammlung.[9]

Olaf Rose

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Olaf Rose,Militärhistoriker und Autorgeschichtsrevisionistischer Schriften, Vortragsredner beirechtsextremistischen Veranstaltungen und ehemaliges Mitglied des Bundesvorstandes derNPD, wurde von seiner Partei, die in der Bundesversammlung mit drei Wahlleuten vertreten war, am 5. März 2012 nominiert.[10]

Bundesversammlung

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Hauptartikel:Liste der Mitglieder der 15. Bundesversammlung

Die Bundesversammlung setzte sich wie folgt zusammen:[11]

ParteiMitglieder
BundLändergesamt
CDU/CSU237249486
SPD146185331
Grüne6879147
FDP9343136
Die Linke7648124
Freie Wähler1010
NPD33
Piraten22
SSW11
Gesamt6206201240

NachArt. 54 Abs. 5 GG ist im ersten oder zweiten Wahlgang gewählt, wer „die Stimmen der Mehrheit der Mitglieder der Bundesversammlung erhält“. Dies entsprach bei dieser Wahl mindestens 621 Stimmen. Im dritten Wahlgang ist der Kandidat mit den meisten Stimmen gewählt.

Wahlergebnis

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Joachim Gauck wurde im ersten Wahlgang mit 991 Stimmen gewählt (die ihn unterstützenden Parteien verfügten zusammen über 1111 Mitglieder in der Bundesversammlung). Auf Beate Klarsfeld entfielen 126 Stimmen und auf Olaf Rose 3 Stimmen. Gauck erklärte nach der Verkündung des Wahlergebnisses vor demPlenum der Bundesversammlung die Annahme der Wahl. Die Vereidigung fand am 23. März 2012 in einer gemeinsamen Sitzung von Bundestag undBundesrat statt. Da das Amt des Bundespräsidenten vakant war, begann Gaucks Amtszeit als Bundespräsident mit der Annahme der Wahl.[3]

Berlin, 18. März 2012 – Gesamtstimmenzahl 1240 – absolute Mehrheit 621
WahlgangKandidatStimmenzahlAnteilParteiUnterstützung
1. WahlgangJoachim Gauck99179,9 %ParteilosCDU/CSU,SPD,Grüne,FDP,FW,SSW
Beate Klarsfeld12610,2 %ParteilosDie Linke
Olaf Rose30,2 %NPDNPD
Enthaltungen1088,7 %
Ungültige Stimmen40,3 %
Nicht abgegebene Stimmen80,6 %
Damit wurdeJoachim Gauck zumBundespräsidenten gewählt.
Anmerkungen:

Trivia

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Der AbgeordneteUdo Pastörs (NPD) desLandtags Mecklenburg-Vorpommern, dem dieser bereits zum Zwecke der Strafverfolgung dieImmunität entzogen hatte, machte geltend, ihn schütze dennoch die parlamentarische Immunität vor Strafverfolgung, solange er sich nämlich noch als Mitglied der 15. Bundesversammlung beimBundesverfassungsgericht gegen deren Verlauf und Ergebnisse wende. Dem folgte dasOberlandesgericht Rostock nicht.[12]

Weblinks

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 Wikinews: Joachim Gauck ist elfter deutscher Bundespräsident – Nachricht
Commons: 2012 Germany Bundesversammlung – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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  1. Protokoll der 15. Bundesversammlung, S. 4 (A)
  2. Protokoll der 15. Bundesversammlung, S. 5 (A)
  3. ab„Das Amt des Bundespräsidenten beginnt mit dem Ablauf der Amtszeit seines Vorgängers, jedoch nicht vor Eingang der Annahmeerklärung beim Präsidenten des Bundestages.“ (§ 10 BPräsWahlG). Da die Amtszeit des Vorgängers bereits mit seinem sofortigen Rücktritt beendet war, beginnt die Amtszeit des Gewählten sofort mit Annahme der Wahl (Wissenschaftlicher Dienst des Bundestages:Aktueller Begriff. Die 14. Bundesversammlung am 30. Juni 2010 (Memento vom 19. September 2011 imInternet Archive) (PDF; 62 kB); Zitat: „Die Amtszeit des neuen Staatsoberhaupts beginnt mit dem Eingang der Annahmeerklärung beim Präsidenten des Bundestages und dauert fünf Jahre.“). Die nachArt. 56 GG geforderte Eidesleistung markiert nicht den Zeitpunkt des Amtsantrittes. Dazu auch Maunz/Dürig,Grundgesetz, 56. Ergänzungslieferung 2009, Rn 2 zuArt. 56 GG: „Eidesleistung und Amtsantritt stehen nach Art. 56 Satz 1 zwar in einem nahen zeitlichen Zusammenhang, bedingen einander aber nicht. Von Verfassungs wegen ist sowohl der Fall denkbar, dass der neugewählte Bundespräsident noch vor seiner Vereidigung amtlich tätig wird (weil seine Amtszeit bereits begonnen hat), als auch der Fall, dass die Leistung des Eides noch vor dem Beginn der Amtszeit erfolgt (also noch während der Amtszeit des Vorgängers). Doch stehen dem zuletzt genannten Ablauf der Ereignisse zumindest Gesichtspunkte des politischen Taktes gegenüber dem Vorgänger im Wege. […] In keinem Falle aber trifft Art. 56 selbst irgendeine Bestimmung über den Beginn der Amtszeit des Bundespräsidenten.“
  4. dipbt.bundestag.de
  5. Parteien einig: Joachim Gauck soll neuer Bundespräsident werden. In: Spiegel Online. 19. Februar 2012, abgerufen am 19. Februar 2012. 
  6. Bundespräsidentenwahl: SSW unterstützt Gauck. Südschleswigscher Wählerverband, 20. Februar 2012, archiviert vom Original (nicht mehr online verfügbar) am 17. Juli 2012; abgerufen am 20. Februar 2012. 
  7. Hoffnung auf überparteilichen Kandidaten mit Rückhalt in der Bevölkerung. 20. Februar 2012, abgerufen am 20. Februar 2012. 
  8. Linkspartei nominiert Klarsfeld als Kandidatin. In: FAZ.NET. 27. Februar 2012, abgerufen am 27. Februar 2012. 
  9. Sachsens Wahlleute für Bundesversammlung stehen – Klarsfeld dabei. Abgerufen am 8. März 2012. 
  10. APA-Agenturmeldung:Rechtsextreme nominieren eigenen Präsidentschaftskandidaten,derStandard.at vom 5. März 2012.
  11. 15. Bundesversammlung, wahlrecht.de, Stand: 6. März 2012
  12. Beschluss vom 16.08.2013, 1 Ss 57/13 (62/13)
Wahl desBundespräsidenten derBundesrepublik Deutschland in derBundesversammlung
Wahlen des Bundespräsidenten:

1949 |1954 |1959 |1964 |1969 |1974 |1979 |1984 |1989 |1994 |1999 |2004 |2009 |2010 |2012 |2017 |2022 |nächste

Liste der Mitglieder der Bundesversammlung:

1. |2. |3. |4. |5. |6. |7. |8. |9. |10. |11. |12. |13. |14. |15. |16. |17. |18.

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