| Waggonbau Graaff GmbH | |
|---|---|
| Rechtsform | GmbH |
| Gründung | 1914 |
| Sitz | Elze |
| Mitarbeiterzahl | 220[1] |
| Umsatz | 56,6 Mio.EUR[1] |
| Branche | Fahrzeugbau |
| Website | www.waggonbau-graaff.de |
DieWaggonbau Graaff GmbH ist als Tochterunternehmen derVTG AG ein deutscher Hersteller vonGüterwagen mit Sitz inElze. Früher war das Unternehmen unter dem NamenNiedersächsische Waggonfabrik Joseph Graaff GmbH ein Hersteller für Eisenbahn- und Straßenbahn-Wagen sowieOmnibussen.

1914 gründete Abraham Holländer ausZweibrücken und wohnhaft inAachen zusammen mit Karl Heine ausHannover eine Eisenbahn-Waggon-Reparaturwerkstatt. Hierzu kaufte er 1914 einen Teil des Geländes einer Rübenzuckerfabrik und der BaumwollspinnereiNeumann und Stutz in der Fabrikstraße (jetzt Heinrich-Nagel-Straße) in Elze. ImErsten Weltkrieg war die Fabrik zunächst als Zulieferer- und Reparaturbetrieb für die Rüstungsindustrie tätig. Nach dem Krieg erfolgt die Firmierung alsWaggonfabrik Heine und Holländer GmbH.
Sein Sohn Walter Holländer (* 1897) trat im Mai 1916 als Prokurist in die Waggonfabrik ein.
Joseph Graaff kam ursprünglich wie auch Abraham Holländer ausAachen. Dort war er 14 Jahre für dieWaggonfabrik Talbot tätig und wurde 1917 sogar zum Prokuristen ernannt. 1921 wechselte er dann als kaufmännischer Direktor zur Firma Heine und Holländer nach Elze.
Die Waggonfabrik wurde weder 1929 noch 1937 von der quotierten Auftragsverteilung, dem sogenannten Reichsbahnvertrag berücksichtigt. Die Aufträge zur Produktion von Waggons kamen daher überwiegend aus der Industrie. Im Jahr 1921 startete die Produktion vonKesselwagen undTopfwagen für die chemische Industrie. Holländer und Heine produzierten 1923 zudem Gepäckzugwagen des Typs VBV 501 (Pwg(h)Pr 014). Für die Lebensmittellogistik baute man außerdem Kühlwaggons für die damaligeGefrier-Fleisch-Import-Großeinkaufs-Gesellschaft Hamburg oderLagerbier-Brauerei Hannover. Auch die erstenRommenhöller Flaschenwagen für verflüssigte Kohlensäure entstammen dem Elzer Waggonbau. Des Weiteren baute man im Auftrag vonOpel oderHorch Karosserieaufbauten für Omnibusse und war in der Reparatur von Loks und Waggons tätig.
Am 23. April 1925 wurde Walter Holländer zum Geschäftsführer bestellt. Walters SchwesterEdith Frank-Holländer heiratete 1925Otto Frank, sie hatten zusammen die TöchterMargot Frank undAnne Frank, die beide imKZ Bergen-Belsen starben. Ab 1926 waren Abraham Holländer und sein Sohn Walter Holländer die alleinigen Inhaber.[2]
Nach dem Tod von Abraham Holländer 1927 beschlossen die Erben (Rosa Holländer, Julius Holländer und Walter Holländer), dass Joseph Graaff neben Walter Holländer zum zweiten Geschäftsführer bestellt wird.Ab 1927 entschied sich Josef Graaff, mit seinem Werk an Ausschreibungen zum Bau von Straßenbahnwagen teilzunehmen. Ohne Vorerfahrung auf diesem Gebiet lieferte man die ersten Straßenbahnmotorwagen und Beiwagen an dieSolinger Stadtbahn undMinden sowie später auch nach Pforzheim, Celle, Hildesheim und Hannover.
In einem Schreiben vom 3. Mai 1933 teilte Joseph Graaff dem Amtsgericht Elze mit, dass die Vollmacht von Walter Holländer erloschen sei. Die gesamten Geschäftsanteile gingen am 18. Juni 1934 während derZeit des Nationalsozialismus an Joseph Graaff über, der schon seit 1927 als zweiter Geschäftsführer in der Firma fungierte; er änderte den Namen des Unternehmens inNiedersächsische Waggonfabrik Joseph Graaff GmbH. Walter Holländer blieb trotz der Verfolgung der Juden zunächst als Prokurist im Unternehmen. In denNovemberpogrome 1938 wurde Walter Holländer verhaftet und in dasKonzentrationslager Sachsenhausen deportiert. Am 1. Dezember 1938 wurde er mit einer Sondergenehmigung in das InternierungslagerZeeburg bei Amsterdam gebracht. Von dort konnte er am 16. Dezember 1939 per Schiff in die Vereinigten Staaten ausreisen. In den USA verstarb Walter Holländer am 19. September 1968. Joseph Graaff gab in seiner Entnazifizierungsakte an, dass er 1934 die Waggonfabrik und drei Werkshäuser erworben habe.
Ab 1936 war das Unternehmen von derDeutschen Reichsbahn als Lieferant zugelassen.
Bis Anfang der 1940er Jahre wurden Straßenbahnwagen fürCelle,Hannover,Hildesheim,Minden undPforzheim gefertigt.[3]
Bedingt durch die Kriegsereignisse kam es nur zur Fertigung von15 zweiachsigen Beiwagen in den Jahren 1943/1944, die für dieBerliner Verkehrs-Betriebe (BVG) vorgesehen waren. Zehn der in Elze gefertigten Beiwagen gingen vermutlich auf Weisung übergeordneter Stellen an dieÜSTRA für den Einsatz bei der Straßenbahn Hannover (Bw 1047–1056), während die übrigen fünf Beiwagen wie vorgesehen bei derBerliner Straßenbahn eingesetzt wurden (Bw 1601II–1605II, 1616II–1630II).[4]

Nach demZweiten Weltkrieg und dem Neuaufbau des Unternehmens erfolgte 1950 die Gründung eines Zweigbetriebes zum Bau von Straßenfahrzeugen. Auf Fahrwerken derBüssing AG entstanden selbsttragende Stadtomnibus-Aufbauten aus Leichtmetall[5], auch Straßenbahn-Beiwagen wurden u. a. für dieHamburger Hochbahn (HHA) hergestellt. Außerdem erfolgte die Übernahme von Aufträgen derDeutschen Bundesbahn (DB) und der Industrie. So wurdenGüterwagen,Kühlwagen, Spezialkesselwagen für chemische Produkte und Fahrzeuge für den kombinierten Verkehr auf Schiene und Straße gebaut sowie Feuerlöschfahrzeug-Aufbauten und Tankwagen-Aufbauten. 1950 wurde der Triebwagen ET 204 an dieBad Eilsener Kleinbahn geliefert, die 1950 und 1953 gebautenDieseltriebwagenVT 162 und VT 163 gingen an dieBremervörde-Osterholzer Eisenbahn.[6] Die ersten reinen Autotransportwagen wurden 1954 hier entwickelt und alsOffs 55 1955–59 in Serie gebaut.[7]
Das Unternehmen war um 1960 Mitglied im Verband der Waggonindustrie, in dem sich 20 Waggonhersteller zusammengeschlossen haben.
Anfang der 1960er Jahre erwirtschafteten rund 600 Beschäftigte einen Jahresumsatz von rund 20 Millionen DM. Exporte gingen unter anderem nach Australien, Indien, Mosambik, in die Türkei und die Schweiz.
Nach diversen Aufträgen für Transportbehälter begann 1965 ein Auftrag über 500 Behälter für den BundesbahnVon Haus zu Haus Behälter. Auf dieser Grundlage gelang der Durchbruch als maßgeblicher Hersteller vonISO-Containern.
1950 übernahmCarlo Graaff von seinem Schwager Dr. Greffenius den Nachbarbetrieb, der im Fahrzeugbau tätig war, und benannte ihn um. Sein Vater Joseph Graaff starb im Jahr 1950 und so übernahm Carlo Graaff auch die Leitung des Waggonbaus. Er war ab 1955FDP-Bundestagsabgeordneter und von Mai 1959 bis Mai 1965 niedersächsischer Minister für Wirtschaft und Verkehr.
Neben den Schienenfahrzeugen im väterlichen Betrieb erweiterte man hier das Portfolie durch Omnibusse, Vielzweckwagen für die Landwirtschaft und Löschfahrzeuge. Dazu gehörte auch der 1966/67 gebaute 0,5-Tonnen Einachsanhänger für die Bundeswehr, welcher heute einen Kultstatus hat.
1973 erfolgte der Zusammenschluss der beiden FirmenNiedersächsischen Waggonfabrik Josepf Graaff GmbH undNiedersächsischer Fahrzeugbau Dipl.Ing.Graaff Josepf Graaff KG zur FirmaGraaff Kommanditgesellschaft.
Im Dezember 1975 verstarb Carlo Graaff, sodass Juniorchef Wolfgang Graaff fortan in dritter Generation die Leitung des Unternehmens fortführte.
Der Einstieg in den Bau von temperaturgeführten Containern und Fahrzeugaufbauten begann im Jahr 1977. Neben den klassischen Plywood aufbauten, welche hauptsächlich am neu übernommenen Standort Bevern, Ortsteil Forst, gefertigt wurden, entstand auch eine Produktion für isolierende Sandwichplatten mit dem MarkennamenIsometall. Im Jahr 1979 hatte man bereits 50.000 Container in Elze gefertigt. Die Produktion erfolgte parallel auf drei straßen inFließbandfertigung.
Nach der Wende übernahm man 1992 die VEB Ernst Thälmann Fahrzeugwerke inLübtheen. Somit wurde der StandortGraaff Fahrzeugwerke Lübtheen mit 120 Arbeitsplätzen gegründet. Hier wurden fortan die Kofferaufbauten produziert, welche vorher am Standort in Bevern und Elze hergestellt wurden. Zu diesem Zeitpunkt arbeiteten über 700 Mitarbeiter verteilt auf die Standorte.
In den 90er Jahren geriet Graaff aufgrund der zunehmenden Konkurrenz im Containerbau in Schwierigkeiten. 1995 erfolgte eine erste Insolvenz. Mit der GewerkschaftIG Metall wurden zur Abwendung mehrere Sanierungstarifverträge abgeschlossen.[8] Die Containerfertigung wird weitgehend eingestellt.

1998 erfolgte die Übernahme durch 4 Gesellschafter, Günter Homes, Eberhard Mielke, Wolfgang Hassepass und Karl Heinz Funke unter neuen Namen.
2007 beschäftigte das Unternehmen 220 Mitarbeiter und erwirtschaftete einen Umsatz von 43 Millionen Euro.[9]
Am 5. März 2008 musste dieWaggonbau Graaff GmbH aufgrund unerwartet aufgetretener Schwierigkeiten bei der Abwicklung eines Großauftrags mit derRailion AG und der angespannten Liquiditätslage beim Amtsgericht HildesheimInsolvenz anmelden. Im Juli 2008 erfolgte die Übernahme durch die UnternehmensgruppeVTG AG mit Sitz in Hamburg, 154 Mitarbeiter aus dem Werk in Elze wurden ebenfalls übernommen. Die Produktionskapazität des Werkes lag 2008 bei rund 300 Wagen pro Jahr.[10]
2012 waren rund 172 Mitarbeiter in Elze beschäftigt; 2020 waren es 220[1], davon 154 gewerbliche Arbeitnehmer.
52.117499.74325Koordinaten:52° 7′ 3″ N,9° 44′ 35,7″ O