Dieser Artikel beschreibt die elsässische GemeindeWœrth. Ein Artikel über den französischen Politiker findet sich unterÉric Woerth, weitere Bedeutungen unterWörth.
DieHerren von Lichtenberg kauftenSchloss, Stadt und Mühle Wörth (historisch auch: Nieder-Wörth[1]) 1308 von denWildgrafen von Kirchberg (Kyrburg).[2][1] In der Herrschaft Lichtenberg war es demAmt Wörth zugeordnet[3], das im 13. Jahrhundert entstanden war und dessen „Hauptstadt“ es am Ende des 14. Jahrhunderts wurde.[1] 1330 erhielt Wörth (ein mitFurt undFürth verwandtes Wort[4]) dasStadtrecht, und zwar das vonHagenau.[5] 1335 wurde eine Landesteilung zwischen der mittleren und der jüngeren Linie des HausesLichtenberg durchgeführt. Die Stadt fiel dabei anLudwig III. von Lichtenberg, der die jüngere Linie des Hauses begründete.[6]
1570 kam es zu einem weiteren Erbfall, der das Amt Wörth zurGrafschaft Hanau-Lichtenberg brachte: GrafJakob von Zweibrücken-Bitsch (* 1510; † 1570) und sein schon 1540 verstorbener BruderSimon V. Wecker hinterließen nur jeweils eine Tochter als Erbin. Die Tochter des Grafen Jakob,Margarethe (* 1540; † 1569), war mitPhilipp V. von Hanau-Lichtenberg (* 1541; † 1599) verheiratet. Zu dem sich aus dieser Konstellation ergebenden Erbe zählte auch die zweite, nicht bereits durch Hanau-Lichtenberg regierte, Hälfte der ehemaligen Herrschaft Lichtenberg. Philipp V. von Hanau-Lichtenberg führte in den ererbten Gebieten sofort dieReformation durch, die wie sein übriges Herrschaftsgebiet nunlutherisch wurden.
GrafPhilipp V. von Hanau-Lichtenberg richtete in der Stadt 1588 die ersteMünze seiner Grafschaft ein.
Mit dem durch dieFranzösische Revolution begonnenen Umbruch wurde das Amt Wörth Bestandteil Frankreichs und in den folgenden Verwaltungsreformen aufgelöst.
Überregionale Bekanntheit erlangte der Ort durch dieSchlacht bei Wörth zu Beginn desDeutsch-Französischen Krieges am 6. August 1870. An diese Schlacht, die in Frankreich alsBataille de Frœschwiller-Wœrth bekannt ist und die etwa 20.000 Tote forderte, erinnert im Ort ein Museum. In Deutschland sind bis heute in vielen Städten Straßen nach Wörth benannt. Die Erinnerung an diese für die Deutschen siegreiche Schlacht hatte früher eine wichtige Bedeutung in der Erinnerung an die deutsche Einigung von 1871. Vor allem westlich von Wörth, an den Straßen nachFröschweiler und Elsasshausen, befinden sich zahlreiche Kriegsdenkmäler, die an die deutschen und französischen Opfer der Schlacht erinnern. Anfang August finden jedes Jahr Veranstaltungen zum Gedenken an die Schlacht statt, bei der sich viele Amateure treffen, die Uniformen und Ausrüstungen aus dieser Zeit vorführen.
Wie die meisten elsässischen Orte hatte auch Woerth ab dem Mittelalter eine kleine jüdische Gemeinde. Nach der deutschen Besatzung überlebten nur noch wenige Juden, die Synagoge wurde geschlossen.[7] Es existieren noch zwei Zeugnisse: Die Synagoge, erbaut 1920 neben dem Bayerischen Denkmal von 1870 und die Rue des Juifs (Juddegass) in der Altstadt. Über der Tür der Synagoge steht die Inschrift „שנת תצח לפק“[8]
Woerth – Gedenkveranstaltung zum 6. August 1870Woerth – Lutherische Trinitatiskirche
Die Lutherische Stadtkirche ist ein im Kern mittelalterliches, mehrfach umgebautes Gebäude. Sie war bis 1898 eineSimultankirche.[10]
Es gibt eine Vielzahl von Kriegsdenkmälern desDeutsch-Französischen Krieges. Obwohl sich Deutschland und Frankreich in den beiden Weltkriegen als Feinde gegenüberstanden, blieben die Denkmäler erhalten, nur das monumentale Kaiser-Friedrich Denkmal wurde 1919 eingeschmolzen, um neue Glocken für die Kirche zu gießen.[11] Der Schlacht bei Wörth ist auch dasMusée de la Bataille du 6 Août 1870 im Schloss gewidmet.
In Woerth betriebAlcatel von 1989 bis 2002 die größteMinitel Fabrik Frankreichs, ca. 80 % aller Minitel Terminals wurden hier produziert. Bis zu 600 Mitarbeiter produzierten bis zu 4000 Geräte pro Tag, insgesamt ca. 6 Millionen.[12]Die Fabrik wurden von der Alcatel-Tochter S.E.S.M.S (Société Électomecanique de la Sauer) betrieben. Einige Komponenten wurde von den Alcatel Werken Strasbourg und Illkirch zugeliefert.[13]Das Ende der Fabrik in Woerth wurde von einem Streik der verbliebenen 222 Angestellten begleitet. Die Gesellschaft Info Réalité übernahm die Fabrik und 160 Arbeiter, musste allerdings selbst wenig später Konkurs anmelden.[14]
Heute steht der große Industrie-Komplex leer, nur die ehemalige Kantine wurde in ein erfolgreiches Café-Restaurant umgewandelt.
1946 eröffnete Marguerite Bender einRestaurant sans alcool (Alkoholfreies Restaurant) in Woerth, eines von nur zwei in ganz Frankreich. Sie gehörte zur evangelikalen Gemeinde Woerths. Das oben erwähnte Café-Restaurant ist der Nachfolger, jetzt aber mit Alkohol.[15]
Fritz Eyer:Das Territorium der Herren von Lichtenberg 1202–1480. Untersuchungen über den Besitz, die Herrschaft und die Hausmachtpolitik eines oberrheinischen Herrengeschlechts. In:Schriften derErwin-von-Steinbach-Stiftung. 2. Auflage.Band10. Pfaehler, Bad Neustadt an der Saale 1985,ISBN 3-922923-31-3 (268 Seiten, Im Text unverändert, um eine Einführung erweiterter Nachdruck der Ausgabe Strassburg, Rhenus-Verlag, 1938).
Alfred Matt:Bailliages, prévôté et fiefs ayant fait partie de la Seigneurie de Lichtenberg, du Comté de Hanau-Lichtenberg, du Landgraviat de Hesse-Darmstadt. In: Société d’Histoire et d’Archaeologie de Saverne et Environs (Hrsg.):Cinquième centenaire de la création du Comté de Hanau-Lichtenberg 1480 – 1980 =Pays d’Alsace. 111/112 (2, 3 / 1980), S. 7–9.
Le Patrimoine des Communes du Bas-Rhin. Band 2, Flohic Editions, Charenton-le-Pont 1999,ISBN 2-84234-055-8, S. 1655–1665.
↑Fritz Eyer:Das Territorium der Herren von Lichtenberg 1202–1480 …. Band 10, 1985, S. 228 f.
↑Fritz Eyer:Das Territorium der Herren von Lichtenberg 1202–1480 …. Band 10, 1985, S. 79 f.
↑Edmund Schwob, Rabbiner: Souvenirs de Haguenau 1965 - 1981. In: Judaïsme de l'Alsace et de la Lorraine. 2025, abgerufen am 8. Juni 2025 (französisch).
↑Woerth. In: Le Judaïsme de l'Alsace et de la Lorraine. 2025, abgerufen am 8. Juni 2025 (französisch).
↑Alfred Matt:Bailliages, prévôté et fiefs ayant fait partie de la Seigneurie de Lichtenberg, du Comté de Hanau-Lichtenberg, du Landgraviat de Hesse-Darmstadt. 1980, S. 7.
↑Kathrin Ellwardt:Lutheraner zwischen Frankreich und dem Reich: Kirchenbauten in den elsässischen Ämtern der Grafschaft Hanau-Lichtenberg unter Johann Reinhard III. und Ludwig IX. In:Neues Magazin für Hanauische Geschichte. 2016, S. 18–59, hier S. 34.
↑Alsace: on a retrouvé la tête du Kaiser Fritz. 2019 (französisch,francebleu.fr).
↑Un terminal made in Alsace. In:DNA. (Tageszeitung) 1. Juli 2012 (dna.fr). Abgerufen am 17. August 2021
↑L’Usine de Minitel scooter.teddybox.fr, 23. Juli 2018. Abgerufen am 17. August 2021
↑Industrie coulé par Alcatel. In:L’Humanité. (Zeitung der kommunistischen Partei Frankreichs), 22. Januar 2002 (humanite.fr). Abgerufen am 17. August 2021
↑Madame Bender. In: Eglise Evangélique de Woerth. 2024, abgerufen am 6. Februar 2024 (französisch).