DasVolksparkstadion ist einFußballstadion inHamburg. Es befindet sich innerhalb des StadtteilsBahrenfeld imAltonaer Volkspark und ist die Heimspielstätte desHamburger SV. Das Stadion wurde 1953 eröffnet und von 1998 bis 2000 zu einem reinen Fußballstadion umgebaut. Neben Fußballspielen finden auchKonzerte und andere Veranstaltungen im Stadion statt.
Das Volksparkstadion ist einStadion der UEFA-Kategorie 4 und verfügt über 57.000 Zuschauerplätze, von denen 10.000 Stehplätze, 3.620 Business-Seats, 711 Logenplätze und 120 rollstuhlgerechte Plätze sind.[5][7] Für internationale Spiele, bei denen eine reine Sitzplatzbestuhlung vorgeschrieben ist, werden die unter denStehplätzen verborgenenKlappsitze benutzt, wodurch sich die Kapazität des Stadions auf 51.500 Plätze verringert.
Zwischen 1951 und 1953 wurde das Stadion neu errichtet und hatte zunächst eine Kapazität von 76.000 Plätzen. Die Baukosten betrugen 2,5 MillionenDM, das Stadion war seinerzeit das größte derBundesrepublik Deutschland. Zählt manWest-Berlin mit, war dasBerliner Olympiastadion allerdings noch größer.[9] Nach der Bundesligagründung 1963 verließ der HSV denSportplatz am Rothenbaum und trug seine Heimspiele fortan im Volksparkstadion aus. ZurFußball-Weltmeisterschaft 1974 wurde auf der Gegengeraden eine überdachte Sitzplatztribüne gebaut, wodurch die Kapazität auf 61.300 Plätze sank.[10] Die Umbaumaßnahmen vor der WM 1974 kosteten rund 20 Millionen DM.[9] Nachdem es bei der Meisterfeier des HSV im Jahr 1979 im Volksparkstadion zu Ausschreitungen und einer Panik mit 71 Verletzten gekommen war,[11] beschäftigte sich dieHamburger Innenbehörde in einer zehnwöchigen Ermittlung mit möglichen Umbau- und weiteren Sicherheitsmaßnahmen in der Spielstätte. Im Mittelpunkt der Überlegungen standen insbesondere die Westkurve und deren Block E, der lautHamburger Abendblatt „für die jugendlichen HSV-Fans eine besondere Bedeutung mit Statuswert“ hatte. Im Bericht der Innenbehörde wurde unter anderem eine Erhöhung der Sitzplatzanzahl und damit eine Verringerung des Gesamtfassungsvermögens vorgeschlagen.[12] Im Juni 1983 wurde erstmals einKonzert im Volksparkstadion durchgeführt, die Veranstaltung mit der GruppeSupertramp besuchten 40 000 Menschen.[9] Das Stadion war des Weiteren1954,1962,1977 und1989 Austragungsort derdeutschen Leichtathletik-Meisterschaften.[13][14][15][16] 1986 kam anlässlich des 50. Geburtstags vonUwe Seeler in den Medien der Vorschlag auf, das Volksparkstadion nach dem ehemaligen HSV-Stürmer zu benennen.[17]
Bis zum Umbau gehörte diealte Betonschüssel unter den Fußball-Fans zu den unbeliebtesten Stadien Deutschlands, weil in ihrem weiten Rund kaum Stimmung aufkam. Der Wunsch nach einem „eigenen, reinen Fußballstadion“ und die geringe Attraktivität des Stadions führten zum „Arena-Projekt“. Der Umbau begann am 2. Juni 1998 und dauerte bis zum Sommer 2000. Der Architekt Manfred O. Steuerwald baute „während des laufenden Spielbetriebs“ das Stadion um: Die Tribünen wurden nahe an das Spielfeld verlegt. Der beheizbare Rasen wurde um 90° gedreht, so dass seither die Westkurve nicht mehr existiert. Neue Heimat der HSV-Fans wurde die Nordtribüne.[18][19]
Im Zuge des Umbaus wurden 1998 das Stadion und das Grundstück für eine symbolische Mark vom HSV aus dem Besitz der Stadt Hamburg erworben. Rechtlicher Eigentümer des Stadions ist dieHSV-Stadion HSV-Vermögensverwaltungs GmbH & Co. KG. Diese wird wiederum zu 99 Prozent von derHSV Fußball AG und zu einem Prozent bis 2020 treuhänderisch vom VermarkterSportfive gehalten, der beim Bau des Stadions eineMietgarantie abgab.[20] Betrieben wird das Stadion von derHSV-Arena GmbH & Co. KG.[4] Die Kosten des Umbaus sollten rund 159 Mio. DM (rund 81,30 Mio. Euro) betragen. Als Eigentümer war der HSV für die Kosten des Umbaus alleine zuständig, es gab allerdings öffentliche Zuschüsse in Höhe von 21,3 Mio. DM (rund 10,89 Mio. Euro).[21] Im September 2000 räumte der VorstandsvorsitzendeWerner Hackmann ein, dass sich die Kosten deutlich erhöhen würden.[22] Wegen der Kostensteigerung musste InvestorAndreas C. Wankum Insolvenz anmelden und seine Anteile am Stadion in Höhe von 20 Prozent an den HSV abgeben.[2]
Der Umbau bedurfte einer Ausnahmegenehmigung desLuftfahrt-Bundesamtes, weil der Bau in der Haupteinflugschneise der Start- und Landebahn 05/23 desHamburger Flughafens liegt und das tiefe Überfliegen von Menschenansammlungen nach Möglichkeit vermieden werden soll.[23]
Anlässlich derFußball-Weltmeisterschaft 2006 wurden 5,2 Millionen Euro in die Installation eines elektronischen Zugangssystems, ein neues Presse-Zentrum und höhere Sicherheitsvorkehrungen investiert. Die Stadt Hamburg unterstützte die Baumaßnahmen mit 2,4 Millionen Euro. Außerdem finanzierte sie mit 800.000 Euro den Bau von zwei Aufwärmplätzen mit überdachten Tribünen neben dem Stadion.[3]
Im Zuge dieser Maßnahmen errichtete der HSV auch ein neues Trainingszentrum neben dem Stadion und zog 2004 mit seiner Profimannschaft vom Trainingsgelände amOchsenzoll in den Volkspark.[3][24]
Im April 2009 wurden Pläne bekannt, nach denen das Stadion für etwa 13 Millionen Euro bis Juli 2010 umgebaut und auf eine Zuschauerkapazität von 61.322 Zuschauern aufgestockt werden sollte. Bei den Umbaumaßnahmen sollte der Stehplatzbereich der Nordtribüne um 3.000 Plätze erweitert und ein zusätzlicher Business-Bereich mit etwa 17 Logen im Südbereich des Stadions geschaffen werden.[25] Eine weitere geplante Maßnahme war der Bau einer Kinder- und Service-Welt mit 2.500 Quadratmetern direkt am Stadion. Zu Saisonbeginn 2011/12 sollten die Bauarbeiten an den Stehplätzen sowie im VIP-Bereich abgeschlossen sein.
Im Oktober 2009 wurden die Umbaupläne wegen finanzieller und personeller Engpässe verschoben und eine Entscheidung im Frühjahr 2010 angekündigt.[26][27]
Im Juni 2010 wurde bekannt, dass die Umbaupläne vorerst aufgeschoben werden und lediglich der Block 22 C zum Stehplatzbereich umgebaut wird. Die Kapazität des Stadions blieb dadurch unverändert, weil für eine Kapazitätserhöhung neue Toiletten und Fluchtwege hätten gebaut werden müssen.[28]
Zur Saison 2015/16 wurde der Block 22 C teilweise wieder zu einem Sitzplatzblock umgebaut.[29]
ZurFußball-Europameisterschaft 2024 waren Umbauarbeiten für 30 Millionen Euro geplant.[30] Im September 2020 wurde das im Zuge des Stadionbaus für eine D-Mark erworbene Stadiongrundstück für 23,5 Millionen Euro an die Stadt verkauft, die im Gegenzug einErbbaurecht bis 2087 einräumte. DerErbbauzins beträgt 1,8 Prozent, etwa 423.000 Euro pro Jahr und etwa 28 Millionen Euro bis 2087.[31][32]
Im Juni 2025 stellte die Stadt Hamburg ihr Konzept für eine Bewerbung für dieOlympischen Sommerspiele2036,2040 oder2044 vor. Dieses beinhaltet den Bau eines neuenLeichtathletikstadions für 60.000 Zuschauer auf einem Parkplatz unmittelbar neben dem Volksparkstadion. Nach den Olympischen Spielen soll das Stadion zu einem reinen Fußballstadion mit rund 70.000 Plätzen umgebaut werden. Der HSV beteiligt sich an der Stadionvision und äußerte, dass das Volksparkstadion in den 2040er-Jahren ohnehin einer grundlegenden baulichen Erneuerung bedürfe, wobei ein Neubau günstiger sei.[33][34][35]
Das Dach wurde von dem IngenieurbüroSchlaich Bergermann Partner geplant und von einem Firmenkonsortium aus England, Amerika und Berlin erbaut. Es handelt sich bei dem Dach um eine transparente Beschichtung aus 40 Feldern mit je 800 Quadratmetern Fläche.[38]
Bei derFußball-Weltmeisterschaft 1974 fanden drei Spiele der Gruppe I in der Vorrunde im Volksparkstadion statt. Darunter das einzige A-Fußballländerspiel in der Geschichte zwischen der DDR und der BR Deutschland.
Das Stadion war Spielort bei derFußball-Weltmeisterschaft 2006. Während der WM wurde das Stadion ohne Sponsorennamen genannt und hieß „FIFA WM-Stadion Hamburg“. Aus diesem Grund wurde auch der große Schriftzug auf dem Dach der Osttribüne vorübergehend entfernt.[39]
Das Stadion erhielt den NamenVolksparkstadion aufgrund der Lage imAltonaer Volkspark. Nach dem Umbau erwarb der US-amerikanische MedienkonzernAOL für 30 MillionenDM (15,3 Mio. Euro) die Namensrechte, woraufhin das Stadion ab Juli 2001 denSponsorennamenAOL Arena bekam.[40] Der Vertrag wurde im Dezember 2005 bis zum Juni 2007 verlängert.
Für die Zeit ab Juli 2007 hatte dieHSH Nordbank die Namensrechte am Stadion erworben. Demzufolge wurde das Stadion inHSH Nordbank Arena umbenannt. Damit wechselte zum ersten Mal der Sponsorenname eines Stadions der deutschen Fußball-Bundesliga.[41]
Die HSH Nordbank gab aufgrund derFinanzkrise die Namensrechte, die ursprünglich bis 2013 vertraglich vereinbart waren, im Jahr 2010 vorzeitig ab.[42] Ab dem 1. Juli 2010 warImtech der neue Namenssponsor, dementsprechend hieß das Stadion ab der Saison 2010/11Imtech Arena. Die Vereinbarung wurde auf sechs Jahre abgeschlossen.[43] Das Stadion wurde imVolksmund jedoch auch während des Namenssponsorings meistens Volksparkstadion genannt.[44]
Am 22. Januar 2015 erwarbKlaus-Michael Kühne für vier Jahre die Namensrechte am Stadion, das seit dem 1. Juli 2015 – 14 Jahre nach der ersten Umbenennung – wiederVolksparkstadion heißt.[45] Damit ist das Volksparkstadion das erste Bundesligastadion, das nach dem Verkauf der Namensrechte an ein Unternehmen seinen ursprünglichen Namen zurückerhalten hat.[46][47] Im April 2019 wurde die Vereinbarung für dieSaison 2019/20 verlängert.[48] Nachdem der HSV zum zweiten Mal in Folge auf dem 4. Platz den Wiederaufstieg in die Bundesliga verpasst hatte, verlängerte Kühne den Vertrag nicht mehr.[49] Eine weitere Umbenennung wurde jedoch nicht durchgeführt. Ende März 2022 erwarb Kühne erneut die Namensrechte. Der Vertrag lief bis zum 30. Juni 2023.[50]
Kurz nach dem Tod vonUwe Seeler im Juli 2022 signalisierte Kühne seine Bereitschaft für eine Umbenennung inUwe-Seeler-Stadion.[51]
ZurSaison 2025/26 stieg der HSV wieder in die Bundesliga auf. Im Zuge dessen erwarb die Kühne Holding AG erneut die Namensrechte für drei Jahre und sicherte somit den traditionellen Namen.[52]
Werner Skrentny:Orte der Leidenschaft. Der HSV und seine Stadien. Verlag Die Werkstatt, Göttingen 2006,ISBN 3-89533-502-9.
Siegfried Kühl (Hrsg. und Fotograf):Volksparkstadion Hamburg. Abriss, Neubau. Dokumentarisches Porträt. Druckhaus Engel, Bad Schwartau 2001,ISBN 3-00-006915-1.
Hamburger Abendblatt:Nur der HSV: Die Raute im Blick des Hamburger Abendblatts: Titel, Tore, Emotionen. Herausgeber Hamburger Abendblatt, 2009,ISBN 978-3-939716-27-3.
↑abKathrin Schmidt:Nachträgliche Umbau- und Modernisierungsmaßnahmen in deutschen Stadien I – 1. Generation (Fertigstellung zwischen 2000 und 2006). In: Manfred Schlösser (Hrsg.):Sponsors. Mai 2012,ISSN1432-8925,DNB018278000,S.27 (sponsors.de [PDF; abgerufen am 31. August 2012]).
↑Bei Hochrisikospielen werden um den Gästebereich Pufferzonen eingerichtet. Dadurch entfallen je nach Größe dieser Zonen Plätze. Das Stadion war damit in der Vergangenheit etwa mit54.500 (gegenHansa Rostock im August 2022),55.000 (Relegationsrückspiel gegenHertha BSC im Mai 2022),55.500 (Relegationsspiel gegen denVfB Stuttgart im Juni 2023) oder56.400 Zuschauern (Stadtderby gegen denFC St. Pauli im April 2023) ausverkauft.
↑Herbert Diercks:Hamburger Fußball im Nationalsozialismus Einblicke in eine jahrzehntelang verklärte Geschichte. Hrsg.: KZ-Gedenkstätte Neuengamme. Hamburg Mai 2024, Fußball während des Krieges,S.48 (72 S.,kz-gedenkstaette-neuengamme.de [PDF;8,7MB; abgerufen am 30. November 2024]).