DasVogtland (tschechischFojtsko,lateinischVariscia,vogtländischVuechtland oderVuuchtland) ist eine Region im Grenzgebiet vonThüringen,Sachsen,Franken undBöhmen. „Vogtland“ bezieht sich auf den ehemaligen Herrschaftsbereich derVögte von Weida,Plauen undGera. Weida ist dabei der älteste Stammsitz. Die späten Linien, die FürstentümerReuß jüngerer undälterer Linie, hatten ihre jeweilige Hauptstadt in Gera undGreiz.
Im Vogtland leben heute etwa eine halbe Million Menschen.


Es ist anzunehmen, dass bereits KaiserFriedrich I. um 1180 denHerren von Weida den Titeladvocatus ‚Vogt‘ verliehen hat. Der Titel wurde bei der Teilung des Stammhauses von allen Zweigen weitergeführt und wie ein erblichesReichslehen weitergegeben.Im Jahr 1254 handelten die Vögte von Weida, Plauen und Gera einen Vertrag über ein Bündnis mit dem MarkgrafenHeinrich dem Erlauchten von Meißen aus, bei dem sie als gleichberechtigte Partner auftraten. In der Urkunde unterschieden sie dasLand des Markgrafen(terra marchionis) von ihrem Gebiet (terra nostra, unser Land). Es ist anzunehmen, dass der Markgraf zur Unterscheidung der Länder in umgekehrter Richtung sein Land vom Land der Vögte(terra advocatorum) abgrenzte. Die Urkunde dazu ist jedoch nicht erhalten geblieben. Der Name erscheint danach, 1317 und später, als „woyte lande“ oder in ähnlicher Form in anderen Urkunden, die jedoch immer Vereinbarungen anderer Herrscher über das Vogtland beinhalten. Der NameVogtland kann erst im Jahr 1343 nachgewiesen werden.[1] Bald hernach ist er auch alsHerkunftsnameVo(i)gtländer urkundlich bezeugt, so etwa 1496 inBozen als BäckermeisterLyenhart Voytlender.[2]
Das böhmische Vogtland hat seine historischen Bezüge imAscher Ländchen, das sich frühzeitig aus demEgerland herausgelöst hat. Das Egerland warReichsterritorium, bevor es an die Krone Böhmen verpfändet wurde. Die Vögte erweiterten hier im Norden ihren Einflussbereich. 1281 erhieltHeinrich I. (Plauen) denMarktAsch.Johann von Böhmen überließ den Vögten das ihm 1322 vonLudwig dem Bayern verpfändete Egerland zur Verwaltung. Aus diesem Grund dehnen einige Historiker den BegriffVogtland auf das gesamte Egerland aus.
Heute istVogtland auch eine umgangssprachlich gebräuchliche Bezeichnung für denVogtlandkreis im Freistaat Sachsen. Demgegenüber erfasst dasnaturräumliche Vogtland zwar zusätzlich Teile Thüringens und Bayerns, grenzt jedoch den Höhenschwerpunkt im Osten aus, der naturräumlich demWesterzgebirge zugerechnet werden muss. Im Südvogtland, oft ausgehend vomEgerer Becken, kommt es häufig zuregionalen Schwarmbeben.
Das Vogtland selbst ist Namensgeber für ein hier 1837 erstmals durchAugust Breithaupt entdecktes und beschriebenesMineral, das den NamenVariscit nach der lateinischen Landesbezeichnung erhielt. Auch dieVogtländer Weißkopf-Trommeltaube hat ihren Namen durch ihr Herkunftsgebiet.
Die Landschaft des Vogtlandes wirkt durch Felder, Wiesen und bewaldete Hügelkuppen sehr idyllisch. Im Süden und Südosten steigt das Vogtland zumMittelgebirge an und nimmt, vor allem im Osten, auch Teile desErzgebirges ein. Diese Gegend nennt man dasObere Vogtland. Dort überwiegt der Nadelwald (Fichten, meist in Monokultur). DieStadt Adorf gilt als Tor zum oberen Vogtland und bildet einen Kreuzweg nach Böhmen und Hochfranken. Der höchste Berg des Vogtlandes ist derSchneehübel (974 m) imWesterzgebirge. Bekannter und markanter sind jedoch derAschberg beiKlingenthal (936 m) und derSchneckenstein (883 m), beide nach geologischen Gesichtspunkten ebenfalls im Westerzgebirge.
Das nördlichere Hügelland wird durchschnitten von einigen Flusstälern, insbesondere derWeißen Elster und derGöltzsch. Des Weiteren durchzieht dieSaale das Bayerische und das Thüringische Vogtland. Zur Überquerung der Täler wurden für Eisenbahn und Straßenverkehr mächtige Brücken gebaut. Besonderen Ruhm erlangten dabei dieGöltzschtalbrücke zwischenReichenbach im Vogtland undNetzschkau, die größte Ziegelsteinbrücke der Welt, und deren „kleine Schwester“, dieElstertalbrücke in der GemeindePöhl. Beide sind Eisenbahnbrücken der Verbindung Nürnberg–Dresden. Neben den Straßenbrücken der AutobahnA 72 beiHof (Saaletal), bei Pirk (Weiße Elster) und beiWeißensand (Göltzsch) kommt derFriedensbrücke in Plauen eine besondere Bedeutung zu: Es ist die größte Steinbogenbrücke Europas. Auch existieren etliche Talsperren im Vogtland. Bekannt als Erholungsgebiete sind dieTalsperre Pöhl (Trieb, ein Nebenfluss der Weißen Elster), dieTalsperre Pirk (Weiße Elster), dieBleilochtalsperre (Saale), dieTalsperre Zeulenroda und derUntreusee.
An das Vogtland grenzen neben dem Teile des Ostens einnehmenden Erzgebirge dasThüringer Schiefergebirge nebstFrankenwald und dasFichtelgebirge im Westen und Südwesten. Das sächsische Vogtland gehört in seinem südöstlichen Teil zumNaturpark Erzgebirge/Vogtland. Das Vogtland ist ein Teil derEuregio Egrensis, eines Vereins mit Arbeitsgemeinschaften in Bayern, Sachsen, Thüringen und Tschechien.
Das Vogtland gilt als eine der vulkanisch aktivsten Zonen inMitteleuropa. Anzeichen dafür sindSchwarmbeben,Thermalquellen und Gasaustritte (Mofetten). Mit 100 spürbaren kleinen Erdbeben im Jahre 1824 wurde dort zuerst ein Erdbebenschwarm beschrieben. Stärkere Beben in der Region gab es unter anderem 1897, 1903, 1908, 1985, 2000 und 2014. Das bisher stärkste gemessene Erdbeben im Vogtland/Böhmen mit einer Magnitude von 4,6 auf derRichterskala war im Winter 1985/86.[3]
Quellen mit Heilwirkung haben die KurorteBad Elster und inBad Brambach mit der stärkstenRadonquelle der Welt aufblühen lassen. MitMarienbad,Franzensbad undKarlsbad auf der tschechisch-böhmischen Seite bilden die beiden sächsischen Staatsbäder das sogenannteBäderfünfeck.
| Stadt | Landkreis | Einwohner 1 | Bild | Landesteil |
|---|---|---|---|---|
| Gera | kreisfrei | 94.847 | Thüringen | |
| Plauen | Vogtlandkreis | 64.763 | Sachsen | |
| Hof | kreisfrei | 46.656 | Bayern | |
| Cheb (dt. Eger) | Okres Cheb | 31.954 2 | Böhmen | |
| Reichenbach im Vogtland | Vogtlandkreis | 20.371 | Sachsen | |
| Greiz | Greiz | 20.220 | Thüringen | |
| Auerbach/Vogtl. | Vogtlandkreis | 17.759 | Sachsen | |
| Zeulenroda-Triebes | Greiz | 15.890 | Thüringen | |
| Aš (dt. Asch) | Okres Cheb | 12.804 2 | Böhmen |
Weitere Städte sindOelsnitz,Rodewisch,Lengenfeld,Elsterberg,Falkenstein,Klingenthal,Pausa-Mühltroff,Bad Elster,Adorf,Schöneck,Treuen,Markneukirchen undNetzschkau im sächsischen Vogtland,Hohenleuben,Berga-Wünschendorf,Ronneburg,Auma-Weidatal,Münchenbernsdorf,Schleiz (Verwaltungssitz desSaale-Orla-Kreises),Weida,Bad Lobenstein,Schmölln undGefell im thüringischen Vogtland,Rehau undSelbitz im bayerischen Vogtland sowieLuby (Schönbach),Hranice u Aše (Roßbach),Kraslice (Graslitz) im böhmischen Vogtland.



Der Landschaftsname Vogtland (früher auchVoigtland, terra advocatorum) geht auf die vom 11. bis zum 16. Jahrhundert hier herrschendenVögte von Weida, Gera und Plauen zurück. Im 12. Jahrhundert setzte KaiserFriedrich I. Barbarossa zur Sicherung seiner Herrschaft die ersten Vögte als Verwalter seiner östlichen Reichswaldgebiete ein, nachdem er Heinrich von Weida aus der Ministerialität HerzogHeinrich des Löwen übernommen hatte. Diese hatten ihren Stammsitz auf derOsterburg inWeida, weshalb Weida häufig auch als Wiege des Vogtlandes bezeichnet wird. Zu den weiteren Privilegien der Vögte gehörte das 1232 durchFriedrich II. verlieheneBerg- undMünzregal.
Die Vögte verfügten in ihrer Gefolgschaft über zahlreicheniederadelige Familien. Zu diesen Familien gehören u. a. die vonDobeneck,Feilitzsch,Reitzenstein,Sack oderZedtwitz. Eine Besonderheit desvogtländischen Adels war die Bildung vonRittergütern, so dass Rechte tendenziell eher mit den Gütern als mit dem Familienverbund verknüpft waren als andernorts. ImWappenbuch vonJohann Siebmacher von 1605 erscheinen sie aufgrund mehrfacher Lehensverhältnisse verteilt in derthüringischen, sächsischen und fränkischen Ritterschaft. Siebmacher verwendet den Begriff dervogtländischen Ritterschaft überhaupt nicht, sondern ordnete die Familie mehrheitlich demmeißnischen Adel zu. Der GenealogeJohann Gottfried Biedermann widmete der vogtländischen Ritterschaft 1752 einen eigenen Buchband.
Zur Abwehr der Machtansprüche der Markgrafen von Meißen zu Beginn des 14. Jahrhunderts unterwarf sich Heinrich von Plauen 1327 der Lehnsherrschaft derBöhmischen Krone. Davon war lediglich die Herrschaft Voigtsberg ausgenommen, die Reichslehen blieb. 1349 unterstellte sein gleichnamiger Sohn Heinrich auch Voigtsberg der böhmischen Lehnshoheit; damit war das gesamte Vogtland zumReichsafterlehen geworden. Die territorialen und dynastischen Streitigkeiten um das Vogtland gipfelten imVogtländischen Krieg, der 1357 zu einer Neuordnung führte. Im Jahr 1357 erfolgte ein Gebietstausch mit der Markgrafschaft Meißen, wobei u. a. Wiedersberg,Liebau, Adorf, Pausa, Neuenkirchen und Hirschberg meißnisch wurden und stattdessen Borna, Geithain und Kohren an den Vogt gingen. Den Tausch fochten Heinrichs Vettern in den betroffenen Seitenlinien an. Auerbach, Pausa und Liebau erhielten ab 1379 die Herren von Plauen, wie sie sich fortan nannten, als meißnisches Lehn zurück. Seit dem Jahre 1426 waren sie auch Burggrafen von Meißen und befanden sich in dauerndem Machtkampf mit den sächsischen Kurfürsten.
Heinrich II. von Plauen fiel wegen seiner offenen Unterstützung derAdelsopposition bei KönigGeorg von Podiebrad in Ungnade, der den Brand des königlichen Schlosses Graslitz bei Kämpfen zwischen Heinrich und dessen Gegnern zum Anlass nahm, ihm das Lehen zu entziehen und das Vogtland 1466 durch den sächsischen KurfürstenErnst besetzen ließ. Ernst erhielt das Vogtland als Lehen, das 1485 bei derLeipziger Teilung an die Ernestiner überging, wobei jedoch u. a. das Bergregal gemeinschaftlich blieb. Nach derSchlacht bei Mühlberg verloren die Ernestiner 1547 das Vogtland wieder undFerdinand I. verlieh es seinem KanzlerHeinrich IV. von Plauen. Auch der sächsische KurfürstMoritz wurde dabei Mitinhaber des Lehens. Heinrich IV. verschuldete sich stark, und nach seinem Tode 1554 konnten dessen SöhneHeinrich V. undHeinrich VI. ihre Schuldverpflichtungen gegenüber KurfürstAugust nicht erfüllen. Wegen der Zehntrückstände und anderer Forderungen verpfändeten die Brüder 1559 das Vogtland an Kursachsen.
MitHeinrich VI. von Plauen endete die Herrschaft derVögte von Plauen über das Vogtland, nachdem er das verpfändete Land nicht mehr einlösen konnte. 1566 erwarb Kurfürst August die Ämter und Städte Voigtsberg, Oelsnitz, Plauen und Pausa. Nach demfreundbrüderlichen Hauptvergleich von 1657 wurden die Amtssassen desVogtländischen Kreises sowie die Ämter Plauen, Voigtsberg und Pausa dem Herzog vonSachsen-Zeitz zugesprochen, während dieschriftsässigen Rittergüter und die StadtSchöneck beim Kurfürstentum Sachsen verblieben. 1718, nach dem Aussterben der Linie Sachsen-Zeitz, fielen die Gebiete wieder an Kursachsen zurück. Neben einem kursächsischen Anteil bildeten die Auerbachischen und Schönecker Wälder während dieser Zeit einen besonderen Teil, der gemeinschaftlich kurfürstlich und herzoglich war.
Oberverwaltungsmäßig gehörte das sächsische Vogtland seit 1835 zurKreisdirektion Zwickau, ab 1874 zurKreishauptmannschaft Zwickau und von 1939 bis zur Auflösung des Freistaates Sachsen nach dem Zweiten Weltkrieg zumRegierungsbezirk Zwickau. Mit Einführung derDDR-Bezirke wurde die Region demBezirk Karl-Marx-Stadt angegliedert. Nach der Wende kam das sächsische Vogtland schließlich zumRegierungsbezirk Chemnitz, der nach der Gebietsreform 2008 inDirektionsbezirk Chemnitz umbenannt wurde. Im Zuge dieser Reform wurde der vogtländischen „Hauptstadt“ Plauen auch das Privileg derKreisfreiheit aberkannt.
DieSiedlungskammer umGera, die bereits um das Jahr 1000 in den schriftlichen Quellen belegt ist, war wahrscheinlich seit dem späten 7. bzw. 8. Jahrhundert vonSlawen besiedelt, die dem Stammesbund derSorben angehörten. Weite Teile des Vogtlandes waren jedoch noch waldbestanden und wurden erst im Zuge der hochmittelalterlichenOstsiedlung im späten 11. und im 12. Jahrhundert durch Slawen und Deutsche aus den Altsiedellandschaften inHochfranken,Thüringen undSachsen besiedelt. Dies ist noch heute an gravierenden mundartlichen Unterschieden in unmittelbarer Nachbarschaft sowie auch an gewissen Dialektgemeinsamkeiten erkennbar. So wird in einigen Dörfern des oberen Vogtlands zum Teil noch ein Dialekt wie in der Oberpfalz gesprochen (ou für u, wie in Kou für Kuh oder Rou für Ruhe).
Im Vogtland sind vor allem Variationen des Ostfränkischen (Oberdeutsch) zu hören. Dies gilt schwerpunktmäßig für die Region um und südlich von Plauen bis hin zum Göltzschtal mit den Städten Auerbach, Rodewisch und Falkenstein.Im Südosten des Vogtlandes ist die Grenze zu denmitteldeutschen Dialekten mit demErzgebirgischen undObersächsischen fließend. Auch im thüringischen Teil herrschen mit Variationen des Thüringischen mitteldeutsche Dialekte vor. Im oberen Vogtland rund um die Orte Adorf, Markneukirchen und Bad Brambach wird einenordbairische Mundart gesprochen. Der dem Erzgebirgischen verwandte Dialekt um Klingenthal hat einen eigenen besonders melodischen Klang(Singsang). Im ehemaligen egerländischen Teil wird heute tschechisch gesprochen, der egerländische (nordbairische) Dialekt ist dort seit 1946 erloschen.Die Sprecher bezeichnen ihren Dialekt meist einfach alsVogtländisch.[4]
Die Geschichte des Vogtlandes behandeln beispielsweise die MuseenBayerisches Vogtland inHof und dasVogtlandmuseum inPlauen, das Museum derBurg Voigtsberg inOelsnitz/Vogtl., inWeida das Museum derOsterburg sowie das Museum inReichenfels. InAdorf werden die Sehenswürdigkeiten der Region in derMiniaturschauanlage Klein-Vogtland vorgestellt und regionale Geschichte im Perlmutter- und Heimatmuseum vermittelt. Museen zur ländlichen Lebensweise und Landeskultur des Oberen Vogtlands befinden sich inLandwüst,Eubabrunn undBad Brambach. Die Geschichte des vogtländischen Musikinstrumentenbaus behandeln dasMusikinstrumenten-Museum Markneukirchen, das Heimatmuseum Bad Brambach, das Musik- und Wintersportmuseum Klingenthal und das Harmonikamuseum Zwota. Für das östliche Vogtland sind hauptsächlich dasHeimatmuseum Falkenstein, das Museum Göltzsch inRodewisch und das StadtmuseumLengenfeld wichtige regionale Informationspunkte. In Adorf/Vogtl. gibt es zudem einenBotanischen Garten und inKlingenthal ein kleinesArboretum. DerBotanische Garten der Stadt Hof zeigt Pflanzenquartiere mit regionalem Landschaftsbezug und im Geologischen Garten wird der Lauf der Saale dargestellt.
Günstig am Schnittpunkt der Verkehrswege von Nord nach Süd und West nach Ost in der Mitte Deutschlands gelegen, konnten Wirtschaft und Industrie im Vogtland sehr früh prosperieren.
Motor der industriellen Entwicklung war und ist die Stadt Plauen, die durch die Herstellung von Spitzen und Stickereien (Plauener Spitze) und durch den Maschinenbau, u. a. mitRotationsdruckmaschinen undLastkraftwagen („Plamag“, „Vomag“), bekannt wurde. Industrielle Schwerpunkte bildeten sich außerdem in Reichenbach, Greiz und Zeulenroda-Triebes. Die Teppichweberei(Halbmond, Adoros) war inOelsnitz undAdorf marktbeherrschend.
International bekannt sind die Instrumente aus dem sogenanntenMusikwinkel mit den StädtenMarkneukirchen undKlingenthal im oberen Vogtland. 80 Prozent der Orchesterinstrumente, die auf der Welt hergestellt wurden, kamen bis zum Zweiten Weltkrieg aus dem Vogtland. Markneukirchen war um 1910 die im Verhältnis zur Einwohnerzahl reichste Stadt Deutschlands und hatte für den blühenden Export ein eigenes amerikanisches Konsulat.[5][6]
Die während der DDR-Zeit geförderte Massenproduktion wurde nach der Wende mit der Rückbesinnung auf die Herstellung von hochwertigen Produkten und Meisterinstrumenten abgelöst. In vielen Spitzenorchestern stammen die Instrumente heute wieder aus vogtländischen Werkstätten. Im Zuge der Globalisierung nennt sich der Musikwinkel mit einer eigenen QualitätsmarkeMusicon Valley, Tal der Musikinstrumente. Der Export hat sich von 1995 bis 2005 mehr als verdoppelt.
In Hof wurde dem Niedergang der Textilindustrie durch die Ansiedlung von Speditionsunternehmen entgegengewirkt.
Insbesondere seit dem wirtschaftlichen Niedergang einiger Industrien nach 1990 spielt derTourismus eine zunehmend wichtige Rolle für die Wirtschaft in der Region. Unabhängig von den Jahreszeiten hat die Region als Ausflugsziel an Attraktivität gewonnen.[7]
Der rund 72 Kilometer langeElsterperlenweg wurde 2017 zum dritten Mal alsQualitätswanderweg zertifiziert.
Die nächsten Internationalen Flughäfen sind derFlughafen Leipzig/Halle und derFlughafen Nürnberg.Im Vogtland liegen der regionaleVerkehrslandeplatz Hof-Plauen und derVerkehrslandeplatz Gera-Leumnitz.


Der Eisenbahnverkehr im Vogtland begann in der Mitte des 19. Jahrhunderts, dieSächsisch-Bayerische Eisenbahn-Compagnie erhielt 1841 die Konzession für dieBahnstrecke Leipzig–Hof. Allerdings wurde das erste, das Vogtland erreichende Teilstück Werdau–Reichenbach, erst 1846 eröffnet. 1848 folgte der Abschnitt Plauen–Hof, beim dazwischen liegenden Teil gestaltete sich die Überbrückung der Täler derWeißen Elster und derGöltzsch als außerordentlich kompliziert. Nach der Vollendung derGöltzsch- und derElstertalbrücke – bis heute die zwei größten Ziegelsteinbrücken der Welt – wurde das fehlende Teilstück 1851 eröffnet.[8]
Mit der 1865 eingeweihtenVogtländischen Staatseisenbahn Herlasgrün–Falkenstein–Oelsnitz–Adorf–Eger dersächsischen Staatsbahn sowie der im gleichen Jahr eröffnetenBahnstrecke Neumark–Greiz der privatenGreiz-Brunner Eisenbahn-Gesellschaft wurden größere Teile des Vogtlands an das Schienennetz angebunden.[8] Die das böhmische Vogtland berührendeBahnstrecke Cheb–Oberkotzau wurde ebenfalls in diesem Jahr eröffnet, die nördlichen Ausläufer des Vogtlands erhielten 1865 mit derBahnstrecke Gößnitz–Gera eine Bahnverbindung.
Nach demDeutsch-Französischen Krieg 1870/71 setzte ein großer Eisenbahnbauboom ein. Am nordwestlichen Rand wurde 1871 der Abschnitt Gera–Eichicht derBahnstrecke Leipzig–Probstzella eingeweiht. Die lange, ungünstige Streckenführung der Vogtländischen Staatseisenbahn führte 1874 zur Eröffnung der wesentlich kürzerenVerbindung Plauen–Oelsnitz, das verbliebeneStreckenstück Herlasgrün–Oelsnitz wurde fortan als eigenständige Strecke betrieben. Die BahnstreckenZwickau–Falkenstein derZwickau-Lengenfeld-Falkensteiner Eisenbahn-Gesellschaft,Wolfsgefärth–Weischlitz derSächsisch-Thüringischen Eisenbahngesellschaft sowie dieChemnitz–Adorf derChemnitz-Aue-Adorfer Eisenbahn-Gesellschaft wurden alle 1875 eröffnet. Allerdings hatten sich alle Gesellschaften beim Bahnbau übernommen, sodass sie bis Ende der 1870er Jahre an den sächsischen Staat verkauft wurden. DieBahnstrecke Weida–Mehltheuer derMehltheuer-Weidaer Eisenbahn-Gesellschaft wurde unter Staatsbahnregie erst 1884 eröffnet. In den nachfolgenden Jahrzehnten wurden weitere Neben- und Schmalspurbahnen eröffnet, das Vogtland erhielt damit im Vergleich zum restlichen Deutschen Kaiserreich ein äußerst dichtes Streckennetz. So lag die kleine GemeindeGassenreuth mit nur 12 km am weitesten von einer Bahnstation entfernt, insgesamt gab es nur drei Ortschaften, die mehr als 10 km vom nächsten Bahnhof entfernt waren.[9]
Der Niedergang des Streckennetzes setzte bereits während desZweiten Weltkriegs ein. Zwar wurden die vogtländischen Bahnanlagen kaum das Ziel alliierter Luftangriffe, allerdings wurde die Unterhaltung stark vernachlässigt. Auch sprengte am Kriegsende die zurückweichende Wehrmacht zahlreiche Bahnanlagen, vor allem Brücken. Ende der 1950er Jahre setzte eine erste Streckenstilllegungswelle ein, die bis Mitte der 1970er Jahre anhielt. Dennoch blieb im Vogtland, unter anderem bedingt durch die Grenzlage, ein dichtes Streckennetz erhalten. Nach den wirtschaftlichen Veränderungen kam es zu einem starken Verkehrsrückgang, daher wurden in den 1990er Jahren erneut größere Streckenabschnitte stillgelegt. Die verbliebenen Strecken wurden Ende der 1990er Jahre umfassend saniert, da dieVogtlandbahn den Personenverkehr auf einem Großteil der ebenfalls stilllegungsgefährdeten Strecken übernahm.[10]
Seit Dezember 2006 ist das Vogtland gänzlich vom Personenfernverkehr derDeutschen Bahn abgeschnitten, auf der Verbindung von Dresden nach Nürnberg (Sachsen-Franken-Magistrale) sowie auf dem Streckenabschnitt derElstertalbahn von Gera nach Greiz verkehren derzeit Regionalzüge. Hochwertigste Reisezugverbindung ist nach der Einstellung des Vogtland-Expresses der RE 3 derMRB Dresden–Hof mit Halt auf den StationenReichenbach,Plauen,Mehltheuer undHof. Der Hofer Hauptbahnhof ist ein bedeutendes Drehkreuz im Vogtland mit Verbindungen nach München, Leipzig, Dresden, Nürnberg, Bamberg sowie international nach Cheb. Der Großteil des regionalen Zugverkehrs wird von der Vogtlandbahn und auch zunehmend von derErfurter Bahn undAgilis in Bayern betrieben. Erstere bildet mit derPlauener Straßenbahn GmbH und einigen regionalen Busbetrieben denVogtländischen Verkehrsverbund. DieVerkehrs- und Betriebsgesellschaft Gera betreibt in der thüringischen Stadt die zweitälteste deutsche Straßenbahn. Auch in Hof gab es bis in die 1920er Jahre eine Straßenbahn, sie wurde damals aber zugunsten eines Stadtbusliniennetzes abgebaut; die heutigeHofBus GmbH befördert etwa fünf Millionen Fahrgäste pro Jahr.
Neben einigen Bundesstraßen, die durch das Vogtland verlaufen, ist die AutobahnA 72 von Hof nach Chemnitz (weiter im Bau bis Leipzig) eine wichtige Verkehrsachse. DasHermsdorfer Kreuz (AutobahnenA 4 undA 9) befindet sich in der Nähe von Gera (Thüringer Vogtland), die AutobahndreieckeBayerisches Vogtland (Autobahnen A 9 und A 72) undHochfranken (AutobahnenA 93 und A 72) liegen in der Nähe von Hof (Bayerisches Vogtland).
Die vogtländische Küche ist eine einfache, deftige Küche, die hauptsächlich aus Grundnahrungsmitteln, vor allem Kartoffeln, besteht. Besonders die Kartoffel ist eine Erwähnung wert, denn sie wurde insbesondere im Vogtland bereits vor dem „Kartoffelbefehl“Friedrich II. 1746 angebaut. Entsprechende Hinweise finden sich bereits Mitte des 17. Jahrhunderts. Damals wurden beispielsweise im südvogtländischenUnterwürschnitz Kartoffeln angebaut.[11] Später, 1707, finden sich erste Hinweise auf Kartoffelanbau im ostvogtländischenNiederauerbach.
Typisch vogtländische Gerichte sind u. a.:
Eine kulinarische Tradition ist das „Neinerlei“ als Zusammenstellung von neun verschiedenen Speisen oder Zutaten zu Heiligabend. Die Zusammenstellung kann hierbei je nach genauem Wohnort und Familienbrauch (früher: nach Verfügbarkeit) breit variieren.
In der Mitte des 18. Jahrhunderts arbeiteten Handwerker vogtländischer Herkunft im Sommerhalbjahr inBerlin. Auf AnordnungFriedrichs des Großen wurden im Gebiet der heutigenRosenthaler Vorstadt Gebäude für diese Handwerker gebaut, um sie dauerhaft in Berlin anzusiedeln. Dieser Stadtteil führte bis ins 19. Jahrhundert den NamenVoigtland. Der Begriff Vo(i)gtland war dabei ein Synonym für das wachsende soziale Elend in Berlin in der Zeit der frühen Industrialisierung.