Vogelspinnenartige (Mygalomorphae) sind eine Unterordnung vonSpinnentieren aus derOrdnung derWebspinnen. Aufgrund ihrer stammesgeschichtlich ursprünglichen Chelizerenstellung wurden sie und dieGliederspinnen (Mesothelae) als "Orthognatha" (Parallelkiefler) zusammengefasst und denEchten Webspinnen (als "Labidognatha") gegenübergestellt. Tatsächlich sind die Vogelspinnenartigen näher mit den Echten Webspinnen (Araneomorphae) verwandt. Die Vogelspinnenartigen umfassen 20Familien mit 351Gattungen und insgesamt 3037Arten.[1] (Stand: Dezember 2018)
Die Arten sind häufig relativ groß und leben vorwiegend in warmen Klimata. Die Mundwerkzeuge (Cheliceren) arbeiten fast parallel zueinander (orthognath), nicht zangenartig gegeneinander (labidognath). Die Augen liegen meist nahe beieinander auf einem flachen Hügel am Vorderrand der Rückenpanzerung (Carapax). Die Hüften derPedipalpen (in Taster umgewandeltes Beinpaar der Spinnen) ähneln außer bei denAtypidae stark den Hüften der Beine. Vogelspinnenartige haben meist zwei PaarFächertracheen und vier, seltener dreiOstienpaare sowie zwei PaarCoxaldrüsen.
Die Cheliceren der Vogelspinnenartigen sind nach vorne gerichtet (orthognath), hier am Beispiel einerRoten Chile-Vogelspinne (Grammostola rosea).
Echte Webspinnen wie derAmmen-Dornfinger (Cheiracanthium punctorium) haben hingegen nach innen gerichtete Cheliceren (labidognath).
Vogelspinnenartige haben meist zwei Paar, seltener eine oder drei PaarSpinnwarzen. Das vordere und das mittlere Spinnwarzenpaar fehlen immer; es existiert weder einCribellum noch einCalamistrum.
Die Eingänge der Samenspeicher (Spermathek oderReceptacula seminis) gehen direkt von der Vagina aus, den Weibchen fehlt eine regulierbare, die inneren Geschlechtsorgane blockierende Abdeckung (Epigyne) und damit auch die Möglichkeit, die zumUterus externus führenden Befruchtungsgänge für den Samen zu verschließen, bzw. Paarung und Befruchtung der Eier zeitlich voneinander zu trennen, wie es bei den Weibchenentelegyner Webspinnen der Fall ist. Einfacher gebaut sind auch die bei den Männchen zum sekundären Geschlechtsorgan umgewandeltenBulben am Ende der Pedipalpen, die bei dieser Unterordnung meist birnenförmig und stark gepanzert sind.
Bei den Vogelspinnenartigen erreichen beide Geschlechter in der Regel ein wesentlich höheres Alter, als es von den echten Webspinnen bekannt ist, wobei die Weibchen die Männchen stets deutlich überdauern (Brachypelma smithi-Weibchen in Gefangenschaft etwa bis zu 25 Jahre, Weibchen einigerAtypus-Arten immerhin bis 10 Jahre). Das höchste dokumentierte Alter einer Spinne lag bei 43 Jahren für ein Weibchen der ArtGaius villosus (Idiopidae).[2] Auch das wird als archaisches Merkmal dieser Spinnen aufgefasst.[3]
Zumindest in der Beinspannweite ähnlich große Arten finden sich auch unter den folgenden Familien oder Gattungen derEchten Webspinnen (Araneomorphae):
Die Verwandtschaftsverhältnisse innerhalb der Vogelspinnenartigen zeigt das nachfolgendeKladogramm nachRaven, 1985.[4] Nicht im Kladogramm enthalten sind die FamilienEuctenizidae (7 Gattungen, 76 Arten), eine frühere Unterfamilie derCyrtaucheniidae, und dieHalonoproctidae (6 Gattungen, 84 Arten), deren Gattungen früher zu denCtenizidae gestellt wurden. Gattungs- und Artenanzahlen gemäßWorld Spider Catalog.[1] (Stand: Dezember 2018)
Coddington, J. A. and H. W. Levi. 1991. Systematics and evolution of spiders (Araneae). Annual Review of Ecology and Systematics 22:565–592.
Miller, J. A. and F. A. Coyle. 1996. Cladistic analysis of the Atypoides plus Antrodiaetus lineage of mygalomorph spiders (Araneae, Antrodiaetidae). Journal of Arachnology 24:201–213.
Hans Ekkehard Gruner (Hrsg.), M. Moritz, W. Dunger; 1993; Lehrbuch der speziellen Zoologie, Band I: Wirbellose Tiere, 4. Teil: Arthropoda (Ohne Insekta)