Vinzenz Wanitschke (*19. Juni1932 inDeschney-Hinterwinkel,Tschechoslowakei; †14. März2012 inDresden) war ein deutscher Bildhauer.
Von 1938 bis 1944 besuchte Wanitschke die Grundschule in Deschney und inRokitnitz im Adlergebirge. Im Jahr 1946 wurde die Familievertrieben und ließ sich inNeubrandenburg nieder. Hier besuchte Wanitschke von 1946 bis 1948 die Schule und begann anschließend eine Lehre zum Holzbildhauer in Neubrandenburg, die er 1950 abschloss.
Von 1950 bis 1953 studierte er an derFachschule für Angewandte Kunst in Wismar und von 1953 bis 1958 an derHochschule für Bildende Künste Dresden, wo er unter anderem beiWalter Arnold undHans Steger lernte. Seit 1958 arbeitete er freischaffend als Künstler in Dresden-Hosterwitz. Bekannt ist Wanitschke vor allem für seine Bronzeplastiken. Er war Mitglied der Produktionsgenossenschaft Bildender KünstlerKunst am Bau[1] und bis 1990 desVerbands Bildender Künstler der DDR. Wanitschke hatte in der Zeit DDR im In- und Ausland eine große Zahl von Einzelausstellungen und Ausstellungsbeteiligungen, u. a. von 1962 bis 1988, außer 1982/1983, an fünf Deutschen Kunstausstellungen bzw.Kunstausstellungen der DDR in Dresden.
Er verstarb nach kurzer schwerer Krankheit[2] und wurde auf demLoschwitzer Friedhof beigesetzt.
Ein Großteil seiner Werke ist beziehungsweise war in Dresden aufgestellt.
Im Jahr 1975 wurde amDr.-Külz-Ring vorm Ringcafé die Kleinplastik „Sonne – Mond“ aufgestellt. Die Bronzeplastik ist ohne Sockel 1,25 Meter hoch.
An der Einmündung der Lingnerstraße in dieSt. Petersburger Straße steht die Betongruppenplastik „Proletarischer Internationalismus“. Sie ist 3,8 Meter hoch, die Figuren 3 Meter. Wanitschke schuf diese Plastik von 1979 bis 1982.
Das „Planetendenkmal“ steht seit 1988 auf derBrühlschen Terrasse. Es besteht aus einerbronzenen Kugel mit einem Durchmesser von 1,2 Metern, aus der Kristalle herauswachsen, die die sich ständig verändernde Welt darstellen.[3] Im Boden um das 10 mal 10 Meter große Kunstwerk sind Bronzemedaillons mit Planetennamen eingelassen, die an dieBastionen derDresdner Befestigungsanlagen erinnern.
Wanitschke arbeitete an der Rekonstruktion des nordwestlichen Treppenturms desDresdner Schlosses mit. Beim Wiederaufbau derDresdner Frauenkirche schuf er von 1998 bis 2004 unter anderem den Verkündungsengel, die Gloriole mit 14 Engelsköpfen und den Kreuz tragenden Engel und nahm Ergänzungen an der Empore, am Orgelprospekt und am Altar vor.
1962 entwarf Wanitschke zusammen mitEgmar Ponndorf undJohannes Peschel den Prototyp einer Kinderrutsche in Elefantenform. Die ersten beiden Exemplare wurden in Dresden und Leipzig aufgestellt, weitere Exemplare aus Betonfertigteilen danach in der ganzen DDR.[4]
Der Brunnen „Mutter und Kind“ wurde 1963 auf der Beethovenstraße enthüllt. An einem runden Becken saß eine Mutter, die auf ihren Knien ein Kind hält. Bei der Sanierung des Brunnens 2003/04 wurde das Brunnenbecken zugeschüttet und durch einen Kugelbrunnen aus südafrikanischem Granit ersetzt. Die Bronzeplastiken sind jedoch weiterhin erhalten. Die neue Brunnenanlage wurde 2004 wiedereingeweiht.
Auf derPrager Straße wurde 1969 der aus emaillierter Bronze bestehende „Trinkbrunnen“ von Wanitschke aufgestellt. Gefertigt hatte ihn die Dresdner KunstschmiedeKarl Bergmann. Der Brunnen steht auf fünf Stelzen. Aus dem Becken ragen ebenfalls auf Stelzen stehend fünf kleine Kugeln auf, die als Wasserspender dienen. Nachdem der Brunnen über mehrere Jahre trocken stand, wurde er im Mai 2008 saniert und steht inzwischen wieder in der Nähe desRundkinos. Seit Juli 2019 ist der Brunnen wieder als Trinkbrunnen in Betrieb. Die Sanierung insbesondere der Emaillen hat rund 8500 Euro gekostet.[5]
In der Gartenanlage desHotel Bellevue steht der 1985 aufgestellte Brunnen „Drei Grazien“. Um ein Sandsteinbecken sitzen drei überlebensgroße Frauenfiguren aus Bronze. Das Becken mit einem Durchmesser von 5,7 Metern hat einen kurvenförmigen Grundriss und besteht ausPostaer Sandstein.[6]
In der Sarrasanistraße steht der von Wanitschke geschaffene „Sarrasani-Brunnen“[7], der im Jahr 2007 übergeben wurde. Die Bronzefiguren des Brunnens wurden inRabenau gegossen und nehmen das Motiv der Elefantenformation auf, die Vinzenz Wanitschke bereits bei einem Gedenkstein an den ZirkusSarrasani unweit des Brunnens verwendete.
Am Eingang des Fußgängertunnels in derInneren Neustadt ist ein von Wanitschke geschaffenes Relief zur Dresdner Geschichte angebracht. Es wurde 1978/1979 angefertigt und zeigt dieDresdner Neustadt und dieAltstadt. Daneben sind thematisch zugehörige Reliefs vonEgmar Ponndorf,Dietrich Nitzsche undPeter Makolies zu sehen.
Wanitschke schuf 1994 die Gedenktafel an den Hofkapellmeister und PianistenHans von Bülow. Diese befindet sich neben dem Eingang zum Bankettsaal desHotels Bellevue. Die Tafel mit der Größe 40 mal 60 Zentimeter hat die Form eines beidseitig eingerollten Notenblatts. Bülows Geburtshaus stand in unmittelbarer Nähe in der Körnerstraße, dem ehemaligen Kohlmarkt.
AmCarolaplatz befindet sich eine Bronzegedenkplatte auf einem Sandsteinsockel. Diese Gedenktafel erinnert an den ZirkusbauSarrasani, der in der Nähe stand.
Seit Mai 1995 erinnert eine von Wanitschke geschaffene Gedenktafel amTaschenbergpalais in der Kleinen Brüdergasse an den KirchenmusikerJan Dismas Zelenka. In unmittelbarer Nähe stand sein Wohn- und Sterbehaus.
In derHauptstraße 9 erinnern zwei Tafeln anErnst Traugott Tischer. Tischer lebte in diesem Haus von 1869 bis 1873, er war Braumeister des Polnischen Brauhauses und Förderer des Dresdner Bürgerhospitals. Das Porträtrelief mit den Maßen 70 mal 59 Zentimeter wurde 1898 vonMax Geissler geschaffen. Wanitschke schuf die Zusatztafel (49 mal 58 Zentimeter). Beide Tafeln wurden am 22. Mai 1996 enthüllt.
Im Krankenhaus in der brandenburgischen BergarbeiterstadtSenftenberg steht seit Dezember 2000 die von Wanitschke geschaffene Bronzeplastik „St. Barbara“, die Schutzheilige der Bergleute.[8]
Die Plastik „Spreewaldkahn“ an der sogenanntenCottbuser Stadtmauer wurde bereits in den 1970er-Jahren abgebaut und gesichert, da durch Vandalismus Teile abgeschlagen wurden. Heute ist sie im Park desCottbuser Carl-Thiem-Klinikums aufgestellt.[9]
Weitere freistehende oder architekturbezogene Kunstwerke Wanitschkes stehen inPotsdam,Pasewalk undHalle (Saale) sowie in Sachsen inRiesa,Oschatz,Pirna (Denkmalgeschützte Bronzeplastik „Sitzendes Paar“, Varkausring, Sonnenstein),Chemnitz undRodewisch.
Brunnen Wanitschkes stehen unter anderem inEbersbach/Sa.,Döbeln,Neustadt in Sachsen undHartha sowie der Stifelbrunnen inAnnaburg und ein Brunnen in denDornburger Schlössern bei Jena.
Personendaten | |
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NAME | Wanitschke, Vinzenz |
KURZBESCHREIBUNG | deutscher Bildhauer |
GEBURTSDATUM | 19. Juni 1932 |
GEBURTSORT | Deštné v Orlických horách |
STERBEDATUM | 14. März 2012 |
STERBEORT | Dresden |