Villotte ist einDiminutiv vom französischen Wortville (deutschStadt), der NameVilla weist auf einenMeierhof oder ein Landgut hin. In der NachbargemeindeMaisey-le-Duc besaßen die Herzöge von Burgund imMittelalter eine Burg und in Villotte ein Kastell. Sie hielten sich im Kastell bei einigen Gelegenheiten auf, das für sie ein Landgut, eine Villa darstellte.
Schreibweisen des Gemeindenamens im Laufe der Jahrhunderte:
Villotte-sur-Ource liegt circa acht Kilometer östlich vonChâtillon-sur-Seine in dessen Einzugsbereich (Aire urbaine) in derRégion naturelle Châtillonnais.[5]
Umgeben wird Villotte-sur-Ource von den sechs Nachbargemeinden:
Der Ort begann erst zu Beginn des 14. Jahrhunderts sich als Gemeinde zu etablieren. Die Bedeutung war zunächst gering, handelte es sich eher um einen Weiler mit gerade vier Einwohnern, der Teil der Pfarrgemeinde von Maisey war. Die Geschichte von Villotte verlief infolgedessen entsprechend der von der heutigen Nachbargemeinde. Villotte gehörte zum Herzogtum Burgund, danach bis zum Beginn derFranzösischen Revolution im Jahre 1789 zurBailliage von Châtillon und zumBistum Langres. DieGrundherrschaft war zwischen dem Herzog, später dem französischen König, demBischof von Langres und demAbt derAbtei Notre-Dame de Châtillon aufgeteilt. Im Jahre 1740 sahen die inzwischen zahlreicheren Einwohner von Villotte die Abgaben und Zinsen, die sie an ihre Grundherren zu entrichten hatten, als überzogen an. Sie forderten eine leichte Ermäßigung, die ihnen gewährt wurde. Im Jahre 1783 wurden ihnen alle Schulden gegenüber den Kirchenvertretern erlassen.
Die Schmieden von Villotte gehen bis auf das frühe 16. Jahrhundert zurück mit einer Schmiede mit einem Feuer, das mit den Produkten von Schmelzöfen aus der Umgebung beliefert wurde. Gegen Ende des 17. Jahrhunderts entwickelte sich die Industrie und ein zweites Feuer wurde hinzugefügt. DasErz wurde auf den Gebieten der Gemeinden Villotte, Maisey und Prusly gewonnen. Die Mehrzahl der Bewohner der Orte war bei der Eisenerzgewinnung beschäftigt. Im 19. Jahrhundert gelangten die Anlagen in den Besitz der Familie Cailletet-Lapérouse.Louis Paul Cailletet war Physiker und Chemiker und führte im Jahre 1855 erste Versuche mit der Verhüttung unter hohen Temperaturen. Zuvor, im Jahre 1840, wurde beim Guss die Holzkohle durch Kohle ersetzt mit dem Ziel der Kostensenkung, um gegenüber den Mitbewerbern bestehen zu können. Diese Versuche hatten nur den Erfolg, die Fabriken bis 1871 in Betrieb zu halten. Der Besitzer sah die Entwicklung jedoch voraus und traf Vorkehrungen, mithilfe der Errichtung einer Ziegelei, einer Nudelfabrik und eines Milchhof von der Eisenindustrie loszukommen. EineRindenmühle wurde immerhin bis 1873 betrieben. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts entwickelte sich eine Käseindustrie auf Basis der kleinen Molkereien, die es in zahlreichen Dörfern gab. Problem bei der Vermarktung der Milch erschwerten das Wachstum der Produktion in den 1920er Jahren und führten zur Gründung von kleinen Kommunalverbänden, in die sich insbesondere Louis Desliens, Tierarzt in Châtillon, einbrachte. Seine Tätigkeit mündete in die Gründung der Milchkooperative von Villotte im Jahre 1932 und von Villers-Patras im Jahre 1947.
ImZweiten Weltkrieg bestand derMaquis Valentin-Balzac aus 50 Männern, die ihre Unterkunft auf dem Bauernhof Sainte-Marie hatten. Als Folge einer Denunziation oder einer Unvorsichtigkeit griffen am 13. Oktober 1943 7.000 deutsche Soldaten den Bauernhof mit Panzern an. Viele Maquisards flüchteten in den Wald, sieben wurden gefangen genommen und deportiert. Maurice Bailly (18), Guy Rathueville (19), Roland Devred (19), Yves Balley (19) begingen am folgenden Tag Selbstmord mit dem Zünden einer Granate, um nicht in die Hände des Feindes zu gelangen. EineStele mit den Namen der jungen Männer wurde 60 Jahre später an dem Ort errichtet. Pierre Roisselet sprang aus dem fünften Stock desGestapogefängnisses inDijon.[8]
Nach Beginn der Aufzeichnungen stieg die Einwohnerzahl bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts auf einen Höchststand von rund 380. In der Folgezeit sank die Größe der Gemeinde bei kurzen Erholungsphasen auf einen Tiefstand bis nach dem Zweiten Weltkrieg von rund 80 Einwohnern, bevor sich in den 1970er Jahren eine Phase moderatem Wachstums einstellte.
Jahr
1962
1968
1975
1982
1990
1999
2006
2011
2022
Einwohner
93
86
80
86
105
114
113
119
106
Quellen: Cassini und INSEE
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Ab 1962 offizielle Zahlen ohne Einwohner mit Zweitwohnsitz Quellen:EHESS/Cassini bis 1999,[4]INSEE ab 2006[9]
Das Wappen der Gemeinde wurde am 18. November 1996 vom Gemeinderat verabschiedet und am 10. Dezember 1996 vom Leiter des Archivs des Départements in Dijon genehmigt.
Die beidenPilgermuscheln weisen auf die Pfarrkirche hin, dieJakobus dem Älteren geweiht ist. Der geschwungeneBalken symbolisiert den Fluss Ource. Die früheren Schmieden und Schmelzöfen werden durch dasZahnrad repräsentiert.[10]
Die Ursprünge der Kirche gehen aus dasFrühmittelalter zurück. DerChor und dasJoch unter demGlockenturm wurden im 16. Jahrhundert errichtet. Der Chor besitzt einKreuzrippengewölbe, der Glockenturm erhebt sich über derVierung der Kirche. In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurden dasLanghaus und die Vorhalle im Stil derfranzösischen Klassik gebaut. Im Jahre 1876 wurden derHelm und dasGesims des Glockenturms neu gebaut, nachdem sie durch einen Blitzeinschlag beschädigt worden waren. Das Dach. welches ursprünglich aus Stein gedeckt war, wurde zwischen 1911 und 1913 vollständig mit Ziegeln neu gedeckt. Der frühere Wetterhahn auf der Turmspitze wurde 1902 ausgetauscht und erneut 1988, diesmal mit der Installation einesBlitzschutzes.[11]
Das Schloss wurde 1830 im Stil der Epoche auf dem Platz des Kastells der Herzöge von Burgund neu gebaut. Ein Nebenarm der Ource durchschneidet den Park mit schönen Bäumen verschiedener Baumarten. Von 1960 bis 1983 war das Anwesen im Besitz der Mairie des 10. Arrondissements in Paris und beherbergte ein Ferienlager. Soraya und Hervé Bordet kauften das Schloss und richteten die Nebengebäude als Wohnungen für Senioren ein.[12][13]
Louis Paul CailletetErnest Paul bei der Ankunft der Tour de France im Jahre 1910
Charles Jean-Claude Damotte, geboren am 8. März 1802 in Villotte-sur-Ource, gestorben am 15. Januar 1869 inTonnerre, ist in Villotte-sur-Ource beigesetzt worden. Er entwickelte Ideen über Handel, Arbeitsorganisation, Versicherung, zu religiösen und politischen Themen, die er auf seine Kosten drucken ließ und in ganz Frankreich und dem Ausland verbreitete und direkt an den französischen Kaiser und demPapst sendete.[16]
Louis Paul Cailletet, geboren am 21. September 1832 in Châtillon-sur-Seine, gestorben am 5. Januar 1913 inParis, war Physiker und Chemiker. Seine Experimente führten dazu, dass er 1877 erstmals Sauerstoff, Stickstoff, Wasserstoff und Luft verflüssigen konnte.[16]
Ernest Paul, geboren am 5. Dezember 1881 in Villotte-sur-Ource, gestorben am 9. September 1964 inSaint-Gatien-des-Bois,Département Calvados, war Straßenrennfahrer. Er führte den Sport als Profi in den Jahren 1908 bis 1914 und von 1919 bis 1922 durch, unter anderem mit zwei Etappensiegen bei derTour de France.[16]
Georges Serraz, geboren am 13. Januar 1883 inIs-sur-Tille, gestorben am 20. Juni 1964 in Paris, war Maler und später Bildhauer, der sich auf religiöse Motive spezialisierte. Im Jahre 1930 kaufte er ein Haus in Villotte-sur-Ource, in dem er arbeitete. Er hinterließ der Gemeinde und in ganz Frankreich mehrere Werke. Er wurde neben seinen beiden Ehefrauen auf dem Friedhof von Villotte-sur-Ource beigesetzt.[16]
Marcel Rousselet, geboren am 6. Dezember 1893 inLille, gestorben am 21. März 1982 in Paris, war Jurist, von 1950 bis 1962 Präsident des Appellationsgerichts in Paris und Mitglied derAcadémie des sciences morales et politiques. Er kaufte im Jahre 1935 ein Haus in Villotte-sur-Ource, um dort mit seiner Familie seine Ferien zu verbringen.[16]
Jean-Charles Brun, geboren im Jahre 1910 in Paris, gestorben im Jahre 1995 in Villotte-sur-Ource, war Maler. Er zog 1970 nach Villotte-sur-Ource, wo er mit seiner Frau das Haus von Frau Serraz kaufte und bezog. Seine letzten zwölf Jahre litt er an Blindheit.[16]
André Rousselet, geboren am 1. Oktober 1922 inNancy, gestorben am 29. Mai 2016 in Paris, war hoher Beamter, Politiker und französischer Unternehmer. Er war einer der beiden Söhne von Marcel Rousselet. André Rousselet empfing seine Freunde und unter anderem auch den französischenStaatspräsidentenFrançois Mitterrand, mit dem er freundschaftlich verbunden war, in seinem elterlichen Haus in Villotte-sur-Ource. 1968 verließ er die politische Bühne und gründete 1984Canal+. Nach der Trauerfeier in Paris mit der Anwesenheit von StaatspräsidentFrançois Hollande wurde er in Villotte-sur-Ource beigesetzt.[17][18]