Heute steht das Vereinigte Königreich mit seinen knapp über 68 Millionen Einwohnern unter denbevölkerungsreichsten Staaten Europas an vierter Stelle, nachRussland,Deutschland und Frankreich. Der bevölkerungsreichste Landesteil ist England mit etwa 56 Millionen Einwohnern, während Schottland rund 5,5 Millionen, Wales 3,1 Millionen und Nordirland 1,9 Millionen Einwohner zählen. Es ist gemessen am nominalenBruttoinlandsprodukt nachIndien und vor Frankreich diesechstgrößte Volkswirtschaft der Welt und nach Deutschland die zweitgrößte Europas. Darüber hinaus genießt das Land einen hohenLebens- undBildungsstandard sowie eine hoheLebenserwartung.
Der Staatsname lautet seit dem 12. April 1927United Kingdom of Great Britain and Northern Ireland.[10] Zuvor war der StaatsnameUnited Kingdom of Great Britain and Ireland, da ganz Irland Bestandteil des Vereinigten Königreichs war.
Die amtliche Langform des Staatsnamens lautet inDeutschland undÖsterreichVereinigtes Königreich Großbritannien und Nordirland, in derSchweiz und inLiechtenstein wird die VarianteVereinigtes Königreich von Grossbritannien und Nordirland[11] (ohneß und mit „von“) gebraucht.
Im nicht-offiziellen Sprachgebrauch findet sich die BezeichnungGroßbritannien als alternative Abkürzung der Langform – auch bei Politikern,Medien,Bildungseinrichtungen und den britischen Botschaften selbst. Die Briten selbst bezeichnen ihr Land in der Alltagssprache alsUK oder kurzBritain, alsGreat Britain dagegen seltener. Dielateinische BezeichnungBritannia stammt von demkeltischen Wortbrith und bedeutetbuntfarbig odergefleckt.
Großbritannien ist jedoch eigentlich nur der Name für die größte der Britischen Inseln – oder für das frühereKönigreich Großbritannien (bis 1801), das die Königreiche Schottland und England einschließlich Wales umfasste. Auf der zweitgrößten Insel –Irland – befinden sichNordirland und die RepublikIrland.
Als Adjektiv zum Staatsnamen steht trotz allem nur die Form „britisch“ zur Verfügung.
Diesynekdochische und sachlich falsche BezeichnungEngland für das gesamte Vereinigte Königreich findet sich vor allem auf dem europäischen Festland. Sie ist auf die historische Dominanz Englands sowie die im gesamten Vereinigten Königreich gegebene Amtssprache Englisch zurückzuführen.
Mit dem Vereinigten Königreich verbundene Gebiete
Eine Reihe von Territorien stehen in enger Verbindung zum Vereinigten Königreich, sind aber völkerrechtlich von ihm abzugrenzen. Dies betrifft zum einen dieIsle of Man und dieKanalinseln, die alsKronbesitztümer kein Bestandteil des Vereinigten Königreich sind. Zum anderen bestehen 14Überseegebiete, die unter britischer Souveränität stehen, aber ebenfalls kein Teil des Vereinigten Königreichs sind.
Durch dieBritische Monarchie steht das Vereinigte Königreich ferner in einer indirekten Beziehung zu 14 weiterenCommonwealth Realms, derenStaatsoberhaupt der britische Monarch jeweils auch ist; diese sind jedoch nicht nur selbstständige Staaten, sondern bilden auch jeweils eigenständige Monarchien.
Das Vereinigte Königreich besteht aus derHauptinsel Großbritannien und etwa einem Sechstel der Insel Irland. Um die Hauptinsel liegen ungefähr 800 kleinere Inseln; die wichtigsten Inselgruppen sindShetland undOrkney in derNordsee nördlich von Schottland, dieÄußeren Hebriden und dieInneren Hebriden imAtlantischen Ozean westlich von Schottland,Anglesey in derIrischen See nördlich von Wales, dieScilly-Inseln in derKeltischen See südwestlich von England sowie dieIsle of Wight imÄrmelkanal vor der englischen Südküste. Die einzige Landgrenze besteht auf der Insel Irland zur Republik Irland; diese ist 360 Kilometer lang.
Größter Landesteil ist England mit einer Fläche von 130.395 Quadratkilometern und rund 54,3 Millionen Einwohnern. England bedeckt rund 59 Prozent der Insel Großbritannien und besteht zum größten Teil aus Tiefebenen, die von Hügelketten durchzogen sind. DieTees-Exe Line, eine zwischen den FlüssenTees inYorkshire undExe inDevon gezogene imaginäre Linie, unterteilt England in zwei unterschiedliche Regionen.
Westlich an England grenzt Wales (walisischCymru), das 20.779 Quadratkilometer groß ist und mehr als drei Millionen Einwohner zählt. Das Land besteht fast gänzlich aus metamorphen Mittelgebirgen, wobei die Erhebungen von Norden nach Süden generell niedriger werden. Höchster Berg ist derSnowdon (Yr Wyddfa) mit 1085 Metern. Nach diesem istSnowdonia benannt, das nördlichste der drei walisischen Gebirge. Im zentralen Landesteil liegen dieCambrian Mountains, daran anschließend in Südwales dieBrecon Beacons.
Der längste Fluss des Vereinigten Königreichs, der Severn, entspringt in Zentralwales in den Cambrian Mountains. Der größte Teil der Bevölkerung konzentriert sich auf einen schmalen Küstenstreifen entlang desBristolkanals im Süden mit den StädtenCardiff,Newport undSwansea sowie auf die vom Küstenstreifen abzweigenden südwalisischen Täler.
Schottland (schottisch-gälischAlba) ist 78.772 Quadratkilometer groß, zählt rund 5,3 Millionen Einwohner und umfasst den nördlichen Teil Großbritanniens. Das Land besteht aus drei Teilen; denHighlands im Norden und Westen, demCentral Belt im Zentrum und denSouthern Uplands im Süden.
Die Geologie Schottlands ist weitgehend metamorph, Sedimente sind relativ selten. Magmatisches Gestein hingegen ist vor allem in den südlichen Highlands und auf den Inneren Hebriden in zahlreichen Gegenden zu finden. Ebenfalls das Ergebnis urzeitlicher vulkanischer Aktivität ist derBen Nevis in denGrampian Mountains, mit 1345 Metern der höchste Berg Schottlands und der gesamtenBritischen Inseln. Die nördlichen, etwas flacheren Highlands sind vom Rest des Landes durch denGreat Glen geteilt, einer tektonischen Verwerfung.
Im Central Belt, in den Ballungsgebieten der GroßstädteGlasgow,Edinburgh undDundee, konzentriert sich der größte Teil der Bevölkerung. Einzige Großstadt außerhalb dieser Region istAberdeen an der Nordostküste. Am südlichsten liegen die dünn besiedelten Southern Uplands; sie erstrecken sich entlang der englischen Grenze von der Irischen See zur Nordsee. Central Belt und Southern Uplands werden zusammen auch als dieLowlands bezeichnet.
Die Westküste Schottlands ist stark zergliedert, dies aufgrund vieler vorgelagerter Inseln und zahlreicher tief in das Landesinnere reichenderFjorde (die in Schottland alsFirths bezeichnet werden). Die bekanntesten dieser Meeresarme sind derFirth of Clyde und derSolway Firth. Hingegen ist die Ostküste wenig zergliedert, mit Ausnahme desFirth of Forth, des Firth ofTay und desMoray Firth, die aber mehr den Charakter großerÄstuare haben.
Kleinster Landesteil istNordirland (irischTuaisceart Éireann), das 13.843 Quadratkilometer groß ist, rund 1,8 Millionen Einwohner zählt und den nordöstlichen Teil der Insel Irland umfasst. Das Gelände ist zumeist wellig. Die einzigenMittelgebirge sind die im Südosten gelegenenMourne Mountains, der höchste Berg ist hier derSlieve Donard mit 849 Metern, sowie die zentral gelegenenSperrin Mountains mit dem 678 m hohenSawel Mountain. Ungefähr in der Mitte Nordirlands liegt derLough Neagh, mit einer Oberfläche von 388 Quadratkilometern der größteBinnensee der Britischen Inseln. Die größten Städte sindBelfast undDerry (Londonderry).
Die Urbanisierungsrate im Vereinigten Königreich betrug 2016 82,8 % womit es zu den am stärksten urbanisierten Ländern der Welt zählt. Die größte Stadt des Vereinigten Königreichs ist die HauptstadtLondon mit über 10 Millionen Einwohnern im Metropolraum. Das Land ist stark auf seine Hauptstadt konzentriert, in der ein Sechstel der Bevölkerung lebt und die knapp ein Viertel der Wirtschaftsleistung erbringt. London ist das unumstrittene wirtschaftliche, kulturelle und politische Zentrum des Vereinigten Königreichs und gilt als eine der einflussreichsten Städte weltweit. Weitere große Metropolregionen sindManchester (2,6 Mio. Einwohner),Birmingham (2,5 Mio.),Leeds (1,8 Mio.) undGlasgow (0,9 Mio.). Die meisten Ballungsräume liegen im dicht besiedelten Landesteil England.[13]
Das Vereinigte Königreich liegt ganz in dergemäßigten Klimazone. Das Klima ist feucht und aufgrund des Einflusses desGolfstroms wärmer als in anderen Gebieten auf den gleichen Breitengraden. Aufgrund der Lage des Landes in derKonvergenzzone von kalter polarer und warmer tropischer Luft ist das Wetter sehr unbeständig. Allgemein ist das Klima im Süden und Osten wärmer und trockener als im Norden und Westen. Die Regenmenge beträgt im Norden durchschnittlich 1000 mm pro Jahr, im Süden 700 mm. Am feuchtesten ist es in den westlichen Highlands mit über 3000 mm jährlich, am trockensten inEssex mit 600 mm (in besonders trockenen Jahren sogar nur 450 mm).
Während zwei Dritteln des Jahres ist der Himmel bewölkt, so dass die durchschnittliche jährliche Sonnenscheindauer relativ gering ist. An der englischen Südküste beträgt diese 1750 und 2100, im westlichen Teil Schottlands oft weniger als 1000 Stunden. Das Land ist relativ selten von Naturkatastrophen betroffen, vor allem im Winter können jedoch starke Sturmwinde (bis zuOrkanstärke) und Überschwemmungen auftreten. Nebel tritt vor allem im Winter in den bergigen bzw. hügeligen Regionen sowie an der Küste auf.
Die höchste je im Vereinigten Königreich gemessene Temperatur ist 40,3 °C am 19. Juli 2022 inConingsby undWaddington, zwei Ortschaften in der GrafschaftLincolnshire in derRegionEast Midlands.[14] Am kältesten war es am 30. Dezember 1995 beiAltnaharra inSutherland mit −27,2 °C. Da die Durchschnittstemperatur auch im Winter meist über dem Gefrierpunkt liegt, fällt nur wenig Schnee. Ausnahme sind die schottischen Highlands, wo während einigen Wochen die Schneedecke dick genug ist, um Wintersport ausüben zu können.[15]
Auswirkungen des Klimawandels
Im Vereinigten Königreich gibt es infolge desKlimawandels einen Trend zu wärmeren Wintern und heißeren Sommern, der Meeresspiegel der britischen Küste steigt jährlich um etwa 3 mm und es gibt Anzeichen für eine Änderung der Niederschlagsmuster.[16] Klimawissenschaftler erwarten, dass Hitzewellen wie jene im Jahr 2003 in den 2040er Jahren infolge derKlimakrise zur Norm geworden sein werden.[16] Modellrechnungen aus dem Jahr 2019 ergeben, dass London bereits bei Eintritt des als optimistisch eingeschätztenRCP4.5-Szenarios in eine andere Klimazone verlagert werden würde; demnach wäre das Klima in London bereits im Jahr 2050 dem bisherigen Klima im spanischenBarcelona ähnlicher als dem bisherigen in London.[17] Auch Extremwetterereignisse werden häufiger und intensiver; so ließ sich bspw. nachweisen, dass sich dieÜberschwemmungen in England 2013–2014 ursächlich auf den vom Menschen verursachtenKlimawandel zurückführen lassen.[18]
Flora und Fauna
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Rothirsch in Schottland
Wegen des relativ milden Klimas und verschiedenerBöden gibt es eine gewisse Vielfalt anPflanzengesellschaften. Ursprünglich waren die Britischen Inseln insbesondere in denTiefebenen mit großenWäldern bedeckt, hauptsächlich mitEichen- und anderenLaubwäldern. Ausnahmen waren Gebiete desMarschlandes, wie dieFens. In höheren Lagen, wie in Schottland, und auf sandigeren Böden gab es großeKiefern-Waldgesellschaften. Aufgrund anhaltenderAbholzung und vermehrterlandwirtschaftlicher Nutzung ist der Waldbestand über die Jahrhunderte zurückgegangen, sodass heute noch etwa 9 Prozent der Landfläche mit Bäumen bedeckt ist. Seit dem 20. Jahrhundert wird versucht, die Wälder wiederaufzuforsten. Größere Wälder gibt es heute in Schottland sowie vereinzelt im Süden und Osten Englands und in Wales. Vorkommende Baumarten sind hauptsächlich Eichen-Arten, dieRotbuche, dieGewöhnliche Esche undUlmen. In Schottland wachsen hauptsächlich dieWaldkiefer, dieGemeine Fichte undBirken-Arten.DieKulturlandschaften zwischen den Gebirgen sind mit zahlreichenMooren und verschiedenen Wiesen undHeiden bedeckt. Es gibt Apfel- und Kirschbaumkulturen. Verschiedene Arten vonkrautigen Pflanzen sind in großen Teilen des Landes heimisch. Es gibt über 1600 Pflanzenarten.
DieFauna ist ähnlich der in anderen Gebieten Nordwesteuropas, jedoch weniger vielfältig. Der ehemals heimischeWolf, dasWildschwein, derWisent und derBraunbär wurden ausgerottet. Wild lebendeGroßsäugetiere sindRothirsch undReh. Eingebürgert sind derDamhirsch,Sikahirsch und dasWasserreh. Andere verbreitete heimische Arten sind derFeldhase,Igel,Rotfuchs,Wiesel sowieSpitzmaus undOtter. Verbreitete Vogelarten sind die beidenSperlings-Arten, dieDrossel,Rabenkrähe,Tauben sowieFinken. Das heimischeEichhörnchen wird zunehmend durch das ausgesetzte nordamerikanischeGrauhörnchen verdrängt und droht völlig zu verschwinden. Eine weitere ursprünglich nicht heimische Säugetierart ist derMink, ein nordamerikanischer Verwandter des Nerzes. In den Küstenregionen leben derSeehund und dieKegelrobbe. Nordirlands Tier- und Pflanzenwelt ähnelt in weiten Teilen der auf der britischen Hauptinsel.
Bevölkerungsdichte im Vereinigten Königreich 2011Bevölkerungspyramide des Vereinigten Königreichs 2016
Das Vereinigte Königreich hatte 2022 rund 67,5 Millionen Einwohner.[21] Das jährliche Bevölkerungswachstum betrug + 0,8 %. Zum Bevölkerungswachstum trug ein Geburtenüberschuss (Geburtenziffer: 10,0 pro 1000 Einwohner[22] vs. Sterbeziffer: 9,1 pro 1000 Einwohner[23]) bei. Die Anzahl der Geburten pro Frau lag 2022 statistisch bei 1,6, die der Region Europa und Zentralasien betrug 1,7.[24] DieLebenserwartung der Einwohner des Vereinigten Königreichs ab der Geburt lag 2022 bei 82,1 Jahren[25]. DerMedian des Alters der Bevölkerung lag im Jahr 2021 bei 39,6 Jahren.[26] Im Jahr 2023 waren 17,4 Prozent der Bevölkerung unter 15 Jahre,[27] während der Anteil der über 64-Jährigen 19,2 Prozent der Bevölkerung betrug.[28]
Die Bevölkerung wuchs von 10,5 Millionen (Durchführung des ersten Bevölkerungszensus 1801) auf 67 Millionen im Jahre 2020 an. DieIndustrialisierung des Landes löste ein rasantes Bevölkerungswachstum in Kombination mit voranschreitenderUrbanisierung aus. London war ab dem Jahr 1825 die größte Stadt der Welt und blieb es bis etwa 1940.[29] Das Bevölkerungswachstum begann sich mit Beginn des 20. Jahrhunderts zu verlangsamen. Ab 1960 beschleunigte sich die Dynamik wieder aufgrund der Migration aus den ehemaligen Kolonien des Königreichs.
DieStaatsbürger des Vereinigten Königreichs werden Briten genannt. Die Bevölkerung verteilte sich 2011 auf die einzelnen Regionen wie folgt: England 83,9 Prozent, Schottland 8,5 Prozent, Wales 4,8 Prozent und Nordirland 2,8 Prozent.[30] Zwischen 2001 und 2011 wuchs die Bevölkerung mit einer durchschnittlichen jährlichen Rate von 0,7 Prozent.[31] Das Land gehört zu den dichter besiedelten Ländern der Welt, wobei England deutlich dichter bevölkert ist als Schottland und Wales.
EineVolkszählung wird gleichzeitig in allen Teilen Großbritanniens alle zehn Jahre durchgeführt.[32] DasOffice for National Statistics sammelt die Daten in England und Wales. Für Schottland ist die dortige RegierungsbehördeNational Records of Scotland zuständig, für Nordirland dieNorthern Ireland Statistics and Research Agency.
Bevölkerungsstruktur
Größte Einwohnergruppen nach Geburtsland (2015)[33]
Die Bevölkerung des Vereinigten Königreiches (UK) wird, unabhängig von der Staatsbürgerschaft, nachethnischen Gruppen(ethnic groups oderraces) erfasst:Weiße(Whites), alsoEngländer,Waliser,Schotten undIren sowie Einwanderer aus anderen Teilen Europas,Schwarze(Black) undAsiaten(Asian). Diese Einteilung basiert auf einer subjektiven Selbstzuschreibung. Bei der Volkszählung 2001 wurden auch die Chinesen(Chinese) als separate Gruppe erfasst.[34]
Laut Censusangaben von 2011 sind 87,1 Prozent der Bevölkerung des UK Weiße. Daneben gibt esMinderheiten von 12,9 Prozent, die aus mehreren nicht-weißen Ethnien besteht. Der größte Anteil der nicht-weißen Menschen erklärt sich vornehmlich ausEinwanderungsbewegungen aus ehemaligenbritischen Kolonien aus demindischen Subkontinent,Afrika und derKaribik, insbesondere in den 1950er und 1960er Jahren.[35][36]
Der Bevölkerungsanteil von Ausländern und ethnischen Minderheiten ist regional sehr unterschiedlich. Die höchsten Anteile werden inLondon und in den Ballungsräumen Englands erreicht. Diese umfassenBirmingham,Manchester undWest Yorkshire. In den ländlichen GebietenSüdwest- undNordostenglands sowie in den anderen LandesteilenWales,Nordirland undSchottland leben verhältnismäßig wenige ethnische Minderheiten.[35][37]Leicester war 2011 die Stadt mit dem höchsten Anteil an ethnischen Minderheiten. Im selben Jahr waren noch 44 Prozent der Bevölkerung Londons weiß und britisch.[38]
2011 gab es im UK knapp 2 Millionen Menschen, die sich entweder als „Black Caribbean“ oder als „Black African“ bezeichneten. Dies entspricht etwa 3 Prozent der Gesamtbevölkerung. Der Großteil der eingewandertenWestinder kam bereits in den 1950er Jahren in der Hoffnung auf bessere Lebensumstände; die Mehrheit kam ausJamaika. Stammten bis Ende des 20. Jahrhunderts die meistenSchwarzen im Vereinigten Königreich noch aus der Karibik, so kehrte sich der Trend durch steigende Migration aus afrikanischen Ländern, wie Nigeria oderGhana, um und heute bezeichnet sich die Mehrheit als „Black African“.[35][39]
2011 lebten über 1,4 MillionenInder oder Indischstämmige im UK, einige Schätzungen gehen von 1,7 Millionen aus. Inder stellen die größte Einwanderergruppe aus einem einzigen Land. Ihr Anteil an der Bevölkerung beträgt 2,3 Prozent. Etwa 44 Prozent der britischen Inder sindHindus, dieSikhs folgen mit 22 Prozent und an dritter Stelle die indischenMuslime mit 14 Prozent. Diverse Gründe haben die Inder dazu veranlasst, ins Vereinigte Königreich auszuwandern. Neben wirtschaftlichen Gründen und dem Wunsch nach einem höheren Lebensstandard spielte auch politische Verfolgung eine Rolle.[35][40][41]
Pakistanischstämmige sind die drittgrößte Minderheit im Land. 2011 lebten knapp 1,2 MillionenBritisch-Pakistaner in Großbritannien, was etwa 1,8 Prozent der Bevölkerung ausmacht. Parallel zu den indischen Migranten kamen auch die meisten Pakistaner um Arbeit zu finden und für einen besseren Lebensstandard im Zuge der ersten großen Einwanderungswelle in den 1950er Jahren nach Großbritannien. Die überwiegende Mehrheit der Pakistaner sind Anhänger desIslam.[35][42]
Britische Asiaten in London
Die Bangladescher gehören ebenso wie die Inder und Pakistaner zu den sogenanntenAsian or British Asian. 2011 machte die Bevölkerungsgruppe über 450.000 Menschen aus.[35] Die Gründe für ihre Einwanderung waren der Bürgerkrieg und die Abspaltung Bangladeschs von Pakistan 1971 ebenso wie die der Suche nach Arbeit und die Hoffnung auf einen höheren Lebensstandard. Die meisten Bangladescher sind ebenfallsMuslime.[42]
Es gibt im Vereinigten Königreich über 430.000Chinesen beziehungsweise Menschen mit chinesischer Abstammung, was 0,7 Prozent der Gesamtbevölkerung entspricht. Historisch gesehen gehören Chinesen zu der ältesten Migrantengruppe im UK. Eine große Einwanderungswelle gab es in den 1950er Jahren, darunter gab es viele Migranten aus der RegionHongkong.[35][43] Die Einwanderung aus China stieg in den letzten Jahrzehnten kontinuierlich an.[44]
Unter den englischen BezeichnungenGypsy oderTraveller wird eine Vielzahl ethnischer Minderheiten verstanden, die etwa 63.000 Personen umfasst. Die Minderheit, die den traditionellen „Zigeunern“ in ihrer Lebensweise am nächsten kommt, sind dieRoma, deren Ursprung in Nordindien liegt. Die von den Roma zu unterscheidende Gruppe der „Irish Travellers“ hat ihre Wurzeln in Irland.[35][45]
Polen stellen eine große Minderheit im Vereinigten Königreich dar. Schon während des Zweiten Weltkrieges gab es mehrere zehntausend Polen im Land; vieledienten auf der Seite der Alliierten. Seit Anfang des 21. Jahrhunderts stieg die Zahl der polnischen Einwohner im Vereinigten Königreich aufgrund des EU-Beitritts Polens signifikant an. 2011 ging man aufgrund der Zensusangaben von knapp 600.000 Polen im Vereinigten Königreich aus.[46][47]
Im Jahre 2017 waren 13,4 % der BevölkerungMigranten.[48]
Englischsprachige Welt: dunkelblau = Englisch als Amtssprache hellblau = Englisch mit offiziellem Status
Das Vereinigte Königreich hat keine rechtlich festgeschriebeneAmtssprache,Englisch ist jedochde facto offizielle Sprache und wird von 95,5 % der Bevölkerung als Landessprache verwendet. AlsHochsprache gilt die Aussprachevariante derReceived Pronunciation, die nur von unter 10 % der Engländer, hauptsächlich im Süden des Landes, in der Region um London, im Alltag gesprochen wird. Dieses Englisch wird auch in den meisten Schulen Deutschlands unterrichtet. Allerdings besitzen drei Landesteile eigene offizielle Sprachen: In Wales sind sowohl Englisch als auchWalisisch offizielle Sprachen. In Schottland wird seit 2005 dieschottisch-gälische Sprache neben Englisch als offizielle Amtssprache anerkannt. In Nordirland sindIrisch undUlster Scots offiziell anerkannte Minderheitensprachen.Daneben gibt es im Vereinigten Königreich diverse lokaleDialekte des Englischen, die aber keinen offiziellen Status haben und meist rein mündlicher Natur sind. Noch bis in die jüngste Vergangenheit hinein empfand man Dialekte und dialektal gefärbte Aussprache im klassenbewussten Königreich als sozialen Makel.
Laut der Volkszählung von 2001 wird Walisisch von rund 20 Prozent der Bevölkerung in Wales gesprochen (ca. 600.000 Menschen), schottischesGälisch von rund 60.000 Menschen, Irisch von rund 20.000 Menschen (7 Prozent der Bevölkerung Nordirlands) und Kornisch von 3500 Menschen (etwa 0,6 Prozent der Bevölkerung von Cornwall).
2011 verstand sich die Mehrzahl der Einwohner des Vereinigten Königreichs (ca. 59 Prozent)[49] alsChristen. Bei der Volkszählung 2001 beantworteten 92 Prozent der Einwohner die in der Beantwortung freigestellte Frage nach derReligion. Wie in anderen Ländern auch ist die Kirchenmitgliedschaft nicht mit der Religionszugehörigkeit gleichzusetzen. Genaue Statistiken der Kirchenmitgliedschaft sind schwer zu erstellen, da man im Vereinigten Königreich gewöhnlich nur dann offiziell Mitglied einer Kirche wird, wenn man sich über den gelegentlichen Gottesdienstbesuch hinaus am Gemeindeleben beteiligen will. 1995 waren nur 14 Prozent der Bevölkerung Mitglieder von Kirchen in diesem Sinn. Laut Umfragen aus dem Jahr 1995 fühlen sich ca. 27 Millionen (45 Prozent) deranglikanischen Kirche zugehörig, 11 Millionen (19 Prozent) anderen protestantischen Kirchen im weitesten Sinne und knapp 6 Millionen (10 Prozent) derRömisch-katholischen Kirche. Ein starkes Wachstum erfahren seit den 1970er Jahren dieBlack churches (Kirchen der Schwarzen), die seit Ende der 1940er Jahre in englischen Großstädten von Einwanderern aus den (einstigen) britischen Kolonien in der Karibik und in Afrika gegründet worden waren.[50]
Zu den großen Kirchen (grob nach Größe und Einfluss geordnet) zählen
DasBildungswesen ist dezentralisiert und in England, Wales, Nordirland und Schottland unterschiedlich organisiert. Die folgenden Informationen geben nur einen generellen Überblick und orientieren sich am englischen Bildungssystem.
Im Vereinigten Königreich besteht zwischen dem 5. und 16. LebensjahrBildungspflicht. Der Erwerb von Bildung ist für das Kind somit nicht ausschließlich durch den Besuch einerSchule (Vorschule ab 3., Primarschule 5. bis 11. und Sekundarschule 12. bis 16. bzw. 18. Lebensjahr), sondern auch durch alternative Bildungsformen wie etwaHausunterricht möglich.[52] Allerdings kann Kindern eine Schulbesuchsaufforderung(School Attendance Order) erteilt werden, wenn der Gemeinderat der Ansicht ist, dass ihnen zuhause keine hinreichende Bildung zuteilwird.[52] Mit 16 Jahren wird das „General Certificate of Secondary Education“ (GCSE) abgelegt. Von dessen Ergebnissen hängt es ab, ob der Schüler weiter die Schule besuchen undA-level-Prüfungen absolvieren kann. Gute Noten in den A-level-Prüfungsfächern sind wiederum Voraussetzung, um sich in einen entsprechenden Studiengang an der Universität einzuschreiben. Auch das International Baccalaureate wird als Abschluss angeboten. Überblick über die Leistungsfähigkeit der einzelnen Schulen gibt ein jährliches Ranking („League-Tables“).
Neben den staatlichen Schulen gibt es gebührenpflichtigePrivatschulen, die ca. 7 Prozent der Schüler besuchen. Als staatlich finanzierte Schultypen werden seit einigen Jahren in großem Umfang „Academies“ und „Free Schools“ gegründet, die über wesentlich mehr Autonomie bei der Ausgestaltung des nationalen Lehrplans und der Auswahl ihres Lehrpersonals verfügen. Ein mit Deutschland vergleichbares Berufsausbildungsangebot (duales System) gibt es nicht bzw. wird gerade von der britischen Regierung nach eigenem Prinzip aufgebaut („apprenticeship“). Betriebe bilden nach Eigenbedarf aus, eine Lehrlingsausbildung in handwerklichen Betrieben ist weitgehend unbekannt.
DieUniversity of Oxford ist eine der ältesten und renommiertesten Universitäten der Welt
Die Top 24 von ca. 180 Hochschuleinrichtungen, darunter weltweit führende forschungsintensive Spitzenuniversitäten wieUniversity of Oxford,University of Cambridge,London School of Economics (LSE),Imperial College undUniversity College London haben sich in der renommierten Russell-Group organisiert. An englischen Universitäten zahlen inländische und EU-Studierende für das Erststudium (Bachelor) Studiengebühren von bis zu £9.000 pro Jahr, die über ein staatliches Volldarlehen vorfinanziert werden können. In Schottland werden für schottische und EU-Studenten keine Gebühren für das Erststudium verlangt, für Wales und Nordirland bestehen Sonderregelungen. Die Kosten für einen Masterstudiengang sind nicht gesetzlich reglementiert und variieren stark nach Studienfach und Hochschule.
Fremdsprachenunterricht an staatlichen englischen Schulen ist im Alter von 11 bis 14 Jahren verpflichtend. Dies gilt auch für das Erlernen einer Fremdsprache im Primarschulbereich (Key Stage 2). Sekundarschüler (ab Year 7) müssen seit September 2015 im Rahmen des sogenannten „English Baccalaureate“ eine Fremdsprache verpflichtend für ihre GCSE-Prüfungen ablegen. Innerhalb der letzten 10 Jahre hat sich die Zahl der Deutschlerner an englischen Schulen halbiert (2016: 50.271 GCSE-Prüfungen, 3.842 A-Level-Prüfungen).[53]
ImPISA-Ranking von 2015 erreichen britische Schüler Platz 27 von 72 Ländern in Mathematik, Platz 15 in Naturwissenschaften und Platz 21 beim Leseverständnis.[54]
Gesundheit
Das britischeGesundheitssystem galt im internationalen Vergleich lange Zeit als Idealtyp eines staatlichen Gesundheitsdienstes (ein sogenanntes „Beveridge-System“). Dieses integrierte System aus staatlicher Finanzplanung und weitgehend staatlicher Leistungserstellung befindet sich allerdings seit einiger Zeit im Übergang auf ein System regulierter Versorgungsmärkte.
Die vier nationalen Gesundheitssysteme im Vereinigten Königreich finanzieren sich zum größten Teil aus öffentlichen Mitteln, insbesondere aus allgemeinen Steuern, zweckgebundenen Steuern und – wenn auch in geringem Umfang – Sozialversicherungseinnahmen. Da der Beitragssatz zur nationalen Sozialversicherung („National Insurance“, NI) vom Staat festgelegt wird, werden die Sozialversicherungsbeiträge als Steuern betrachtet. Die Verteilung der Finanzmittel auf die Leistungserbringer im britischen nationalen Gesundheitsdienst („National Health Service“, NHS) folgt einem mehrstufigen System aus zentraler Planung, dezentraler Zuweisung und Wettbewerb. Zunächst wird zwischen dem Finanzministerium und dem Gesundheitsministerium („Department of Health“, DoH) für drei Jahre das Gesundheitsbudget ausgehandelt. Dieses wird dann auf der Grundlage einer komplizierten Formel an lokale beziehungsweise regionale Einrichtungen des nationalen Gesundheitsdienstes verteilt. Die Berechnungsformel orientiert sich dabei an verschiedenen Kriterien, die die Verteilung der Finanzmittel gemäß lokalem Bedarf sicherstellen sollen. Im Jahr 2010 wurden 102 Milliarden britische Pfund für die nationale Gesundheitsversorgung in England ausgegeben. Rund 50 Prozent dieser Ausgaben entfielen auf die Behandlung im Akutkrankenhaus, rund 10 Prozent auf die Primärversorgung. Die Pro-Kopf-Ausgaben für Gesundheit sind in Großbritannien deutlich niedriger als in Deutschland. Die OECD-Statistik weist im Jahr für das Jahr 2011 für das Vereinigte Königreich Pro-Kopf-Ausgaben in Höhe von 3406 US-Dollar, für Deutschland 4495 US-Dollar aus (jeweils in Kaufkraftparitäten).[55]
DieLebenserwartung der Einwohner des Vereinigten Königreichs ab der Geburt lag 2022 bei 82,1 Jahren[25] (Frauen: 83,8[56], Männer: 80,4[57]). Die Lebenserwartung stieg von 77,7 Jahren im Jahr 2000 bis 2022 um 6 %.[25]
Man geht davon aus, dass zum Ende derPrähistorie weite Teile der Insel Großbritannien durchkeltische Stämme besiedelt wurden. Diese hielten enge Verbindungen mitGallien. Im Jahr 55 v. Chr. begann der erste Feldzug durch den römischen ProvinzstatthalterGaius Julius Cäsar. Die Eroberung Britanniens, mit AusnahmeSchottlands, erfolgte 43 n. Chr. und führte zu einer etwa 400 Jahre andauernden römischen Herrschaft. Als die Römer sich zurückzogen, kamenAngeln,Sachsen undJüten auf die Insel und drängten die Kelten in die Gebiete des heutigen Wales und nach Schottland zurück.
England, Schottland und Wales im Mittelalter
Im Frühmittelalter entstand im Süden des heutigen Schottland dasKönigreich Strathclyde. Durch die Vereinigung vonPikten und keltischen Skoten aus dem KleinkönigreichDalriada bildete sich im 10. Jahrhundert dasKönigreich Schottland.
Währenddessen schufen dieAngelsachsen auf dem Gebiet des später nach ihnen benannten England sieben voneinander unabhängige Kleinkönigreiche:Wessex,Sussex undKent im Süden,East Anglia undEssex im Osten,Mercia im Zentrum undNorthumbria im Norden. Innerhalb dieser alsHeptarchie bezeichneten Machtkonstellation kam es immer wieder zu Kämpfen um die Vorherrschaft. Im 9. Jahrhundert mussten sich Königreiche zudem nach außen der Angriffe dänischerWikinger erwehren, die mit demDanelag große Teil des Landes unter ihre Herrschaft brachten. Ab dem ausgehenden 9. Jahrhundert gelang es den Königen aus demHaus Wessex, sowohl die Wikinger zurückzudrängen als auch ihreHegemonie über die anderen angelsächsischen Königreiche zu etablieren.
Im Jahr 1066 begann dienormannische Eroberung Englands mit der Invasion durch HerzogWilhelm II., die nach derSchlacht bei Hastings zur normannischen Herrschaft über England führte. Die Französisch sprechendenAnglonormannen übten anhaltenden Einfluss auf Kultur und Sprache des Landes aus und etablierten denFeudalismus in England. Im Laufe der Jahrhunderte assimilierten sich die Nachfahren der Eroberer jedoch letztlich mit der angelsächsischen Kultur und Gesellschaft. In der Mitte des 12. Jahrhunderts begannen anglo-normannische Adlige aus England und Wales mit der Eroberung Irlands. Der Herrschaftsbereich des englischen Königs auf der kleineren Nachbarinsel beschränkte sich jedoch lange Zeit auf das alsThe Pale bezeichnete Gebiet um Dublin.
In der frühen Neuzeit führte dieReformation und die Einführung protestantischer Staatskirchen in England und Schottland zu Konflikten. Das FürstentumWales, das seit 1283 unter der Kontrolle Englands stand, wurde mit demAct of Union 1536 auch de jure Teil desKönigreichs England. Irland wurde ab 1541 in einePersonalunion eingebunden und bildete dasKönigreich Irland. Nach Aufständen gegen die englische Herrschaft wurden zu Beginn des 17. Jahrhunderts Ländereien des katholisch-gälischen Adels im heutigen Nordirland konfisziert. Im Rahmen der sogenanntenUlster Plantations wurden protestantische Siedler aus England und Schottland dort angesiedelt. So entstand im Norden Irlands eine Bevölkerungsschicht, die sich in religiöser und nationaler Hinsicht immer Großbritannien, nicht Irland zugehörig fühlte.
Nach dem Tod der kinderlosen KöniginElisabeth I. bestieg ihr Erbe, KönigJakob VI. von Schottland aus demHaus Stuart, 1603 als Jakob I. den englischen Thron. Unter ihm wurden England und Schottland inPersonalunion vereint, blieben aber eigenständige Königreiche mit eigenen Parlamenten, Gesetzen und Verwaltungen. Infolge desEnglischen Bürgerkriegs zwischen dem englischen Parlament und Jakobs NachfolgerKarl I. kam es 1649 zur Abschaffung der Monarchie und zur Gründung des republikanischenCommonwealth of England unter demLordprotektorOliver Cromwell. Durch blutige aber erfolgreiche Feldzüge vereinte die Republik erstmals alle drei späteren Reichsteile England, Schottland und Irland zu einem zentral regierten Staat.
Zwar wurde die Republik bereits 1660 wieder abgeschafft und mit der Monarchie auch die Trennung zwischen den drei Königreichen wieder eingeführt, aber dasUnterhaus behauptete seinen Vorrang in der englischen Verfassung. Statt einerabsolutistischen entwickelte sich einekonstitutionelle Monarchie mit einemparlamentarischen Regierungssystem. Durch denAct of Union, dem 1707 die Parlamente in London und Edinburgh zustimmten, wurden die Königreiche Schottland und England zum Königreich Großbritannien vereinigt.
Am 21. November 1806 verhängte der französische KaiserNapoleon eineKontinentalsperre über die britischen Inseln. Sie blieb bis 1814 in Kraft. Sie sollte Großbritannien mit Mitteln des Wirtschaftskrieges in die Knie zwingen und die französische Wirtschaft gegen europäische und transatlantische Konkurrenz schützen. Großbritannien erschloss sich neue Absatzmärkte, insbesondere in Nordamerika.
Das Vereinigte Königreich, die dominierende Industrie- und Seefahrtsnation im 19. Jahrhundert, spielte eine bedeutende Rolle in der Entwicklung der modernenDemokratie, in Literatur und Wissenschaft. Großbritannien trat für einMächtegleichgewicht auf dem europäischen Kontinent ein (Pax Britannica) und schloss dafür wechselnde Bündnisse. Auf seinem Höhepunkt umfasste das Britische Weltreich zwei Fünftel der Landfläche der Erde, die in vielen Kriegen erobert worden waren.
1922 bildeten 26 irische Grafschaften denIrischen Freistaat (ab 1937Éire, ab 1949 Republik Irland). Die restlichen 6 Grafschaften in derProvinz Ulster verblieben, trotz irischem Widerstand, beim Vereinigten Königreich. Der heutige Staatsname „Vereinigtes Königreich Großbritannien und Nordirland“ wird seit 1927 verwendet.
Auf den deutschen Einmarsch inPolen hin erklärten das Vereinigte Königreich und Frankreich dem Deutschen Reich 1939 den Krieg. Im Mai 1940 wurdeWinston Churchill, der seit 1939 Kabinettsmitglied war und schon lange vor derAppeasement-Politik gewarnt hatte, Premierminister. Nach dem Fall Frankreichs mobilisierte Churchill alle Kräfte des Landes für den Krieg, so dass eine deutsche Invasion in Großbritannien durch einenerfolgreichen Luftkrieg verhindert werden konnte. Durch deutsche Raketen- und Bomberangriffe wurdenCoventry, Teile Londons und Teile anderer Städte zerstört sowie über 32.000 Zivilisten getötet. Ab Ende 1942 stellten sich militärische Erfolge für Großbritannien ein: Zum einen imTunesienfeldzug unter Führung des GeneralsBernard Montgomery, zum anderen bei derInvasion Siziliens und dem nachfolgendenItalienfeldzug, schließlich bei derLandung in Frankreich 1944 und der endgültigenNiederwerfung Deutschlands 1945.
Durch die beiden Weltkriege verlor das Land seine Weltmachtstellung, obwohl es beide Male auf der Siegerseite stand. In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts wurde das britische Kolonialreich bis auf einige kleine Reste aufgelöst (Dekolonisation):Britisch-Indien wurde im August 1947 unabhängig, die StaatenIndien,Bangladesch undPakistan entstanden (sieheTeilung Indiens). In Afrika wurden z. B. am 26. Juni 1961Britisch-Somaliland und am 1. Oktober 1961Nigeria unabhängig (sieheDekolonisation Afrikas).
Bei den erstenNachkriegswahlen in Großbritannien am 5. Juli 1945 siegte die Labour Party, ParteiführerClement Attlee wurdePremierminister des Vereinigten Königreichs. Zu Churchills Niederlage trug auch dessen Ruf als „brillant, aber unsolide“ bei; die Wähler trauten ihm nach den Kriegsjahren keine Friedensregierung zu. 1951–1964 ging die Regierung jedoch zurück an dieKonservativen (Churchill, Eden, Macmillan, Douglas-Home – sieheBritische Unterhauswahlen 1951), nachdem sich die Labour-Party in Flügelkämpfen aufgerieben hatte. Kurzzeitig überstrahlt wurden die Regierungsperioden und die Probleme der Nachkriegszeit von der KrönungElisabeth II. zum Staatsoberhaupt (Königin) 1952, nachdemGeorg VI. gestorben war.
Zwar erholte sich die britische Wirtschaft nach dem Zweiten Weltkrieg nicht in dem Ausmaß, wie es beispielsweise in Deutschland, Japan oder den USA der Fall war, dennoch bestand ein Arbeitskräftemangel. In der Folge kamen ab den 1950er Jahren zahlreiche Migranten, primär aus den Staaten desCommonwealth, wieIndien,Pakistan,Bangladesch, sowieNigeria,Kenia und derKaribik.
In derSueskrise (1956/57) mit Ägypten erlitt Großbritannien eine Niederlage und damit einen herben Rückschlag in seiner Wirtschafts- und Kolonialpolitik.
1973 trat Großbritannien derEuropäischen Gemeinschaft nach innenpolitischen Widerständen und dem Veto Frankreichs (sieheMitgliedstaaten der Europäischen Union) bei. Bis dahin hatte die EG nur ihre sechs Gründungsmitglieder; am 1. Januar 1973 traten UK, Irland und Dänemark bei. 1974–1979 regierte erneut die Labour Party.
Wegen wirtschaftlicher Schwierigkeiten und einer stärkeren Deindustrialisierung in den 1970er und 1980er Jahren setzte die konservative Regierung unterMargaret Thatcher (1979–1990) Reformen um und verfolgte eine Wirtschaftspolitik desMonetarismus um die Inflation zu bekämpfen und Staatsschulden zu verringern. Zudem fanden Deregulierungen im Arbeitsmarkt und im Finanzsektor statt. Auch wurden staatliche Unternehmen privatisiert und einige Subventionen abgeschafft. Dies führte zu teilweise erhöhten Arbeitslosigkeitszahlen, aber auch zu einem wirtschaftlichen Wachstum, speziell im Dienstleistungssektor. 1990 gab es gewalttätige Proteste gegen eine neueKopfsteuer (community charge genannt, jedoch besser bekannt als poll tax), welche 1992 wieder abgeschafft, und durch eine andere Steuer ersetzt wurde.In die Ära Thatcher fiel auch dieRückeroberung der 1982 von Argentinien besetztenFalklandinseln.Die Konservativen waren bis 1997 an der Macht.Am 1. Mai 1997 siegteNew Labour inder Unterhauswahl; deren VorsitzenderTony Blair wurde Premierminister. Am 30. Juni 1997 wurde die britische KronkolonieHongkong an dieVR China zurückgegeben.
Über den weiteren Verbleib Schottlands im Vereinigten Königreich fand am 18. September 2014 einReferendum in Schottland statt. 55,3 Prozent der Wähler lehnten die Unabhängigkeit Schottlands vom Vereinigten Königreich ab (Wahlbeteiligung 84,6 %).
In einemReferendum über den Verbleib des Vereinigten Königreichs in der Europäischen Union stimmten im Juni 2016 51,9 Prozent der Wähler bei einer Wahlbeteiligung von 72 % für den Austritt aus der Europäischen Union, den sog.Brexit.[58] David Cameron hatte für den Verbleib gekämpft und erklärte daher seinen Rücktritt, wirksam im Oktober. Bereits im Juli übernahm seine ParteifreundinTheresa May das Amt des Premierministers. May leitete denEU-Austritt gemäß Artikel 50 des Vertrags über die Europäische Union im März 2017 durch schriftliche Mitteilung an den Europäischen Rat formal in die Wege. Der planmäßige Austritt sollte im März 2019 wirksam werden. Auf Ersuchen der britischen Regierung stimmte die EU einer Verschiebung des Austrittstermins auf Oktober 2019 zu. Nachdem auch bis zu diesem Termin keine Zustimmung des britischen Unterhauses zum vorliegenden Austrittsvertrag erfolgte, gewährte die EU eine weitere Fristverlängerung bis Ende Januar 2020. Nach Beschlüssen des britischen und des Europäischen Parlaments im Januar 2020 verließ das Vereinigte Königreich die Europäische Union am 31. Januar 2020.
Seit 2020
Ein bleibender Konfliktpunkt zwischen dem Vereinigten Königreich und der Europäischen Union bleibt der zollrechtliche Status der Provinz Nordirland. Dem Austrittsabkommen zufolge bildet Nordirlandeinen Wirtschaftsraum mit der Europäischen Union, was eineZollgrenze zur britischen Hauptinsel impliziert.
Im März 2020 beganndie COVID-19-Pandemie. Anfang Dezember 2020 – einige Wochen früher als in der EU – begann eine große Impfkampagne.[59]Im Januar 2021 verkündete PremierministerBoris Johnson einen drittenLockdown.[60] Im Juni 2021 verkündete er die weitgehende Aufhebung der COVID-Maßnahmen („Freedom Day“). Im selben Monat verneunfachte sich die Zahl der registrierten Neuinfektionen, sodass Johnson die Aufhebung um einen Monat aufschob.
Nach dem Brexit und erneut nach dem Beginn desrussischen Überfalls auf die Ukraine im Februar 2022 stiegen die Preise vieler Lebensmittel an; ebenso die Preise für Gas, Öl und Kraftstoffe. Die Zahl derArmen nahm deutlich zu.[61]
Im Juli 2022 trat Boris Johnson als Parteivorsitzender derConservative Party zurück. Seine Tage alsPremierminister waren damit gezählt – im Vereinigten Königreich ist es üblich, dass der Parteivorsitzende der Partei mit den meisten Abgeordneten im Unterhaus Premierminister ist (siehePolitisches System des Vereinigten Königreichs#Regierung). Im September 2022 wurde er vonLiz Truss als Parteivorsitzender und Premierminister abgelöst. Der Regierungswechsel wurde jedoch vom Tod von StaatsoberhauptElisabeth II. überschattet. Ihr SohnCharles III. wurde ihr Thronfolger.Rishi Sunak wurde im Oktober 2022 neuer Premierminister. Im Juli 2024 erlangte dieLabour Party im Zuge der vorgezogenenUnterhauswahl die absolute Mehrheit.Keir Starmer wurde daraufhin neuer Premierminister.
Das Vereinigte Königreich ist einEinheitsstaat und eineparlamentarische Monarchie. Das Staatsoberhaupt ist zurzeit KönigCharles III. Er ist ebenfalls das Staatsoberhaupt in 15 weiteren unabhängigen Ländern desCommonwealth.Die Verfassung des Landes ist nicht kodifiziert. Diese besteht vielmehr ausGewohnheitsrecht, erlassenen Gesetzen mit Verfassungsrang und demCommon Law, die zusammen als britisches Verfassungsrecht bezeichnet werden. Da es keinen Unterschied gibt zwischenStatuten und sogenanntem konstitutionellem Recht, kann das britische Parlament „konstitutionelle Reformen“ umsetzen, indem es gewöhnlicheActs of Parliament erlässt. Es besitzt die Macht jegliches geschriebene oder ungeschriebene Verfassungselement abzuändern, jedoch dürfen nachfolgende Regierungen diese Änderungen ebenfalls umwandeln oder wieder rückgängig machen. Es gibt allerdings Gesetze mit De-facto-Verfassungsrang, wie beispielsweise dieBill of Rights. Grundsätzlich gilt, dass große Ausgestaltungsfreiräume für Gesetze bei den Gerichten liegen, da das britische Rechtssystem auf dem Prinzip des Gewohnheitsrechts (vgl. „conventions“) und der richtigen Auslegung von Präzedenzfällen durch Gerichte fußt.
Anfänglich bildete dieMagna Carta (1215) das erste Staatsgrundgesetz, allerdings räumte sie nur einer kleinen Oberschicht von Adligen(Council of Barons) gewisse Rechte ein. Gleichwohl gilt das Vereinigte Königreich als das Land Europas mit der ältesten demokratischen Tradition, da das Parlament spätestens seit derGlorious Revolution (1688/89) und der damit verbundenen Bill of Rights stetig an Bedeutung gewonnen hat.
Das Vereinigte Königreich wird zentralistisch regiert und verwaltet, allerdings sind im Zuge der „Devolution“ (Dezentralisierung) seit den 1990er Jahren in unterschiedlichem Maße Kompetenzen anSchottland,Wales undNordirland übertragen worden. England als vierte und größte Nation des Vereinigten Königreichs verfügt über keine eigene Exekutive und Legislative. Im Nachgang des gescheiterten schottischen Unabhängigkeitsreferendums von 2014 sind weitere Kompetenzen an Schottland übertragen worden, die sich auch auf das Devolutionsgefüge in den anderen Landesteilen auswirken.[62]
Bei Kommunalwahlen hatten Frauen ab 1869 das aktive Wahlrecht, 1907 das passive.[63] Nach Martin war dieses Recht auf Frauen, die Steuern zahlten, beschränkt und galt nur in einigen Landesteilen.[64] Am 2. Februar 1918 erhielten Frauen durch denRepresentation of the People Act ein eingeschränktes Wahlrecht:[64] Das Mindestwahlalter für Frauen war 30. Frauen durften außerdem nur wählen, wenn sie als Alleinstehende oder ihre Ehemänner mindestens fünfPfund Sterling pro Jahr Steuern zahlten, weibliche Haushaltsvorstände oder Universitätsabsolventinnen waren.[65][66] Die Altersbeschränkung wurde eingeführt, um kein zahlenmäßiges Gleichgewicht zwischen Frauen und Männern herzustellen.[67]Für Männer galt dagegen ab 1921 ein allgemeines Wahlrecht ab 21 Jahren.[68] Für Männer, die im Militärdienst gewesen waren, und bestimmte Anforderungen an Aufenthaltsdauer im Land und Eigentum erfüllten, lag die Grenze bei 19 Jahren.[69] Volle Gleichheit mit Männern in Bezug auf das Wahlrecht wurde am 2. Juli 1928 erreicht.[64]
Das Vereinigte Königreich ist formal eine konstitutionelle Monarchie, da derbritische Monarch theoretisch dieRegierung absetzen kann, in der Praxis aber aufgrund eines jahrhundertelangen Gewohnheitsrechts nicht von diesem Recht Gebrauch macht. Es handelt sich daherde facto um einparlamentarisches Regierungssystem in Form einerparlamentarischen Monarchie, basierend auf demWestminster-System. Der Monarch ernennt somit üblicherweise den Vorsitzenden der größten Partei im Unterhaus zum Premierminister. Theoretisch hat er aber das Recht, einen beliebigen britischen Bürger zum Premierminister zu ernennen, sofern er nicht dem Oberhaus angehört. Diese Entscheidungsfreiheit wird heutzutage nur noch dann relevant, wenn es keine klaren Mehrheitsverhältnisse im Parlament gibt(hung parliament).
Erst wenn der Monarch die königliche Genehmigung(Royal Assent) zu einem von den anderen beiden Kammern des Parlaments verabschiedeten Gesetz erteilt, tritt dieses in Kraft. Allerdings wurde dies zuletzt 1708 unter der Regentschaft vonQueen Anne verweigert und gilt damit heute eigentlich nur noch als Formsache. Der Monarch kann weiterhin auf Empfehlung des Premierministers bzw.Kronrates hin selbst Gesetze alsKing / Queen in Council erlassen(Royal Prerogative), welche jedoch vom Parlament wieder aufgehoben werden können. Diese Form der direkten königlichen Gesetzgebung spielt allerdings heutzutage eine untergeordnete Rolle und findet nur noch als sekundäre Gesetzgebung (in Form vonVerwaltungsvorschriften) Anwendung. Im Rahmen desBrexit-Prozesses kamen die königlichen Vorrechte jedoch wieder kurzzeitig in das Licht der Öffentlichkeit, alsTheresa May kurzzeitig versuchte, den Austritt des Vereinigten Königreichs aus der EU auf diesem Wege (ohne Konsultation des Parlaments) zu erklären.
Auch weitere Rechte, wie dieParlamentsauflösung,Begnadigungen,Ordensverleihungen oder eineKriegserklärung, fallen in die alleinige Hoheit des Monarchen, werden aber ebenfalls in der Praxis nur noch auf Empfehlung des Premierministers ausgeübt. Heutzutage hat der Monarch daher praktisch fast nur noch eine zeremonielle Rolle. Seine Macht ist durch Gewohnheitsrecht und die öffentliche Meinung eingeschränkt und ein Verstoß gegen diese Praxis würde sofort zu einerVerfassungskrise führen. Der VerfassungstheoretikerWalter Bagehot schrieb konstitutionellen Monarchen 1867 generell drei grundlegende Rechte zu: „Das Recht, angehört zu werden, das Recht, Rat zu erteilen und das Recht zu warnen.“[70] Der amtierende Premierminister trifft sich wöchentlich mit dem Monarchen zu einem vertraulichen Gedankenaustausch an dessen aktuellem Aufenthaltsort.[71]
Die britischen Streitkräfte beschäftigten im April 2025 rund 147.300 Soldaten[77] und leistete sich im Jahr 2023 mit 74,9 Milliarden US-Dollar die zweithöchsten Militärausgaben in Europa hinter Russland[78] und gilt als eine der führenden Militärmächte der Welt. Traditionell und geographisch bedingt habenMarine undLuftwaffe gegenüber demHeer in den Streitkräften des UK ein relativ großes Gewicht. Das Heer verfügt im April 2025 über 109.000 Soldaten (Stand April 2025), ist seit 2012 aber um ein Viertel geschrumpft[77]. Das Vereinigte Königreich lag 2018 auf Platz 74 von 155 Ländern imGlobalen Militarisierungsindex (GMI).[79] Gemäß dem Ranking vonGlobal Firepower (2025)[80] besitzt das Land die sechststärkste militärische Kapazität weltweit und die zweitstärkste in Europa.
Das Vereinigte Königreich hat seit 1952Atomwaffen. Ihr Bestand wurde seit dem Ende desKalten Krieges deutlich reduziert; das heute ausschließlich aufAtom-U-Booten stationiertenukleare Abschreckungspotential Großbritanniens soll modernisiert werden. Das Heer hat derzeit 249 Kampfpanzer. Die Luftwaffe hat rund 250 Kampfflugzeuge und rund 600 sonstige Flugzeuge. DieRoyal Navy ist mit 65 Kriegsschiffen und 11 U-Booten eine der größten Marinen der Welt.Im Juni 2017 ging der neue FlugzeugträgerQueen Elizabeth erstmals auf Probefahrt; es hat etwa 3,5 Milliarden Pfund gekostet.[81] 2019 folgte der FlugzeugträgerHMS Prince of Wales.
Die britischen Streitkräfte unterhalten einigeMilitärbasen mit rund 5.700 Soldaten im Ausland, davon die meisten in denbritischen Hoheitsgebieten auf Zypern (2.220 Soldaten).[77] DieStützpunkte in Deutschland[82] wurden stark verkleinert und umfassen insgesamt nur noch ca. 520 Soldaten (Stand 2025), nachdem die britische Regierung im Zuge des 2010 Strategic Defence and Security Review entschieden hat, ihre im April 2010 noch 19.000 Personen starke Truppe bis 2020 abzuziehen.[77]
Das Vereinigte Königreich ist ein Verbündeter der Vereinigten Staaten im „Krieg gegen den Terror“. Es hat mit Luft- und Bodentruppen imIrakkrieg und imKrieg in Afghanistan mitgewirkt. Im Jahr 2000 wurde ein Anti-Terror-Gesetz (Terrorism Act 2000)ratifiziert. Nach denTerroranschlägen am 11. September 2001 in den Vereinigten Staaten wurde im November 2001 der „Anti-Terrorism, Crime and Security Act“ ins Parlament eingebracht. Er wurde verabschiedet und trat am 14. Dezember 2001 in Kraft.Als Reaktion auf dieTerroranschläge am 7. Juli 2005 in London wurde ein weiteres Anti-Terrorismus-Gesetz verabschiedet.[83] Großbritannien wurde vorgeworfen, im Kampf gegen den TerrorMenschenrechtsverletzungen begangen zu haben. Zwölf Verdächtige im Zusammenhang mit Terroranschlägen werden aufgrund der Möglichkeiten des Anti-Terror-Gesetzes bereits mehrere Jahre ohne Anklage in Hochsicherheitsgefängnissen in Großbritannien eingesperrt.[84] Im Irakkrieg ist es nach Angaben vonamnesty International zuFolterungen undMisshandlungen von Häftlingen durch britische und amerikanischen Soldaten gekommen.[85]
Derrussische Angriffskrieg in der Ukraine hat auch die verteidigungspolitische Ausrichtung des Vereinigten Königreichs verändert. Großbritannien gehört zu den größten Unterstützern der Ukraine[86] und setzt in seinemStrategic Defence Review auf eine schnelle Modernisierung seiner Streitkräfte. Die Labour-Regierung von Keir Starmer bekennt sich zum 5-Prozent-Ziel der NATO[87]. Die britische Regierung hat Verteidigungsabkommen mit der Bundesregierung (Trinity-House-Vereinbarung) und mit der Europäischen Union geschlossen[88].
Außenpolitik
Die Außenpolitik ist in der Bevölkerung nicht unumstritten[89]
Das Vereinigte Königreich verfügt noch heute über ein breites Netz an Verbindungen aus der Zeit des British Empire, als es das mächtigste Land der Welt war. Ein Überbleibsel dieser Zeit ist heute noch derCommonwealth of Nations und die Tatsache, dass der britische Monarch Staatsoberhaupt zahlreicher weiterer Staaten ist.
Das Vereinigte Königreich versteht sich als Macht globaler Reichweite und Verantwortung. Es ist ständiges Mitglied desSicherheitsrats der Vereinten Nationen, der Nordatlantischen Allianz (NATO), derG7, derG20 sowie der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) und war bis zum 31. Januar 2020 Mitglied der Europäischen Union (EU). Das Bemühen um engeBeziehungen zu den USA, die zentrale Bedeutung, die der NATO sicherheitspolitisch beigemessen wird, und der Erhalt der eigenständigen Handlungsfähigkeit sind Grundlagen britischer Außenpolitik. In Zukunft wird das Verhältnis zu den Europäischen Staaten neu definiert werden müssen.
Unter den europäischen Ländern istDeutschland nebenFrankreich (bilaterales Verteidigungsabkommen vom November 2010) der wichtigste Partner. Aufgrund derGrenze zu Nordirland bestehen außerdem besondereBeziehungen zur Republik Irland und im Rahmen desBritish-Irish Council kooperieren beide Staaten sehr eng. Im globalen Rahmen sind es die USA, mit denen das Vereinigte Königreich eine auf gemeinsame historische und kulturelle Wurzeln zurückgehende „special relationship“ pflegt, auch um die besondere transatlantische Verbindung zu erhalten. Als eines der wenigen Länder unterstützte es 2004 dieamerikanische Invasion des Irak („Koalition der Willigen“). An diese engen Beziehungen zu den USA will das Vereinigte Königreich auch künftig anknüpfen. Unter anderem möchten beide Länder ein Freihandelsabkommen nach dem EU-Austritt des Vereinigten Königreichs aushandeln.[90]
Die Regierung strebt zukünftig unter anderem vertiefte wirtschaftliche und politische Beziehungen zuIndien und derVolksrepublik China an. Außerdem möchte sie die Bedeutung des Commonwealth stärken.[91]
Wales, Schottland und Nordirland besitzen eigene Landesparlamente und -regierungen mit einem sogenannten „Ersten Minister“ als Chef (vergleichbar einem Ministerpräsidenten in Deutschland oder einem Landeshauptmann in Österreich). Dennoch ist das Vereinigte Königreich einEinheitsstaat – die einzelnen Landesteile sind somit keine eigenständigenGliedstaaten.[92] England besitzt keine Landesverwaltung. Die Bildung einerNorthern Assembly (Nordenglische Versammlung) wurde in einem Referendum am 4. November 2004 von den Wählern mit großer Mehrheit abgelehnt. Die Aufgaben einer Staatsspitze Englands werden von Parlament und Regierung des Vereinigten Königreiches mit wahrgenommen. Dabei ist es inzwischen üblich geworden, dass sich im Parlament die Abgeordneten der anderen Landesteile enthalten, wenn eine Entscheidung nur England betrifft (siehe auchWest-Lothian Question).
Die unteren Verwaltungsebenen sind seit dem späten 19. Jahrhundert mehrmals neu strukturiert worden, weitere Veränderungen sind in der Zukunft zu erwarten. Traditionell bestand England seit dem Mittelalter aus 39, Schottland aus 34, Wales aus 13 und Nordirland aus sechsGrafschaften (englischcounties). Heute gibt es in England 25 Grafschaften mit Verwaltungsfunktion, 57Unitary Authorities, sechsMetropolitan Counties sowieGreater London (siehe hierzu auchVerwaltungsgliederung Englands). Wales ist in 22 und Schottland in 32 Unitary Authorities (dortCouncil Areas genannt) gegliedert. In Nordirland gibt es elfDistrikte, die ebenfalls den Status einer Unitary Authority besitzen. Die Namen der alten Grafschaften werden aber im Alltagsgebrauch aller Landesteile oft weiterhin verwendet.
Das Vereinigte Königreich hat bis heute zahlreiche, teilweise selbstverwaltete Überseegebiete, welche größtenteils Überbleibsel aus Kolonien desbritischen Weltreichs sind:
Die Polizeibehörden im Vereinigten Königreich sind nicht einheitlich organisiert. Auf dem Land sindPolizeikräfte aus dem Verteidigungs- oder dem Innenministerium für die öffentliche Sicherheit zuständig. Die Uniformen sind weitgehend identisch. Des Weiteren gibt es fürGreater London denMetropolitan Police Service (Scotland Yard) und Schottland denPolice Service of Scotland. Daneben agiert der GeheimdienstMI5 im Inland.
Kriminalität
Kriminalitätsopfer in England und Wales von 1981 bis 2024 (Angaben in 1.000 Fälle)[93]
In derCrime Survey for England and Wales werden seit 1982 in regelmäßigen Abständen zufällig ausgewählte Personen befragt, ob und gegebenenfalls in welcher Form sie im vergangenen Jahr Kriminalitätsopfer geworden sind. Es zeigt sich ein Anstieg bis 1995 und seither einKriminalitätsrückgang. Das entspricht dem typischen Verlauf in einem Land derwestlichen Welt.[94]
Ein Vorteil von Viktimisierungsstudien gegenüberPolizeistatistiken ist, dass auch dasDunkelfeld betrachtet wird. Bei der Analyse langjähriger Trends kann sich jedoch der sich verändernde, gesellschaftliche Toleranzlevel verfälschend auswirken. Vor allem Fälle von Körperverletzung und sexuelle Übergriffe werden heute eher als kriminell eingestuft als noch vor Jahrzehnten.[95]
Der zeitliche Verlauf zeigt einen gleichmäßigen Anstieg bis zum Höhepunkt 1995. Danach fielen die Zahlen annähernd kontinuierlich. Unter Ausschluss vonKreditkartenbetrug undComputerbetrug gingen die Opferzahlen von 1995 bis 2019 insgesamt um 68 % zurück. Der Rückgang bei Gewaltkriminalität lag bei 70 %, der bei Raub bei 48 % und der bei Diebstahl bei 68 %.[96]
Für Vergleiche der Gewaltneigung über lange Zeiträume und große räumliche Distanzen hinweg wird die Rate der Tötungsdelikte als Index verwendet.[97] Das Vereinigte Königreich kam hierbei im Jahr 2017 auf 1,2 Fälle pro 100.000 Einwohner (zum Vergleich: der Durchschnitt in Europa lag bei 3 Fällen pro 100.000 Einwohner, in Deutschland bei 1 Fall, der globale Durchschnitt bei 6,1; einen Tiefstwert erreichtSingapur mit 0,2 Fällen pro 100.000 Einwohner).[98]
Laut dem JournalistenOliver Bullough lebt ein Teil der britischen Wirtschaft, insbesondere die Oberklasse, seit derNachkriegszeit von derGeldwäsche von ausländischem Kapital. Es gebe 26 Behörden, die theoretischFinanz- bzw. Wirtschaftskriminalität bekämpften, jedoch sei das britische Anti-Geldwäsche-System absichtlich ineffektiv.[99]
Auf subnationaler Ebene verfügt das Vereinigte Königreich über dreiRechtssysteme, die jeweils aus einem bestimmten geografischen Gebiet mit verschiedenen historischen Hintergründen stammen:englisches Recht,schottisches Recht und nordirisches Recht.[103] Seit 2007 besteht infolge der Verabschiedung desGovernment of Wales Act 2006 durch dasParlament des Vereinigten Königreichs auch rein walisisches Recht, das aber im Gegensatz zu den drei anderen kein eigenständiges Rechtssystem an sich ist. Es handelt sich lediglich um das Primär- und Sekundärrecht, das von der Nationalversammlung für Wales erstellt und gemäß den Lehren des englischen Rechts ausgelegt wurde. Es hat keinen Einfluss auf das englischeCommon Law (es sei denn, ein solches Gesetz ersetzt eine Common-Law-Regel, weil es eine übergeordnete Rechtsform ist). Es besteht eine erhebliche Überschneidung zwischen diesen drei Rechtssystemen und den drei Gerichtsbarkeiten des Vereinigten Königreichs, nämlichEngland und Wales,Schottland und Nordirland. Jedes Rechtssystem ist standardmäßig jeder Gerichtsbarkeit unterworfen, und die Rechtssysteme der jeweiligen Rechtsordnungen unterstützen das einschlägige Rechtssystem durch Rechtsprechung. Es sei jedoch darauf hingewiesen, dass imPrivatrecht eine Person in bestimmten Rechtsordnungen das Recht anderer Rechtsordnungen in Anspruch nehmen kann, z. B. eine Gesellschaft in Edinburgh (Schottland) und eine Gesellschaft in Belfast (Nordirland), die nach englischem Recht Verträge schließen können. Dies ist im öffentlichen Recht (z. B. im Strafrecht) nicht anwendbar, wenn in jeder Rechtsordnung eine Verfahrensordnung festgelegt ist. Übergeordnete sind Gesetze des Vereinigten Königreichs, die auch (seltener) als britisches Recht bezeichnet werden. Britisches Recht entsteht, wenn Gesetze für das Vereinigte Königreich und/oder seine Bürger insgesamt gelten, am offensichtlichsten das Verfassungsrecht, aber auch andere Bereiche, beispielsweise das Steuerrecht.
Das Vereinigte Königreich hat kein einheitliches Rechtssystem, weil es durch eine politische Union zuvor unabhängiger Länder geschaffen wurde. Artikel 19 des Unionsvertrags, der durch denAct of Union 1707 in Kraft gesetzt wurde, schuf dasKönigreich Großbritannien, garantierte jedoch den Fortbestand des separaten Rechtssystems Schottlands.[104] DerAct of Union von 1800, welcher Großbritannien und Irland im Vereinigten Königreich von Großbritannien und Irland zusammenführte, enthielt keine entsprechenden Bestimmungen, behielt jedoch das Prinzip der getrennten Gerichte inIrland bei, von denen der Teil, der alsNordirland bezeichnet wird, nach wie vor ein Teil des Vereinigten Königreichs ist.
DerOberste Gerichtshof des Vereinigten Königreichs ist das höchste Gericht des Landes für alle Straf- und Zivilprozesse in England und Wales und Nordirland sowie für alleZivilsachen im schottischen Recht. Der Oberste Gerichtshof ist auch das letztinstanzliche Gericht für die Auslegung des britischen Rechts. Seine Entscheidungen können vom Parlament aufgrund der Doktrin der parlamentarischen Souveränität ausdrücklich aufgehoben werden. Der Oberste Gerichtshof wurde im Oktober 2009 ins Leben gerufen und ersetzte den Berufungsausschuss desHouse of Lords.[105][106] In England und Wales wird das Gerichtssystem von den Obersten Gerichten von England und Wales angeführt, die aus dem Court of Appeal, demHigh Court of Justice (für Zivilprozesse) und demCrown Court (für Strafprozesse) bestehen. Die Gerichte von Nordirland folgen demselben Muster. In Schottland sind die Obersten Gerichte derCourt of Session für Zivilprozesse und derHigh Court of Justiciary für Strafprozesse.Sheriff Courts haben außerhalb Schottlands keine Entsprechung, da sie sowohl Straf- als auch Zivilsachen behandeln.
Das Justizkomitee desPrivy Council ist das höchste Berufungsgericht für mehrere unabhängige Commonwealth-Länder, die britischen Überseegebiete und die Besitzungen der britischen Krone. Es gibt auch Einwanderungsgerichte mit Zuständigkeit im Vereinigten Königreich – das Asyl- und Einwanderungsgericht und die Special Immigration Appeals Commission.
Vermögen, Armut und soziale Ungleichheit
Das Vermögen pro Kopf im Vereinigten Königreich beträgt lautCredit Suisse 288.806 US-Dollar pro erwachsene Person. Das Land hat damit eines der höchsten Pro-Kopf-Vermögen der Welt und das insgesamtvierthöchste nationale Gesamtvermögen aller Länder.[107] Im Vereinigten Königreich lebten im Jahr 2016 schätzungsweise 961.000 Millionäre sowie über 100 Milliardäre.[108] Die Ungleichheit ist allerdings beträchtlich und derGini-Koeffizient zur Vermögensverteilung lag bei 73,2, was eine hohe Ungleichheit bedeutet.[107] So übersteigt mit Stand 2022 das Vermögen der reichsten 1 % der britischen Bevölkerung das Gesamtvermögen von 70 % der britischen Bevölkerung.[109] 0,6 % der Bevölkerung besaß zur Jahrtausendwende 47 % der Gesamtfläche aller privaten Grundstücke.[110]
Mehr als 3,8 Millionen Menschen in Großbritannien leben mit Stand 2022 einer Studie der WohltätigkeitsstiftungJoseph Rowntree Foundation zufolge in schwersterArmut. Von diesen 3,8 Millionen sind mehr als eine Million Minderjährige.[100][111] Zwischen 2008 und 2023 hat sich die Anzahl von stationär behandelten Mangelernährten auf 11.000 im Jahr 2022 vervierfacht. Krankheiten aus demViktorianischen Zeitalter, wieRachitis undSkorbut, traten wieder auf.[112] Die Anzahl der in schwerster Armut lebenden Kinder verdreifachte sich in Großbritannien von 2017 bis 2022 fast. Grund für den Anstieg derKinderarmut in dem Industrieland ist eine Kombination aus sehr niedrigen Einkommen, steigenden Lebenshaltungskosten und hoher Verschuldung. Zwischen 2008 und 2014 fiel derReallohn um acht Prozent; ein in der britischen Nachkriegsgeschichte beispielloser Vorgang. Das Sozialsystem in Großbritannien schützt die Menschen nicht ausreichend – zudem bezögen laut der Studie der WohltätigkeitsstiftungJoseph Rowntree Foundation nur knapp drei Viertel der Bedürftigen (72 Prozent) Hilfsleistungen. Mehr als die Hälfte der betroffenen Haushalte verfüge über ein wöchentliches Einkommen von weniger als 85 Pfund (97,70 Euro). Vor allem ledige Personen im Alter von 25 bis 44 Jahren seien Not leidend, aber auch immer mehr Familien und ältere Menschen rutschten in äußerste Armut ab.[100][111] Die schlechte Entlohnung liegt teilweise an der Schwäche der britischen Gewerkschaften, ist aber auch eine Folge desNeoliberalismus, bzw. dass Konzerne einen immer größeren Anteil ihrer Gewinne an Aktionäre ausschütten und immer weniger in ihre Belegschaften, in Renten, in Ausbildung etc. investieren. Die britischen Bildungsausgaben pro Schüler sind nach derFinanzkrise von 2008 und während der Amtszeit von PremierministerDavid Cameron abgestürzt.[100]
Im Vereinigten Königreich besteht ein unzureichendes Angebot an verfügbarem und bezahlbarem Wohnraum.[113] Allein in England stehen mehr als 1,2 Millionen Haushalte (Familien oder andere Lebensgemeinschaften) auf Wartelisten für Sozialwohnungen. Gleichzeitig ist der Bau von Sozialwohnungen nachhaltig zurückgegangen (39.562 im Jahr 2010 gegenüber 7.644 im Jahr 2022).[113] Zwischen 2012 und 2019 trug dieAusteritätspolitik laut einer Studie zu 335.000 armutsbedingten Todesfällen im Vereinigten Königreich bei.[114] Mit der Privatisierung von Trinkwasser im Jahr 1989 verteuerte sich dieses um das Doppelte der Inflationsrate, um 350 %.[115] Um Dividenden von Anlegern (die vor allem wohlhabend sind) zu finanzieren, heben britische Wasserversorger bzw. Wasserwerke, die wie andere systemrelevante Betriebe im Zuge der vonMargaret Thatcher gestartetenPrivatisierung von profitorientierten Unternehmen bzw. Vermögensverwaltungsgesellschaften aufgekauft wurden, ihre Preise bis 2030 noch weiter an.[100][102]
DieCity of London ist das größte Finanzzentrum Europas und eines der größten der Welt
Das Vereinigte Königreich zählt zu den am stärkstenderegulierten undprivatisiertenVolkswirtschaften der Welt. Die britische Wirtschaft ist der Ursprung des sogenannten „angelsächsischen Kapitalismus“, der auf den Prinzipien derLiberalisierung, desfreien Marktes, niedriger Besteuerung und geringer Regulierung beruht. Das Land ist mit einemBruttoinlandsprodukt (BIP) von ca. 3,19 Billionen US-Dollar (2021)[116] die sechstgrößte Volkswirtschaft der Welt und hat nachDeutschland das zweitgrößte Bruttoinlandsprodukt in Europa.[117] Bei derKaufkraftparität (KKP) lag es 2013 auf demachten Platz. Mit 28.300 Euro liegt dasBIP pro Kopf im oberen europäischen Referenzrahmen. Im Vergleich mit dem Bruttoinlandsprodukt der Europäischen Union, ausgedrückt inKaufkraftstandards, erreicht das Vereinigte Königreich einen Index von 110[118] (EU-28 im Jahr 2015: 100). DasWirtschaftswachstum lag 2015 bei 2,2 Prozent. Das Vereinigte Königreich ist seit 2022 sowohl derviertgrößte Exporteur[119] als auch derviertgrößte Importeur[120] der Welt.
ImGlobal Competitiveness Index, der die Wettbewerbsfähigkeit eines Landes misst, belegte das Vereinigte Königreich Platz 8 von 137 Ländern (Stand 2017–2018).[121] ImIndex für wirtschaftliche Freiheit belegte das Land 2017 Platz 12 von 180 Ländern.[122] Die Beschäftigungsquote erreichte im Frühsommer 2015 mit 73,6 Prozent einen historischen Höchststand. Die Arbeitslosenquote betrug im April 2018 4,1 % und liegt damit deutlich unter dem EU-Durchschnitt und auf dem niedrigsten Stand seit den 1970er Jahren.[123] Im Jahr 2017 betrug die Jugendarbeitslosigkeit 11,7 %.[124] 2014 arbeiteten 1,3 % aller Arbeitskräfte in der Landwirtschaft, 15,2 % in der Industrie und 83,5 % im Dienstleistungssektor. Die Gesamtzahl der Beschäftigten wird für 2017 auf 33,5 Millionen geschätzt.[125]
Nach dem Zweiten Weltkrieg in der Mitte des 20. Jahrhunderts war das Vereinigte Königreich der zweitgrößte Automobilhersteller und der größte Exporteur von Automobilen der Welt,[126] doch in den folgenden Jahrzehnten wuchs die Branche deutlich langsamer als in Konkurrenzländern wie den Vereinigten Staaten, Deutschland, Frankreich und Japan. Die Geschichte vonJaguar Land Rover spiegelt exemplarisch den Aufstieg und Niedergang der britischenAutomobilindustrie und vieler britischer Automobilhersteller im 20. Jahrhundert:[127] In den 1930er und 1940er Jahren waren die Jaguar-Modelle stilprägend für Wagen derOberklasse. Ab Mitte der 1970er Jahre geriet der Hersteller in finanzielle Schwierigkeiten, wurde in den folgenden Jahrzehnten mehrfach an internationale Konkurrenten verkauft und gehört seit 2007 zur indischenTata Group.
DieIndustrielle Revolution hatte ihren Ursprung im Vereinigten Königreich. Zu Beginn gab es eine Konzentration auf dieSchwerindustrie mit Schwerpunkten beimSchiffbau, derErzeugung von Stahl undMaschinenbau. Außerdem war Großbritannien im 19. Jahrhundert lange Zeit führend bei derIndustrialisierung der Herstellung von Textilien. Zwischen 1803 und 1857 stieg die Zahl der kommerziell genutzten Webstühle von etwa 2500 auf über 250 000.[128] Im Jahr 1923 war die Produktion von Textilien in Großbritannien auf dem Höhepunkt, bevor Kapazitäten zu Gunsten einer Verlagerung nach Indien abgebaut wurden.
Die Kolonien und Protektorate desBritish Empire waren lange Zeit ein aufnahmefähiger Markt für britische Produkte.Im Laufe des 20. Jahrhunderts verlor derindustrielle Sektor allmählich an Bedeutung, während der Dienstleistungssektor wuchs; er hatte 2016 einen Anteil von etwa 79 % am Bruttoinlandsprodukt.[129]
Der Dienstleistungssektor wird vonFinanzdienstleistern wie Banken und Versicherungen dominiert. Das Vereinigte Königreich war 2024 der weltweit größte Nettoexporteur von Finanzdienstleistungen.[130] DieCity of London mit ihren privilegierten Sonderrechten ist der größteFinanzplatz der Welt.[131] Die City ist Sitz derLondon Stock Exchange, vonLloyd’s of London, derBank of England und zahlreichen Banken wieHSBC,Citigroup undBarclays. Die City of London besitzt die größte Konzentration von ausländischen Bankniederlassungen in der Welt. Die schottische HauptstadtEdinburgh ist der fünftgrößte Finanzplatz Europas und Hauptsitz bekannter Unternehmen wieRoyal Bank of Scotland undHBOS. Mit dem permanenten Kapitalimport wird das starkeLeistungsbilanzdefizit kompensiert, das 2014 einen Rekordwert erreichte.Ebenfalls von großer Bedeutung istder Tourismus; mit über 29 Millionen Touristen war das Vereinigte Königreich 2016 die achtwichtigste Touristendestination der Welt. Die Tourismuseinnahmen beliefen sich im selben Jahr auf 39,7 Mrd. US-Dollar.[132]
Die industrielle Fertigung hat heute noch etwa einen Anteil von einem Sechstel am Bruttoinlandsprodukt. Ein bedeutender Zweig ist die Automobilindustrie, wenn auch alle Unternehmen mittlerweile in ausländischer Hand sind. Die Luftfahrt- und Rüstungsindustrie wird dominiert vonBAE Systems undRolls-Royce mit einem bedeutenden Anteil an der weltweiten Raumfahrtindustrie. Ein wichtiges Standbein ist die chemische und pharmazeutische Industrie; mitGlaxoSmithKline undAstraZeneca haben zwei der zehn weltweit größtenPharmaunternehmen ihren Hauptsitz im Vereinigten Königreich.
Die britischeLandwirtschaft ist im europäischen Vergleich klein, mit einem Anteil von 0,9 Prozent am Bruttoinlandsprodukt. Hingegen besitzt das Land große Reserven anKohle,Erdgas undErdöl. Die industrielle Förderung von Bodenschätzen trägt zu 10 Prozent zum Bruttoinlandsprodukt bei, was für einen Industriestaat ein hoher Anteil ist. Dieser Anteil wird voraussichtlich sinken, da die Förderung von Kohle, Erdgas und Erdöl ihren Höhepunkt etwa 2000 erreicht hat. Seit 2005 ist Großbritannien Nettoimporteur von Erdöl und die Fördermenge betrug 2010 nur noch 45,9 Prozent verglichen mit der 1999 erreichten Höchstmenge (Peak Oil). Erdgas und Kohle müssen seit einigen Jahren ebenfalls in immer größeren Mengen importiert werden. Bedeutende weltweit tätige britische Unternehmen dieser Branche sind unter anderemBP undRoyal Dutch Shell. Die britischen Inseln verfügen über ein sehr großes Potential an regenerativen Energien, vor allem im Bereich Windkraft undStrömungs- sowieGezeitenkraftwerken, das bisher nur zum kleinen Teil genutzt wird. Der Anteil an regenerativen Energien, darunter auchSonnenenergie an der Gesamt-Energieversorgung steigt jedoch. Nach Schätzungen könnten im Jahr 2020[veraltet] etwa 4 Prozent des Energiebedarfs alleine aus Sonnenenergie gedeckt werden.[133] Die Regierung (Kabinett Cameron II) setzt (Stand 2015) auf einen Ausbau der Atomenergie und hat acht Standorte benannt.[134]
Unter allen wichtigen Industrieländern hat Großbritannien das größteLeistungsbilanzdefizit. 2014 betrug es 5,1 Prozent der gesamten Wirtschaftsleistung. Damit wurde seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs ein Rekordwert erreicht. Letztmals wurde in den 1980er Jahren ein Leistungsbilanzüberschuss erzielt. Ursache ist in erster Linie nicht das seit langer Zeit bestehendeHandelsbilanzdefizit, sondern es sind die rückläufigen Nettoerträge der (sinkenden) britischen Investitionen und Vermögensanlagen im Ausland bei steigendem Binnenkonsum. Das Leistungsbilanzdefizit wird seit längerer Zeit durch ausländische Kapitalzuflüsse kompensiert, die sich jedoch bei Zinserhöhungen in den USA (2015/16) oder nach demBrexit stark verringern und dann zu einer Abwertung der britischen Währung führen könnten.[135]
Systemrelevanteöffentliche Versorgungsunternehmen sind im Zuge der vonMargaret Thatcher eingeleiteten Privatisierung von profitorientierten Unternehmen bzw. Vermögensverwaltungsgesellschaften aufgekauft worden. Diese investierten unzureichend in die gekauften Unternehmen, sondern beuteten sie finanziell aus. Der Investitionsmangel führte zu einer Rückentwicklung der angebotenen Dienstleistung bzw. zu einem Rückbau desSozialstaats.[100][136]
Laut dem JournalistenOliver Bullough lebt (Stand 2022) ein Teil der britischen Wirtschaft, insbesondere die Oberklasse, seit derNachkriegszeit von derGeldwäsche von ausländischem Kapital. Es gebe 26 Behörden, die theoretischFinanz- bzw. Wirtschaftskriminalität bekämpften, jedoch sei das britische Anti-Geldwäsche-System absichtlich ineffektiv.[99]
DerStaatshaushalt umfasste für das Haushaltsjahr 2025/26 (laut Novemberbericht 25) Ausgaben von umgerechnet1,416 Billionen Pfund, dem standen Einnahmen von1,304 Pfund gegenüber. Daraus ergab sich einHaushaltsdefizit in Höhe von 112 Milliarden Pfund bzw. 4,5 Prozent desBruttoinlandsprodukts (BIP).[137][138] 2019 lag der Haushalt noch leicht im Plus.
Der Schuldenstand des Staates belief sich 2025 auf 2,81 Billionen Pfund, das sind 97,7 % des Bruttoinlandsprodukts.[138] Im Zuge derBanken- und Finanzkrise seit 2007 und derCOVID-19-Pandemie stieg die Staatsverschuldung stark an. Aufgrund der steigenden Verschuldung und der schwachen Konjunktur des Landes stufte im Februar 2013 die US-amerikanischeRatingagenturMoody’s die Kreditwürdigkeit des Vereinigten Königreichs von der Bestnote „AAA“ auf „Aa1“ herab.[139]
Staatsverschuldung und Haushaltsdefizit (Angaben in Prozent)[140][141]
Das Vereinigte Königreich ist stark geprägt von regionalen Wohlstandsunterschieden.
Der ehemalig industriell geprägte Norden Englands hat dabei stark mit dem Strukturwandel zu kämpfen und ist hinter dem Rest des Landes zurückgefallen. Ebenfalls unter dem Landesdurchschnitt liegt das Wohlstandsniveau in Nordirland und Wales. Die reichsten Regionen des Landes sind der Südosten Englands und die Hauptstadtregion London, die den Rest des Landes weit hinter sich lassen. London vereinigt einen beträchtlichen Teil der finanziellen und industriellen Ressourcen des Landes auf sich und ist für mehr als ein Viertel der gesamten Wirtschaftsleistung verantwortlich.
Die Währung im Vereinigten Königreich ist dasPfund Sterling, abgekürztGBP fürGreat British Pound. DasWährungssymbol ist £. Es ist nach demUS-Dollar, demEuro und demYen die viertbedeutendste Reservewährung der Welt.[144]
Energieversorgung
In Großbritannien beheizen über 20 Millionen der 27 Millionen Haushalte ihre Häuser und Wohnungen mit Erdgas. Viele Häuser sind schlecht wärmegedämmt. 2023 wurde rund 31 % des Stromesmit Gas erzeugt, 1 % mit Kohle und 1 % mit Öl.Die Stromproduktion aus fossilen Brennstoffen war 2023 um 22 Prozent geringer als 2022. Am 30. September 2024 ging das letzteKohlekraftwerk in Ratcliffe-on-Soar vom Netz.[145] (Das früher größte Kohlekraftwerk in North Yorkshire verbrennt ausschließlichBiomasse.[146]) Mit der Stilllegung endete nach 142 Jahren dieKohleverstromung im Vereinigten Königreich.[147] Im Jahr 2012 hatte Kohle noch einen Anteil von 40 % an der Stromproduktion. Der Anteil von Wind- und Solarstrom im britischen Strommix stieg zwischen 2012 und 2023 von 6 % auf 34 %. Im gleichen Zeitraum fielen die CO2-Emissionen bei der Stromerzeugung um 74 %.[148]
Kurz nach dem Jahr 2000 war das Vereinigte Königreich mit eigenemNordsee-Erdgas noch autark. Damals wurden täglich 4,5 Millionen Barrel Öl pro Tag gefördert. 2023 waren es noch 1,2 Millionen Barrel.
2021 war das Vereinigte Königreich einer der großen Erdgasimporteure in Europa.[149] Die Wirtschaft des UK litt in den Jahren 2021 und 2022 unter stark gestiegenenGaspreisen (schon vor dem Beginn des völkerrechtswidrigenrussischen Angriffskrieges auf die Ukraine waren diese gestiegen).
2023 gab es noch 283 aktive Öl- und Gasfelder; viele von ihnen sind alt und weitgehend erschöpft. Bis zum Jahr 2030 werden deshalb rund 180 davon ihre Produktion eingestellt haben.Der seit Juli 2024 amtierende Energie- und KlimaministerEd Miliband (Regierung Starmer) hat angekündigt, dass keine Bohrlizenzen zur Exploration neuer Felder mehr vergeben werden sollen. Großbritannien soll stattdessen eine „Supermacht für saubere Energie“ werden. Miliband befürwortet vor allem den starken Ausbau derWindenergie, auf See (offshore) und an Land (onshore).[150] Das Vereinigte Königreich ist in Europa der beste Standort für Windkraftanlagen und einer der besten der Welt.[151]
In derFeuerwehr in Großbritannien waren im Jahr 2019 landesweit 40.100Berufs-, 19.100 Teilzeit- und 1.400freiwillige Feuerwehrleute organisiert, die in 2.053 Feuerwachen undFeuerwehrhäusern, in denen 2.900Löschfahrzeuge und 235Drehleitern bzw.Teleskopmasten bereitstehen, tätig sind.[153] Die britischen Feuerwehren wurden im selben Jahr zu 705.924 Einsätzen alarmiert, dabei waren 222.511Brände zu löschen. Hierbei wurden 317 Tote von denFeuerwehren bei Bränden geborgen und 8.750 Verletzte gerettet.[154] Die nationale FeuerwehrorganisationFire Sector Federation United Kingdom repräsentiert die britische Feuerwehr im WeltfeuerwehrverbandCTIF.[155]
Das Verkehrsnetz orientiert sich in Nord-Süd-Richtung und geht hauptsächlich radial von London aus. ImStraßenverkehr wirdlinks gefahren, im Gegensatz zu den meisten anderen Ländern. Das Straßennetz ist rund 388.000 Kilometer lang. Davon sind rund 3500 km Autobahnen, die seit den 1950er Jahren errichtet worden sind.
Neben den Autobahnen gibt es auch ein dichtes Netz von vierspurigen richtungsgetrennten Fernstraßen(A roads), auf denen aber alle Arten von Fahrzeugen zugelassen sind und die sich mit anderen Straßen kreuzen. Diese Art von Straßen werden auch alsdual carriageway bezeichnet und entsprechen denautobahnähnlichen Straßen im deutschsprachigen Raum. Mehrspurige Straßen haben in regelmäßigen Abständen so genannte „U-Turns“ (Deutsch: Halbkreiswende) oder Roundabouts (Kreisverkehre).
Für den Unterhalt der Autobahnen und Fernstraßen inEngland ist dieHighway Agency zuständig, eine dem Verkehrsministerium unterstellte Behörde. Für das übrige Straßennetz in England sind die Lokalverwaltungen zuständig. InSchottland gehört der Unterhalt des Straßennetzes zum Zuständigkeitsbereich vonTransport Scotland, inWales dasWelsh Parliament und inNordirland vonRoads Services (Abteilung des Ministeriums für regionale Entwicklung).
Seit dem 4. Februar 2008 ist überdies im Großbereich von London eineUmweltzone (Low Emission Zone – LEZ) eingerichtet. Sie ist laut der AufsichtsbehördeTransport for London die größte Umweltzone der Welt. Vom 4. Februar 2008 bis zum Januar 2012 werden die Emissionshöchstwerte schrittweise angehoben. Betroffen sind jedoch keine Pkw, sondern kleinere Transportwagen und Busse bis hin zu LKWs. Bevor die Zone mit einem dieser Fahrzeuge befahren wird, muss es zuvor angemeldet werden. Erfüllt das Fahrzeug die Emissionsstandards nicht, ist eine tägliche Gebühr zu zahlen. Unregistrierte Fahrzeuge riskieren ein Bußgeld.[156]
Diezulässige Höchstgeschwindigkeit auf Autobahnen beträgt 70 mph (113 km/h), außerorts bis 60 mph (97 km/h) und innerorts 30 mph (48 km/h).
Im Straßenverkehr gehört das Land zu den sichersten der Welt. 2013 kamen im Vereinigten Königreich insgesamt 2,8 Verkehrstote auf 100.000 Einwohner. Zum Vergleich: In Deutschland waren es im selben Jahr 4,3 Tote. Insgesamt kamen damit 1827 Personen im Straßenverkehr ums Leben. Das Land hat eine im weltweiten Vergleich hohe Motorisierungsrate. 2016 kamen im Land 544 Kraftfahrzeuge auf 1000 Einwohner (in Deutschland waren es 610 Fahrzeuge).[157]
Die weltweit erste Eisenbahnlinie mit Personenverkehr war die 1825 eröffneteStockton and Darlington Railway, die 1830 eröffneteLiverpool and Manchester Railway war die weltweit erste Eisenbahnlinie zwischen zwei Großstädten. In der Folge wurden hunderte von Eisenbahngesellschaften gegründet, die sich 1922 nach zahlreichen Fusionen zu vier Gesellschaften konsolidierten. 1948 wurden die Eisenbahnen verstaatlicht, anschließend das Streckennetz auf weniger als die Hälfte reduziert. 1994 und 1995 erfolgte die Aufteilung der StaatsbahnBritish Rail in Infrastruktur-, Unterhalts-, Rollmaterial-, Personenverkehrs- und Güterverkehrsgesellschaften aufgeteilt, die 1996 und 1997 privatisiert wurden.
Das privatisierte Schienennetz des Vereinigten Königreichs besteht aus zwei voneinander unabhängigen Teilnetzen, in Nordirland und auf Großbritannien. Seit 1994 ist letzteres durch denEurotunnel mit dem europäischen Festland verbunden. Das nordirische Netz ist mit jenem in der Republik Irland verbunden. Das Schienennetz ist insgesamt 16.878 Kilometer lang, über die Hälfte weniger als noch in den 1950er Jahren. Davon sind 4.928 km elektrifiziert und 12.591 km zwei- oder mehrgleisig. Die Höchstgeschwindigkeit betrug während Jahrzehnten 125 mph (200 km/h) auf denIntercity-Linien. Auf der Strecke High Speed 1, die London mit dem Eurotunnel verbindet, fahren die Eurostar-Züge mit bis zu 300 km/h.
Luftverkehr
Das Vereinigte Königreich ist eine der wichtigsten Drehscheiben des Weltluftverkehrs. Das gesamte Fluggastaufkommen ist mit rund 200 Millionen Passagieren pro Jahr (davon 125 Millionen auf den Londoner Flughäfen) das größte Europas. Größter Flughafen des Landes istLondon-Heathrow, gefolgt vonLondon-Gatwick und demManchester Airport. Größte britische Fluggesellschaft istBritish Airways.
Seeverkehr
Durch die Insellage des Landes, die räumliche Trennung Nordirlands vom restlichen Staatsgebiet und die vielen vorgelagerten Inseln besitzt dieSeeschifffahrt traditionell eine große Bedeutung. Rund 95 % aller Güter erreichen das Vereinigte Königreich per Schiff (entspricht 75 % des Gesamtwerts). Die wichtigsten Häfen sindFelixstowe,Tilbury,Southampton undTeesport.
Datenverkehr
Zwei Hauptknotenpunkte für die kabelgebundene Internet- (Apollo) und Telefonverbindung (Atlantic Crossing 1) zwischen Europa und den USA befinden sich in Großbritannien.
Aufgrund des Einflusses des Britischen Weltreiches haben sich kulturelle Bräuche aus dem Vereinigten Königreich auf der ganzen Welt verbreitet. Das Land ist heute noch einer der größten Exporteure von kulturellen Produkten weltweit.
Britische Küche hat sich aus verschiedenen Einflüssen entwickelt, die sich in ihrem Land, Siedlungen, Ankünften neuer Siedler und Einwanderer, Handel und Kolonialismus widerspiegeln. Die Lebensmittel Englands wurden historisch durch ihre einfache Herangehensweise und die Abhängigkeit von der hohen Qualität natürlicher Produkte charakterisiert. Die traditionelle Kombination von Fleisch, Kartoffeln und Gemüse(meat and two veg) findet ihre etablierteste Form imSunday roast. Kartoffeln spielen auch sonst eine entscheidende Rolle und werden auf vielfältige Weise zubereitet, meist aber in Form von Brei. Weit verbreitet sind Pasteten mit Fleischfüllung. Dasbritische Frühstück ist eine umfangreiche warme und weltweit bekannte Mahlzeit. Unter den kalten Gerichten spielen diagonal durchgeschnitteneSandwiches eine herausragende Rolle. Inbegriff des britischen Fast-Food istFish and Chips. Als Nachspeise werden Kuchen bevorzugt. Darüber hinaus ist England für die KäsesorteCheddar bekannt.
DieKüche Schottlands weist einige Unterschiede auf. Vor allem die Esskultur der gehobenen Schichten übernahm infolge derAuld Alliance zahlreiche Merkmale der französischen Küche.
Beliebtestes nicht alkoholisches Getränk ist derTee. Diebritische Teekultur gehört zur britischen Lebensart.Kaffee spielte dagegen eine eher untergeordnete Rolle. Bei den leichten alkoholischen Getränken dominieren die BiersortenAle undStout, sowie derApfelschaumwein Cider. Bei den hochprozentigen sindGin undWhisky weit verbreitet. Seit Jahrhunderten ist der britische Markt der Hauptabnehmer für süße Weine wieSherry,Portwein undMadeira.
Im Vereinigten Königreich gibt es ein vielfältiges Angebot an Medien, die aufgrund der Verbreitung der englischen Sprache auch international einen großen Einfluss besitzen.
DieBBC ist die öffentlich-rechtliche Rundfunkanstalt des Landes und zugleich die älteste und größte der Welt. Sie wird durch obligatorischeRundfunkgebühren und teilweise durch Werbung finanziert und betreibt mehrereFernseh- undHörfunkstationen, sowohl im Inland als auch im Ausland.BBC World, der internationale Nachrichtenkanal der BBC, wird in die ganze Welt ausgestrahlt und die RadiostationBBC World Service sendet Programme in 33 verschiedenen Sprachen. Die wichtigsten Konkurrenten des BBC-Fernsehens sindITV,Channel 4,Channel 5 undSky.
Beim Hörfunk dominiert die BBC, die zehn landesweite und über 40 lokale Stationen betreibt. Die beliebteste Radiostation, gemessen an den Zuhörerzahlen, istBBC Radio 2, gefolgt vonBBC Radio 1. Darüber hinaus gibt es mehr als 200 kommerzielle Radiostationen, die hauptsächlich lokal verankert sind. Die größten privaten Stationen sindAbsolute Radio (vormals Virgin Radio),Classic FM undtalkSPORT. Das mit Abstand bedeutendste Lokalradio istCapital Radio aus London.
Bis vor wenigen Jahren wurde bei den britischen Zeitungen strikt zwischen „Broadsheet“-Zeitungen mit Artikeln von hoher Qualität und denTabloid-Zeitungen, die imBoulevard angesiedelt sind, unterschieden. Aufgrund der größeren Lesefreundlichkeit haben zahlreiche „quality newspapers“ vom Broadsheet- auf das Tabloidformat umgestellt, so dass zumindest diese Unterscheidung weggefallen ist. Die höchste Auflage aller britischen Zeitungen hat das von Montag bis Samstag erscheinende BoulevardblattThe Sun, während ihre SchwesterzeitungNews of the World bis zu ihrer Einstellung am 10. Juli 2011 den Sonntagszeitungsmarkt dominierte.[158] Die höchste Auflage bei den sogenannten Qualitätszeitungen habenThe Daily Telegraph undThe Times, die im politischen Spektrum rechts der Mitte stehen, sowieThe Guardian undDaily Mirror, die links der Mitte stehen. Führende Wirtschaftszeitung ist dieFinancial Times.
Die drei UnternehmenDMG Media,News UK undReach kontrollieren 90 % der Zeitungen im Vereinigten Königreich und über 40 % der 50 beliebtesten britischen Nachrichtenwebsites.[159]
Im Jahr 2022 nutzten 95,3 Prozent der Einwohner des Vereinigten Königreichs das Internet.[160]
Der Nutzungsozialer Medien kommt eine immer bedeutendere Rolle zu. Im Januar 2011 betrug die Bruttoreichweite dersozialen Netzwerke 27,2 Millionen der im Vereinigten Königreich lebenden Personen.[161] Wie andernorts geht im Vereinigten Königreich der Trend zu einer verstärkten Nutzung von Online- und Mobil-Medien. Das populärste Onlineangebot ist das Nachrichtenportal der BBC, welches auch international großen Anklang findet. Auch die Internetseiten vonGuardian undDaily Mail werden sowohl national als auch international breit gelesen.[53]
Das Vereinigte Königreich hat seit über einem Jahrhundert eine bedeutende Filmindustrie. Während die Filmproduktion 1936 einen historischen Höchststand erreichte, wird angenommen, dass das „goldene Zeitalter“ des britischen Kinos die 1940er Jahre waren, während dieser Zeit drehten die RegisseureDavid Lean,Michael Powell (mitEmeric Pressburger) undCarol Reed ihre hochgelobten Werke. Viele britische Schauspieler haben weltweite Berühmtheit und Anerkennung erreicht, wieMaggie Smith,Michael Caine,Sean Connery,Daniel Day-Lewis,Gary Oldman undKate Winslet. Einige der Filme mit dem bisher größtenBox Office wurden in Großbritannien gedreht, darunter die dritt- und dievierterfolgreichsten Filmreihen aller Zeiten (Harry Potter undJames Bond),[162] wobei die erstere britisch-amerikanisch war. Die Identität der britischen Filmindustrie, insbesondere in Bezug aufHollywood, wurde oft diskutiert. Seine Geschichte wurde oft von Versuchen beeinflusst, mit der amerikanischen Industrie zu konkurrieren. Die Karriere des ProduzentenAlexander Korda war durch dieses Ziel gekennzeichnet, dieRank-Organisation versuchte dies in den 1940er Jahren undGoldcrest in den 1980er Jahren. Zahlreiche in Großbritannien geborene Regisseure, darunterAlfred Hitchcock undRidley Scott und Darsteller wieCharlie Chaplin undCary Grant, haben vor allem durch ihre Arbeit in den Vereinigten Staaten Erfolg erzielt.
2009 brachten britische Filme weltweit rund 2 Milliarden US-Dollar ein und erreichten einen weltweiten Marktanteil von rund 7 % und 17 % im Vereinigten Königreich.[163] Die Einnahmen der britischen Kinos beliefen sich 2012 auf insgesamt 1,1 Milliarden Pfund bei 172,5 Millionen Besuchern.[164]
1999 veröffentlichte dasBritish Film Institute eine Liste mit den 100 besten britischen Filmen des 20. Jahrhunderts.
Die früheste Literatur auf dem Territorium des modernen Vereinigten Königreichs (abgesehen von Werken inLatein) wurde in den verschiedenenkeltischen Sprachen der Inseln geschrieben. So reicht die Tradition derwalisischen Literatur bis ins 6. Jahrhundert zurück; das frühmittelalterlicheMabinogion ist eine Sammlung von Erzählungen der walisischen Barden.[165] Ebenfalls seit dem 6. Jahrhundert nachweisbar ist die Tradition der irischenPoesie, wobei in Nordirland vor allem derUlster-Zyklus von Bedeutung ist. DieAltenglische Literatur brachte Werke wieBeowulf oderCædmons Hymnen hervor, doch die gebildete Elite bevorzugte Latein. Bekannte Autoren in dieser Sprache sindBeda Venerabilis undGeoffrey von Monmouth.[166]
Nach dernormannischen Eroberung Englands brachte dieanglonormannische Literatur Einflüsse vom europäischen Festland auf die Britischen Inseln. DieEnglische Literatur im eigentlichen Sinne entwickelte sich ab dem späten 14. Jahrhundert mit dem Aufstieg und der Verbreitung des Londoner Dialekts desMittelenglischen. Als erster namentlich bekannter Schriftsteller der englischsprachigen Literatur giltGeoffrey Chaucer, der Autor derCanterbury Tales.[167] Nach der Einführung desBuchdrucks in England durchWilliam Caxton im Jahr 1476 gelangte die Literatur in der elisabethanischen Ära zur Blüte, vor allem im Bereich der Poesie und desDramas.[168] Aus dieser Zeit sticht vor allemWilliam Shakespeare hervor.
Der Erste Weltkrieg brachte die britischen „Kriegspoeten“ wieWilfred Owen,Siegfried Sassoon,Robert Graves undRupert Brooke hervor, die (oft imparadoxen Stil) über ihre Erwartungen an den Krieg und/oder ihre Erlebnisse im Schützengraben schrieben.[171] Im Zuge desCeltic Revival gab es eine vermehrte Anerkennung der traditionellen irischen Literatur. Seit der Unabhängigkeit Irlands im Jahr 1922 wird dieirische Literatur als eine von der britischen Literatur eigenständige Richtung gesehen. Dieschottische Renaissance des frühen 20. Jahrhunderts modernisierte die englischsprachige schottische Literatur und führte auch zur Einführung neuer Formen in der Literatur desScots und desGälischen.
Die frühesten Zeugen vonArchitektur im Vereinigten Königreich sind jungsteinzeitlicheMegalith-Monumente wieStonehenge,Avebury undWest Kennet Long Barrow. Zu den weltweit am besten erhaltenen jungsteinzeitlichen Siedlungen gehörtSkara Brae auf denOrkney-Inseln.[173] Steinerne Rundhäuser und Türme (Brochs) aus derEisenzeit sind vor allem aus Schottland bekannt. DieKelten errichteten ausschließlich Gebäude aus Holz, so dass von diesen nichts erhalten geblieben ist. DieRömer bauten die ersten Städte, die bedeutendsten waren Aquae Sulis (Bath), Camulodunum (Colchester), Deva (Chester), Eboracum (York), Londinium (London) und Verulamium (St Albans). Viele römische Bauten stehen bis heute, erwähnenswert sind insbesondere die Thermen in Bath.[174]
Auf die Römer folgten die Angelsachsen und andere germanische Völker. Deren Wohnhäuser bestanden in der Regel aus einem mit Lehm verstärkten Flechtwerk. Länger Bestand hatten die aus Stein errichteten Kirchen, die oft einen Hinweis darauf geben, wie alt eine Siedlung ist.[175] Ein typisches Beispiel angelsächsischer Architektur ist die Pfarrkirche vonWing inBuckinghamshire.
Während desEnglischen Bürgerkriegs (1642–1649) mussten Gebäude zum letzten Mal in der britischen Geschichte Belagerungen überstehen. Zahlreiche Burgen wieCorfe Castle wurden bei Angriffen der Armee vonOliver Cromwell zerstört. Nach Ende dieses Krieges wurden Gebäude nur noch zu Wohn- und Geschäftszwecken errichtet; Design und Aussehen drängten den Verteidigungsgedanken völlig in den Hintergrund. Noch vor dem Krieg erlangteInigo Jones Bekanntheit, der als erster britischer Architekt von Bedeutung und als Mitbegründer desPalladianismus gilt. Seine wichtigsten Werke sind dasQueen’s House und dasBanqueting House.[179]
Nach der Wiedereinführung der Monarchie 1660 und demGroßen Brand von London 1666 wurde inLondon eine Chance verpasst, eine neue Metropole zu erschaffen und dabei moderne Architekturstile anzuwenden. ObwohlChristopher Wren, einer der bedeutendsten britischen Architekten jener Zeit, den Auftrag erhielt, viele der zerstörten Kirchen zu planen und wiederaufzubauen, wurde sein Gesamtplan für den Wiederaufbau der Hauptstadt aus Kostengründen abgelehnt. Sein bedeutendstes Bauwerk ist die zwischen 1675 und 1708 errichteteSt Paul’s Cathedral.[180]
Fast als Rückschlag in Bezug auf dieSymmetrie des Palladianismus scheint die mittelalterlich anmutendeNeugotik; das bekannteste Beispiel dieser Phase ist der Neubau desPalace of Westminster, entworfen vonCharles Barry. Um die Mitte des 19. Jahrhunderts war die Technologie so weit fortgeschritten, dass Stahl als Baumaterial verwendet werden konnte. Auf diese Weise bauteJoseph Paxton denCrystal Palace, das wohl bekannteste Bauwerk des viktorianischen Zeitalters. In der britischen Architektur wurden zwar in dieser Ära des Fortschritts viele neue Baumethoden eingeführt, doch führende Architekten wieAugustus Pugin bestanden ironischerweise auf eine rückwärtsgewandten Stil.[182]
Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurde das Design desArts and Crafts Movement populär. Die architektonische Form dieses Stils, die sich aus den Werken von Architekten des 19. Jahrhunderts wieGeorge Devey entwickelt hatte, fand ihre Krönung in den Bauten vonEdwin Lutyens. Arts and Craft in der Architektur wird symbolisiert durch eine informelle, nicht-symmetrische Form, häufig waren die Gebäude mit Mittelpfosten- und Gitterfenstern, Mehrfachgiebeln und hohen Kaminen verziert.[183] Dieser Stil hielt sich bis zumZweiten Weltkrieg. Nach dem Krieg war der Wiederaufbau geprägt vom Modernismus bzw.Brutalismus, insbesondere von den späten 1950er bis zu den frühen 1970er Jahren.
Das moderne Bauen ist bis heute die treibende Kraft der britischen Architektur geblieben, auch wenn dessen Einfluss viel stärker bei Geschäftshäusern spürbar ist als bei Wohnbauten. Die zwei richtungsweisenden britischen Architekten der Gegenwart sindRichard Rogers undNorman Foster. Rogers’ bekannteste Bauten sind wohl dasLloyd’s Building und derMillennium Dome, während Foster unter anderem das Hochhaus30 St Mary Axe (auch als „Gurke“ bekannt) und dieLondoner City Hall schuf.
England und Schottland sind seit dem 17. Jahrhundert führende Zentren der wissenschaftlichen Revolution.[184] Das Vereinigte Königreich führte die Industrielle Revolution im 18. Jahrhundert an und hat fortwährend wichtige Wissenschaftler und Ingenieure hervorgebracht. Zu den bedeutenden Theoretikern des 17. und 18. Jahrhunderts zähltIsaac Newton, der mit seinemGravitationsgesetz die universelleGravitation beschrieb und dieBewegungsgesetze formulierte, womit er den Grundstein für dieklassische Mechanik legte wurden,Charles Darwin aus dem 19. Jahrhundert, dessenEvolutionstheorie durch natürliche Selektion grundlegend war für die Entwicklung der modernen Biologie undJames Clerk Maxwell, der die klassische elektromagnetische Theorie formulierte; und in jüngerer ZeitStephen Hawking, der wichtige Theorien auf den Gebieten der Kosmologie, der Quantengravitation und der Untersuchung von Schwarzen Löchern vorgebracht hat.[185]
Wissenschaftliche Forschung und Entwicklung sind nach wie vor an britischen Universitäten von Bedeutung, da viele Wissenschaftsparks errichtet wurden, um die Zusammenarbeit mit der Industrie zu erleichtern. Zwischen 2004 und 2008 produzierte das Vereinigte Königreich 7 % der wissenschaftlichen Forschungsarbeiten der Welt und hatte einen Anteil von 8 % an wissenschaftlichen Zitierungen, der dritte und zweithöchste Wert der Welt (nach den Vereinigten Staaten bzw. China). Das Land hatte 2016 den weltweit fünft-höchsten Output an wissenschaftlicher und technischen Artikeln.[186] Seit dem Jahre 1901 haben 132 Briten einenNobelpreis erhalten, was die zweithöchste Anzahl hinter den Vereinigten Staaten ist.[187] Zu den in Großbritannien produzierten wichtigen wissenschaftlichen Zeitschriften zählenNature, dasBritish Medical Journal undThe Lancet.
Großbritannien war einer der größten Empfänger von Forschungsmitteln aus der Europäischen Union. Im Zeitraum 2007–2013 erhielt das Vereinigte Königreich 8,8 Mrd. EUR von insgesamt 107 Mrd. EUR für Forschung, Entwicklung und Innovation in den EU-Mitgliedstaaten, assoziierten Ländern und Drittländern.[188] Zu dieser Zeit stellte dies den viertgrößten Anteil in der EU dar. Der Europäische Forschungsrat gewährte 2017 im Vereinigten Königreich 79 Projekte, mehr als in jedem anderen EU-Land.[189][190]
Sport spielt eine bedeutende Rolle im Vereinigten Königreich. Bei den einzelnen Sportarten sind jedoch teilweise deutliche regionale und soziale Unterschiede zu erkennen. In weiten Teilen der englischen und schottischen eher unteren sozialen Schichten („Working Class“) ist Fußball mit deutlichem Abstand die beliebteste Mannschaftssportart, wohingegen in Wales und in mittleren und höheren sozialen Schichten („Upper Class“) Englands und SchottlandsRugby Union (Fünfzehner-Rugby) meist der Mannschaftssport Nummer eins ist. In den traditionellen Industriestädten Nordenglands ist zudem die VarianteRugby League (Dreizehner-Rugby) sehr populär.Cricket ist wie Rugby Union ein eher sozial „elitärerer“ Sport. Diese Gegebenheiten haben meist historische Ursachen. So war es in den englischen Arbeitervierteln der Großstädte ohne Rasenflächen nicht möglich, Rugby zu spielen, für Fußball dagegen bedurfte es nur eines Hinterhofs. Die höheren Schulen der Upper Class verfügten allesamt über Rasenplätze, auf denen man Rugby und Cricket spielen konnte. Im Laufe der Zeit wurde der jeweilige Sport auch eine Möglichkeit der Identifikation mit seinerKlasse. Gerade wenn man auf die Zuschauerränge eines Rugby-Union- und eines Fußballspiels beispielsweise der englischen Nationalmannschaften schaut, erkennt man heute deutliche Unterschiede im Klientel. Gewalt unter und durch Fans war lange im englischen Fußball ein enormes Problem, hat imRugby jedoch nie eine Rolle gespielt.
Die vier Landesteile besitzen in den meisten Mannschaftssportarten getrennte Nationalmannschaften. Zu denOlympischen Spielen werden aber gemeinsame Mannschaften aller vier „home nations“ entsandt (nicht jedoch zu denCommonwealth Games). Diese starten formell unter der Bezeichnung „Great Britain and Northern Ireland“, was jedoch üblicherweise zu „Great Britain“ verkürzt wird. Vereinsmeisterschaften werden in den meisten Mannschaftssportarten ebenfalls getrennt durchgeführt; „britische“ Meisterschaften sind deshalb eher selten.Wintersport ist nicht weit verbreitet, da trotz der Lage in den hohen nördlichen Breitengraden nur in wenigen Regionen genügend Schnee fällt.
In Großbritannien sind Feiertage die Tage, an denen die meisten Unternehmen und nicht wesentlichen Dienstleistungen geschlossen sind, obwohl an einigen Feiertagen immer mehr Einzelhandelsgeschäfte (insbesondere die größeren) geöffnet haben. Am Sonntag und am Weihnachtstag gelten in England und Wales sowie am Neujahrstag und am Weihnachtstag in Schottland Handelsbeschränkungen.
Das Vereinigte Königreich hat gegenwärtig keinen offiziellenNationalfeiertag. Als teilweiser Ersatz wird der Geburtstag des Monarchen als zentraler nationaler Feiertag begangen – unter KöniginElisabeth II. wurde dieser Tag alsQueen’s Official Birthday (unabhängig von ihrem tatsächlichen Geburtstag am 21. April) an einem jährlich neu festgelegten Datum meist Ende Mai oder Anfang Juni gefeiert. Dieser Tag wird jedoch auch in den anderenCommonwealth Realms, deren Staatsoberhaupt Elisabeth II. ist, gefeiert (teilweise mit abweichendem Datum), und ist deswegen nicht exklusiv britisch sowie durch sein jährlich wechselndes Datum kein echter nationaler Fixtag. Besonders in den letzten Jahren gab es deswegen immer wieder Bestrebungen, alsBritain Day oderUK Day ein festes Datum zum Nationalfeiertag zu machen.
Bei den Feiertagen gibt es im Vereinigten Königreich regionale Unterschiede zwischen den vier Landesteilen.
1 Fällt der Feiertag auf ein Wochenende, wird er am folgenden Montag nachgeholt. 2 Fällt der Feiertag auf ein Wochenende, wird der folgende Dienstag arbeitsfrei.
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