Verband (Mathematik)

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EinVerband ist in derMathematik eineStruktur, die sowohl alsOrdnungsstruktur als auch alsalgebraische Struktur vollständig beschrieben werden kann.Als Ordnungsstruktur ist ein Verband dadurch gekennzeichnet, dass es zu je zwei Elementena{\displaystyle a},b{\displaystyle b} einSupremumab{\displaystyle a\vee b} gibt, d. h. ein eindeutig bestimmtes kleinstes Element, das größer oder gleicha{\displaystyle a} undb{\displaystyle b} ist, und umgekehrt einInfimumab{\displaystyle a\wedge b}, ein größtes Element, das kleiner oder gleicha{\displaystyle a} undb{\displaystyle b} ist.Als algebraische Struktur ist ein Verband dadurch gekennzeichnet, dass es zweiassoziative undkommutative Operationen gibt, für die dieAbsorptionsgesetze kennzeichnend sind: Für beliebige Elemente gilt

u(uv)=u{\displaystyle u\vee (u\wedge v)=u}   und  u(uv)=u{\displaystyle u\wedge (u\vee v)=u}.

Für jede in der Verbandstheorie vorkommende algebraische Aussage gibt es eine direkte Übersetzung in eine Ordnungsaussage und umgekehrt. Diese Übersetzung ist in den meisten Fällen auch anschaulich nachzuvollziehen.Die Möglichkeit, Ergebnisse doppelt zu interpretieren und dadurch besser zu verstehen, macht die Untersuchung und die Verwendung von Aussagen aus der Verbandstheorie so interessant. Der Begriff Verband wurde im hier beschriebenen Sinne von Fritz Klein-Barmen geprägt.[1]

Obwohl diese doppelte Charakterisierung auf den ersten Blick sehr speziell aussieht, treten Verbände häufig auf:

In der Literatur sind auch die Symbole{\displaystyle \sqcup } und{\displaystyle \sqcap } anstelle von{\displaystyle \vee } und{\displaystyle \wedge } verbreitet. Diese Notation wird hier aufgrund von technischen Einschränkungen allerdings nicht verwendet.

In einer früher üblichenTerminologie wurde ein Verband (nachRichard Dedekind) auch alsDualgruppe bezeichnet.

Inhaltsverzeichnis

Präzisierung

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Verbände als algebraische Strukturen

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Ein Verband(V,,){\displaystyle (V,\vee ,\wedge )} ist eine MengeV{\displaystyle V} mit zweiinneren binären Verknüpfungen{\displaystyle \vee } (Vereinigung, engl.join) und{\displaystyle \wedge } (Durchschnitt, engl.meet), die folgenden Bedingungen für alleu{\displaystyle u},v{\displaystyle v},w{\displaystyle w} ausV{\displaystyle V} genügen:

Assoziativgesetze:

Kommutativgesetze:

Absorptionsgesetze:

Aus diesen Bedingungen folgt dieIdempotenz beider Verknüpfungen:

V{\displaystyle V} ist also bezüglich jeder einzelnen Verknüpfung einHalbverband, d. h. eine kommutativeHalbgruppe, in der jedes Element idempotent ist. Die Verknüpfungen treten bei den Absorptionsgesetzen in Wechselwirkung.

Verbände als Ordnungsstrukturen

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Man kann nach einer Idee vonLeibniz aufV{\displaystyle V} eineHalbordnung definieren durch:

vwvw=v.{\displaystyle v\leq w\quad \iff \quad v\wedge w=v.}

Mit dem Absorptionsgesetz erkennt man die Gültigkeit der Äquivalenzen

vwvw=vvw=w.{\displaystyle v\leq w\quad \iff \quad v\wedge w=v\quad \iff \quad v\vee w=w.}

Bezüglich dieser Halbordnung hat jede zweielementige Teilmenge{v,w}{\displaystyle \{v,w\}} einSupremum (obere Grenze)s=vw{\displaystyle s=v\vee w} und einInfimum (untere Grenze)i=vw{\displaystyle i=v\wedge w}. Dabei ist ein Elements{\displaystyle s} ein Supremum von{v,w}{\displaystyle \{v,w\}}, wenn gilt:

Analoges gilt für das Infimumi{\displaystyle i}. Man kann perInduktion zeigen, dass jede nichtleere endliche Teilmenge ein Supremum und ein Infimum hat.Man schreibt allgemein das Supremum einer MengeM{\displaystyle M} alsM{\displaystyle \bigvee M}, und das Infimum vonM{\displaystyle M} alsM{\displaystyle \bigwedge M}, falls diese existieren.

Umgekehrt kann man für eine halbgeordnete Menge, bei der jede zweielementige Teilmenge ein Infimum und ein Supremum hat, definieren:

vw=inf{v,w}{\displaystyle v\wedge w=\inf\{v,w\}}   und  vw=sup{v,w}{\displaystyle v\vee w=\sup\{v,w\}}.

Die beiden Verknüpfungen erfüllen dann die Verbandsaxiome, wie man leicht nachrechnet.

Hasse-Diagramme für einige Beispiele

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Hauptartikel:Hasse-Diagramm

Eine endliche halbgeordnete Menge(M,){\displaystyle (M,{\leq })} kann man durch einen gerichtetenGraphen darstellen, den manHasse-Diagramm nennt.

Wenn man den Graph so anordnet, dass alle Kanten von unten nach oben gerichtet sind, dann kann man die Ordnung leicht sehen:

a<b{\displaystyle a<b} ist dann gleichwertig mit:a{\displaystyle a} ist durch einen (nach oben führenden) Kantenzug mitb{\displaystyle b} verbunden.
Hasse-Diagramme für einige Verbände
Verband der Teilmengen von {x,y,z} (eineBoolesche Algebra)
Verband der Teiler von 60
Partitionen der Menge {1,2,3,4}, durch „ist feiner als“ geordnet
Verband, der nicht distributiv, aberorthokomplementierbar ist
Die Menge der natürlichen Zahlen:Total geordnete Mengen sind Verbände
Diagramme, die keine Verbände darstellen
kein Verband, da c⊔d nicht existiert
kein Verband, da b⊔c nicht existiert (d und e sind zwar beide minimal größer, aber keins von beiden ist kleinstes der größeren Elemente)

Spezielle Elemente in Verbänden

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Neutrale Elemente

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Falls die Verknüpfung{\displaystyle \vee } einneutrales Element0{\displaystyle 0} hat,

0a=a,{\displaystyle 0\vee a=a,}

dann ist es eindeutig bestimmt und man nennt es dasNullelement des Verbandes. Bzgl.{\displaystyle \wedge } ist0{\displaystyle 0}absorbierend und bzgl. der Ordnung das kleinste Element:

0a=0{\displaystyle 0\wedge a=0} und0={\displaystyle 0=}V.{\displaystyle \bigwedge V.}

Man nennt den Verband dannnach unten beschränkt.

Falls die Verknüpfung{\displaystyle \wedge } ein neutrales Element1{\displaystyle 1} hat,

1a=a,{\displaystyle 1\wedge a=a,}

dann ist es eindeutig bestimmt und man nennt es dasEinselement des Verbandes. Bzgl.{\displaystyle \vee } ist1{\displaystyle 1} absorbierend und bzgl. der Ordnung das größte Element:

1a=1{\displaystyle 1\vee a=1} und1={\displaystyle 1=}V.{\displaystyle \bigvee V.}

Man nennt den Verband dannnach oben beschränkt.

Ein Verband heißtbeschränkt, wenn er nach unten und nach oben beschränkt ist, also für beide Verknüpfungen ein neutrales Element hat.

Komplementäre Elemente

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Hauptartikel:Komplement (Verbandstheorie)

Für ein gegebenes Elementa{\displaystyle a} eines beschränkten Verbandes nennt man ein Elementb{\displaystyle b} mit der Eigenschaft

einKomplement vona{\displaystyle a}.

Ein beschränkter Verband, in dem jedes Element (mindestens) ein Komplement hat, heißtkomplementärer Verband.

Im Allgemeinen kann es zu einem Element mehrere komplementäre Elemente geben.

Es gilt aber: In einemdistributiven beschränkten Verband ist das Komplement eines Elementsa{\displaystyle a} im Falle seiner Existenz eindeutig bestimmt. Man schreibt es oft alsac{\displaystyle a^{c}} (vor allem bei Teilmengenverbänden),¬a{\displaystyle \neg a} (vor allem bei Anwendungen in der Logik) odera¯{\displaystyle {\bar {a}}}.

In jedem beschränkten Verband gilt

In einem distributiven beschränkten Verband gilt:Fallsa{\displaystyle a} ein Komplement¬a{\displaystyle \neg a} hat, dann hat auch¬a{\displaystyle \neg a} ein Komplement, nämlich:

Spezielle Verbände

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Modulare Verbände

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N5{\displaystyle N_{5}}, der minimale nicht-modulare Verband
Hauptartikel:Modularer Verband undSemimodularer Verband

Ein VerbandV{\displaystyle V} heißtmodular, falls gilt:

Für einen VerbandV{\displaystyle V} sind wiederum jeweils äquivalent:

Ein nicht modularer Verband enthält immer den VerbandN5{\displaystyle N_{5}} als Unterverband.[2]

Distributive Verbände

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M3{\displaystyle M_{3}}, der minimale modulare, nicht-distributive Verband
Hauptartikel:Distributiver Verband

Im Folgenden meinen wir mit dem VerbandV{\displaystyle V} stets den Verband(V,,){\displaystyle (V,\vee ,\wedge )}.

Ein VerbandV{\displaystyle V} heißtdistributiv, wenn die Verknüpfungen in doppelter Hinsichtdistributiv sind:

Da diese beiden Aussagen zueinander äquivalent sind, genügt es, die Gültigkeit eines dieser beiden Distributivgesetze zu verlangen.

Jeder distributive Verband ist modular, aber nicht umgekehrt.Ein modularer Verband, der nicht distributiv ist, enthält immer den VerbandM3{\displaystyle M_{3}}, den Verband der Untergruppen derKleinschen Vierergruppe als Unterverband.[3]

Dies ergibt den Test: hat ein Verband weder einen Unterverband der FormN5{\displaystyle N_{5}} noch einen der FormM3{\displaystyle M_{3}}, dann ist er distributiv.

Distributive Verbände sind auch anders zu charakterisieren, dennBirkhoff (1933) undStone (1936) haben gezeigt:

Ein Verband ist genau dann distributiv, wenn er isomorph zu einemMengenverband ist.[4]

Boolesche Algebren

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Hauptartikel:Boolesche Algebra undHeyting-Algebra

Ein distributiver komplementärer Verband heißtBoolesche Algebra oderBoolescher Verband.

Eine weitere Verallgemeinerung, bei der statt Komplementen nurrelative Pseudokomplemente gefordert werden, heißtHeyting-Algebra.

Vollständige Verbände

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Ein VerbandV{\displaystyle V} heißtvollständig, wenn jede (auch die leere ebenso wie gegebenenfallsunendliche) Teilmenge ein Supremum und ein Infimum hat.

Es genügt, für jede TeilmengeM{\displaystyle M} die Existenz des Supremums zu verlangen, denn es ist

Jeder vollständige VerbandV{\displaystyle V} ist beschränkt mit

Jeder endliche, nichtleere VerbandV{\displaystyle V} ist vollständig, also auch beschränkt.

Eine minimalistische Definition ist: Ein vollständiger Verband ist eine halbgeordnete Menge(V,){\displaystyle (V,\leq )}, in der jede TeilmengeMV{\displaystyle M\subseteq V} ein Supremum hat. So definiert, ist ein vollständiger Verband natürlich auch ein Verband, mitxy:={x,y}{\displaystyle x\lor y:=\bigvee \{x,y\}} undxy:={x,y}{\displaystyle x\land y:=\bigwedge \{x,y\}}.

In einem vollständigen Verband(V,){\displaystyle (V,\leq )} besitzt jede ordnungserhaltende (d. h. monoton wachsende) Abbildungf:VV{\displaystyle f\colon \,V\to V} einen größten und einen kleinsten Fixpunkt aufgrund desFixpunktsatzes von Tarski.

Längenendliche Verbände

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Wenn jede bezüglich der Ordnungtotalgeordnete Teilmenge (Kette) endlich ist, nennt man den Verbandlängenendlich.[5]Für viele Beweise innerhalb der Verbandstheorie muss ein Verband nicht endlich sein, sondern es reicht, wenn er längenendlich ist.

Kompakte Elemente und algebraische Verbände

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Man nennt ein Elementa{\displaystyle a} eines vollständigen VerbandesV{\displaystyle V}kompakt (nach der verwandten Eigenschaftkompakter Räume in derTopologie), wenn jede TeilmengeM{\displaystyle M} vonV{\displaystyle V} mit

eine endliche TeilmengeE{\displaystyle E} enthält, für die gilt:

Ein VerbandV{\displaystyle V} heißtalgebraisch, wenn er vollständig ist und wenn jedes Element vonV{\displaystyle V} das Supremum von kompakten Elementen ist.

Dualität in Verbänden

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Die beiden Verbände sind dual zueinander (aber offensichtlich nicht isomorph).
Hauptartikel:Dualität (Verbandstheorie)

Vertauscht man in einem VerbandV{\displaystyle V} die beiden Verknüpfungen{\displaystyle \wedge } und{\displaystyle \vee }, erhält man eine neue StrukturW{\displaystyle W}.Man nenntW{\displaystyle W} dieduale Struktur.

Ersetzt man in einer beliebigen Formelφ{\displaystyle \varphi } der Sprache der Verbandstheorie und setzt überall die beiden Zeichen{\displaystyle \wedge } und{\displaystyle \vee } wechselseitig füreinander ein und ersetzt außerdem überall 0 durch 1 und umgekehrt, dann nennt man die entstandene Formelφ^{\displaystyle {\widehat {\varphi }}} dieduale Formel vonφ{\displaystyle \varphi }.

Offensichtlich gelten in dem zuV{\displaystyle V} dualen VerbandW{\displaystyle W} die dualen zu den inV{\displaystyle V} gültigen Formeln.Da in der Definition eines Verbands zu jeder Formel auch die duale Formel vorkommt, folgt, dassW{\displaystyle W} ebenfalls ein Verband ist, der als der zuV{\displaystyle V}duale Verband bezeichnet wird.

Aus dieser Beobachtung folgt:

  • Gilt eine Formel inallen Verbänden, dann gilt auch ihre duale Formel in allen Verbänden.

Das Modularitätsgesetz ist selbstdual und die beiden Distributiv-Gesetze sind zueinander dual und die beiden Komplementärgesetze sind zueinander dual. Daher gilt entsprechend:

  • Gilt eine Formel inallen modularen oder in allen distributiven Verbänden oder in allen Booleschen Algebren, dann gilt auch die duale Formel in den entsprechenden Verbänden.

Unterstrukturen

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Unterverbände

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EinUnterverband vonV{\displaystyle V} ist eine TeilmengeU{\displaystyle U}, diemit den eingeschränkten Verknüpfungen vonV{\displaystyle V} ein Verband ist, d. h. es liegen

Teilverbände

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EinTeilverband vonV{\displaystyle V} ist eine TeilmengeU{\displaystyle U}, die ein Verband ist,d. h.U{\displaystyle U} ist eine halbgeordnete Menge mit Supremum und Infimum für endliche Teilmengen.

Natürlich ist jeder Unterverband ein Teilverband, aber nicht umgekehrt.

Hier ist eine der wenigen Stellen, wo man den Unterschied in der Betrachtungsweise merkt: Für Verbände alsOrdnungsstrukturen sind alle Teilverbände Unterstrukturen, für Verbände alsalgebraische Strukturen sind nur die Unterverbände Unterstrukturen.

Man geht weder bei Teilverbänden noch bei Unterverbänden davon aus, dass dieneutralen Elemente in der Unterstruktur erhalten bleiben. Sonst muss man ausdrücklich von einem Verband mit0{\displaystyle 0} und1{\displaystyle 1} reden.

Ideale und Filter

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Hauptartikel:Ideal (Verbandstheorie),Primideal undMaximales Ideal
Hauptartikel:Filter (Mathematik) undUltrafilter

EinIdealI{\displaystyle I} ist ein Unterverband eines VerbandesV{\displaystyle V}, der zusätzlich folgende Bedingung erfüllt:sindaI{\displaystyle a\in I} undxV{\displaystyle x\in V}, dann istaxI{\displaystyle a\wedge x\in I}.(Die Definition entspricht also formal der Definition, die man in einem Ring erwartet).

Bezüglich der Halbordnung aufV{\displaystyle V} gilt aberaxa{\displaystyle a\wedge x\leq a}. Daher kann man die Definition auch so interpretieren:

Ein Ideal ist ein Unterverband, der zusammen mit einem Elementa{\displaystyle a} auch alle Elemente vonV{\displaystyle V} enthält, die kleiner alsa{\displaystyle a} sind.

Filter werden dual zu Idealen definiert:

Ein Filter ist ein Unterverband, der zusammen mit einem Elementa{\displaystyle a} auch alle Elemente vonV{\displaystyle V} enthält, die größer alsa{\displaystyle a} sind.

Homomorphismen

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Die hier dargestellte monotone Abbildungf{\displaystyle f} zwischen den VerbändenV{\displaystyle V} undW{\displaystyle W} ist kein Homomorphismus, daf(bc)=n{\displaystyle f(b\vee c)=n}, aberf(b)f(c)=m{\displaystyle f(b)\vee f(c)=m}. Außerdem ist aus demselben Grund das Bildf(V)={j,k,l,n}{\displaystyle f(V)=\{j,k,l,n\}} zwar ein Verband (mitkl=n{\displaystyle k\vee l=n}), aber kein Unterverband vonW{\displaystyle W}.

Sind(V,,){\displaystyle (V,\vee ,\wedge )} und(W,,){\displaystyle (W,\vee ,\wedge )} zwei Verbände undf:VW{\displaystyle f\colon \,V\to W} eineFunktion, sodass für allea,b{\displaystyle a,b} ausV{\displaystyle V} gilt

dann heißtf{\displaystyle f}Verbandshomomorphismus. Istf{\displaystyle f} zusätzlichbijektiv, dann heißtf{\displaystyle f}Verbandsisomorphismus und die VerbändeV{\displaystyle V} undW{\displaystyle W} sindisomorph.

Falls(V,,){\displaystyle (V,\vee ,\wedge )} und(W,,){\displaystyle (W,\vee ,\wedge )} vollständig sind undf:VW{\displaystyle f\colon \,V\to W} sogar

für alleTV{\displaystyle T\subseteq V} erfüllt, nennt manf{\displaystyle f} einenvollständigen Verbandshomomorphismus. Jeder vollständige Verbandshomomorphismus ist offensichtlich auch ein Verbandshomomorphismus.

DieKlasse aller Verbände bildet mit diesen Homomorphismen jeweils eineKategorie.

Ein Verbandshomomorphismus ist gleichzeitig ein Ordnungshomomorphismus, d. h. eineisotone Abbildung:

Jedoch ist nicht jede isotone Abbildung zwischen Verbänden ein Verbandshomomorphismus.

In beschränkten Verbänden gilt: Die Menge der Elemente vonV,{\displaystyle V,} die durch einen Verbandshomomorphismus auf das Nullelement des Bildes abgebildet werden, bilden ein Ideal vonV{\displaystyle V} und dual, die Menge der Elemente, die auf das Einselement abgebildet werden, bilden einen Filter.

Weitere Beispiele für Verbände

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Total geordnete Mengen

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Jedetotal geordnete MengeM{\displaystyle M} ist ein distributiver Verband mit den VerknüpfungenMaximum undMinimum. Insbesondere gilt für allea{\displaystyle a},b{\displaystyle b},c{\displaystyle c} ausM{\displaystyle M}:

Nur im Fall einer ein- oder zweielementigen MengeM{\displaystyle M} ist der Verband komplementär.

Beispiele für die übrigen Eigenschaften:

Teilerverbände

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Betrachtet man für eine natürliche Zahln{\displaystyle n} die MengeT{\displaystyle T} aller positivenTeiler vonn{\displaystyle n}, dann ist(T,kgV,ggT){\displaystyle (T,\operatorname {kgV} ,\operatorname {ggT} )} ein vollständiger distributiver Verband mit Einselementn{\displaystyle n} (neutralem Element fürggT) und Nullelement1{\displaystyle 1} (neutralem Element fürkgV). Er heißt Teilerverband vonn{\displaystyle n}. Die Absorptionsgesetze und Distributivgesetze für ggT und kgV folgen dabei z. B. mit derPrimfaktorzerlegung aus den Eigenschaften von max und min, man kann sie aber auch durch Teilbarkeitsbetrachtungen herleiten.

Für die HalbordnungT{\displaystyle \leq _{T}} des Verbandes(T,kgV,ggT){\displaystyle (T,\operatorname {kgV} ,\operatorname {ggT} )} ergibt sich dieTeilt-Relation{\displaystyle \mid }. Denn füra,bT{\displaystyle a,b\in T} gilt

aTbggT(a,b)=aab.{\displaystyle a\leq _{T}b\quad \Longleftrightarrow \quad \operatorname {ggT} (a,b)=a\quad \Longleftrightarrow \quad a\mid b\,.}

Der Verband ist genau dann komplementär (und damitboolesch), wennn{\displaystyle n} quadratfrei ist, d. h. wennn{\displaystyle n} keine Quadratzahl1{\displaystyle \neq 1} als Teiler hat.

Beispiele für Teilerverbände
T2 ist Boolesche Algebra (und lineare Ordnung)
T4 ist lineare Ordnung
T6 ist eine Boolesche Algebra
T12 ist nicht komplementär
T30 ist eine Boolesche Algebra
(N0,kgV,ggT){\displaystyle (\mathbb {N} _{0},\operatorname {kgV} ,\operatorname {ggT} )} ist beschränkt und distributiv, aber nicht komplementär. Jeder Teilerverband ist als Unterverband enthalten

Teilmengenverbände

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Für eine MengeM{\displaystyle M} bildet diePotenzmengeP(M){\displaystyle {\mathcal {P}}(M)} mit den Verknüpfungen Vereinigung{\displaystyle \cup } und Durchschnitt{\displaystyle \cap } einen algebraischen booleschen Verband mit Nullelement{\displaystyle \emptyset } (neutrales Element bezüglich{\displaystyle \cup }) und EinselementM{\displaystyle M} (neutrales Element bezüglich{\displaystyle \cap }) sowie KomplementAc=MA{\displaystyle A^{c}=M\setminus A} für alleAP(M){\displaystyle A\in {\mathcal {P}}(M)}. Er heißt Potenzmengen- oder Teilmengenverband vonM{\displaystyle M}.Die Halbordnung auf(P(M),,){\displaystyle ({\mathcal {P}}(M),\cup ,\cap )} ist die Mengeninklusion:

(Trägermengen von) Unterverbände(n) von(P(M),,){\displaystyle ({\mathcal {P}}(M),\cup ,\cap )} heißenMengenverbände (zwischen den Verbänden und ihren Trägermengen wird oft nicht unterschieden). Diese Verbände sind immer distributiv, müssen jedoch weder vollständig sein, noch neutrale Elemente oder Komplemente haben. (Ein Beispiel dafür ist der Verband der rechts-unendlichen reellen Intervalle[a,){\displaystyle [a,\infty )} mita{\displaystyle a} ausR{\displaystyle \mathbb {R} }, der isomorph zum Verband der reellen Zahlen ist.)

Unterstrukturenverbände von algebraischen Strukturen, Untergruppenverbände

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Für eineGruppe(G,){\displaystyle (G,{\ast })} bildet die MengeA{\displaystyle A} allerUntergruppen vonG{\displaystyle G} einen algebraischen (im Allgemeinen nicht modularen und damit auch nicht distributiven) Verband mit den VerknüpfungenErzeugnis der Vereinigung undDurchschnitt. Er heißt Untergruppenverband vonG{\displaystyle G}.

Beispielsweise ist der Untergruppenverband derkleinschen Vierergruppe, der gerade dem VerbandM3{\displaystyle M_{3}} entspricht, nicht-distributiv, aber modular.

Ebenso bilden

mit analogen Verknüpfungen einen modularen algebraischen Verband. Die Untergruppen einer beliebigen Gruppe und die Unterverbände eines beliebigen Verbands ergeben zwar immer einen algebraischen Verband, dieser muss aber nicht modular sein.

Ganz allgemein bilden dieUnterstrukturen eineralgebraischen Struktur stets einen algebraischen Verband (wobei auch die leere Menge als Unterstruktur betrachtet wird, falls der mengentheoretische Durchschnitt – also das Infimum bezüglich der Mengeninklusion – von der Menge aller Unterstrukturen leer ist).

Insbesondere ist ein Verband genau dann algebraisch, wenn er isomorph ist zum Verband der Unterstrukturen einer algebraischen Struktur (daher auch der Name algebraischer Verband).

Schränkt man die Menge der Untergruppen auf Obergruppen einer festen UntergruppeU{\displaystyle U} ein, so bilden alle diese Zwischengruppen{V:UVG}{\displaystyle \{V\colon U\leq V\leq G\}} auch einen beschränkten Verband. Analog dazu gibt es Verbände von Zwischenringen, Zwischenkörpern, Zwischenmoduln, Zwischenidealen.

Besonderes Interesse hat man am Untergruppenverband der Galoisgruppe einer galoisschenKörpererweiterungL/K{\displaystyle L/K}, denn er ist isomorph zum dualen Zwischenkörperverband vonL/K{\displaystyle L/K}.

Literatur

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  • Rudolf Berghammer:Ordnungen, Verbände und Relationen mit Anwendungen. 2. Auflage. Springer+Vieweg, Wiesbaden 2012,ISBN 978-3-658-00618-1. 
  • Garrett Birkhoff:Lattice Theory. 3. Auflage. AMS, Providence RI 1973,ISBN 0-8218-1025-1. 
  • Hilda Draškovičová:Ordered Sets and Lattices. AMS, 1992,ISBN 0-8218-3121-6. 
  • Hans Hermes:Einführung in die Verbandstheorie. 2. Auflage. Springer-Verlag, Berlin/Heidelberg 1967. 
  • Heinz Liermann:Verbandsstrukturen im Mathematikunterricht. Diesterweg Salle, Frankfurt a. M. 1971,ISBN 3-425-05317-5. 
  • Gábor Szász:Einführung in die Verbandstheorie. Akademiai Kiado, Budapest 1962. 

Weblinks

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Wikiversity: Eine Vorlesung über Verbände im Rahmen eines Kurses zur Diskreten Mathematik – Kursmaterialien
Commons: Verband – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise und Anmerkungen

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  1. Leo Corry:Modern Algebra and the Rise of Mathematical Structures, Springer, 2004,ISBN 3-7643-7002-5, S. 267
  2. H.Gericke,Theorie der Verbände. 2. Auflage. Mannheim 1967, S. 76 (Figur dazu auf S. 70)
  3. H.Gericke,Theorie der Verbände. 2. Auflage. Mannheim 1967, S. 111
  4. G.Grätzer,Lattice Theory, 1971, S. 75
  5. Helmuth Gericke:Theorie der Verbände. Bibliographisches Institut, Mannheim 1963, § 6.2
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