Usbekisch ist eine Weiterleitung auf diesen Artikel. Weitere Bedeutungen sind unterUsbekisch (Begriffsklärung) aufgeführt.
Ozbek ist eine Weiterleitung auf diesen Artikel. Zum türkischen Modedesigner sieheRifat Ozbek.
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4. Juni 2024
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Dieusbekische Sprache (usbekischOʻzbekcha oderOʻzbek tili) ist mit ca. 43,5 Millionen Sprechern die bedeutendsteTurkspracheZentralasiens. InUsbekistan ist es die Muttersprache der Bevölkerungsmehrheit undAmtssprache.
Neben der KurzbezeichnungUsbekisch wird in dertürkischenTurkologie als Alternativbezeichnung auch „usbekisches Türkisch“ (türk.Özbek Türkçesi, usbek.Oʻzbek Turkchasi) verwendet. Die Schreibweisen in den anderen für das Usbekische verwendeten Schriften sindkyrillisch Ўзбек тили undarabischئۇزبېك تیلىOʻzbek tili. Die Eigenbezeichnung der usbekischenSprachvarianten in Afghanistan lautetUzbek tili,Uzbeki,Uzbaki oderUzbekcha.
Die Sprachbezeichnung geht zurück auf den Namen derUsbeken, der ursprünglich eine Gruppe von Nomadenstämmen bezeichnete, die im 16. Jahrhundert die Herrschaft im westlichen Zentralasien übernahmen und ihren Namen ihrerseits aufUsbek Khan, einen Herrscher derGoldenen Horde im 14. Jahrhundert, zurückführen. Heute bezeichnet das WortUsbekisch jedoch nicht nur die auf die Sprache derUsbeken des 16. Jahrhunderts zurückgehenden Dialekte (dasKyptschak-Usbekische), sondern auch die turksprachlichen Varietäten, deren Vorläufer schon vor der Einwanderung der usbekischen Stämme in Zentralasien gesprochen und damals alsTschagataisch oderTurki bezeichnet wurden.
Das Usbekische gehört zur südöstlichen Gruppe der Turksprachen (uighurische Sprachen). Die am engsten mit dem Usbekischen verwandte Sprache ist das im chinesischenXinjiang gesprocheneUigurische.
Die heutige usbekische Standardsprache ist die unmittelbare Nachfolgesprache desTschagataischen.
Im chinesischenXinjiang sprechen noch etwa 5000 der dortigen ca. 12.000 ethnischen Usbeken Usbekisch.[11]
In Afghanistan leben heute ca. 2,9 Millionen Usbeken. Im Gegensatz zu den zentralasiatischen früheren Sowjetrepubliken hat hier die moderne usbekische Standardsprache keine Geltung. Viele der Usbeken Afghanistans beherrschen neben ihrer usbekischen Varietät auchPersisch.[12] Die afghanische Variante der usbekischen Sprache wird mit dem arabischen Alphabet geschrieben.[13] Die afghanischen Usbeken gehörten bis ins 19. Jahrhundert zumEmirat Buchara. 1886/93 kamen die südlichen Randgebiete des Khanates zu Persien und als sich die Afghanen kurze Zeit später unabhängig machten, kamen die Usbeken zum EmiratAfghanistan.
Zur Unterscheidung der in Afghanistan gesprochenen Form des Usbekischen von der in Usbekistan und den anderenGUS-Staaten verwendeten Sprachform werden auch die BezeichnungenSüdusbekisch undNordusbekisch verwendet.[14] Diese Bezeichnungen sind allerdings missverständlich, daSüdusbekisch undNordusbekisch andererseits auch zwei der usbekischen Dialektgruppen bezeichnen, wobei südusbekische Dialekte auch von einem großen Teil der Einwohner Usbekistans gesprochen wird und der dortigen Standardsprache zugrunde liegen.[15]
In derTürkei gaben 1982 genau 1980 aus Afghanistan stammende ethnische Usbeken Usbekisch als Muttersprache an.[13]
Die usbekische Sprache gliedert sich im Wesentlichen in vierDialektgruppen:[16]
DasNordusbekische wird von dersesshaften usbekischen Bevölkerung im Süden Kasachstans gesprochen.
DasSüdusbekische wird von der sesshaften usbekischen Bevölkerung im zentralen und östlichen Usbekistan und im Norden Afghanistans gesprochen. Innerhalb des Südusbekischen können iranisierte und teiliranisierte Dialekte unterschieden werden. Die iranisierten Dialekte weisen aufgrund langandauernder Koexistenz mitiranischen Sprachen (Persisch bzw.Tadschikisch) zahlreiche Einflüsse dieser Sprachen nicht nur auf lexikalischem, sondern auch aufphonetischem Gebiet auf. Insbesondere ist in den iranisierten Dialekten die ansonsten in denTurksprachen geltendeVokalharmonie fast vollständig verloren gegangen. In den teiliranisierten Dialekten ist hingegen die Vokalharmonie teilweise erhalten. Iranisierte Dialekte des Südusbekischen werden in den größeren Städten des zentralen Usbekistan, vor allem inBuchara,Samarkand undTaschkent, sowie von der städtischen usbekischen Bevölkerung im Norden Afghanistans gesprochen. Teiliranisierte Dialekte werden in den ländlichen Gebieten zwischen den vorgenannten Städten sowie imFerghanatal gesprochen. Der zu den iranisierten Dialekten gehörende Stadtdialekt von Taschkent ist Grundlage der Aussprachenorm der usbekischen Standardsprache.
DasKyptschak-Usbekische, das aus systemlinguistischer Sicht demKasachischen näher steht als den übrigen usbekischen Dialekten, wird von den bis in die jüngere Zeit nomadisch oder teilnomadisch lebenden usbekischen Bevölkerungsgruppen gesprochen. Diese leben bzw. lebten in für nomadische Lebensformen geeigneten Gegenden über das gesamte usbekische Siedlungsgebiet verstreut. Sie waren bis in die jüngere Vergangenheit noch in Stammesverbände gegliedert, so dass sich das Kyptschak-Usbekische nicht wie die anderen usbekischen Dialekte in Stadt- und Ortsmundarten, sondern in Stammesmundarten gliedert.
DasOghus-Usbekische, das aus systemlinguistischer Sicht einen Übergangsdialekt zum benachbartenTurkmenischen undChorasan-Türkischen bildet, wird von der sesshaften Bevölkerung im südwestlichen Usbekistan gesprochen.
Seit der Islamisierung wurde in Usbekistan bis 1923 – wie in ganzZentralasien –Tschagataisch als Schriftsprache gebraucht, das inpersisch-arabischen Buchstaben geschrieben wurde. Die usbekische Sprache löste sich seit etwa 1910 von der tschagataisch-iranischen Tradition ab und stieg vom regionalen Dialekt allmählich zur modernen Schriftsprache auf, wodurch auch die vorher nur mündlich tradierte Literatur erstmals verschriftlicht wurde.
Im Jahre 1923 wurde das Alphabet reformiert, der usbekischen Sprache angepasst und Usbekisch zur Schriftsprache in Usbekistan erhoben. 1929 wurde dasNeue Turksprachige Alphabet eingeführt, und das Usbekische begann, sich denoghusischen Sprachen anzupassen. Lautlich war diese usbekische Schriftsprache nach demNordusbekischen und grammatisch nach dem (teilweise iranisierten)Südusbekischen Taschkents ausgerichtet.
Im Laufe der 1930er Jahre wurde im Zuge von Änderungen der normativen Grammatik auch das Lautsystem amSüdusbekischen ausgerichtet, was auch erneute Änderungen der Orthographie nach sich zog.
1939/40 wurde ein angepassteskyrillisches Alphabet eingeführt, das auf der für dasRussische üblichen Schrift aufbaut, jedoch um zusätzliche Buchstaben für die spezifisch usbekischen Laute erweitert wurde.
Zur Zeit des Zusammenbruches derSowjetunion (1988/89) gab es – im Zuge der Re-Nationalisierung und Islamisierung – Bestrebungen, das persisch-arabische Alphabet wieder einzuführen. Diese hatten jedoch mangels staatlicher Unterstützung keinen Erfolg. Lediglich in Publikationen islamischer/islamistischer Gruppierungen wird das Usbekische heute oft in arabischer Schrift geschrieben.
Nachdem auf dem ersten Treffen aller turksprachigen Präsidenten (Ankara 1992) beschlossen worden war, für die Turksprachen der ehemaligen Sowjetunion dasneue türkische Alphabet zu übernehmen beziehungsweise bei dessen Nichtübernahme ein latein-basiertes Alphabet zu entwickeln, wurde 1993 zunächst ein Entwurf für ein lateinisches Alphabet für das Usbekische vorgelegt, das zahlreiche diakritische Zeichen enthielt.
1995 beschloss die usbekische Regierung jedoch, stattdessen daslateinische Alphabet ohne Zusatzzeichen einzuführen. Dies sollte unter anderem die Verwendung der normalen englischen Schreibmaschinen- und Computertastatur ermöglichen und den zusätzlichen Aufwand für einen eigenen Zeichensatz vermeiden. Für diejenigen Laute, für deren Wiedergabe kein geeigneter lateinischer Buchstabe vorhanden war, wurdenDigraphen eingeführt, bei deren Lautwert man sich an den Lautwerten der Konsonantenkombinationen im Englischen orientierte. Die Buchstaben gʻ und oʻ verwenden einen Haken als diakritisches Zeichen, der in seiner normativ korrekten Form nicht mit dem Apostroph identisch ist, sondern vielmehr einer kleinen 6 ähnelt, während der Apostroph ʼ einen Glottisschlag oder eine Vokallängung anzeigt. Sowohl das kyrillische als auch das arabische Alphabet sollen weiter gelehrt werden, um den Zugang zur älteren Literatur zu ermöglichen.
Die Normierung des usbekischen Lateinalphabets ist noch nicht abgeschlossen. 2018 veröffentlichte die usbekische Regierung einen Entwurf für eine erneute Alphabetreform, bei der die meisten Digraphen wieder abgeschafft und durch diakritische Zeichen ersetzt werden sollen.[17] Dieser Vorschlag wurde 2019 konkretisiert[18] und 2021 noch einmal überarbeitet.[19][20]
Der langsame Übergang zur lateinischen Schrift begann im öffentlichen Leben seit 1997. Die endgültige Übernahme des Lateinalphabetes sollte bis 2005 abgeschlossen sein, jedoch wurden auch im Jahre 2005 und danach noch Veröffentlichungen in kyrillischer Schrift gedruckt. Insbesondere diejenigen Generationen, die noch während der Zeit der Sowjetunion zur Schule gingen, bevorzugen nach wie vor die kyrillische Schrift.
De facto sind heute die kyrillische und die lateinische Schrift parallel im Gebrauch, wenn auch von amtlichen Stellen heute ausschließlich das lateinische Alphabet verwendet wird. Unterschiedliche persönliche Präferenzen vor allem der älteren Generation sowie der durch die schlechte wirtschaftliche Lage bedingte chronische Geldmangel, der den Druck neuer Publikationen in lateinischer Schrift behindert, lassen es wahrscheinlich erscheinen, dass beide Alphabete noch längere Zeit nebeneinander im Gebrauch bleiben werden. Die offizielle Website der HauptstadtTaschkent[21] ist, nebenEnglisch undRussisch, sowohl in kyrillisch als auch in lateinisch geschriebenem Usbekisch verfügbar.
↑Am Silbenbeginn, nach Vokal, ъ oder ь ist in der LateinschriftYe ye zu schreiben. Soll an diesen Positionen nur der LautE e dargestellt werden, muss Э э verwendet werden.
↑abDas diakritische Zeichen der BuchstabenOʻ oʻ undGʻ gʻ ist in normativer Form nicht mit dem Apostroph identisch, sondern ähnelt vielmehr einer kleinen 6. In Schreibschrift kann es auch durch einen über den Buchstaben gesetzten Strich ersetzt werden. Es entspricht typographisch dem in polynesischen Sprachen verwendetenʻOkina. In Handschriften sind die Zeichen auch alsḡ oderğ, beziehungsweise alsō oderŏ zu finden.
↑abApostroph; hierfür wird das Zeichen U+02BCModifizierender Buchstabe Apostroph benutzt. Nach Konsonanten bei folgendem Vokal meist [ʔ], bewirkt nach Vokal eine Längung des vorangehenden Vokals; in der Umgangssprache oft stumm. In der Buchstabengruppes'h dient es nur zur Unterscheidung vom Digraphensh.
↑abcdeDigraph, kein offizieller Bestandteil des heutigen lateinischen Alphabets.
↑Digraph, kein offizieller Bestandteil des kyrillischen Alphabets.
Im Folgenden wird hier Artikel 1 derAllgemeinen Erklärung der Menschenrechte aufgeführt, und zwar in der heutigen Lateinschrift, in der alten usbekischen modifizierten Kyrilliza und als deutsche Übersetzung.
„Barcha odamlar erkin, qadr-qimmat va huquqlarda teng boʻlib tugʻiladilar. Ular aql va vijdon sohibidirlar va bir-birlari ila birodarlarcha muomala qilishlari zarur.“
„Барча одамлар эркин, қадр-қиммат ва ҳуқуқларда тенг бўлиб туғиладилар. Улар ақл ва виждон соҳибидирлар ва бир-бирлари ила биродарларча муомала қилишлари зарур.“
„Alle Menschen sind frei und gleich an Würde und Rechten geboren. Sie sind mit Vernunft und Gewissen begabt und sollen einander im Geiste der Brüderlichkeit begegnen.“
Ingeborg Baldauf:Schriftreform und Schriftwechsel bei den muslimischen Russland- und Sowjettürken (1850–1937), ein Symptom ideengeschichtlicher und kulturpolitischer Entwicklungen. Bibliotheca Orientalis Hungarica. Bd. 40. Akad. Kiadó, Budapest 1993.
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↑Ethnologue-Eintrag zumSüdusbekischen. Die dort genannte Sprecherzahl von 1.400.000 ist offensichtlich veraltet, zuverlässige aktuelle Zahlen schwer erhältlich.
↑Vgl. die Übersicht über die usbekischen Dialekte bei Stefan Wurm:Das Özbekische. In: Jean Deny et al. (Hrsg.):Philologiae Turcicae Fundamenta. Band I. Wiesbaden 1959, S. 489–524.
↑Stefan Wurm:Das Özbekische. In: Jean Deny et al. (Hrsg.):Philologiae Turcicae Fundamenta. Band I. Wiesbaden 1959, S. 489–524.