Usbeken-Khanat oderKhanat der Usbeken war der Name einerStammesföderation derUsbeken inZentralasien, die 1428 gegründet wurde, 1468 zerbrach, um 1500 neu begründet wurde und ab 1506 in dasKhanat Buchara überging.
Weitere von Usbeken beherrschteKhanate waren ab 1510 dasKhanat Chiwa und ab 1710 dasKhanat Kokand.
Mit dem Namen „Usbeken“ wurden bereits im 14. Jahrhundert verschiedene turksprachige Stämme bezeichnet, die inWestsibirien sowie dem nordöstlichenKasachstan beheimatet waren und Herrschern aus dem Geschlecht derSchaibaniden unterstanden.
Nach erfolgreichen Kriegszügen gegen dieTimuriden und der Eroberung des Gebiets amSyrdarja gründeteAbu'l-Chair das Usbeken-Khanat und wollte die neu eroberten Gebiete zum Kern eines zentralisierten Staats machen. Dagegen wendete sich eine Opposition innerhalb der Stammeskonföderation, die „Kasachen“ (Abtrünnige) genannt wurden. Nachdem Abu’l-Chair 1456/57 gegen dieOiraten eine vernichtende Niederlage erlitten hatte, nutzte diese Opposition diese Lage aus: 1468 besiegten die Kasachen Abu’l-Chair und gründeten dasKhanat der Kasachen, während das Usbeken-Khanat zerfiel.
Abu’l-Chairs EnkelMuhammad Schaibani errichtete ab 1488 als Vasall derMogul-Khane dasUsbeken-Khanat neu und erreichte 1500 die Unabhängigkeit. 1506 wurde daraus dasKhanat Buchara. 1512 spaltete sich dasKhanat Chiwa und 1710 dasKhanat Kokand ab, wobei alle drei Reiche „usbekische Khanate“ waren. 1753/85 wurde aus dem Khanat Buchara dasEmirat Buchara.

Nachdem die nördlichen Steppennomaden unter der FührungQasym Khan, der aus derFamilie Ordas entstammte, selbstständig wurden, begann ein Kampf um die Vorherrschaft in der Steppe.Boraq Khan (reg. 1422–28), der SohnQasyms, hatte erst kurz zuvor mit Hilfe derTimuriden die Übernahme derWeißen Horde angestrebt.Abu'l-Chair (reg. 1428–1468), ein NachfahreShibani Khans, konnte mit Hilfe desNogaiersWaqqas Bej im Jahr 1428Boraq Khan töten.[1]
Abu'l Chair hatte sich durchgesetzt und begann nun die Nomaden im Gebiet zwischen Tobol, Ural undSyrdarja zu vereinigen.Abu'l-Chair war ein überzeugterMuslim und versuchte einen straff organisierten Staat aufzubauen. Damit geriet er in den Gegensatz zurnomadisch geprägten Steppenkultur der Kasachen.
1447 gingAbu'l-Chair gegen denTimuridenUlug Beg vor, erreichte die Herrschaft über das Syrdarja-Gebiet und eroberte Samarkand. Auch in die folgenden Thronstreitigkeiten bei den Timuriden griff er mehr als einmal ein und begünstigte beispielsweise 1451Abu Said.
1456 spalteten sich Boraqs SöhneKerei undJanibek vom Usbeken-Khanat ab, nachdemAbu'l-Chair eine schwere Niederlage gegen diewestmongolischenDschungaren erlitten hatte. Die abtrünnigen Prinzen unterstellten sich zunächst dem Schutz der letzten bedeutendenTschagatai-KhaneEsen Bugha undYunus. Sie versammelten schrittweise all jene, die ungebunden bleiben wollten und erneuerten dasKasachenreich.
1467 löste sich dasKhanat Sibir unterIbaq – gleichfalls ein Schaibanide – von seinem usbekischen Oberherren.
1468 wurdeAbu'l-Chair von den zurückkehrenden Kasachen nach einer Niederlage nördlich des Syrdarja getötet. Danach war sein Khanat am Ende:Abu'l-Chairs Stämme spalteten sich unter den überlebenden Söhnen und anderen Verwandten auf; es entstanden sogenannte Apanagen (Teilherrschaften). Andere Stämme gingen zu den Kasachen über. Die Apanagen der SöhneBudaq undBaruj hatten keinen langen Bestand, beide wurden bald vonYunus, dem Tschagatai-Khan, beseitigt.
Muhammad Schaibani war der Sohn vonBudaq und EnkelAbu’l-Chairs. Er und seine Gefolgsleute, die den Namen Usbeken beibehielten, ließen sich südlich des Syrdarja nieder. Dort assimilierten sie sich – ganz im Gegensatz zu den späteren Kasachen – stärker mit den dort schon ansässigentschagataisprachlichen türkischen undiranischen Volksgruppen.
Schaibani, vormalsFlüchtling undSöldnerführer, konnte im letzten Jahrzehnt des 15. Jahrhunderts die Usbeken erneut vereinigen. Er eroberte um 1500/01 von denTimuriden die StädteBuchara undSamarkand und besetzteTransoxanien. 1503 schlugSchaibani seine früheren Feudalherren, die Söhne vonYunus Khan, im Ferghanatal und nahm sie gefangen. 1505 eroberten die UsbekenChoresmien (das sie 1510 wieder aufgeben mussten)[2] und 1507 besetzte Schaibani nach dem Tod des TimuridenHusain Baiqara die StadtHerat.
Schaibanis langer Siegeszug fand 1510 ein blutiges Ende: Er wurde vomPerserschahIsmael I. beiMerw gestellt und in der folgenden Schlacht getötet.[3]


Zum Zeitpunkt vonMuhammad Schaibanis Tod 1510 regierte in BucharaUbaidullah b. Mahmud, sein Neffe, als Sultan.Der TimurideBabur rückte 1511/12 mit persischer Hilfe nach Buchara undSamarqand vor, wurde jedoch zurückgeschlagen.
Muhammad Schaibanis NeffeUbaidullah b. Mahmud, Statthalter von Buchara und Khan 1533 bis 1539, führte den Krieg gegen den Iran fort. Es gelang ihm jedoch nicht, SchahTahmasp zu besiegen. 1538 versuchte er erfolglos dasKhanat Chiwa zu erobern. Die Regierungszeit vonAbdullah (II.) 1583 bis 1598 brachte Ruhe und Wohlstand, doch zu ihrem Ende kam es zu Kriegen und ungefähr 1598 griffen die Kasachen Buchara an.
Mit dem Tod von Abdullahs Sohn und Vetter wechselte die Dynastie 1598/99 zu den aus demKhanat Astrachan stammendenDschaniden-Dynastie (1599–1785).
ImamQuli Khan (reg. 1610–1640/2) förderte vor allem den Bau vonMoscheen undMedresen. Als er sein Augenlicht verlor, ernannte er seinen BruderNadir Muhammed (1640/2–1645, abgesetzt) zum Nachfolger. Der weltlich gesinnteNadir Muhammed, vorher Statthalter von Balch, musste den Thron alsbald zugunsten seines SohnesAbd al-Aziz (reg. 1645–1678) räumen und floh zum persischenSchah.
UnterAbd al-Aziz und seinem BruderSubhan Quli Khan (reg. 1678/80–1702) kam es zu einer letzten, bescheideneren Glanzzeit des Landes. Um 1700 entglitt den Khanen die Macht über das Ferghanatal.Schah-Rukh ergriff die Gelegenheit und begründete 1710 das unabhängigeKhanat Kokand.Um 1723 flüchteten große Gruppen vonKasachen vor denDschungaren nach Buchara und Samarkand.
Im Juli/September 1740 besiegten die Perser unterNadir Schah den KhanAbu'l Faiz und zog als Sieger in Buchara ein.Abu'l Faiz wurde einVasall Persiens. Etwa 1747 wurdeAbu'l Faiz von seinem RegentenMuhammad Rahim Bi ermordet.Muhammad Rahim, Führer desMangiten-Clans und abhängig vom persischen HerrscherNadir Schah, bestieg 1753 selbst den Thron, führte anstelle „Khan“ den neuen Titel „Emir“ ein, und regierte bis 1758. Damit waren die Dschaniden entmachtet, und unterAbu'l Ghazi (reg. 1758–85, abgesetzt) regierten bereits die Mangiten das Land.
Einer vonMuhammad Rahims Verwandten,Ma'sum Schah Murad († 1799), wurde der SchwiegersohnAbu'l Ghazis und bestieg 1785 selbst den Thron, nachdem er die Dschaniden endgültig abgesetzt hatte und den offiziellen Übergang zumEmirat Buchara vollzog. Seine Dynastie hielt sich bis 1920.

Ilbars Khan (reg. 1512–25) hatte 1512 inChoresm (mit den StädtenUrgentsch undChiwa) die Perser in dieser Region entmachtet. In der Folgezeit rief er in Chiwa das unabhängigeKhanat aus und begründete damit eine neue Dynastie (die der Arabschahiden). Dieses Khanat entwickelte sich zum Konkurrenten des Usbeken-Khanates und rang mit diesem um weite TeileZentralasiens, die nicht im Bündnis mit dem Usbeken-Khanat standen.Ibars selbst war zwar ein Schaibanide, stammte aber aus einem anderen Zweig der Familie, der sich im späten 14. Jahrhundert von den Vorfahren der Khane Bucharas trennte.
Hajji Muhammad (reg. 1558–1602) musste sich beispielsweise 1594/96 mitAbdullah II. auseinandersetzen. Sein NachfolgerArab Muhammad (reg. 1603–1621) wies einen ersten russischen Vorstoß auf Urgentsch zurück. Er erlitt jedoch um 1613 eine Niederlage gegen dieKalmücken und musste um 1620 die Hauptstadt von Urgentsch nachChiwa verlagern. Die Regierung war ähnlich orthodox wie die in Buchara. Aber immerhin betätigte sich der KhanAbu’l Ghazi Bahadur (reg. 1643–1663) als Dichter und Geschichtsschreiber, ihm verdankt man wichtige Hinweise über die Herkunft der Schaibaniden.Abu'l Ghazi schlug auch 1648 und 1652/3 zwei Angriffe der Kalmücken erfolgreich zurück und zog 1661 gegenAbd al-Aziz (reg. 1645–1678) bis Buchara.
Im 18. Jahrhundert schwand auch hier die Macht der Khane, 1740 eroberteNadir Schah die Festung von Khanka, zog in Chiwa ein und ließ den KhanIlbars II. hinrichten[4]. Im Jahr 1804 wechselte dann die Dynastie und 1873 wurde Chiwa zum russischen Protektorat gemacht.
DasKhanat Kokand wurde 1710 von einem (angeblichen?) Schaibaniden namensShah-Rukh gegründet und hielt sich bis 1876. Nach der Vernichtung des mächtigenDschungarenreiches durch dieQing-Dynastie war auch der Kokander KhanErdeni gezwungen, eine formelle chinesische Oberhoheit anzuerkennen (1758). Diese Oberhoheit bestand auch für den Rest des Jahrhunderts.
Im 19. Jahrhundert konnten die KhaneAlim,Muhammad Umar (reg. 1809–22) undMuhammad Ali (reg. 1822–40) auch Taschkent und andere Städte besetzen und einige Stämme der Kasachen bis hin zumBalchaschsee zur Anerkennung der Kokander Oberhoheit zwingen. Aber der Erfolg war nur scheinbar: Andauernde innere Konflikte brachen um 1840 auf und der Emir von Buchara rüstete mit Hilfe ausländischer Berater eine halbwegs moderne Armee auf, mit der sich in die inneren Verhältnisse des Khanats einmischte (u. a. 1840/2, 1863), kurz bevor Buchara selbst dem russischen Angriff 1865/68 zum Opfer fiel. 1868 wurde das Khanat Kokand dann ein Vasall des Zarenreiches und 1876 schließlich von den Russen annektiert.
Im Interesse einer knappen Darstellung werden die Nebenlinien und dasEmirat Buchara nicht aufgelistet.
DieSchaibaniden:
DieDschaniden, auchAstrakhaniden genannt: