Ulf Kirsten (*4. Dezember1965 inRiesa) ist ein ehemaligerdeutscherFußballspieler derDDR und anschließend des wiedervereinigten Deutschlands. Er gilt als einer der besten deutschen Torjäger der 1980er und 1990er Jahre sowie als einer der wichtigsten Spieler in der Vereinsgeschichte desBundesligistenBayer 04 Leverkusen, für den er von 1990 bis 2003 aktiv war.
Kirsten war zum Zeitpunkt seines Karriereendes Mitte 2003 mit 181 Treffern der fünfterfolgreichste Torschütze der Bundesliga. Er ist zudem mit 100 Länderspielen, die er von 1985 bis 1990 sowie von 1992 bis 2000 absolvierte, der Spieler mit den meisten Einsätzen, der für beide deutsche Staaten aktiv war. Mit der Bundesrepublik nahm er an derWM 1994 und1998 sowie derEM 2000 teil.
Im Anschluss an seine Profikarriere war Kirsten Co-Trainer der ersten sowie Cheftrainer der zweiten Mannschaft von Bayer Leverkusen. Neben seiner sportlichen Aktivität kümmert er sich um seine eigeneStiftung, die „Ulf-Kirsten-Stiftung“, zugunsten der Nachwuchsarbeit seines HeimatvereinsDynamo Dresden. Von Februar 2019 bis 2023 war er beiWacker Nordhausen als sportlicher Berater angestellt. Seit April 2023 ist er sportlicher Berater bei Dynamo Dresden.
Ulf Kirsten (rechts) im Duell mitMatthias Morack beim DDR-Oberligaspiel Dynamo Dresden – FC Union Berlin im Mai 1988
Ulf Kirsten hatte seine Karriere, bevor er 1979 zur SG Dynamo Dresden wechselte, bei zwei Vereinen in seiner Heimatstadt Riesa –BSG Chemie Riesa (1972–1978) undBSG Stahl Riesa (1978–1979) – begonnen.
Bei Dynamo Dresden schaffte Kirsten in derOberligasaison 1983/84 den Sprung in die erste Mannschaft. In 154Oberligaspielen traf er 57-mal für Dresden. Im Europapokal erzielte Kirsten in 21 Spielen acht Treffer. Der international größte Erfolg der Dresdner in Kirstens Zeit bei Dynamo war der Einzug ins Halbfinale desUEFA-Pokals in der Saison 1988/89, in dem man knapp (0:1-Niederlage beimVfB Stuttgart und 1:1 in Dresden) am Einzug ins Finale scheiterte. Kirsten gewann mit Dresden mehrere nationale Titel:1988/89 und1989/90 wurde Dynamo DDR-Fußballmeister und gewann 1984, 1985 (jeweils gegen denBFC Dynamo) und 1990 (gegen denPolizeisportverein Schwerin) mit Kirstens Beteiligung denFDGB-Pokal. Insgesamt lief er im Pokalwettbewerb der DDR 34-mal für die SGD auf und schoss dabei 14 Treffer. 1990 wurde er zumFußballer des Jahres in der DDR gewählt.
Vor seinem zur Saison 1990/91 vollzogenen Wechsel zu Bayer Leverkusen bemühte sich mit dem VfB Stuttgart ein weitererBundesligist um Kirsten, Dynamo Dresden verweigert im Januar 1990 allerdings die Freigabe.[1]Fortuna Düsseldorf und der1. FC Nürnberg wollten den Stürmer ebenfalls.[2] Auch derHamburger SV, der durch ein Kooperationsabkommen mit Dynamo ein Vorverkaufsrecht erhalten hatte, zeigte ebenso Interesse an Kirsten wie derVfL Bochum. Anfang Februar 1990 wurde sogar vermeldet, Kirsten habe einen Vorvertrag mit den Bochumern abgeschlossen.[3] Auch der italienische ZweitligistUS Cagliari warb im Frühling 1990 um Kirsten,[4] dessen Einigung mit Leverkusen Anfang Mai 1990 feststand.[5]
Der Sprung in die Bundesliga gelang Kirsten ohne Mühe, bereits in seinem ersten Bundesligaspiel traf er gegen denFC Bayern München. Er entwickelte sich bei den Leverkusenern zum besten einheimischen Bundesligastürmer der 1990er Jahre. Von der Spielzeit1990/91 bis zur Saison2002/03 traf Kirsten in 350 Erstligabegegnungen 181-mal ins gegnerische Tor. Hinzu kommen 32 Europapokaltreffer in 54 Partien für den Verein aus dem Rheinland. Vier Mal –1996/97,1998/99,1999/2000 und2001/02 – wurde Kirsten jeweils Bundesliga-Zweiter. Ein Meistertitel mit Leverkusen blieb ihm in allen 13 Spielzeiten versagt, jedoch gewann der Verein durch ein Tor von Kirsten denDFB-Pokal 1993 im Endspiel gegen die Amateure vonHertha BSC. Der Traum vom Europapokalsieg erfüllte sich auch in Leverkusen nicht: In der Saison 2001/02, als der Verein sowohl in derMeisterschaft als auch imDFB-Pokal 2002 nur Zweiter wurde, unterlag Kirsten mit den Rheinländern im GlasgowerHampden Park gegenReal Madrid im Finale derUEFA Champions League mit 1:2.
Kirsten, der zehnmal (vier Tore) für dieU-21 der DDR aktiv war, debütierte für die A-Auswahl bereits als 19-Jähriger am 8. Mai 1985 imdänischenKopenhagen bei der 1:4-Niederlage gegenDänemark. Für eineWM oderEM konnte sich die DDR weder1986 noch1988 oder1990 qualifizieren. Kirstens Karriere in der DDR-Fußballnationalmannschaft endete am 13. Mai 1990 mit einem 3:3-Unentschieden gegenBrasilien imEstádio Mário Filho (Maracanã) vonRio de Janeiro.
In zwei Länderspielen gelang Kirsten ein „Dreierpack“, jeweils zum 3:2-Sieg: am 28. März 1990 für die DDR-Elf unter TrainerEduard Geyer gegen dieUSA und am 2. April 1997 im WM-Qualifikationsspiel für das DFB-Team gegenAlbanien.
Nach seinem Karriereende 2003 wurde Kirsten durch Bayer Leverkusen als Co-Trainer der ersten Mannschaft übernommen. 2005 wechselte er für sechs Jahre auf die Position des Cheftrainers der zweiten Mannschaft.
Ab Oktober 2012 arbeitete Kirsten für zwei Sportagenturen im Bereich Marketing und Spielervermittlung mit dem Schwerpunkt Asien.[7] Da ihm ein Bürojob nicht lag, beendete er diese Arbeit. Ende 2019 eröffnete er zusammen mit zwei Freunden ein Vergleichsportal für Wettquoten.[8]
Seit dem 1. Februar 2019 nahm Kirsten beimViertligistenWacker Nordhausen die Aufgaben eines sportlichen Beraters und Sponsorenbeauftragten wahr.[9]
Seit Anfang April 2023 ist er als sportlicher Berater vonDynamo Dresden tätig. Ende April 2024 trennte sich der Verein von seinem CheftrainerMarkus Anfang. Kirsten rückte daraufhin bis zum Ende derSaison 2023/24 neben InterimstrainerHeiko Scholz als Co-Trainer in den Trainerstab.[10]
Kirsten gründete mit den Einnahmen seines Abschiedsspiels vom 16. November 2003 die Ulf-Kirsten-Stiftung. Deren Ziel ist die nachhaltige Förderung des Sports, insbesondere des Jugendfußballs, in Dresden und der Region Dresden.
Kirsten ist verantwortlich für den Spitznamen „Zecke“ des ehemaligenFußballprofisAndreas Neuendorf. Als dieser nach einer Untersuchung eines entzündeten Zeckenbisses zurück ins Training kam, rief Kirsten ihm zu: „Na, da is’ sie ja wieder: Die Zecke!“
Obwohl Kirsten der erfolgreichste Bundesliga-Stürmer seiner Generation war, wurde keiner seiner Treffer in derARD als „Tor des Monats“ ausgezeichnet.
Sein SohnBenjamin war ebenfalls professioneller Fußballer.
Im August 1992 sprach dasAmtsgericht Dresden Kirsten einen Betrag von 375 000 D-Mark zuzüglich Zinsen zu, den Dynamo Dresden an den Spieler zahlen müsse. Dabei habe es sich um den Anteil Kirstens in Höhe von zehn Prozent an der im Rahmen seines Wechsels zu Bayer Leverkusen gezahlten Ablösesumme gehandelt.[15] Im Dezember 1993 wurde in zweiter Instanz ein Vergleich vereinbart, der eine Zahlung an Kirsten in Höhe von 213 000 D-Mark vorsah.[16]
Seit 2021 ist Kirsten Gesellschafter der DerSchwatte GmbH (benannt nach seinem Spitznamen „Der Schwatte“), welche Gin produziert und verkauft. Im Familienunternehmen sind auch seine Frau Diana und sein SohnBenjamin mit Frau Sarah aktiv. Ein Teil der Einnahmen kommt unter dem Motto „Gin für Bolzplätze“ der Bolzplatz-Aktion der Ulf-Kirsten-Stiftung zugute.[19]