Uganda, amtlichRepublik Uganda (Swahili und Deutsch: [uˈganda]; Englisch: [jʊˈgændə]), ist ein seit 1962 unabhängigerBinnenstaat inOstafrika. Hauptstadt und größteStadt Ugandas istKampala. Mit einem nominellen Bruttosozialprodukt von 908 US$ pro Kopf/Jahr ist Uganda eines der ärmsten Länder der Welt.
Es gab zwei Einwanderungswellen von Westafrika nach Uganda zwischen 1000 v. Chr. und 1000 n. Chr.[5] Die in der zweiten Welle eingewanderten Menschen waren wahrscheinlich die Vorfahren derBantu-sprechenden Bevölkerung.[6]
Von 1966 bis 1986 unter den Regierungen vonMilton Obote undIdi Amin war das Land geprägt von einem autoritären Regierungsstil, Gewalttätigkeiten, schweren Menschenrechtsverletzungen,bürgerkriegsartigen Zuständen und einem wirtschaftlichen Niedergang. Idi Amin verwies alle Bewohner asiatischer Abstammung des Landes. Seit 1986 regiertYoweri Museveni das Land, auch unter seiner Regierung kam es zu Menschenrechtsverletzungen und mehreren Militärinterventionen in den Nachbarländern. Dennoch setzte eine gewisse Beruhigung und wirtschaftliche Erholung ein.
DerChoronym „Uganda“ bezieht sich auf dasKönigreichBuganda, das den südöstlichen Teil des Landes umfasst. Buganda ist hauptsächlich vonBantu bewohnt, derenBantusprachen einem Grundwort (hierGanda) einNominalklassenpräfix voranstellen, das den Typ des gemeinten Wortes bezeichnet. So istBuganda das Land derBaganda, die die SpracheLuganda sprechen. Da Europäer erstmals an der Küste Tansanias auf die Völker Ugandas trafen, wurde der Name Uganda geprägt, der der SpracheSwahili entstammt, die statt des PräfixesBu- für ein Land das PräfixU- verwendet.
Fischer am Kazinga-Kanal, der denEduardsee mit demGeorgsee verbindet
Uganda ist von Seen, demWeißen Nil (hier:Viktoria-Nil undAlbert-Nil) undSavannen geprägt. In Nationalparks im Südwesten kommttropischer Regenwald vor. Durch den Süden des Landes verläuft derÄquator. Der tiefste Punkt Ugandas ist der Unterlauf des Albert-Nils auf etwa 610 Meter über dem Meeresspiegel (Albertsee 621 m über dem Meeresspiegel). DerMargherita Peak (auch: Mount Stanley) imRuwenzori-Gebirge als höchster Punkt ist 5110 Meter hoch. Beide Extrempunkte liegen nahe beieinander. Die Gesamtfläche des Landes umfasst 241.038 Quadratkilometer, davon entfallen 199.710 Quadratkilometer auf die Landfläche und 36.330 Quadratkilometer auf Wasserflächen. Der Nordosten Ugandas istsemiarid.
Wichtige Rohstoffe des Landes sindKupfer,Kobalt,Kalkstein,Nickel undSteinsalz. Wasserkraft und landwirtschaftlich gut zu nutzender Boden stellen weitere Ressourcen dar. Im Jahre 2009 wurden in Uganda große Öl- und Erdgasvorkommen entdeckt. Die gesicherten Reserven belaufen sich auf mindestens 700 Mio. Barrel Öl.[7]
Auf das tropische Klima im Süden und in der Mitte des Landes wirkt sich aus, dass Uganda größtenteils auf einemPlateau um 1000 Meter über demMeeresspiegel liegt. Das Klima ist tropisch-warm, jedoch durch die Höhenlage deutlich abgekühlt. Deshalb ist es weder übermäßig heiß noch besonders kalt. Die Temperaturen schwanken zwischen 25 und 30 °C tagsüber, nachts ist es meist um 17 °C. Die Extremwerte liegen zwischen 10 und 35 °C. Die Niederschläge (1000–1500 mm) waren früher auf das ganze Jahr verteilt, es gab nur zwei trockenere Perioden (Dezember bis Februar und Juni bis August). Mittlerweile gibt es in Uganda besonders im Norden jedoch Regionen, in denen es jahrelang nicht regnet, während der Rest des ehemals tropisch feuchten Landes zunehmend inMonsunabhängigkeit gerät und nur noch über eine Regenzeit verfügt.
Uganda hat eine artenreiche Pflanzenwelt. Die Savanne Ostafrikas geht in den Regenwald Zentralafrikas über, was sich positiv auf die Artenvielfalt der Pflanzen und Tiere auswirkt.
Die ursprüngliche Fauna ist in denNationalparks noch am ehesten erhalten, dort jedoch auch durch die Bürgerkriegsentwicklungen beeinträchtigt. In den beiden bedeutendsten Naturschutzgebieten, demMurchison Falls National Park und demQueen Elizabeth National Park, könnenSafaris mit Pirschfahrten zur Wildbeobachtung durchgeführt werden. Nahezu nur in Uganda heimisch ist derUganda-Kob(Kobus thomasi), eine Antilopenart aus der Gattung der Wasserböcke. Das Wappentier, derKronenkranich, ist besonders rund um den Viktoriasee noch häufig zu sehen.
Neun Nationalparks und sechs Wildreservate zeugen von der Naturschönheit des Landes und dem Willen, diese zu schützen. Sie sind über das Land verteilt und liegen meist in der Nähe der Grenzen und weniger im Zentrum des Landes. Dadurch werden unterschiedliche Landschaften und Lebensgemeinschaften geschützt. Einige der Parks sollen hier kurz hervorgehoben werden.
DerRuwenzori-Nationalpark soll die Berg- und Gletscherregionen des Ruwenzori-Gebirges, eine der Quellen des Nils, mit seiner einzigartigen Flora schützen.
Die größte geschützte Fläche des Landes erstreckt sich über denMurchison Falls National Park. Ein spektakulärer Wasserfall des Nils war für diesen Park namensgebend, an demNilkrokodile undFlusspferde leben. Eine Besonderheit dieses Schutzgebietes stellt die seltene Uganda-Giraffe (auch: Rothschild-Giraffe) dar.
DerBwindi-Nationalpark ist Heimat einer von insgesamt zwei noch existierenden Populationen vonBerggorillas weltweit. Ein Zeichen für die zunehmende touristische Bedeutung der Gorillas im Bwindi-Regenwald sowie imMgahinga-Gorilla-Nationalpark ist der Umstand, dass die vom Aussterben bedrohten Tiere 2007 sowie 2010 die Rückseite der jeweils höchsten Banknote des Landes zierten.[8][9]
Schädlich für Natur und Umwelt wirken sich die Entwässerung von Feuchtgebieten, Abholzung, Überweidung und andere negative Nutzungen aus. ImViktoriasee wuchern gebietsfremde Wasserhyazinthen. Die Einsetzung desNilbarsches im Viktoriasee, um die Fischereierträge zu steigern, führte zur Ausrottung zahlreicher endemischer Fischarten, insbesondere derBuntbarsche, andere Arten sind bedroht. Dies ist eine ökologische Katastrophe und ein Beispiel für falsche „Entwicklungshilfe“, deren Schaden den Nutzen überwiegt.
Uganda hat dasKyoto-Klimaschutzprotokoll und zahlreiche andere Umwelt- und Naturschutzabkommen unterzeichnet.
Im Jahr 2023 lebten 27 Prozent der Einwohner Ugandas in Städten.[10] Viele Städte in Uganda wachsen rasant an. Die sieben größten Städte mit über 200.000 Einwohnern sind (Stand Projektion 2020):[11]
Bevölkerungsentwicklung, Fertilitäts- und Nettoreproduktionsraten von 1950 bis 2021; Prognose der Bevölkerungsentwicklung bis 2032; Schätzung der Vereinten Nationen 2022[12] Blaue Kurve (linke Y-Achse): Gesamtbevölkerung jeweils zum 1. Juli in Tausend Blaue gepunktete Kurve (linke y-Achse): Gesamtbevölkerung jeweils zum 1. Juli in Tausend, „Mittlere Prognose“ („Medium variant“) Rote Kurve (rechte y-Achse): Gesamtfruchtbarkeitsrate (Lebendgeburten pro Frau) Gelbe Kurve (rechte y-Achse): Nettoreproduktionsrate (überlebende Töchter pro Frau)
Bevölkerungspyramide Ugandas (2020)
Uganda hat laut Zensus 2024 45,9 Millionen Einwohner.[13] Das jährliche Bevölkerungswachstum betrug + 2,8 %. Zum Bevölkerungswachstum trug ein Geburtenüberschuss (Geburtenziffer: 36,2 pro 1000 Einwohner[14] vs. Sterbeziffer: 5,6 pro 1000 Einwohner[15]) bei. Die Anzahl der Geburten pro Frau lag 2022 statistisch bei 4,5, die der Region Sub-Sahara-Afrika betrug 4,5.[16] DieLebenserwartung der Einwohner Ugandas ab der Geburt lag 2022 bei 63,6 Jahren[17]. DerMedian des Alters der Bevölkerung lag im Jahr 2021 bei 15,9 Jahren.[18] Im Jahr 2023 waren 43,9 Prozent der Bevölkerung unter 15 Jahre,[19] während der Anteil der über 64-Jährigen 2,2 Prozent der Bevölkerung betrug.[20]
In Uganda leben nach der Volkszählung 2014 über 60 Völker zusammen, die jeweils eigene Sprachen, Kulturen und Bräuche, teilweise auch noch eigene Religionen haben.Mehr als die Hälfte der Bevölkerung, insgesamt 60 % sindBantu, die hauptsächlich in den Gebieten südlich und westlich desKiogasees leben. Das größte Bantuvolk sind die namensgebendenBaganda, welche alsTitularnation 16,3 % der Bevölkerung stellen, gefolgt von denBanyankore (auch Ankole genannt) mit 9,4 % und denBasoga mit 8,7 %. Weitere bedeutende Bantuvölker mit mehr als 1 Million Volkszugehörigen sind dieBakiga (Bahiga) mit 7,0 % und dieBagisu mit 4,8 %.
Im mittleren Norden lebenNiloten, vor allemLangi mit 6,2 % undAcholi mit 4,3 % Bevölkerungsanteil, daneben auchAlur undJopodhola; insgesamt stellen die nilotischen Völker 15 % der Bevölkerung. Ebenso groß ist der Anteil der Hamitoniloten, vor allem derIteso mit 6,9 % und derKaramojong. Zusammen stellen Niloten und Hamitoniloten 24 % der Bevölkerung.
Im Norden leben Gruppen, dieZentral- undOstsudanische Sprachen sprechen, sie machen insgesamt 7 % der Bevölkerung Ugandas aus. Die größte darunter sind dieLugbara mit einem Anteil von 3,2 % an der Gesamtbevölkerung.
Eine sehr kleine Minderheit sind dieIk mit 0,02 % der Gesamtbevölkerung. Der Anteil der Nicht-Afrikaner ist mit insgesamt 0,98 % gering –Asiaten mit 0,820 %,Europäer mit 0,095 % undAraber mit 0,066 %.[21]
Nach den Ergebnissen der Volkszählung 2014 leben 504.200 Nicht-Ugander im Land. 135.505 Personen sind Bürger der Demokratischen Republik Kongo. Daneben gibt es 118.836 Sudanesen (wohl meist Südsudanesen), 91.231 Ruander, 45.541 Tansanier, 34.120 Kenianer, 21.798 Burundier und 13.804 Somalier. Unter den Ausländern waren zudem 13.794 Asiaten, überwiegend indischer Herkunft, 2.473 Europäer (darunter 989 Briten) und 1.634 US-Amerikaner. Insgesamt 18.128 Ausländer waren unbekannter Nationalität.
Englisch undSwahili (seit der Verfassungsänderung vom September 2005) sind die beiden offiziellen Amtssprachen. Swahili ist faktisch die Kommandosprache von Polizei und Militär und wird darüber hinaus in der zivilen Verwaltung kaum genutzt.[22]
Daneben istLuganda – die Sprache der Volksgruppe derBaganda und eine Sprache des Niger-Kongo-Sprachgebiets – die Amtssprache des seit der vorkolonialen Zeit existierenden autonomen KönigreichsBuganda in Zentral-Uganda. Im Alltag werden dagegen die Landessprachen benutzt, wie zum Beispiel andere Sprachen des Niger-Kongo-Sprachgebietes, sowienilo-saharanische Sprachen und in geringem MaßeArabisch. Einige von ihnen sind Amtssprachen derKönigreiche der Afrikanischen Großen Seen.
Rund 85 % der Gesamtbevölkerung Ugandas sindChristen. Davon bekennt sich die überwiegende Anzahl entweder zurrömisch-katholischen (39 %) oder zuranglikanischen Kirche (32 %). Fast 14 % der Ugander sind meist sunnitischeMuslime. Offiziell nur noch 0,1 % der Bevölkerung sind Anhänger von traditionellenafrikanischen Religionen. Zudem gibt es eine kleine Gemeinde schwarzafrikanischerJuden, dieAbayudaya beiMbale, die etwa 750 Mitglieder umfasst. Seit einiger Zeit bauenevangelikale Christen derPfingstbewegung sowie andere Freikirchen vor allem mit US-amerikanischer Förderung ihren Einfluss stark aus. Die römisch-katholische und die anglikanische Kirche verzeichnen dadurch erhebliche Mitgliederverluste, die sich bisher nur schwer quantifizieren lassen. DieNeuapostolische Kirche betreute 2005 in diesem Land 266.722 Gläubige (0,9 %).[23]
Die Zugehörigkeit der ugandischen Bevölkerung zu den unterschiedlichen Religionen sieht laut derVolkszählung 2002 und 2014 folgendermaßen aus:[24][25]
Uganda hat in den letzten Jahrzehnten sein Bildungssystem stark weiterentwickeln können. Seit 1997 gibt es eine kostenlose Grundschulausbildung (Universal Primary Education, UPE), welche inzwischen auf die Sekundarausbildung (Universal Secondary Education, USE) ausgeweitet wurde. Bisher besuchen jedoch nur 15 % der Schüler die weiterführende Schule. Seit Abschaffung des Schulgeldes 1996 werden 98 % der Kinder eingeschult. Um dasMillenniums-Entwicklungsziel (die Alphabetisierungsrate) zu erreichen, wurden jedoch um die 60 % Privatschulen zugelassen. Die Privatschulen sind gewinnorientiert und verlangen Schulgeld.[26] Die Schulklassen haben häufig 60–80 Schüler. Im Land stieg die mittlere Schulbesuchsdauer von 2,8 Jahren im Jahr 1990 auf 6,2 Jahre im Jahr 2015 an.[27] Dementsprechend stieg auch die Alphabetisierungsrate bis 2018 auf 76,5 %.[27] Der Staat betreibt weiterhin den Ausbau der schulischen und universitären Infrastruktur, wobei dem Privatsektor (insbesondere Kirchen) eine besondere Bedeutung zukommt. Das hohe Bevölkerungswachstum von über drei Prozent (jedes Jahr sollen eine Million Kinder mehr in die Schulen gehen) stellt jedoch eine besondere Herausforderung dar. Die erwartete Schulbesuchsdauer der nachwachsenden Generation beträgt 11,4 Jahre.[27]
Die Gesundheitsausgaben des Landes betrugen im Jahr 2021 4,7 % des Bruttoinlandsprodukts.[28] Im Jahr 2017 praktizierten in Uganda 1,7 Ärztinnen und Ärzte je 10.000 Einwohner.[29] Die Sterblichkeit bei unter 5-jährigen betrug 2022 40,5 pro 1000 Lebendgeburten.[30] DieLebenserwartung der Einwohner Ugandas ab der Geburt lag 2022 bei 63,6 Jahren[17] (Frauen: 65,7[31], Männer: 61,5[32]). Die Lebenserwartung stieg von 48,3 Jahren im Jahr 2000 bis 2022 um 32 %.[17]
56 % der Bevölkerung haben Zugang zu sauberem Trinkwasser, 41 % zu Sanitäreinrichtungen.
Die HIV-Infektionsrate beträgt 5–15 %, die Zahl der HIV-Infizierten beläuft sich auf 600.000, 2001 gab es 84.000 HIV-Tote. Uganda war eines der ersten Länder Afrikas, in demAIDS im öffentlichen Diskurs thematisiert wurde. Früh setzten Aufklärungskampagnen ein und HIV/Aids wird imVergleich zu anderen afrikanischen Staaten sehr offen diskutiert. Da Uganda als Vorzeigeland in der HIV-Bekämpfung Spenden aus dem Ausland erhält und unter hohem internationalen Erfolgsdruck steht, sollten alle Angaben zur Bevölkerung unter diesen Gesichtspunkten kritisch hinterfragt werden. Aus den genannten Gründen werden HIV-Infizierte bei der medizinischen Versorgung teilweise bevorzugt.[33]
Ende Juli 2012 geriet das Land wegen der Ausbreitung einerEbola-Epidemie imDistrikt Kibaale in den Blickpunkt der Weltöffentlichkeit.[34]
Die weltweiteCOVID-19-Pandemie erreichte Uganda mit dem ersten Fall am 20. März 2020.[35]
DieTwa (früher:Pygmäen) stellen wohl die ältesten heute lebenden Ethnien Ugandas dar. Vor ungefähr 2000 Jahren wanderten ackerbebauendeBantu ein, die die Twa zurückdrängten und ihrerseits vonNiloten des Nordens nach Süden gedrängt wurden. Zwischen nilotischen Ethnien und Bantu-Ethnien gab es immer wieder Konflikte, die mittlerweile aber über bloßenTribalismus hinausgehen.
Ab dem 15. Jahrhundert bildeten sich vor allem im Süden des heutigen Uganda bei den Bantu die heutigen Aristokratien, vor allem Königreiche. Unter ihnen spielteBuganda eine führende Rolle. Weitere Königreiche warenAnkole,Bunyoro, das die Grenze zum Kongo überschreitendeRwenzururu undToro, dem zumindest während der Kolonialzeit der ugandische Teil vonRwenzururu zugeteilt worden war.
Die nilotischen Gruppen des Nordens warenNomaden und Hirtenvölker, die sich in kleineren Einheiten organisierten.
Im 19. Jahrhundert unterhielten arabische Händler von der Ostküste Afrikas im Gebiet der großen Seen ein durchorganisiertes Handelsnetz. Ihr Anreiz war der Handel mitElfenbein und derSklavenhandel. In einigen Gebieten etablierte sich derIslam, in vielen Regionen blieben jedoch dietraditionellen Religionen vorherrschend.
Um 1860 erreichten als erste Europäer die beiden britischen ForscherJohn Hanning Speke undJames Augustus Grant die Quelle desNils. Um diese Zeit begann die europäischeKolonialisierungOstafrikas. Zu den ersten Europäern, die sich in diesem Gebiet niederließen, gehörten sowohl katholische als auch protestantische Missionare. In kurzer Zeit setzten sie in zahlreichen Volksgruppen ihren Glauben durch.
Uganda wurde 1894 britischesProtektorat. Die koloniale Wirtschaft förderte den Baumwoll- und Kaffeeanbau. Dazu wurde dieUganda-Bahn vonMombasa überNairobi bis nachKampala gebaut.
Vor der Unabhängigkeit hatten Wahlen in Uganda keinen hohen Stellenwert, da die Kolonialregierung über das Land bestimmte.[36] Zu dieser Zeit gab es nur Wahlen zum 1920 von der Kolonialregierung geschaffenen LEGCO (Legislative Council), das klein war und nur aus Europäern bestand. Von seinen 62 Mitgliedern waren fünf Frauen, die zu Abgeordneten ernannt worden waren.[36]
In den 1950er Jahren kam ein gelenkter Dekolonisierungsprozess in Gang, es entstanden Parteien und ein Kongress. Die ersten direkten Wahlen waren dieParlamentswahlen von 1958. Damals galten Wahlrechtseinschränkungen aus den Bereichen Eigentum und Bildungsvoraussetzungen.[37] Die Wahlen von 1961 wurden auf der Basis eines weniger eingeschränkten Wahlrechts abgehalten, sodass mehr Frauen teilnehmen konnten.[37]
Am 9. Oktober 1962 wurde Uganda unabhängig. König Mutesa II. wurde Präsident,Milton Obote der erstePremierminister des unabhängigen Landes. Das uneingeschränkte aktive und passiveFrauenwahlrecht wurde bei der Unabhängigkeit 1962 eingeführt.[37][38]
Mutesa II. wurde 1966 von Premier Milton Obote verdrängt, der ein Einparteiensystem einführte und eine radikale Sozialisierung im Sinne des „Afrikanischen Sozialismus“ durchsetzte, teilweise in blutigen Massakern. Dadurch entfremdete Obote sich von der Bevölkerung. Das nutzte der zum Kommandeur (Generalmajor) aufgestiegeneIdi Amin, ebenfalls einNilote, aus: Während einer Abwesenheit Obotes übernahm er durch einenMilitärputsch 1971 die Macht.
Die DiktaturIdi Amins von 1971 bis 1979 war für die Ermordung von über 300.000 Oppositionellen verantwortlich. Angehörige anderer Volksgruppen wurden getötet, asiatische Zuwanderer, vor allemInder, die im Handel bestimmend waren, des Landes verwiesen.[39] Amin wütete bis 1979, die Bevölkerung lebte unter ständiger Furcht vor brutalen Gewaltakten. In diese Zeit fällt auch dieOperation Entebbe, die Befreiung der Geiseln eines auf dem Flug von Tel Aviv nach Paris durch arabische Terroristen entführten Flugzeuges derAir France nachEntebbe durch ein israelisches Kommandounternehmen im Jahr 1976.
Nach dem plötzlichen Angriff ugandischer Truppen aufTansania, 1978, bei dem Idi Amin die Annexion desKagera-Gebietes im Nordwesten Tansanias beabsichtigte, wurde nach dem tansanischen Gegenangriff im April 1979 die Hauptstadt Kampala unter der Mitwirkung von ugandischen Rebellenverbänden, unter denen auch der heutige StaatschefYoweri Museveni war, erobert. Doch in den Wahlen im September 1980 kam Milton Obote wieder an die Macht, wobei ihm allerdings Wahlmanipulationen vorgeworfen wurden. Daraufhin ging Museveni mit einer Rebellenarmee gegen ihn vor. Obote ließ in seiner zweiten Amtszeit wieder politische Gegner ermorden, es kam wieder zur Verfolgung ganzer Volksgruppen, Folter und Terror herrschten schlimmer als je zuvor im Land.
Yoweri Museveni begann mit wenigen Getreuen einen erfolgreichen Guerillakrieg. Im Januar 1986 eroberte seineNational Resistance Army (NRA) die Hauptstadt Kampala. Museveni wurde zunächst ohne Wahl als ugandischer Präsident vereidigt. Erste Wahlen zu einem provisorischen Parlament fanden im Februar 1989 statt.
Die Verfassung von 1995 schreibt für jeden Distrikt eine Abgeordnete vor. Außerhalb dieser für Frauen reservierten Quote gelingt es Politikerinnen kaum, ins Parlament einzuziehen (Stand: 2006).[40]
Im Mai 1996 fanden erstmals Präsidentschaftswahlen statt, in denen Museveni mit 75 % der Stimmen im Amt bestätigt wurde. Im März 2001 gewann er dieWahl mit 69,3 % gegen seinen stärksten HerausfordererKizza Besigye vomForum for Democratic Change (27,8 %). Fanden diese Wahlen noch unter dem oftmals kritisierten Verbot der Tätigkeit von politischen Parteien, also einer faktischen Einheitspartei, statt, wurden diese 2005 zugelassen. Auch in den darauf folgendenWahlen 2006 erfolgte Musevenis Wiederwahl (59 %), obwohl seine Kandidatur nach mehr als zwei Amtsperioden erst nach einer Verfassungsänderung möglich war. Besigye unterlag mit 37,4 % erneut.
In dem 20 Jahre andauernden Bürgerkrieg im Norden Ugandas terrorisierte dieLord’s Resistance Army (LRA) vomSudan aus die Bevölkerung, die zusätzlich unter Angriffen ugandischer Regierungstruppen zu leiden hatte. Mehrere Verhandlungen zwischen den Konfliktparteien scheiterten, bis nach Vorgesprächen im August 2006 am 23. Februar 2008 unter anderem durch Vermittlung des südsudanesischen Vize-PräsidentenRiek Machar ein Waffenstillstandsabkommen von Vertretern beider Parteien unterzeichnet wurde.[41] Der Anführer der LRA,Joseph Kony, hatte seine Unterstützung für das Abkommen zugesagt, aber bis März 2010 noch nicht eigenhändig unterschrieben. Dennoch blieb Norduganda seither von größeren Überfällen verschont; die LRA übt weiterhin Gewalttaten im Nordosten des Kongo aus und hat sich möglicherweise auch nachDarfur verlagert.
Am 18. Februar 2011 fanden in Uganda erneutPräsidentschaftswahlen statt. Diese gewann, nach bereits 25-jähriger Regierungszeit, Amtsinhaber Yoweri Museveni mit 68,4 % der Stimmen. Sein stärkster Konkurrent, Kizza Besigye erhielt lediglich 26,0 % der Stimmen. Die Wahlen verliefen weitestgehend friedlich,[42] im April 2011 kam es allerdings zu Unruhen.[43]
Bei derWahl im Februar 2016 wurde Staatspräsident Museveni mit 60,6 % in seinem Amt bestätigt. Konkurrent Kizza Besigye ging mit 35,6 % der Stimmen zum vierten Mal als Verlierer hervor. Bei den gleichzeitig stattfindenden Parlamentswahlen erreichte die Regierungspartei NRM (National Resistance Movement) im Parlament eine Zwei-Drittel-Mehrheit. Wahlbeobachter kritisierten fehlende Unabhängigkeit der Wahlkommission, ausdrückliche Gewalt der Sicherheitskräfte gegen Opposition, Medien und Öffentlichkeit, Verletzung der Meinungs-, Presse- und Versammlungsfreiheit sowie finanzielle Übermacht des Präsidenten und seiner Partei. Das Oberste Gericht räumte Unregelmäßigkeiten ein. Es wurde eine Kommission zur Umsetzung der vom Gericht geforderten Wahlrechtsreformen gebildet.[44]
Die vom Präsidenten ernannte Regierung besteht aus 81 Ministern und Staatsministern. Die Democratic Party (DP) und der Uganda People’s Congress (UPC) stellen je eine Ministerin. Die Bezüge der Parlamentarier betragen bisher bereits bei mehr als hundertmal so viel wie der Durchschnittsverdienst im Land. 2019 legten die Parlamentarier zusätzlich eine Erhöhung ihrer Diäten um knapp 40 % fest, dies bedeutet Zusatzkosten von circa 15,2 Millionen Euro für den Steuerzahler. Jeder der insgesamt 459 Abgeordneten verdient zwischen 3500 und 7000 Euro im Monat.[45]
Staatsoberhaupt ist seit 1986PräsidentYoweri Museveni. Bei derPräsidentschaftswahl am 14. Januar 2021 setzte sich Museveni mit 59 % gegen seinen stärksten KontrahentenBobi Wine durch, der 35 % erhielt. Die Opposition spricht von Wahlbetrug.[46] Medien berichteten von einem der „gewalttätigsten Wahlkämpfe überhaupt“ in dem Land. Zahlreiche Kandidaten wurden unter dem Vorwand, gegen Corona-Regeln zu verstoßen, festgenommen, das Internet wurde am Wahltag abgeschaltet, Journalisten angegriffen, Regierungskritiker eingeschüchtert.[47] Internationale Wahlbeobachter wurden nicht zugelassen.
Museveni tritt damit nach 35 Jahren im Amt eine weitere fünfjährige Amtszeit an, wenngleich er selbst in der Vergangenheit Langzeitherrscher kritisierte. Eine Beschränkung der Amtszeiten wurde per Verfassungsänderung aufgehoben, ebenso wie die Altershöchstgrenze für Präsidenten.
Der Präsident ist laut Verfassung gleichzeitig Staatsoberhaupt und Regierungschef, ernennt jedoch einen Premierminister (Secretary to the Cabinet), der an die Weisungen des Präsidenten gebunden ist.[48] Dies ist seit September 2014Ruhakana Rugunda, der den ab 2011 amtierendenAmama Mbabazi ablöste. Die ugandische Regierung bedient sich autoritärer und demokratischer Elemente.
90 % der ugandischen Bevölkerung stimmten im Jahr 2000 in einem Referendum für eine Beibehaltung des Einparteiensystems. In einem erneuten Referendum am 28. Juli 2005 stimmte jedoch eine deutliche Mehrheit der Wähler (92,5 %) für eine von Museveni vorgeschlagene „Öffnung des politischen Raumes“. Dies war ein erster Schritt auf dem Weg zu einem demokratischen Mehrparteiensystem. Das Movement war bis zur Verfassungsänderung im Jahr 2006 der Meinung, dass es in Uganda keine Grundlage für ein Mehrparteiensystem gibt und dass die bestehenden Parteien Ursache für Ugandas Probleme sind. Zwar wurden sie nicht verboten, doch die meisten Aktivitäten, die einePartei ausmachen, blieben ihnen versagt.
Relevante Oppositionsparteien sind:
Forum for Democratic Change, FDC (Präsidentschaftskandidat 2001 / 2006 / 2011 / 2016: Kizza Besigye; 2021: Patrick Oboi Amuriat)
Tutsi,Hutu,Lendu,Hema (Hima) und andere ethnische Gruppen, assoziierte Rebellen, bewaffnete Banden und verschiedene Regierungsstreitkräfte operieren in der Region der Großen Seen zwischen Uganda, Kongo,Ruanda undBurundi, um Kontrolle über bevölkerungsreiche Gebiete und wirtschaftliche Ressourcen zu erlangen. Eine Gefahr dabei ist, dass einzelne Ethnien dominieren, was wiederum zur Rebellion der Benachteiligten führt. An dieser Auseinandersetzung ist Ugandas Regierung auch mit Geld, Militärhilfe, Ausbildern und teilweise auch offenen Militäreinsätzen beteiligt. Diese finden derzeit vor allem in der Demokratischen Republik Kongo, aber auch im Südsudan statt.
Uganda verfolgt eine pragmatische Außenpolitik, deren Prioritäten die regionale Integration, die Steigerung des Wohlstandes und die Erhaltung der nationalen Sicherheit im Einklang mit den Positionen derAfrikanischen Union sind. Uganda ist Teil derOstafrikanischen Gemeinschaft (EAC), deren Ziel eine umfangreiche politische und wirtschaftliche Union zwischen den StaatenOstafrikas ist. Ein gemeinsamer Markt existiert seit 2010 und die Einführung einer gemeinsamen Währung ist geplant. Das Land ist außerdem Mitglied der Afrikanischen Union. Neben einem Ausbau der regionalen Wirtschafts- und Handelsbeziehungen setzt Uganda auf die Unterstützung der westlichen Industriestaaten und internationale Institutionen wie dasEntwicklungsprogramm der Vereinten Nationen,Europäische Union,African Development Bank dieWeltbank und denIWF, um seine Entwicklung voranzutreiben. DieVolksrepublik China nimmt eine zunehmend wichtige Rolle ein und engagiert sich mit Großprojekten (beispielsweise im Straßenbau), für die China wiederholt die Gesamtfinanzierung übernahm.
Als Binnenstaat ist Uganda auf gute Beziehungen zu seinen Nachbarstaaten angewiesen. Die Beziehungen zu Ruanda, Tansania und Kenia funktionieren optimal. Ein großer Teil von Ugandas Außenhandel wird über Häfen in Kenia und Tansania abgewickelt. Konflikte gab es mit der DR Kongo seit der Präsenz ugandischer Truppen im Ostkongo in den Jahren 1997 bis 2003. Uganda ist von der Instabilität im Kongo direkt betroffen, u. a. durch das Eindringen bewaffneter Milizen auf sein Staatsgebiet und durch Flüchtlingsströme aus dem Nachbarland. Eine zwischenstaatliche Vereinbarung von 2007 inArusha verbesserte das Verhältnis beider Staaten.[54] DerInternationale Gerichtshof verurteilte Uganda im Februar 2022 zur Zahlung von 325 Millionen Dollar Entschädigung an den Kongo für die 1998 bis 2003 im Konflikt um die Provinz Ituri zugefügten Schäden.[55] Die erste Rate, 65 Millionen Dollar, wurde Anfang September 2022 bezahlt.[56]
Die jetzige Regierung stellt sich zwar als positiv gesinnt gegenüberMenschenrechten dar und hat tatsächlich alle wichtigen internationalen Verträge und Konventionen unterzeichnet und ratifiziert. Es bestehen jedoch erhebliche Defizite, wie etwa beim Umgang mit politischen Parteien und Regimegegnern. Nach Ansicht desDW-Redakteurs Iddi Ssessanga hat Museveni „dafür gekämpft, Uganda von der Diktatur zu befreien, nur um das Land in eine Diktatur zu verwandeln, um die ihn frühere Herrscher glatt beneiden würden“.[47] Mediales Interesse erweckt auch die Rekrutierung vonKindersoldaten. AlleinJoseph Kony, Anführer derLord’s Resistance Army, war vor seinem Verlassen des Landes verantwortlich für die Entführung und Versklavung von mindestens 25.000 Kindern und Jugendlichen.[57]
In Uganda werdenhomosexuelle Menschen politisch und gesetzlich verfolgt. Homosexualität kann mit bis zu 14 Jahren Haftstrafe geahndet werden und gleichgeschlechtliche Ehen sind per Gesetz ausdrücklich verboten. Seit 2009 wird die Einführung derTodesstrafe für Homosexuelle diskutiert,[58] 2011 ein entsprechender Antrag ins Parlament eingebracht. Aufgrund internationaler Proteste wurde die Entscheidung darüber zweimal vertagt.[59] Im Februar 2012 wurde der Entwurf, diesmal ohne die geplante Einführung der Todesstrafe, wieder im Parlament eingebracht[60] und im Februar 2014 vonYoweri Museveni unterzeichnet, nach dem Homosexuellen Haftstrafen von 14 Jahren bis lebenslänglich drohen.[61] Im August 2014 wurde der Verschärfungsparagraph des Gesetzes, nicht aber das Gesetz selbst, vom Ugandischen Verfassungsgericht aus reinen Formgründen ohne Bezugnahme auf die menschenrechtliche Situation gekippt.[62]
In der Bevölkerung herrscht vielfach eine homophobe Stimmung.[63] Angefeuert wird diese insbesondere von christlichen Predigern, die von klerikalen Verbänden aus den Vereinigten Staaten finanziert werden, sowie von muslimischen Predigern.[63] Wie auch in Russland wird zur Durchsetzung der religiös gefärbten Propaganda dabei meist Homosexualität mitPädophilie gleichgesetzt. Besonderes Interesse in westlichen Ländern erweckte das Thema, als ugandische Medien 2010 offen zur Tötung homosexueller Männer aufriefen und dabei Listen von tatsächlich oder angeblich schwulen Männern mit Namen, Fotos und Adressen veröffentlichten.[64][65] Bei der Ermordung des Schwulen-AktivistenDavid Kato kurze Zeit später zeigte die ugandische Polizei Desinteresse und viele Fragen blieben offen.[66]
Im März 2023 verschlechterte sich die Situation homosexueller Personen durch ein neues Anti-LGBTQ-Gesetz erneut. Dieses erklärt auch Mitwisserschaft von Homo- und jeder Form der Trans-Sexualität zur Straftat, was zu einer verschärften systematischen Denunziation, Verfolgung und Entrechtung führte.[67]
Im April 2011 wurden durch Polizeieinsätze bei Demonstrationen („walk-to-work“ Proteste gegen hohe Nahrungsmittel- und Kraftstoffpreise) acht Menschen getötet und mehr als 250 weitere verwundet. Der OppositionsführerKizza Besigye wurde verhaftet und musste anschließend mehrere Tage in einem Krankenhaus behandelt werden.[68][69]
Aufgrund von Korruption in der ugandischen Regierung[70] und der Verschärfung der gesetzlichen Strafgesetze gegen homosexuelle Menschen mit lebenslangen Haftstrafen setzten 2013 und 2014 eine Reihe westlicher Staaten unter anderem Norwegen, Schweden, Dänemark, Irland, die Niederlande, das Vereinigte Königreich und die Vereinigten Staaten dieEntwicklungshilfe für Uganda aus.[71]
Yoweri Kaguta Museveni eroberte im Januar 1986 mit seinerNational Resistance Army (NRA) die Hauptstadt Kampala. 1995 wurde die NRA in Uganda People’s Defence Force umbenannt.
Die UPDF hatte im Jahr 2020 ungefähr 45.000 Soldaten und 10.000 Reservisten. Uganda gab 2020 knapp 2,5 Prozent seiner Wirtschaftsleistung oder 953 Millionen US-Dollar für seine Streitkräfte aus.[72] Die UPDF gliedert sich in
Entwicklung des realen Bruttoinlandsprodukts ab 1950
Die Wirtschaft im Süden und in der Mitte des Landesprosperiert. Hauptausfuhrgut ist – wie zur britischen Protektoratszeit – Kaffee mit 20–30 % der Exporterlöse.[75] Auch Tee (5 %), Fisch (7,5 %) aus dem Viktoriasee und Tabak (4 %) werden exportiert. Der Anteil des Bananenanbaus an der Weltproduktion liegt bei 11 % (1998). Die Kakaoernte erreichte in der Saison 2004/2005 lediglich eine Größenordnung von 500 Tonnen, die Saison 2007/2008 schloss dagegen bereits mit 13.000 Tonnen. Uganda gehört zu den Goldexportländern und lieferte im Jahr 2007 rund 2,7 Tonnen. In den Folgejahren ging der Export auf weniger als 1 Tonne zurück (0,9 t im Jahr 2010).[76]
2022 gaben ugandische Regierungsstellen die Entdeckung großer Goldvorkommen bekannt, wie etwaDPA undReuters vermeldeten. Der Umfang der Erzvorkommen wurde mit mehr als 31 Millionen Tonnen angegeben, die Fördermenge mit mehr als 320.000 Tonnen reinemGold. Ein Förderbeginn wurde nicht genannt.[77][78][79] Mit Hinblick auf den üblichen, weitaus niedrigeren Goldgehalt von Erzen ist davon auszugehen, dass diese offiziellen Angaben entweder fiktiv sind oder es sich um einen Fehler von Verantwortlichen handelt. Die Geologische Gesellschaft Ugandas rief die Behörden dazu auf, dies zu korrigieren. Analysten vermuteten, es könnten Lagerstätten mit 31 Mio.Unzen gemeint gewesen sein.[80][81]
Alle Exporte zusammen hatten im Jahr 2006 einen Gesamtwert von 961,7 Millionen US-Dollar gegenüber Importen von 1,945 Milliarden US-Dollar. Ölfunde amAlbertsee deuten auf wachsende Exporteinnahmen hin, setzen aber einenÖlpreis von 80 Dollar pro Barrel voraus, um rentabel erschlossen werden zu können. Nachdem die Wirren der Zeit Amins und Obotes beendet waren und Uganda sich unter Museveni stabilisierte, setzte ein beständiges Wirtschaftswachstum mit Wachstumsraten von etwa 5–6 % jährlich ein. Dennoch zählt Uganda weiterhin zu denärmsten Ländern der Welt: noch 2003 belief sich der Anteil der Bevölkerung mit einem Einkommen von weniger als einemUS-Dollar pro Tag auf 82 %. 2005 gab es im ganzen Land lediglich 100 Geldautomaten, was zur Folge hatte, dass sich Prepaid-Karten fürs Handy oder auch Gesprächsminuten zu einer ArtParallelwährung entwickeln konnten.
Uganda ist wie die meisten Staaten der Welt vomKlimawandel betroffen. Experten gehen davon aus, dass durch die neue Klimasituation bspw. in wenigen Jahren kein Kaffeeanbau in Uganda mehr möglich sein wird.
DieLandwirtschaft, in der etwa 71 % der Einwohner beschäftigt sind, erwirtschaftet 25,8 % der gesamten Wirtschaftskraft. Der niedrige Leistungsanteil der Agrarwirtschaft ist darauf zurückzuführen, dass viele Bauern noch für denEigenbedarf produzieren. DieIndustrie hat einen BIP-Anteil von 23,2 % (7 % der Beschäftigten) und derDienstleistungssektor von 51 % (22 % der Beschäftigten). Die Inflationsrate beträgt 5,8 % (2017). Die Arbeitslosenquote lag im Jahr 2014 bei 9,4 %, allerdings sind viele Beschäftigungsverhältnisse informeller Natur und Unterbeschäftigung ist weit verbreitet. Die Gesamtzahl der Beschäftigten wird für 2017 auf 15,8 Millionen geschätzt; davon sind 47,9 % Frauen.[82][83] ImGlobal Competitiveness Index, der die Wettbewerbsfähigkeit eines Landes misst, belegt Uganda Platz 114 von 137 Ländern (Stand 2017–2018).[84] DerIndex für wirtschaftliche Freiheit 2024 des Landes war der 141 höchste von 176 Ländern.[85]
Die Medien in Uganda können kritisch über die Regierung berichten, obwohl die Regierung bei Berichten über sensible Themen wie dem Rebellenkrieg im Norden und der Verwicklung des Landes in den Bürgerkrieg im Kongo in der Vergangenheit wie auch beim Thema Kindersoldaten mitunter scharf reagierte. Seit dem Machtantritt von Präsident Museveni wurde die Medienlandschaft liberalisiert. Es sind über 100 Radiosender registriert. Die NichtregierungsorganisationReporter ohne Grenzen sieht in Uganda eine sehr ernste Lage für die Pressefreiheit.[52]
Seit Mitte der 1990er Jahre hat sich vor allem in der Hauptstadt Kampala eine regeHip-Hop-Szene etabliert. Diese setzt sich seit Mitte der 2000er Jahre verstärkt mit Projekten für soziale Belange ein. Durch den DokumentarfilmBouncing Cats oder den deutsch-ugandische Spenden-TrackBlue Uganda erhielten einige der Projekte auch in Deutschland Medienpräsenz. Einer der bekanntesten Musiker des Landes istBobi Wine, derRagga,Dancehall undAfrobeat mischt, und mittlerweile als Politiker für Schlagzeilen sorgt.
Traditionelle Saiteninstrumente sind die Bogenharfenennanga im Süden undadungu im Norden, die Schalenleierlitungu, die Stabzitherenzenze und die Röhrenspießgeigeendingidi. Zu den Blasinstrumenten gehören die Kerbflöteendere, die Querflöteludaya, diverse konische Flöten aus Tierhörnern, quer geblasene Trompeten aus Tierhörnern, seltenHolztrompeten undGefäßflöten aus Kalebassen, früher für zeremonielle Anlässe quer geblaseneElfenbeintrompeten und dasamakondere-Ensemble aus Kalebassentrompeten unterschiedlicher Tonhöhen. Die typische „Uganda-Kesseltrommel“ ist eine einfellige stehendeRöhrentrommel mit einem Holzkorpus, dessen untere Hälfte sich konisch verjüngt und die alsKesseltrommel klassifiziert wird. Sie ist Bestandteil der aus 15 Trommeln bestehenden Trommelreiheentenga, die früher zu denZeremonialtrommeln desKabaka von Buganda gehörte. Diekengere im Norden ist eine große einfellige Zylindertrommel. Die bekanntestenIdiophone sind die Xylophoneamadinda,akadinda undembaire. Gelegentlich werdenSchlagbalken undLamellophone verwendet. Weitere Rhythmusinstrumente sind verschiedeneGefäßrasseln aus Kalebassen und die Floßrasselkayamba.
Klaus Schlichte:Was kommt nach dem Staatszerfall? Gewaltordnungen in Uganda. In:Afrika-Spektrum.Nr.1. Hamburg 2005,S.83–113.
Anouk Batard:Reich und heilig in Uganda. Evangelikale Kirchen missionieren in die eigene Tasche. In:Le Monde diplomatique.Nr.8476. Berlin 11. Januar 2008,S.16f.
Joachim Buwembo:How to be a Ugandan. 2. Auflage. Fountain Publishers, Kampala 2008,ISBN 978-9970-02-379-0.
Richard Nzita, Mbaga Niwampa:Peoples And Cultures of Uganda. 3. Auflage. Fountain Publishers, Kampala 1998,ISBN 9970-02-031-5 (Erstausgabe: 1993).
↑Uganda – History. In: East African Living Encyclopedia. University of Pennsylvania, abgerufen am 20. Juli 2010 (englisch): „East Africa saw two major human immigrations in the period between 1000BC and 1000 AD, both of them involving people of West African“
↑Philip Briggs:Uganda, 5th: The Bradt Travel Guide. Bradt Travel Guides, 2007,ISBN 978-1-84162-182-1 (google.co.uk [abgerufen am 20. Juli 2010] “The second human influx, which reached the Lake Victoria hinterland in roughly 200 BC, apparently coincided with the spread of Iron Age technology in the region. There is good reason to suppose that the people who brought iron-working techniques into the region were the ancestors of the Bantu speakers who probably occupied most of sub-equatorial Africa by AD500.”).
↑Uganda Constitution (Amendment) Act 2005 (Act No. 11 of 2005): „3. Replacement of article 6 of the Constitution. For article 6 of the Constitution, there is substituted the following: 6. Official language. (1) The official language of Uganda is English. (2) Swahili shall be the second official language in Uganda to be used in such circumstances as Parliament may by law prescribe.“
↑Unsere Familie. Kalender der Neuapostolischen Kirche 2005. Friedrich Bischoff, Frankfurt,S.82.
↑abMargaret Sekaggya:Uganda. In: AfriMAP and the Open Society Initiative for Eastern Africa:Election Management Bodies in East Africa. A comparative study of the contribution of electoral commissions to the strengthening of Democracy. Open Society Foundations New York, 2006,ISBN 978-1-920677-97-8, S. 254–293, S. 255.
↑abcJune Hannam, Mitzi Auchterlonie, Katherine Holden:International Encyclopedia of Women’s Suffrage. ABC-Clio, Santa Barbara, Denver, Oxford 2000,ISBN 1-57607-064-6, S. 7.
↑Mart Martin:The Almanac of Women and Minorities in World Politics. Westview Press Boulder, Colorado, 2000, S. 391.
↑Margaret Sekaggya:Uganda. In: AfriMAP and the Open Society Initiative for Eastern Africa:Election Management Bodies in East Africa. A comparative study of the contribution of electoral commissions to the strengthening of Democracy. Open Society Foundations New York, 2006,ISBN 978-1-920677-97-8, S. 254–293, S. 259.
↑sieheDie Tageszeitung 29. Mai 2023,Simone Schlindwein:„LGBTQI-feindliches Gesetz in Uganda:Ende des Regenbogens“ - Lagebericht vom Tag der endgültigen Inkraftsetzung des Anti-LGBTQ-Gesetzes durch den Staatspräsidenten
↑abcdUganda. In: The World Factbook – CIA. Archiviert vom Original (nicht mehr online verfügbar) am 18. Oktober 2015; abgerufen am 1. Januar 2015.
↑Unemployment Rate by Country. In: The World Factbook — Central Intelligence Agency. Archiviert vom Original (nicht mehr online verfügbar) am 21. August 2016; abgerufen am 6. August 2018 (englisch).