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Turgut Reis

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Turgut Reis Denkmal vor demTopkapı-Palast inIstanbul

Turgut Reis, in der europäischen Literatur auchDragut (osmanischطرغود رئيسİAṬurġud Reʾīs; * frühes 16. Jahrhundert NäheMuğla, heuteTurgutreis,Osmanisches Reich; †23. Juni1565 aufMalta), war einosmanischerKorsar,Admiral undBey vonTripolis.[1] Den TitelBey erhielt er 1552 von SultanSüleyman dem Prächtigen, nachdem er im Jahr zuvor Tripolis denMaltesern entrissen hatte.

Gesamtbild

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Turgut war vier Jahre lang Rudersklave auf einergenuesischenGaleere, bis er von dem FreibeuterKhair ad-Din Barbarossa freigekauft wurde und sich dessen Truppe anschloss.[2] Schon in derSeeschlacht von Preveza im September 1538, in der eine von KaiserKarl V. entsandte europäische Flotte mit 300 Schiffen unter der Führung von Turguts lebenslangem Gegner, dem genuesischen AdmiralAndrea Doria, von einerosmanischen Flotte mit 120 Schiffen unter Khair ad-Din geschlagen wurde, spielte Turgut Reis eine erhebliche Rolle.

Bis zu seinem Lebensende war er an führender Stelle an den Kämpfen zwischen den islamisch-türkischen und den christlichen Mächten im Mittelmeerraum (sieheTürkenkriege) beteiligt. Seine Erfolge und Niederlagen, seine Kaperfahrten und Belagerungen erstreckten sich über weite Teile des Mittelmeeres, vonDalmatien bis Tripolis, von derLevante bis zur Straße vonGibraltar und sogar hinaus bis zu denKanarischen Inseln.

Freibeuterei

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Turgut wurde vermutlich 1485 auf derkleinasiatischen Halbinsel vonBodrum in eine arme Familie geboren; heute steht dort das nach ihm benannte StädtchenTurgutreis. Bereits in jungen Jahren diente er als Kanoniersgehilfe auf türkischenGaleeren und wurde sehr bald ein ausgezeichneter Seefahrer undKanonier. Dann kaufte er einen Anteil an einerSeeräuber-Brigantine, die so erfolgreich operierte, dass er nach kurzer Zeit zum Eigner einerGaleasse aufsteigen konnte und sich im östlichen Mittelmeer einen Namen als wagemutiger Korsar erwarb.

Um 1538 schloss Turgut sich Khair ad-Din Barbarossa an, der ihn nach einer Reihe von erfolgreichen Aktionen zumKahya (Leutnant) und Befehlshaber über zwölf seiner Galeeren ernannte.

Am Ende dieses Jahrzehnts war Turgut im westlichen Mittelmeer so berüchtigt und gefürchtet, dass dergenuesische AdmiralAndrea Doria 1540 von Kaiser Karl V. den Auftrag erhielt, ihn auszuschalten. Doria unterstellte seinem GroßneffenGiovanni Andrea Doria eine Flotte, und dieser gelang es, Turguts Geschwader von 13 Galeeren aufKorsika aufzuspüren, wo die Korsaren recht sorglos unter den Mauern einer Festung ankerten. Die Festung begann, seine Schiffe zu beschießen, am Strand sammelten sich Hunderte von kämpferischen Korsen und auf See versperrte Doria den Fluchtweg. Turgut entschloss sich zur Kapitulation und verbrachte die nächsten vier Jahre als genuesischerGaleerensklave, ehe er 1544 von Barbarossa gegen 3000Dukaten Lösegeld (und vermutlich die Drohung einer Brandschatzung vonGenua) wieder freigekauft wurde.

Osmanischer Admiral

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Nach dem Tod Barbarossas (1546) befahl Sultan Süleyman allenosmanischen Seestreitkräften, Turgut Reis als ihren Admiral anzuerkennen. Turgut bedrohteNeapel, plünderte die Küste vonKalabrien und griff dann im Winter 1548 die spanischen Besitzungen Susa,Sfax undMonastir an der tunesischen Küste an. 1549 eroberte er die StadtMahdia (al-Mahdiya), damals die am stärksten befestigte Stadt an der nordafrikanischen Küste, im heutigenTunesien. Nach langen und für beide Seiten verlustreichen Kämpfen gelang es Andrea Doria und demBailli und späterenGroßmeister desMalteserordensClaude de la Sengle, Turguts Leute im September 1550 wieder aus Mahdia zu vertreiben und die Stadt einzunehmen. Da die Malteserritter das Angebot Karls V. ablehnten, Mahdia als Lehen zu verwalten, wurde die Festung nach einjähriger spanischer Besatzung, vor dem Abzug 1551, vollständig zerstört.

Turgut entkam mit 20 Schiffen auf die InselDjerba, die seit 1524 sein Hauptstützpunkt war. Dort schloss ihn Andrea Dorias Flotte in einer Bucht ein. Daraufhin ließ Turgut seine Leute die Schiffe über Land auf einem geschmierten Bohlenweg auf die andere Seite der Insel ziehen und entkam nachKonstantinopel. Dort ernannte ihn Süleyman zumSandschak Bei (Provinz-Gouverneur) der InselSanta Maura und machte ihn damit zu einemosmanischen Amtsträger.

Bey von Tripolis

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Turgut bewirkte die Ausrüstung einer türkischen Flotte von 112 mit 12.000Janitscharen bemannten Galeeren und zweiGaleassen, die unter dem nominellen Befehl vonSinan Pasa am 16. Juli 1551 vorMalta auftauchte. Die Türken verwüsteten die Insel und eroberten die NachbarinselGozo, wo sie Tausende von Einwohnern gefangen nahmen und versklavten. Dann segelten sie nach Nordafrika und eroberten im AugustTripolis im heutigenLibyen, das Kaiser Karl V. 1530 dem Malteserorden als Lehen, zusätzlich zu Malta, gegeben hatte. Daraufhin verlieh Sultan Süleyman ihm Tripolis und seine Umgebung als Lehen sowie den TitelBey.

1552 wurde er von Sultan Süleyman als Admiral an die Spitze einer großen türkischen Flotte berufen, die der Sultan auf Grund des zwischen ihm und KönigHeinrich II. vonFrankreich verabredeten geheimen Vertrags gegenItalien sandte. Turgut Reis plünderte 1553Kalabrien, überfielElba und belagerte dannBonifacio aufKorsika. Als sich Bonifacio aber den Franzosen ergab, sah sich Turgut nach vergeblichen Versuchen,Piombino undPortoferraio auf Elba zu erobern, zur Rückkehr nach Konstantinopel genötigt. Zwar kam er 1554 abermals an die Küsten von Kalabrien, zog sich aber bald nachDurazzo und dann nach Tripolis zurück. 1559 schlug er einen Angriff der Spanier aufAlgier zurück. In derSeeschlacht von Djerba vom 9. bis zum 14. Mai 1560 fügte eine Flotte des Osmanischen Reichs unter Großadmiral Piyale Pascha und Turgut Reis der Flotte einer von Spanien angeführten Koalition christlicher Mittelmeermächte eine vernichtende Niederlage zu.

Turguts Grausamkeit undTyrannei machten ihn indessen bei den anderen osmanischenSatrapenNordafrikas äußerst unbeliebt. Mehrere von ihnen schlossen daher 1560 ein Bündnis mit demVizekönig vonSizilien, der von KönigPhilipp II. vonSpanien den Auftrag erhielt, Tripolis wiederzuerobern. Doch gelang dies nicht, da Turgut die sizilische und maltesischeFlotte besiegte.

Als 1560 eine christliche Streitmacht von 30 Schiffen und 30.000 Mann die von Turgut ausgebaute FestungBordj-el-Kebir inHoumt Souk auf Djerba eroberte, eroberte Turgut sie wenige Monate später zurück, ließ die Überlebenden der rund 5000 Mann starken Besatzung köpfen und eine Pyramide aus ihren Schädeln errichten. Erst 1858 wurde diese auf Drängen der Europäer beseitigt und an ihrer Stelle ein Obelisk errichtet.[3]

Tod auf Malta

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Giuseppe Cali: Tod des Dragut

Während derBelagerung Maltas durch die Truppen Süleymans im Jahr 1565 verstärkte Turgut Reis die osmanischen Flotte mit 13 Galeeren und zweiGaleonen. Er sollte die eigentlichen Oberbefehlshaber AdmiralPiyale Pascha undMustafa Pascha beraten. Bei der Belagerung vonFort St. Elmo schlug am 18. Juni eine Kanonenkugel in seiner Nähe ein und Turgut wurde von einem Steinsplitter am Kopf getroffen und tödlich verletzt. Sterbend hörte er noch von der Einnahme des Forts am 23. Juni 1565, die man vornehmlich seinen taktischen Anweisungen verdankte. Er wurde in Tripolis in der nach ihm benanntenDragut-Moschee bestattet.

Ehrungen

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Mehrere Schiffe der türkischen Marine wurden nach Turgut Reis benannt, so zum Beispiel 1910 das ehemals deutsche PanzerschiffWeißenburg.

Die türkische StadtTurgutreis auf der Halbinsel Bodrum wurde nach Turgut Reis benannt.

Literatur

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  • Ernle Bradford:Der Schild Europas. Der Kampf der Malteserritter gegen die Türken 1565. Ullstein, Frankfurt am Main/Berlin 1999,ISBN 3-548-34912-9 (aus dem Englischen, Titel der Originalausgabe:The Great Siege: Malta 1565).
  • Ernle Bradford:The Sultan’s Admiral. The Life of Barbarossa. Hodder and Stoughton, London 1969.
  • Edward Hamilton Currey:Sea-Wolves of the Mediterranean. The Grand Period of the Moslem Corsairs. Nelson, London 1910 (online beiMENAdoc).
  • Özlem Kumrular:Turgut Reis (1485–1565). The uncrowned King of the Mediterranean. In: Dejanirah Couto,Feza Günergun, Maria Pia Pedani (Hrsg.):Seapower, Technology and Trade. Studies in Turkish Maritime History. Piri Reis University Publications/Denizler Kitabevi, Istanbul 2014,ISBN 978-9944-264-51-8, S. 48–52.
  • Tim Pickles:Malta 1565. Last Battle of the Crusades. Osprey Publishing, London 1998,ISBN 1-85532-603-5.
  • Stephen C. Spiteri:The Great Siege. Knights vs. Turks, 1565. Spiteri/Gutenberg Press, Tarxien (Malta) 2005.
  • John B. Wolf:The Barbary Coast. Algiers under the Turks, 1500 to 1830. Norton, New York 1979,ISBN 0-393-01205-0.

Weblinks

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Commons: Turgut Reis – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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  1. Svat Soucek:Torghud Re'is. In:Encyclopaedia of Islam. New Edition.
  2. Ferdinand Braudel:Das Mittelmeer und die mediterrane Welt in der Epoche Philipps II. 2. Auflage.Band 3. Suhrkamp, Frankfurt am Main 1990,ISBN 3-518-40597-7,S. 23. 
  3. Baedeker Tunesien. 3. Auflage. 1995-
Personendaten
NAMETurgut Reis
ALTERNATIVNAMENTurgut Reis; Turgut Rais; Dragut; Tirgut; Torghud; Thorgu
KURZBESCHREIBUNGFreibeuter und osmanischer Admiral, Bei von Tunis
GEBURTSDATUMum 1485
GEBURTSORTMuğla (heute Turgutreis), Osmanisches Reich
STERBEDATUM23. Juni 1565
STERBEORTMalta
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