Charakteristisch für die verschiedenen Formen der Tundra ist eine offene, baumfreie Landschaft (zumeist) überPermafrostböden, die je nach Untertyp vonFlechten,Moosen,Gräsern und sommergrünenZwergsträuchern dominiert wird.
Die nördliche (arktische) Vegetationszone der Tundra reicht jenseits der polaren Waldgrenze in ihrer maximalen Ausdehnung etwa von 80° nördlicher Breite (auf der InselSpitzbergen) bis 55° (an derJames Bay in Kanada). Die südliche (antarktische) Zone erstreckt sich von 70° südlicher Breite (inPalmerland auf der antarktischen Halbinsel) bis etwa 45° (auf denCrozetinseln im Indischen Ozean).
Aufgrund der wenigen subpolaren Landgebiete in der Süd-Hemisphäre macht die Tieflandtundra dort nur einen winzigen Bruchteil der gesamten Flächen aus. „Echte“ Tundra findet sich dort nur sehr begrenzt an den Rändern vonAntarktika und auf einigen subantarktischen Inseln. Die von Schmithüsen „subpolare“ Wiesen- und Moorgebiete Süd-Patagoniens[3] genannten (die auch als „Magellan-Tundra“ bezeichnet werden), die Zwergstrauchheiden der Falkland-Inseln und die subantarktischen Wiesen der Crozet- und Kerguelen-Inseln im Indischen Ozean und derMacquarieinsel im Südpazifik weichen mit dem milderen Klima der ozeanisch-polar geprägtengemäßigten Zone und fehlenden Permafrostböden deutlich vom typischen Tundrenklima ab, obwohl die Vegetation durchaus tundraähnlichen Charakter hat. Die Ursache für das Fehlen von Wald sind dort ganzjährig wehende starke Winde mit einer sehr großen Sturmhäufigkeit bei Temperaturen wenig über dem Gefrierpunkt und meist reichlich Niederschlägen, die zu einer starken Bodenvernässung führen. Die Zuordnung der Vegetation ist daher in der Literatur uneinheitlich. Ähnliche klimatische Verhältnisse bedingen auch in Südalaska und auf derAleuten-Inselkette eine subpolare Wiesen- und Heidevegetation, die demnach keine „echte“ Tundra ist.[4][5][6]
Die Tundren gehen polwärts in die Zone derEis- und Kältewüsten und Richtung Äquator (auf der Nordhalbkugel) in dieWaldtundren über. An die tundraähnlichen Moore Patagoniens schließt sichgemäßigter Regenwald an.
Die nicht zonalen Bergtundren, Matten und Heiden kommen weltweit in nahezu allen Hochgebirgen oberhalb der Waldgrenze vor.
Die größten unzerstörten Tundren der Erde liegen imNunavut-Territorium und im NordenLabradors in Kanada. Auch im hohen Norden Eurasiens finden sich sehr bedeutende Flächen.
Bezogen auf diepotentielle natürliche Vegetation sind heute ca. 5 % der irdischen Landoberfläche Tundren.[7] Tatsächlich sind Anfang des 3. Jahrtausends über 60 % davon in einemweitgehend unbeeinflussten, natürlichen Zustand. Diese Gebiete sind nahezu unbesiedelt. Rund 20 % sind noch naturnah und relativ gering beeinflusst. Diese Flächen sind allerdings zumeist stark fragmentiert und befinden sich durchweg im Wandel (entweder durch eine stetige Überführung in Nutzflächen oder durchRaubbau). Bei unter 20 % wurde die ursprüngliche Vegetationsdecke intensiv verändert und durchanthropogene Landschaften überprägt. In diesen Gebieten sind naturnahe Tundra-Landschaften höchstens noch in kleinen Relikten anzutreffen.[8][Anmerkung 2]
Die Tundra ist das Ergebnis eines hohen Selektionsdrucks durch lebensfeindliche Umweltbedingungen: Das Pflanzenwachstum wird vor allem durch die extremen klimatischen Bedingungen sowie (in der Regel) durch denPermafrostboden beeinflusst. Im Sommer entstehen durch die Staunässe über gefrorenem Untergrund sehr große temporäreFeuchtgebiete. Dieses Wechselspiel aus Frost und Nässe ist zudem die Ursache für die verschiedenartigenMoore und Bodenstrukturen in den Tundralandschaften. Die Gewächse der Tundra zeichnen sich durch niedrige Wuchsformen und große Frostunempfindlichkeit aus. Bestandsbildende Pflanzen sindMoose undFlechten,Gräser, alpineKräuter und sommergrüneZwergsträucher. Die Zweige dieser Sträucher bleiben vielfach dicht am Boden (Spalierwuchs), abhängig davon, wie rau dasMikroklima an ihrem Standort ist.
Die Tundren der Erde liegen in der(sub)polaren Klimazone und sind damit in der Regel durch sehr kalteKlimata mit langen, kalten Wintern und kurzen, kühlen Sommern gekennzeichnet. Im kältesten Monat sinken die Durchschnittstemperaturen unter −17 bis −40 °C. In Feuerland und Patagonien bleiben die Temperaturen in Gefrierpunktnähe (daher auch keine echten Tundren), während sie in den Bergtundren Sibiriens auch deutlich unter −40 °C fallen können. In den „echten“ Tundren liegt acht bis elf Monate Schnee. Der wärmste Monat liegt zwischen −6 und 6 °C in den polaren Tundren und deutlich über dem Gefrierpunkt bis zu 16 °C in den Bergtundren wärmerer Breiten. Doch auch in den hohen Breiten sind Maximaltemperaturen von 25 °C möglich. Daslangjährige Temperaturmittel liegt in den Polartundren bei −4 bis −15 °C im Schnitt, während es in den anderen Gebieten nach oben auf 7 °C und nach unten bis auf −22 °C abweichen kann.[9] Für die polaren Tundren kommt zudem eine für das Pflanzenwachstum erschwerende sehr geringeSonneneinstrahlung hinzu, die allerdings im Hochsommer durch dieMitternachtssonne z. T. kompensiert wird.
Mit Durchschnittswerten von 80 bis 450 mm sind die Jahressummen der Niederschläge niedrig bis moderat.[9] In den ozeanischen Gebirgen werden auch Werte von über 1500 mm gemessen. Da sie vorwiegend als Schnee fallen, wird das Klima auch alsnival bezeichnet. Die lange Frostperiode und die niedrigen Temperaturen führen zu einer geringenVerdunstungsrate, so dass derWasserhaushalt am Erdboden trotz der geringen Niederschlagsmengenvollhumid (sehr feucht) ist.[10]
DieVegetationsperiode ist mit 30–90 Tagen kurz bis sehr kurz. Dies führt allerdings dazu, dass die Blütezeit vieler Pflanzen, die anderswo zu unterschiedlichen Zeiten stattfindet, im Tundrenklima gleichzeitig eintrifft.
Die meisten Böden[11] in den Tundren gehören zu denPermafrostböden. Sind es organische Böden, also insbesondere die aus Moostorfen bestehenden Tundramoore, so gehören sie gemäß dem internationalenBodenklassifikationssystemWorld Reference Base for Soil Resources (WRB) zu denHistosolen. (Auch Moore ohne Permafrost gehören zu den Histosolen, doch sind diese in der Tundra selten.) Sind die Permafrostböden Mineralböden, z. B. in felsigem oder sandigem Gelände, so werden sieCryosole genannt. In weitaus geringerer Ausdehnung finden sich zudem unter Alaskas und Nordeuropas BergtundrenLeptosole. Das sind flachgründige Böden auf Festgestein oder sehrskelettreiche Böden.[Anmerkung 4][12]
Es fällt nur sehr wenigBodenstreu an, und dieZersetzung verläuft sehr langsam.[13] Dies ist die Ursache für eine enorme Anhäufung (Akkumulation) vonRohhumus in den ebenen Tundren und für sehr große, recht einheitliche Ökosysteme. Auf flachgründigen Hängen kommt es zudem häufig zum Fließen des Bodens (Solifluktion).
Ausgesprochen typisch für die hochpolaren Tundralandschaften ist das unruhige Bodenrelief, das häufig durch Kuppen und Mulden oder netz- bzw. ringartig angeordnete Wälle gekennzeichnet ist. Es handelt sich dabei entweder um polareMoortypen (Aapamoore, Polygonmoore), umPalsas oderPingos oder in trockeneren Bereichen um sogenannteFrostmusterböden. Im Wesentlichen führt das Auf- und Abtauen des Bodens über dem Permafrost zu diesen ungewöhnlichen Strukturen.
Durch die vorgenanntenabiotischen Faktoren ist die vorhandene Menge an Biomasse sehr niedrig (25–30 t/ha Trockenmasse). Pro Jahr entstehen fünf bis sechs t/ha neu.[14]
Nur 0,4 % allerGefäßpflanzen der Erde leben in der Arktis. In den meisten Gebieten wird die gesamte Vegetation (teilweise bis über 90 %) von weniger als 10 Arten gestellt. Zudem ist die Verbreitung fast aller dort lebenden Artennicht auf die Tundra beschränkt. Die Pflanzendichte und -vielfalt nimmt polwärts ab. Folgende Gewächse sind typisch für die Tundra:
Bevor der Mensch eine HandvollNeophyten einschleppte, wuchsen in der gesamtenAntarktis nur zwei Blütenpflanzen: dieAntarktische Schmiele (Deschampsia antarctica) und das NelkengewächsAntarktische Perlwurz (Colobanthus quitensis). Der weitaus größte Teil der antarktischen Tundra wird von Moosen und Flechten gebildet. Auch die anderen Gebiete der sub-antarktischen tundraähnlichen Vegetation (vor allemFeuerland,Falklandinseln,Südgeorgien,Kerguelen,Crozetinseln) weisen wesentlich weniger Zwergsträucher und insgesamt eine viel geringere Artenvielfalt als die sub-arktische Tundra auf.
Die Tierwelt der subantarktischen Tundren ist ebenfalls deutlich artenärmer als die der Arktis. Alle größeren landlebenden Tiere der Antarktis sind Vögel, vor allemPinguine,Sturmvögel undScheidenschnäbel. Nur in den tundraähnlichen Magellan-Mooren Feuerlands kommen einige wenige Säugetiere wie dasGuanako, derAndenschakal oderKammratten vor. Auf den Falklandinseln lebte ein einziges heimisches Landsäugetier, derFalklandfuchs, der im 19. Jahrhundert ausgerottet wurde. Auf vielen subantarktischen Inseln wurden u. a. Kaninchen, Ratten, Hunde und Katzen eingeführt, die z. T. der einheimischen Tierwelt großen Schaden zufügen. Bewusst angesiedelt wurde dasRentier in Südgeorgien, auf den Kerguelen und auf Feuerland. Die rund 3000 Tiere zählende Population in Südgeorgien wird von 2011 bis 2015 wieder komplett ausgerottet, um weitere Schäden an der empfindlichen Tundravegetation zu verhindern.[15]
Nenzen in der Tundra beiDudinka amJenissej in SibirienDerInuit-Tradition folgendes „Leben auf dem Land“ (Camp Najutaqtujuq, Nordbaffin)Die Jagd (hier auf Rentiere) spielt bei einigen Inuit auch im 21. Jahrhundert noch eine wichtige RolleSiedlung derSamen in der schwedischen Bergtundra
Die polaren und subpolaren Gebiete zählen zu den am dünnsten besiedelten Landschaften der Erde, obgleich der Mensch bereits während der letzten Eiszeit in die Arktis vordrang. In den naturnah verbliebenen Tundren leben auch heute nochindigene Völker, deren Leben seit jeher von den Eigenarten ihres Landes geprägt wurde und die nach wie vor von weitgehend intakten ökologischen Verhältnissen ihrer angestammten Heimat abhängig sind. Die folgende Auswahl berücksichtigt daher nur solche Völker, bei denen zumindest einige Bevölkerungsteile noch nicht gänzlich die modernewestliche Kultur übernommen haben, deren Wirtschaftsweisen überwiegend extensiv und traditionellnachhaltig geprägt sind und bei denen diekulturelle Identität immer noch eine große – oftmals spirituell verankerte – Verbundenheit mit ihrem natürlichen Lebensraum enthält.
Dies darf jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass sich die ursprüngliche „naturnahe“ Lebensweise aller dieser Menschen durch zunehmende Technisierung, veränderte Abhängigkeiten durch den Einfluss des westlichen Lebensstils oder durch verschiedenartigeAssimilationspolitik und durch abnehmende überlieferte Kenntnisse bereits stark verändert hat. Es gibt zwar viele erfolgversprechende Ansätze zur Bewahrung oder Wiederbelebung der Traditionen. Dies bezieht sich jedoch meistens auf Sprache, Materialkultur, Brauchtum oder Religion. Nur in wenigen Fällen haben diese Bestrebungen einenkulturökologischen Hintergrund, um den Erhalt der traditionellen Wirtschaftsweisen in der Tundra zu fördern.[16][17][18]
Die Urbevölkerung dereurasischen Tundren sind (von West nach Ost) dieSámi derfennoskandischenFjäll-Gebiete, dieNenzen,Nganasanen,Ewenken – die alle zumKulturareal „Sibirien“ gerechnet werden; sowie dieJukagiren,Tschuktschen undKorjaken die das Kulturareal „Paläo-Sibirien“ bilden. Die nordeurasischen Tundrenvölker waren früher zum größten TeilRentier-Nomaden. Auch heute spielt die Rentierhaltung bei den meisten der genannten Völker eine mehr oder weniger große Rolle. Die Nenzen konnten ihre traditionell-angepasste Lebensweise bislang am besten bewahren.
Die Ureinwohner der großen Tundren Nordamerikas und Grönlands sind dieEskimo-Völker (Kulturareal „Arktis“) – darunter dieInuit –, die zum Teil heute noch von der Jagd (vor allem auf Meeressäuger) leben. In den Bergtundren Alaskas und Kanadas jagen zudem einigeathabaskische Indianerstämme, allen voran dieKutchin, die nach wie vor primär vom Karibu leben. Das Wohngebiet dieses Stammes liegt jedoch in derWaldtundra. Beim Großteil der genanntenEthnien ist das Jagen und Sammeln nur noch ein Nebenerwerb. Die indigenen Bewohner der subpolaren, tundraähnlichen Gebiete Südalaskas sind dieAleuten.
Die ersten gesicherten längerfristigen Besiedler derisländischen Tundra waren norwegischeWikinger.
Karibus vor den Ölfeldern vonPrudhoe Bay, AlaskaRentierscheidung im Fjäll vonNikkaluokta
Landwirtschaftlicher Anbau ist in der Tundra aufgrund des Klimas nicht möglich. Seit jeher ist die großflächige Nutzung daher auf diemobile Rentier-Weidewirtschaft beschränkt: Früher ausschließlich nomadisch, heute häufig halbnomadisch und unter Einsatz moderner Methoden.[13] Insbesondere in Nordeuropa, aber auch in Teilen Nordrusslands, geht der Anteil der Rentierhaltung inSubsistenzwirtschaft zugunsten der marktorientiertenTierproduktion stetig zurück. Der entstehende wirtschaftliche Wettbewerb führt vielfach zu einer Vergrößerung der Herden mit der Gefahr derÜberweidung. Normalerweise sind ein bis sieben Rentiere auf einen Quadratkilometer die Grenze, die jedoch heute oft überschritten wird.[19]
Unter den Tundraböden liegen reichhaltige Bodenschätze, deren Förderung abgesehen von Erdöl und Erdgas angesichts der enormen Größe der Gebiete als „punktuell“ bezeichnet werden kann. Die Gas- und Erdölförderung[20] – z. B. an der Küste Nordalaskas (Prudhoe-Bay-Ölfeld) oder in Nordsibirien (Gasfeld Urengoi) – ist hingegen mit großflächigen Störungen und weitreichenden Risiken für die empfindlichen Ökosysteme verbunden. Böden und Vegetation sind so empfindlich, dass sich bereits scheinbar geringfügige Verwundungen durch die klimatischen Bedingungen im Laufe der Zeit immer stärker ausprägen (sog.Thermokarst).
In der gesamten Antarktis darf vorläufig bis 2048 im Rahmen des„Weltparks Antarktis“ keine Rohstoffförderung stattfinden.
Die globaleLuftverschmutzung hat in einigen Tundragebieten zur Versauerung von Gewässern und zur Schädigung der empfindlichen Flechten geführt, die eine wesentliche Nahrungsquelle für viele Tiere sind. Die vom Menschen verursachteAusdünnung der Ozonschicht führt zu einer verstärktenUltraviolettstrahlung, die wiederum zu einer direkten Schädigung von Pflanzen und Tieren führen kann.
Die größte Gefahr für die Tundra resultiert aus derglobalen Erwärmung, die in den hohen Breiten des Nordens deutlich über dem Durchschnitt liegt. Die Tundra wird verbuschen und schließlich – wenn auch mit einer großen zeitlichen Verzögerung – zu Wald werden, so dass dieser Vegetationstyp mitsamt seinen typischen Bewohnern eines Tages nahezu komplett verschwinden wird.
Schon heute führt das Auftauen der Permafrostböden zu erheblichen Schäden an der Natur, aber auch an Straßen und Gebäuden. Möglicherweise werden dabei im Laufe der Zeit große Mengen Methan freigesetzt, die die Erwärmung nochmals drastisch beschleunigen könnten. Immer häufiger kann man beobachten, dass die Rentierherden an den Folgen der Erwärmung leiden. Warme Wetterphasen im Sommer, die zu einer geschwächten Immunabwehr führen, sind dabei noch das geringere Problem. Tauwetter im Winter führt dazu, dass sich anschließend eine Eisschicht auf der Vegetation bildet, die den Tieren den Zugang zu ihrer Nahrung erheblich erschwert.[21]
Nach Angaben derIUCN standen 2003 ca. 15 % der Gesamtfläche unter Schutz. Davon wiederum entfallen rund 74 % auf Nordamerika.[22]
Die in der Infobox genannten exemplarischen Großschutzgebiete enthalten jeweils einen größtmöglichen Anteil des Vegetationstyps Tundra. Zudem handelt es sich ausschließlich um Gebiete, bei denen die Erhaltung (oder Wiederherstellung) eines möglichst unbeeinflussten Naturzustandes vorrangig ist und die im internationalen Vergleich als streng geschützt betrachtet werden können.
Der globale Vegetationstyp Tundra muss als Oberbegriff für eine Vielzahl kleinererPflanzenformationen,Biome undÖkoregionen gesehen werden, die bis auf die Ebene derBiotope in einer unterschiedlichen Anzahl von Stufen weiter untergliedert werden können:
Nach ähnlichen Erscheinungsbildern – und demnach im Wesentlichenohne Betrachtung des konkreten Arteninventares –, lassen sich die Tundren wie folgt weiter untergliedern:(Diese Gliederung basiert auf den Bezeichnungen vonJosef Schmithüsen)[23]
Hochpolare Flechten- u. Moostundra – 10 bis 80 % Pflanzenbedeckung
Flechtentundra – besetzt vorwiegend sandige Böden und liebt trockene Standorte
Moostundra – kommt auf feuchten Böden vor
Niederpolare Zwergstrauch- u. Wiesentundra – über 80 % Pflanzenbedeckung
(Arktische) Zwergstrauchtundra
Subantarktische Hartpolsterformationen – der westantarktischen Inseln
Wiesentundra – mitSchmielen,Schwingel undReitgräsern; an manchen Stellen mischen sichKrähenbeere sowieBärentraube und auchZwergbirken unter die Gräser; Wiesen- oder Rasentundra wächst vorwiegend auf lehmigen Böden in der ozeanischen Variante des subpolaren Klimas
Bei der weiteren Untergliederung gelangt man von der globalen Betrachtung auf dieMaßstabsebene der Regionen. Auf dieser Ebene werden vorrangig gesamte Ökosysteme betrachtet und nicht nur die Vegetation. Man spricht dabei von denBiomen und/oderÖkoregionen.
Die UmweltstiftungWWF USA hat eine beispielhafte weltweite Klassifizierung nach Ökoregionen vorgenommen. Die Abgrenzungen dieser Regionen beruhen auf einer Kombination verschiedener biogeographischer Konzepte. Sie sind für die Zwecke und Ziele desNaturschutzes besonders gut geeignet.[Anmerkung 5]
Der Begriff Tundra wird nach den WWF-Kategorien für eines von 14 Haupt-Biomen („Major habitat types“) verwendet, dem in etwa dasPolare Zonobiom entspricht. Im Sinne dieser Haupt-Biome wird dieKältewüste zur Tundra gerechnet, die azonalen Bergtundren jedoch nicht. 53 Ökoregionen („Ecoregions“) untergliedern dieses Haupt-Biom.
↑Die einzelnen Vegetationstypen, Biome und Ökoregionen, wie auch ihre zonalen Entsprechungen Vegetationszonen, Zonobiome und Ökozonen, sindnicht deckungsgleich! Verschiedene Autoren, unterschiedliche Parameter und fließende Grenzen sind die Ursache. Weitergehende Informationen bietet der ArtikelZonale Modelle der Biogeographie. Eine animierte Kartendarstellung im ArtikelGeozone verdeutlicht die Problematik.
↑Die genannten Prozentwerte sind (z. T.) gemittelte Werte aus verschiedenen Veröffentlichungen. Die Abweichungen sind unvermeidbar, da es in der Realität keine eindeutigen Grenzen zwischen benachbarten Landschaftstypen gibt, sondern nur mehr oder weniger breite Übergangsräume.
↑Die Farbwahl wurde aus Gründen der besseren Erkennbarkeit gegenüber der Originalkarte „Vegetationszonen“ verändert.
↑Angaben nach der Referenz-Bodenklassifikation derWorld Reference Base for Soil Resources (Abkürzung WRB)
↑Die WWF-Ökoregionen können sich aufgrund der Betrachtungsweise – unter Einbeziehung der potenziell vorkommenden Pflanzen- und Tierarten – durchaus bis in benachbarte Vegetationszonen hinein erstrecken. Die reine Betrachtung der Pflanzenformationen wird hier demnach nicht angewendet!
↑gemittelter Wert aus umfangreichen Recherchen und Vergleichen in einschlägiger Fachliteratur →siehe Beschreibung der Datei:Wildnisweltkarte.png. Zusammengetragen und ermittelt im Zuge der Erstellung der vorgenannten Landkarte für Wikipedia
↑abIn der Biogeographie existiert eine Vielzahl von Grenzwerten verschiedener Autoren, die voneinander abweichen, zum Teil veraltet sind und bis zur Jahrtausendwende nie verifiziert wurden(siehe Quelle Beierkuhnlein & Fischer, S. 249 sowieGeozonen#Datengrundlage). Die hier genannten Spannen der Jahresdurchschnittstemperaturen und -niederschlagssummen sind gemittelte Werte aus den Bezugsrahmen, die zwei moderne Studien (2017 u. 2021) zur Ermittlung der realistischen Abgrenzungen von Biomen geschaffen haben. Für die detaillierteren Biom-Untergliederungen und unter Berücksichtigung konzeptionell festliegender Werte wurde nach Möglichkeit auf die Einteilungen und Festlegungen von Post et al. (1982) und Müller-Hohenstein (1989) zurückgegriffen, da sie den Studienergebnissen am ehesten entsprechen.
Mingkai Jiang, Benjamin Felzer, Uffe N Nielsen, Belinda E. Medlyn:Biome‐specific climatic space defined by temperature and precipitation predictability, Research Paper in Wiley Global Ecology an Biogeography, September 2017,doi:10.1111/geb.12635, S. 1275–1277.
W. M. Post, W. R. Emanuel, P. J. Zinke, A. G. Stangenberger.:Grafik: Die Kohlenstoffvorräte im Mineralboden in Abhängigkeit von Klima und Vegetation, in Anwendung deslife zone-Modelles nachHoldridge 1947, aus ‘‘Soil carbon pools and world life zones‘‘, in Nature 298, 1982, S. 156–159, übernommen in Jürgen Schultz:Die Ökozonen der Erde. 4., völlig neu bearbeitete Auflage, Ulmer UTB, Stuttgart 2008,ISBN 978-3-8252-1514-9. S. 79.
Klaus Müller-Hohenstein:Die geoökologischen Zonen der Erde (1989, S. 6–7), in Heinz Nolzen (Hrsg.):Handbuch des Geographieunterrichts. Bd. 12/I, Geozonen, Aulis Verlag Deubner & Co. KG, Köln 1995,ISBN 3-7614-1618-0. S. 9.
↑S. Chape, M. Spalding, M. D. Jenkins (Hrsg.):The World's Protected Areas: Status, Values and Prospects in the 21st Century. 1. Auflage. University of California Press, Berkeley 2008,ISBN 978-0-520-24660-7.
↑Josef Schmithüsen (Hrsg.):Atlas zur Biogeographie. (= Meyers großer physischer Weltatlas. Band 3). Bibliographisches Institut, Mannheim/Wien/Zürich 1976,ISBN 3-411-00303-0.