Tuchwalker

Tuchwalker (lateinischFullones) waren Arbeitskräfte, die seit der römischen Antike das Gewerbe derWäschereinigung betrieben.
Geschichte
[Bearbeiten |Quelltext bearbeiten]Da dieRömer noch keineSeife kannten, benutzten sie tierischen und menschlichenUrin als Reinigungsstoff, da dessenAmmoniakgehalt selbst den speckigsten Schmutz beseitigt. In größeren Orten befanden sich teils unterirdisch angelegte, teils am Wegesrand verlaufende Kloakensammelstellen, an denen riesigeAmphoren als Sammelbecken standen. In größeren Städten wurde die Sammlung, Verteilung und Entsorgung durch verpachtete„Harnwerke“ von denMagistraten organisiert. Diese florierende„Latrinenindustrie“ betrieben die „Tuchwalker“,lateinischfullo, Mehrzahl: fullones, und stellten damit einen einträglichen Wirtschaftszweig dar. Dies nutzte KaiserVespasian (69–79) aus und belegte dieses Gewerbe mit einer„Harnsteuer“. Er rechtfertigte seine Entscheidung mit den überlieferten Worten:„pecunia non olet“ (Geld stinkt nicht). Gleichzeitig sorgten die Tuchwalker damit auch für die Beseitigung der flüssigen Körperausscheidungen.
In speziellenWaschzubern wurde die abgegebene wollene Oberbekleidung in dem eingesammeltenUrin eingeweicht, anschließend mit den nackten Füßen der Tuchwalker durchgewalkt und geschmeidig gestrampelt. Es scheint aber auch eine gewisse„Tuchwalker-Stange“ gegeben zu haben, denn mit einer solchen wurde derApostelJakobus der Jüngere im Jahre 62 erschlagen. Eine anschließende Spülung mit klarem Wasser, meist aus einem nahe gelegenen Bach oder einemAquädukt, schloss den Reinigungsprozess ab. Diese Art der Wäschereinigung war mancherorts noch bis ins 19. Jahrhundert üblich. Nach der Erfindung desWaschbretts und der Seife geriet diese Methode in Vergessenheit.
Belege für die Tätigkeit der Fullones finden sich in den ausgegrabenenFresken vonPompeji und imRömermuseum Schwarzenacker.[1][2] Außerdem ist deren Existenz seit 1258 inAachen und vielen weiteren ehemaligen römischen Städten erwähnt. Als Schutzgöttin der Tuchwalker wie auch aller Handwerker und Gewerbetreibenden dienteMinerva, deren Fest jährlich am 19. März begangen wurde. Viele Familien- und Straßennamen deuten auch heute noch auf die frühere Tätigkeit der Tuchwalker hin.
Siehe auch
[Bearbeiten |Quelltext bearbeiten]Weblinks
[Bearbeiten |Quelltext bearbeiten]- Michaela Vieser:Mit Schmutz Wäsche waschen, in: Spiegel-Wirtschaft vom 10. Juni 2012
- Moritz Grütz:Von Färbern, Buttenmännern und Fullonen – Das Geschäft mit dem Geschäft, auf link.springer.com von 2019
- Wäschereinigung – Tuchmacher bei der Arbeit, Kupferstich von Jacques de Gheyn, 17. Jahrhundert, im Kupferstichkabinett der Staatlichen Museen zu Berlin