Dieser Artikel beschreibt den altägyptischen Gott. Für den ungarischen Familiennamen sieheTóth, zum südsudanesisch-australischen Model sieheDuckie Thot.
Thot wurde vorwiegend menschengestaltig mit Ibiskopf, als stehender oder hockenderIbis oder alsMantelpavian dargestellt. Andere Abbildungen zeigen die Gottheit auch als weibliche Person mit Ibiskopf oder männliche Darstellung mit Paviankopf oder rein als dasSechem-Zepter.[6]
Die Verehrung von Thot ist einer der ältesten Götterkulte desAlten Ägypten und der Kultort warHermopolis. Seine Bedeutung ist durch Inschriften in Bauwerken undPapyrus-Aufzeichnungen gut belegt. Bereits während derPyramidenzeit (Altes Reich) war Thot alsMondgott bekannt; in der Spätzeit erhielt er das Epitheton „SilbernerAton“. SeineAttribute sind gewöhnlich eine Schreibtafel zusammen mit einer als Pinsel verwendeteBinse und er gilt als Sekretär der Götter sowie als Erfinder derHieroglyphen. ImOsirismythos war er Schreiber undWesir desOsiris.[7]
Thot war der Nachfolger vonHorus und regierte 3000 Jahre lang friedlich über Ägypten. Danach stieg er als Mond zum Himmel hinauf, doch ein Dämon fraß beständig von ihm, so dass er von einer periodischen Auszehrung betroffen war (verschiedene Mondphasen).[8]
Thot ist spätestens ab demNeuen Reich auch der erste Monat derJahreszeitAchet im alten Ägypten. Als Mondgott ist er zugleich der Gott der Zeit und der Zeitabschnitte, da diese sich nach dem Mondlauf richten. Dies macht ihn auch zum Messenden, dem Gott des Maßes. Er repräsentiert die gleichmäßige Ordnung der Welt, er ist der ihr innewohnende Geist der Ordnung und der Gesetzmäßigkeit. So wird er der Vertreter des Geistes überhaupt und insbesondere der Schutzgott aller irdischen Gesetze. Zugleich ist er der Gott derIntelligenz, der Anordner der gottesdienstlichen Gebräuche, der Lehrer der Künste und Wissenschaften, der Erfinder von Sprache und Schrift, der Schutzherr der Bibliotheken.
Schließlich hat Thot auch eine Bedeutung in der Jenseitsvorstellung derägyptischen Mythologie. Er ist derProtokollant desTotengerichts und notiert, ob die Verstorbenen würdig sind, in das Reich der Wiederkehr beziehungsweise in das Totenreich aufgenommen zu werden.[9]
Thot wurde in dergriechischen Mythologie mitHermes gleichgesetzt und später mit ihm zuHermes Trismegistos verschmolzen. InPlatons DialogPhaidros, 274c–275a, erwähnt der PhilosophSokrates den ägyptischen Gott Theuth (Θεύθ) und dessen Erfindung derSchrift, die jedoch vom König des ägyptischenTheben wegen ihrer nachteiligen Einwirkung auf Gedächtnisfähigkeit und wirkliches Erlernen gerügt worden sei.[10]
Aleister Crowley schriebDas Buch Thoth, in dem er das Wahrsagen mit Hilfe des von ihm entworfenen und von Frieda Harris gezeichneten Thoth-Tarotkartendecks und dessen mythologische Hintergründe erläuterte.[11] Im RomanAmerican Gods vonNeil Gaiman tritt Thot zu Anfang unter dem DecknamenMr. Ibis auf und betreibt mitAnubis undBastet ein kleines Bestattungsinstitut. Auch in derSerienumsetzung kommt diese Figur vor und wird vonDemore Barnes dargestellt.
Im Online-ComputerspielSmite ist Thot ein spielbarer Charakter.[12]
Hans Bonnet:Lexikon der ägyptischen Religionsgeschichte. 3., unveränderte Auflage, Nikol, Hamburg 2000,ISBN 3-937872-08-6.
Patrick Boylan:Thoth The Hermes of Egypt: A study of some aspects of theologocal thought in ancient Egypt. Oxford University Press, London 1922; Neuauflage:Thoth or the Hermes of Egypt. Kessinger Publishing, Whitefish (MT) 2003,ISBN 0-7661-4706-1.
Adolf Erman:Die Aegyptische Religion (=Handbücher der Königlichen Museen zu Berlin.). 2. umgearbeitete Auflage, G. Reimer, Berlin 1909,OCLC84326470.
Hannig 2000 - Rainer Hannig:Die Sprache der Pharaonen. Großes Handwörterbuch Deutsch-Ägyptisch (2800–950 v. Chr.). In:Kulturgeschichte der antiken Welt.Band86. von Zabern, Mainz 1. Februar 2000,DNB957877323.
Erik Hornung:Der Eine und die Vielen – altägyptische Götterwelt. 6., vollständig überarbeitete u. erweiterte Auflage, Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 2005,ISBN 3-534-14984-X.
Richard Jasnow, Karl-Theodor Zauzich: Conversations in the House of Life, A New Translation of the Ancient Egyptian Book of Thoth. Harrassowitz, Wiesbaden 2014,ISBN 978-3-447-10116-5.
Joachim Kügler:Tiere als Götter? Götter als Tiere! Eine Reise durch den göttlichen Tiergarten von Memphis bis Weismain (=Animalia in fabula: interdisziplinäre Gedanken über das Tier in der Sprache, Literatur und Kultur. herausgegeben von Miorita Ulrich und Dina De Rentiis. Bamberg 2013/Schriften aus der Fakultät Geistes- und Kulturwissenschaften der Otto-Friedrich-Universität Bamberg. Band 14, S. 117–141). Katholische Theologie - Universität Bamberg, Bamberg 2015,DNB1069104531 (Volltext als PDF, kostenfrei, 25 Seiten, 1'555 KB).
Parker 1950 -Richard A. Parker:The Calendars of Ancient Egypt. In:Studies in Ancient Oriental Civilization.Band26. University of Chicago Press, Chicago (Illinois) 1950.
↑Aleister Crowley, Frieda Harris (Illustr.):Das Buch Thoth. Ägyptischer Tarot: Eine kurze Abhandlung über den Tarot der Ägypter. 11. Auflage.Königsfurt-Urania, Krummwisch 2005,ISBN 3-908644-73-9.
↑Thoth. Abgerufen am 22. Mai 2017 (amerikanisches Englisch).