Thermopapier

Thermopapier ist eine speziellePapiersorte für dasThermodruckverfahren. Es ist auf der zu bedruckenden Seite mit einer temperaturempfindlichen Schicht versehen, die unter Einwirkung vonWärme einen Farbstoff ausbildet.
Aufbau und Eigenschaften
[Bearbeiten |Quelltext bearbeiten]Thermopapiere enthalten einethermochrome Schicht, die aus einem Dreikomponentengemisch besteht. Dieses Gemisch besteht im Ausgangszustand aus folgenden Teilen:
- einempH-sensitivenLeukofarbstoff wie z. B.Kristallviolettlacton
- einem schwachsauren Farbentwickler wie z. B.Bisphenol A oderGallussäureoctylester
- einemaliphatischenLösungsmittel. Dieses Lösungsmittel, in der Fachsprache auch als Solvens bezeichnet, besteht aus langkettigen aliphatischenAlkoholen,Carbonsäureamiden,Carbonsäureestern oderCarbonsäuren.
Unter Hitzeeinwirkung schmilzt das Solvens, sodass der Leukofarbstoff und der Entwickler zusammentreffen und die Farbreaktion ermöglicht wird.[1]
Thermopapiere sind in verschiedenen Farben verfügbar, am häufigsten wird Schwarz eingesetzt, gefolgt von Blau. Durch unterschiedlich hohe Drucktemperaturen lassen sich auf dafür geeignetem Thermopapier in speziellen Druckern auch mehrere Farbstufen realisieren. Bedingt durch den höheren technischen Aufwand kommt es bei den typischen kommerziellen und industriellen Anwendungen jedoch nicht zum Einsatz.
Thermopapier wird meist auf einem Kunststoff- bzw. Pappkern aufgewickelt geliefert. Es ist in Flächengewichten von 48 bis ca. 240 g/m² erhältlich. Für den Beleg- und Quittungsdruck weisen Thermorollen standardmäßig ein Papiergewicht von 48 bis 55 g/m² auf. Für Eintrittskarten, Gutscheine, Fahrscheine und Lottobelege werden die stärkeren Papierqualitäten eingesetzt. Durch das dickere Papier, das eine höhere Toleranz gegenüber mechanischer Belastung aufweist, bleibt auch die Druckqualität länger erhalten.
Zertifiziert werden Papiersorten für den Lebensmittelbereich (Freigabe in Deutschland von derISEGA-Forschungs- und Untersuchungsgesellschaft mbH, Aschaffenburg) und für die Umweltverträglichkeit (neben demBlauen Engel ist auch das ZertifikatNordic Swan bekannt, Letzteres aber als Zusammenarbeit einiger Papierhersteller und deshalb nicht unabhängig).
Technik
[Bearbeiten |Quelltext bearbeiten]Das Thermopapier wird an den zu beschreibenden Stellen punktuell durch kleine Heizelemente, die reihenförmig in der Breite des zu bedruckenden Papiers angeordnet sind, erhitzt. Dadurch reagieren auf dem Papier untergebrachte Farbbildner und Entwickler und ergeben das Druckbild.
Einfache Thermodrucker für den Privathaushalt bedrucken das Papier mit mindestens 90 °C, da sich haushaltsübliche Papiersorten ab ca. 70 °C oder etwas höher verfärben. Papier für Parkscheine, das im Sommer hohen Temperaturen und hoher Strahlungsintensität ausgesetzt ist, wird mit bis zu 120 °C bedruckt, da die Reaktionstemperatur des Papiers hier höher liegen muss. Sie wird durch die „statische Sensitivität“ bestimmt.
Preiswerte Faxgeräte können meist nur wenig schneller drucken, als es dieDatenrate bei Faxsendungen erfordert (ca. 10–15 Sekunden pro Seite), hochwertige Papiersorten für denStrichcodeetikettendruck können mit Geschwindigkeiten von bis zu 400 mm pro Sekunde bedruckt werden. In druckfreien Bereichen kann das Papier selbstverständlich schneller transportiert werden.
Genauere chemische Zusammensetzungen werden in vielen Fällen als Betriebsgeheimnis geheim gehalten.[2]
Aufbewahrung
[Bearbeiten |Quelltext bearbeiten]Thermopapiere altern, auch abhängig von der Intensität der Bedruckung (Wärme beim Druckvorgang) und bei der Lagerung bei höheren Temperaturen wie bei direkter Sonnenbestrahlung sehr schnell, sodass die Schrift schon nach wenigen Wochen stark verblasst. Es gibt auch Thermopapiere mit 25-jähriger Haltbarkeitsgarantie, in Japan werden Papiersorten mit „nahezu unbegrenzter Archivierbarkeit“ produziert. Die angegebenen Werte beziehen sich allerdings auf ca. 20 °C und 50 % relativer Luftfeuchtigkeit, ohne direkten Sonnenlichteinfluss – also Situationen, die im Privathaushalt und in den meisten Büroräumen nicht ganzjährig anzutreffen sind.
Thermopapierdrucke gelten daher generell als nichtdokumentenecht. Bei Rechnungen und anderen Dokumenten, die über mehrere Jahre aufbewahrt werden müssen, ist dies problematisch. Hier sollte notfalls eine Kopie auf Normalpapier angefertigt werden, worauf auf der Rückseite solcher Ausdrucke teilweise hingewiesen wird – es bleibt also dem Kunden überlassen, bei Bedarf haltbare Kopien herzustellen.
Um das Schriftbild möglichst lange zu erhalten, sollte man Thermopapier nicht dem direktenSonnenlicht und keiner großen Wärme aussetzen.Weichmacher, wie sie z. B. inKunststofffolien oderKlebeband enthalten sind, können die Schrift entfernen. AuchGerbstoffe, wie sie gelegentlich in Leder (Geldbörsen) vorkommen, können das Druckbild verblassen lassen. Der Ausdruck kann ebenfalls durch den Kontakt mit Desinfektionsmitteln, Lösungsmitteln, Ölen und Fetten unlesbar werden.
Häufig kann ein ausgeblichener Aufdruck durch vorsichtiges Erwärmen (Fön, Heißluftpistole, Bügeleisen bei niedriger Temperatur und einem zwischengelegten Blatt Papier als Schutz) wieder sichtbar gemacht werden.
Entsorgung
[Bearbeiten |Quelltext bearbeiten]Die Frage der Entsorgung, ob im Altpapier oder im Restmüll, ist umstritten und auch von dem verwendeten Typ von Thermopapier abhängig. In der Vergangenheit verwendete Thermopapiere mitBisphenol A (BPA) sollten generell im Restmüll entsorgt werden, neuere Entwicklungen und Thermopapiere ohne BPA können hingegen auch im Altpapier entsorgt werden. So meint etwa derVerband Deutscher Papierfabriken (VDP), dass Thermopapiere ohne Bisphenol A unbedenklich imAltpapier entsorgt werden können.[3] Auf Grund mangelnder Unterscheidbarkeit durch den Verbraucher empfiehlt das Umweltbundesamt hingegen (trotz Beschränkung von Bisphenol A in der EU seit 1. Januar 2020), Thermopapiere weiterhin als Restmüll zu entsorgen.[4]
Gesundheitsgefahren
[Bearbeiten |Quelltext bearbeiten]Thermopapiere die Bisphenol A als Farbentwickler einsetzen gelten als gesundheitsschädlich: Eine deutlich erhöhte Belastung von Kassenpersonal in Supermärkten wurde nachgewiesen.[5]In der EU dürfen Kassenbons kein Bisphenol A mehr enthalten. Allerdings sind andere Bisphenole (z. B. Bisphenol F und Bisphenol S), die ebenfalls in Thermopapier verwendet werden, weiterhin erlaubt.[6] Es spricht vieles dafür, dass diese Ersatzstoffe genauso schädlich sind, wie Bisphenol A und auch Alternativen aus anderen Stoffklassen keine unbedenkliche Alternative sind. Für 19 potenzielle chemische Alternativen zu BPA für Thermopapier, die in einer Evaluation der EPS untersucht wurden, wurden keine klar sichereren Alternativen gefunden.[7]
Rechtliches
[Bearbeiten |Quelltext bearbeiten]Bisphenol A
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Im Juli 2016 hat die EU-Kommission einem Vorschlag der Europäischen Chemikalienagentur zugestimmt, das Vorkommen von Bisphenol A (BPA) in Thermopapier zukünftig zu beschränken. Seit 2020 darf die Konzentration von BPA in Thermorollen nicht mehr als 0,02 Prozent betragen – was einem Verbot gleichkommt.[8] BPA darf seitdem nicht mehr bei der Papierherstellung hinzugefügt werden. Der erlaubte Restgehalt kann aus Recyclingpapier kommen. Die Industrie ist auf andere Stoffe umgestiegen wie Bisphenol S oder hat Verfahren für die Beschichtung entwickelt, die ohne Farbentwickler auskommen.
In der Schweiz gilt seit dem 16. Dezember 2020 ein Verwendungsverbot von BPA in Thermopapier.[9]
Bisphenol-S
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Bedingt durch das Verbot für Bisphenol A erwartet dieEuropäische Chemikalienagentur den Einsatz vonBisphenol S (BPS), nebenPergafast 201 andD8,[10] ab 2022 insbesondere von Bisphenol-S.[11] Auch gegen diesen Stoff wurden gesundheitliche Bedenken erhoben.[12] Eine Neubewertung der gesundheitlichen Gefahren durch die Europäische Chemikalienagentur läuft seit 2014 und wird vonBelgien durchgeführt.[11] Bis zum 17. Oktober 2022[veraltet] läuft eine öffentliche Konsultation zur Einstufung alsbesonders besorgniserregender Stoff (SVHC).[13]
In der Schweiz gilt seit dem 16. Dezember 2020 ein Verwendungsverbot von BPS in Thermopapier.[9]
Entwicklungen
[Bearbeiten |Quelltext bearbeiten]Seit den 2000er Jahren wurden die eingesetzten Drucker und die Thermopapiere qualitativ verbessert, vor allem wurden Fortschritte bei der Lagerbarkeit bedruckter Thermopapiere erzielt. Die Entwicklung geht momentan dahin, für spezielle Anwendungen wiederbeschreibbare Thermofolien einzuführen, die sich mehrfach beschreiben und löschen lassen.
Etliche Anbieter solcher Papiere bieten seit 2010 BPA-freie Produkte an und bewerben diese entsprechend, einer Empfehlung desUmweltbundesamts folgend.[14]
Seit 2017 gibt es Thermopapier ohne chemische Entwickler auf dem Markt.[15] Bei diesem wird das Basispapier vollflächig mit einem Pigment (schwarz) bestrichen, auf dem dann eine Polymerschicht aus kleinen Polymerkugeln aufgebracht wird. Unter Wärmeeinwirkung kollabieren die Polymerkugeln, so dass der Farbstoff sichtbar wird.[16][17]
Quellen
[Bearbeiten |Quelltext bearbeiten]- Klaus Baldig:Fachartikel zu Aufbau, Eigenschaften und Eignungszwecken des Thermopapier (Baldig ist Leiter Entwicklung und Produkt Management bei der GeBE Elektronik und Feinwerktechnik GmbH; PDF; 798 kB)
Einzelnachweise
[Bearbeiten |Quelltext bearbeiten]- ↑Albert Jonas, Isabel Rubner,Marco Oetken:Thermochromie und die Funktionsweise von Thermopapier. In:Chemie in unserer Zeit.Band 54,Nr. 3, Juni 2020,S. 166,doi:10.1002/ciuz.201900849.
- ↑Phthalate. (PDF) Stoffinformationen. Bayerisches Landesamt für Umwelt, 2014, abgerufen am 10. Oktober 2020 (Bisphenol A im Thermopapier).
- ↑Müssen Kassenbons in den Restmüll oder in den Papiermüll? Abgerufen am 21. Februar 2021.
- ↑Fragen und Antworten zur Bonpflicht. In: umweltbundesamt.de. Umweltbundesamt, 10. Januar 2020, abgerufen am 12. Januar 2020 (AbschnittWie sollte Thermopapier entsorgt werden?): „Das Umweltbundesamt empfiehlt aus Vorsorgegründen alle Thermopapiere mit dem Restmüll zu entsorgen, da weiterhin phenolhaltige Farbentwickler verwendet werden und der Verbraucher phenolhaltige nicht von phenolfreien Thermopapieren unterscheiden kann.“
- ↑D. Zalko, C. Jacques, H. Duplan, S. Bruel, E. Perdu:Viable skin efficiently absorbs and metabolizes bisphenol A. In:Chemosphere. Band 82, Nummer 3, Januar 2011, S. 424–430,doi:10.1016/j.chemosphere.2010.09.058.PMID 21030062.
- ↑Bisphenols. ECHA, abgerufen am 4. März 2025.
- ↑BISPHENOL A ALTERNATIVES IN THERMAL PAPER. epa.gov, August 2015, abgerufen am 4. März 2025 (englisch).
- ↑Verordnung (EU) 2016/2235
- ↑abVerwendung von Thermopapier mit BPA/BPS in der Schweiz. (PDF; 154 kB) Bundesamt für Gesundheit, 5. Juni 2020, abgerufen am 13. Oktober 2020.
- ↑Use of bisphenol A and its alternatives in thermal paper in the EU – 2018 update. (PDF) Europäische Chemikalienagentur, Juni 2019, S. 1, abgerufen am 30. Dezember 2019 (englisch).
- ↑abBisphenol S has replaced bisphenol A in thermal paper. In: echa.europa.eu. 18. Juni 2020, abgerufen am 10. Oktober 2020 (englisch).
- ↑Y. Chen, L. Shu, Z. Qiu, D. Y. Lee, S. J. Settle et al.:Exposure to the BPA-Substitute Bisphenol S Causes Unique Alterations of Germline Function. In:PLOS Genetics.Band 12,Nr. 7, 29. Juli 2016,doi:10.1371/journal.pgen.1006223 (englisch).
- ↑Identifizierung besonders besorgniserregender Stoffe. ECHA, abgerufen am 24. September 2022.
- ↑Bisphenol A - Massenchemikalie mit unerwünschten Nebenwirkungen. Umweltbundesamt, 9. Juni 2010, abgerufen am 12. Januar 2020.
- ↑Blue4est® - das blaue Thermopapier aus dem Schwarzwald. In: koehlerpaper.com. Koehler Paper Group, abgerufen am 10. Oktober 2020.
- ↑Fragen und Antworten zur Bonpflicht. In: umweltbundesamt.de. Umweltbundesamt, 10. Januar 2020, abgerufen am 10. Oktober 2020 (AbschnittGibt es farbentwicklerfreie Thermopapiere?).
- ↑Vgl. auchPresidential Green Chemistry Awards: Learning from the Champions. (PDF) 10. Mai 2018, S. 18–21, abgerufen am 10. Oktober 2020 (englisch, Erklärung Funktionsprinzip).