Unter einemThema (engl. auchMain Idea) versteht man in derenglischsprachigenLiteraturwissenschaft den Grund- und Leitgedanken eines Textes. Das Thema gilt dort – nebenHandlung,Charakteren,Schauplatz und Stil – als grundlegender Bestandteil literarischerFiktion.[1]
In der deutschsprachigen Literaturwissenschaft, wo die Beachtung eherStoffen undMotiven gilt, hat der Begriff sich nicht durchsetzen können.[1] Gelegentlich wird hier jedoch der verwandte Begriff „Sujet“ verwendet.
Gerald Prince (A Dictionary of Narratology, 1988, S. 111) stellt eine grundsätzliche Beziehung zwischen Thema undRahmen in der Literatur her, indem er dem literarischen Thema eine Rahmenfunktion zuweist.[2]
Von literarischen Motiven unterscheiden literarische Themen sich vor allem durch ihre höhere Abstraktheit bzw. fehlende konkretere Manifestationsformen. Literarische Themen sind beispielsweiseLiebe,Inzest,Macht,Holocaust,Rache oderTod.
Allerdings ist der literaturwissenschaftliche bzw. literaturkritische Sprachgebrauch in dieser Hinsicht wenig einheitlich; so vertritt beispielsweise M.H. Abrams (A Glossary of Literary Terms, 1988) die Auffassung, dass die Begriffe Motiv und Thema häufig bedeutungsgleich verwendet werden, obwohl es nach Jeremy Hawthorne günstiger wäre, den Begriff des Themas eher im Sinne einer allgemeinen Forderung bzw. einer Doktrin zu verstehen.[3]
In derErzähltheorie taucht in neueren Veröffentlichungen daneben der Begriff der Thematik (englischthematics) auf, der teilweise auch alsSynonym verwendet wird. Die Thematik wird vor allem durch dieErzähltechnik produziert und modifiziert, bezieht sich also eher auf das Endprodukt einerErzählung in dem Sinne einer Summe aller aufgeworfenen Fragen, auf die eventuell nur einige wenige Antworten gegeben werden. Die Thematik hängt dabei nicht zwangsläufig von der bewussten oder unbewusstenIntention des Autors ab.[4]
In denVereinigten Staaten ist das literarische Thema bzw. dieMain Idea einer der zentralen Unterrichtsgegenstände, anhand derer die muttersprachlicheLesekompetenz entwickelt wird. In derMiddle School und den oberen Klassenstufen der Grundschulen war dieses Konzept bereits in den 1980er Jahren verbreitet; seit den 2000er Jahren wirdMain Idea in zunehmendem Umfang auch in den unteren Klassenstufen der Grundschulen (inNew York z. B. gegenwärtig von Klasse 1 an) gelehrt. Der Gedanke, der diesem Unterrichtskonzept zugrunde liegt, ist der, dass Texte nur verstanden werden können, wenn der Leser lernt, zwischen Details und der „größeren Idee“, die sich aus der Summe dieser Details ergibt, zu unterscheiden.[5]