Movatterモバイル変換


[0]ホーム

URL:


Zum Inhalt springen
WikipediaDie freie Enzyklopädie
Suche

Textilie

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Verschiedene Textilien (v. l. n. r.: gewobeneBaumwolle,Samt, bedruckte Baumwolle,Kattun,Filz,Satin,Seide,Sackleinen,Kunstfaser)

Der BegriffTextilien umfasst textile Rohstoffe (Naturfasern,Chemiefasern) und nichttextileRohstoffe, die durch verschiedene Verfahren zu linien-,flächenförmigen und räumlichen Gebilden verarbeitet werden.

Es sind

Bei der zusätzlichen Verwendung von nichttextilen Rohstoffen (z. B.Leder,Federn,Schuppen,Metalle) im Erzeugnis ist für eine Zurechnung zu den Textilien entscheidend, dass der textile Gesamtcharakter erhalten bleibt, die Fremdmaterialien also nur eine zusätzliche Funktion ausüben.[1]

Textilien in verschiedenen Formen gehören zu den ältestenArtefakten, die seit der Frühzeit der Menschheit hergestellt werden. Bis heute sind sie eine der wenigen Produktgruppen, die in allen Lebensbereichen der Menschen Anwendung finden. Aus diesen Gründen haben sich über Jahrtausende umfangreiche Bereiche, die sich mit Textilien beschäftigen, herausgebildet. Dazu zählen:

Terminologie

[Bearbeiten |Quelltext bearbeiten]

Textilie leitet sich vonlateinischtextile‚gewebt, gewoben‘ (Pluraltextilia‚Gewebe, Tuch, Leinwand‘), von lateinischtexereweben ab. Obwohl auf alten lateinischen Wurzeln beruhend, taucht der Begriff Textilien in den deutschsprachigen technologischen Fachbüchern und in den Wörterbüchern bis Ende des 19. Jahrhunderts nicht auf. Anfang des 20. Jahrhunderts findet man den Terminustextile Flächengebilde, die unterschieden werden in Flächengebilde aus Fasern, wie Filze undWatten, und solche aus Fäden, wie Geflechte, Gewebe, Netze und Gewirke.[2]

Ein genauer Zeitpunkt für die Einführung des Begriffs Textilien in den deutschen Sprachgebrauch ist nicht bekannt; es kann aber anhand von Literaturrecherchen davon ausgegangen werden, dass das in den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts geschah[3] und dass sich dieser Sammelbegriff ab den 1950er Jahren in der Fachliteratur (z. B.[4]) und in der Praxis etablierte, was letztendlich zur Einführung derDIN 60 000: Textilien – Grundbegriffe führte.

Synonym für Textilien wird auch der BegriffStoff für diejenigen Textilien verwendet, die als flächige textile Gebilde (z. B. Vliesstoff, Gewebe, Maschenware, Geflecht oder Nähgewirke) als Bahnen hergestellt und aufgerollt direkt in den Handel kommen oder in die Konfektionsindustrie zum Weiterverarbeiten zu Bekleidung, Heim- und Haushaltstextilien sowie technischen Textilien geliefert werden.[5]

Schon seit Hunderten Jahren hat auch der BegriffTuch eine übergreifende Bedeutung für Gewebe hauptsächlich aus Wollgarnen, aber auch aus Leinen- und Baumwollgarnen. Als Tuch bezeichnet man aber ebenfalls abgepasste flächige textile Gebilde aus verschiedenen Faserarten, die etwas bedecken oder umhüllen wie Tisch-, Hand-, Bett-, Wisch-, Kopftuch. Ebenfalls befindet sich insbesondere in historischen Darstellungen der Begriff Zeug als Sammelbegriff.

Eine fachwissenschaftliche Definition bezeichnet „Textilien als morphologisch bestimmbare, gestaltete Gefüge ausverspinnbaren, längenbegrenzten Fasern und (oder) gezogenen, endlosen Fasern, die die Verspinnbarkeit als Eigenschaft aufweisen“,[6] wobei dort auch die Zurechnung der Fasern zu den Textilien und damit die Bezeichnung Textilfasern abgelehnt wird, da dieselben Fasern auch zur Herstellung von Papier verwendet werden können. Diese Sichtweise hat sich aber in der Praxis kaum durchgesetzt.

Bestandteile von textilen Erzeugnissen

[Bearbeiten |Quelltext bearbeiten]

Hauptbestandteile aller textilenErzeugnisse sind Textilfasern, also Fasern, die sich in textilen Fertigungsverfahren verarbeiten lassen, die insbesondere verspinnbar sind. Es sind linienförmige Gebilde, d. h., das Verhältnis Länge zu Durchmesser ist wesentlich größer als 1, mit einer ausreichenden Länge sowie Bieg- und Schmiegsamkeit als Voraussetzung für ihre Verarbeitbarkeit. Der Form nach können die Fasern in Spinnfasern (Fasern begrenzter Länge) und Filamente (Endlosfasern) unterschieden werden.[7] Zu den textilen Fasern zählen auchFlockfasern, obwohl sie nicht verspinnbar sind, sowie Gummifasern,Metallfasern oder Spinnpapier, wenn diese textil verarbeitbar sind. Textilfasern sind:

Textile Erzeugnisse können aber auch nicht textile Rohstoffe beinhalten (z. B.Leder,Federn,[8]Schuppen).

Zu den weiteren Bestandteilen, die oft nur einen geringen Anteil an der Gesamtmasse einnehmen, aber für das Aussehen und die Gebrauchseigenschaften von besonderer Bedeutung sind, zählen dieFarbstoffe und die Veredlungsmittel, wie Avivagen[9] undSchlichtemittel für die Beeinflussung der Faser- und Garnverarbeitbarkeit,Knitterarmmittel, Hydrophobier- und Hydrophiliermittel, Flammschutzmittel, Beschichtungsmittel und Bindemittel.Der Handel ist verpflichtet, für Textilien, die aus mindestens 80 % Textilfasern bestehen und dem Letztverbraucher zur Verfügung gestellt werden, die Faserzusammensetzung entsprechend derVerordnung (EU) Nr. 1007/2011 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 27. September 2011,[10] die ab 8. Mai 2012 dasTextilkennzeichnungsgesetz ersetzt hat, anzugeben. Entsprechende Ausnahmen sind ebenso dort geregelt.Bedeutung für die zulässigen Bestandteile von Textilien hat auch derÖko-Tex-Standard 100,[11] der Textilien auf ihre humanökologische Unbedenklichkeit, den Schadstoffgehalt und die Gebrauchsechtheiten bewertet.Für die Beurteilung der Textilien hinsichtlich der gesundheitlichen Verträglichkeit, aber auch des Gefährdungspotentials im Brandfall oder bei der Abfallbeseitigung wird oft einSicherheitsdatenblatt angefordert, das die wichtigsten Bestandteile ausweisen muss.Textile Fertigwaren werden ebenfalls für viele Einsatzgebiete mit einerPflegekennzeichnung versehen.[12]

Herstellungsverfahren

[Bearbeiten |Quelltext bearbeiten]

Fertigungstechnisch erfolgt die Herstellung von textilen Halb- und Fertigprodukten zum überwiegenden Teil durchFügen. Das geschieht nach wie vor durch Handarbeits- und Handwerkstechniken, aber überwiegend durchindustrielle Fertigungsverfahren. Dazu werden einfache Arbeitsgegenstände wieSpinnrad, Strick- oder Häkelnadel sowieHandwebstühle, aber größtenteilsTextilmaschinen (wie Spinn-, Web- undStrickmaschinen), aber auch Aggregate der Extrusions- und Trocknungstechnik eingesetzt.

  • Beim Spinnen werden Spinnfasern über mehrere vorbereitende Verfahrensschritte zu einem Garn mit einer angestrebtenGarnfeinheit zusammengedreht, wobei die Haftreibung der Fasern und ihre Flexibilität ausgenutzt werden. Wenn einfache Garne aus Spinnfasern oder Faserfilamenten zusammengedreht werden, nennt man dieses FügeverfahrenZwirnen.
  • BeimWeben werden die Fäden zweier Fadensysteme (Kette undSchuss), die genau oder annähernd rechtwinklig zueinander stehen, nach einer bestimmten Ordnung (Gewebebindung) zu einem Gewebe verkreuzt. Die Verbindung der Fäden erfolgt vorwiegend durch Reibschluss an den Kreuzungspunkten.
  • Bei Fügeverfahren wie demWirken, demKettenwirken, demStricken,Nadelbinden und Nähwirken werden Maschen aus ineinander hängenden Schlaufen, die z. T. auch gerade Fadensysteme mit einbinden, zu einem Flächengebilde zusammengefügt. Es entstehen Gewirke, Kettengewirke, Gestricke und Nähgewirke. Insbesondere Gewirke und Gestricke sind wegen ihrer mehr formschlüssigen Verbindung gut dehnbar.
  • Flechten,Klöppeln,Häkeln undKnoten sind weitere Fügeverfahren, bei denen aus Fäden textile Flächengebilde entstehen.
  • BeimFilzen, das zu den ältesten Verfahren zur Herstellung textiler Flächengebilde gehört, werden durchWalken von Vliesen, die filzfähige Fasern (insbesondere Wolle und Haare) enthalten, die Fasern aufgrund mechanischer, thermischer und chemischer Einwirkungen miteinander verfilzt. Es entstehen Walkfilze.
  • Eines der vielfältigsten Herstellungsverfahren für textile Flächengebilde ist das Fügen von Fasern und ggf. Verfestigungsmitteln zuVliesstoffen. Zuerst erfolgt das Vlieslegen aus textilen Spinnfasern oder direkt ausextrudierten textilen Endlosfasern, z. T. auch unter Beimischung anderer faseriger Bestandteile wieZellstoff, wobei die Fasern durch ihre eigene Haftung, aber auch Formschluss zusammengehalten werden. Die Fasern können im Vlies mit einer bevorzugten Orientierung, aber auch in Wirrlage angeordnet sein. Die Fasern der Vliese werden durch Vernadeln mit Widerhakennadeln, Maschenbildung, Verwirbeln mittels Wasserstrahlen, Einwirkung von Hitze und/oder Druck, Ultraschall oder durch adhäsive und kohäsive Bindung mit Hilfe von Bindemitteln zum textilen Flächengebilde Vliesstoff verbunden.

Die meisten der durch die verschiedenen Fügeverfahren entstandenen textilen Roherzeugnisse (Halbfabrikate) werden noch verschiedenenVeredlungsverfahren unterzogen, um ein spezielles Aussehen (z. B. durchFärben undBedrucken) oder spezielle Gebrauchseigenschaften (z. B. Fleckschutz, Knitterarmut, Flammschutz) zu erhalten.Die Herstellung von textilen Fertigerzeugnissen wie Bekleidung, Heimtextilien oder technischen Textilien aus textilen Flächengebilden erfolgt zum überwiegenden Teil durchKonfektionstechniken, obwohl auch Fertigerzeugnisse komplett in einem Arbeitsgang erzeugt werden können (z. B. Strumpfhosen). Für Fertigerzeugnisse, die aus verschiedenen Teilen zusammengefügt werden sollen, werden die Teile entsprechend der angestrebten Gestalt aus den vorgelegten textilen Flächengebilden zugeschnitten und anschließend durchNähen, Schweißen oder Kleben zusammengefügt. Für andere Fertigwaren erfolgt nur ein Zuschneiden auf eine bestimmte Breite und Länge, um anschließend z. B. aufgerollt und als Rollenware wie Filterrollen ausgeliefert zu werden. Auch durch Stanz- oder Schneidtechniken können Fertigwaren aus textilen Flächengebilden hergestellt werden, z. B. Bänder, Filzteile, Medizinprodukte u. v. m.

Eigenschaften und Prüfverfahren

[Bearbeiten |Quelltext bearbeiten]

Aufgrund der mannigfachen Kombinationsmöglichkeiten der chemisch und physikalisch unterschiedlichen Faserstoffe, der Formmerkmalen der aus den Faserstoffen bestehenden Fasern und Garne und der Anordnung dieser Strukturelemente und deren Verbindung im Gefüge der textilen Erzeugnisse und die zusätzlichen Variationsmöglichkeiten durch entsprechende Veredlungsverfahren ergibt sich eine schwierig zu benennende, aber sicherlich in die Hunderttausende gehende Anzahl von spezifischen textilenMaterialien mit sehr speziellen Eigenschaften. Durch die hohe Anzahl von Kombinationsmöglichkeiten können verschiedenste Eigenschaftsprofile entsprechend der Anforderungen der Anwendungsbereiche von Textilien erzielt werden. Allein für die Vliesstoffe wurde eine Anzahl von ca. 120 000 Kombinationsmöglichkeiten und damit Materialvarianten genannt.[13]Mechanische Eigenschaften, wie Festigkeit und Dehnung bei statischer und dynamischer Beanspruchung spielen ebenso wie bei anderen Materialien auch für Textilien eine Rolle. Dazu kommen aber auch sehr textilspezifische Eigenschaften wieKnitterneigung oderScheuerbeständigkeit. Insbesondere aber ästhetische und bekleidungsphysiologische Eigenschaften sind sehr spezifisch für textile Materialien und textile Fertigerzeugnisse.Eine Besonderheit der textilen Garn- und Flächengebilde gegenüber Gebilden aus kompakten Materialien wie Metallen und Keramiken ist ihre hohePorosität, die viele Verarbeitungseigenschaften und Gebrauchseigenschaften wesentlich bestimmt.Aus diesen sehr spezifischen Eigenschaften, die zur Charakterisierung von Textilien herangezogen werden, haben sich meist sehr spezifische Prüfverfahren entwickelt.[14]

Einsatzgebiete

[Bearbeiten |Quelltext bearbeiten]

Textilien werden vielfältig benutzt. Das weitaus bekannteste Einsatzgebiet ist dieBekleidung. Darüber hinaus werden sie im Haushalt und bei der Innenraumgestaltung eingesetzt in Form vonTeppichen, Bezügen von Polstermöbeln, Vorhängen, Handtüchern,Bettwäsche, alsTischdecke oder als Putz- und Reinigungstücher. In Technik und Industrie finden sich textile Materialien etwa in derSegelei und derHebetechnik (vonTragnetzen bis zuHebebändern),Seilerei undZurrgurte überAirbags,Filter,Netze undGeotextilein: Darüber hinaus finden textile Materialien vermehrt auch in Architektur und Bauwesen Verwendung. Traditionell als Elemente temporärer Architektur wieSonnenschutzsegel,Windschirme,Baldachine,Zelte etc., aber darüber hinaus auch in derZeitgenössischen Architektur insbesondere bei Dachkonstruktionen undSeilnetz-Tragwerken.[15] Man spricht dabei vonTextiler Architektur. Im medizinischen und Hygienebereich werden Textilien bei Windeln, Taschentüchern, Krankenhaus- bzw. OP-Textilien und Verbandszeug verwendet. In jüngerer Zeit werden Textilien in Verbindung mit Harz alsfaserverstärkter Kunststoff in Segelbooten und Flugzeugen eingesetzt.

Werden Textilien für industrielle Zwecke und aufgrund anderer Eigenschaften als ihrem Aussehen verwendet, spricht man üblicherweise vonTechnischen Textilien.

Recycling von Textilien

[Bearbeiten |Quelltext bearbeiten]

Brauchbare Bekleidungstextilien, aber auch Polster oder Decken von Privaten werden über Textilsammlung via Sammelsack oder Container mit Einwurfmechanik über verschiedene, oft soziale Unternehmen gesammelt und gelangen in Secondhand-Läden, zu sozialen Kleiderausgaben, zur Katastrophenversorgung oder in den Export. Es gibt Unternehmen, die Altextilien, auch nicht mehr brauchbare zu Fasern zerreißen und aus diesen Fasern etwa Lärmschutzmatten für den Maschinen- und Automobilbau produzieren.

Mit Stand Januar 2025 wird für Österreich der Bedarf für zwei Textilrecyclingwerke eingeschätzt.[16]

Urgeschichtliche Textilnachweise

[Bearbeiten |Quelltext bearbeiten]

Jägerische Kulturen

[Bearbeiten |Quelltext bearbeiten]

Die ältesten nachweislich von Menschen verwendeten Textilfasern sind etwa 30.000 Jahre alt und stammen zum einen aus der Dzudzuana-Höhle imKaukasus (Georgien),[17] zum anderen ausDolní Věstonice undPavlov inMähren.[18][19][20] In der Dzudzuana-Höhle handelt es sich umFlachsfasern (zum Teil bereits gefärbt), bei den beidenGravettien-Fundplätzen Mährens umBrennnessel-Fasern.Neben den direkten Textilnachweisen können die sogenanntenVenusfigurinen des Gravettiens Hinweise auf Bekleidung geben, da diese auf den Oberflächen der Figuren angedeutet wird. Dabei gibt es z. B. den Rock bei derVenus von Lespugue, oft auch textil ornamentierte Gürtel, wie bei denVenusfigurinen von Kostjonki (Russland).

Etwa 19.000 Jahre alt sind die Textilnachweise vonOhalo II amSee Genezareth.[21]

AMS-Datierungen von Textilfunden aus derGuitarrero-Höhle imAnden-Hochland vonPeru ergaben im Jahre 2011 ein überraschend hohes Alter von etwa 11.000BP.[22]

Stein- und bronzezeitliche Textilien

[Bearbeiten |Quelltext bearbeiten]

Die Produktion gewebter Textilien aus Pflanzenfasern wurde während dieser Zeit mit der Entwicklung der Landwirtschaft und dem Anbau vonLein oderHanf verbunden. Eine Untersuchung der erst 2800 Jahre alten Textilien aus dembronzezeitlichenLusehøj stellt dies in Frage. Das Textil ist ausFasernesseln gemacht. Das deutet darauf hin, dass die Textilproduktion noch in der Bronzezeit auch auf der Nutzung von Wildpflanzen basierte.

DieJungsteinzeit ging einher mit derDomestizierung von Pflanzen und Tieren und der Nutzbarmachung ihrer Eigenschaften. Textilreste Mitteleuropas sind bis in die Zeit desSpätneolithikums jedoch nach wie vor nur aus Pflanzenfasern überliefert (Lein bzw.Flachsfaser,Hanf, Gehölzbast). Die bereits im 6. Jahrtausend v. Chr. in Südosteuropa (Sesklo-Kultur) und demVorderen Orient auftretendenSpinnwirtel aus gebranntem Ton belegen das Spinnen. Tönerne Spinnwirtel gibt es vereinzelt auch in der mitteleuropäischenBandkeramik. Es ist jedoch unklar, ob diese ausschließlich für die Verarbeitung von Pflanzenfasern gedient haben oder bereits auch für das Spinnen von Tierhaaren bzw.Wolle.

Die Existenz vonWebtechniken kann indirekt bereits für das 7. vorchristliche Jahrtausend bewiesen werden, da webmusterartige geometrische Wandbemalungen im türkischenTell vonÇatalhöyük stark an gewebteKelims erinnern. Von einer Bestattung in Haus VI 1 von Çatalhöyük gibt es einen verkohlten Weberest, der auf etwa 6000 v. Chr. datiert und heute imMuseum für anatolische Zivilisationen inAnkara aufbewahrt wird. Diese Reste wurden erst 2021 als Eichenbast identifiziert.[23] Ein weiterer früher Gewebefund aus dieser Region ist ausCayönü bekannt. Eindrücke von Geweben in Tonwaren aus dem 7. Jahrtausend v. Chr. liegen ausJarmo im nördlichen Irak vor. Nach einer Vermutung des GrabungsleitersJames Mellaart seien in Schicht VI des Tells von Çatalhöyük die ältesten Reste vonFilz gefunden worden.[24] Auch die ab etwa 6000 v. Chr. übliche Keramikbemalung, die sich von Anatolien über Südosteuropa (Sesklo,Karanowo-Kultur,Vinča-Kultur) bis nach Mitteleuropa (Bandkeramik) ausbreitete, weist zumeist geometrische Muster auf, wie sie für Webtechniken typisch sind. Da in Fundstellen dieser Kulturen keine tönernen Webgewichte gefunden wurden, wird die Verwendung kleiner, mobiler Webrahmen angenommen. Die älteste Abbildung eines horizontalen Webrahmens ist als Ritzzeichnung auf der Innenseite einer Keramikschale vom FundplatzBadari (Ägypten) erhalten und wird auf etwa 4400 v. Chr. datiert. Bei dem dort gezeigten Webgerät handelt es sich um einen einfachen Pflockwebstuhl.[25][26] Die Schale (Badari, Grab 3802) wird zusammen mit etwa gleich alten Leinresten im LondonerPetrie Museum of Egyptian Archaeology ausgestellt.

Erst imSpätneolithikum (ab etwa 3500 v. Chr.) kann – mit tönernenWebgewichten – für Mitteleuropa der archäologische Nachweis desGewichtswebstuhls erbracht werden. Hier ist jedoch nach wie vor unklar, ob neben pflanzlichen Fasern bereits Wolle gewebt wurde. Erste Hinweise auf Verarbeitung vonSchafwolle gibt es in Mitteleuropa bei spät- bzw.endneolithischen Kulturen (um 3000 v. Chr.), zum Beispiel in der ostbayerischenChamer Kultur. Einen Beweis für die gezielte Haltung von Wollschafen bietet die veränderte Demographie spätneolithischer Schafherden, da dort eine Zunahme älterer Hammel zu verzeichnen ist. Zu den seltenen direkten Belegen gehören Wollhaare in der französischen SeeufersiedlungClairvaux-les-Lacs (frühes 3. Jahrtausend v. Chr.) sowie Wollreste an einem endneolithischen Feuersteindolch ausWiepenkathen, einem Ortsteil vonStade.[27]

Jüngere Vorgeschichte

[Bearbeiten |Quelltext bearbeiten]

Die Nachweise von Textilien und ihrer Tragweise vermehren sich in derBronze- undEisenzeit schlagartig.[28]Baumsargfunde aus derNordischen Bronzezeit, zum Beispiel dasMädchen von Egtved, boten gute Erhaltungsbedingungen für Textilien. Aus Dänemark wurden verschiedene bronzezeitliche Wollstoffe analysiert, die von braunen und weißenSoayschafen gewonnen wurden.[29] Im prähistorischen Salzbergwerk inHallstatt sind infolge der salzhaltigen Luft viele Textilreste erhalten geblieben. Spätestens seit der frühenHallstattzeit ist die Technik desBrettchenwebens bekannt.

Exzellente Textilerhaltung gibt es beiMumien aus dem westchinesischenTarimbecken, die zwischen 1800 und 400 v. Chr. zu datieren sind. Der „Cherchen Man“, eine Tarim-Mumie aus dem 12. Jahrhundert v. Chr., trug Kniestrümpfe aus Filz, die rot, gelb und blau gestreift waren.[30]

Neue Untersuchungsmethoden lassen die Standortbestimmung der genutzten Wollschafe und damit Rückschlüsse auf den Herstellungsort von Wolltextilien und gegebenenfalls deren Handel zu. So konnte mittelsStrontiumisotopenanalyse die Herkunft der Wolle voneisenzeitlichen Textilfunden aus Dänemark ermittelt werden.[31][32]

Vorteilhafte Erhaltungsbedingungen für prähistorische Textilreste bestehen auch, wenn diese verkohlt oder zum Beispiel durch Kontakt zu Kupferartefakten mit kupferbasierten Mineralien überkrustet sind. DaKupfer das Wachstum von Bakterien und damit den biologischen Abbau hemmt, konnten durch diesen Umstand zum Beispiel Textilreste der indianischenHopewell-Kultur untersucht werden.[33]

Siehe auch

[Bearbeiten |Quelltext bearbeiten]

Literatur

[Bearbeiten |Quelltext bearbeiten]
  • Wolfgang Bobeth (Hrsg.):Textile Faserstoffe. Beschaffenheit und Eigenschaften. Springer, Berlin/Heidelberg/New York (NY) 1993,ISBN 978-3-642-77656-4.
  • Paul-August Koch, Günther Satlow:Grosses Textil-Lexikon. Fachlexikon für das gesamte Textilwesen. Deutsche Verlags-Anstalt, Stuttgart 1965, 2 Bände,DNB456821937.
  • Stefan Mecheels, Herbert Vogler, Josef Kurz:Kultur- & Industriegeschichte der Textilien. Wachter, Bönnigheim 2009,ISBN 978-3-9812485-3-1.
  • Dagmar Neuland-Kitzerow, Christine Binroth, Salwa Joram (Hrsg.):Textile Vielfalt amMuseum Europäischer Kulturen. Verlag der Kunst, Dresden 2014,ISBN 978-3-86530-202-1.
  • Karel Otavsky et al. (Hrsg.):Mittelalterliche Textilien. I. Ägypten, Persien und Mesopotamien, Spanien und Nordafrika (=Die Textilsammlung der Abegg-Stiftung. Band 1). Abegg-Stiftung, Riggisberg 1995.
  • Burkhard Wulfhorst:Textile Fertigungsverfahren. Eine Einführung. Hanser, München/Wien 1998,ISBN 3-446-19187-9.

Weblinks

[Bearbeiten |Quelltext bearbeiten]
Commons: Textilien – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Wiktionary: Textilie – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise

[Bearbeiten |Quelltext bearbeiten]
  1. Vgl. DIN 60000: Textilien. Grundbegriffe. Januar 1969.
  2. Hugo Glafey:Die Textilindustrie. Die Herstellung textiler Flächengebilde. Verlag von Quelle & Meyer, Leipzig 1913,OCLC16656416.
  3. Victor Grafe:Die Textilien. Chemische Technologie der Zellulose. 2. Halbband des II. Bandes von GrafesHandbuch der organischen Warenprüfung. C. E. Poeschel Verlag, Stuttgart 1928.
  4. Herbert Sommer, Friedrich Winkler (Hrsg.):Die Prüfung der Textilien. Springer, Berlin/Heidelberg/Göttingen 1960,ISBN 978-3-642-86981-5.
  5. Vgl. Fabia Denninger, Elke Giese:Textil- und Modelexikon. 8. Auflage.Band 2:L–Z. Deutscher Fachverlag, Frankfurt am Main 2006,ISBN 978-3-87150-848-6,S. 685. 
  6. Günter Schnegelsberg:Systematik der Textilien. Wilhelm Goldmann Verlag GmbH, München 1971,ISBN 978-3-442-65002-6, S. 67.
  7. DIN 60 001, Teil 2: Textile Faserstoffe. Faser- und Herstellungsformen. Oktober 1990.
  8. Pfauenstoff auf ecosalon.com, abgerufen am 28. März 2016
  9. Avivagen auf duden.de, abgerufen am 31. März 2016
  10. Verordnung (EU) Nr. 1007/2011 des Europäischen Parlamentes und des Rates vom 27. September 2011, abgerufen am 3. September 2012
  11. STANDARD 100 by OEKO-TEX® abgerufen am 2. Dezember 2016.
  12. Kurzfassung der Richtlinie für die Pflegekennzeichnungn von Textilien Stand: Juli 2008 (Memento vom 27. Oktober 2016 imInternet Archive) (PDF; 711 kB), abgerufen am 3. September 2012.
  13. Ulrich Hornfeck: Vortrag:Warum gibt es für viele Anwendungsbereich einen intelligenten Vliesstoff ? Hofer Vliesstofftage 2008.
  14. Ralf-Dieter Reumann:Prüfverfahren der Textil- und Bekleidungstechnik. Springer, Berlin/Heidelberg/New York 2000,ISBN 978-3-642-57073-5.
  15. englischTensile structures; vergl. Sylvie Krüger:Textile Architektur. JOVIS Verlag Berlin 2009,ISBN 978-3-86859-017-3.
  16. Textilien : Tücken bei neuen Recyclingplänen. In: orf.at. 22. Januar 2025, abgerufen am 22. Januar 2025. 
  17. Eliso Kvavadze,Ofer Bar-Yosef,Anna Belfer-Cohen, Elisabetta Boaretto, Nino Jakeli, Zinovi Matskevich & Tengiz Meshveliani:30,000-Year-Old Wild Flax Fibers. In:Science.Band 325, 11. September 2009,S. 1359,doi:10.1126/science.1175404 (englisch). 
  18. S. L. R. Mason, J. G. Hather, G. C. Hillman:Preliminary investigation of the plant macro-remains from Dolní Vestonice II, and its implications for the role of plant foods in Palaeolithic and Mesolithic Europe. In:Antiquity.Band 68, 1994,S. 48–57 (englisch). 
  19. J. M. Adovasio, O. Soffer, D. C. Hyland, B. Klíma, J. Svoboda:Textil, košíkářství a sítě v mladém paleolitu Moravy. In:Archeologické rozhledy. LI-1, 1999,S. 58–94 (tschechisch). 
  20. J. M. Adovasio, D. C. Hyland, O. Soffer:Textiles and Cordage: A Preliminary Assessment. In: J. Svoboda (Hrsg.):Pavlov I – Northwest. 1997 (englisch). 
  21. D. Nadel, A. Danin, E. Werker, T. Schick, M. E. Kislev, K. Stewart:19,000 years-old twisted fibers from Ohalo II. In:Current Anthropology.Band 35,Nr. 4, 1994,S. 451–458 (englisch). 
  22. Edward A. Jolie, Thomas F. Lynch, Phil R. Geib, J. M. Adovasio:Cordage, Textiles, and the Late Pleistocene Peopling of the Andes. In:Current Anthropology.Band 42,Nr. 2, April 2011 (englisch). 
  23. A. Rast-Eicher, S. Karg, L. Bender Jørgensen:The use of local fibres for textiles at Neolithic Çatalhöyük. In:Antiquity.Band 95,Nr. 383, 2021,S. 1129–1144,doi:10.15184/aqy.2021.89 (englisch). 
  24. E. J. W. Barber:Prehistoric textiles. The development of cloth in the Neolithic and Bronze ages with special reference to the Aegean. Princeton University Press, 1991,ISBN 0-691-03597-0,S. 215–216 (englisch). 
  25. G. Vogelsang-Eastwood:Textiles. In: P. T. Nicholson, I. Shaw (Hrsg.):Ancient Egyptian Minerals and Technology. Cambridge University Press, Cambridge 2000,ISBN 978-0-521-45257-1,S. 268–298 (englisch). 
  26. Ancient Egypt: Flax – harvest, linen production. Abgerufen am 9. Januar 2011 (englisch). 
  27. Katharina von Kurzynski:„… und ihre Hosen nennen sie bracas“. Textilfunde und Textiltechnologie der Hallstatt- und Latènezeit und ihr Kontext (= Internationale Archäologie.Band 22). VML Verlag, Espelkamp 1996,ISBN 978-3-924734-40-4,S. 20–22. 
  28. Katharina von Kurzynski:„… und ihre Hosen nennen sie bracas“. Textilfunde und Textiltechnologie der Hallstatt- und Latènezeit und ihr Kontext (= Internationale Archäologie.Band 22). VML Verlag, Espelkamp 1996,ISBN 978-3-924734-40-4. 
  29. M. L. Ryder:A re-assessment of bronze age wool. In:Journal of Archaeological Science.Band 10,Nr. 4, 1983,S. 327–331,,doi:10.1016/0305-4403(83)90070-5. 
  30. J. P. Mallory, Victor H. Mair:The Tarim Mummies. Ancient China and the Mystery of the Earliest Peoples from the West. Thames & Hudson, London 2000,ISBN 978-0-500-05101-6 (englisch). 
  31. Karin Margarita Frei, Irene Skals, Margarita Gleba, Henriette Lyngstrøm:The Huldremose Iron Age textiles, Denmark. An attempt to define their provenance applying the strontium isotope system. In:Journal of Archaeological Science.Band 36,Nr. 9, 2009,S. 1965–1971,doi:10.1016/j.jas.2009.05.007 (englisch). 
  32. Karin Margarita Frei, Ina Vanden Berghe, Robert Frei, Ulla Mannering, Henriette Lyngstrøm:Removal of natural organic dyes from wool- implications for ancient textile provenance studies. In:Journal of Archaeological Science.Band 37,Nr. 9, September 2010,S. 2136–2145,doi:10.1016/j.jas.2010.02.012 (englisch). 
  33. Hillary Mayell:Textile Fragments Provide Details of Ancient Lives. In:National Geographic News. 23. August 2004 (englisch,nationalgeographic.com [abgerufen am 16. Januar 2008]). 
Abgerufen von „https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Textilie&oldid=263194357
Kategorien:

[8]ページ先頭

©2009-2026 Movatter.jp