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Temperatur

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unterTemperatur (Begriffsklärung) aufgeführt.
Physikalische Größe
NameThermodynamische Temperatur
FormelzeichenT{\displaystyle T} (für Angaben in Kelvin)
ϑ,t{\displaystyle \vartheta ,t} (für Angaben in Grad Celsius)
Größen- und
Einheitensystem
EinheitDimension
SIK,°CΘ
PlanckPlanck-TemperaturΘ

DieTemperatur ist eine physikalischeZustandsgröße aus derThermodynamik. Sie wird mit einemThermometer in denSI-EinheitenKelvin (K) undGrad Celsius (°C) gemessen. Im Alltag ist sie mit dem Gefühl von „warm“ und „kalt“ verbunden, die gemessene Temperatur kann sich aber erheblich von dergefühlten Temperatur unterscheiden.

Bringt man zweiKörper mit unterschiedlichen Temperaturen in thermischen Kontakt, findetWärmeübertragung statt. DieWärme fließt dabei stets vom heißeren zum kälteren Körper. Dadurch nimmt die Temperaturdifferenz so lange ab, bis sich die beiden Temperaturen einander angeglichen haben. Wenn die Temperaturen gleich sind, herrschtthermisches Gleichgewicht, in dem kein Wärmeaustausch mehr stattfindet.

Die tiefste überhaupt mögliche Temperatur ist 0 K, gleichbedeutend mit −273,15 °C. Sie heißtAbsoluter Nullpunkt. Die niedrigste im Universum jemals gemessene Temperatur wurde im Jahr 2018 imBremer Fallturm derUniversität Bremen erzeugt. Sie betrug für zwei Sekunden lediglich 38 Pikokelvin (38 Billionstel Grad Celsius über dem Absoluten Nullpunkt).[1]

Diemikroskopische Deutung der Temperatur ergibt sich in derstatistischen Physik, die davon ausgeht, dass jeder materielle Stoff aus vielen Teilchen zusammengesetzt ist (meistAtome oderMoleküle), die sich in ständiger ungeordneter Bewegung befinden und eine Energie haben, die sich auskinetischer,potentieller sowie gegebenenfalls auch innererAnregungsenergie zusammensetzt. Eine Erhöhung der Temperatur verursacht eine Erhöhung der durchschnittlichen Energie der Teilchen. Im Zustand des thermischen Gleichgewichts verteilen sich die Energiewerte der einzelnen Teilchen statistisch gemäß einer Häufigkeitsverteilung, deren Form durch die Temperatur bestimmt wird (siehe – je nach Art der Teilchen –Boltzmann-Statistik,Fermi-Dirac-Statistik,Bose-Einstein-Statistik). Dieses Bild ist auch anwendbar, wenn es sich nicht um ein System materieller Teilchen, sondern umPhotonen handelt (sieheWärmestrahlung).

Imidealen Gas ist die gesamteinnere Energie allein durch diekinetische Energie aller Teilchen gegeben, wobei der Durchschnittswert pro Teilchen proportional zurAbsoluten Temperatur ist. Die TemperatureinheitKelvin ist durch Festlegung des Proportionalitätsfaktors definiert und damit direkt an die EnergieeinheitJoule angebunden. Vor derRevision des Internationalen Einheitensystems (SI) von 2019 war das Kelvin noch separat definiert.

Die Temperatur ist eineintensive Zustandsgröße. Das bedeutet, dass sie ihren Wert beibehält, wenn man den betrachteten Körper teilt. Dagegen hat dieInnere Energie alsextensive Größe die Eigenschaften einer Menge, die aufgeteilt werden kann.

Physikalische Grundlagen

Überblick

AlleGase,Flüssigkeiten und festenStoffe bestehen aus sehr kleinen Teilchen, den Atomen und Molekülen. Diese befinden sich in ständiger ungeordneter Bewegung und zwischen ihnen wirken Kräfte. Mit „ungeordnet“ meint man in diesem Zusammenhang, dass z. B. dieGeschwindigkeitsvektoren der Teilchen eines Körpers, dessenMassenmittelpunkt ruht, gleichmäßig über alle Richtungen verteilt sind und sich auch in ihrenBeträgen unterscheiden. DerMittelwert der Geschwindigkeitsbeträge hängt von der Art des Stoffes, vomAggregatzustand und vor allem von der Temperatur ab. Für gasförmige, flüssige und feste Körper gilt:Je höher die Temperatur des Körpers ist, desto größer ist die mittlere Geschwindigkeit seiner Teilchen. Allgemein gilt dies auch für alle anderen Energieformen, in denen die Teilchen Energie in ungeordneter Weise besitzen können, z. B. Drehbewegungen, Schwingungen (dazu zählen imKristallgitter der festen Körper auchGitterschwingungen der Teilchen um ihre Ruhelage). Dieser anschauliche Zusammenhang legt schon nahe, dass es eine tiefste mögliche Temperatur gibt, denabsoluten Nullpunkt, an dem sich die kleinsten Teilchen nicht stärker bewegen, als es aufgrund derquantenmechanischenUnschärferelation unvermeidlich ist (Nullpunktsenergie).

Eine bestimmte Temperatur, die im ganzen System einheitlich gilt, existiert nur, wenn das System im Zustand desthermischen Gleichgewichts ist. Systeme, die nicht im Gleichgewichtszustand sind, bestehen oft aus Teilsystemen mit jeweils eigenen Temperaturen, z. B. Leitungswasser und Eiswürfel in einem Glas, oder die Elektronen und Ionen in einem Nichtgleichgewichts-Plasma, oder die Freiheitsgrade jeweils für Translation, Rotation oder Vibration in einem expandierenden Molekülstrahl. Besteht zwischen den Teilsystemen ein thermischer Kontakt, d. h. die Möglichkeit eines Energieaustauschs in irgendeiner Form, dann strebt das Gesamtsystem durch Wärmeaustausch zwischen den Teilsystemen von selbst dem Zustand des thermischen Gleichgewichts zu.

In theoretischer Hinsicht wird die Temperatur als grundlegender Begriff durch die Eigenschaft eingeführt, dass zwei beliebige Systeme, die mit einem dritten System im thermischen Gleichgewicht stehen, dann auch untereinander im thermischen Gleichgewicht stehen. Diese Tatsache wird auch alsNullter Hauptsatz der Thermodynamik bezeichnet. Gleichheit der Temperaturen bedeutet thermisches Gleichgewicht, d. h., es findet, auch bei thermischem Kontakt, kein Wärmeaustausch statt. Dass eine einzigeZustandsgröße wie die Temperatur für die Entscheidung ausreicht, ob Gleichgewicht vorliegt oder nicht, kann aus dem nullten Hauptsatz hergeleitet werden.[2]

Die Summe aller Energien der ungeordneten Bewegungen der Teilchen eines Systems und ihrer internen potentiellen und kinetischen Energien stellt eine bestimmte Menge an Energie dar, die alsInnere Energie des Systems bezeichnet wird. Die innere Energie kann mittels einerWärmekraftmaschine zum Teil in eine geordnete Bewegung übergeführt werden und dannArbeit leisten, wenn ein zweites System mit tieferer Temperatur zur Verfügung steht. Denn nur ein Teil der inneren Energie ist zur Umwandlung in Arbeit nutzbar, während der Rest alsAbwärme an das zweite System abgegeben werden muss. Nach demZweiten Hauptsatz der Thermodynamik gibt es für diese Abwärme eine untere Schranke, die nur vom Verhältnis beider Temperaturen bestimmt ist, also durch keine Wahl der Stoffe oder der genutzten Prozesse unterschritten werden kann. Dies wurde 1848 vonLord Kelvin bemerkt und seit 1924 zur Definition derthermodynamischen Temperatur genutzt. Eine äquivalente Definition des Temperaturbegriffs ist dadurch gegeben, dass man die ZustandsgrößeEntropie als Funktion der inneren Energie ausdrückt und hiervon dieAbleitung bildet.

Fast alle physikalischen und chemischen Eigenschaften von Stoffen sind (zumindest schwach) von der Temperatur abhängig. Beispiele sind die thermische Ausdehnung von Stoffen, derelektrische Widerstand, die Löslichkeit von Stoffen in Lösungsmitteln, dieSchallgeschwindigkeit oderDruck undDichte von Gasen. Sprunghafte Veränderungen von Stoffeigenschaften treten hingegen auch bei kleinsten Veränderungen der Temperatur ein, wenn derAggregatzustand sich ändert oder ein andererPhasenübergang eintritt.

Die Temperatur beeinflusst auch dieReaktionsgeschwindigkeit von chemischen Prozessen, indem diese sich je 10 °C Temperaturerhöhung typischerweise etwa verdoppelt (van-’t-Hoff’sche Regel). Das gilt damit auch für dieStoffwechselprozesse von Lebewesen.

Ideales Gas

Hauptartikel:Ideales Gas

Das ideale Gas ist ein Modellgas, das sich gut dafür eignet, die Grundlagen der Thermodynamik und Eigenschaften der Temperatur zu entwickeln. Dem Modell zufolge sind die Teilchen des Gases punktförmig, können aber dennochelastisch gegeneinander und gegen die Gefäßwand stoßen. Ansonsten gibt es keine Wechselwirkung zwischen den Teilchen. Das ideale Gas gibt das Verhalten der einatomigenEdelgase sehr gut wieder, gilt aber auch in guter Näherung für die normale Luft, obwohl mehratomige Moleküle rotieren oder vibrieren können und daher nicht immer als punktförmige Objekte ohne innere Freiheitsgrade vereinfacht werden können.

Für das ideale Gas ist die TemperaturT{\displaystyle T} proportional zur mittleren kinetischen EnergieEkin¯{\displaystyle {\overline {E_{\mathrm {kin} }}}} der Teilchen

Ekin¯=32kBT{\displaystyle {\overline {E_{\mathrm {kin} }}}={\tfrac {3}{2}}k_{\mathrm {B} }T}

wobeikB{\displaystyle k_{\mathrm {B} }} dieBoltzmann-Konstante ist. In diesem Fall ist also die makroskopische Größe Temperatur auf sehr einfache Weise mit mikroskopischen Teilcheneigenschaften verknüpft. Mit der TeilchenzahlN{\displaystyle N} multipliziert, ergibt sich die Gesamtenergie des Gases. Außerdem gilt für das ideale Gas diethermische Zustandsgleichung, die die makroskopischen Größen Temperatur,VolumenV{\displaystyle V} undDruckp{\displaystyle p} verknüpft,

pV=NkBT{\displaystyle pV=Nk_{\mathrm {B} }T}.

Diese Gleichung wurde 2019 im Internationalen Einheitensystem zur Definitionsgleichung der Temperatur gemacht, weil sie mit der gleichzeitigen zahlenmäßigen Festlegung des Wertes der Boltzmann-Konstante außer T nur messbare Größen enthält. In der zugehörigen Messvorschrift ist berücksichtigt, dass diese Gleichung für einreales Gas nur näherungsweise erfüllt ist, im Grenzfallp0{\displaystyle p\rightarrow 0} aber exakt wird.

Da die GrößenEkin¯, p, V{\displaystyle {\overline {E_{\mathrm {kin} }}},\ p,\ V} nicht negativ werden können, kann man an diesen Gleichungen sehen, dass es einen absoluten TemperaturnullpunktT=0K (=273,15C){\displaystyle T=0\,\mathrm {K} \ (=\;-273,15\,^{\circ }\mathrm {C} )} geben muss, bei dem sich die Gasteilchen nicht mehr bewegen würden, und Druck oder Volumen des Gases Null wären. Den absoluten Nullpunkt der Temperatur gibt es wirklich, obwohl diese Herleitung nicht stichhaltig ist, weil es keinen Stoff gibt, der bisT=0K{\displaystyle T=0\,\mathrm {K} } gasförmig bliebe. Immerhin aber istHelium unter Atmosphärendruck noch bei Temperaturen von wenigen K ein fast ideales Gas.

Temperatur, Wärme und thermische Energie

Manchmal werden die Größen Temperatur, Wärme undthermische Energie miteinander verwechselt. Es handelt sich jedoch um verschiedene Größen. Die Temperatur und die thermische Energie beschreiben den Zustandeines Systems, wobei die Temperatur eine intensive Größe ist, die thermische Energie (die verschiedene Bedeutungen haben kann) jedoch oftmals eine extensive Größe. Bei idealen Gasen ist die Temperatur ein direktes Maß für denMittelwert der kinetischen Energie der Teilchen. Die thermische Energie in ihrer makroskopischen Bedeutung ist gleich derinneren Energie, also der dieSumme aller kinetischen, potentiellen und Anregungs-Energien der Teilchen.

Wärme hingegen charakterisiert als physikalischer Begriff nicht einen einzelnen Systemzustand, sondern einen Prozess, der von einem Systemzustand zu einem anderen führt. Wärme ist die dabei erfolgte Änderung der inneren Energie abzüglich der eventuell geleisteten Arbeit (sieheErster Hauptsatz der Thermodynamik). Geht man umgekehrt von einer bestimmten Menge abgegebener oder aufgenommener Wärme aus, dann kann der Prozess je nach der Prozessführung (z. B.isobar,isochor oderisotherm) zu unterschiedlichen Endzuständen mit unterschiedlichen Temperaturen führen.

Temperaturausgleich

Stehen zwei Systeme mit unterschiedlichen TemperaturenT1,T2{\displaystyle T_{1},\;T_{2}} in einer Verbindung, die den Wärmeübertrag ermöglicht (thermischer Kontakt oderdiabatische Verbindung), dann fließt Wärme vom heißeren zum kälteren System und beide Temperaturen nähern sich derselben GleichgewichtstemperaturTG{\displaystyle T_{G}} an. Wenn dabei keinePhasenübergänge oderchemische Reaktionen stattfinden, liegtTG{\displaystyle T_{G}} zwischen den Anfangstemperaturen.TG{\displaystyle T_{G}} ist dann ein gewichtetes Mittel ausT1{\displaystyle T_{1}} undT2{\displaystyle T_{2}}, wobei dieWärmekapazitätenC1,C2{\displaystyle C_{1},\;C_{2}} der beiden Systeme (sofern diese hinreichend konstant sind) als Gewichtsfaktoren wirken. Das gleiche Endergebnis tritt auch ein, wenn zwei Flüssigkeiten oder zwei Gase miteinander vermischt werden (Mischungstemperatur), z. B. heißes und kaltes Wasser. Treten Phasenübergänge auf, kann die Gleichgewichtstemperatur auch gleich einer der beiden Anfangstemperaturen sein, z. B. 0 °C beim Abkühlen eines warmen Getränks mit unnötig vielen Eiswürfeln von 0 °C. Bei chemischen Reaktionen kann die Endtemperatur auch außerhalb des Bereichs[T1,T2]{\displaystyle [T_{1},\,T_{2}]} liegen, z. B. beiKältemischungen darunter, beiVerbrennung darüber.

Temperatur in der Relativitätstheorie

Hauptartikel:Relativistische Thermodynamik

Ein thermodynamisches Gleichgewicht gilt zunächst im gemeinsamen Ruhesystem beider Körper. Im Sinne der speziellen Relativitätstheorie ist ein System im thermodynamischen Gleichgewicht daher außer durch die Temperatur auch durch ein Ruhesystem charakterisiert. Thermodynamische Gleichungen sind aber nicht invariant unter Lorentztransformationen. Eine konkrete Frage wäre z. B., welche Temperatur von einem bewegten Beobachter gemessen wird. DieRotverschiebung derWärmestrahlung etwa verschiebt die Frequenzen imPlanckschen Strahlungsgesetz im Verhältnisv/c{\displaystyle \approx v/c} und lässt damit einen strahlenden Körper kälter erscheinen, wenn man sich mit Geschwindigkeitv{\displaystyle v} von ihm weg bewegt. Im Prinzip tritt das gleiche Problem auch schon auf, wenn heißes Wasser durch ein zunächst kaltes Rohr strömt.

Die Temperatur wird als zeitartiger Vierervektor dargestellt. Im Ruhesystem sind also die drei Ortskoordinaten0{\displaystyle 0} und die Zeitkoordinate ist die übliche Temperatur. Zu einem bewegten System muss man mittels der Lorentz-Transformation umrechnen. Es ist allerdings im Kontext der Zustandsgleichungen günstiger und daher auch üblicher, die inverse Temperatur, genauerβ=1kBT{\displaystyle \beta ={\tfrac {1}{k_{\mathrm {B} }T}}}, als zeitartigen Vierervektor darzustellen.

Zur Begründung betrachte man den 1. Hauptsatz, für reversible Prozesse in der Form[Anm. 1]

dS=1TdU+1TPdV{\displaystyle \mathrm {d} S={\frac {1}{T}}\mathrm {d} U+{\frac {1}{T}}P\,\mathrm {d} V},

und beachte, dass die EnergieE{\displaystyle E} eines bewegten Systems um die kinetische Energie größer ist als seine innere EnergieU{\displaystyle U}, beiv/c1{\displaystyle v/c\ll 1} also näherungsweise

E=U+Mv22{\displaystyle E=U+{\frac {Mv^{2}}{2}}}

wobeiv{\displaystyle v} die dreidimensionale Geschwindigkeit ist. Daher ist

dU=dEvdv{\displaystyle \mathrm {d} U=\mathrm {d} E-v\,\mathrm {d} v} und
dS=1TdE1Tvdv+1TPdV{\displaystyle \mathrm {d} S={\frac {1}{T}}\mathrm {d} E-{\frac {1}{T}}v\,\mathrm {d} v+{\frac {1}{T}}P\,\mathrm {d} V},

in 4-dimensionaler Schreibweise also gleich

dS=θμdpμ+1TPdV{\displaystyle \mathrm {d} S=-\theta _{\mu }\mathrm {d} \mathbf {p} ^{\mu }+{\frac {1}{T}}P\,\mathrm {d} V},

wennpμ=(E/c,p){\displaystyle \mathbf {p} _{\mu }=(E/c,{\vec {p}})} (mit dem räumlichen Impulsvektorp{\displaystyle {\vec {p}}}) der Viererimpuls undθμ=(c/T,v/T){\displaystyle \mathbf {\theta } _{\mu }=(-c/T,{\vec {v}}/T)} die inverse Vierertemperatur ist.

In der allgemeinen Relativitätstheorie ist die Raumzeit gekrümmt, so dass im Allgemeinen der thermodynamische Limes nicht wohldefiniert ist. Wenn die Metrik der Raumzeit zeitunabhängig, also statisch, ist, kann allerdings ein globaler Temperaturbegriff definiert werden. Im allgemeinen Fall einer zeitabhängigen Metrik, wie sie beispielsweise Grundlage der Beschreibung des expandierenden Universums ist, können Zustandsgrößen wie die Temperatur nur lokal definiert werden. Ein verbreitetes Kriterium dafür, dass ein System zumindest lokal thermisch ist, ist, dass die Phasenraumdichte dieBoltzmann-Gleichung ohne Streuung erfüllt.

Temperatur in der Quantenphysik

Im Bereich der Quantenphysik kann man die Temperatur nur dann, wenn sie „genügend hoch“ ist, mit einer ungeordneten Teilchenbewegung beschreiben, in der alle möglichen Energieformen vorkommen. „Genügend hoch“ bedeutet dabei, dass die EnergiekBT{\displaystyle k_{\mathrm {B} }T} groß ist gegenüber den typischen Abständen der Energieniveaus der einzelnen Teilchen im gegebenen System. Beispielsweise ist bei zweiatomigen Gasen wie N2, O2 dieMolekülrotation schon bei Raumtemperatur voll angeregt, doch muss die Temperatur weit über 1000 K sein, damit auch dieMolekülschwingungen mit angeregt werden. Bei H2-Molekülen erfordert auch die Anregung der Rotation Temperaturen über einigen 100 K. Freiheitsgrade, die bei tieferen Temperaturen nicht an der Wärmebewegung teilnehmen, werden alseingefroren bezeichnet, siehe auchFreiheitsgrad#Thermodynamik und statistische Mechanik. Das drückt sich z. B. deutlich in der Temperaturabhängigkeit derspezifischen Wärme aus.

Die theoretische Behandlung der Thermodynamik erfolgt in der Quantenphysik ausschließlich mit den Methoden derStatistischen Physik (sieheQuantenstatistik,Vielteilchentheorie). Darin tritt die Temperatur genau wie in der klassischen statistischen Physik im Exponenten der Boltzmann-Verteilung auf und bestimmt damit die Form der Häufigkeitsverteilung, mit der die Teilchen die verschiedenen Energiezustände einnehmen.

Temperaturempfinden und Wärmeübertragung

Stehen zwei Körper unterschiedlicher Temperatur in Wärmekontakt, so wird nach demnullten Hauptsatz der Thermodynamik solangeEnergie vom wärmeren zum kälteren Körper übertragen, bis beide die gleiche Temperatur angenommen haben und damit imthermischen Gleichgewicht stehen. Dabei kann es zwischen den beiden Seiten derGrenzfläche zunächstTemperatursprünge geben. Es gibt drei Möglichkeiten derWärmeübertragung:

Der Mensch kann mit der Haut nur Temperaturen im Bereich zwischen etwa 5 °C und 40 °C fühlen. Da dieThermorezeptoren in der Haut liegen, wird nicht die Temperatur eines berührten Gegenstands wahrgenommen, sondern die Temperatur am Ort der Rezeptoren, die je nach Stärke desWärmestroms durch die Hautoberfläche variiert (gefühlte Temperatur). Dieses hat für das Temperaturempfinden einige Konsequenzen:

  • Temperaturen oberhalb derOberflächentemperatur der Haut fühlen sich warm an, solche unterhalb empfinden wir als kalt
  • Materialien mit hoherWärmeleitfähigkeit, wie Metalle, führen zu höheren Wärmeströmen und fühlen sich deshalb wärmer beziehungsweise kälter an als Materialien mit niedrigerer Wärmeleitfähigkeit, wie Holz oderPolystyrol
  • Die gefühlte Lufttemperatur ist beiWind niedriger als bei Windstille (bei extrem heißem Wetter umgekehrt). Der Effekt wird bei Temperaturen < 10 °C durch denWindchill und bei höheren Temperaturen durch denHitzeindex beschrieben.
  • Ein leicht beheizter, gefliester Fußboden kann mit den nackten Füßen als angenehm warm, mit den Händen berührt hingegen als kühl empfunden werden. Dies ist der Fall, wenn die Hauttemperatur an Händen höher ist als an den Füßen und die Temperatur des Fußbodens dazwischen liegt.
  • Die Hautempfindung kann Lufttemperatur von überlagerterWärmestrahlung nicht unterscheiden. Das Gleiche gilt im Allgemeinen für Thermometer; deshalb müssen z. B.Lufttemperaturen immer im Schatten gemessen werden
  • Lauwarmes Wasser wird von den beiden Händen als unterschiedlich wahrgenommen, wenn man sie vorher eine Zeitlang in heißes bzw. kaltes Wasser gehalten hatte.

Auch in vielen technischen Zusammenhängen ist nicht die Temperatur entscheidend, sondern der Wärmestrom. Zum Beispiel hat die Atmosphäre der Erde in einem Bereich oberhalb 1000 km (Thermosphäre) Temperaturen von mehr als 1000 °C; im äußeren Sonnensystem, an derRandstoßwelle derHeliosphäre werden sogar Temperaturen von 105 K erreicht. Dennoch schmelzen oder verdampfen dort keine Satelliten oder Raumsonden, denn auf Grund der geringen Teilchendichte ist der Energieübertrag minimal.

Definitionen der Temperatur

Der Temperaturbegriff entwickelte sich erst spät, nicht nur weil eine klare konzeptuelle Trennung zwischen Temperatur als intensiver Messgröße und Wärme als extensiver Größe fehlte, sondern auch weil es bis in die Frühe Neuzeit hinein keine Instrumente gab, mit denen man die Temperatur verlässlich hätte messen können.[3][4]

Die formalen Eigenschaften der Temperatur werden in der makroskopischen klassischenThermodynamik behandelt. Die Temperatur leitet sich von den beiden ZustandsgrößenInnere EnergieU{\displaystyle U} undEntropieS{\displaystyle S} ab:

T=dUdS{\displaystyle T={\frac {\mathrm {d} U}{\mathrm {d} S}}}

Beim idealen Gas z. B. erfüllt die durch die Zustandsgleichung definierte GastemperaturT=pVNkB{\displaystyle T={\frac {pV}{Nk_{\mathrm {B} }}}} diese Bedingung.

Die statistische Interpretation der Entropie lautet nachBoltzmann:

S=kBlnΩ{\displaystyle S=k_{\mathrm {B} }\ln \Omega }

und daher die der Temperatur:

T=1kB(lnΩU)1{\displaystyle T={\frac {1}{k_{\mathrm {B} }}}\left({\frac {\partial \ln {\Omega }}{\partial U}}\right)^{-1}}

Hierbei bedeuten:

Die gleiche physikalische GrößeT{\displaystyle T} ergibt sich, wenn die wahrscheinlichste Verteilung der Teilchen eines (klassischen) Systems über die verschiedenen möglichen Energien aller möglichen Zustände eines einzelnen Teilchens bestimmt wird. Die Zustände zu einer gegebenen EnergieE{\displaystyle E} sind mit einer Wahrscheinlichkeit W besetzt, die proportional zumBoltzmann-FaktoreEkBT{\displaystyle \mathrm {e} ^{-{\frac {E}{k_{\mathrm {B} }T}}}} ist.

Aus dieser Boltzmann-Verteilung folgen u. a. dieMaxwell-Boltzmann-Verteilung der Molekülgeschwindigkeiten in einem Gas sowie derGleichverteilungssatz der Energie über alle Freiheitsgrade der Teilchen.

Negative Temperatur

Hauptartikel:Negative Temperatur

Der Temperaturbegriff lässt sich erweitern, so dass sich auch negative Temperaturen definieren lassen.[5][6]

Ein System, das makroskopisch im thermischen Gleichgewicht erscheint, also eine einheitliche Temperatur hat, besteht mikroskopisch gesehen aus Teilchen, die nicht alle die gleiche Energie haben. Tatsächlich tauschen diese Teilchen durch Stöße ständig untereinander Energie aus, so dass sie auf Zustände mit unterschiedlichen Energien verteilt sind (Boltzmann-Statistik) und sich z. B. eineMaxwellsche Geschwindigkeitsverteilung einstellt. Wie eingangs bereits beschrieben, bemisst die Temperatur die über alle Teilchen gemittelte Energie. Diese Verteilung ist nicht gleichmäßig, sondern häuft sich (bei positiven Temperaturen) bei geringen Energien, während nur wenige Teilchen sehr viel Energie haben. Zu steigenden Energien hin zeigt sich eine exponentielle Abnahme der Häufigkeit. Erhöht man die Temperatur, so gleichen sich die unterschiedlichen Häufigkeiten immer mehr an, im hypothetischen Grenzfall der unendlichen Temperatur wären in jedem Energiezustand die gleiche Anzahl von Teilchen.

Die Erweiterung des Temperaturbegriffs geht nun davon aus, dass die Energieverteilung der Teilchen so geändert wird, dass die höheren Energieklassen stärker besetzt sein können als die niedrigen (Besetzungsumkehr, Inversion). Dies würde sich in der Gleichung der Boltzmann-Statistik formal als negative Temperatur ausdrücken.

Inzwischen ist es gelungen, entsprechende Gase mit negativer Temperatur unter Laborbedingungen herzustellen.[7][8] Ebenso kann man dieBesetzungsinversion imaktiven Medium einesLasers als Zustand negativer Temperatur auffassen.

Der Zustand negativer Temperatur ist allerdings instabil. Die Energie aus einem solchen System würde bei Kontakt mit einem Körper beliebiger positiver Temperatur an diesen abfließen. Insofern muss man also sagen, dass ein Körper mit negativer Temperatur heißer ist als jeder Körper mit positiver Temperatur.

Messung

Messung durch thermischen Kontakt

Temperaturmessung bei der Stahlschmelze

Die Temperaturmessung erfolgt hierbei mit Hilfe vonThermometern oderTemperatursensoren. Das Herstellen eines thermischen Kontaktes erfordert ausreichendeWärmeleitung, Konvektion oder ein Strahlungsgleichgewicht zwischen Messobjekt (Festkörper, Flüssigkeit, Gas) und Sensor. DieMessgenauigkeit kann z. B. durch nicht ausgeglichene Wärmestrahlungs-Bilanz, Luftbewegungen oder durch Wärmeableitung entlang des Sensors beeinträchtigt sein. Die Messgenauigkeit wird theoretisch durch die zufälligeBrownsche Molekularbewegung begrenzt.

Die Temperaturerfassung durch Wärmekontakt kann in vier Methoden unterteilt werden:

  1. mechanische Erfassung durch Ausnutzen der unterschiedlichen thermischenAusdehnungskoeffizienten von Materialien mittels
  2. Messen elektrischer Größen
  3. Zeit- bzw. Frequenzmessung
    • Die temperaturabhängige Differenzfrequenz verschieden geschnittenerSchwingquarze ist langzeitstabil und mit hoher Auflösung zu messen.
    • Die temperaturabhängige Abklingrate derFluoreszenz eines Leuchtstoffes kann über eine optische Faser gemessen werden.
    • Diefaseroptische Temperaturmessung nutzt denRaman-Effekt in Lichtwellenleitern zur ortsaufgelösten Messung der absoluten Temperatur über die gesamte Länge der Faser.
  4. indirekte Messung über temperaturabhängige Zustandsänderungen von Materialien
    • Seger-Kegel (Formkörper, die ihreFestigkeit und dadurch ihre Kontur bei einer bestimmten Temperatur ändern)
    • Temperaturmessfarben (auch thermochromatische Farben; Farbumschlag bei einer bestimmten Temperatur)
    • Beobachten des Erweichens, Schmelzens, Glühens oder derAnlauffarben

Messung anhand der Wärmestrahlung

Thermografisches Bild eines heißen Kaffeebechers (Falschfarbendarstellung)

Die Temperatur einer Oberfläche kann berührungslos durch Messung derWärmestrahlung bestimmt werden, sofern derEmissionsgrad und die Reflexion der Umgebungsstrahlung ausreichend genau bekannt sind. Die Messung erfolgt z. B. mit einemPyrometer oder mit einerThermografie-Kamera.

Je nach Temperatur kommen dabei verschiedene Wellenlängenbereiche in Frage (siehe hierzuStefan-Boltzmann-Gesetz oderWiensches Verschiebungsgesetz). Bei niedrigen Temperaturen kommenBolometer,Mikrobolometer oder gekühlte Halbleiterdetektoren in Frage, bei hohen Temperaturen werden ungekühlteFotodioden oder auch der visuelle Vergleich der Intensität und Farbe des Glühens angewendet (Wolframfaden-Pyrometer,Glühfarben).

In der Abbildung ist eineThermografie zu sehen; hierbei wird eineFalschfarbendarstellung der Strahlungsemission im Mittleren Infrarot (ca. 5…10 μm Wellenlänge) erzeugt, die sich durchKalibrierung in Form einer Farbskala an die Temperaturskala koppeln lässt. Links im Bild ist die Spiegelung der Strahlung des heißen Bechers zu erkennen.

Messfehler entstehen hierbei wie auch bei Pyrometern durch

  • unterschiedliche bzw. unbekannte Emissionsgrade der Messobjekte
  • Reflexionen von Fremdstrahlung an glatten Oberflächen
  • Eigenstrahlung der Luft zwischen Objekt und Sensor

Bei Minimierung aller störenden Einflüsse sind Messgenauigkeiten bzw. Kontraste bis herab zu Temperaturdifferenzen von 0,01 K möglich.

Die berührungslose Temperaturmessung anhand der Wärmestrahlung wird auch bei derFernerkundung und zur Bestimmung derOberflächentemperatur vonSternen angewendet, sofern die Eigenstrahlung der Lufthülle gering genug ist. IR-Teleskope sind deshalb nur auf hohen Bergen sinnvoll.

Siehe hierzu auchMessgeräte,Messtechnik,Messung undKategorie Temperaturmessung

Temperaturskalen und ihre Einheiten

Empirische Skalen

Eineempirische Temperaturskala ist eine willkürliche Festlegung der Größenordnung der Temperatur und gestattet die Angabe der Temperatur in Bezug zu einem Vergleichswert.

Es gibt zwei Methoden, eine Skala zu definieren:

Nach der ersten Methode werden zweiFixpunkte festgelegt. Diese Fixpunkte sind zweckmäßigerweise in der Natur vorkommende und durch Experimente reproduzierbare Werte. Der Abstand zwischen den Fixpunkten wird dann anhand einer temperaturabhängigen Stoff- oder Prozesseigenschaft gleichmäßig aufgeteilt. Eine Stoffeigenschaft ist z. B. der Schmelzpunkt von gefrorenem Wasser. Ein Beispiel für eine Prozesseigenschaft ist die Winkeländerung des Zeigers bei einemBimetallthermometer.

Anders Celsius wählte zum Beispiel für seine Skala den Siedepunkt und denSchmelzpunkt von Wasser bei Normaldruck als Fixpunkte und teilte die Volumenänderung von Quecksilber zwischen diesen Punkten in 100 gleiche Teile auf (bei 0 siedete Wasser und bei 100 schmolz es; nach Anders’ Tod wurde die Skala invertiert).Daniel Fahrenheit wählte dagegen als Fixpunkte die Temperatur einer Kältemischung und die Körpertemperatur des Menschen. Dies sind beides Skalen basierend auf Stoffeigenschaften.

René-Antoine Ferchault de Réaumurs Thermometer basierte auf der Ausdehnung von Alkohol (Ethanol). Siehe auchRéaumur-Skala.

Bei der Methode nach der Prozesseigenschaft genügt ein Fixpunkt, der wie zuvor durch eine Stoffeigenschaft definiert wird, und zusätzlich eine temperaturabhängige Stoffeigenschaft. Man könnte z. B. eine bestimmte relative Volumenänderung von Quecksilber als „ein Grad“ definieren und dann, ausgehend vom Fixpunkt, Skalenstrich für Skalenstrich anzeichnen.

Eine Idee für eine Skala nach der zweiten Methode stammt vonRudolf Plank. Sie orientiert sich an der Volumenänderung von Gasen bei konstantem Druck. Als Fixpunkt dient wieder der Schmelzpunkt von Wasser. Die Einheit ist der Temperaturunterschied, der einer Volumenänderung um den Faktor (1 + 1/273,15) entspricht. Eine solche logarithmische Temperaturskala erstreckt sich von minus Unendlich bis plus Unendlich. Es ist keinabsoluter Nullpunkt erforderlich, der jadefinitionsgemäß gar nicht erreicht werden kann.

Die bekanntesten Temperaturskalen mit ihren verschiedenen Charakteristika sind weiter unten tabellarisch dargestellt. Die heute gültige Temperaturskala ist die „International Temperature Scale of 1990“ (ITS-90). Die Festlegung der Einheiten über bestimmte spezifische Messpunkte ist im Mai 2019 aufgehoben worden, siehe Tabelle.

Skalen mit SI-Einheit

Thermodynamische Temperatur

Seit 1924 gilt dieThermodynamische Definition der Temperatur mithilfe des2. Hauptsatzes, die das Verhältnis zweier Temperaturen aus dem Verhältnis zweier Energien bestimmt. Die Existenz einer solchen absoluten und substanzunabhängigen Temperaturskala folgt aus demWirkungsgrad desCarnot-Prozesses. Denn für den Wirkungsgradη{\displaystyle \eta } jederWärmekraftmaschine, die zwischen zwei Wärmereservoirs mit den TemperaturenTk{\displaystyle T_{k}} undTw{\displaystyle T_{w}} periodisch und reversibel arbeitet, gilt:

η=1TkTw{\displaystyle \eta =1-{\frac {T_{k}}{T_{w}}}}

Der Nullpunkt der Skala liegt beimabsoluten Nullpunkt. Die Temperatureinheit Kelvin wurde zunächst über einen zweiten Skalenpunkt festgelegt, indem für die Temperatur eines wohldefinierten Zustands von Wasser (Tripelpunkt) ein Zahlenwert (273,16) gewählt wurde. Seit Mai 2019 ist die Temperatureinheit, jetzt wieder mit Rückgriff auf die Zustandsgleichung des idealen Gases, durch die zahlenmäßige Festlegung derBoltzmann-Konstante an die EnergieeinheitJoule angeschlossen: 1 K ist diejenige Temperaturänderung, die die EnergiekBT{\displaystyle k_{\mathrm {B} }\,T} um1.380649e-23 J erhöht.[9]

Danach hat derTripelpunkt von Wasser keine definierende Bedeutung mehr, sondern ist ein zu bestimmender Messwert.

Celsius-Temperatur

Da die Celsius-Skala im Alltag sehr verbreitet ist, wurde imInternationalen Einheitensystem (SI) zusätzlich die GrößeCelsius-Temperatur (Formelzeichent{\displaystyle t} oder auchϑ{\displaystyle \vartheta }) mit derabgeleiteten SI-EinheitGrad Celsius (°C) definiert. Nach ihrer modernen Definition gibt sie nicht mehr dieempirische Temperatur der historischen Celsius-Skala an, sondern ist die thermodynamische Temperatur der Kelvin-Skala, verschoben um 273,15 K:

tC=TK273,15{\displaystyle {\frac {t}{^{\circ }\mathrm {C} }}={\frac {T}{\mathrm {K} }}-273{,}15}.

Für Temperaturdifferenzen ist das Grad Celsius also identisch mit dem Kelvin. Temperaturdifferenzen sollen generell in K angegeben werden, wobei die Differenz zweier Celsius-Temperaturen auch in °C angegeben werden kann.[10][11] Der Zahlenwert ist in beiden Fällen derselbe.

Skalen ohne SI-Einheit

In denUSA ist die Fahrenheit-Skala mit der EinheitGrad Fahrenheit (Einheitenzeichen: °F) immer noch sehr gebräuchlich. Die absolute Temperatur auf Fahrenheit-Basis wird mitGrad Rankine (Einheitenzeichen: °Ra) bezeichnet. Die Rankine-Skala hat den Nullpunkt wie die Kelvin-Skala beim absoluten Temperaturnullpunkt, im Gegensatz zu dieser jedoch die Skalenabstände der Fahrenheit-Skala. Beide Skalen werden heute über eine per Definition exakte Umrechnungsformel zum Kelvin definiert.[12]

Überblick über historische und moderne Temperaturskalen

Übersicht über die klassischen Temperaturskalen
EinheitEinheiten­zeichenuntererFixpunkt F1oberer Fixpunkt F2Wert der EinheitErfinderJahr der Ent­ste­hungVerbrei­tungs­gebiet
KelvinKAbsoluter Nullpunkt,
T0 = 0 K
ohne Fixpunkt1K=1,3806491023JkB{\displaystyle 1\,\mathrm {K} =1{,}380\,649\cdot 10^{-23}{\frac {\mathrm {J} }{k_{\mathrm {B} }}}}2019weltweit
(SI-Einheit)
TTri(H2O) = 273,16 K[Anm 1]F2F1273,16{\displaystyle {\frac {F_{2}-F_{1}}{273{,}16}}}1948
1K=def1C{\displaystyle 1\,\mathrm {K} \;{\stackrel {\mathrm {def} }{=}}\;1\,^{\circ }\mathrm {C} }William Thomson Baron Kelvin1848
Grad Celsius°C0 °C = 273,15 KKopplung an Kelvin1C=def1K{\displaystyle 1\,^{\circ }\mathrm {C} \;{\stackrel {\mathrm {def} }{=}}\;1\,\mathrm {K} }1948weltweit (abgelei­tete SI-Einheit)
TSchm(H2O) = 0 °CTSied(H2O) = 100 °CF2F1100{\displaystyle {\frac {F_{2}-F_{1}}{100}}}Anders Celsius1742
Grad Fahrenheit°F32 °F = 273,15 KKopplung an Kelvin1,80F=def1K{\displaystyle 1{,}80\,^{\circ }\mathrm {F} \;{\stackrel {\mathrm {def} }{=}}\;1\,\mathrm {K} }1948USA
TSchm(H2O) = 32 °FTSied(H2O) = 212 °FF2F1180{\displaystyle {\frac {F_{2}-F_{1}}{180}}}1893
TKältem. = 0 °F,
TMensch = 96 °F,[Anm 2]F2F196{\displaystyle {\frac {F_{2}-F_{1}}{96}}}Daniel Fahrenheit1714
GradRankine°Ra, °RT0 = 0 °RaJetzt Kopplung an Kelvin1Ra=def1F{\displaystyle 1\,^{\circ }\mathrm {Ra} \;{\stackrel {\mathrm {def} }{=}}\;1\,^{\circ }\mathrm {F} }William Rankine1859USA
GradDelisle°De, °DTSchm(H2O) = 150 °DeTSied(H2O) = 0 °DeF1F2150{\displaystyle {\frac {F_{1}-F_{2}}{150}}}Joseph-Nicolas Delisle1732Russland (19. Jhd.)
GradRéaumur°Ré, °Re, °RTSchm(H2O) = 0 °RéTSied(H2O) = 80 °RéF2F180{\displaystyle {\frac {F_{2}-F_{1}}{80}}}René-Antoine Ferchault de Réaumur1730Westeuropa bis Ende 19. Jhd.
GradNewton°NTSchm(H2O) = 0 °NTSied(H2O) = 33 °NF2F133{\displaystyle {\frac {F_{2}-F_{1}}{33}}}Isaac Newton≈ 1700keines
GradRømer°RøTSchm(Lake) = 0 °Rø[Anm 3]TSied(H2O) = 60 °RøF2F160{\displaystyle {\frac {F_{2}-F_{1}}{60}}}Ole Rømer1701keines
Anmerkungen zur Tabelle:
  1. TTri(H2O) liegt seit der Neudefinition im Mai 2019 bei 273,16 K mit einer relativen Unsicherheit von 3,7·10−7 lautLe Système international d’unités. 9e édition, 2019 (die sogenannte „SI-Broschüre“, französisch und englisch), S. 21 und 133.
  2. Ursprünglich genutzt wurde die Temperatur einerKältemischung von Eis, Wasser und Salmiak oder Seesalz (−17,8 °C) und die vermeintliche „Körpertemperatur eines gesunden Menschen“ (35,6 °C)
  3. Genutzt wurde die Schmelztemperatur einerSalzlake (−14,3 °C).
Ursprünglich verwendete Fixpunkte gebräuchlicher Temperaturskalen
Kelvin°Celsius°Fahrenheit°Rankine
Siedepunkt des Wassers beiNormaldruck 373,150 K100,000 °C212,000 °F671,670 °Ra
Körpertemperatur des Menschen“ nach Fahrenheit308,705 K35,555 °C96,000 °F555,670 °Ra
Tripelpunkt des Wassers273,160 K0,010 °C32,018 °F491,688 °Ra
Gefrierpunkt des Wassers bei Normaldruck273,150 K0,000 °C32,000 °F491,670 °Ra
Kältemischung aus Wasser, Eis undNH4Cl255,372 K−17,777 °C0,000 °F459,670 °Ra
absoluter Nullpunkt0 K−273,150 °C−459,670 °F0 °Ra

Die Fixpunkte, mit denen die Skalen ursprünglich definiert wurden, sind farblich hervorgehoben und exakt in die anderen Skalen umgerechnet. Heute haben sie ihre Rolle als Fixpunkte verloren und gelten nur noch näherungsweise. Allein der absolute Nullpunkt hat weiterhin exakt die angegebenen Werte.Temperaturbeispiele sieheGrößenordnung (Temperatur).

Logarithmische Skala

John Dalton erwog gegen 1800 eine Temperaturdefinition, die beim idealen Gas eine exponentielle Temperaturabhängigkeit des Volumens (bei konstantem Druck) bedeutet hätte. Dies würde unterhalb eines beliebig gewählten Bezugspunkts negative Temperaturwerte bis{\displaystyle -\infty } ergeben und dem Logarithmus der absoluten Temperatur entsprechen.[13]

Kelvin diskutierte 1848 eine logarithmische Skala.[14]

Rudolf Plank griff Kelvins Idee um 1950 im „Handbuch der Kältetechnik“ auf und empfahl eine logarithmische Temperaturskala. Sein Motiv war, mit der nach unten unbeschränkten logarithmischen Skala den zunehmenden apparativen Aufwand beim Annähern an den absoluten Nullpunkt anschaulich zu machen:

„[…] Wenn man jetzt das Magnetfeld plötzlich entfernt, so tritt derthermomagnetische Abkühlungseffekt ein. Auf diese Weise wurde mit Kaliumchromalaun eine Temperatur von 0,05 K erzielt. Im Jahre 1935 ist man sogar bereits zu 0,005 K vorgedrungen. […] Um den erreichten Fortschritt richtig zu beurteilen, müßte man eigentlich dielogarithmische Temperaturskala, wie sie von Lord Kelvin vorgeschlagen worden ist, anwenden. Demnach würde eine Senkung von 100 K auf 10 K dieselbe Bedeutung zukommen, wie […] von 1 K auf 0,1 K.“[15]

Siehe auch

Weblinks

Commons: Temperatur – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Wiktionary: Temperatur – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Anmerkungen

  1. Der Druck wird hier mit dem SymbolP bezeichnet, um Verwechslung mit dem Impuls zu vermeiden.

Einzelnachweise

  1. C. Deppner et al.:Collective-Mode Enhanced Matter-Wave Optics. In:Phys. Rev. Lett. 127, 100401, 20. August 2021.(journals.aps.org)
  2. Max Born:Kritische Bemerkungen zur traditionellen Darstellung der Thermodynamik. In:Physikalische Zeitschrift.Band 22, 1921,S. 218–224. 
  3. Kirstine Bjerrum Meyer:Die Entwickelung des Temperaturbegriffs im Laufe der Zeiten sowie dessen Zusammenhang mit den wechselnden Vorstellungen über die Natur der Wärme. Vieweg, Braunschweig 1913. 
  4. W. E. Knowles Middleton:A History of the Thermometer and Its Uses in Meteorology. Johns Hopkins University Press, Baltimore 1966,ISBN 0-8018-7153-0. 
  5. F. Bošnjaković, K. F. Knoche:Technische Thermodynamik. 8. Auflage. Steinkopf-Verlag, Darmstadt 1998,ISBN 3-642-63818-X; Abschnitt 9.9Erweiterung des Temperaturbegriffs.
  6. Klaus Goeke:Statistik und Thermodynamik. 1. Auflage. Vieweg+Teubner Verlag / Springer Fachmedien, Wiesbaden 2010,ISBN 978-3-8348-0942-1; Abschnitt 2.6.9Positive und negative Temperaturen.
  7. S. Braun, J. P. Ronzheimer, M. Schreiber, S. S. Hodgman, T. Rom, I. Bloch, U. Schneider:Negative Absolute Temperature for Motional Degrees of Freedom. In:Science.Band 339,Nr. 6115, 4. Januar 2013,ISSN 0036-8075,S. 52–55,doi:10.1126/science.1227831. 
  8. Kälter als kalt und heißer als unendlich heiß. In:Spektrum der Wissenschaft. 3/2013,ISSN 0170-2971 Olliver Morsch über die Ergebnisse von Bloch/Schneider vom Max-Planck Institut für Quantenoptik in Garching und der Ludwig-Maximilians-Universität München.
  9. Le système international d'unités. 9e édition, 2019 (die sogenannte „SI-Broschüre“, französisch und englisch), S. 21 und 133 (bipm.org PDF).
  10. DIN 1301-1:2010Einheiten – Einheitennamen, Einheitenzeichen
  11. DIN 1345:1993Thermodynamik – Grundbegriffe.
  12. NIST,SI Units – Temperature, Fassung vom 5. Juni 2019.
  13. Friedrich Hund:Geschichte der physikalischen Begriffe. Band 1. (=BI Hochschultaschenbücher. Band 543). 1978,ISBN 3-411-05543-X, S. 205.
  14. Ingo Müller:A History of Thermodynamics: The Doctrine of Energy and Entropy. Springer Science & Business Media, 2007,ISBN 978-3-540-46227-9, S. 58.
  15. H. Greinacker:Physik in Streifzügen. Verlag von Julius Springer, Berlin 1939, S. 80.
Normdaten (Sachbegriff):GND:4059427-0 (GND Explorer,lobid,OGND,AKS)
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