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Telefonseelsorge

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Deutsche Sonderbriefmarke von 1998
Notfall-Ruf für Suizidgefährdete auf derGolden Gate Bridge

DieTelefonseelsorge (Deutschland und Österreich: „Telefonseelsorge“; England/USA: „telephone emergency services“, „crisis hotline“, „suicide hotline“ oder „Samaritans“; Frankreich: „SOS Amitié“; Schweiz: „Die Dargebotene Hand“; etc.) ist eine vorwiegendehrenamtlich betriebene Hilfseinrichtung zur telefonischen Beratung von Menschen mit Sorgen, Nöten und Krisen, die in vielen Ländern besteht. Sie dient alsKrisendienst unmittelbar derSuizidprävention und ist in den meisten Ländern rund um die Uhr erreichbar. Über das telefonische Angebot hinaus bietet sie in vielen Ländern zusätzlich ein Beratungsangebot perMail oderChat an.

Rufnummern

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  • OsterreichÖsterreich Österreich: Telefonseelsorge in Österreich (ökumenisch) -142
Für Kinder und Jugendliche:147 – Rat auf Draht -147
Für Kinder und Jugendliche:Telefonhilfe 147 -147
Für Kinder und Jugendliche:Sorgentelefon Liechtenstein -147
  • KanadaVereinigte StaatenVereinigte Staaten Kanada und USA: 988 Suicide & Crisis Lifeline -988[1][2]
FürLGBTQ+-Jugend:The Trevor Project -1 866 488 7386[3]

Geschichte der Telefonseelsorge

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Die Idee einer Telefonseelsorge entstand zuerst inprotestantischenPfarrhäusern: 1892 erstmals inNew York und dann 1953 inLondon wurdenPfarrer auf die steigende Zahl von Suizidversuchen und Selbsttötungen in ihren Großstädten aufmerksam. Sie boten ihreTelefonnummern in Zeitungsinseraten an, um diesen Menschen noch einGespräch, ein menschliches Ohr, ein Angebot zur Hilfe in ihrer Verzweiflung geben zu können. So gab deranglikanische Pfarrer einer Londoner Innenstadtgemeinde,Chad Varah, am7. Dezember1953 imDaily Herald[4] die Anzeige auf: DIAL MANsion 9000 – for a Good Samaritan. Sein Angebot wird im Zeitungstext beschrieben als Hilfe für „those in spiritual trouble“. Sie sollen anrufen können, wenn sie einen Suizid beabsichtigen. In dieser Anzeige wird die Anonymität bereits betont sowie das 24-Stunden-Angebot angedacht.

In manchen Darstellungen wird auch folgende Formulierung verwendet: „Before you commit suicide, ring me up. Telephone Mansion House 9000“ („Bevor Sie Suizid begehen, rufen Sie mich an“).[5]

Aus der Initiative Einzelner wurde in England die Bewegung derSamaritans, die sich auch auf andere Länder ausgeweitet hat. Parallel zu den Samaritans hat sich als weiterer Dachverband IFOTES (International Federation of Telephone Emergency Services) mit Sitz in der Schweiz entwickelt. In den meisten Ländern werden die Stellen von Personenvereinigungen getragen. Die in Deutschland begann am 5. Oktober 1956 mit derTelefonseelsorge Berlin. Träger dieser Stelle war von Anfang an und ist bis heute ein Verein. InWuppertal initiierte der Pfarrer und spätere Berliner Stadtmissionsdirektor Gerhard Kiefel (* 1924 in Wuppertal) eine Telefonseelsorge.[6] AlsMedium der Telefonseelsorge hat sich von 1984 bis 2016 die FachzeitschriftAuf Draht etabliert, die 2017 in24/7 Zeitschrift der TelefonSeelsorge Deutschland umbenannt wurde. Durch die Idee und die anschließende Etablierung der Telefonseelsorge weltweit wurden in der Folge verschiedene andere telefonische Notfallberatungen initiiert: Suchtnotrufe, Kindersorgentelefone, Beratungstelefone für Gewaltopfer und so weiter. InDeutschland und Österreich sind grundsätzlich die großenVolkskirchen Träger der Telefonseelsorge, in Deutschland seit Januar 2022 vereint im DachverbandTelefonSeelsorge® Deutschland e. V.

Internationale Grundsätze

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  • Anonymität: Ratsuchende werden nicht nach ihrem Namen gefragt, sondern könnenanonym bleiben. Auch die Telefonseelsorger bleiben anonym.[7]
  • Verschwiegenheit: Alle Mitarbeiter unterliegen derSchweigepflicht.
  • Erreichbarkeit: Die Telefonseelsorge-Stellen sind in den meisten Ländern Tag und Nacht erreichbar, an allen Tagen des Jahres.
  • Kompetenz: Die Mitarbeiter der Telefonseelsorge werden ausgewählt, ausgebildet, kontinuierlich weitergebildet und durch regelmäßigeSupervision von Fachleuten begleitet.
  • Offenheit: Die Telefonseelsorge ist offen für alleProblembereiche, für alle Anrufenden in ihrer jeweiligen Situation. Sie ist da für alle Anrufenden – unabhängig vonKonfession undWeltanschauung, vonNationalität oderGeschlecht.
  • Gebührenfreiheit: Für die Ratsuchenden entstehen keineKosten außer den Verbindungsentgelten (in Deutschland übernimmt dieTelekom als Partner der Telefonseelsorge die Verbindungsentgelte, unabhängig davon ob der Anrufer eineFlatrate hat oder nicht).

Internationale Vernetzung

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Es gibt weltweit zweiDachverbände für Telefonseelsorge: IFOTES (International Federation of Telephone Emergency Services) und die Samaritans. In der gültigen Fassung der „Ethik Charta“ von IFOTES (verabschiedet in Jerusalem am 14. Juli 1994) sind die internationalenGrundsätze der Telefonseelsorge festgehalten. Die Grundsätze der Samaritans und von IFOTES sind weitgehend identisch. Über die internationalenNormen hinaus gibt es Regelungen der nationalenVerbände sowie Satzungen und Konzeptionen der jeweiligen Stellen vor Ort. Diese dienen dazu, die Idee der Telefonseelsorge entsprechend den nationalen undregionalen Gegebenheiten zeitgemäß zu verwirklichen und konkrete Mindeststandards zu gewährleisten.Tagungen undKongresse aufnationaler undinternationaler Ebene fördern dabei den Austausch und die Verständigung auf fachlicher Ebene aber auch von Menschen unterschiedlicherHerkunft,Kultur undReligion. Der Grundsatz, möglichst unvoreingenommen auf Ratsuchende einzugehen, kann so in der Begegnung mit fremden und unbekannten Menschen aus anderen Telefonseelsorge-Einrichtungen erlebt und eingeübt werden.

Literatur

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  • Franz-Josef Hücker:Telefonseelsorge. In: Wilfried Engemann (Hrsg.): Handbuch der Seelsorge. Grundlagen und Profile. Evangelische Verlagsanstalt, Leipzig 2016,ISBN 978-3-374-04258-6, S. 573–590.
  • Eberhard Hauschildt, Bernd D. Blömeke (Hg.):Telefonseelsorge interdisziplinär. Vandenhoeck und Ruprecht, Göttingen 2015,ISBN 978-3-647-62435-8.
  • Heiner Seidlitz, Dietmar Theiss:Ressourcenorientierte Telefonberatung. Borgmann Media, Dortmund 2007,ISBN 978-3-938187-37-1.
  • Traugott Weber (Hrsg.):Handbuch Telefonseelsorge. Vandenhoeck und Ruprecht, Göttingen 2006,ISBN 3-525-62386-0.
  • Helmut Harsch:Theorie und Praxis des beratenden Gesprächs: Ausbildungskurs d. Evang. Telefonseelsorge München. Kaiser, München 1973.
  • Chad Varah:Samariter. Hilfe durchs Telefon. Kreuz Verlag, Stuttgart 1966.
  • Erich Stange:Telefonseelsorge. Oncken Verlag, Kassel 1961.

Weblinks

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Einzelnachweise

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  1. 988 Suicide & Crisis Lifeline (USA)
  2. Get Help | 9-8-8: Suicide Crisis Helpline (Kanada)
  3. The Trevor Project
  4. DIAL MANsion 9000 – for a Good Samaritan in: Daily Herald (7. Dezember 1953), S. 3.
  5. Die Geschichte der TelefonSeelsorge. Abgerufen am 18. März 2018. 
  6. Walter Habel (Hrsg.):Wer ist wer? Das deutsche Who’s who. 24. Ausgabe. Schmidt-Römhild, Lübeck 1985,ISBN 3-7950-2005-0, S. 629.
  7. Franz-Josef Hücker:Telefonseelsorge im Schatten der Anonymität. Wenn sich eine gute Absicht in ihr Gegenteil verkehrt. In:24/7 Zeitschrift der TelefonSeelsorge Deutschland 34(1) April 2017, S. 16–18.
Normdaten (Sachbegriff):GND:4059370-8 (GND Explorer,lobid,OGND,AKS)
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