Tarīqa

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Tarīqa (arabisch طريقة,DMGṭarīqa ‚Weg, Pfad, Methode‘,PluralTuruqطرق /ṭuruq)[1] ist einislamischer Begriff, der im engeren Sinne den spirituellen Weg bezeichnet, den derSufi beschreitet, um über dieScharia hinaus zur ErkenntnisAllahs zu gelangen, in einem breiteren Sinne jedoch eine Gemeinschaft von Muslimen, die einem solchen Weg folgt, also eine Sufi-Bruderschaft.

Die verschiedenen Bruderschaften werden dabei meist nach ihrem als „Scheich“ bezeichneten Gründer benannt, auf den sie sich in einer geistigen Abstammungslinie (Silsila) zurückbeziehen. Auf diesen Gründer werden üblicherweise auch bestimmte Rituale und Symbole, die die Bruderschaft auszeichnen, zurückgeführt.

Tarīqas sind keineswegs rein spirituelle Organisationen, sondern verfügen oft über große politische und wirtschaftliche Macht, die sie auch nutzen. Ein Beispiel dafür ist diesenegalesischeMurīdīya.

Eine vomOrientalismus geprägte romantisierende Vorstellung von völlig vergeistigten Männern in wallenden Gewändern – „Derwischen“ undFakiren – die vor allem extrem asketische Übungen vollziehen, hat heute meist nur noch sehr wenig mit dem Leben von Mitgliedern islamischer Bruderschaften zu tun.

Inhaltsverzeichnis

Leben der Mitglieder

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Wenn es auch eine große Anzahl verschiedener sufischer Bruderschaften gibt (sieheListe von Sufi-Orden), so haben sie doch alle eines gemeinsam: Die Mitglieder vertrauen sich der geistig-spirituellen Führung ihres Obersten an, der „Scheich“, im Sinne eines geistigen Führers, genannt wird.

Der aus demPersischen stammende Begriff „Derwisch“ für Mitglieder einer Bruderschaft ruft dabei oftmals bestimmte Assoziationen hervor, die zwar für einige Tariqas zutreffen, typischerweise für die „tanzenden Derwische“ derMevlevi-Tariqa, die aber mit dem Leben der meisten Mitglieder von Tariqas in der modernen Welt wenig zu tun haben. Das Gleiche gilt für den Begriff „Fakir“ (vonarabisch فقير,DMGfaqīr ‚Armer; arm‘):[2] Übungen, die „Fakire“ typischerweise praktizieren, werden nicht selten von gläubigen Muslimen als extreme und somit unislamische Auswüchse angesehen.

Der Einfluss einer Tariqa auf das Leben eines Mitglieds ähnelt dabei eher dem Einfluss den christliche Orden auf Laienmitglieder, sogenannteFamiliare, haben, als auf reguläre Angehörige christlicher Orden. Mitglieder einer Tariqa leben normalerweise nicht in geschlossenenklosterähnlichen Gemeinschaften, sondern in ihren Familien und praktizieren ihren jeweiligen „islamischen Weg“ ganz normal im Alltag, oft ohne von den Mitmenschen als Mitglied einer Bruderschaft erkannt zu werden. Letzteres begünstigt vor allem die Ausbreitung der noch heute aktiven Tariqas innerhalb westlicher Gesellschaftsformen. Auch spielt dasZölibat, anders als im Christentum undBuddhismus, keinerlei Rolle im Leben der Bruderschaft, wobei jedoch streng auf die Einhaltung der islamischen Regeln zu Ehe und Sexualität geachtet wird.

Zu den typischen Ritualen der verschiedenen Bruderschaften gehören bestimmteDhikr-Übungen, bei denen meist ein Name Allahs angerufen wird, oft zusammen mit rhythmischem Atmen und rhythmischen Bewegungen sowie „Wechselgesänge“, in denen bestimmte Wörter oder Sätze im Wechsel gesprochen oder gesungen werden und die alswird,ḥizb oderrātib bezeichnet werden.[3] In einer Tariqa müssen aber keineswegs immer spirituelle Übungen im Mittelpunkt stehen, ebenso wichtig oder sogar noch wichtiger ist oft die genaue Einhaltung der Regeln der Schari'a.

Die Mitgliedschaft in einer Bruderschaft und die damit verbundenen Aktivitäten sind reine Männersache, Frauen haben daran keinen direkten Anteil.

Verbreitung der verschiedenen Tarīqas

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Einige der Tarīqas wie zum Beispiel dieNaqschbandīya oder dieQādirīya sind heute weltweit verbreitet, andere sind auf einen bestimmten Raum beschränkt wie zum Beispiel dieʿAlawīya, die hauptsächlich aufSansibar verbreitet ist, und die von Muhammad Sālih (1845–1916) begründeteSālihīya-Raschīdīya, die vor allem inSomalia beheimatet ist und der auch der somalische WiderstandskämpferMohammed Abdullah Hassan angehörte.[4]

Die beiden einflussreichsten Bruderschaften Westafrikas sind dieTidschānīya und dieQādirīya. Sie verfügen in den einzelnen Ländern über unterschiedliche Mehrheiten. So sind inSenegal etwa 50 Prozent der Muslime Anhänger der Tidschānīya, wobei jedoch die etwas kleinereMurīdīya das Land durch ihre ökonomischen und politischen Tätigkeiten in viel stärkerem Maße prägt.

InBenin undGhana sind Tidschānīya und Qādirīya etwa gleich stark vertreten, ebenso inNiger. In Benin ist die ältere Qādirīya fast nur inPorto-Novo an der Küste vertreten, im übrigen Land überwiegt, einem generellen Trend in Westafrika folgend, seit Anfang des 20. Jahrhunderts die Tidschānīya.[5]

Im überwiegend muslimischen Mali sowie inKamerun undTogo, wo die Muslime eine vergleichsweise kleine Minderheit bilden, ist die Tidschānīya am weitesten verbreitet. InTunesien sind Tidschānīya undSchadhiliyya gleichermaßen vertreten. Stärkste Bruderschaft in Nordostafrika ist die Qādirīya; es folgen Tidschānīya (die besonders in Südwest-Äthiopien vertreten sind) undKhatmiyya (besonders imSudan).[6]

DieYaschrutīya ist eine vom tunesischen Sufi-Scheich'Ali Nur al-Din al-Yaschruti (ca. 1815–1899) inPalästina gegründete Bruderschaft.

Literatur

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Weblinks

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Commons: Tarīqa – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Belege

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  1. Vgl. H. Wehr:Arabisches Wörterbuch, Wiesbaden 1968, S. 506.
  2. Vgl. H. Wehr:Arabisches Wörterbuch, Wiesbaden 1968, S. 645.
  3. Vgl. J. Spencer Trimingham, 1971, S. 214–216.
  4. Vgl. J. Spencer Trimingham:Islam in East Africa. Clarendon Press, Oxford 1964, S. 102.
  5. Thomas Bierschenk:The Social Dynamics of Islam in Benin.@1@2Vorlage:Toter Link/www.ifeas.uni-mainz.de (Seite nicht mehr abrufbar, festgestellt im Mai 2019.Suche in Webarchiven) In: Galilou Abdoulaye:L'Islam béninois à la croisée des chemins. Histoire, politique et développement (=Mainzer Beiträge zur Afrikaforschung. 17). Rüdiger Köppe Verlag, Köln 2007,ISBN 978-3-89645-817-9, S. 15–19.
  6. Prozentzahlen nach:Peter Heine,Riem Spielhaus:Das Verbreitungsgebiet der islamischen Religionen: Zahlen und Informationen zur Situation in der Gegenwart. In:Werner Ende,Udo Steinbach (Hrsg.):Der Islam in der Gegenwart. 5., aktualisierte und erweiterte Auflage. C. H. Beck, München 2005,ISBN 3-406-53447-3, S. 135–139.
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