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Tahrīf

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Tahrīf (arabisch تحريف,DMGTaḥrīf ‚Umwandlung, Abänderung, Fälschung‘) ist ein Begriff, der in derislamischen Theologie die angebliche Verfälschung derheiligen Schriften desJudentums und desChristentums bezeichnet. Aufgrund bestimmter Aussagen im Koran wird angenommen, Juden und Christen hätten in den heiligen Schriften Veränderungen der ursprünglichen Offenbarung Gottes vorgenommen. Unterschieden wird dabei „Verfälschung im Wortlaut“(taḥrīf bi l-lafẓ) und „Verfälschung durchTa’wīl“.

Fälschungsvorwürfe an Juden und Christen im Koran

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Der Islam akzeptiertTora (Taurat, توراة) undEvangelien (Indschīl) als authentische göttliche Offenbarungen. Juden und Christen hätten jedoch diese Offenbarung in ihren eigenen Schriften abgeändert. Eine solche Entstellung beschreibt derKoran an mehreren Stellen, beispielsweise:

„Unter denen die dem Judentum angehören, entstellen welche die Worte [der Schrift?] [indem sie sie] von der Stelle weg[nehmen], an die sie hingehören.[1]

In einem ähnlichen, etwas weiteren Sinn wird, nebenAr. kitmān („verstecken“, „verbergen“), auch der Ausdrucktabdīl („Abwandlung“, hier insbesondere „Wortvertauschung“) verwendet. Er erscheint im Koran in Sure 2:59, 7:162, 30:30, sowie auch in späterer islamischer Literatur.

Der Vorwurf der Fälschung war seit alters her ein verbreitetes polemisches Motiv, das schon in vorislamischer Zeit von heidnischen Autoren, vonSamaritanern und Christen verwendet wurde, um ihre Gegner in Verruf zu bringen. In denmedinensischenSuren ist dies ein zentrales Thema und wird offenbar verwendet, um die Gegensätze zwischen der Bibel und dem Koran zu erklären und die Ankunft des Propheten wie auch denAufstieg des Islam als Voraussagen der „echten“ Bibel zu bezeichnen.

Tahrīf in späteren Traditionen

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Im Koran wird nicht erwähnt, wo und wie genau diese Änderungen erfolgt seien. Spätere Kommentatoren geben als Urheber ZeitgenossenMoses an bzw. israelitische Könige und Priester, insbesondereEsra, oder auchbyzantinische Könige. Der Vorwurf, jüdische ZeitgenossenMohammeds hätten gewisse Elemente der Bibel verheimlicht, wie zum Beispiel dieSteinigung der Ehebrecherin oder die Prophezeiung der Ankunft Mohammeds, wird ebenfalls alsTahrif gedeutet.

In den ersten Jahrhunderten der islamischen Geschichte warTahrif zwar ein bekanntes, jedoch kein wesentliches Thema. InHadithen und ersten Kommentaren wurden die Lücken gefüllt, die aus Unklarheiten in den Koranversen entstanden waren. Einige frühe muslimische Autoren verstandenTahrif nur im Sinne einer Abänderung der Textbedeutung.Ibn Chaldūn verwirft die Idee einer bewussten Fälschung der jüdischen und christlichen Schriften.

Seit dem 11. Jahrhundert ergeht von islamischer Seite aus bis heute der Vorwurf an Juden und Christen, durch bewusste Fälschung den Text ihrer Heiligen Schriften entstellt zu haben. Die mündliche jüdische Überlieferung, die später imTalmud schriftlich festgehalten wurde, wird aus islamischer Sicht als unerlaubter Zusatz angesehen und gilt ebenfalls als Teil dieser Fälschung. Dasselbe gilt für denbiblischen Kanon des Christentums. In diesem Zusammenhang verweisen islamische Autoren auf die Unterschiede imTanach, demsamaritanischen Pentateuch und derSeptuaginta, um das Vorhandensein einer Fälschung zu beweisen. Das Argument der Fälschung wird schon in einem alten polemischen Text zurückgewiesen, der dem byzantinischen KaiserLeo III. zugeschrieben wird. Großen Einfluss auf die islamischePolemik hatten die Schriften vonIbn Hazm, einem andalusischen Gelehrten des 11. Jahrhunderts.

Seit dem 19. Jahrhundert sehen einige islamische Autoren die modernehistorisch-kritische Bibelforschung als Unterstützung der Theorie desTahrif, zum BeispielRahmatallāh al-Kairānawī (1818–1891).

Fälschungsvorwürfe gegenüber der Schia

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In den Auseinandersetzungen zwischenSunniten undSchiiten wird ebenfallsTahrif als Argument vorgebracht. Sunnitische Autoren werfen der Schia vor, ihre Vertreter würden an eine Fälschung des Korans glauben.[2]

Literatur

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  • Hava Lazarus-Yafeh: Art. in:Encyclopaedia of Islam, 2. Auflage, Band 10, Brill, Leiden 2000, S. 111f. (1. Auflage: Fr. Buhl, Bd. 7, S. 618f)
  • Rainer Brunner:Die Schia und die Koranfälschung. Ergon Verlag, Würzburg 2001,ISBN 3-933563-67-4.

Einzelnachweise

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  1. Sure 4:46 nach der Übersetzung vonRudi Paret:Der Koran. 12. Auflage. Kohlhammer, Stuttgart 2014,ISBN 978-3-17-026978-1,S. 65. 
  2. Vgl. Rainer Brunner:Die Schia und die Koranfälschung. Ergon Verlag, Würzburg 2001,ISBN 3-933563-67-4.
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