Tadschikistan [taˈd͜ʒiːkɪsta[ː]n] (tadschikischТоҷикистонTodschikiston, amtliche VollformRepublik Tadschikistan, tadschikischҶумҳурии ТоҷикистонDschumhurii Todschikiston) ist einBinnenstaat inZentralasien mit 10,8 Millionen Einwohnern. Seine Fläche beträgt 143.100 km², also etwa doppelt so viel wie die Fläche Bayerns. Mehr als zwei Drittel des Landes sindHochgebirge,nach durchschnittlicher Höhe ist Tadschikistan das höchste Land der Welt. Tadschikistan grenzt im Norden anKirgisistan, im Osten anChina, im Süden anAfghanistan und im Westen anUsbekistan. Hauptstadt und mit rund 1,2 Millionen Einwohnern größte Stadt istDuschanbe. Weitere wichtige Städte sindChudschand,Kulob undBochtar. Der Großteil der Bevölkerung sindmuslimischeTadschiken.
Während des Mittelalters gehörte Tadschikistan zum KaiserreichPersien. 1868 wurde das LandKolonie Russlands, ab 1929 (größtenteils schon ab 1924) war Tadschikistaneine Sowjetrepublik. 1991 erklärte sich Tadschikistan zum unabhängigen Staat und die folgenden Machtkämpfe führten zumTadschikischen Bürgerkrieg (1992–1997). Seit 1994 beherrschtEmomalij Rahmon als „Führer der Nation“ Tadschikistanautoritär. Unter seiner Regierung kommt es regelmäßig zu schwerwiegenden Verletzungen derMenschenrechte. Weltpolitisch steht Tadschikistan vor allem unter dem Einfluss vonChina.
Tadschikistan ist ein Hochgebirgsland, das anUsbekistan,Kirgisistan, dieVolksrepublik China undAfghanistan grenzt. Mehr als zwei Drittel der Fläche sindHochgebirge. Fast die Hälfte des Staatsgebietes liegt auf einer Höhe von3000 m und höher. Der Osten des Landes wird vomPamir-Gebirge und dem größten Teil des Pamir-Hochlandes geprägt. Dort befindet sich auch der höchste Berg des Landes, der 7495 m hohePik Ismoil Somoni (früherPik Kommunismus). Im Norden des Landes erstreckt sich dasAlaigebirge. Südlich derSerafschankette liegt im Westen dasFan-Gebirge. Nur im äußersten Norden besitzt Tadschikistan mit einem Teil desFerghanatals Tiefland, das durch den größten Fluss des Landes, denSyrdarja,bewässert wird und intensivackerbaulich genutzt werden kann. Im größten Teil des Landes ist wegen der Höhenlage und des Reliefs nur extensiveTierhaltung möglich. Der größte See ist derKarakul (380 km²) im Osten des Landes; weitere große Seen sind derSaressee (≈ 80 km²) und derZorkulsee (38,9 km²). Der größte Stausee ist derKairakkum-Stausee (520 km²) am Syrdarja. Insgesamt verfügt Tadschikistan über mehr als 60 Prozent der zentralasiatischen Wasserressourcen in fester und flüssiger Form.[5]
Tadschikistan befindet sich in der trockenen subtropischen Klimazone. Das Klima ist extrem kontinental mit kalten Wintern und heißen Sommern. Außer in den Tal- und Beckenländern, wo ein subtropisches feuchtes Klima herrscht, werden in den Sommermonaten Temperaturen von bis zu 45 °C erreicht. Es bestehen großeTemperaturunterschiede zwischen den tiefer und den höher gelegenen Regionen des Landes. Die Jahresniederschlagsmengen sind relativ niedrig, so dassSteppenvegetation vorherrscht. Im Ferghanabecken beträgt die Niederschlagsmenge nur 140 mm im Jahr. Die Südhänge des Hissargebirges sind mit 1700 mm im Jahr dagegen sehr niederschlagsreich.
Tadschikistan hatte 2023 10,1 Millionen Einwohner.[8] Das jährliche Bevölkerungswachstum betrug + 1,9 %. Zum Bevölkerungswachstum trug ein Geburtenüberschuss (Geburtenziffer: 26,0 pro 1000 Einwohner[9] vs. Sterbeziffer: 4,7 pro 1000 Einwohner[10]) bei. Die Anzahl der Geburten pro Frau lag 2022 statistisch bei 3,1, die der Region Europa und Zentralasien betrug 1,8.[11] DieLebenserwartung der Einwohner Tadschikistans ab der Geburt lag 2022 bei 71,3 Jahren.[12] DerMedian des Alters der Bevölkerung lag im Jahr 2021 bei 21,5 Jahren.[13] Im Jahr 2023 waren 36,1 Prozent der Bevölkerung unter 15 Jahre,[14] während der Anteil der über 64-Jährigen 3,6 Prozent der Bevölkerung betrug.[15] Tadschikistan hat eine der jüngsten und am schnellsten wachsenden Bevölkerungen in Asien.
Mit 84,3 % Bevölkerungsanteil (2010) bilden dieTadschiken, einiranisches Volk, die Mehrheit. Etwa 13,8 % der Bevölkerung sindUsbeken und etwa 0,8 %Kirgisen. Weitere Minderheiten sindRussen (0,5 %),Tataren,Ukrainer,Deutsche,Koreaner und andere. Nach seinem Austritt aus derSowjetunion und im Verlauf desanschließenden Bürgerkriegs haben viele Nicht-Tadschiken das Land verlassen. Lebten 1989 noch fast 400.000 Russen in Tadschikistan, so waren es 2005 noch knapp 140.000. VieleBucharische Juden undAschkenasen (1989 noch etwa 15.000 Menschen) verließen das Land, so dass sich die Gesamtzahl derJuden Tadschikistans auf rund 1000 reduzierte.[18] Ein Teil der Auswanderer wurde 1992 in einer von der Allgemeinheit kaum beachteten so genannten Luftbrücke nach Israel ausgeflogen.[19] Der Anteil der Tadschiken stieg von 62 % im Jahr 1989 auf fast 80 % im Jahr 2000.[20]
In Tadschikistan lebt auch heute noch eine kleine Minderheit vonDeutschstämmigen. Ihre Zahl ist jedoch stark zurückgegangen, insbesondere nach demZerfall der Sowjetunion. Sie sank von 39.000 Menschen im Jahr 1979 auf ca. 1.700 Menschen im Jahr 2006.
Heute gehören deutschstämmige Menschen zur ärmsten Bevölkerungsschicht in Tadschikistan. Sie leben inzwischen weniger in eigenen Dörfern (zum Beispiel Thälmann, nachErnst Thälmann) in der Provinz Chatlon als vielmehr in der Hauptstadt Duschanbe. Ehemalige deutsche Siedlungen wie die in den 1940er Jahren von Deutschen in der Provinz Sughd gegründete StadtIstiqlol werden heute von Tadschiken bewohnt. Die deutsch-tadschikische Stiftung „Wiedergeburt“ hat den Erhalt von deutschenGotteshäusern undFriedhöfen zum Ziel. Vor einigen Jahren veranstaltete die deutsche Botschaft in Duschanbe eineWeihnachtsfeier für die deutschstämmige Bevölkerung.
Dass oppositionelle Islamisten die Errichtung einesislamischen Gottesstaates anstreben, dient der Regierung als Vorwand, um seit 2007 Moscheen zu schließen. Im selben Jahr verbot das Kulturministerium die Zeugen Jehovas wegen derenWehrdienstverweigerung (es gibt in Tadschikistan keinen zivilen Ersatzdienst) und ihrer öffentlichen Missionstätigkeit.[21]
2009 trat ein neues restriktives Religionsgesetz in Kraft. Gemäß diesem „Gesetz über die Gewissensfreiheit und religiöse Vereinigungen“ ist jede religiöse Betätigung ohne staatliche Registrierung verboten. Alle bestehenden Religionsgemeinschaften mussten um neue Registrierung ansuchen. Mangels erfolgter Registrierung ist derzeit die Tätigkeit zahlreicher Moscheen, der einzigen Synagoge des Landes und einiger protestantischer Gruppen wie der Baptisten verboten; Gotteshäuser wurden vom Staat konfisziert.[22]
2011 wurde ein neues Gesetz beschlossen, das Minderjährigen jegliche Teilnahme an Gottesdiensten, religiösen Veranstaltungen und Religionsunterricht nichtregistrierter Glaubensgemeinschaften verbietet. Eltern, die ihren Kindern trotzdem religiöse Werte und Überzeugungen zu vermitteln versuchen, werden mit mehrjährigen Haftstrafen bedroht.[23]
Vor allem in den Städten werden zwei oder mehr Sprachen gesprochen. Die primäre Amtssprache in Tadschikistan ist dasTadschikische, das alsDialekt derpersischen Sprache klassifiziert wird. Die offizielle Bezeichnung lautet „Tādschīkī“ (Tadschikisch); umgangssprachlich wird auch die Bezeichnung „Fārsī“ (Persisch) verwendet. Das Tadschikische entspricht weitgehend dem inarabisch-persischer Schrift geschriebenenDari der Tadschiken in Afghanistan. Im Unterschied zu der inIran undAfghanistan verwendetenStandardvarietät verwendet das Tadschikische infolge der atheistisch geprägten sowjetischen Assimilationspolitik seit den 1920er Jahren diekyrillische Schrift, die die Bevölkerung von persisch-arabischen islamischen Einflüssen entfremden sollte.
Eine weitere wichtige Umgangssprache istRussisch, das in Tadschikistan als Sprache der internationalen Politik und Wirtschaft dient und Pflichtfach an vielen Schulen ist. Im Jahr 2011 erhielt Russisch wieder eine offizielle Stellung: Es wurde in der tadschikischen Verfassung offiziell als Sprache der „interethnischen Kommunikation“ festgelegt. 25 % der Einwohner sprechen fließend Russisch, 60 % mäßig und 15 % kaum oder gar nicht. Eine gewisse Rolle spielt daneben aufgrund der starken usbekischen Minderheit im Land dieusbekische Sprache. In den Seitentälern desPandsch und dem Pamir haben noch viele kleine iranische Sprachen, zum BeispielJaghnobi, überlebt.
Die Gesundheitsausgaben des Landes betrugen im Jahr 2021 8,0 % des Bruttoinlandsprodukts.[25] Im Jahr 2020 praktizierten in Tadschikistan 21,2 Ärztinnen und Ärzte je 10.000 Einwohner.[26] Die Sterblichkeit bei unter 5-Jährigen betrug 2022 30,3 pro 1000 Lebendgeburten.[27]
Ärzte haben oft kaum ein Einkommen und gehen teils Nebenerwerben nach. Die Konsultation bei einem Dorfarzt in Tadschikistan ist im Prinzip zwar kostenlos,[28] diese beinhaltet jedoch keinerlei Arzneimittel oder weitergehende Untersuchungen, welche sich die Bewohner oft nicht leisten können.[29] Die Infrastruktur entsprach im Jahr 2017 gemäß einem Schweizer Helfer jener in der Schweiz vor über 100 Jahren.[30]
DieLebenserwartung der Einwohner Tadschikistans ab der Geburt lag 2022 bei 71,3 Jahren[12] (Frauen: 73,5,[31] Männer: 69,2[32]). Die Lebenserwartung stieg von 63,3 Jahren im Jahr 2000 bis 2022 um 13 %.[12]
Das Gebiet des heutigen Tadschikistan war bereits seit demPleistozän besiedelt. Ein bedeutender Nachweis findet sich mit demLöss-Paläolithikum am Obi-Mazar im Süden des Landes, das einen Zeitraum von vor 600.000 bis vor 100.000 Jahren abdeckt.[33][34]
Für den Übergang von derJungsteinzeit zurBronzezeit und vom Nomadentum zu einer sesshaften Ackerbaukultur steht in Tadschikistan beispielhaft die proto-urbane SiedlungSarasm, die von etwa 3500 v. Chr. bis 2000 v. Chr. existierte. In dieser Zeit entwickelte sich Sarasm zu einem der größten Zentren für die Verarbeitung von Zinn und Kupfer in Zentralasien und für den Fernhandel mit Metallen bis nachMesopotamien und insIndus-Tal.
Zur Beilegung über Jahrhunderte andauernder Grenzstreitigkeiten mit China hat das tadschikische Parlament nach zwölf Jahren Verhandlungen am 12. Januar 2011 ein Gesetz zur Übergabe von 1100 km² unbewohntem Hochland im Pamir an das östliche Nachbarland ratifiziert. Dadurch soll die Stabilität und Sicherheit des Landes gewährleistet bleiben.[37]
Nach demTerroranschlag am 11. September 2001 in denUSA wurdenUS-Truppen inChorugh und Duschanbe sowie Soldaten Frankreichs in Duschanbe stationiert. Trotzdem spielt Russland nach wie vor durch seine Truppenpräsenz die Rolle einer wichtigen Ordnungsmacht der Region (die Grenzsicherung nach Afghanistan erfolgte bis zum Sommer 2005 durch russische Truppen).
Ende Oktober 2016 begann die tadschikische Regierung mit der Umsetzung des noch aus der Sowjetzeit stammenden weltweit größten Staudamm-Projekts am FlussWachsch, um mit einem Wasserkraftwerk die Energieknappheit des Landes zu lindern. Die Bauarbeiten amRogun-Staudamm sollen Ende 2018 abgeschlossen werden. Das Vorhaben führte zu Verstimmungen insbesondere mit dem benachbarten Usbekistan, das ebenfalls unter Wasserknappheit leidet.[38]
Tadschikistan ist laut seiner Verfassung eine demokratischePräsidialrepublik.Nationalfeiertag ist der9. September (Tag der Unabhängigkeit). Zu Tadschikistan gehört die Autonome ProvinzBerg-Badachschan im Osten des Landes, die 44,5 % der Fläche des Landes umfasst.
Präsident Tadschikistans ist der seit 1994[39] amtierende und zuletzt 2020 wiedergewählteEmomalij Rahmon, der bei derWahl am 11. Oktober 2020 90 % aller Stimmen bei rund 85 %Wahlbeteiligung auf sich vereinigen konnte. Vorausgegangen war 2016 eine Verfassungsänderung, welche die maximale Regierungsdauer des Präsidenten verlängerte.[40] Das demokratische Zustandekommen des Ergebnisses wird wie auch in den vorangegangenen Jahren angezweifelt. Zwar gab es – anders als bei der letztenWahl 2013 – formal vier Gegenkandidaten, aber auf Grund der mangelnden Meinungsfreiheit und der Unterdrückung der Opposition wurde die Wahl von westlichen Beobachtern weder als frei noch als fair eingestuft.[41][42]
Ende April 2015 lief eine der zentralen Figuren des tadschikischen Sicherheitsapparats, derKommandeur der tadschikischenOMON („Mobiles Polizeikommando besonderer Bestimmung“), der 40-jährigeOberst Gulmurod Chalimow, zumIslamischen Staat über.[43] Im September 2017 verkündete das Russische Verteidigungsministerium Chalimows Tod.[44]
Am 4. September 2015 kam es nach Regierungsangaben in Duschanbe und in dem ca. 20 km östlich gelegenenWachdat zu bewaffneten Überfällen auf eine Kaserne bzw. ein Polizeirevier. Dabei sollen acht Polizisten und neun Angreifer ums Leben gekommen sein. Das Innenministerium bezichtigte einige Stunden später den angeblich am Vortag entlassenen Vizeverteidigungsminister General Abduchalim Nasarsoda – imTadschikischen Bürgerkrieg Kommandant der Vereinigten Tadschikischen Opposition (VTO) mit dem Kampfnamen Hadschi Halim –,[45] hinter den als Umsturzversuch bezeichneten Vorfällen zu stehen und mit der „Islamischen Partei der Wiedergeburt Tadschikistans“ (PIWT) verbunden zu sein,[46] was dieser bestritt.[47] In der Folge wurden Nasarsoda und ca. 60 seiner Anhänger im ca. 45 km nordöstlich Duschanbes gelegenen Romit-Tal nach 12-tägigen Kämpfen getötet.[46] Alternative Quellen legen dagegen unter Verwendung von Zeugenaussagen andere Abläufe und Hintergründe nahe. Danach hätten Nasarsoda und weitere VTO-Anhänger Kenntnis von ihrer bevorstehenden Verhaftung erhalten und seien aus Furcht vor den Haftbedingungen kämpfend aus Duschanbe geflohen, was die Regierung zur endgültigen Zerschlagung der PIWT genutzt habe.[48] Am 4. August 2016 teilte Generalstaatsanwalt Jussuf Rachmon mit, dass bereits 170 Beteiligte der Ereignisse verurteilt worden seien.[49]
Das Parlament, dieOberste Versammlung Tadschikistans, ist ein Zweikammerparlament, das sich aus der Repräsentantenversammlung und dem Nationalrat (Senat) zusammensetzt. Die Repräsentantenversammlung hat 63 Abgeordnete.
Diese verteilten sich 2010 auf die folgenden Parteien:
DieOrganisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa sah in der Wahl die Verletzung demokratischer Wahlstandards. Hierzu wurde die Verfolgung der Opposition, die Fehlerhaftigkeit der Wahlzettel und die Tatsache, dass einige Familienoberhäupter für alle Wahlberechtigten ihrer Familie abstimmten, angeführt.[50]
Der Nationalrat hat 33 Mitglieder, von denen 25 durch lokale Parlamente gewählt und weitere acht vom Präsidenten ernannt werden.
Durch dieautoritäre Regierung kommt es zu Verletzungen derMenschenrechte. Tadschikistan gilt als einer der repressivsten Staaten der Welt. Unter Präsident Emomali Rahmon hat sich ein autoritäres Regime herausgebildet.Amnesty International berichtet über zahlreiche und gravierende Menschenrechtsverstöße. Unter dem Vorwand der Gewährleistung nationaler Sicherheit und Terrorismusbekämpfung würden in Tadschikistan Jahr für Jahr demokratische Grundrechte massiv beschnitten und Oppositionelle gnadenlos verfolgt. 2016 sorgten etwa die drastischen Maßnahmen gegen die Mitglieder derIslamischen Partei der Wiedergeburt Tadschikistans für Schlagzeilen, wobei die Führungsriege der Partei in unfairen und von der Öffentlichkeit geheim gehaltenen Gerichtsprozessen zu langen Haftstrafen verurteilt wurde.[56] Im Dezember 2017 wurde der Journalist und Leiter desSatirevereins KVNKhayrullo Mirsaidow, der zuvor alsMedientrainer für dieDeutsche Welle tätig war und als eine der letzten kritischen Stimmen in Tadschikistan gilt, unter dem Vorwurf der vermeintlichen Unterschlagung, des Aufrufs zum ethnisch-religiösen Hass und Falschaussagen gegenüber den Sicherheitsbehörden verhaftet.[57]
Gemäß dem Ergebnis des Transformationsindex (BTI) 2018, den dieBertelsmann-Stiftung alle zwei Jahre veröffentlicht, gehört Tadschikistan in Sachen Demokratie, Menschenrechte und Leistungsfähigkeit des Staatsapparats nebenBurundi zu den größten Verlierern, da sich die autokratischen Tendenzen in den letzten Jahren verstärkt hätten.[58]
Seit dersowjetischen Invasion in Afghanistan im Jahr 1979 gab es immer wieder Befürchtungen, bewaffneteislamistische Gruppen könnten sich auch im benachbarten Tadschikistan niederlassen. Doch von regionalen Spannungen abgesehen, etwa imIsfara-Tal umTschorkuh, gelang esdschihadistischen und islamistischen Gruppierungen seit dem Fall derSowjetunion kaum, nennenswerten Einfluss auszuüben. Seit 2018 häufen sich jedoch die Schlagzeilen mit Bezug auf die TerrormilizIslamischer Staat in Tadschikistan. Dies wird immer wieder mit einem neuen Vormarsch derTaliban im benachbarten Afghanistan in Verbindung gebracht. Allerdings ist unklar, inwieweit auch die harte Vorgehensweise des autoritären Regimes gegenüber jeglicher Form politischer Opposition zu Zulauf für dschihadistische Terrorgruppen führt.[59] Laut dem im Oktober 2017 veröffentlichten Bericht des inNew York ansässigen Soufan Center hätten sich 5000 Kämpfer aus zentralasiatischen Staaten den islamistischen Terrorgruppen im Nahen Osten angeschlossen. 1300 davon sollen aus Tadschikistan stammen.[60]
Im April 2020 nahmen deutsche Sicherheitskräfte inNordrhein-Westfalen vier Tadschiken mit mutmaßlichen Verbindungen zum Islamischen Staat fest. Die vier Verhafteten sowie ein bereits in Haft sitzender weiterer Tatverdächtiger sollen ursprünglich Aktionen gegen die Regierung in Tadschikistan geplant haben, dann jedoch aufDeutschland als Zielland ausgewichen sein.[61] Im Juli 2020 begann der Anklageprozess gegen den ersten Verdächtigen, der bereits im März 2019 in Untersuchungshaft saß. Zu Geldbeschaffungszwecken für die Terrormiliz IS soll der Beschuldigte erfolglos versucht haben, einen Auftragsmord inAlbanien durchzuführen.[62]
Der Gallup Law and Order Index 2023 – ein Bericht des globalen Analyse-Unternehmens Gallup – hat Tadschikistan als das sicherste Land der Welt eingestuft.[63]
Der Bericht 2023 stellt fest, dass die fünf sichersten Länder der Welt im Gallup-Index aufgeführt sind: 1) Tadschikistan – 96; Finnland – 92; Island – 92; Kuwait – 92; und 5) Luxemburg – 92.[64]
Tadschikistan ist aufgrund seiner Binnenlage auf gute Beziehungen mit seinen Nachbarstaaten angewiesen. Wichtigste außenpolitische Partner sind Russland und die Volksrepublik China. Russland unterhält in dem Land eine Militärbasis, auf der rund 7500 russische Soldaten stationiert sind.[67] Der Vertrag über die Militärbasis wurde 2012 bis ins Jahr 2051 verlängert. Russland gilt als Schutzmacht, und über eine Million Menschen tadschikischer Abstammung leben in Russland, was der Beziehung eine zusätzliche politische und kulturelle Bedeutung verleiht. Im Bürgerkrieg 1992–1997 unterstützte Russland die tadschikische Regierung gegen die islamistischen Rebellen.
China wurde in den letzten Jahren als Investor und Handelspartner immer wichtiger für Tadschikistan. Auch die tadschikisch-chinesische Zusammenarbeit auf den Gebieten von Politik und Sicherheit hat sich in den letzten Jahren vertieft. Im Jahr 2017 hat China Russland als größten handelswirtschaftlichen Partner Tadschikistans abgelöst. Beim offiziellen Besuch des Präsidenten Rahmon in Peking im August desselben Jahres ging es hauptsächlich um die Gewährleistung eines chinesischen Kredits in Höhe von 2,3 Milliarden Dollar. Neben Vorteilen warnen die Experten vor den Gefahren einer billigen Kreditpolitik Chinas, die zur verstärkten monetären Abhängigkeit Tadschikistans führen und seine Auslandsschulden erhöhen könne. Diese würde außerdem vor dem Hintergrund früherer territorialer Ansprüche Chinas gegenüber Tadschikistan die nationale Sicherheit des Landes auf das Spiel setzen.[68]
Die Provinzen, die autonome Provinz und der von der Zentralregierung verwaltete Bezirk sind in insgesamt 58 Distrikte (Nohija) gegliedert, Duschanbe zudem in vier Stadtdistrikte.
20-Somoni-Geldschein mit einem Porträt vonAvicenna
DasBruttoinlandsprodukt (BIP) für 2017 wird auf 7,3 Milliarden US-Dollar geschätzt. InKaufkraftparität beträgt das BIP 28,4 Milliarden US-Dollar oder 3200 US-Dollar je Einwohner. Damit gehört Tadschikistan zu den ärmsten Ländern der Erde und ist die ärmste der ehemaligen Sowjetrepubliken. Erschwerend für die wirtschaftliche Entwicklung ist die Tatsache, dass Tadschikistan einBinnen-Entwicklungsland (ohne Meereszugang) ist. Die Anteile derIndustrie am BIP und an der Beschäftigung beliefen sich 2016 auf 15,1 % bzw. 10,6 %, die des Dienstleistungssektors auf 64,2 % bzw. 46,4 %.
Die Hauptwirtschaftszweige des Landes sind der Bergbau, die Metallverarbeitung und die Landwirtschaft. Tadschikistans Wirtschaft ist stark abhängig von den Rücküberweisungen der in Russland alsGastarbeiter lebenden und arbeitenden ca. 1,3 Millionen Auslandstadschiken. Schätzungen zufolge machen ihre Überweisungen nach Angaben derWeltbank ein Drittel der Wirtschaftsleistung bzw. des tadschikischen Bruttoinlandsproduktes aus. Durch die Auslandsüberweisung kann Tadschikistan sein hohes Handelsbilanzdefizit teilweise ausgleichen.[72][73]
Gemäß dem Doing-Business-Bericht der Weltbank von 2020 befindet sich Tadschikistan auf Platz 106.[74]
Nach wie vor ist die Bedeutung der Landwirtschaft sehr groß. Sie trug 2016 mit 20,7 % zum BIP bei, während 43,0 % der Erwerbstätigen in der Landwirtschaft arbeiteten. Nur etwa 7 % des Landes sind landwirtschaftlich intensiv nutzbar. Einen Schwerpunkt bildet der Anbau vonBaumwolle. Die Anpflanzung von Getreide, Gemüse, Obst und Tabak ist sekundär. Die extensive Bewässerung trägt dabei massiv zur Erosion,Bodenversalzung und zum Austrocknen des FlussesPandsch bei. Daneben werden Rinder, Schafe und Ziegen gehalten sowie Seidenraupen gezüchtet.
Das Land verfügt über Reserven anErdöl,Erdgas undBraunkohle. Wichtigstes Exportgut mit einem Anteil von 50 % an den Exporterlösen ist Aluminium aus der Aluminiumfabrik TALCO inTursunsoda; 23 % werden durch den Export vonElektrizität, die durch Wasserkraft überwiegend amNurek-Staudamm erzeugt wird, erzielt. Derzeit sind weitereWasserkraftwerke unter anderem mit russischer und chinesischer Unterstützung in Bau oder in Planung.
Geplant ist ein internationales HochspannungsnetzCASA 1000. Dieses Projekt soll die technische und infrastrukturelle Basis für den Energieexport Tadschikistans und Kirgisistans nach Afghanistan und Pakistan ermöglichen.[75]
Zusätzlich kommen in Tadschikistan weitere Erze einschließlich Zinn, Blei, Antimon,Seltene Erden,Quecksilber, Silber, Gold undUran vor, die zum Teil noch abgebaut und verhüttet werden.
Die Hinterlassenschaften des Uranbergbaus, der im Norden des Landes bis Anfang der 1990er Jahre stattfand, führen mitAbraumhalden,Absetzseen und technischen Einrichtungen zu einer möglichen Gefährdung der Bevölkerung, des Trinkwassers und der Umwelt in diesen Regionen durch radioaktive Stoffe.[76][77]
Der Verkehr stützt sich vor allem auf das nur mangelhaft ausgebaute ca. 28.000 Kilometer lange Straßennetz. DerPamir Highway ist die einzigeFernstraße des Landes. Er durchquert das Land von Westen nach Osten bzw. Norden und ist die einzige Verbindungsstraße durch die osttadschikische RegionBerg-Badachschan. VonChorugh aus erfolgt über die Fernstraße die Anbindung an die kirgisische StadtOsch.
Seit den 2000er Jahren wurden mehrere wichtige Ausbauprojekte im Straßennetz realisiert.
Im Zuge des Ausbaus der Fernstraße M34 wurden 2006 derAnsob-Tunnel und 2012 derSchahriston-Tunnel unter den Bergen derTurkestankette eröffnet. Damit entstand auch eine im Winter nutzbare Straßenverbindung zwischen der Hauptstadt Duschanbe undChudschand, der zweitgrößten Stadt des Landes, sowie dem hier beginnendenFerghanatal, einem kulturellen und wirtschaftlichen Zentrum im Zentralasien.
Seit 2007 gibt es beiPandschi Pojon (ehemals russischNischni Pjandsch) an der Grenze zwischenAfghanistan und Tadschikistan dieTadschikistan–Afghanistan-Brücke über den GrenzflussPandsch. Sie ist 670 Meter lang und wurde weitgehend von denUSA finanziert. Die Brücke verkürzt die Transportwege in der Region erheblich. Seitdem können bei diesem Übergang um ein Vielfaches mehr Fahrzeuge den Fluss überqueren.[82][83]
Das Land verfügt überEisenbahnstrecken von insgesamt 510 Kilometern Länge. Die Hauptstadt Duschanbe ist durch dieTranskaspische Eisenbahn an das internationale Eisenbahnnetz angeschlossen, mit der Verbindungen überTaschkent nachMoskau bestehen. Seit 2016 sind die bisher isolierten Netze von Duschanbe undBochtar in das usbekischeTermiz durch eine neu gebaute Gebirgsstrecke zwischenWahdat undJovon direkt über tadschikisches Territorium miteinander verbunden.[84] Der grenzüberschreitende Verkehr nach Termiz war jedoch wegen einer gesprengten Brücke seit November 2011 unterbrochen. Nach deren Reparatur konnte diese Verbindung entlang desAmudarja Anfang März 2018 wieder eröffnet werden.[85]
2018 lag die baureife Planung einer grenzüberschreitendenEisenbahnstrecke vonBalch über Pandschi Pojon, den Grenzfluss Pandsch nachSchir Chan Bandar in Afghanistan vor. Mit dem Bau sollte Ende 2018 begonnen werden. Darüber hinaus wird eine Verlängerung bisKundus erwogen.[86]
Die Tadschiken sind sprachlich, kulturell und ethnisch eng mit den Persern verwandt und stellen auch im Nachbarland Afghanistan einen Bevölkerungsanteil von 30 Prozent. Zu den ältesten und wichtigsten Bräuchen des Landes gehört das traditionelleNeujahrsfest,Nouruz, das amFrühlingsanfang feierlich begangen wird. Das Wappen Tadschikistans ist eine Reinterpretation des Wappens aus der Zeit vor dem Zusammenbruch der Sowjetunion 1991.
Die traditionellen Lehmhäuser in den Altstadtvierteln(Mahalla) und Dörfern(Kischlak) im Westen des Landes sind um einen Innenhof errichtet und von der Außenwelt durch eine hohe fensterlose Umfassungsmauer getrennt, durch die nur ein hölzernes Tor hineinführt. Die Wohnhäuser, Stallungen und Nebengebäude sind mit einem Flachdach aus Holzbalken und Lehm gedeckt, das von einem meist aus Wellblech bestehenden Satteldach überragt wird, unter dessen Schutz Winterfutter für die Tiere lagert. Im Sommer bildet der Innenhof den hauptsächlichen Lebensraum der Familie. Eine im Innenhof aufgestellte, quadratische hölzerne Plattform(Taptschan) dient als Schlafstätte, Ruhe- und Essplatz. Das Essen wird dort auf einem Tischtuch(Dastarchan) serviert.
Dietadschikische Musik wird in eine Kunstmusik mit Wurzeln hauptsächlich in derpersischen Tradition, die in den Städten im Westen des Landes und im Ferghanatal gespielt wird, und in eine Volksmusik im Süden und in den ländlichen Regionen unterteilt. Der wichtigste Stil der imEmirat Buchara gepflegten Kunstmusik ist derSchaschmaqam. Die Gesangsstimme wird von verschiedenen gezupften Langhalslauten, der StreichlauteGhichak und der RahmentrommelDoira begleitet. Beliebte Vokalstile der Volksmusik heißenFalak undKatta Aschula. In der eigenen Musiktradition von Badachschan dient vor allem die LauteRubab der Gesangsbegleitung. Seit Anfang des 20. Jahrhunderts verbinden eine Reihe von tadschikischen Komponisten den Schaschmaqam und andere eigene Stile mit westlicher klassischer Musik.
Als wichtigster Autor und „nationaler Poet“ Tadschikistans giltSadriddin Ainij (1878–1954), der die tadschikische Sprache, die während desEmirats von Buchara unterdrückt war, in der Zeit derSowjetunion wiederbelebte. (Bis in die 1920er Jahre war dieTschagataische Sprache Amtssprache des Emirats.) AuchMuhammaddschon Schakurij (1925–2012) machte sich um den Erhalt der tadschikischen Sprache verdient. Eine bedeutende tadschikische Dichterin istGulruchsor Safijewa.
Die beliebteste Sportart in Tadschikistan ist Fußball. DieFußball-Asienmeisterschaft 2024 ist das bisher einzige große internationale Turnier, für das sich die Mannschaft qualifizieren konnte. Überraschend schaffte sie es dort bis in das Viertelfinale. DieFrauen-Nationalmannschaft begann erst 2017 ihren Spielbetrieb und hat seither noch kein erfolgreiches Turnier gespielt.
Sonja Bill, Dagmar Schreiber:Tadschikistan: Zwischen Duschanbe, Pamir und Fan-Gebirge. 3. Auflage. Trescher, Berlin 2018,ISBN 978-3-89794-434-3.
Jeanine Dağyeli:Tadschikistan seit der Unabhängigkeit. In: Ludwig Paul (Hrsg.):Handbuch der Iranistik. Band 2. Reichert, Wiesbaden 2017,ISBN 978-3-95490-131-9, S. 199–207 (Forschungsüberblick).
Edward Lemon:Das politische System Tadschikistans. In:Jakob Lempp, Sebastian Mayer, Alexander Brand (Hrsg.):Die politischen Systeme Zentralasiens. Interner Wandel, externe Akteure, regionale Kooperation. Springer VS, Wiesbaden 2020,ISBN 978-3-658-31633-4, S. 91–103.
Britta Wollenweber und Peter Franke (Hrsg.):Tadschikistan – Hochgebirgsrepublik mit reicher Kultur und Geschichte. Wostok, Berlin 2021,ISBN 978-3-932916-80-9.
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