In der biologischenNomenklatur wird der AusdruckSynonym verwendet, wenn verschiedene wissenschaftliche Namen sich auf dasselbeTaxon beziehen. Der Gebrauch und die genauere Terminologie des Begriffs sind inZoologie undBotanik unterschiedlich.
In derbiologischen Nomenklatur gilt diePrioritätsregel, nach der von mehreren publizierten Namen für dasselbeTaxon im Regelfall der zuerst publizierte, d. h. der älteste Name verwendet werden soll. Hauptquelle von Synonymen ist es, wenn spätere Taxonomen dieselbe Gruppe, unter einem neuen Namen, nochmals beschreiben. Dies kann verschiedene Gründe haben: Die ursprüngliche Beschreibung war möglicherweise vage, sie war dem Neubearbeiter unbekannt (z. B. publiziert in einer sehr alten, einer wenig angesehenen und verbreiteten oder einer fremdsprachigen Fachzeitschrift), oder die bearbeitete Gruppe ist sehr lange nicht mehr Gegenstand einer taxonomischenRevision oderMonografie gewesen, wodurch die Fachliteratur schwer zu überblicken ist. Ein wichtiger Grund ist außerdem mangelnder globaler Überblick, so dass weit verbreiteteArten in verschiedenen Regionen mehrfach beschrieben werden (zum Beispiel Arten, die in Europa und in Nordamerika verbreitet sind). Auch unterschiedliche taxonomische Konzepte spielen eine Rolle (vgl.Lumper und Splitter). Wird ein Synonym in einer taxonomischen Arbeit bemerkt, wird der jüngere Name mit dem älteren synonymisiert. In Artverzeichnissen und Revisionen ist hinter jedem Artnamen in der Regel eine Liste von bereits bekannten Synonymen angefügt. Diese Namen sollen nicht mehr verwendet werden, sobald die Synonymie erkannt worden ist. Gelegentlich kommt es vor, dass ein älterer, als Synonym aufgefasster Name später doch wieder als gültig aufgefasst wird. Dies geschieht häufig dann, wenn bei einer Revision das, was bisher als eine Art galt, in mehrere Arten aufgespalten wird. Möglicherweise hat eine der dabei neu erkannten Arten bereits früher einen Namen erhalten. Dieser ist dann der gültige Name des neu erkannten Taxons, auch dann, wenn dem damaligen Erstbeschreiber dieser Unterschied tatsächlich unbekannt gewesen ist.
Nach einer Abschätzung im Jahr 2013 sind etwa 20 Prozent der (zu diesem Zeitpunkt)beschriebenen Artnamen bisher noch unentdeckte Synonyme.[1] Dieser Wert ist je nach taxonomischer Gruppe unterschiedlich. Selbstverständlich wird sich auch ein Teil der gegenwärtig neu beschriebenen Arten später als Synonyme erweisen.
In der zoologischen Nomenklatur sind Synonyme verschiedene Namen, die dasselbeTaxon bezeichnen, beispielsweise zwei Namen für dieselbe Art. In aller Regel wird das ältere Synonym („senior synonym“) verwendet; das jüngere („junior synonym“) wird nur in Ausnahmefällen verwendet, beispielsweise wenn das ältere unterdrückt ist oder weil der ältere Name schon vorher für ein ganz anderes Tier vergeben worden war.
Um als Synonym in Frage zu kommen, muss ein Name in der Zoologie im Sinne der Regelnkorrekt publiziert sein. Manuskriptnamen und Namen, die ohne jede Beschreibung erwähnt wurden (nomina nuda), können keine Synonyme sein.
Objektive Synonyme beziehen sich definitiv auf dasselbe Taxon, da ihnen dasselbeTypusexemplar zugrunde liegt.[2]
Objektive Synonyme kommen oft beiGattungen vor, die aus unterschiedlichen Gründen dieselbe Typusart haben. Häufig war nicht bekannt, dass es schon einen Gattungsnamen gab, oder der neue Gattungsname wurde trotzdem für notwendig erachtet. Ein Beispiel ist die GattungPomatia Beck, 1837[3], die für eine Gruppe von Landschnecken eingeführt wurde, darunter als Typusart dieWeinbergschneckeHelix pomatia. Allerdings warHelix pomatia bereits die Typusart der GattungHelix Linnaeus, 1758, deshalb istPomatia ein objektives Synonym vonHelix.Helix ist genauso auch ein objektives Synonym vonPomatia – aber es ist älter und hat deshalb aufgrund derPrioritätsregel Vorrang vor dem jüngeren NamenPomatia.
Auf der Artebene gibt es objektive Synonyme eher selten und sie sind kaum bekannt. Ein objektives Synonym liegt bei einer Art nur dann vor, wenn zwei Namen sich tatsächlich auf exakt dasselbe Typusexemplar beziehen. Bereits wenn einer der zwei Namen zwei Typusexemplare hat, liegt keine objektive Synonymie mehr vor (es sei denn, es liegt der Spezialfall vor, dass der zweite Name ausdrücklich alsErsatzname für den ersten vorgeschlagen wurde). Oftmals stehen in alter Literatur Sätze wie „ich nenne diese Art x, das ist dieselbe Art, die der vorige Autor als y bezeichnet hat“. Dadurch allein wird nichts über eine objektive Synonymie ausgesagt, solang der Autor nichts explizit über die zugrunde liegenden Typusexemplare geschrieben hat.
Bei subjektiven Synonymen gibt es Spielraum für Diskussionen, weil ihnen verschiedene Typusexemplare zugrunde liegen,[4] die auch zu verschiedenen Arten gehören können.
Subjektive Synonyme sind sehr häufig, allein weil früher viele Variationen als eigene Arten beschrieben worden waren, die heute zu einer einzigen Art gerechnet werden. Die meisten in den letzten 250 Jahren eingeführten Artnamen sind subjektive Synonyme anderer Artnamen.
Einhomotypisches odernomenklatorisches Synonym liegt vor, wenn dasselbe Typusexemplar zugrunde liegt.
So liegt dem NamenLeontodon taraxacumL. (einLöwenzahn) dasselbe Typusexemplar zugrunde wieTaraxacum officinaleF.H.Wigg. Beide sind also homotypische Synonyme. Weiteres Beispiel: Der NamePinus abiesL. für dieGemeine Fichte hat das gleiche Typusexemplar wiePicea abies(L.) H. Karst. Wenn letzterer als derkorrekte Name verwendet wird (was meistens der Fall ist), istPinus abies ein homotypisches Synonym vonPicea abies. Allerdings, wenn es umgekehrt wäre, wärePinus abies der verwendete Name undPicea abies wäre ein homotypisches Synonym fürPinus abies.
Für die Botanik ist ein Name, der in einer anderen Gattung steht, im Sinne der Synonymie also ein anderer Name. Im Gegensatz zur Zoologie verfügt er auch über einen eigenen Autor (nämlich den Namen der Person, die die Art erstmals in die andere Gattung gestellt hat).
Einheterotypisches odertaxonomisches Synonym liegt vor, wenn zwei verschiedene Typusexemplare zugrunde liegen.
Einige Botaniker spalten denLöwenzahn in viele einzelne Arten auf, jede mit eigenem Namen. Wenn der Löwenzahn als eine einzige Art angesehen wird, sind die Namen für die einzelnen Formen dann heterotypische Synonyme vonTaraxacum officinaleF.H.Wigg.
Die homotypischen (nomenklatorischen) Synonyme in der Botanik sind objektive Synonyme in der Zoologie.
Die heterotypischen (taxonomischen) Synonyme in der Botanik sind subjektive Synonyme in der Zoologie.
Der gleiche Artname in einer anderen Gattung ist in der Botanik ein Synonym und hat einen zusätzlichen Autor. In der Zoologie ist er kein Synonym, sondern nur eine andere Gattung-Art-Kombination und hat auch keinen zusätzlichen Autor.
In der Botanik kann auch ein unpublizierter Name ein Synonym sein, in der Zoologie nicht.
Auch in der Taxonomie und Nomenklatur derProkaryoten gibt es das Konzept der Synonyme. Als Prokaryoten werden zweiDomänen in der Biologie zusammengefasst, dieArchaeen (Archaea) und dieBakterien (Bacteria). Für die wissenschaftlichen Namen von Prokaryoten wird derInternational Code of Nomenclature of Prokaryotes (ICNP, Internationaler Code der Nomenklatur der Prokaryoten) – in Kurzform alsProkaryotischer Code bezeichnet – verwendet. Bis 2019 wurde der Code alsInternational Code of Nomenclature of Bacteria (ICNB) bezeichnet.[5] Durch die Anerkennung von Bakteriennamen in denApproved Lists of Bacterial Names im Jahr 1980[6] wurden erst mit später verfügbarenmikrobiologischen odermolekularbiologischen Methoden Synonyme erkannt, auf die im Regelfall die Prioritätsregel angewendet wird. Nach dem ICNP führt eine Umkombination (Combinatio nova, comb. nov.) einer Art zu einer anderen Gattung oder einerSubspezies zu einer anderen Spezies zur Bildung von Synonymen (Regel 34a und 34b), ebenso bei einer Rangstufenänderung (Regel 34c, betrifft die Rangstufen von Subspezies bis Gattung). In der2022 Revision des ICNP wird in Regel 24a zwischen homotypischen und heterotypischen Synonymen unterschieden. Außerdem wird definiert, dass das Synonym, welches zuerst veröffentlicht wurde, als „früheres Synonym“ (earlier synonym) und die im zeitlichen Verlauf folgenden Synonyme als „spätere Synonyme“ (later synonyms) bezeichnet werden. Die „früheren Synonyme“ wurden vorhersenior synonyms und die „spätere Synonyme“junior synonyms genannt.[7]
Homotypische Synonyme beziehen sich auf denselben Typus. Früher wurden sie als objektive Synonyme bezeichnet. Der Typus einer Spezies oder Subspezies soll ein „Stamm“ (engl.strain) im Sinne von Bakterienstamm sein. Der Typstamm (type strain) wird durchKultivierung des Organismus alsReinkultur aufrechterhalten und ist als lebende Kultur in einer oder mehrerenSammlungen von Mikroorganismen hinterlegt (Regel 18a). Anhand eines Beispiels sollen homotypische Synonyme erklärt werden: Redfearn, Palleroni und Stanier haben 1966 die BakterienartPseudomonas mallei beschrieben, basierend auf dem Typstamm ATCC 23344 von dem als „Bacillus mallei“ (nicht gültiger Bakterienname) bezeichneten Bakterium, das Zopf 1885 untersucht hat. Daraus ergibt sich der NamePseudomonas mallei (Zopf 1885) Redfearnet al. 1966 (Approved Lists 1980) comb. nov. Im Jahr 1993 haben Untersuchungen von Yabuuchi et al. zur Etablierung der neuen GattungBurkholderia geführt, gleichzeitig wurde die alsPseudomonas mallei bezeichnete Art mit dem Typstamm ATCC 23344 (= NCTC 12938) in die neue Gattung überführt und erhielt den NamenBurkholderia mallei (Zopf 1885) Yabuuchi et al. 1993 comb. nov. Somit sind „Bacillus mallei“,Pseudomonas mallei undBurkholderia mallei homotypische Synonyme, da sie auf dem gleichen Typstamm basieren. „Bacillus mallei“ ist gleichzeitig dasBasonym, da es als erstes beschrieben wurde (allerdings erfolgte keine „offizielle Anerkennung“ des Namens).[7][6]
Heterotypische Synonyme beziehen sich auf unterschiedliche Typen und entstehen dadurch, dass verschiedene Namen – assoziiert mit verschiedenen Typstämmen – durch Mikrobiologen in das gleiche Taxon eingeordnet werden. Heterotypische Synonyme wurden früher als objektives Synonym bezeichnet. Anhand eines Beispiels von Archaeen sollen heterotypische Synonyme erklärt werden:[7] Zellner et al. haben 1988 denMethanbildnerMethanocorpusculum parvum mit dem Typstamm DSM 3823 als neue Art (sp. nov.) beschrieben. 2001 haben die Untersuchungen von Boone et al. gezeigt, dass es ein späteres heterotypisches Synonym vonMethanogenium aggregans Ollivier et al. 1985 mit dem Typstamm DSM 3027 ist.
Unabhängig davon haben Xun et al. im Jahre 1989Methanogenium- undMethanocorpusculum-Arten genetisch untersucht mit dem Ergebnis, die ArtMethanogenium aggregans in die GattungMethanocorpusculum zu überführen alsMethanocorpusculum aggregans (Ollivier et al. 1985) Xun et al. 1989 comb. nov. mit dem Typstamm DSM 3027. Somit stelltMethanocorpusculum aggregans, wie zuvor beschrieben, ein homotypisches Synonym vonMethanogenium aggregans dar undMethanogenium aggregans gilt gleichzeitig als Basonym. Mehrere, aufeinander folgende Umkombinationen kommen bei Prokaryoten-Taxa häufiger vor und erschweren das Auffinden oder Benennen des korrekten Basonyms, Beispiele dazu sind im ArtikelBasonym zu finden. Daher wurde mit der2022 Revision des ICNP die Regel 27 erweitert: In allen nach dem 1. Januar 2023 veröffentlichten Artikeln zur Festlegung vonCombinatio nova (comb. nov., Umkombination, neue Kombination) müssen die dadurch entstandenen homotypischen oder heterotypischen Synonyme aufgeführt und das Basonym muss angegeben werden.[7] Eine zuverlässige Quelle zum Nachschlagen der prokaryotischen Namen inklusive der Synonyme ist die DatenbankList of Prokaryotic names with Standing in Nomenclature (LPSN), die mittlerweile von derDeutschen Sammlung von Mikroorganismen und Zellkulturen (DSMZ) erworben und neu gestartet wurde.[8]
↑Mark J. Costello, Robert M. May, Nigel E. Stork (2013):Can We Name Earth’s Species Before They Go Extinct? Science 339: 413–416.doi:10.1126/science.1230318
↑S. P. Lapage, P. H. A. Sneath, E. F. Lessel, V. B. D. Skerman, H. P. R. Seeliger, W. A. Clark (Hrsg.):International Code of Nomenclature of Bacteria – Bacteriological Code, 1990 Revision. ASM Press, Washington (DC), USA 1992,ISBN 1-55581-039-X (online).
↑abApproved Lists of Bacterial Names. In: V. B. D. Skerman, Vicki McGowan, P. H. A. Sneath (Hrsg.):International Journal of Systematic Bacteriology.Band30,Nr.1, 1980,ISSN0020-7713,S.225–420,doi:10.1099/00207713-30-1-225,PMC 518444 (freier Volltext).
↑abcdInternational Code of Nomenclature of Prokaryotes. Prokaryotic Code (2022 Revision). In: Aharon Oren, David R. Arahal, Markus Göker, Edward R. B. Moore, Ramon Rossello-Mora, Iain C. Sutcliffe (Hrsg.):International Journal of Systematic and Evolutionary Microbiology.Band73, 23. Mai 2023,S.005585,doi:10.1099/ijsem.0.005585.
↑Aidan C. Parte, Joaquim Sardà Carbasse, Jan P. Meier-Kolthoff, Lorenz C. Reimer, Markus Göker:List of Prokaryotic names with Standing in Nomenclature (LPSN) moves to the DSMZ. In:International Journal of Systematic and Evolutionary Microbiology.Band70,Nr.11, 1. November 2020,S.5607–5612,doi:10.1099/ijsem.0.004332 (dsmz.de [abgerufen am 1. April 2024]).