Sylt ist mit 99,14 Quadratkilometern nachRügen,Usedom undFehmarn dieviertgrößte Insel Deutschlands und die größte deutscheNordseeinsel. Sylt liegt zwischen 9 und 16 Kilometer vor der Küste des Festlands, mit dem sie seit 1927 über den elf Kilometer langenHindenburgdamm verbunden ist. Südöstlich von Sylt befinden sich die InselnAmrum undFöhr, nördlich liegt die dänische InselRømø. In der Nähe der Sylter Nordspitze liegt die InselUthörn.
Sylt erstreckt sich über 38,0 Kilometer in Nord-Süd-Richtung und ist im Norden, amKönigshafen beiList auf Sylt, nur etwa 320 Meter breit. An ihrer breitesten Stelle, vonWesterland im Westen bis zur Nössespitze beiMorsum im Osten, misst sie 12,6 Kilometer. Der südliche Teil der Insel ist ebenfalls schmal. An der West- und Nordwestseite Sylts erstreckt sich ein knapp 40 Kilometer langerSandstrand, zur Ostseite liegt dasWattenmeer, das zumNationalpark Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer gehört und beiNiedrigwasser weitgehend trockenfällt.
Typische Küstenlandschaft auf Sylt
Die Form der Insel ist fortgesetzten Veränderungen unterworfen. Wegen ihrer exponierten Lage in der Nordsee kommt es zu kontinuierlichen Landverlusten beiSturmfluten. Der nördliche und der südlicheNehrungshaken der Insel bestehen ausschließlich ausSandablagerungen, während der Mittelteil der Insel im Bereich der ehemaligen Gemeinden Westerland,Wenningstedt undSylt-Ost auf einemGeestkern ruht, der von See aus in Form desRoten Kliffs sichtbar ist. Der dem Wattenmeer zugewandte Teil des Geestkerns geht im Bereich der ehemaligen Gemeinde Sylt-Ost in relativ fruchtbaresMarschland über. Nach heute als gesichert angesehenen Quellen ist Sylt seit derZweiten Marcellusflut von 1362 eine Insel. Ihre höchste Erhebung ist dieUwe-Düne in Kampen mit52,5 m ü. NHN.
Auf Sylt herrscht ein vomGolfstrom beeinflusstesSeeklima. Die Wintermonate sind mit durchschnittlich etwa 2 °C etwas milder als auf dem benachbarten Festland, die Sommermonate dagegen mit durchschnittlich 17 °C, trotz längerer Sonnenscheindauer, etwas kühler. Im Jahresdurchschnitt hat Sylt täglich 4,6 Stunden Sonnenschein.[1]
Die Jahresmitteltemperatur liegt bei 8,7 °C. Der Wind weht im Jahresdurchschnitt mit 6,7 m/s vorwiegend aus westlichen Richtungen. Die Jahresniederschlagsmenge liegt bei rund 734 mm[2] bzw. 747 mm.[1] Aktuelle Klima- und Wetterdaten liefern seit 1937 die mittlerweile automatisierte nördlichsteWetterstation desDeutschen Wetterdienstes auf einer Düne bei List und einige Stationen kommerzieller Wetterbeobachter wieMeteoGroup Schweiz, ebenfalls in List.
Monatliche Durchschnittstemperaturen und -niederschläge fürList auf Sylt
Die Insel Sylt in ihrer jetzigen Gestalt existiert erst seit etwa vierhundert Jahren. Sie entstand wie dieFestlandgeest ausAltmoränen und hat deshalb einenGeschiebemergelkern, der heute in der Mitte und im Westen der Insel mit Kliff, Dünen und Sandstrand sichtbar ist. Dieser Geestkern erodierte, nachdem ihn der Anstieg des Meeresspiegels vor 8000 Jahren der starken Strömung entlang des steilen Inselsockels aussetzte. Dabei lagerten sich dieSedimente südlich und nördlich an. Die Westkante, die ursprünglich zehn Kilometer vor der heutigen Küste lag, verlagerte sich so stetig nach Osten, während gleichzeitig die Insel im Norden wie im Süden länger wurde. Um diesen Geestkern lagerte sich nach derletzten Eiszeit Marschland an.[3]
Zwar wird Sylt bereits 1141 als Insel bezeichnet, doch gehörte sie vor der erstenGroßen Mandränke 1362 zu einer vonPrielen durchzogenen Landschaft und war zumindest bei Niedrigwasser trockenen Fußes vom Festland erreichbar.[4] Vermutlich erst nach dieser Flut entwickelte sich durch die Bildung vonNehrungshaken aus dem von den Meeresströmungen verdrifteten abgetragenen Material die gegenwärtige charakteristische Gestalt. Dabei waren und sind besonders die nördlichen und südlichen Enden der Insel großen Veränderungen unterworfen. So war Listland im 14. Jahrhundert für einige Zeit vom Rest der Insel getrennt, und durch die Entstehung desEllenbogens versandete derKönigshafen bei List ab der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts.[5]
Sylt auf einer Karte desJohannes Mejer von 1648. Gut zu erkennen sind derKönigshafen bei List und die heute untergegangenen damaligenKirchspiele, darunter die alte Kirche vonEidum.
Zusätzlich zum schleichenden Landschwund belastete die Einwohner während der sogenanntenKleinen Eiszeit der Sandflug. Die nach Osten wanderndenDünen bedrohten Land und Siedlungen, weshalb sie ab dem 18. Jahrhundert durch die Bepflanzung mitStrandhafer befestigt wurden. Das hatte jedoch zur Folge, dass abbrechendes Material vermehrt abdriftete und die Inselsubstanz weiter abnahm.
Ab 1870 existieren Aufzeichnungen des jährlichen Küstenrückgangs. Demnach verlor Sylt in den Jahren 1870–1951 jährlich durchschnittlich 0,4 Meter im nördlichen und 0,7 Meter im südlichen Küstenabschnitt. 1951 bis 1984 steigerte sich die Rate auf 0,9 bzw. 1,4 Meter, während die Küstenlinie an den Inselenden beiHörnum und List noch größeren Veränderungen unterworfen ist.[6]
Durch schwere Sturmfluten in den letzten Jahrzehnten ist Sylt immer wieder in Gefahr, auseinanderzubrechen. So trennte dieSturmflut 1962 Hörnum vorübergehend vom Rest der Insel. Besonders gefährdet ist dabei eine nur rund 500 Meter breite Schmalstelle südlich vonRantum.
Die Nordseeküste besitzt eines der dichtesten Pegel-Netzwerke der Welt, dessen Daten 100 Jahre und mehr zurückreichen. An Pegeln wird die sogenannte relative Meeresspiegeländerung gemessen, d. h. die Veränderung des Meeresspiegelniveaus im Verhältnis zum angrenzenden Land. Seit 1992 sind Satelliten in der Lage, die geozentrischen oder absoluten Veränderungen des Meeresspiegels im Verhältnis zum Erdmittelpunkt zu bestimmen. Der stärkste relative Meeresspiegelanstieg in der Nordsee ereignete sich seit Beginn der Satellitenbeobachtung mit 6,6 mm/Jahr bei Hörnum auf Sylt. Global hat sich die Rate des Anstieg (AR6) seit 1970 fast verdreifacht. Bis zum Ende des Jahrhunderts kommen weitere 30 bis 80 Zentimeter dazu.[7][8][9]
Tetrapoden am Strand von HörnumEine Stahlbetonbuhne bei Westerland
AlsKüstenschutzmaßnahmen gegen die stetigeErosion wurden schon im 19. JahrhundertBuhnen aus Holzpfählen errichtet. Diese rechtwinklig zur Küste in die See hinein gebauten Anlagen wurden später von Metall- und schließlich von Stahlbetonbuhnen abgelöst. Doch erzielten diese Bauwerke langfristig nicht den gewünschten Erfolg. Sie können die durch Querströmungen verursachte Erosion nicht stoppen, da die auf der wind- und strömungsabgewandten Seite einer Buhne auftretende „Lee-Erosion“ nachhaltige Sandablagerungen verhindert.
In den 1960er Jahren kamen sogenannteTetrapoden („Vierfüßer“) zum Einsatz und wurden dem Fuße der Dünen entlang oder – ähnlich wie die Buhnen – ins Meer hinaus verlegt. Aber die rund sechs Tonnen schweren vierfüßigen Betonelemente waren für die am Sylter Strand herrschenden Verhältnisse zu schwer und konnten die Erosion nicht aufhalten. Vor dem Hörnumer Weststrand sind sie deshalb ab Mitte 2005 zum Teil wieder entfernt worden.[10]
Seit Anfang der 1970er Jahre wird, als bislang einzig wirksames Mittel gegen die Erosion, Sand vor die Küsten der Insel gespült.Baggerschiffe, sogenannte „Hopperbagger“, nehmen aus einem ihnen speziell zugewiesenen Gebiet, das weit vor der Küste liegt, Sand in ihren Laderaum auf. Sie fahren dann in die Nähe der Küste und spülen durch Rohrleitungen ein Wasser-Sand-Gemisch an den Strand. DurchPlanierraupen wird der Sand verteilt. Dabei soll lediglich das beiSturmfluten abgetragene,vorgespülte Sanddepot ersetzt werden – die eigentliche natürlicheKüstenlinie wird somit geschützt und die Erosion verlangsamt. Diese Vorgehensweise ist mit erheblichen Kosten verbunden. Der Bedarf von jährlich bis zu 10 Millionen Euro wird derzeit von Mitteln desBundes, des Landes und derEuropäischen Union gedeckt. Seit 1972 wurden etwa 60 Millionen Kubikmeter Sand vorgespült und aufgeschüttet. Diese Maßnahmen haben zusammen bisher über 143 Millionen Euro gekostet, sollen aber nach Berechnungen von Forschern ausreichen, um für mindestens drei Jahrzehnte größere Landverluste zu verhindern. In Hinsicht auf die Wirtschaftslage der Insel könnte daher der überwiegend privat gezogene Nutzen größer sein als die Kosten.[11] In der StudieKlimafolgen für Mensch und Küste am Beispiel der Nordseeinsel Sylt von 1995 heißt es: „Hätte Sylt nicht das Image einer attraktiven Ferieninsel, gäbe es den Küstenschutz in der bestehenden Form gewiss nicht.“[12][13]
Prinzip der Sandaufnahme und Übergabe des HopperbaggersSandaufspülung, Verteilung durch eine Planierraupe, auf See der Hopperbagger
Als Alternative wird die Verstärkung eines natürlichenRiffs vor der Küste diskutiert. Ein entsprechender Versuch wurde in den Jahren 1996 und 2003 unternommen.[14] Die auf dänischen Inseln erfolgreiche „Sanddrainage“ ist wegen der Versteilung des untermeerischen Hangs vor Sylt nicht erfolgversprechend.[15]
Sandvorspülung mit Tetrapoden am Weststrand
Parallel zu den Sandvorspülungen wurden die Buhnen, die sich für den Küstenschutz als weitgehend nutzlos erwiesen hatten, an einigen Strandabschnitten mit großem Aufwand wieder abgetragen. Dieser Maßnahme ist auch die wohl bekannteste Buhne der Insel, dieBUHNE 16, Namensgeberin des gleichnamigen Nacktbade-Strandes, zum Opfer gefallen.
Einige Experten fürchten trotz all dieser Maßnahmen, dass Sylt bis Mitte des 21. Jahrhunderts erhebliche Landverluste hinnehmen müsse. Die voranschreitendeglobale Erwärmung werde zu vermehrter Sturmaktivität führen, was erhöhte Landverluste und als erste Konsequenz den Verlust zum Beispiel derVersicherbarkeit von Eigentum zur Folge haben könnte. So haben Messungen ergeben, dass sich die Wellenenergie nicht mehr wie früher am Vorstrand erschöpft, sondern ihre zerstörerische Wirkung auch auf den Strand ausweitet. Das führt zu einem Sedimentverlust von rund 1,1 Millionen m³ jährlich.[5]
Die Dünengebiete der Insel stehen unter Naturschutz und dürfen nur auf gekennzeichneten Wegen betreten werden. Sogenannte „wilde“ Wege leisten der Erosion Vorschub und dürfen nicht begangen werden. Dort, wo die Vegetation zertreten wird und keine Wurzeln den Sand festhalten, wird er von Wind und Wasser abgetragen.
Das Errichten vonLahnungen im Uferbereich desWatts soll die Sedimentation fördern und derLandgewinnung dienen. Auch die Beweidung der Deiche und der Heideflächen durch Schafe dient letztlich demKüstenschutz, da die Tiere den Bewuchs kurz halten und mit ihren Klauen dieGrasnarbe verdichten. So fördern sie die Entwicklung einer kompakteren Deichoberfläche, die bei einer Sturmflut den Wellen weniger Angriffsfläche bietet.
DieFlora der Insel Sylt ist geprägt von der ursprünglichen Kargheit des Landes. Bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts war Sylt eine fast baumlose Insel. Erst durch gezielte Aufforstungen und Anpflanzungen entstanden kleinere Wald- und Buschgebiete. Noch heute ist beispielsweise in den Waldgebieten „Friedrichshain“ und „Südwäldchen“ in Westerland die planmäßige Anlage des Bewuchses erkennbar: die Bäume stehen weitgehend in Reih und Glied. Auch die weit verbreiteteKartoffel-Rose (Rosa rugosa), die auf der Insel auch alsSyltrose bezeichnet wird, ist erst durch Menschenhand als Zierpflanze auf die Insel gelangt. Sie stammte ursprünglich vonKamtschatka. Die genügsame Rose fand auf der Insel ideale Lebensbedingungen und verbreitete sich rasch, so dass sie heute zum typischen Bild der Insel zählt. Ihre Verbreitung wird aus biologischer Sicht mit Sorge betrachtet, da sie seltene und schützenswerte einheimische Pflanzen, insbesondere auf den Heideflächen, mehr und mehr zu verdrängen droht.[16]
Die großenHeideflächen auf der Wattseite der Insel sind Lebensraum vieler seltener Tiere. Das Heide-Ökosystem bietet einer großen Zahl von Lebewesen Platz, die den extremen Bedingungen (Trockenheit, Wärme, Wind) angepasst sind: Etwa 2500 Tierarten und 150 Pflanzenarten konnten bisher nachgewiesen werden. Von diesen Pflanzenarten stehen 45 Prozent auf derRoten Liste.[16] Beachtlich ist die Zahl von über 600 verschiedenenSchmetterlingsarten, die in den Heideflächen leben, darunterKleiner Fuchs,Zitronen- undDistelfalter sowieTagpfauenaugen.[17]
Heidelandschaft am Ellenbogen im Norden
Die in Deutschland in ihrem Bestand gefährdeteKreuzkröte hat im Dünengürtel von Sylt mit tausenden Individuen eines ihrer größten deutschen Vorkommen. Ihre Laichplätze sind vernässte Dünentäler und flache, kurzlebige Tümpel. Als Landlebensräume dienen ihr vegetationsarme Sandlandschaften. Bedroht ist diese Art auf Sylt insbesondere durch den Straßenverkehr.[18]
Bei den Vorkommen der Landsäugetiere gibt es heute keine erheblichen Abweichungen gegenüber den benachbarten Festlandgebieten Norddeutschlands. Nachdem die Insel mit dem Eisenbahndamm eine Festlandverbindung erhalten hatte, sind hier primärFeldhasen,Kaninchen undRehwild zu nennen, die auf der Insel auch bejagt werden. Durch den Zuzug von Raubtieren wieRotfuchs undDachs wurden die bis zu der Zeit weit verbreitetenBodenbrüter fast vollständig verdrängt. Ein im Mai und Juni 2025 nachgewiesenerGoldschakal machte Probleme mit Schafsrissen (die Schafe sind für die Deichpflege eingesetzt).[20]
Westlich von Sylt liegt eine Kinderstube derSchweinswale. Daneben leben in dem Seegebiet vor Sylt und den vorgelagerten Sandbänken größere Populationen vonSeehunden sowie von den in deutschen Gewässern relativ selten vorkommendenKegelrobben. Die früher zahlreich vor Sylt lebendeEuropäische Auster ist um 1950 wegenÜberfischung ausgestorben. Mitte der 1980er Jahre wurde als Ersatz diePazifische Auster zwischen List und Kampen kultiviert, die sich schnell stark über die ursprüngliche Kulturfläche hinaus ausbreitete.
Früher war dieKreuzkröte im Dünengürtel mit einigen tausend Tieren häufig. Ebenfalls in den Dünen lebte derMoorfrosch. Beide Arten gehen stark zurück wegen Veränderungen im Wasserhaushalt.Erdkröte undGrasfrosch kommen verbreitet in Teichen undKoogen vor. DerTeichmolch ist bereits ausgestorben. DieWaldeidechse ist noch flächendeckend vorhanden. DieZauneidechse ist ebenfalls ausgestorben. Einzelne Nachweise vonBlindschleiche,Kreuzotter undRingelnatter gehen vermutlich auf Einschleppungen durch Materiallieferungen zurück.[21]
Um die Erforschung und den Schutz der bedrohten Tier und Pflanzenarten bemühen sich zahlreiche Vereine und Verbände, die mit Niederlassungen auf der Insel vertreten sind. Dazu zählen unter anderem dasAlfred-Wegener-Institut, dieSöl’ring Foriining, derVerein Jordsand, dieSchutzstation Wattenmeer und dieNaturschutzgemeinschaft Sylt. Auch dasUmweltbundesamt betreibt eine Mess- und Forschungsstelle in den Dünen nördlich von Westerland.
Ein Ziel der Sylter Naturschützer ist es, durch Öffentlichkeitsarbeit wie Führungen,Flugblätter und Internetangebote sowie politische Intervention für ein nachhaltigeres Vorgehen undsanften Tourismus zu sensibilisieren.
Sylt hat 17.713 Einwohner (Stand: 2014), davon lebt annähernd die Hälfte inWesterland. In diesen Zahlen sind dieNebenwohnungsbesitzer nicht enthalten. Die Insel Sylt ist in zwei Verwaltungsbereiche unterteilt. Die neugegründeteGemeinde Sylt umfasst die ehemals selbstständigen Orte Westerland,Sylt-Ost undRantum. DasAmt Landschaft Sylt mit Sitz in der Gemeinde Sylt verwaltet die Inselorte, die nicht zur Gemeinde Sylt gehören.
Die GemeindeSylt-Ost war 1970 aus den GemeindenKeitum (mitMunkmarsch),Tinnum,Morsum undArchsum gebildet worden. PerBürgerentscheid im Mai 2008 wurde der Zusammenschluss der Gemeinde Sylt-Ost mit der Stadt Westerland zum 1. Januar 2009 beschlossen.[23] Angestrebt wird jedoch von unterschiedlichen Interessengruppen eine Fusion aller Inselgemeinden zu einerVerwaltungseinheit.[24]
Entlang der Sylter Westküste liegen sechs Orte. Die GemeindeList auf Sylt, ganz im Norden der Insel gelegen und damit die nördlichste Gemeinde Deutschlands, bewahrte durch ihre entfernte Lage zum damaligen Hauptort Keitum und ihre lange Zugehörigkeit zuDänemark eine größere Eigenständigkeit. An ihrer Ostseite liegt der Schutzhafen, von dem neben Ausflugsschiffen auch die Fähre „Sylt-Express“ derFRS Syltfähre nachHavneby auf der dänischen Nachbarinsel Rømø verkehrt. Die LeuchttürmeList West undList Ost stehen auf dem Gemeindegebiet.Wenningstedt bildete mitKampen und Braderup gemeinsam die Verwaltungsgemeinschaft der „Norddörfer“ – einen früheren interkommunalen Zweckverband auf der Insel, von dem heute noch der Schulverband existiert. Während Kampen vor allem in den 1950er- und 1960er-Jahren als der Prominententreff in Deutschland galt, ist Wenningstedt seit über 100 Jahren als „Familienbad“ bekannt. Zwischen Kampen und Wenningstedt, auf der hohen Geest, steht seit 1855 der markante 38 Meter hohe schwarz-weißeLeuchtturm Kampen. Er ist der älteste der Insel. Das abgeschalteteQuermarkenfeuer Rotes Kliff steht ebenfalls bei Kampen. Östlich des Leuchtturms Kampen liegt das Naturschutzgebiet „Braderuper Heide“. Unmittelbar südlich von Wenningstedt beginnt das Siedlungsgebiet der Inselmetropole Westerland.
Nachdem dieAllerheiligenflut am 1. November 1436 den OrtEidum zerstört hatte, gründeten die Überlebenden nordöstlich einen neuen OrtWesterland.[25] Dieser wurde 1462 erstmals urkundlich erwähnt. 1855 wurde dasSeebad gegründet, 50 Jahre später erhielt Westerland dieStadtrechte. 1949 wurde es schließlich alsHeilbad anerkannt. Die Stadt hatte Ende des Jahres 2007 9.072 Einwohner und ist heute Verwaltungssitz derGemeinde Sylt. Südlich von Westerland läuft die Insel als schmaler Nehrungshaken etwa 15 Kilometer an einer fiktiven Flut-Ebbe-Grenze vor dem Festland entlang, bis sie vom aus dem Wattgebiet östlich der Südhälfte der Insel heraus ablaufenden Gezeitenstrom, demHörnum-Tief, abgeschnitten wird. Dort liegt der OrtRantum. Dieser Ort musste, wie kaum ein anderer auf Sylt, in den vergangenen Jahrhunderten stets gegen die fortschreitende Versandung ankämpfen. Nicht wenige Höfe und eine Kirche mussten den damals noch unbefestigten, sich allmählich nach Osten bewegendenWanderdünen weichen. Erst mit der Anpflanzung von Dünengras (Strandhafer) wurde diese Gefahr gebannt. Dieser Nehrungshaken wird vor allem durch den vom Westwind aufgebauten Dünenwall geprägt. Nach Osten finden sich vereinzelt schmale Marschlandstreifen.Hörnum (Sylt) nahe der Südspitze gilt als jüngster Ort der Insel: erst kurz nach 1900 wurde er dauerhaft besiedelt. Aber schon in früherer Zeit soll die Südspitze der Insel Fischern und Seeräubern als vorübergehender Unterschlupf gedient haben. Aus dieser Zeit soll die noch heute verwendete FlurbezeichnungBudersand stammen. Dies bezeichnet eine mächtige Düne an der Ostseite des Ortes, auf der in früheren Zeiten „Buden“ – also Hütten – gestanden haben sollen.[26] In Hörnum steht derLeuchtturm Hörnum, so dass Sylt insgesamt fünf Leuchttürme aufweist. Von ständigen Sandverlusten ist die Südspitze der Insel, die so genannte„Odde“, gezeichnet. Jahr für Jahr werden große Teile der Dünenlandschaft durch Sturmfluten und Gezeiten abgetragen. Auch Küstenschutzbauwerke erzielten keine nachhaltige Wirkung, so dass auch in Zukunft zu erwarten ist, dass die „Odde“ weiter schrumpfen wird.
Der Osten der Insel bildete bis zum Zusammenschluss mit Westerland 2009 kommunalpolitisch dieGroßgemeindeSylt-Ost mit rund 5500 Einwohnern. Sie war ein Zusammenschluss der zuvor selbstständigen Dörfer der so genanntenNössehalbinsel:Tinnum,Archsum,Morsum mitKeitum (einschl.Munkmarsch) als Verwaltungsmittelpunkt. DieWeiden der Marsch prägen bis heute das Landschaftsbild und boten über viele Jahrhunderte die Grundlage für den Broterwerb in diesen Dörfern. Die Siedlungsgrenzen von Tinnum gehen mittlerweile fast unmerklich in das Siedlungsgebiet von Westerland über und so profitiert Tinnum von der unmittelbaren Nähe zur Inselmetropole. DieTinnumburg, südwestlich des Ortes gelegen, ist ein kreisförmigerWall mit einem Durchmesser von 120 Metern und einer Höhe von 8 Metern. Sie wurde etwa im ersten Jahrhundert v. Chr. errichtet, vermutlich als heidnischeKultstätte oder Wehranlage gegen Angriffe von Mensch und Meer.
Auf dem Gemeindegebiet von Tinnum liegt auch derFlughafen Sylt (IATA: GWT), ein ehemaligerLuftwaffenstützpunkt, der nun ausschließlich zivil genutzt wird. Der Name „Munkmarsch“ soll der Überlieferung nach die Bedeutung „Mönchsmarsch“ haben. Es hat sich somit bei den Wiesen um fruchtbaresMarschland gehandelt, welches ab ca. 1200 zu einem (Mönchs-)Kloster – vermutlich einem der vier Klöster inRibe – gehörte. Wenige Kilometer nördlich des alten Hauptortes Keitum gelegen, erlangte die alte Bauerschaft Munkmarsch erst Bedeutung, als der alte Keitumer Hafen mehr und mehr versandete und man Mitte des 19. Jahrhunderts beschloss, den Haupthafen der Insel nach Munkmarsch zu verlegen. Bis zum Bau des Hindenburgdammes war der Hafen von Munkmarsch der wichtigste Ankunftshafen für die Gäste, die mit derSylter Dampfschiffahrtsgesellschaft per PostschiffRaddampfer vonHoyer-Schleuse (heute dänisch) anreisten. Weiter nach Westerland ging es ab 1888 mit einer Schmalspurbahn. Hafen und Bahn verloren 1927 mit der Fertigstellung des Hindenburgdammes an Bedeutung. Die Bahn wurde abgebaut und anstelle des Fährhafens befindet sich dort heute ein privaterYachthafen.
Keitum (friesischKairem) ist einer der ältesten Orte der Insel und war über Jahrhunderte bis zum Ende des 19. Jahrhunderts ihr Hauptort. Erst mit dem einsetzenden Tourismus Mitte des 19. Jahrhunderts verlor er nach und nach seine zentrale Bedeutung. Typisch für Keitum sind die erhaltenen alten Kapitänshäuser sowie die baumbestandenen Straßen im Ortszentrum. Markantes Bauwerk ist die alte, nordwestlich des Ortskerns stehende St.-Severin-Kirche aus dem frühen 13. Jahrhundert. Weitere Sehenswürdigkeiten sind das sogenannteAltfriesische Haus und dasSylter Heimatmuseum. Beide Museen geben Einblicke in das Leben der Sylter vor Einsetzen des Tourismus.
Das ganz im Osten der Insel gelegene Morsum (Muasem) liegt an der 1,8 Kilometer langen und bis zu 21 Meter hohen SteilküsteMorsum-Kliff in einer Heidelandschaft. AmMorsum-Kliff(Buntes Kliff) kann diegeologische Geschichte der Region der letzten fünf Millionen Jahre studiert werden. Der Nachbarort Archsum ist ein alter friesischer Bauernort. Er weist mit derArchsum-Burg eines der ältesten Siedlungszeugnisse der Insel auf.
Von der jägerischen Urbevölkerung wurden keine Relikte gefunden. In derJungsteinzeit zog das höher gelegene Gelände bäuerliche Siedler an, die sich vor dem sukzessiv steigenden Meeresspiegel zurückzogen. In der Bronzezeit war das Gebiet dicht besiedelt und die Bevölkerung verhältnismäßig wohlhabend, wie aus reichen Grabfunden geschlossen werden kann.
Die Landabbrüche im Temperaturoptimum nach der Zeitenwende verkleinerten die Siedlungsfläche weiter, und parallel zur Abwanderung der Angeln ist ab etwa 400 n. Chr. kaum noch Besiedlung nachzuweisen.
Insgesamt sind auf Sylt 47Megalithanlagen in Langbetten und Rundhügeln nachgewiesen, die aber weitgehend ausgegangen sind. Während derUrdolmen fehlt, sindganglose, erweiterteDolmen nördlich von Kampen, westlich von Archsum (Nössemarsch) und östlich von Keitum (derHarhoog) erhalten. AuchPolygonaldolmen in Rundhügeln und, was in Deutschland selten ist, inHünenbetten sind nachgewiesen. Erhalten ist eines nördlich des Bahnhofs von Kampen. Zerstört wurden ein Bett mit drei Polygonaldolmen in der Nähe des Leuchtturms und eines, das sich im Strumphoog befand. Teilweise wurdenbronzezeitliche Nachbestattungen undeisenzeitlicheUrnengräber in den Kammern und Hügeln gefunden. Unter den lokalenGanggräbern ragen derDenghoog von Wenningstedt und derMerelmerskhoog bei Archsum heraus. Das Grab im Kolkingehoog wurde bei der Sturmflut von 1825 zerstört. Andere am Kliff gelegene Anlagen hatten ein ähnliches Schicksal oder wurden verlegt. Die neolithischen Siedlungen, insbesondere auf der ArchsumerGeest nachgewiesen, wurden bei der Vermarschung des Gebietes überlagert. Die Gruppe der kleinen Grabhügel, die derSchnurkeramischen Kultur zuzuordnen sind, stellen die letzte Form der steinzeitlichen Monumente dar. Das frühneolithische Erdgrab von Tinnum, aus der Gruppe der Thinghügel, lässt erstmals Bezüge zu den späteren Hünengräbern erkennen. Statt derFindlinge umgibt noch ein rechteckiger Steinrahmen eine Körperbestattung im Holzsarg.
In derBronzezeit, die im Norden spät einsetzte, entstanden die großen, reich ausgestattetenGrabhügel, die meist fünf Meter, unter Umständen aber auch sieben Meter hoch, in fünf großen Gruppen die Insel zu beherrschen scheinen. Viele dieser Denkmäler wurden in den vergangenen Jahrhunderten abgetragen oder durch Bebauung oder Landwirtschaft eingeebnet; einer der seltenen noch erhaltenen bronzezeitlicher Langhügel liegt nördlich von Kampen zwischen den runden Krockhoogen. Auch im Watt östlich der Insel finden sich Siedlungsspuren.
Aus derEisenzeit stammt die gut erhalteneTinnumburg und die fast verschwundenen Burgen bei Archsum und Rantum. Wozu sie zu ihrer Erbauungszeit genutzt wurden, kann nicht rekonstruiert werden, vielleicht waren es Heiligtümer. Bei der Wiederbesiedlung Sylts im 8. Jahrhundert nutzten die neuen Siedler die umwallten Plätze zur Anlegung eines Dorfes, das jedoch schon bald wieder aufgegeben wurde.[27]
Der NameSild wurde erstmals um das Jahr 1141 im Schenkungsbuch des KlostersOdense urkundlich erwähnt; imErdbuch des dänischen KönigsWaldemar II. von 1231 findet sich der NameSyld und im Register desDomkapitels zuSchleswig werden im 14. und 15. Jahrhundert die NamenSyld undSylt verwandt. Dabei wurde in älteren Schreibweisen nicht immer zwischeni undy unterschieden. Erst zu Beginn des 19. Jahrhunderts setzte sich die einheitliche und noch heute gültige Schreibweise durch.[28]
Über die Herkunft des Namens Sylt gibt es verschiedene Theorien. Die erste besagt, dass der Name mit dem englischen Wortsill („Schwelle“) oder dem dänischen Wortsyld (altdänisch:syll „Schwelle, Fundamentstein“)[29] verwandt sei; er hätte also die Bedeutung „Landschwelle“.
Eine andere Erklärung deutet den Namen als dasurgermanische *Selhiþō („Robbenort“), aus *selha („Robben“;dänischsæl,englischseal) und dem Suffix-iþō. Vom selben Ursprung sei der norwegische Inselname Sild (imHardangerfjord), verwandt seiSjælland.[30]
Nach einer dritten Erklärung ist der Name von dem alten dänischen Wortsylt („Salzwiese“ oder „Brackwasser“) abgeleitet.[31] Dieser Wortstamm findet sich im skandinavischen Sprachraum in zahlreichen Ortsbezeichnungen wieder, zum Beispiel in:Sylten in Nordostjütland,Syltemade aufFünen undSyltholm aufLolland bzw.Hellesylt inNorwegen.
Ein vierter Ansatz geht vom Ursprung des Namens im dänischen/skandinavischen WortSild fürHering aus, da die Sylter Seefahrer ehemals sehr aktiv den Heringsfischfang betrieben. Die damals große Bedeutung des Herings für die Insel zeigt sich auch darin, dass er bereits 1668 als Wappentier auf Sylt nachgewiesen ist. Jedoch kam es durchaus auch umgekehrt vor, dass solche Wappenmotive aus einervolksetymologischen Deutung der Landschaftsnamen entstanden.
Um das Jahr 460 n. Chr. wies das Gebiet westlich der heutigen Insel, damals Teil einer Marschenlandschaft, einen wohl bedeutenden Hafen auf. Unbestätigten Überlieferungen zufolge sollen dieanglischen HeerführerHorsa undHengest im 5. Jahrhundert vom damaligen Weststrand der „Insel“ zu ihrem Feldzug gegen dieRomano-Briten undKelten aufgebrochen sein.[32] In den folgenden Jahrhunderten waren die nordfriesischenUthlande kaum besiedelt.
Münzfunde aus der Merowingerzeit lassen darauf schließen, dass sich zu dieser ZeitFriesen auf der Flucht vor der Expansion desfränkischen Reichs im Gebiet der nordfriesischen Inseln niederließen.[33]
Die älteste Kirche, dieKeitumer Kirche, wurde um 1020 angeblich vonKnut dem Großen an der Stelle eines früherenOdinheiligtums errichtet.[34] Sie gehörte seit 1100 zum Kloster vonOdense und wurde 1188 den HeiligenKnut und Ketel geweiht. Der Baumeister, der gleichzeitig mit der heutigen, 1216 erbauten, Kirche auch die Kirchen aufPellworm und Föhr errichtete, soll an einem Tag zu Pferde von einer Baustelle zur anderen gelangt sein.[5] Auch der König von Dänemark griff nach derKielholt-Chronik um diese Zeit Sylt zu Wasser und zu Land an.[35] Im 12. Jahrhundert gab es bereits vier Kirchen auf Sylt: in Keitum, Morsum, Eidum und Rantum.
1231 wird „Syld“ imWaldemar-Erdbuch erwähnt. Das Gebiet zahlte etwas geringere Abgaben als etwa die Wiedingharde oder Föhr und damit nicht einmal die Hälfte der Steuer derEdomsharde mitRungholt.
In derZweiten Marcellusflut im Jahr 1362 verlor Sylt große Marschflächen mit mehrerenKirchspielen im Osten und wurde damit zur Insel. Um 1400 wurde auch das Listland abgerissen und war eine Zeit lang eine eigene Insel. In derAllerheiligenflut 1436 gingEidum, das westlich von Westerland gelegene Kirchspiel, unter. Rantum versank unter den Dünen.
Am 15. August 1386 überließ KöniginMargarethe I. Sylt dem Grafen von Holstein-RendsburgGerhard VI. mit demHerzogtum Schleswig. List, das bereits seit 1292 im Besitz der StadtRipen war, blieb beimKönigreich Dänemark. 1422 kamen über 100 Sylter Seeleute in Hamburger Gefangenschaft, alsHansische Kriegsschiffe eine dänische Flotte des KönigsErich von Pommern besiegten. Wenig später fiel der Vogt Claus Lembek, dem Sylt und Osterland-Föhr unterstanden, vom König ab. 1426 schloss Sylt gemeinsam mit den übrigen Uthlanden dieSiebenhardenbeliebung, ein Ausdruck ihrer Autonomie gegenüber dem König. 1435 imFrieden von Vordingborg blieben List und das angrenzende Listland, wo sich derKönigshafen, der wichtigste Hafen zwischen Elbe und Skagen befand, wieWesterland-Föhr, Amrum und der Süden von Rømøkönigliche Enklave.
Der beim AmtTondern verbleibende Hauptteil behielt seine relative Unabhängigkeit bei. Auch die Land- und Strandvögte, welche die Obrigkeit auf der Insel vertraten, waren durchweg Sylter. Zum Teil wurden die Ämter über Generationen in einer Familie weitergegeben.
Zwischen der um 1450 entstandenenKielholt-Chronik und der Chronik des Morsumer Küsters Muchel Madis ab der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts sind keine schriftlichen Quellen bekannt. Daher kann auch die Einführung der Reformation auf Sylt nicht sicher datiert werden.
1644 fand am Königshafen eine Seeschlacht zwischen einer dänischen und einer holländisch-schwedischen Flotte statt. Um 1700 versandete der Hafen.
Um 1640 wurde erstmals von einer Sylter Schule im Kirchspiel Keitum berichtet.Walfang,Seefahrt,Austernzucht und der Entenfang inVogelkojen sorgten im 17. und 18. Jahrhundert für bescheidenenWohlstand bei Teilen der Bevölkerung, während diejenigen, die als Kleinbauern und Landarbeiter auf dem kargen Boden arbeiteten, oftmals in großer Armut lebten. DieVerkoppelungsverordnung von 1766, die eine Aufteilung der früherenAllmende ermöglichte und auf dem Festland oft zu größeren Erträgen führte, trug bei den oft kleinen und unfruchtbaren Flurstücken auf Sylt nicht unwesentlich zur Verarmung bei. Die Insel hatte bei einerVolkszählung im Jahre 1769 2814 Einwohner.
1855 wurde Westerland zum ersten Sylter Seebad. Nach demDeutsch-Dänischen Krieg kam Sylt 1866 anPreußen und wurde in dieProvinz Schleswig-Holstein eingegliedert. In jener Zeit wurde die Insel von Künstlern besucht, erst von dem Holsteiner Hans-Peter Feddersen undHinrich Wrage, dann von Eugene Dücker undEugen Bracht. Sie alle hielten sich regelmäßig auf Sylt auf, um dort zu malen, Bracht brachte später auch seine Studenten mit.[36] Seit dieser Zeit nahm auch der Fremdenverkehr langsam zu; die Kurgäste kamen per Postschiff vonTondern oder mit dem Schnelldampfer vonHamburg überHelgoland. In der Saison 1911 hatte das Seebad Westerland die bisherigen Modebäder der schleswig-holsteinischen WestküsteWyk auf Föhr undBüsum in der Beliebtheit und der Zahl der Übernachtungen überflügelt; die Seebäder Helgoland undNorderney zählten aber noch mehr Gäste.
20. Jahrhundert bis zum Ende der Weimarer Republik
ImErsten Weltkrieg wurde auf Sylt mit der sogenannten „Inselwache“ zwardeutsches Militär einquartiert (5000 Soldaten[37]), die Insel wurde aber nie zum Kriegsschauplatz. Baracken, Geschützstellungen undKasernen wurden nach dem Kriegsende entweder ziviler Nutzung zugeführt oder abgerissen.
Nach dem Krieg stimmten die Sylter bei einer derVolksabstimmungen infolge des Versailler Vertrags mit einer Mehrheit von 88 Prozent für die weitere Zugehörigkeit zu Deutschland. Der damalige HauptverbindungshafenHoyer lag nun jedoch in Dänemark, so dass die Anreise zur Insel für deutsche Gäste eine umständliche Auslandsreise wurde. Auch vor diesem Hintergrund wurde das Projekt eines Eisenbahndammes vom deutschen Festland durchs Wattenmeer vorangetrieben. Im Jahr 1927 wurde der elf Kilometer lange, nachReichspräsidentPaul von Hindenburg benannteHindenburgdamm eröffnet, über den bis heute dieMarschbahn führt. Die Fährverbindung nach Hoyer konnte gleichzeitig eingestellt werden.
In den 1930er-Jahren galt die Insel auch unter vielen prominenten Anhängern desNationalsozialismus wieHermann Göring als schick. Die nationalsozialistische Ideologie gewann rasch an Boden. DerBäder-Antisemitismus griff nun auch im zuvor als liberal geltenden Seebad Westerland um sich.[38] Viele Hoteliers und Gastwirte passten sich schnell an: Sie bezeichneten ihr Haus als „judenfrei“ und erklärten jüdische Gäste für unerwünscht. Auch die Nazi-OrganisationKraft durch Freude (KDF) nutzte Sylt als Urlaubsort. So kam es, dass in Westerland bald in zahlreichen Strandburgen und VorgärtenHakenkreuzflaggen wehten. Im Gegensatz dazu zog das intellektuelle Kampen weiterhin Künstler und Literaten an, die dem Nationalsozialismus kritisch gegenüberstanden. Einer der Treffpunkte war das HausKliffende in der Kampener Heide. Auch ein Aufmarsch derSA konnte die damalige Pensionswirtin Clara Tiedemann nicht beeindrucken – sie weigerte sich standhaft, die Hakenkreuzflagge zu hissen.[39]
Im Jahr 1938 erfolgte zusammen mit dem Bau desNössedeichs dieEindeichung desRantumbeckens durch denReichsarbeitsdienst. Man wollte einen tidenunabhängigen Wasserflugplatz errichten, der jedoch schon bei seiner Fertigstellung nicht mehr als „kriegswichtig“ eingestuft wurde. Das Rantumbecken dient heute als Naturschutzgebiet und darf nicht betreten werden.
ImZweiten Weltkrieg wurde Sylt zumSperrgebiet erklärt und der Fremdenverkehr kam vollständig zum Erliegen. Man erwartete eine mögliche Invasion der Alliierten über die Nordsee. Daher wurden massiveBunkeranlagen und Seezielbatterien mit schweren Geschützen in den Dünen gebaut, die von bis zu 10.000 Soldaten besetzt werden sollten. Ab 1940 war dasMarine-Flak-Regiment 14 auf Sylt stationiert. Sylt blieb jedoch weitgehend von kriegerischen Handlungen verschont. Gezielte Bombenangriffe erfolgten am 7. September 1939, 8. September 1939, 3. Dezember 1939, 19. März 1940 und 17. Dezember 1940 durch britische Verbände. An Zivilgebäuden entstanden dabei jedoch nur geringe Schäden.
1945 wurdenHeimatvertriebene der ehemaligen deutschen Ostgebiete, vorwiegend ausOstpreußen, in den altenWehrmachtswohnungen, Lagern und Kasernen aufgenommen. Dadurch verdoppelte sich die Bevölkerung auf rund 25.000 Einwohner. Ein Großteil der Heimatvertriebenen fand beim Wiederaufbau des Fremdenverkehrs Arbeit auf Sylt und blieb.
Eine kleine Gruppe Heimatvertriebener stellten die von ihrer Insel vertriebenen Helgoländer dar. Großbritannien erklärte 1945 die InselHelgoland zum Sperrgebiet und nutzte sie als Bombenabwurfplatz, sodass die Insel bis 1952 unbewohnbar blieb. Einige der Helgoländer siedelten sich in Hörnum an, von wo aus sie mit ihren Fischkuttern und Booten weiterhin ihre heimatlichen Gewässer anfahren konnten und so den Kontakt zu Helgoland und zur Nordsee behielten. Sie konnten unmittelbar nach der Freigabe „ihrer“ Insel zurückkehren. Diese Chance ließ sich kaum ein Exil-Helgoländer entgehen, so dass heute nur noch wenige ehemalige Helgoländer zur Sylter Bevölkerung zählen.[41]
In den 1950er- und 1960er-Jahren stiegen mit der zunehmenden Reiselust der Bundesdeutschen die Übernachtungszahlen wieder stark an. Die Insel veränderte durch zahlreiche Baumaßnahmen zusehends ihr Gesicht. Ab Mitte der 1960er Jahre entstand das Westerlands Silhouette prägende „Neue Kurzentrum“ mit seinen drei bis zu 14-geschossigen Appartementblöcken unmittelbar am Meer. Zahlreiche weitere mehrgeschossige Appartementhäuser folgten. Durch den erheblich angestiegenen Individualverkehr wurden verkehrsberuhigende Maßnahmen nötig, dieFußgängerzonen und Bereiche mit Nachtfahrverbot in Westerland entstanden.
DieBundeswehr nutzte die Kasernen, den Fliegerhorst und Wohnhäuser der Wehrmacht für ihre Einrichtungen weiter. In List befand sich dieMarineversorgungsschule (MVS), in Tinnum ein Fliegerhorst der Marine, und es waren unter anderem eine Kompanie desLuftwaffenausbildungregiments eine Marinefliegerlehrgruppe sowie eine Reservelazarettgruppe auf der Insel stationiert.[42] 2007 wurde die letzte militärische Einrichtung geschlossen.[43] Im Zusammenhang mit dem Verkauf der bundeseigenen Immobilien kam es zu erheblichem Dissens mit den betroffenen Gemeinden und zu Verwerfungen am Markt. Pläne, auf dem Gelände der ehemaligen MVS einen Bildungseinrichtung mit angeschlossenem Internat zu gründen, wurden bislang nicht verwirklicht.[44]
Aktuell gibt es in unterschiedlichen politischen Gremien Bestrebungen, die Insel auch verwaltungspolitisch zu einerGebietskörperschaft zusammenzufassen. Sofusionierten am 1. Januar 2009 die beiden größten Gemeinden Sylt-Ost und Westerland zusammen mitRantum zurGemeinde Sylt. Ob und wann sich die restlichen Inselgemeinden dieser Fusion anschließen, ist in den jeweiligen politischen Gremien umstritten.
Die Fußgängerzone in Westerland; Blick vom Kurzentrum gen Osten
Parallel zu den seit den 1950er Jahren stark ansteigenden Touristenzahlen gingen andere Wirtschaftszweige erheblich zurück. Die Wirtschaft der Insel ist nahezu vollständig unmittelbar oder mittelbar vom Tourismus abhängig. Somit sind sowohl Einzelhandel, Gastronomie, Dienstleistungen als auch das Handwerk auf die Bedürfnisse der Gäste und Vermieter zugeschnitten.Landwirtschaft und Seefahrt spielen seit Mitte der 1970er Jahre eine zunehmend geringere Rolle in derSozialstruktur der Insel; allein in Sylt-Ost finden sich nach wie vor arbeitende Betriebe der Land-, Vieh- und Holzwirtschaft. Auch das einzige verbliebene Industrieunternehmen, dieBeyschlag Werke, verließen im Jahr 1974 aufgrund steigender Grundstückspreise und der für sie ungünstigen Verkehrsanbindung die Insel.[45] Da Sylt im Gegensatz zum strukturschwachen Festland Nordfrieslands ein Überangebot an Arbeitsplätzen aufweist, pendelt ein Großteil der Arbeitnehmer, rund 4500 Personen, täglich vom Festland per Zug und Fähre auf die Insel;[46] somit wirkt sich die Wirtschaftskraft der Insel auch auf das angrenzende Festland aus.
Die große Wirtschaftskraft zieht nicht nur Arbeitnehmer an, sie ist gleichzeitig Grund für einen Wegzug von Sylter Familien, soweit für sie die hohen Mieten[47] und hoheLebenshaltungskosten nicht mehr tragbar sind. Damit verliert auch die örtliche Gemeinschaft, da die meisten Zweitwohnungsbesitzer nur zeitweise auf Sylt leben.[47]
Die Zahl der Einwohner mit Hauptwohnsitz auf Sylt betrug Ende 2014 17.713,[48] nachdem sie 2003 noch knapp unter 20.000 gelegen hatte.[49] 2014 waren nur noch 14 Prozent der Einwohner mit Hauptwohnsitz unter 20 Jahre alt.[50] 2014 wurde die Geburtsstation des Krankenhauses geschlossen.[51]
Badegast, historische PostkarteDas repräsentative ehemalige Kurhaus von Westerland, heute Rathaus
Der Tourismus ist seit über 100 Jahren auf Sylt von erheblicher Bedeutung, seit Westerland 1855 zumSeebad wurde.Kuren auf Sylt entwickelte sich schnell zur Mode der Ober- und Mittelschicht und führte zur wirtschaftlichen Neuorientierung der Sylter. In den ersten Jahrzehnten blieben die Gäste meist mehrere Wochen wegen der Heilwirkung desReizklimas und erwarteten während dieser Zeit ein entsprechendes Unterhaltungsprogramm, das seinerseits ein entsprechendes Publikum anzog. Abseits der Hauptorte wurden nach Ende des Ersten Weltkrieges in ehemaligen KasernenanlagenLandschulheime für Kinder aus den Großstädten eingerichtet.
Während des Zweiten Weltkrieges wurde die Insel zum Sperrgebiet erklärt und der Tourismus kam völlig zum Erliegen. Die unmittelbaren Nachkriegsjahre waren geprägt von Hunger und Arbeitslosigkeit. Leerstehende Hotels waren oft mit Kriegsflüchtlingen belegt, und der Kurbetrieb ruhte vollständig. Erst nach derWährungsreform konnten in der Sommersaison 1949 die ersten Nachkriegs-Kurgäste verzeichnet werden. Seitdem stiegen die Übernachtungszahlen stetig an. Um 1960 erlebte der Tourismus einen Aufschwung. Außer den bisherigen wohlhabenden Kurgästen zog Sylt nun auch größere Massen an. Das Ortsbild der Stadt Westerland erfuhr eine tiefgreifende Umgestaltung. Prägten bisher, neben traditionellen Friesenhäusern und wilhelminischen Bädervillen, nur einige größere Hotels das Stadtbild, entstanden nun mit dem „neuen Kurzentrum“ Appartementanlagen mit bis zu 14 Stockwerken. Nach und nach verdrängten diese modernen Anlagen die Villen und Logierhäuser. Diese Appartementanlagen der 1960er- und 1970er-Jahre prägen heute den Innenstadtbereich von Westerland, während die übrigen Inselorte weitgehend von dieser intensiven Bebauung verschont blieben.
Heute hat die Insel über 62.000 Gästebetten und im Jahr 900.000 Gäste mit etwa 6,8 Millionen Übernachtungen (Stand: 2023), also durchschnittlich 7,50 Übernachtungen je Gast (Stand: 2022).[52][53] Im Sommer befinden sich täglich rund 150.000 Menschen auf der Insel.[47] In der Nebensaison von Oktober bis März wurden knapp 29 Prozent der Übernachtungen registriert.[54] Die Zahl der Kurgäste, die tatsächlich Kuranwendungen in Anspruch nehmen, ist dabei auf weniger als ein Zehntel zurückgegangen.
Beachtlich ist auf Sylt die hohe Dichte an Restaurants mit gehobenem gastronomischem Angebot und mit durch Fachpresse sowie Restaurantführer ausgezeichneter Küche. Drei Restaurants weisenMichelin-Sterne (Stand 2022) auf und zahlreiche Restaurants sind imGault-Millau verzeichnet.
Nachteile des Tourismus auf Sylt sind die zunehmendeFlächenversiegelung durch Neubauten,[55] ein hohes Verkehrsaufkommen durch die große Anzahl auf die Insel gebrachter Personenkraftwagen[55] sowie Störungen in den Natur- und Vogelschutzgebieten.[56] Zugleich tragen die Einnahmen aus dem Tourismus dazu bei, die Naturschutzmaßnahmen zu finanzieren.
Das Freizeitangebot wird zu einem großen Teil durch die Natur bestimmt. Der 40 Kilometer langeSandstrand im Westen der Insel mit über 12.000Strandkörben ist in weiten Bereichen nur gegenKurabgabe zugänglich. An der geschützteren Ostseite der Insel, am Wattenmeer, liegen ebenfalls mehrere Badestellen, etwa in List, Braderup, Munkmarsch, Morsum, Rantum und Hörnum. GeführteWattwanderungen werden von den Gemeinden, privaten Wattführern oder Naturschutzverbänden wie derNaturschutzgemeinschaft Sylt e. V. und derSchutzstation Wattenmeer während der Saison angeboten. In Westerland befindet sich direkt an der Strandpromenade ein Meerwasser-Wellenbad, dieSylter Welle. Im Jahr 2004 eröffnete dasSylt Aquarium[57] und 2009 dasErlebniszentrum Naturgewalten Sylt in List.[58] Zusammen mit demTierpark Tinnum können sich Besucher hier über die heimischeFlora undFauna informieren. Die Insel verfügt über vierGolfplätze, von denen der bislang jüngste in Hörnum seit dem Jahr 2008 bespielbar ist. Darüber hinaus bieten zahlreicheFunsportanbieter saisonale Aktivitäten an, zum BeispielFallschirmspringen, Touren aufSegways oder geführte Wanderungen.
Zu Beginn des 20. Jahrhunderts waren die Badestrände nach Geschlechtern in „Damenbad“ und „Herrenbad“ getrennt; es wurde in langen Badekleidern gebadet. Ab Anfang des 20. Jahrhunderts entwickelte sich – ausgehend vom freideutschen JugendlagerKlappholttal und den Intellektuellen und Künstlern im DorfKampen – eine Bewegung, die ein Strandleben ohne Bekleidung pflegte. 1920 wurde auf Sylt der erste Nacktbadestrand eröffnet. Nacktbaden und -sonnen verbreiteten sich über die gesamte Insel. Mit „Sylt“ wurde Nacktbaden verbunden und das ideale Umfeld für Anhänger derFreikörperkultur (FKK). Seit den 1960er-Jahren gibt es am gesamten Weststrand ausgewiesene Nacktbadestrände mit Namen wie „Abessinien“,[59] „Samoa“ oder „Sansibar“. Zum wohl berühmtesten Sylter Nacktbadestrand wurde durch regelmäßige Berichterstattung in denBoulevardmedien der von „Buhne 16“ in Kampen. Heute verwischen die Abgrenzungen zwischen Nacktbade- und Textilstrand mehr und mehr. Während die Nacktbadestrände ein wenig an Popularität verloren haben, ist es nicht mehr ungewöhnlich oder aufsehenerregend, an „normalen“ Stränden ohne Bekleidung zu baden oder zu sonnen.
Das „Meerkabarett“, seit 2007 im „kunst:raum sylt quelle“[60] inRantum beheimatet, präsentiert seit 1994 im Juli und AugustKomiker,Kabarettisten und Musiker.[60]
Am „Syltlauf“ über 33,333 Kilometer nehmen jährlich bis zu 1500 Läufer teil.[61] Darüber hinaus finden zahlreicheRegatten und Wassersportwettbewerbe statt – vornehmlich vor dem Westerländer Weststrand. Dazu zählen derWindsurf-Worldcup, dieKitesurf-Trophy sowie derDeutsche Windsurfcup,[62] und dasCat Festival Sylt, eine Veranstaltung, die mehrereKatamaran-Regatten umfasst.
Neben einer eigenen Tageszeitung, derSylter Rundschau, die imSchleswig-Holsteinischen Zeitungsverlag erscheint, existieren auf Sylt durch Werbung finanzierte und kostenlos verteilte Wochenblätter. Zusätzlich gibt es den 14-täglich erscheinenden und einzig offiziellen VeranstaltungskalenderDein Sylt, welcher im Auftrag der Tourismusservices von derMedienmanufaktur Sylt herausgebracht wird. Für die Verbreitung terrestrisch empfangbarer Radio- und Fernsehprogramme stehen auf der Insel zwei Sendeanlagen zur Verfügung, derSender Morsum und derSender Westerland. Seit 2011 sendet der private RadiosenderAntenne Sylt im Kabelnetz auf der Insel und dem angrenzenden Festland auf UKW 89,8 MHz. Von 2016 bis 2019 sendete zudem der SenderSyltfunk auf UKW 88,1 MHz.[63][64] MitSylt1 gibt es einen Fernsehsender, der neben Nachrichten und Wetterberichten Veranstaltungstipps und Berichte rund um die Insel ausstrahlt. Der Sender wird deutschlandweit über das Kabelnetz sowie im Internet verbreitet.[65] Das OnlinemagazinSylt24.TV berichtet in Text- und Videoformaten über Sylt und das Inselleben.[66]
Neben zahlreichen niedergelassenen Ärzten stellt vor allem dieAsklepios Nordseeklinik Westerland die medizinische Grundversorgung sicher. Ab 1937 existierte auf einem großen Gelände an der Nordgrenze von Westerland ein „Kurlazarett für Luftstreitkräfte“. Nach dem Krieg übernahm das Landesversorgungsamt Schleswig-Holstein diesesLazarett für Kurbehandlungen von Kriegsversehrten. Ab 1951 führte derArbeiterwohlfahrtsverband (AWO) Hamburg hier „Kurmaßnahmen“ durch. Mitte der 1950er Jahre schloss das Städtische Krankenhaus Westerland, das sich an der „Rote-Kreuz-Straße“ befand. Der AWO Hamburg integrierte die Akutversorgung in die umbenannte „Nordseeklinik“.[67] 1953 wurde dort der öffentliche Krankenhausbetrieb aufgenommen, seit 1974 ist die Nordseeklinik in dieKrankenhausplanung von Schleswig-Holstein aufgenommen; 2017 wurde die Anzahl der Planbetten durch die Behörde von 112 auf 95 reduziert.[68] 1992 übernahm dieAsklepios-Kliniken-Gruppe das Krankenhaus. Die Nordseeklinik gliedert sich in ein Akutkrankenhaus und eine Rehabilitationsklinik.
Die Insel Sylt ist wegen ihres allergenarmenReizklimas Standort für mehrereRehabilitationseinrichtungen, vor allem für Krankheiten der Atmungsorgane und der Haut.
Für die Atemwege bzw. die Lunge ist besonders die jodhaltige Meeresluft durchmaritimeAerosole und das damit verbundene Reizklima aus Sonne, Wind und Salz zu nennen. Aufgrund des überwiegenden Westwinds und des geringen Baumbestands ist die Luft pollenarm.[69]
Die größte Einrichtung ist mit rund 300 Betten die Nordseeklinik, sie deckt die Bereiche „Dermatologische Rehabilitation“, „Pneumologische Rehabilitation“, „Onkologische Rehabilitation“ und „Orthopädische Rehabilitation“ ab.[70] Außerdem bestehen zwei große Rehabilitationskliniken für Kinder in Form der Fachklinik Sylt (Träger:Deutsche Rentenversicherung) sowie der Sylt Klinik (Träger:Deutsche Kinderkrebsstiftung).
Es bestehen zudem zwei Einrichtungen zurMutter-/Vater-Kind-Kur in der Insel-Klinik Sylt sowie dem Louise-Schroeder-Haus.
Im Sommer 2022 eröffnete darüber hinaus in List der sogenannte „Lanserhof Sylt“ als Teil der Lanserhof Group mit Hauptsitz im österreichischen Lans. Es ist ein ganzheitliches Gesundheitsresort, dessen Fokus auf einem naturheilkundlichen Ansatz liegt. Daneben werden Behandlungen der kardiologischen Rehabilitation bei akuten und chronischen Erkrankungen angeboten.[71]
Auf der Insel gibt es, im Gegensatz zum schleswig-holsteinischen Festland, keineWindkraftanlagen. DerOffshore-Windpark Butendiek wurde mit 80 Anlagen etwa 35 Kilometer vor der Küste in der Nordsee, westlich von Sylt, errichtet.
Autozug auf dem Hindenburgdamm Richtung FestlandIntercity mit zwei Diesellokomotiven derBaureihe 218 erreicht SyltFähre der FRS Syltfähre
An der Westküste von Sylt enden zwei transatlantischeSeekabel, zum einen bei Rantum das 14.000 Kilometer lange DatenkabelAC-1 (Atlantic Crossing) vonBrookhaven in denUSA kommend, zum anderen am Ellenbogen bei List das vonKanada kommende 8.000 Kilometer lange SeekabelCANTAT-3.[72]
Der nördlichsteWeinberg Schleswig-Holsteins (und somit auch Deutschlands) liegt inKeitum auf Sylt an der Munkmarscher Chaussee(Lage)54.9000788.365583 in der Nähe vonSt. Severin. Unweit südlich befinden sich weitere Rebflächen, die von einem weiteren Weingutbetreiber gepflegt werden. Die Sylter Anbauflächen liegen zudem etwas weiter nördlich als die Weinberge auf Föhr.[73]
Der Sylter Weißwein namens „Sölviin“ basiert auf der Rebsorte „Solaris“ und wird inökologischer Bewirtschaftung angebaut. 2009 wurden erstmals 2700 Rebstöcke gesetzt und 2018 um 6000 Rebstöcke erweitert.[74]
Mit Kraftfahrzeugen ist die Insel vom deutschen Festland aus nur mitAutozügen zu erreichen. Diese werden durch zwei Anbieter, dieDB Fernverkehr(Sylt Shuttle) und dieRDC Deutschland(Autozug Sylt), angeboten. Die Fahrzeuge werden inNiebüllauf Züge verladen und über dieMarschbahn bzw. denHindenburgdamm nach Westerland gefahren. Neben den Autozügen verkehren über den Hindenburgdamm Nahverkehrszüge derDB Regio Schleswig-Holstein und Fernverkehrszüge (IC) derDeutschen Bahn. Die Bahnhöfe der Insel sind (von Ost nach West):Morsum, Keitum undWesterlandEndbahnhof. Letztgenannter liegt als Verkehrsknoten mitZOB im Zentrum des Inselhauptortes und ist zudem die nördlichste Bahnstation Deutschlands.
Zwischen der dänischen Nachbarinsel Rømø und dem Hafen in List besteht eine Verbindung mit den beiden Fahrzeug- und Personenfähren derFRS Syltfähre. Diese verkehren bis zu sechzehn mal täglich und ist nach dem sogenannten „Sylt-Shuttle“ die zweitwichtigste Verbindung für Kraftfahrzeuge. Weitere Schiffsverbindungen bestehen im Personenverkehr saisonal mit derAdler-Express, die vonCuxhaven aus, jeweils an den Tagen Donnerstag bis SonntagHörnum erreicht.
Sylt ist über denFlughafen Sylt per Linien- und Charterverbindungen zu erreichen, die seit Ende der 1990er-Jahre erheblich an Bedeutung gewannen. In der Sommersaison bestehen mehrmals täglich direkte Flugverbindungen von und zu deutschen Großstädten und Ballungsräumen; 2019 wurden hier 140.000 Fluggäste gezählt.
Als dieDeutsche Bahn 1995 dasSchönes-Wochenende-Ticket einführte, fühlten sich einige gut betuchte Gäste bedroht und gestört. So konnten mit der Fahrkarte bis zu fünf Personen zum Preis von 15 D-Mark imRegionalverkehr befördert werden. Auf der Insel kam man auf die Idee, die Kurtaxe bereits am Bahnhof zu verlangen und nicht erst am Strand. Einige HamburgerKiez-Bewohner sowieAutonome mobilisierten sich und machten sich auf den Weg nach Sylt. So kam es zu den „Politischen Chaostagen“.
2022 fürchtete man durch das9-Euro-Ticket in den Sommermonaten Juni, Juli und August eine Überlastung der Bahnverbindungen, die Sylt mit dem Festland verbindet.[75]
Auf Sylt ist, wie auch auf den nordfriesischen Nachbarinseln, motorisierter Individualverkehr zugelassen. Die Insel verfügt über ein gut ausgebautes Straßennetz sowie große strandnahe Parkplätze, die zum Teil kostenpflichtig sind.
Radfahrer können auf ein landschaftlich reizvolles und gut ausgebautesRadwegenetz von rund 200 Kilometern Gesamtlänge[76] zurückgreifen, das alle Inselgemeinden erschließt. Es gibt kaum eine Stelle, die nicht per Fahrrad erreicht werden kann. Als nahezu durchgehender Radweg dient die Trasse der ehemaligenSylter Inselbahn, die Sylt außer in Westerland von Nord nach Süd durchquert. In Westerland gibt es eine autoarme Fahrradverbindung entlang der westlich gelegenen Dünen. Alle SVG-Linienbusse sind mit Fahrradträgern ausgestattet und erlauben damit eineFahrradmitnahme[77] von bis zu fünf Rädern. Sylts Fahrradfreundlichkeit[78] wurde beim sogenannten „Fahrradklimatest“ im Jahr 2020 desAllgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC) mit einer Gesamtbewertung von 4,0[79] (nach Schulnotenprinzip) benotet, das bedeutet im Vergleich zu den Durchführungen 2016 (Gesamtbewertung 4,1[80]) und 2018 (Gesamtbewertung 4,2[81]) eine marginale Verbesserung.
Sylt verfügt insgesamt über vier Häfen, von denen der nördlichste in List und der südlichste in Hörnum öffentlich sind. Beide Häfen sind Liegeplätze von Seenotrettungsschiffen derDeutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS). Von diesen Häfen fahrenSeebäderschiffe und Ausflugsdampfer in das Wattenmeer und zu den Seehundbänken. Von Hörnum aus verkehren die Seebäderschiffe auch zu den Nachbarinseln Amrum, Föhr und denHalligen sowie nachHelgoland. Darüber hinaus verkehrt vom Lister Fähranleger dieFRS Syltfähre. Zusätzlich hat sich dort eine touristische Infrastruktur mit Restaurants, Fischbuden und Souvenirläden entwickelt. Diese Häfen bieten außerdem als Schutzhäfen Anlegeplätze fürSportboote; aber auch Fahrzeuge derKrabben- oderMuschelfischer machen hier fest. Zwei weitere Häfen, der ehemalige FährhafenMunkmarsch sowie der in den 1930er Jahren am damaligen Seefliegerhorst entstandeneHafen Rantum, sind im Privatbesitz vonYachtclubs und nicht für die Öffentlichkeit zugänglich.
Von 1888 bis 1970 verfügte die Insel Sylt überSchmalspurbahnen mit 1000 MillimeternSpurweite, die anfangs von mehreren Gesellschaften gebaut und betrieben wurden. Die erste Strecke derSylter Inselbahn befuhr ab 1888 in den Sommermonaten die etwa 4,2 Kilometer lange Strecke vom Hafen Munkmarsch in die Inselmetropole Westerland, weitere Strecken von Westerland nach Hörnum im Süden der Insel und von Westerland nach List im Norden folgten ab 1903 bzw. 1907.
Während des Ersten und des Zweiten Weltkrieges ergänzte das Militär dieses Streckennetz um einige Kilometer, um ihre oft abgelegenen Lager und Geschützstellungen anzubinden. So wurden große Teile desEllenbogens bei List mit einem Schienennetz versehen. In den 1940er Jahren verfügte Sylt über die Inselbahn mit dem längsten Streckennetz in Deutschland. Diese Strecken wurden jedoch unmittelbar nach demZweiten Weltkrieg vollständig abgebaut.
In den 1950er-Jahren erlebte die Inselbahn durch den Fremdenverkehr einen erneuten Aufschwung, der den Siegeszug desIndividualverkehrs auf Sylt jedoch auch nicht aufhalten konnte. So wurden Nord- und Südbahn am 29. Dezember 1970 stillgelegt; die alte Ostbahn von 1888 war bereits im Sommer 1927 aufgegeben worden.[82] Den Personenverkehr verlegte dieSylter Verkehrsgesellschaft (SVG) von nun an ausschließlich aufLinienbusse.
Über Religion und Bräuche der Sylter Friesen vor derChristianisierung ist nur wenig überliefert. Die im 15. Jahrhundert entstandeneKielholtz-Chronik[35] berichtet von heidnischen Praktiken, die der Chronist selbst erlebt haben will. Die Christianisierung der Friesen erreichte im 11. Jahrhundert auch Sylt. Die frühen christlichen Gotteshäuser dieser Zeit sind nicht erhalten. Um 1240 entstand die noch heute bestehende mächtigeSt.-Severin-Kirche zu Keitum, der Turm wurde um 1450 aus Ziegel- und Feldsteinen errichtet. Zu dieser Zeit waren die Friesen auch kirchlich sehr unabhängig, zahlten lange keinenZehnten, bestimmten ihre Prediger selbst und lehnten denZölibat derPriester ab.
In den 1520er Jahren erreichte dieReformation die Insel, Sylt wurde evangelisch-lutherisch. Heute gehören 69,2 Prozent (Stand: 2020) der Bevölkerung dieser Konfession an.[83] Erst mit dem Einsetzen des Tourismus Mitte des 19. Jahrhunderts kamen nach und nach einige Katholiken auf die Insel, teils als Gäste, teils als neue Einwohner. Ende des 19. Jahrhunderts trug man diesen Veränderungen Rechnung und errichtete 1903 in derNeuen Straße in Westerland eine kleine katholische Kapelle. 1957 war diese längst zu klein geworden und mit der Christophorus-Kirche wurde nun ein neues Gotteshaus geweiht, das im Jahre 1998 wiederum durch einen Neubau an alter Stelle ersetzt wurde. Der Anteil der Katholiken an der Sylter Bevölkerung beträgt 6,4 Prozent (Stand: 2020).[83]
Im Jahr 1904 baute der Berliner ArztPaul Dahlke einen buddhistischen Theravada-Tempel in Wenningstedt. Im Frühjahr 1920 errichtete er außerdem in der Braderuper Heide eineStupa, die 1939 im Zuge der Flughafenerweiterung eingeebnet wurde. Nach dem Bau des Hindenburgdamms verlagerte er seine Aktivität nachBerlin, weil er auf Sylt sein Ziel eines abgeschiedenen buddhistischen Kulturzentrums als nicht mehr realisierbar ansah.[86]
Auf Sylt existiert seit 1992 ein Zentrum des Tibetischen Buddhismus in Westerland.[87]
Die wachsende muslimische Gemeinde auf Sylt verfügt derzeit über kein Gemeindezentrum oder Gebetsraum (Stand 2015).[88]
Zweisprachiges Bahnhofsschild (deutsch/friesisch) in Westerland
Zu den einheimischen Sprachen der Insel Sylt zählt zum einen dasNordfriesische in der VarianteSölring. Mit den Mundarten von Föhr, Amrum undHelgoland bildet sie die inselnordfriesische Dialektgruppe, die deutlich von der festlandnordfriesischen abweicht. Sölring unterscheidet sich von den anderen Inselmundarten unter anderem durch die größere Anzahl vondänischen Lehnwörtern. Die Sylter Mundart kennt auch eine eigeneRechtschreibung, die sich von derjenigen, die von den anderen nordfriesischen Mundarten verwendet wird, in mancherlei Hinsicht abhebt (so kennt sie zum Beispiel die Großschreibung der Substantive). Heute sprechen nur noch einige hundert Menschen Sölring. Infolge des Massentourismus und der Zuwanderung von Arbeitskräften vom Festland sowie der Abwanderung von Sylter Familien von der Insel ist die friesische Sprache auf Sylt besonders stark aus dem Alltagsleben verdrängt worden.
Gestärkt wird die friesische Sprache durch das sogenannte „Friesisch-Gesetz“ aus dem Jahre 2004, danach wird die alte Sprache wieder gefördert. So können beispielsweiseOrtstafel und Beschriftungen an öffentlichen Gebäuden zweisprachig (friesisch und deutsch) gestaltet werden. Beispiele dazu sind: Die Ortstafeln „Kampen-Kaamp“ bzw. „Keitum-Kairem“ oder das „Kaamp-Hüs“ – die Kurverwaltung. Auch wird der Friesisch-Unterricht an Schulen und in der Erwachsenenbildung gefördert.
Zum anderen ist traditionell der Sylter Norden, das sogenannteListland, das über viele Jahrhunderte zurDänischen Krone gehörte, dänischsprachig. Auch wenn die deutsche Sprache heute im Alltagsleben dominiert, so findet sich auf der Insel dennoch einedänische Minderheit, die ihre Sprache und Tradition in Vereinen und Schulen lebendig hält. Neben der dänischen Kirche, derVesterland Danske Kirke[89] in Westerland, existiert eine dänische Inselschule mit Abteilungen in Westerland und Keitum, eine dänische Kindertagesstätte sowie ein Freizeitheim in Westerland[90] und das dänische KulturzentrumList Kulturhus. Westerland und Keitum werden vonBücherbussen derDansk Centralbibliotek in Flensburg angefahren.[91]
In den Orten Westerland, Tinnum und Wenningstedt befinden sich Schulen der Primarstufe. Bis in die 1950er Jahre existierte in Hörnum eineZwergschule, die ihren Unterrichtsraum imHörnumer Leuchtturm hatte. Im Jahr 2007 wurde die ehemaligeBoy-Lornsen-Schule in Keitum geschlossen und aufgrund sinkender Schülerzahlen mit der Schule inTinnum zusammengelegt. In Westerland und Keitum befinden sich die beiden Abteilungen der vomDänischen Schulverein für Südschleswig betriebenen Inselschule(Vesterland-Kejtum Danske Skole),[92] daneben gibt es in Westerland auch eine dänische Kindertagesstätte.
Die einzigeweiterführende Schule, das Gymnasium mit Gemeinschaftsschulteil des Schulverbandes Sylt, ist in Westerland angesiedelt. Auf dem Festland ist die Berufsschule Niebüll.
Im Norden der Insel befindet sich zwischen Kampen und List in einem Dünengebiet unmittelbar hinter dem Strand dieVolkshochschule Klappholttal, eine der ältesten Volkshochschulen Schleswig-Holsteins.
In List gab es im Jahr 2011 konkrete Planungen, auf dem ehemaligen Kasernengelände derMarineversorgungsschule neben einerInternatsschule, dem derSekundarstufen I und II auch einen Universitätscampus zu errichten.[93] Allerdings scheiterte dies an der Finanzierung.[94]
Raumaufteilung des Uthlandfriesischen Hauses im VergleichFriesenhaus von 1784 in Keitum, umgeben vomFriesenwall
Die Insel war ursprünglich aufgrund der Kargheit des Landes und des unwirtlichen Klimas recht dünn besiedelt. So existierten um 1800 in Wenningstedt gerade einmal acht Stavenplätze und in List nur zwei Höfe. Hörnum war bis etwa 1900 völlig unbesiedelt und der Ort Rantum musste zeitweise völlig vor dem starken Sandflug kapitulieren, der Höfe, Weideland und Felder unter sich begrub. Die lange vorherrschende Bauform waren diereetgedeckten, niedrigenuthlandfriesischen Häuser, eine spezielle Form derGeesthardenhäuser. Im Unterschied zu den Häusern auf dem Festland weisen sie meist einen spitzenZwerchgiebel über der Eingangstür auf, der sich bis knapp unter den First erstreckt.
Die Häuser stehen fast alle in Ost-West-Richtung, um dem vorherrschenden Westwind eine möglichst geringe Angriffsfläche zu bieten. Im dem Wetter zugewandten Westteil der Häuser befanden sich die Ställe, sodass der Wohnbereich auf der geschützteren Ostseite lag. Die Dachgeschosse der alten Häuser wurden nicht zum Wohnen genutzt, sondern dienten als Heu- und Vorratslager, das über eine Heuluke in dem oben erwähnten Friesengiebel erreichbar war.
Bis heute erhaltene Friesenhäuser stehen nahezu ausnahmslos unterDenkmalschutz, dennoch wurden fast alle Häuser mit mehr oder weniger starken baulichen Veränderungen zu reinen Wohn- oder Appartementhäusern umgewandelt. Dabei wurde insbesondere durch den nachträglichen Einbau von Dachgauben sowie den Umbau des ehemaligen Stallteils zu Wohnzwecken das äußere Bild des Hauses stark verändert. Lediglich das vomSöl’ring Foriining schon seit 1907 als Museum betriebene sogenannte „Altfriesische Haus“ in Keitum aus dem Jahre 1737 zeigt die ursprüngliche Nutzungs- und Bauform dieser Gebäude weiterhin auf. Erhalten sind neben der eigentlichen Bausubstanz auch viele typische Ausstattungsgegenstände und Möbel, wie der in die Wand eingelassenenAlkoven mit dem nur 1,75 Meter langen Bettkasten, dieRauchküche mit offenem Herd und Feuerstelle für den in derKööv (= Döns) gelegenen Ofen. Ein weiteres im Originalzustand belassenes Haus befindet sich imFreilichtmuseum Molfsee – Landesmuseum für Volkskunde.
In der Nacht des 21. Februar, dem Vorabend desPetritages, werden in vielen Inselorten große Feuer entzündet. Die Geschichte des Biikebrennens geht als heidnischer Brauch bis weit in die vorchristliche Zeit zurück. Später dienten die Feuer der Verabschiedung der Grönlandfahrer. Das waren jene Sylter, die als Kapitäne oder Besatzung derWalfänger im Frühjahr insNordmeer zogen. Wiederbelebt hat diesen Brauch der Sylter Chronist C. P. Hansen gegen Ende des 19. Jahrhunderts.[95] Seitdem werden wieder jährlich die Biiken an den althergebrachten Orten aufgeschichtet und entzündet. Der Petritag ist auf der gesamten Insel Feiertag – alle Schulen und viele Büros und Geschäfte haben geschlossen.
Auf der fast baumlosen Insel wurde zurWeihnachtszeit anstelle einesWeihnachtsbaumes traditionell derJöölboom aufgestellt, ein kleineres Holzgestell, an den ein Kranz aus immergrünen Zweigen gebunden wurde. Er ruht auf einem Sockel mit dem Abbild von Adam und Eva unter einem (Apfel-)Baum mit der Schlange. Darüber sind ein Pferd, ein Hund und ein Hahn dargestellt. Die aus Salzteig gefertigten Figuren besitzen allesamt symbolische Bedeutung:Adam und Eva mit der Schlange stellen die durch denSündenfall gewonnene Erkenntnis von Gut und Böse dar. Das Pferd soll für Kraft, Schnelligkeit und Ausdauer stehen, der Hund für die Treue. Der zuoberst platzierte Hahn soll wie auf den Kirchtürmen nach denPetruserzählungen des Neuen Testaments die Wachsamkeit ausdrücken. Je nach Geschmack und Tradition wurden weitere Naturprodukte als Dekorationsgaben hinzugefügt.[96] Nach dem Aufkommen des Adventskranzes hat sich durchgesetzt, dass an diesem Gestell vier Kerzen befestigt werden, die ähnlich denen eines Adventskranzes nach und nach vor dem Heiligen Abend entzündet werden. Auf Sylt lange Zeit in Vergessenheit geraten, wurde der Jöölboom ab Mitte des 20. Jahrhunderts durch einige Sylter Familien wieder zu neuem Leben erweckt und erfreut sich inzwischen auch über die Insel hinaus wachsender Beliebtheit.
Das Maskenlaufen (nordfriesisch:Maskenloop)[97] ist eine Sylter Art des in Nordfriesland verbreiteten „Rummelpottlaufens“. Dieser Brauch wird vor allem noch in den Dörfern von Sylt-Ost gepflegt. ZuSilvester ziehen kleinere Gruppen von Erwachsenen und Kindern, mitMasken verkleidet, von Haus zu Haus. Die so verkleidetenOmtaakelten tragen derbe Lieder und Gedichte in friesischer oder teilweise mittlerweile auch in niederdeutscher Sprache vor, oft geht es darin um lokale Ereignisse des vergangenen Jahres. Diese Umzüge enden erst weit nach Mitternacht. Auf den NachbarinselnAmrum undFöhr ist die Tradition alsÜtj tu hulkin (Amrum) bzw.Ütj tu kenknin (Föhr) bekannt.
Das „Raketenschießen“ und Böllern ist wegen der hohen Brandgefahr aufgrund der vielen reetgedeckten Häuser und der trockenen Heide- und Dünenflächen auf der ganzen Insel untersagt.
Ein auf Sylt zuOstern verbreiteter Brauch ist das Eierwerfen (nordfriesisch:Aier smiten), bei dem in einem Wettbewerb der gewinnt, der ein Osterei am weitesten wirft, ohne dass es beim Aufprall zerbricht. Möglich ist auch, die Eier zu rollen statt sie zu werfen. Geeignete Plätze zumAier smiten sind Plätze mit weichem Gras oder Moos wie amKeitumer Kliff oder an derTinnumburg[98]. Bräuche des Eierwerfens oder -rollens sind auch in anderen Regionen wie zum Beispiel inMittelhessen verbreitet (→Ostereierschieben), inOstfriesland ist der Brauch alsEiertrullern, im benachbartenDänemark als Æggekast und Æggerulning bekannt.
Figur des Nis Puk (Sylter FriesischNes Pük) im Sylter Sagenwald
Mit der Insel Sylt sind auch Sagenfiguren wie derNis Puk (im Sylter FriesischNes Pük) und dieÖnereesken aus dem Bereich derVolksmythologie verbunden[99]. Die Figur des Nis Puk ist im gesamten deutsch-dänischen Grenzraum verbreitet und entspricht dem skandinavischenNisse. Der in Keitum geborene SchriftstellerBoy Lornsen hat den Sagensstoff um Nis Puk in mehrere Kinderbüchern aufgenommen und weiterentwickelt. Bei Kampen hat Nis Puk auch Eingang in den ThemenwaldSylter Sagenwald gefunden[100]. Die Vorstellung von unter denGrabhügeln lebenden nordfriesischen Unterirdischen (Önereesken)[101] findet sich auch auf den Nachbarinseln Amrum und Föhr, wo diese alsOnerbäänkin bzw. Oterbaankin bekannt sind.[102]
Straßenschild in Sylt-Westerland zu Ehren vonHenriette Hirschfeld-Tiburtius (1834–1911), erste zugelassene Zahnärztin in Deutschland
Die Insel wurde von Menschen geprägt und prägte gleichermaßen viele Menschen, die auf der Insel lebten oder sich mit ihr befassten. So begann der in Keitum geborene FreiheitskämpferUwe Jens Lornsen seine politische Karriere auf Sylt, undTheodor Storm verfasste nach einem Aufenthalt auf der Insel im August 1887 die durch seinen Tod unvollendet gebliebeneSylter Novelle. Nach dem Westerländer Kapitän Dirk Meinerts Hahn ist das AuswandererdorfHahndorf inAustralien benannt.[103] In den Liedtexten des LiedermachersReinhard Mey finden sich gelegentlich Bezüge zur Insel – so etwa in seinem LiedRüm Hart.
Dass das alte Sylt nicht in Vergessenheit geriet, wurde schon vor über 100 Jahren durch den Keitumer Lehrer und HeimatkundlerChristian Peter Hansen sichergestellt, der als bedeutendster Chronist der Insel gilt. Nach dessen Tod führte der HeimatforscherChristian Jensen seine Arbeit fort.
Seit Aufkommen des Tourismus Mitte des 19. Jahrhunderts lockte die Insel Künstler an. InsbesondereKampen war zu Beginn des 20. Jahrhunderts so etwas wie eineKünstlerkolonie. Neben den VerlegernFerdinand Avenarius undPeter Suhrkamp kamen zahlreiche Kunstschaffende auf die Insel, darunter Dichter und Denker wieThomas Mann oder Kunst-, Tanz-, Film- und Theaterleute wieGret Palucca undWill Grohmann oder Journalisten wieRudolf Augstein (in Keitum begraben).[104]
Der MalerAndreas Dirks wurde 1865 inTinnum auf Sylt geboren. Er studierte an der Kunstakademie Düsseldorf und in Weimar, lebte seit 1895 in Düsseldorf, nahm dort 1916 eine Professur an und unterhielt gleichzeitig in Westerland ein Atelier.
Ulrich Schulte-Wülwer bezeichnete ihn als „… die stärkste künstlerische Begabung, die die Insel hervorgebracht hat“.Carl Arp kam 1903,Alf Bachmann 1905 erstmals nach Sylt.C.C. Feddersen ließ sich 1920 in Keitum nieder,Hugo Köcke 1921 in Westerland, er behielt sein Atelier in Berlin bei.
Auf Sylt befinden sich zahlreiche frei zugängliche Kunstwerke, s.Liste von Kunstwerken im öffentlichen Raum auf Sylt. Die Spannweite reicht von eher unauffälligen Verschönerungen zu kontrovers diskutierten modernen Skulpturen, wobei letztere auf Sylt eher selten zu finden sind. Ein Beispiel für wohlwollende Rezeption ist die Wilhelmine, die nicht nur in der Wilhelmstraße, sondern auch auf zahlreichen Postkarten zu sehen ist. Ebenfalls häufig betrachtet werden die junge Frau, die Möwe und die Seerobbe, wie sie an der Strandpromenade in Westerland aufs Meer blicken und mehr Umweltschutz (S.O.S – Save Our Seas) anmahnen.
Doch die Verbindung zwischen Kunst und Natur entstehen besondere Erlebnisse. Ein herausragende Beispiel hierfür ist die Stiftung KUNST:RAUM SYLT QUELLE, die eine Sammlung von zeitgenössischen Kunstwerken unterhält[105]. Ein ebenfalls beeindruckendes Beispiel war das Meertor im Avarius-Park, das wurde 2018 entfernt.
Lesende Kinder vor der Sankt Nicolai Schule.
DieReisenden Riesen im Wind vonMartin Wolke begrüßen in Westerland die Touristen.
Wilhelmine badet seelenruhig dort, wo andere einkaufen: in der Wilhelmstraße.
DieBronze-Frau ist Sinnbild für die bedrohte Erde, die Möwe für die Luft und die Robbe für das Wasser. Gemeinsam fordern sie mehr Umweltschutz.
Im Kunst:raum (Sylter Quelle, Rantum) geht unter anderem die Flut unter…
Ein prominentes Beispiel für abgebaute Kunst ist dasMeertor vonJörg Plickat, das von 2011 bis 2018 im Avenarius-Park, Kampen aufgestellt war.
DieArchitektur-Skulptur 2023 vonIngo Kühl ist von der Keitumer Süderstraße aus vor seinem Atelier in Keitum zu besichtigen.
Sylt weist vor allem in den Sommermonaten eine beachtliche Dichte an Künstlern, Galerien, Ausstellungen und Lesungen auf. Seit 2001 schreibt die Stiftungkunst:raum sylt quelle jährlich einLiteraturstipendium unter dem NamenInselschreiber aus. Bewerben können sich deutschsprachige Schriftsteller, die bereits in Buchform publiziert haben.
Tisch am Kliff in Keitum
Im Juni 2019 wurde das KunstobjektTisch am Kliff am Sylt Museum amGrünen Kliff dauerhaft aufgestellt. Die KünstlerIngo Kühl, Hans Joachim Pohl, Edda Raspé, Walter vom Hove und Hans Jürgen Westphal gestalteten zum Thema5000 Jahre Sylter Geschichte je zwei Bronzereliefs, die zu einer Tischplatte zusammengefügt wurden. Der Tisch lädt zum Verweilen mit Blick auf das Wattenmeer ein.
Ekkehard Klatt:Sylt – Geologie einer Nordseeinsel. Wachholtz, Neumünster 2013,ISBN 978-3-529-05006-0.
Linde Knoch, Ingo Kühl:DieÖnereersken von Sylt – Sagen und Märchen von Nordfriesland und anderswo – neu erzählt von Linde Knoch – Bilder von Ingo Kühl, Wachholtz, Neumünster 2008,ISBN 978-3-529-03528-9.
Peter Schmidt-Eppendorf:Sylt. Memoiren einer Insel. Dokumente, Chroniken, Berichte aus 1001 Jahren. Quellensammlung. Husum Druck- und Verlagsgesellschaft, Husum 1977,ISBN 3-88042-037-8.
Thomas Gädeke:Wolkenbogen ziehen krönend – Sylt in der Malerei der Gegenwart. In:Sylt – entdecken, erleben genießen. Ellert & Richter Verlag, Hamburg 2015,ISBN 978-3-8319-0601-7, S. 88–105.
↑abcDas Klima in List / Sylt. In: wetterkontor.de. Abgerufen am 1. Dezember 2017 (Die Klimadaten beziehen sich überwiegend auf den Zeitraum 1961 bis 1990.).
↑Bernhard Mühr: List auf Sylt. Klimadiagramm. In: klimadiagramme.de. 1. Juni 2007, abgerufen am 6. Februar 2018.
↑abcKlimaänderung und Küste – Fallstudie Sylt (PDF; 2,6 MB) Projekt des Forschungszentrums für marine Geowissenschaften der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel Paläo-Ozeanologie, Teilprojekt:Klimabedingte Veränderung der Gestalt der Insel Sylt
↑Umweltatlas Wattenmeer – Band I – Nordfriesisches und Dithmarscher Wattenmeer. Landesamt für den Nationalpark Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer und Umweltbundesamt (Hrsg.). Stuttgart 1998, S. 38.
↑Vgl. Fallstudie Sylt TeilprojektStrategien und Optionen der Küstenschutzplanung für die Insel Syltauf.uni-rostock.de (Memento vom 10. August 2007 imInternet Archive) (PDF) S. 52, wo die Vorteile und die Risiken der starren Küstenschutzbauwerke dargestellt werden.
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↑Wolf-Rüdiger Grosse, Christian Winkler, Henrik Bringsøe:Die Herpetofauna der Nordfriesischen Inseln Dänemarks und Deutschlands Rana 2015/H. 16, S. 9–24.
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↑Arthur Dähn:Ringwälle und Turmhügel. Mittelalterliche Burgen in Schleswig-Holstein. Husum 2001, S. 148–152.
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↑abSoHarald Voigt:Die Festung Sylt – Geschichte und Entwicklung der Insel Sylt unter militärischem Einfluß 1894–1945. Eigenverlag Nordfriisk Instituut, Bräist / Bredstedt 1992,ISBN 3-88007-189-6.
↑abcBernhard Honnigfort: Sylt: Teuer und tot. Frankfurter Rundschau, 18. Februar 2013, abgerufen am 3. Juli 2016: „Sylt hat die höchsten Immobilienpreise in ganz Deutschland. Doch die vermögenden Hausbesitzer sind selten da. Und die Einheimischen ziehen weg, weil ihre Heimat für sie längst unbezahlbar geworden ist.“
↑Summe der Einwohnerzahlen der GemeindeSylt und des AmtsLandschaft Sylt per 31. Dezember 2014
↑abAchim Daschkeit, Peter Schottes (Hrsg.):Klimafolgen für Mensch und Küste: am Beispiel der Nordseeinsel Sylt. Softcover reprint of the hardcover 1st edition 2002 Auflage. Springer-Verlag, Berlin Heidelberg 2002,ISBN 3-642-56369-4,S.58–59: „In Anlehnung an Matusek (1997) lassen sich die gegenwärtigen Konflikte in die Bereiche Landwirtschaft, Versiegelung, Siedlungswesen, Tourismus und sonstige unterteilen.“
↑Umweltdaten Land Schleswig-Holstein: Ramsar-Gebiet S-H Wattenmeer und angrenzende Küstengebiete (EGV DE 0916-491). (PDF) Ministerium für Energiewende, Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume, abgerufen am 3. Juli 2016: „Für die Dünengebiete der Nordfriesischen Inseln ist die Erhaltung der Brutvogelbestände das wesentlichste Schutzziel. Wichtige Voraussetzungen für die Erhaltung bzw. die Entwicklungsmöglichkeiten der dortigen Brutvogelbestände sind die Erhaltung der Störungsarmut, der lebensraumtypischen Strukturen und Funktionen sowie der natürlichen Bodendynamik und Dünenbildungsprozesse.“
↑Der Name „Abessinien“ für einen Strandabschnitt bei Buhne 31 zwischen Kampen und Wenningstedt kam übrigens auf, als dort am 19. Oktober 1935 der französische Frachtdampfer „Adrar“, angeblich mit einer Waffenladung für Abessinien (Äthiopien) an Bord strandete. Im Sylter Volksmund wurde der betreffende Strand bald „Abessinien“ genannt, und dieser Name wurde – zum Ärger von kaiserlich-abessinischen Diplomaten – ein Synonym für das dortige Nacktbadeleben. Tatsächlich hatte die Adrar keine Waffen an Bord, am 17. August 1936 kam sie wieder frei, aber der Name hielt sich bis heute.
↑Sylt1-Das Sylter Fernsehen: Über uns. In: Sylt1 – Das Sylter Fernsehen. Abgerufen am 10. September 2020 (deutsch).
↑Sylt-News. Abgerufen am 1. September 2023 (deutsch).
↑H. Lantzsch, S. Kappes, N. Buhles:Geschichte der Klinik für Dermatologie und Allergologie in der Nordseeklinik/Sylt. In:Aktuelle Dermatologie.Band43,Nr.03, 3. März 2017,ISSN0340-2541,S.113–114,doi:10.1055/s-0043-102796 (E-Journal [abgerufen am 27. Dezember 2017]).
↑ SieheKarl Müllenhoff:Grabhügel auf Silt. In:Sagen, Märchen und Lieder der Herzogthümer Schleswig, Holstein und Lauenburg. Drittes Buch, DI (Nr.501, bei NeuausgabenNr.578). Schwers’sche Buchhandlung, Kiel 1845,S.373 (digitale-sammlungen.de).
↑Siehe Sagen über Unterirdische und Nis Puk in: Karl Müllenhoff:Sagen, Märchen und Lieder der Herzogthümer Schleswig, Holstein und Lauenburg. Drittes Buch. Schwers’sche Buchhandlung, Kiel 1845,S.309ff. (digitale-sammlungen.de).