| Suhrkamp Verlag GmbH | |
|---|---|
| Rechtsform | GmbH |
| Gründung | 1. Juli 1950 |
| Sitz | Berlin |
| Leitung |
|
| Mitarbeiterzahl | 119 (2024)[1] |
| Umsatz | 34,5 Mio. EUR (2024)[2] |
| Branche | Buchverlag |
| Website | www.suhrkamp.de |
DieSuhrkamp Verlag GmbH ist ein 1950 vonPeter Suhrkamp gegründeterdeutscherVerlag mit Sitz inBerlin. Sein Ursprung geht auf den Teil desS. Fischer Verlags zurück, der in den 1930er Jahren „arisiert“ wurde. Heute umfasst das Unternehmen eine Verlagsgruppe, zu der – neben Suhrkamp – derInsel Verlag, derDeutsche Klassiker Verlag, derJüdische Verlag, derVerlag der Weltreligionen[3] und der hauseigeneTheaterverlag gehören.
In den Jahren 2015 bis 2024 hatte das Verlagshaus zwischen 110 und 130 Mitarbeitern,[1] der Jahresumsatz lag in diesem Zeitraum zwischen 32,2 und 37,8 Millionen Euro.[2] 2024 lag der Suhrkamp Verlag in der Rangliste der umsatzstärksten Publikumsverlage in Deutschland (Belletristik und Sachbuch) auf Platz 19.[4] Das Programm enthält neben deutscher und internationalerBelletristik auch ein großes Segment wissenschaftlicher Titel.
Peter Suhrkamp begann seine verlegerische Laufbahn 1933 imS. Fischer Verlag, wo er zunächst als Redaktionsleiter derNeuen Rundschau arbeitete. Bald wurde er Vorstandsmitglied.
DieZensur in derZeit des Nationalsozialismus gefährdete den S. Fischer Verlag, zu dessen Autoren auch viele regimekritische und jüdische Schriftsteller zählten, in seiner Existenz. Daher schlossGottfried Bermann Fischer 1935 mit demPropagandaministerium ein Abkommen, gemäß dem er mit den dem Regime nicht genehmen Publikationen nach Wien ging, während Suhrkamp den „arisierten“[5][6] anderen Teil des Verlages mit den Autoren, die in Deutschland weiterhin erscheinen durften – darunter auch nationalsozialistisch orientierte Autoren[7] – als Geschäftsführer und Gesellschafter übernahm. Als Geldgeber für diesen Zweig engagierten sichPhilipp Reemtsma,Christoph Rathjen undClemens Abs.[8]
In den folgenden acht Jahren leitete Suhrkamp den Verlag S. Fischer. 1942 wurde der Verlag auf Druck der Machthaber inSuhrkamp Verlag vorm. S. Fischer umbenannt, kurz darauf der Name des jüdischen Gründers ganz entfernt.[9] Suhrkamp wurde im Frühjahr 1944 von derGestapo verhaftet und kam ins Gefängnis. Nach Einstellung des Verfahrens wurde er zur „Schutzhaft“ insKonzentrationslager Sachsenhausen verbracht. Zwei Wochen darauf wurde Suhrkamp im Februar 1945 – zwischenzeitlich schwer erkrankt – entlassen. Verschiedene Persönlichkeiten, darunterGerhart Hauptmann,Hans Carossa[10] sowie – laut Suhrkamps eigener Auskunft –Arno Breker hatten sich für seine Freilassung eingesetzt.
Am 8. Oktober 1945 erhielt Suhrkamp als erster deutscher Verleger von den britischen Militärbehörden dieVerlagslizenz zur Weiterführung des Suhrkamp-Verlags. Es folgten Auseinandersetzungen mit den Erben von S. Fischer über die Rückgabe des Verlages an die Erben. Gottfried Bermann Fischer erhob in seiner Autobiographie schwerwiegende Vorwürfe gegenüber Suhrkamp. Entgegen den eindeutigen vertraglichen Regelungen wollte Suhrkamp den Verlag behalten.[8]
Hermann Hesse bestärkte Suhrkamp darin, einen neuen, eigenen Verlag zu gründen. Zwischen Gottfried Bermann Fischer und Peter Suhrkamp kam es schließlich zu einer außergerichtlichen Einigung: Suhrkamp durfte in einem eigenen Verlag diejenigen der während des Krieges von ihm betreuten Autoren behalten, die sich entschlossen, ihm die Rechte an ihren Werken zu geben. Von den 48 Autoren, deren Werke er während des Nationalsozialismus herausgegeben hatte, entschieden sich 33 für eine Zusammenarbeit mit ihm. Darunter fanden sich – neben Hesse – Autoren wieRudolf Alexander Schröder,T. S. Eliot,George Bernard Shaw undHermann Kasack. Hesse vermittelte auch den Kontakt zur Schweizer Unternehmer-Familie Reinhart, die als Geldgeber den Aufbau eines eigenen Verlages ermöglichte und dafür einen Anteil von 50 Prozent am Verlag erhielt.[9] Die Gründung erfolgte 1950. Bereits ein Jahr später wurde die erste Reihe des Hauses ins Leben gerufen, dieBibliothek Suhrkamp, in der bis heute Klassiker der Moderne erscheinen.[11]
1952 tratSiegfried Unseld in den Verlag ein, der mittlerweile rund einhundert lieferbare Titel und sechs Mitarbeiter zählte. 1957 wurde er persönlich haftender Gesellschafter, und als Peter Suhrkamp 1959 starb, trat Unseld seine Nachfolge an. Unseld war seit 1942 Mitglied der NSDAP gewesen. Bis 2025 war Unselds Parteimitgliedschaft öffentlich nicht bekannt.[12]
Der Verlag publizierte von Beginn an deutschsprachige und internationale Literatur des 20. Jahrhunderts sowie geisteswissenschaftliche Texte, die theoretisch und ästhetisch dieconditio humana repräsentierten. Dabei ging es Suhrkamp immer darum, den Autor an sich und nicht die einzelnen Bücher zu fördern. Außerdem war (und ist) die Entdeckung neuer und junger Autoren sowie deren Durchsetzung bei Lesern und Kritikern eines der vorrangigen Ziele des Unternehmens. Der Erfolg dieses Vorhabens zeigte sich in den zahlreichen nationalen und internationalen Auszeichnungen für die von Suhrkamp geförderten Schriftsteller.
Siegfried Unseld erweiterte den Verlag zur Verlagsgruppe Suhrkamp, die nach weiteren Umbauten alsHolding rechtlich unabhängig von der Geschäftsführung der einzelnen Verlage existiert. DerTheaterverlag war ihm ein besonderes Anliegen, da er als Dramaturg mit der Bühne vertraut war und eine Vorliebe für das Genre hegte. Für ihn war klar, dass die Qualität einer Aufführung von der textlichen Vorlage abhing, und seither werden nationale wie internationale Bühnenautoren hier veröffentlicht. Der Schwerpunkt auf Theatertexten begann 1959 mit der ReiheSpectaculum, in der erstmals im deutschsprachigen Raum moderne Theaterstücke für das Lesepublikum veröffentlicht wurden.[13] Die Leitung des Theaterverlages hatte von 1959 bis 1969Karlheinz Braun, danach folgte unter anderem Rudolf Rach von 1971 bis 1976 und erneut von 1981 bis 1986.[14]
DerInsel Verlag wurde 1960, nachdem er im selben Jahr von Wiesbaden nach Frankfurt am Main übergesiedelt war, von Suhrkamp übernommen. 1961 erschienen erstmals Textausgaben moderner Filme, 1962 Opern und 1963 Hörspiele.[15] 1962 tratHans Magnus Enzensberger in den Verlag ein und gab eine Reihe mit zweisprachiger Lyrik heraus.[16]
1963 erschienen die ersten 20 Titel deredition suhrkamp mit Umschlägen in Regenbogenfarben. Der erste Titel warLeben des Galilei vonBertolt Brecht. Im selben Jahr kaufte der Verlag einen juristischen Fachverlag, der ab 1964 alsNomos Verlag auftrat. Ab 1965 gab Suhrkamp die ZeitschriftKursbuch mit vier Ausgaben im Jahr heraus, die vonHans Magnus Enzensberger undKarl Markus Michel geleitet wurde. Die Zeitschrift wechselte 1970 zumVerlag Klaus Wagenbach. 1966 erweiterte der Verlag sein geistes- und sozialwissenschaftliches Programm: DieReihe Theorie wurde verantwortet von den überwiegend jungen DenkernHans Blumenberg,Jürgen Habermas,Dieter Henrich undJacob Taubes.

1969 zog der Verlag in ein für ihn gebautes Bürohaus in der Frankfurter Lindenstraße. Die im selben Jahr gegründete Sachbuchreihesuhrkamp wissen wurde schon 1971 wieder eingestellt. Mehr Erfolg hatte der Verlag mit der 1971 begonnenen Reihesuhrkamp taschenbuch, deren erster TitelSamuel BeckettsWarten auf Godot in einer dreisprachigen Ausgabe war. Diebelletristischen Taschenbücher wurden 1973 um diesuhrkamp taschenbücher wissenschaft erweitert.
1978 übertrug Siegfried Unseld 20 Prozent seines 50-Prozent-Anteils auf seinen SohnJoachim Unseld, der als Leiter von Verkauf und Vertrieb in den Verlag eintrat. 1979 wurden alle Taschenbuch-Reihen einschließlich der des Insel Verlags in densuhrkamp taschenbuch verlag ausgelagert.
1981 gründete Suhrkamp denDeutschen Klassiker Verlag als gemeinsames Projekt von Suhrkamp und Insel. 1984 wurde diePeter-Suhrkamp-Stiftung gegründet; sie bietet Autoren an, als Nachlassverwalter und Rechteinhaber aufzutreten. Die ersten von ihr vertretenen Autoren warenUwe Johnson undWolfgang Koeppen.[17] 1988 wurde Joachim Unseld gleichberechtigter Verleger und übernahm die Verantwortung für dieedition suhrkamp, diesuhrkamp taschenbücher und die jüngere deutsche Literatur.[18] Nach einem Zerwürfnis zwischen Vater und Sohn verließ Joachim Unseld 1990 den Verlag.
1990 organisierte der Suhrkamp-Verlag die Übernahme desJüdischen Verlags, dessen Geschichte bis ins Jahr 1902 zurückreicht. Der Suhrkamp-Verlag hielt 51 Prozent, die Mitgesellschafter warenIgnatz Bubis,Walter Hesselbach und Siegfried Unseld als Privatperson. Seit 1992 wird das Programm als „Jüdischer Verlag im Suhrkamp Verlag“ herausgegeben. 1998 verkauften die Gesellschafter die zur Unternehmensgruppe gehörende und auf juristische Literatur spezialisierteNomos Verlagsgesellschaft anJulius Springer. 1999 verkaufte die Familie Reinhart 21 Prozent aus ihrem 50-Prozent-Anteil an Siegfried Unseld;[19] damit hielt Unseld jetzt 51 Prozent am Verlag, sein Sohn Joachim 20 Prozent und die Familie Reinhart 29 Prozent.
1999 kündigte LektorFriedhelm Herborth nach Differenzen mit Unseld und gründete den VerlagVelbrück Wissenschaft. Zu Programmberatern hatte Unseld Anfang des JahresPeter Sloterdijk,Ulrich Beck undJürgen Habermas gemacht.[20]
Siegfried Unseld starb am 26. Oktober 2002. Um die Nachfolgeregelung gab es innerhalb der Verlagsleitung heftige Querelen. Den Machtkampf gewann seine Witwe, die Suhrkamp-AutorinUlla Berkéwicz, jetzt Unseld-Berkéwicz, gegenGünter Berg, der seit 2000 verlegerischer Geschäftsführer von Suhrkamp und Insel war. Berg verließ in der Folge Ende November 2003 den Verlag und wurde 2004 Geschäftsführer des VerlagesHoffmann und Campe.[21] Ende Februar 2004 erklärte mitMartin Walser einer der prominentesten lebenden deutschsprachigen Autoren seinen Wechsel von Suhrkamp zumRowohlt Verlag.
In diesem Zeitraum entschlossen sich die Minderheitsgesellschafter aus der Familie Reinhart, ihren Anteil zu verkaufen. Zum Jahreswechsel 2006/2007 übernahm der Hamburger MedieninvestorHans Barlach, damals Miteigentümer derHamburger Morgenpost,[22] für acht Millionen Euro[9] die Suhrkamp-Anteile der Familie Reinhart, die inzwischen in derMedienholding AG Winterthur gebündelt worden waren. Ursprünglich sollte der Einstieg Barlachs zusammen mitClaus Grossner erfolgen, der sich aber mit den Reinharts nicht über den Kaufpreis einigen konnte und schließlich von seiner Kaufabsicht zurücktrat.[23] Barlach einigte sich mit den Reinharts und stieg alleine ein, zahlte aber die zweite Hälfte des Kaufpreises nicht und wurde im Mai 2013 schließlich zur Zahlung der ausstehenden rund vier Millionen Euro verurteilt.[24] Barlach erhob unmittelbar nach seinem Einstieg schwere Vorwürfe gegen Ulla Unseld-Berkéwicz: „Ich halte sie als Verlagsgeschäftsführerin für nicht qualifiziert. Diese Frau kann es nicht, hat sich völlig vergaloppiert.“[25] Ulla Unseld-Berkéwicz als Mehrheitseigentümerin und Leiterin des Suhrkamp-Verlags wollte ihrerseits die Rechtmäßigkeit des Verkaufs überprüfen lassen.[26] In der Folge erhob Barlach mehrfach Klagen gegen Entscheidungen der Gesellschafterversammlung, woraufhin Unseld-Berkéwicz Gegenklagen einreichte.
Barlachs Motivation, in den Verlag einzusteigen, wurde in den folgenden Monaten und Jahren zum Gegenstand von Diskussionen. Vertreter der Verlagsführung sahen in ihm einen reinen Finanzinvestor, der kein Interesse am literarischen Profil, sondern nur an Rendite habe.[27] Er wolle die Investitionen in neue Autoren und Werke zurückschrauben, um die lukrativen Rechte derBacklist-Titel zu verwerten.[28] Dem trat Barlach entgegen. Er wolle den Verlag selbst führen, da Unseld-Berkéwicz dazu nicht in der Lage sei. Der hohe Anteil des Ertrags aus den langjährigen Titeln von rund 55 Prozent sei vielmehr bedenklich und es müsse mehr in attraktive neue Titel und Autoren investiert werden. Eine Steigerung der Erträge sei erforderlich, um auch weiterhin international Autorenrechte einkaufen zu können.[29] Dabei sprach er von einem mittelfristig zu erreichenden „Renditekorridor“ von 5 bis 15 Prozent. Unseld-Berkéwicz reichte hingegen eine geringere Rendite, mit Gewinnen wollte sie Rücklagen bilden.[30]
Ende 2008 schlossen die Gesellschafter auf Betreiben des von Berkéwicz bestellten Suhrkamp-Anwalts Heinrich Lübbert einen Vergleich, in dem alle gegenseitigen Vorwürfe und gerichtlichen Klagen zurückgenommen wurden. Außerdem vereinbarten die Beteiligten, dassJoachim Unseld aus dem Verlag ausscheiden und seinen 20-Prozent-Anteil je zur Hälfte an die beiden verbleibenden Gesellschafter verkaufen sollte. Zudem wurde geregelt, dass der Verlag nach Berlin umziehen solle, wie von Berkéwicz seit langem gefordert.[30] Der Verkauf wurde im November 2009 umgesetzt, die von Ulla Unseld-Berkéwicz kontrollierteSiegfried und Ulla Unseld Familienstiftung hielt seitdem 61 Prozent und die von Barlach geführte Medienholding AG Winterthur 39 Prozent am Verlag.
Die Veränderungen nach dem Tod Unselds sorgten für Unruhe im Verlag und unter den Autoren. Zum beanspruchten Mitspracherecht der neuen Gesellschafter beim Suhrkamp Verlag äußerten sich auf Anfrage der Feuilletonredaktion derFrankfurter Allgemeinen Zeitung zunächst fünf Autoren kritisch –Peter Handke,Durs Grünbein,Peter Sloterdijk,Katharina Hacker undHans Ulrich Gumbrecht.[31] In einer öffentlichen Erklärung solidarisierten sich weitere 24 Autorinnen und Autoren mit der Verlegerin Unseld-Berkéwicz. Andere Autoren wieJagoda Marinić[32][33] sahen in dieser sogenannten „Fusion von Geld und Geist“ keinen notwendigen Widerspruch.
Die Hispanistin und LektorinMichi Strausfeld kündigte nach 35 Jahren Verlagszugehörigkeit zum Jahresende 2007, da sie keine Grundlage für eine erfolgreiche Programmtätigkeit mehr sah. Strausfeld war verantwortlich für das spanisch- und portugiesischsprachige Programm bei Suhrkamp, zu ihren Erfolgen zählt die Gewinnung der AutorenJulio Cortázar,Octavio Paz,Jorge Semprún,Mario Vargas Llosa,Guillermo Cabrera Infante und der BestsellerDas Geisterhaus vonIsabel Allende.[34] Daraufhin war sie für denS. Fischer-Verlag bis 2016 als Literatur-Scout tätig.
Aufgrund von Missstimmigkeiten und wegen schlechter Honorierung kündigte im November 2008 der LiteraturkritikerMarcel Reich-Ranicki seinen Vertrag mit Suhrkamp und wählte für seine fünfteilige Anthologie deutscher Schriftsteller den Hamburger VerlagHoffmann und Campe. Er erklärte dazu, dass er zu Siegfried Unseld immer Vertrauen gehabt habe, während seine Witwe ihn „betrogen“ habe.[35] Im Februar 2009 erklärte der Schweizer Schriftsteller Adolf Muschg nach 35 Jahren das Ende seiner Zusammenarbeit mit Suhrkamp und seinen Wechsel zum MünchenerVerlag C. H. Beck. Muschg, der bis November 2008 als einziger Autor dem Stiftungsrat des Suhrkamp Verlags angehört hatte, begründete seine Entscheidung mit der Führungspolitik der Verlagschefin Unseld-Berkéwicz.[36] Im Juni 2009 bekundete die Suhrkamp-AutorinKatharina Hacker, den Verlag verlassen zu wollen. Ihr BuchAlix, Anton und die anderen erschien im Herbst 2009 als letztes ihrer Werke im Suhrkamp-Verlag.[37]
Ein zentrales Konfliktfeld war der Plan Unseld-Berkéwiczs, den Verlag ganz nach Berlin zu verlegen, um an die Tradition des dort gegründeten S. Fischer-Verlags anzuknüpfen. Zusätzlich zum traditionsreichen Verlagshaus imFrankfurter Westend hatte der Verlag 2006 eine Repräsentanz inBerlin-Charlottenburg neben dem dortigenLiteraturhaus eröffnet.[38][39] Unselds Sohn und Mitgesellschafter Joachim Unseld war strikt gegen einen Wegzug aus Frankfurt am Main, weil er die Tradition dieses Ortes bewahren wollte. Den gegen seine Stimme gefassten Umzugsbeschluss wollte er gerichtlich für nichtig erklären lassen. Die Stadt Frankfurt am Main hatte sich um den Verbleib des Verlags bemüht; auch hatte sich ein Großteil der Mitarbeiter gegen den Umzug nach Berlin ausgesprochen.[40]
Mit dem Vergleich und dem Ausscheiden Joachim Unselds schien dem geplanten Umzug nach Berlin nichts mehr im Wege zu stehen. Nach der Konsolidierung der Gesellschafterstruktur gab Unseld-Berkéwicz am 6. Februar 2009 bekannt, dass der Suhrkamp Verlag Anfang 2010 umziehen werde. Vorläufig wolle man auf zwei Etagen eines Altbaus inPrenzlauer Berg arbeiten, bis man 2012 den endgültigen Verlagssitz imNicolaihaus inBerlin-Mitte beziehen werde. In Frankfurt am Main solle neben den drei zum Verlag gehörenden Stiftungen eineDependance des Verlags bleiben.

Etwa sechs Wochen vor dem Umzugstermin erhob Mitgesellschafter Barlach – entgegen dem Vergleich von Ende 2008 – weitere Forderungen und drohte, den Umzug platzen zu lassen. Er zog seine Bedenken erst zurück, als ihm durch eine kurzfristig arrangierte Änderung des Gesellschaftervertrags weitreichende Befugnisse eingeräumt wurden. Er erhielt das Recht, Geschäftsführer zu benennen und Honorarverträgen oberhalb einer gewissen Höhe zu widersprechen, sowie das Recht zu einer umfangreichen Kontrolle der Geschäftstätigkeit. Barlach verhinderte in der Folge, dass der Verlag in Berlin eine eigene Immobilie erwarb, wodurch Suhrkamp rund zwei Millionen Euro Fördermittel entgingen.[30] Deshalb mussten die Pläne aufgegeben werden, in das historische Nicolaihaus zu ziehen.[41]
Zum Jahreswechsel 2009/2010 war der Umzug abgeschlossen, so dass am 4. Januar 2010 der Suhrkamp Verlag inBerlin-Prenzlauer Berg seine Geschäfte aufnehmen konnte.[42] Das Grundstück in Frankfurt am Main wurde verkauft, das Suhrkamp-Haus in Frankfurt am Main 2011 abgerissen.

Im August 2019 zog der Verlag innerhalb Berlins erneut um und nahm seinen neuen Sitz in einem von dem Architekten Roger Bundschuh neu errichteten Gebäude nördlich desRosa Luxemburg-Platzes mit der AdresseTorstraße 44.[43]
Während sich wegen Streitigkeiten und wegen des Umzugs Autoren und Mitarbeiter vom Verlag abwendeten, eskalierte der seit dem Einstieg von Barlach erbittert geführte Streit zwischen den Gesellschaftern: Barlachs Mediengruppe scheiterte als Minderheitsgesellschafter in der Gesellschafterversammlung damit, zwei von ihr vorgeschlagene Geschäftsführer für den Verlag zu bestellen.[44] Barlach versuchte in der Gesellschafterversammlung seine 2009 errungenen besonderen Rechte zu nutzen, um den Ankauf von Büchern vonDon Winslow undIsabel Allende zu verhindern. Die Familienstiftung unter der Führung von Berkéwicz setzte sich darüber hinweg und entschied mit ihrer Mehrheit für den Ankauf.[30] In der Folge sah Barlach seine Mitwirkungs- und Informationsrechte verletzt und erhob Vorwürfe wegen unsachgemäßer Ausgaben des Verlages, die der Mehrheitsgesellschafterin direkt zugutegekommen seien, sowie Veruntreuung von Geldern, Kompetenzüberschreitung, geschäftsschädigenden Verhaltens und Missmanagements.[45] Die Differenzen wurden vor Gericht ausgetragen, und im Rahmen der Prozesse erklärten beide Gesellschafter ihren Wunsch, die Anteile der jeweils anderen Seite zu übernehmen. Ende 2012 beantragte die Medienholding dieAuflösung der Gesellschaft für den Fall, dass ihren Ansprüchen nicht stattgegeben würde.[45] Der Vorsitzende Richter stellte im Prozess fest: „Beide Gesellschafter sehen sich offenbar wechselseitig als Inkarnation des Bösen“ und befürchtete: „Einer der namhaftesten Teilnehmer am Literaturbetrieb der Nachkriegszeit droht zu verschwinden.“[44]
Am 10. Dezember 2012 gab dasLandgericht Berlin der Klage des Minderheitsgesellschafters Hans Barlach statt, mit der Ulla Unseld-Berkéwicz ihres Geschäftsführerpostens enthoben werden sollte. Außerdem wurden Unseld-Berkéwicz und ihre zwei Mit-Geschäftsführer verurteilt, knapp 282.500 Euro Schadenersatz an den Verlag zu zahlen.[46] Im März 2013 folgte die Entscheidung, die Geschäftsführung habe wegen der nicht ordnungsgemäßen Beteiligung des Minderheitsgesellschafters nicht korrekt über den Jahresgewinn 2010 entschieden, der durch den Verkauf des Frankfurter Grundstücks und des Suhrkamp-Archivs besonders hoch ausgefallen war. Barlachs Medienholding beantragte deshalb die Auszahlung seines Anteils an diesem Gewinn in Höhe von von 2,2 Millionen Euro und erhielt Recht.[47]
Die Urteile wurden aber nicht rechtskräftig; im August 2014 entschied das BerlinerKammergericht alsBerufungsinstanz zugunsten der Familienstiftung und hob das Urteil des Landgerichts vom Dezember 2012 auf. Die Gesellschafterentscheidungen seit 2010 waren damit rechtmäßig und wirksam, Barlachs Ansprüche wurden zurückgewiesen und Unseld-Berkéwicz wurde als Geschäftsführerin bestätigt.[48]
Ein weiterer Prozess vor demLandgericht Frankfurt am Main, in dem beide Gesellschafter den Ausschluss des jeweils anderen aus der Gesellschaft verlangten, wurde mehrfach vertagt, um den Parteien Gelegenheit zur außergerichtlichen Einigung zu geben. Im November 2013 wies das Gericht die wechselseitigen Ansprüche ab.[49] Das Gericht stellte fest, dass beide Seiten schwere Verstöße gegen die Treuepflichten aus dem Gesellschaftsvertrag begangen hätten. Jede Seite für sich könne dafür aus der Gesellschaft ausgeschlossen werden. Da aber beide Parteien gleichermaßen gegen die Interessen der Gesellschaft verstoßen hätten, komme ein Ausschluss einer Partei nicht in Betracht; nur eine Auflösung durch die Parteien könnte die Gesellschaft beenden.[50]
Zur Zukunft des Verlages meldeten sich eine Vielzahl an Autoren und Publizisten zu Wort. Die Suhrkamp-Familienstiftung schlug daraufhin im Dezember 2012 einen Vermittler vor, den ehemaligenKulturstaatsministerMichael Naumann.[51] Naumann stellte sich später auf die Seite Berkéwiczs. Barlach reagierte erst Anfang Februar 2013 mit einem Interview imSpiegel.[52] Der Jurist und PublizistAndreas Zielcke[53] kam daraufhin in derSüddeutschen Zeitung (SZ) zu dem Schluss, dass Barlach herausgekauft werden müsse. Die völlig unterschiedliche Bewertung des Verlags stelle jedoch ein weiteres Problem dar.[54]
Währenddessen fiel der Umsatz des Verlages deutlich. Das literarische Programm von Suhrkamp unter der Leitung von Berkéwicz wurde in den Feuilletons zwar gelobt, die wirtschaftliche Situation entwickelte sich aber negativ. So wurde 2012 nur ein Umsatz von 23,9 Millionen Euro erreicht, nach 27,7 Millionen im Jahr 2010.[55] Von den 9000 lieferbaren Titeln des Verlages wurden im Geschäftsjahr 2012 mehr als 6000 Titel weniger als 100-mal verkauft.[56] Das Geschäftsjahr endete mit einem Verlust von 105.000 Euro.[55]
Nachdem der Düsseldorfer Insolvenz- und Restrukturierungsspezialist Frank Kebekus von der Verlagsgeschäftsführung zumGeneralbevollmächtigten bestellt worden war, beantragte diese am 27. Mai 2013 beimAmtsgericht Berlin-Charlottenburg die Eröffnung einesInsolvenzverfahrens inEigenverwaltung gemäß §§ 270 ff. Insolvenzordnung (InsO). Bis zur Vorlage einesInsolvenzplans und der Entscheidung über die Verfahrenseröffnung wurde das sogenannteSchutzschirmverfahren nach § 270b InsO angeordnet, in dem der Berliner Rechtsanwalt und Notar Rolf Rattunde zum vorläufigenSachwalter bestellt wurde.[57] Grund für den Eröffnungsantrag war das Urteil vom März 2013, wonach Barlachs Gewinnanteil aus dem Jahr 2010 in Höhe von 2,2 Millionen Euro an ihn auszuzahlen sei. Wäre es hierzu gekommen, hätte auch der Gewinnanteil der Familienstiftung ausgezahlt werden müssen, was zur Zahlungsunfähigkeit der Verlagsgesellschaft geführt hätte. Das Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung erlaubte es der Geschäftsführung hingegen, unter Aufsicht des (vorläufigen) Sachwalters das Verlagsgeschäft weiterzubetreiben und auf der Basis des Insolvenzplans eine Unternehmenssanierung und -restrukturierung herbeizuführen, während für die Dauer des Verfahrens die individuelle Rechtsdurchsetzung einzelner Gläubiger durch Einzelzwangsvollstreckungsakte eingefroren wird, sodass auch die Zahlung der gerichtlich verfügten Gewinnausschüttung an den Gesellschafter Hans Barlach unterbleiben konnte.[58] Durch eine Bewertung des Verlags im Rahmen des Insolvenzverfahrens könnten auch die sehr unterschiedlichen Ansichten der beiden Gesellschafter über den Wert des Verlags geklärt werden: Barlach ging von rund 80 Millionen Euro aus, währendMichael Naumann im Mai 2013 einen Wert von 20 Millionen Euro nannte.[59] Im Verfahren über den wechselseitigen Ausschluss der Gesellschafter setzte der Vorsitzende Richter im September 2013 für die in diesem Kontext verhandelten Fragen den Wert des Verlages mit 20 Millionen an.[60]
Als Reaktion auf den Insolvenzantrag erklärte Barlach Mitte Juni 2013 einen sogenanntenRangrücktritt seiner Gesellschafterforderung. Er wollte damit dem eingeleiteten Insolvenzverfahren die Grundlage entziehen. Die Verlagsführung entgegnete, dass es für einen solchen Schritt zu spät sei und das Verfahren weiterlaufe.[61] Daraufhin versuchte Barlach die Eröffnung des Verfahrens mit juristischen Mitteln zu verhindern, weil er das Verfahren als Versuch sah, „die Medienholding durch eine Kapitalherabsetzung aus der Gesellschaft auszuschließen“.[62] Die nachfolgenden Auseinandersetzungen wurden dadurch kompliziert, dass Verfahren gleichzeitig an verschiedenen Gerichten in Frankfurt am Main und Berlin stattfanden.
Auf Antrag Barlachs erließ dasLandgericht Frankfurt am Main am 19. Juli 2013 eine einstweilige Verfügung, die es der Familienstiftung bis zur Eröffnung der Insolvenz aufgab, ihren Gewinnanteil bis mindestens Ende 2014 zustunden und insoweit einen Rangrücktritt ihrer Forderungen gegen den Verlag zu erklären. Damit wäre die Überschuldung des Verlags und somit der Grund für das Insolvenzverfahrens entfallen.[63]
BeimLandgericht Berlin begehrte Barlach zudem den Erlass einer einstweiligen Verfügung, mit der die Geschäftsführung des Verlags unverzüglich abberufen werden sollte; Ziel sollte es wohl sein, den Insolvenzantrag noch vor der Entscheidung über die Verfahrenseröffnung zurücknehmen zu können. Dieser Antrag bliebt erfolglos.[64]
Am 6. August 2013 eröffnete dasAmtsgericht Charlottenburg das Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung und bestellte Rechtsanwalt Rattunde zum Sachwalter.[65][66] Der vorgelegte Insolvenzplan sah vor, den bisher in Form einerKommanditgesellschaft organisierten Verlag mit einfacher Mehrheit der Gläubiger und Zustimmung des Gerichts in eineAktiengesellschaft umzuwandeln. Dadurch würden sich die Rechte der Gesellschafter in Zukunft nach den Bestimmungen desAktienrechtes richten; die Sonderrechte Barlachs, die dieser im Jahr 2009 in den Gesellschaftervertrag hatte einfügen lassen, würden hinfällig und Auseinandersetzungen der Gesellschafter hätten keinen unmittelbaren Einfluss mehr auf die operative Verlagsführung.[67] InSpiegel online bezeichnete man diese Option schon im Mai 2013 als „genialenmachiavellistischen Schachzug“.[68] Des Weiteren sollte derInsel Verlag Tochtergesellschaft des Verlags werden.
Da die Familienstiftung der einstweiligen Verfügung des Landgerichts Frankfurt am Main vom 19. Juli 2013 nicht nachkam, verhängte das Gericht am 13. August 2013 ein Ordnungsgeld in Höhe von 250.000 Euro und gab der Stiftung erneut auf, ihre Forderung bis zum 31. Dezember 2014 zu stunden und einen Rangrücktritt zu erklären.[69] Zur Begründung hieß es, das Insolvenzverfahren werde missbräuchlich betrieben, um den Gesellschafter Barlach in seinen Rechten aus dem Gesellschaftsvertrag zu beschneiden. Nach Veröffentlichung der Entscheidungsgründe warf der Jurist Andreas Zielcke[53] in der Süddeutschen Zeitung der Frankfurter Richterin vor, sie habe die Logik des neugefassten Insolvenzrechts nicht erfasst und verwechsele systematisch Handlungen des Verlages mit solchen der Familienstiftung. Im Ergebnis seien die Frankfurter Entscheidungen nicht haltbar.[70] Gegen alle Verfügungen des Landgerichts Frankfurt am Main legte die Familienstiftung Rechtsmittel ein.[71]
Am 4. September 2013 billigte das Amtsgericht Charlottenburg den Insolvenzplan.[72] Daraufhin erließ dasLandgericht Frankfurt am Main auf Antrag Barlachs am 9. September eineEinstweilige Verfügung, die es Unseld-Berkéwicz untersagte, in der Gesellschafterversammlung für ihren eigenen Insolvenzplan zu stimmen.[73] Die Familienstiftung legte dagegen wiederum Rechtsmittel ein, und dasOberlandesgericht Frankfurt am Main setzte am 2. Oktober 2013 die Vollstreckung der Einstweiligen Verfügung aus, da sie im Hauptsacheverfahren „voraussichtlich keinen Bestand“ haben werde. Das OLG stellte insbesondere fest, dass alle Streitigkeiten zwischen den Gesellschaftern nur im Insolvenzverfahren ausgetragen werden dürften.[74] Damit erhielt die Familienstiftung die Möglichkeit, im Insolvenzverfahren dem Plan zuzustimmen und den Verlag in eine Aktiengesellschaft umzuwandeln.[75]
Als mögliche Lösung für die Konflikte zwischen den Gesellschaftern wurde immer wieder einWeißer Ritter ins Gespräch gebracht, der Barlach aus dem Verlag herauskaufen sollte. Mehrfach wurdeHubert Burda genannt,[67] wobei er nur als Privatperson in Betracht gekommen wäre, da sein Verlag jede Beteiligungsabsicht verneinte.[76] Ebenfalls wurdenSylvia und Ulrich Ströher genannt, deren Vermögen aus dem Verkauf vonWella stammte und die alsKunstsammler hervorgetreten waren.[77] Das Ehepaar Ströher stellte seit der Eröffnung des Insolvenzverfahrens eineZwischenfinanzierung der Autorenhonorare aus ihrem privaten Vermögen zur Verfügung,[78] traten sie aber von ihrer Kaufabsicht zurück, nachdem Barlach unanehmbare Bedingungen gestellt hatte.[30] Im August 2013 wurde auchdtv als möglicher Käufer genannt.[79] Barlach erklärte in einem Interview mit demBörsenblatt, dass es nie ein Zerwürfnis zwischen den Gesellschaftern oder eine Blockade zum Nachteil des Verlages gegeben hätte, und äußerte sich positiv zu einem möglichen Angebot von dtv.[80]
In einem Artikel derZeit vom Juni 2013 wurde Barlachs Agieren scharf kritisiert; er wurde alsCorporate Raider gesehen, der als Minderheitseigner in ein Unternehmen einsteigt und Konflikte schürt, die zur Zerschlagung des Betriebs und der Verwertung der Rechte führen.[30] Barlach habe bis Mitte 2013 durch Ausschüttungen seinen ursprünglichen Kaufpreisanteil bereits weitgehend amortisiert; entgegen ursprünglichen Ankündigungen habe er auch kein weiteres Kapital in den Verlag eingebracht. Im Gesellschaftervertrag von 2009 werde nur ein Ziel für die Verlagsbeteiligung von Barlachs Medienholding genannt: „von den Suhrkamp-Kommanditgesellschaften möglichst hohe Ausschüttungen zu erhalten“.[30]
Im September 2013 erklärten 180 Autoren des Suhrkamp-Verlags und Rechteinhaber verstorbener Autoren, dass sie einen Verlag, in dem Barlach „maßgeblichen Einfluss ausübe“, sofort verlassen würden. Sie forderten ihn auf, den Insolvenzplan zur Sanierung des Verlages zu akzeptieren und sich mit dem Verlust seiner besonderen Gesellschafterrechte abzufinden. Zu den Unterzeichnern gehörtenHans Magnus Enzensberger,Alexander Kluge,Peter Sloterdijk,Durs Grünbein,Sibylle Lewitscharoff,Uwe Tellkamp undGeorge Steiner sowie die Erben der Rechte anHermann Hesse undThomas Bernhard. Hätten alle Unterstützer des Aufrufs ihre Ankündigung wahr gemacht, wäre der Verlag wertlos gewesen.[28]
Am 22. Oktober 2013 stimmten die Vertreter derGläubiger einstimmig für den Insolvenzplan,[81] nachdem dasBundesverfassungsgericht Barlachs Antrag abgelehnt hatte, den vomInsolvenzgericht anberaumten Termin im Rahmen einer einstweiligen Anordnung aufzuheben.[82]
Am 15. Januar 2014 bestätigte das Landgericht Berlin die Umwandlung des Suhrkamp-Verlags in eineAktiengesellschaft im Rahmen des Insolvenzplans.[83] Barlach, der noch im Oktober 2013 erklärt hatte, gegen den Beschluss der Gläubigerversammlung nicht mehr vorgehen zu wollen,[84] legte dagegenBeschwerde ein und wandte sich nach deren Abweisung schließlich mit einerRechtsbeschwerde an denBundesgerichtshof. Er machte geltend, dass die Umwandlung in eine AG für ihn eine wesentliche Schlechterstellung sei. Seine besonderen Rechte aus dem Gesellschaftervertrag der KG würden erlöschen und er würde noch weitergehend gebunden, weilVinkulierte Namensaktien ausgegeben würden, die er nicht ohne Zustimmung des Vorstands verkaufen könne.[85] Der BGH hob die Entscheidung des LG Berlin am 17. Juli 2014 wegen eines Formfehlers auf,[85] woraufhin das Landgericht Berlin am 20. Oktober 2014 seine Entscheidung vom Januar 2014 bestätigte.[86] EineVerfassungsbeschwerde Barlachs wies das Bundesverfassungsgericht am 18. Dezember 2014 ab und ließ die Umwandlung zu.[87] Am 21. Januar 2015 wurde die Umwandlung vollzogen.[88]
Den Vorstandsvorsitz behielt für die Anfangszeit Ulla Berkéwicz, obwohl gegen ihre Unternehmensführung noch Prozesse liefen.[89]Jonathan Landgrebe, vormals einer der Geschäftsführer, war das einzige Vorstandsmitglied neben Berkéwicz. Den Gründungs-Aufsichtsrat besetztenGerhart Baum (Vorsitzender),Hans Magnus Enzensberger und Marie Warburg,[90] Tochter vonEric M. Warburg und Frau vonMichael Naumann.
Mit der Umwandlung trat in Form einerKapitalerhöhung das EhepaarStröher mit einem Anteil von einem Drittel in das Unternehmen ein.[88] Seitdem hielten die Familienstiftung einen Anteil von 40,66 Prozent, die Ströhers 33,33 Prozent und Barlach 26 Prozent. Barlachs Anteil überschritt damit dieSperrminorität von 25 Prozent nach demAktiengesetz, die besonders weitgehende Entscheidungen hinsichtlich des Unternehmens blockieren kann. Zwischen den Ströhers und der Familienstiftung wurde vereinbart, dass ihre Gesellschaftsanteile einheitlich abstimmen. Da im Innenverhältnis dieses Bündnisses der Anteil der Familienstiftung höher ist als der der Ströhers, kann die Familienstiftung die zukünftige geschäftliche Ausrichtung des Verlags entscheidend bestimmen.[88][91] Hans Barlach starb am 15. Juli 2015, seine Erben beendeten alle noch laufenden Prozesse. Der Hamburger Baumarktunternehmer Dirk Möhrle, der Barlach freundschaftlich verbunden war und der ihn schon während des Rechtsstreits unterstützt hatte, übernahm schließlich dessen Anteile und wurde an seiner Stelle zu 39 Prozent Miteigentümer des Verlags.[92]
Entsprechend der langfristigen Planung[93] wechselte Berkéwicz zum 10. Dezember 2015 in den Aufsichtsrat, dessen Vorsitz sie übernahm; neben ihr sitzen Sylvia Ströher undRachel Salamander in diesem Gremium. Landgrebe wurde Vorstandsvorsitzender in einem Führungsteam, dem auch CheflektorRaimund Fellinger (bis zu seinem Tod im April 2020), Pressesprecherin Tanja Postpischil und der kaufmännische Leiter Gerhard Schneider angehörten.[94] Der zeitweilige Mit-GeschäftsführerThomas Sparr wurde alsEditor at large ohne konkreten Geschäftsbereich an der Leitung beteiligt. Seit April 2016 zeichnet Bernhard Bücker als Mitglied der Geschäftsleitung für die kaufmännische Leitung der Verlage Suhrkamp und Insel verantwortlich.[95]
Mit Wirkung vom 1. November 2024 übernahm Dirk Möhrle sämtliche Gesellschaftsanteile der Familienstiftung, der Familie Ströher und von Jonathan Landgrebe und wurde damit alleiniger Eigentümer des Suhrkamp-Verlags. DerSüddeutschen Zeitung zufolge befand sich der Verlag in einer wirtschaftlichen Krise, worauf schon der Verkauf der Unseld-Villa hingewiesen habe.[96][97][98] Jonathan Landgrebe widersprach dem später im Gespräch mitZeit Online und betonte: „Wir sind keineswegs in einer finanziell desaströsen Lage. Suhrkamp ist nicht in Not.“[99] Nachdem Ulla Unseld-Berkéwicz die Anteile am Verlag, die sie über die Unseld-Familienstiftung gehalten hatte, an Dirk Möhrle verkauft hat, besteht keine Verbindung mehr zwischen ihr oder der Stiftung und dem Verlag. Möhrle kündigte an, mit einerEinlage die notwendigen Mittel bereitzustellen, die insbesondere für den Erwerb ausländischer Lizenzen benötigt werden,[100][92] was Unseld-Berkéwicz zuvor nicht getan hatte.[99] Die von ihr genutzte Villa am Nikolassee soll den Verlag dagegen unverhältnismäßig belastet haben.[100] Im März 2025 änderte der Verlag seine Rechtsform und wurde von einer Aktiengesellschaft wieder zu einer GmbH.[101]

Bis heute ist es eine Leistung des Verlags, die deutschsprachige Literatur auch im Ausland etabliert zu haben, wodurch Suhrkamp zum führenden Haus auf diesem Gebiet avancierte. In den 1950er Jahren wurden vor allem die deutschsprachigen AutorenHermann Hesse,Bertolt Brecht,Max Frisch,Wolf von Niebelschütz,Martin Walser undHans Magnus Enzensberger herausgestellt. In den 1960er Jahren kamenJürgen Becker,Thomas Bernhard,Wolfgang Hildesheimer undPeter Handke hinzu. Der Verlag bemühte sich auch um dieLyrik und publizierte mitPaul Celan undNelly Sachs zwei der bedeutendsten deutschsprachigen Lyriker des Jahrhunderts. Suhrkamp verlegte die von Hans Magnus Enzensberger herausgegebene GedichtanthologieMuseum der modernen Poesie, die bei Presse und Publikum für großes Aufsehen sorgte. DieDramenDie Verfolgung und Ermordung des Jean Paul Marat vonPeter Weiss und Peter HandkesPublikumsbeschimpfung gaben dem Theater neue Impulse.
In den 1970er Jahren ergänzten unter anderemPeter Huchel,Adolf Muschg undErica Pedretti das Programm.Ingeborg Bachmann erschien mit ihrem RomanMalina das erste Mal bei Suhrkamp. Zwei der wichtigsten Autoren jener Zeit warenWolfgang Koeppen undRobert Walser, wobei letzterer zunächst verkannt blieb und sich erst allmählich eine Leserschaft erobern konnte.
Die Unterstützung neuer Autoren wurde in den folgenden Jahrzehnten fortgeführt.Jurek Beckers BuchJakob der Lügner erschien, undUlla Berkéwicz veröffentlichte ihr ErstlingswerkJosef stirbt. Der später als „Kultbuch“ bezeichnete RomanIrre vonRainald Goetz sowieRalf Rothmanns ErzählungenMessers Schneide wurden neben Büchern vonWerner Fritsch,Patrick Roth undNorbert Gstrein publiziert. Ende der 1990er Jahre entstand die Strömung derPop-Literatur, deren anspruchsvollere Vertreter wieThomas Meinecke undAndreas Neumeister bei Suhrkamp vertreten waren. Damit wollte der Verlag zeigen, dass er auch nach fünfzig Jahren noch immer Betreuer und Förderer derAvantgarde war.
Den zweiten Stützpfeiler im Bereich der Belletristik, die internationale Literatur, repräsentierten zunächstT. S. Eliot,Samuel Beckett,George Bernard Shaw und wenig späterJames Joyce. Der Schwerpunkt in den Anfangsjahren lag auf der Herausgabe von Büchern aus dem französischen Sprachraum. Die bekannteste Autorin in diesem Bereich warMarguerite Duras, die im Verlag mit über 30 Titeln vertreten ist. Neben ihrem BestsellerromanDer Liebhaber wurde auchMarcel Prousts RomanwerkAuf der Suche nach der verlorenen Zeit erstmals vollständig übersetzt bei Suhrkamp veröffentlicht.
Die nordamerikanischen Autoren fanden ihren Platz vor allem in derBibliothek Suhrkamp, die Werke der klassischen Moderne vonWilliam Faulkner,Sherwood Anderson,Gertrude Stein sowieTruman Capote vertrat.
In den 1960er-Jahren konzentrierte sich der Verlag auf Veröffentlichungen von Büchern des „Ostblocks“ und damit auf Schriftsteller, die eine Lockerung der politischen Verhältnisse forderten.Karl Dedecius rief 1982 diePolnische Bibliothek ins Leben, die bis zu ihrem Abschluss im Jahr 2000 auf fünfzig Bände anwuchs.
Ein großer Erfolg gelang Siegfried Unseld 1976 mit der Aufnahme der lateinamerikanischen Literatur, wobei er dem Publikum gleich siebzehn Autoren mit insgesamt zwanzig Titeln vorstellte. Für viele Bücher aus den Ländern Süd- und Mittelamerikas wurde der Begriff des „magischen Realismus“ prägend und Autoren wieJuan Carlos Onetti,Julio Cortázar,Guillermo Cabrera Infante und die NobelpreisträgerOctavio Paz (1990) undMario Vargas Llosa (2010) gehörten von nun an zum Programm des Verlages. Später erweiterten Werke von spanischen und portugiesischen Schriftstellern das Segment. Die bekannteste von allen istIsabel Allende, die durch ihren RomanDas Geisterhaus berühmt wurde und mitFortunas Tochter den Bestseller des Jahres 1999 veröffentlichte. Dabei gilt für die internationale Literatur ebenso wie für die deutschen Titel das Vorhaben, den Autor und seinŒuvre und nicht nur einzelne Bücher zu stützen. Der Anspruch zeigt sich unter anderem beiJorge Semprún,Yasushi Inoue,Amos Oz,Mercè Rodoreda undGesualdo Bufalino.
Besonders wichtig für diese Rubrik des Verlages sind die Übersetzer. Im besten Fall nehmen sich Autoren selbst des Werks ihrer Kollegen an, so wie Paul Celan, der viele Gedichte aus dem Französischen, Italienischen und Russischen übertrug, oder Martin Walser, der Texte aus dem Englischen und Amerikanischen übersetzte. AuchIlma Rakusa bereicherte den Verlag um Übersetzungen aus mehreren Sprachen. Die wichtigsten Mitarbeiter auf diesem Gebiet warenEva Rechel-Mertens (Proust),Elmar Tophoven undErika Tophoven (Beckett),Hans Wollschläger (James Joyce),Siegfried Schaarschmidt (japanische Literatur) undRudolf Wittkopf (lateinamerikanische Literatur).
DerVerband deutschsprachiger Übersetzer literarischer und wissenschaftlicher Werke, VdÜ, ehrte das internationale Engagement des Verlags, indem er Jürgen Dormagen, seit 1984 Lektor für das lateinamerikanische Literaturprogramm des Suhrkamp- und Insel-Verlags, im Jahr 2010 eineÜbersetzerbarke, ein kleines einmaliges Kunstwerk, verlieh. Damit erkannte der VdÜ einen Verlagslektor an, der sich durch seinen respektvollen Umgang mitLiteraturübersetzern große Anerkennung erworben und der sich innerhalb seines Verlages beharrlich für deren Belange eingesetzt hat. Dormagen teilte sein Wissen und seine Erfahrung mit Texten häufig auch in Übersetzerseminaren.
Das wissenschaftliche Verlagsprogramm konzentriert sich auf geisteswissenschaftliche Werke des 20. Jahrhunderts. Der Verlag veröffentlicht Titel zurPhilosophie,Soziologie,Psychologie,Gesellschaftstheorie,Literaturwissenschaft,Rechtstheorie sowieKunstgeschichte. Bereits 1951 erschienTheodor W. AdornosMinima Moralia, denenWalter Benjamins Schriften in zwei Bänden und 1955Ernst Blochs HauptwerkDas Prinzip Hoffnung folgten. Diese Autoren standen stellvertretend für die Generation deutsch-jüdischer Intellektueller, die während des Zweiten Weltkrieges vertrieben wurden und hier wie in keinem anderen Haus einen neuen Publikationsort fanden.
Viele Schriftsteller, die Suhrkamp in diesen Bereichen aufnahm, gehören heute auf ihrem speziellen Gebiet zu Klassikern der Theorie des 20. Jahrhunderts. Für die Vielfalt an theoretischen Standpunkten und wissenschaftlichen Disziplinen stehenAlexander Mitscherlich,Georg Simmel,Peter Szondi,Leo Löwenthal oderSiegfried Kracauer. Die Offenheit des Programms zeigt sich an den unterschiedlichen Richtungen, die der Verlag verzeichnet. Neben dem Pragmatismus, vertreten unter anderen durchCharles Sanders Peirce,George Herbert Mead undJohn Dewey, finden sich die Richtungen der analytischen Philosophie, des Neopragmatismus und der normativen Theorie im Verlagsverzeichnis wieder. Die französische Theorie ist durch den klassischenStrukturalismus (Claude Lévi-Strauss) sowie bedeutende Größen des Neo- undPoststrukturalismus (Roland Barthes,Jacques Derrida), der Sozialwissenschaften (Pierre Bourdieu,Émile Durkheim), derGeschichte undWissenschaftsgeschichte (Fernand Braudel,Georges Duby) sowie derAnthropologie (George Devereux,Michel Leiris) vertreten.

Die gestalterische Qualität der Bücher war von Beginn an ein Anliegen des Verlages, der neue Maßstäbe bei der Ausstattung seiner Werke setzte. 1959 lernte Unseld denGrafikdesignerWilly Fleckhaus kennen, und noch im selben Jahr erschien dieBibliothek Suhrkamp mit einem von Fleckhaus entwickelten Umschlagkonzept. Eine Besonderheit des Umschlags war die Einfachheit in Farbe, Form und Schrift, wobei ein horizontaler Streifen die Titelfläche in ein Quadrat und ein Rechteck teilte, was bei allen Bänden gleich blieb. Auch für die spektralfarbenen Einbände deredition suhrkamp war Fleckhaus verantwortlich.[102] Hier wurde auf Glanzfolie, Lack oder Reklame verzichtet, lediglich Autorenname, Titel und Verlagskürzel erschienen auf dem Umschlag. Autorenname und Titel wurden durch eine Linie getrennt, und jeder der jährlich erschienenen 48 Bände trug eine Farbe des Regenbogens, womit gleichzeitig Verschiedenheit und Einheitlichkeit der Reihe demonstriert wurde. Auch die Titelgestaltung derInsel-Taschenbücher und dieTypografie der Suhrkamp-Buchreihen stammten von Fleckhaus. Erst 2004 entschloss sich die Verlagsleitung, die Typografie und die Gestaltung der Reihenedition suhrkamp undSuhrkamp Taschenbuch zu ändern.
Seit 2008 lassenedition suhrkamp undsuhrkamp taschenbuch wissenschaft auftragsbezogenBooks on Demand drucken und ausliefern, wenn Nachdrucke sich voraussichtlich nicht lohnen.[103]
Der Literaturwissenschaftler und Suhrkamp-AutorGeorge Steiner prägte 1973 den Begriff der „Suhrkamp-Kultur“(suhrkamp culture). Anlässlich einer Besprechung der Gesammelten Schriften vonTheodor W. Adorno imTimes Literary Supplement schrieb er, dieSuhrkamp-Kultur habe
„in unseren Tagen die literarisch und intellektuell führende Schicht Deutschlands bestimmt. Ganz auf sich gestellt, kraft seiner kulturpolitischen Vision und seines verlegerischen Scharfsinns hat der Suhrkamp Verlag einen Maßstab für moderne Philosophie geschaffen. Insofern als der Suhrkamp Verlag die bedeutendsten herausforderndsten philosophischen Stimmen unserer Epoche einem breiten Publikum zugänglich gemacht hat, insofern als er die deutschen Bücherregale mit der Gegenwart jener deutsch-jüdischen intellektuellen uns stimulierenden Kraft erfüllt hat, welche der Nazismus auslöschen wollte, war und ist seine Initiative ein dauerndes Verdienst.“[104]
Unseld griff umgehend die Bezeichnung auf und verwandte sie fortan in der Öffentlichkeitsarbeit seines Verlages. Nach allgemein übereinstimmender Ansicht gelang es dem Verleger, das geistige Leben West-Deutschlands tiefgreifend zu gestalten. Für diesen Rang steht vor allem die 1963 gegründete Reiheedition suhrkamp, in der die großen Intellektuellen der Zeit zu Wort kamen.
Die umfangreichen Archive umfassen unter anderem Manuskripte und Korrespondenzen von Autoren wieTheodor Adorno,Ingeborg Bachmann,Bertolt Brecht,Paul Celan,Peter Handke undMartin Walser sowie die seit Bestehen des Verlags erschienenen Bücher.
Etwa 250.000 Blatt des Suhrkamp-Archivs wurden seit 2002 von derGoethe-Universität Frankfurt am Main auf dem Campus Westend verwaltet, darunter Autorenkorrespondenzen, Druckfahnen, Herstellungsunterlagen und Rezensionen bis 1959. DiePeter Suhrkamp-Stiftung stellte den Nachlass ihres Namensgebers für dasArchiv der Peter Suhrkamp-Stiftung an der Johann Wolfgang Goethe-Universität zur Verfügung. Aus ungeordnetem Material sollten für Editionen und Ausstellungen nutzbare erschlossene Quellen entstehen. Die Universität wollte das Archiv in ein neues Zentralarchiv integrieren.[105] Die Stadt Frankfurt am Main und das Land Hessen unterstützten die Goethe-Universität in ihren Bestrebungen, sich für den Verbleib der Bestände in Frankfurt am Main einzusetzen.[106]
2009 wurden jedoch alle Suhrkamp-Archive an dasDeutsche Literaturarchiv Marbach verkauft, wo sie unter dem NamenSiegfried Unseld Archiv (SUA) erschlossen und erforscht werden.[107] Joachim Unseld versuchte vergebens, diesen unabgesprochenen Beschluss noch vor seinem endgültigen Suhrkamp-Rückzug aufzuheben: „Es soll umgezogen werden ohne Beschluss, es soll verkauft werden ohne Beschluss.“ Suhrkamp-GeschäftsführerThomas Sparr wollte daraufhin „zu Herrn Unseld eigentlich gar nichts mehr sagen“.[108]
Im September 2010 wurde der gesamte verbliebene hausinterne Buchbestand des Suhrkamp-Verlages in der Frankfurter Lindenstraße an den BuchversandZweitausendeins veräußert, der die Titel über seine Läden verkaufte.[109]
DieBibliothek Suhrkamp ist eine Bibliothek der Klassiker der Moderne, mit einerBacklist von 1.300 Titeln. Seit 1951 sind hier die bedeutendsten nationalen und internationalen Autoren des letzten Jahrhunderts vertreten, beispielsweiseIngeborg Bachmann,T. S. Eliot,Carlo Emilio Gadda,Jean-Paul Sartre,Federico García Lorca,André Gide,Ernest Hemingway,Paul Valéry,Yasushi Inoue,James Joyce,Franz Kafka,Wladimir Majakowski oderThomas Mann. Von 1951 bis 1959 erschienen jährlich sechs Titel innerhalb der Reihe, nach Suhrkamps Tod wurden jeden Monat gleich mehrere Bände auf einmal vorgelegt. Anlässlich des 40-jährigen Jubiläums 1989 veröffentlichte Siegfried Unseld eine Bibliographie der ersten 1000 Bände und ein Lesebuch, das er mit einerKleinen Geschichte der Bibliothek Suhrkamp einleitete. Seit September 2000 werden zweimal pro Jahr, im Frühjahr und im Herbst, jeweils sechs Bände ausgeliefert.
Das Ziel deredition suhrkamp („es“) war von Anfang an, sich literarischen Experimenten zu öffnen und ein Sammelpunkt für die nationale wie internationaleAvantgarde zu sein. Auch sollten hier Theorien veröffentlicht und kritisch hinterfragt werden. Band eins der edition suhrkamp war 1963Bertolt Brechts StückLeben des Galilei, seither erschienen vorwiegend Erstauflagen. In den 1960ern und 1970ern wurden etwa Werke von Samuel Beckett, Walter Benjamin, Ernst Bloch, Hans Magnus Enzensberger, Peter Handke,Alexander Kluge,Peter Weiss oderLudwig Wittgenstein herausgeben. Zwar waren die preiswerten Taschenbücher ökonomisch gesehen zunächst ein Verlustgeschäft, doch das damit verbundene Ansehen wog um ein Vielfaches schwerer. Andere Editionen wie die Hesse- und Brecht-Ausgaben erwiesen sich dagegen als langanhaltendeVerkaufsschlager – im BuchhandelLongseller genannt –, mit denen Unseld seine Prestige- und Herzenssachen gegenfinanzieren konnte.
1973 waren in der Reihe bereits 594 Einzeltitel erschienen, die eine Auflagenhöhe von insgesamt 13,5 Millionen Exemplaren erreichten. Bis zum November 2002 waren in der edition suhrkamp 2311 Bände erschienen. Die Gesamtauflage betrug über 41 Millionen Exemplare.[110] 2007 hatte die Reihe eineBacklist von 2.100 Titeln, und jeden Monat erscheinen darin vier Erstausgaben (Literatur undEssays).
Seit 1971 erscheinen in der Reihesuhrkamp taschenbücher (st) sowohl Erstveröffentlichungen als auch erfolgreiche Suhrkamptitel. Die Taschenbuchreihe, in der bis heute über 3.100 Titel publiziert wurden, startete mit BeckettsWarten auf Godot. Als Band 2 erschienWilhelm Tell für die Schule vonMax Frisch, dessen RomaneHomo faber undAndorra, die höchsten Auflagen erreichten, gefolgt von HessesSteppenwolf undSiddhartha. Innerhalb der Reihe existierte zusätzlich diePhantastische Bibliothek mit rund 360 eigens nummerierten Bänden, herausgegeben von 1976 bis 1998 vonFranz Rottensteiner. Hier wurden bedeutende Autoren aus dem Bereich Phantastik undScience-Fiction oft erstmals dem deutschen Markt zugänglich gemacht, wieStanisław Lem,James Graham Ballard,Cordwainer Smith,H. P. Lovecraft,Jonathan Carroll und die GebrüderStrugazki. Auch deutsche Autoren wurden hier verlegt, wieGünter Braun undJohanna Braun,Herbert W. Franke undMarcus Hammerschmitt. Im Mai 1996 wurde die UnterreiheRomane des Jahrhunderts eröffnet, in der die „Besten der Besten“ erscheinen sollen, etwaUlysses von James Joyce oder Franz Kafkas RomanfragmentDas Schloss. Ende der 2000er Jahre wurde die Trade-Paperback-Reihesuhrkamp nova gegründet.[111]
Die Reihesuhrkamp taschenbuch wissenschaft (bisher erschienen mehr als 2300 Einzelbände) wurde 1973 ins Leben gerufen und bildet thematisch die geisteswissenschaftlichen Schwerpunkte des Verlagsprogramms ab. Neben philosophischen Werken werden Theorien zurSoziologie,Wissenschaftsforschung,Linguistik,Semiotik,Psychologie,Rechtswissenschaft undKulturgeschichte vorgestellt. Während einige Bände zentrale Werke des wissenschaftlichen Programms aufgreifen, präsentiert der überwiegende Teil Erstausgaben. Hauptanliegen der Serie ist es, für ein breites Spektrum an Theorieansätzen ein Diskussionsforum darzustellen, in dem unterschiedliche sowie konkurrierende Modelle vorgestellt werden. Neben zeitgenössischen Autoren und Theoretikern des 20. Jahrhunderts werden hier auch Klassiker veröffentlicht, wie das GesamtwerkHegels in 20 Bänden.
Die Reiheedition unseld, die sich dem Dialog von Natur- und Geisteswissenschaften verschrieben hat, startete im Frühjahr 2008 mit acht Titeln und Autoren wieWolf Singer,Josef H. Reichholf undDurs Grünbein. In der Reihe erschienen bis 2016 pro Halbjahr sechs Taschenbücher zum Preis von je zehn bis vierzehn Euro, mit höchstens 160 Seiten in bis 10.000 Exemplaren. Als Programmleiter fungiert Hans-Joachim Simm, der auch für die 2007 begonnene FolgeWeltreligionen verantwortlich ist. Seit Mai 2008 erscheinen zudemunseld lectures an derUniversität Tübingen.
Das erste Programm derfilmedition suhrkamp erschien 2009. Kooperationspartner ist der Berliner Filmverlagabsolut Medien, der Klassikereditionen, Literaturverfilmungen und Porträts von Künstlern und Denkern herausgibt. Die neue Reihe bietet Filme von, mit und überSamuel Beckett,Thomas Bernhard,Pierre Bourdieu,Thomas Brasch,Bertolt Brecht,Jacques Derrida,Marguerite Duras,Max Frisch,Peter Handke,Ödön von Horváth,Uwe Johnson,Alexander Kluge,Robert Walser,Peter Weiss und anderen. Neben klassischen Inszenierungen und Verfilmungen erscheinen auch Porträts und Interviews mit Philosophen und Wissenschaftlern. Umfangreichebooklets ergänzen dieDVDs.
„Der Suhrkamp Verlag verlegt keine Bücher, sondern Autoren.“
Zum Insolvenzverfahren des Suhrkamp Verlags:
52.54313.4141Koordinaten:52° 32′ 34,8″ N,13° 24′ 50,8″ O